Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 47

Lange Zeit war es still in der Rubrik „Pimp My Stock“!

Deshalb soll es heu­te end­lich wie­der eine neue Folge geben.

Was ist „Pimp My Stock“? Leser kön­nen mir hier ihre Fotos schi­cken, wel­che ich öffent­lich mit Blick auf ihre Verkäuflichkeit beur­tei­le und Tipps gebe, wie sie sich even­tu­ell ver­bes­sern las­sen. Hier geht es nicht um schmei­cheln­des Lob, son­dern um kon­struk­ti­ve Kritik, wel­che die Annahmechancen bei Bildagenturen ver­bes­sern soll.

Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen will, fin­det hier alle not­wen­di­gen Informationen.

Heute ist Mandy an der Reihe, die mir schrieb:

Sehr geehr­ter Herr Kneschke,

mit gro­ßem Interesse habe ich Ihren Blog „Pimp My Stock“ gele­sen. Inhalte wie die­se sind für Stock‐Einsteiger eine unglaub­li­che Hilfe.

In die­sem Zusammenhang, hof­fe ich, von Ihnen Feedback zu bekom­men, um mei­ne Fotos effek­tiv im Stockmarkt zu inte­grie­ren.

Ich stu­die­re im ers­ten Semester Computervisualistik und Design an der HSHL in Lippstadt. Seit zwei Jahren gehe ich dem Fotografieren als Hobby nach (mit Digitalkamera – Canon Ixus 170).

Da der Lernaufwand des Studiums bereits einem Vollzeitjob ent­spricht und ich mit „nor­ma­len Studentenjobs“ bis­her wenig Erfolg hat­te, ent­schied ich mich vor einem hal­ben Jahr dafür, dass sich die­ses Hobby auch wirt­schaft­lich nie­der­schla­gen soll. So stieß ich auf die Stockfotografie.

Ich habe mich bereits bei eini­gen Portalen ange­mel­det, aber die meis­ten mei­ner Bilder wur­den abge­lehnt. Darum bit­te ich Sie um Ratschläge, mit denen ich die Markttauglichkeit mei­ner Bilder opti­mie­ren kann.

Für Ihre Hilfe dan­ke ich Ihnen. Im Anhang sen­de ich Ihnen zehn mei­ner Arbeiten.

Viele Grüße.“

Schauen wir uns ihre Bilder mal an.

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Den Anfang macht die­ses Foto einer grü­nen Platine. Während das Motiv gene­rell als Konzept für Themen wie „Technologie“ oder „Fortschritt“ ste­hen kann, ist die Ausführung hier ver­bes­se­rungs­wür­dig. Es sind gro­ße über­strahl­te Bereiche zu sehen, wel­che durch indi­rek­te Beleuchtung hät­ten ver­mie­den wer­den kön­nen. Auch die Bildaufteilung ist ungüns­tig, weil zu viel „Rand“ zu sehen ist. Ein Makroobjektiv mit deut­lich dich­te­rer Aufnahmeposition wäre vor­teil­haf­ter gewe­sen.

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Bei die­ser römi­schen(?) Stadtaufnahme gefällt mir das Licht und der Kontrast zwi­schen den war­men Gebäuden und dem küh­len Himmel, wel­cher fast einen Komplementärkontrast bil­det. Trotzdem gibt es auch hier eini­ge Nachteile, wel­che das Bild rui­nie­ren. Die bei­den offen­sicht­lichs­ten: Das rech­te Gebäude ist oben abge­schnit­ten (ein No‐Go!) und bei­de Häuser schei­nen wegen der per­spek­ti­ven Verzerrung zu kip­pen. Da bie­ten mitt­ler­wei­le alle übli­chen Bildbearbeitungsprogramme Ausrichtungsfunktionen, die ein Fotograf beherr­schen soll­te.

Da fal­len zwei ande­re Punkte fast schon nicht mehr ins Gewicht: Die Ampel oben rechts hät­te mit einer mini­mal ande­ren Kameraposition (oder not­falls eben mit Photoshop) aus dem Bild ent­fernt wer­den kön­nen. Ganz links ist der hal­be Rücken eines Passanten zu erken­nen, der leicht durch eine ver­zö­ger­te Auslösung nicht hät­te im Bild sein müs­sen.

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Ähnliche Probleme mit dem Vordergrund gibt es bei die­sem Rom‐Foto mit Petersdom. Rechts sind etli­che Personen erkenn­bar, was bei den meis­ten Bildagenturen zu einer Ablehnung wegen feh­len­der Modelfreigabe füh­ren wür­de. auch die Mütze der Person links lenkt zuviel Aufmerksamkeit auf sich. Profis arbei­ten hier meist mit einem Stativ und ent­we­der einer Langzeitbelichtung, wel­che die sich bewe­gen­den Personen ver­schwin­den lässt oder mit meh­re­ren Aufnahmen, die dann in Photoshop über­ein­an­der­ge­legt wer­den, um stö­ren­de Passanten leicht retu­schie­ren zu kön­nen.

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Diese Maske in Venedig in ein­deu­tig über­lich­tet. Das führt zu einer Ablehnung wegen „tech­ni­scher Fehler“.  Noch dazu ist das Foto erkenn­bar unscharf, was eben­falls eine Ablehnung recht­fer­tigt. Auch beim Motiv ist nicht erkenn­bar, wo das Augenmerk lie­gen soll oder was die Aussage ist.

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Diese Maske weist kein der eben genann­ten Probleme auf. Trotzdem lie­ße sich das Bild ver­bes­sern, weil es hier „von oben her­ab“ foto­gra­fiert wur­de, was der Maske nicht gerecht wird. Auch eine fron­ta­le­re Komposition wür­de dem Bild hel­fen. Der Zettel an der Maske muss natür­lich weg. Da gibt es etli­che sehr far­ben­fro­he und per­fek­te Aufnahmen von vene­zia­ni­schen Masken* bei den Bildagenturen, die als Maßstab die­nen soll­ten.

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Vermutlich eben­falls in Venedig ent­stand die­ses Schwarz‐Weiß‐Foto einer alten Gasse. Die zwei Musiker stö­ren mei­nes Erachtens, weil sie mit ihren Instrumenten kei­ne „klas­si­sche Sillhouette“ bil­den, die ansons­ten ganz pit­to­resk hät­te sein kön­nen. Außerdem ist der Horizont schief und das Bild zu kon­trast­reich, da die hel­len Bereiche wie­der aus­fres­sen.

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Diese Aufnahme mit einem Mann, der auf den Petersplatz in Rom blickt, ist auf den ers­ten Blick ganz gelun­gen. Die tech­ni­sche Qualität scheint nicht ganz opti­mal zu sein (was aber an der JPG‐Komprimierung lie­gen mag), für ein Handy‐Foto wäre es auf jeden Fall opti­mal und von der Stimmung her auch gefragt. Die Bildaufteilung ist hier sehr gelun­gen und zieht den Betrachter immer wie­der ins Foto rein auf die Stadt und den Sonnenuntergang.

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Äh, nein. Dieses Foto vom Biertrinken wirkt wie ein Schnappschuss beim ört­li­chen Stammtisch. Das Licht reflek­tiert zu stark im Glas und das Bild ist zu ver­rauscht, weil ver­mut­lich ohne Blitz gear­bei­tet wur­de. Vor einem wei­ßen oder zumin­dest neu­tra­le­ren Hintergrund mit weni­ger Rauschen wäre das Motiv ganz pas­send für Bildagenturen, aber so bleibt es höchs­tens ein Schnappschuss für das pri­va­te Fotoalbum.

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Der opti­sche Effekt, den die­se umge­dreh­ten Weingläser erzeu­gen, wirkt ganz span­nend und gefällt mir. Der Hintergrund sowie der Bereich rechts oben wir­ken lei­der wie­der zu unru­hig und auch gene­rell zu dun­kel. Vielleicht hät­te hier schon ein gro­ßes wei­ßes Blatt Papier hin­ten gereicht, um die­se Probleme zu behe­ben.

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Wieder ein Party‐Schnappschuss? Mal ganz abge­se­hen davon, dass an den Fenstern rechts star­ke chro­ma­ti­sche Abberation zu erken­nen ist, die sehr wahr­schein­lich zu einer Ablehnung füh­ren wür­de, ist kei­ne rich­ti­ge Aussage bei dem Motiv zu erken­nen. Das Bild wirkt unru­hig, alles ist ange­schnit­ten und rauscht auch wie­der stark. Das wird so lei­der kei­ne Bildagentur neh­men.

Generell feh­len mir bei die­sen Bildern meist die erkenn­ba­ren Aussagen. Was für ein Thema ent­hält das Foto? Wofür könn­te es ver­wen­det wer­den? Es wirkt lei­der nicht so als wären die Fotos mit Antworten auf die­se Fragen im Kopf gemacht wor­den.

Was sagt ihr? Wie schätzt ihr die Fotos ein?

* Affiliate

2 Gedanken zu „Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 47“

  1. Ich sehe es genau­so wie Robert. Mich wür­de noch das star­ke Rauschen über­all stö­ren. Sollte das nicht an der jpg Kompression lie­gen, son­dern auch so im Original sein, wer­den es Agenturen ableh­nen.
    Eine Frage wäre auch noch die erkenn­ba­ren Personen, die kei­ne Agentur anneh­men wür­de, maxi­mal als Editorial, was sich aber erfah­rungs­ge­mäß schlech­ter ver­kauft.
    Auch bei der Festplatte am Anfang ste­hen noch Zahlen, was zur Ablehung füh­ren könn­te.
    Auch bei den Masken könn­te es zur Ablehnung füh­ren, falls sie als „Kunst“ klas­si­fi­ziert wer­den.
    Insgesamt, ja, fehlt mir auch die „Aussage“ der Bilder. Und der Fotograf müss­te mehr Augenmerk auf die stö­ren­den Vordergründe legen (Leute, Äste, ange­schnit­te­ne Details)

  2. Hallo,
    erst mal etwas Grundwissen über die Bildgestaltung wäre sicher­lich hilf­reich.
    Und mit einer 100€ Digitalkamera kann man zwar manch­mal Bilder ver­kau­fen. Aber meist ist man schnell über die Qualitätsanforderungen der Bildagenturen hin­aus geschos­sen. Das höhe­re Bildrauschen durch den klei­ne­ren Sensor wird häu­fig von Bildagenturen abge­lehnt. Meist sind nur bei gutem Licht und nied­ri­ger ISO Fotos für Bildagenturen mach­bar. Allerdings hängt es auch stark von der JPEG‐Komprimierung ab. Ich ken­ne die Canon nicht. Bei mei­ner Nikon S8000 ist die selbst bei hoher Qualität so stark, daß die meis­ten Fotos abge­lehnt wer­den.
    Ohne bes­ser Kameratechnik, am bes­ten mit RAW‐Dateien, ist es unmög­lich Einfluß auf die tech­ni­sche Qualität eines digi­ta­len Bildes zu neh­men. Ohne Aufrüstung wird es mehr Frust geben. Von Sony, Olympus, Fuji gibt es eini­ge kom­pak­te Kameras mit Wechselobjektiven die RAW‐Dateien machen kön­nen. Investition ab 500 € auf­wärts. So wäre zumin­dest mei­ne Empfehlung für den Einstieg in die Stockfotografie. Ach ja, ich nut­ze eine Fuji XM‐1 als Zweitkamera für unter­wegs. Die ist hand­lich und die Objektive sind her­vor­ra­gend. Die meis­ten Fotos wer­den von den Bildagenturen akzep­tiert. Auch die bis ISO 1600! Olympus und Sony sind da auf ver­gleich­ba­ren Niveau.

    LG
    Bernd

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