Stockfotografie-News 2013-12-27

Zum letz­ten Mal in die­sem Jahr kommt die Nachrichtensammlung, wie immer span­nend und abwechs­lungs­reich:

  • Getty Images hat die­se Vereinbarung mit Pinterest geschlos­sen, wonach Getty bezahlt wer­den soll. Das wur­de auch Zeit und ich hat­te sowas in der Art ja schon vor einer Weile ange­regt. Ernüchternd ist jedoch, was gen­au bezahlt wird: Es geht nicht um die Darstellung der Fotos, wie man erst ver­mu­ten wür­de, son­dern Getty bekommt Geld, um Pinterest die Metadaten für Bilder zu lie­fern. Viele sozia­le Netzwerke, aus denen sich Pinterest-Nutzer ohne Sorgen um die Nutzungsrechte bedie­nen, löschen die Metadaten beim Bild-Upload. Bildersammlungen sind aber nur so viel wert wie die Informationen dazu, wes­halb Pinterest nun für die­se bezah­len will. Ein Interview mit einem Getty-Manager über die Hintergründe des Deals fin­det ihr hier. Ein aus­führ­li­che­rer Artikel dazu kommt in paar Tagen auch hier im Blog.
  • Eine wei­te­re Kooperation hat Getty Images mit dem Kalenderverlag Calvendo geschlos­sen: Das ist ein Verlag, der es Privatleuten ermög­licht, selbst Kalender zusam­men­zu­stel­len und die­se wer­den dann nach einer Prüfung über Online-Shops, Buchläden und ande­re Vertriebswege ver­kauft. Wer jetzt zum Beispiel einen Flensburg-Kalender zusam­men­stel­len will, aber nur 10 pas­sen­de Fotos hat, kann jetzt die rest­li­chen pas­sen­den Bilder aus der Bibliothek von Getty Images suchen. An die­sen Bildern ver­dient dann aber nur Getty und Calvendo, nicht der Fotograf. Über das Thema wird auch hier im Stockfotografie-Forum dis­ku­tiert.
  • Getty Images zum drit­ten: Ein Gericht hat einem Fotojournalisten aus Haiti 1,22 Millionen US-Dollar Schadensersatz zuge­spro­chen, weil die Bildagentur AFP und deren Verteiler Getty Images ein Foto von Twitter genom­men hat­te, ohne die Rechte dar­an zu klä­ren.
  • Shutterstock hat jetzt auch eine Android-App, mit der Bildnutzer mobil nach Bildmaterial suchen kön­nen.
  • Alamy hat­te vor paar Wochen das Auszahlungslimit von 100 auf 75 Us-Dollar gesenkt, gleich­zei­tig aber Gebühren für die Auszahlung ein­ge­führt. Nach Protesten der Fotografen ver­zich­tet Alamy jedoch jetzt auf die Gebühren.
  • iSto­ck ver­schärft die Regeln für Aufnahmen von Privathäusern, die von öffent­li­chem Gelände aus gemacht wur­den. Dafür ist ab sofort auch ein Property Release nötig. Mehr Informationen mit Bildbeispielen gibt es hier.
  • Im Gegenzug lockert Shutterstock die Regeln für redak­tio­nel­le Fotos: Jetzt sind dort nicht nur tages­ak­tu­el­le Fotos erlaubt, son­dern auch redak­tio­nel­le Fotos mit Symbolcharakter. Ausführliche Beispiele fin­det ihr hier.
  • Die Foto-Sharing-App EyeEm hat von Investoren sechs Millionen Us-Dollar ein­ge­wor­ben und ver­kauft jetzt  auch Bilder.
  • Stocksy ist die ers­te Bildagentur, die ein „res­pon­sive desi­gn“ anbie­tet, also ein Seitenlayout, was sich auto­ma­ti­sch an die Bildschirme von Smartphones, Tablets und Desktop-Computern anpasst. Sieht gut aus.
  • Pond5 bie­tet neben Full-HD und 4K-Videos nun auch Videos im Redcode RAW-Format (r3d), also die Rohdaten der RED-Kameras. Außerdem wer­den nun auch Vektor-Grafiken und PSD-Dateien akzep­tiert.
  • Nach iSto­ck, 123rf und Fotolia star­tet jetzt auch die Macrostock-Agentur Westend61 mit der „Smart Collection“ eine Smartphone-Kollektion, mit dem Ziel, ab 2014 ver­mehrt direkt ver­kau­fen zu kön­nen.
  • Die Rating-Agentur Moody’s gab bekannt, dass die Bildagentur Fotolia von Juli 2012 bis Juni 2013 ca. 90 Millionen US-Dollar Einnahmen hat­te. Zum Vergleich: Die Bildagentur Shutterstock hat­te im glei­chen Zeitraum ca. 199 Millionen US-Dollar Einnahmen.
  • Die Firma Profoto revo­lu­tio­niert den Studioblitz: Der neue Profoto B1 mit 500W Leistung und Akku soll TTL kön­nen und wiegt nur 3 Kilo. Stefan Groenveld gerät hier ins Schwärmen.
  • Vor paar Jahren hät­te ich sowas für kom­plett unmög­li­ch gehal­ten, mitt­ler­wei­le kann ich mir gut vor­stel­len, dass die Technik bald funk­tio­nie­ren könn­te: 3-Sweep erstellt aus Foto-Objekten 3D-Versionen, die dann neu im Bild gedreht oder plat­ziert wer­den kön­nen (via Bildbeschaffer).
  • Noch ein klei­nes Spielchen zum Schluss? Wer schafft es, die­se vier Farbreihen kor­rekt zu sor­tie­ren? Kleiner Tipp: Mit einem kali­brier­ten Monitor fällt es deut­li­ch leich­ter.

 Habt ihr noch News, die ich über­se­hen habe? Dann rein in die Kommentare damit.

14 Gedanken zu „Stockfotografie-News 2013-12-27“

  1. Zu dem Rating von Moodys / Fotolia. Hier sind nicht nur die Umsätze inter­es­sant, son­dern vor allem das Rating selbst.

    Soweit ich das lesen kann, ist Fotolia mit B2 ein­ge­stuft (unter Beobachtung, wird even­tu­ell wei­ter anbge­stuft), Die Einschätzung des Bonitätsrisikos bei B2 / Moody ist fol­gen­de:

    Sehr spe­ku­la­tiv, gerin­ge Sicherheit der lang­fris­ti­gen Schuldenbedienung. Hohes Ausfallrisiko.“

    Nachzulesen unter fol­gen­dem Link:

    http://www.code-knacker.de/anleihe-ratings.htm

  2. hi robert, bes­ten dank für die inter­es­san­ten infor­ma­tio­nen!
    ich lese (zumin­dest) jedes mal mit! 

    sehr viel spass hat­te ich auch bei dem farb­test und ich will nicht ver­heh­len,
    dass ich die­sen mit einem „you have the best colour visi­on“ „bestan­den und
    mit einem „0 score“ in „mei­nem alter“ abge­schlos­sen habe. – Und das obwohl mein neu­er
    27„imac einen nicht hin­nehm­ba­ren farbabfall/farbstich hat.

    aber viel­leicht ist der test ja auch nicht sooo schwie­rig. lie­be grü­ße und schon mal ein gutes
    neu­es jahr 2014 mit wei­ter­hin viel erfolg wünscht dir har­dyArt

  3. Schön lang­sam kann man ja fast eine Statistik füh­ren, wie oft Getty Images nega­tiv auf­fällt 🙂
    Die Überraschung des Jahres ist für mich aber Stocksy. Ich hät­te denen am Anfang kei­ne Chance gege­ben. Aber schein­bar wird das was ganz Ordentliches.

  4. Bietet jemand aktiv bei Stocksy an und kann etwas über den Umsatz im Vergleich mit den ande­ren gro­ßen Micro-Agenturen sagen? Wenn ich es rich­tig ver­ste­he neh­men die nur Exklusive Fotografen, und momen­tan kommt man sowie­so nicht rein?

  5. Walter, ich habe das auf das Portfolio bezo­gen. Zahlen habe ich natür­li­ch auch kei­ne.
    Ich dach­te am Anfang, das wird Microstockniveau zu Midstock Preisen. Aber die schei­nen ein wirk­li­ch gutes Portfolio auf­zu­bau­en. Das Problem was die noch bekom­men wer­den, ist glau­be ich eher der Preis. Die Qualität ist ja da, aber der Preis ist zu nied­rig. Da kann ich mir schon vor­stel­len, dass es schwer wird Partnerageturen zu fin­den. Die wol­len sich ja durch eine Midstock Collection nicht selbst die Preise kaputt machen.

  6. @maxII: Danke, alles klar.

    Nun, zum Teil sind es gute Sachen. Manchmal auch wie­der – najaaa…

    Zum Thema Sonnenenergie gibt es 10 Bilder, da wür­den es etli­che davon in einer Micro nicht schaf­fen durch die Selektion zu kom­men.

    Auch der größ­te Teil zum Thema Venedig ist nicht wirk­li­ch Durchschnitt.

    Paris hat 300 Bilder, vie­le aber das Thema Paris nur als Randerscheinung. (Eine Person die zufäl­lig in Paris ist).

    Was ich mich fra­ge ist, ob die­se gerin­ge Bildauswahl den Kunden genügt. Paris bei FT 74.000, Paris 56.000 und Sonnenenergie über 60.000. Also im Vergleich eine rie­si­ge Auswahl und ein bes­se­rer Preis.

    Oder bei Getty: Solar 5200 Bilder, Venedig 19.000 und Paris 40.000.

    Preislich ist Stocksy da in der Mitte, aber das Angebot an Material? Ob das lang­fris­tig reicht? Und das wird durch die qua­si Aufnahmesperre ja nicht bes­ser. Es ist also in ers­ter Linie (eini­ge ganz weni­ge Ausnahmen abge­se­hen) was für Amateure. Profis, die viel lie­fern kön­nen, wer­den sich nicht dar­auf ein­las­sen kön­nen. Und da gebe ich mei­ne Bilder lie­ber an Westend, die ver­kau­fen über gut ein­ge­ses­se­ne Agenturen um bes­se­res Geld, und auch nach dem Splitting bleibt mehr über als ich bei Stocksy bekom­men wür­de.

    Und die hoch­ge­lob­te Community von Stocksy ist nett – aber um die kann ich mir nichts kau­fen. Jeder der irgend­wo auf dem Stockmarkt sei­ne Bilder anbie­tet ist ein Mitbewerber. Das ist nun mal so.

    Ich habe jetzt schon län­ger nichts mehr über Stocksy im eng­li­schen Forum gele­sen, weil es für mich kein Thema ist. Gibt es da schon Einträge über (wesent­li­che) Umsätze/Verkäufe?

  7. Walter ich ver­ste­he schon was du mein­st. Aber ich glau­be eine neue Agentur kann nicht mehr Universalanbieter wer­den. Da gibt es meist eine Spezialisierung auf Lifestyle. Bei Lifestyle spie­len oft Konzepte eine Rolle. Wenn man von den Konzept Keywords mal eines raus nimmt. Zum Beispiel „toge­ther­ness“. Dann erge­ben sich bei die­ser Keyword Suche bei Fotolia, über 201.000 Treffer, mit meist gene­ri­schen Bildern. Bei isto­ck sind es gar über 550.000 Treffer, auch meist mit gene­ri­schen Bildern. Bei Shutterstock sind es gar über 670.000 Bilder, auch fast nur gene­ri­sche Bilder. Bei Stocksy sind es 3277 Bilder. Meist aber recht gutes Niveau.
    Aber wie du schon schreib­st, bei einer qua­si Aufnahmesperre wer­den die nicht mehr wirk­li­ch wach­sen.

  8. Ich bie­te bei Stocksy an, bin aller­dings ein klei­ner Fisch im Feld. Einnahmen habe ich auch, einen durch­aus bes­se­ren RPI als bei den Micros. Damit klärt sich auch, ob man als Stocksy-Fotograf noch woan­ders anbie­ten kann – ja kann man. Die ange­bo­te­nen Bilder sind „seri­en­ex­klu­siv“, heißt also, Bilder sind exklu­siv und schwes­ter­bil­der aus einem Shooting dür­fen nicht woan­ders ange­bo­ten wer­den.
    Leben kann ich von den Einnahmen nicht, ist mir aber auch nicht wich­tig, kann ich auch von den Micros nicht. Es gibt aber ande­re, die durch­aus ordent­li­che Einnahmen erzie­len, von denen ich leben könn­te, aber nicht weiß, ob die, die Einnahmen haben es auch kön­nen.
    Stocksy nimmt noch neue Fotografen an, hat aber etwas wie eine jähr­li­che Annahmequote. Das kommt daher, dass man als Co-op nicht zu schnell wach­sen will und wir als Co-op mit­glie­der ja auch PRofite erwirt­schaf­ten wol­len, denn an denen ver­die­nen wir mit. Das bedeu­tet, dass momen­tan, das gesam­te mar­ke­ting, site deve­lop­ment und edit­ing von einem extrem klei­nen Team gemacht wird (glau­be weni­ger als 10 Personen). Ein schnel­les Wachstum (auch auf der Anbieterseite) wür­de ver­mut­li­ch dazu füh­ren, dass die Personalkosten und ande­re Fixkosten zu schnell stei­gen wür­den und das soll ver­mie­den wer­den.
    Dass es noch Lücken in der Kollektion gibt, klar – aber als Fotografen krie­gen wir auch regel­mä­ßig updates bei image trends und die og. Begriffe gehö­ren glau­be ich noch nicht zu dem wonach die Kunden von Stocksy der­zeit suchen.
    Also Fazit: alles geht lang­sam, aber es geht. Und vom busi­ness­mo­dell und der busi­ness­vi­si­on fin­de ich es wich­tig, dass es eine Agentur wie Stocksy gibt.

  9. @Melli: Danke für Deinen Bericht!

    @Kristan: Mit Kunden? 😉

    Ganz so neu kön­nen die nicht sein:
    Creation Date: 2006-10-03 17:51:20, die Domain gibt es schon eini­ge Zeit…

    Der Suchbegriff „woman“ lie­fert auch nicht gera­de die typi­sch gesuch­ten euro­päi­schen Motive. „Businesswoman“ 5 (!) Bilder. Phhhh…

    Zudem wer­den alle als Quadrat ange­zeigt, dass ist bei man­chen Bildern auch nicht gera­de vor­teil­haft, weil wich­ti­ge Teile abge­schnit­ten wer­den.

    Und ich per­sön­li­ch has­se zwar manch­mal die Selektoren, aber so ganz ohne?

  10. Angeblich erst seit Juli 2013, läuft ja noch als Beta. Hatte bis jetzt dort einen Verkauf. Also viel mehr, als ich bis jetzt bei Zoonar ver­kauft habe. 😉

  11. @Kristan:
    Nun „klas­si­sches“ Stockmaterial ist das sicher nicht. Das könn­te eine Chance sein. Aber das Preis-Niveau ver­ste­he ich noch nicht ganz. Warum ver­kau­fen die Leute die Bilder (wenn sie die Preise noch dazu sel­ber fest­set­zen kön­nen) für Micro-Niveau?? Ein Großteil die­ser Bilder wür­de auch locker in Makro ver­kauft wer­den um ein viel­fa­ches…

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