Die Vor- und Nachteile von Klarnamen bei Bildagenturen

Vor paar Tagen hat­te ich eine Email im Postfach mit einer inter­es­san­ten Frage:
„Guten Abend,
ich habe ihren Fotoblog mit Interesse gele­sen – bei wei­tem noch nicht alles 😉 . Ich hät­te auch mal eine Frage, die mich inter­es­siert bezüg­li­ch Stockagenturen. Was wäre Ihre Empfehlung bezüg­li­ch des Anmeldenamens bei Stockagenturen? Ich sehe, dass sehr vie­le einen Nickname ver­wen­den und ich mir anfangs auch immer schwer tue, irgend­wo mei­nen Realnamen zu veröffentlichen…warum auch immer, liegt wohl in mei­nem Sicherheitsdenken. Gibt es hier irgend­wel­che Pro’s und Con’s? 🙂
Herzlichen Dank für die Zeit und einen schö­nen Abend“
Damit sind wir gleich beim Thema: Was sind die Vor- und Nachteile von Klarnamen oder Pseudonymen bei Bildagenturen?

Im Grunde gibt es drei Optionen: Man ver­kauft die Fotos mit sei­nem eige­nen Namen oder man wählt ein Pseudonym, wel­ches ent­we­der sofort als ein sol­ches erkenn­bar ist wie z.B. „Detailblick“ oder „Picture-Factory“ oder man wählt einen Künstlernamen, der wie ein „ech­ter“ Name wirkt, zum Beispiel „Yuri Arcurs“, der in Wirklichkeit Jacob Wackerhausen heißt.

Vorteile eines ech­ten Namens:
Echte Namen erzeu­gen beim Bildkäufer Vertrauen, weil sie gen­au wis­sen, mit wem sie es zu tun haben. Außerdem las­sen sich so even­tu­el­le Synergieeffekte nut­zen, wenn zum Beispiel Bildkäufer den Fotografen fin­den wol­len, um ihn für ein Fotoshooting zu buchen oder der Fotograf Bücher schreibt.

Vorteile eines Pseudonym:
Einige Leute wol­len gar nicht, dass ande­re mit­krie­gen, dass sie Fotos ver­kau­fen. Dafür kann es ver­schie­de­ne Gründe geben: Sei es, weil der Chef vom neu­en Nebenverdienst nichts mit­be­kom­men soll oder man sich als eta­blier­ter Fotograf mit hoher Tagesgage dafür schämt, ande­re Fotos gleich­zei­tig deut­li­ch güns­ti­ger bei Bildagenturen zu ver­trei­ben. Es kön­nen auch komi­sche Situationen ent­ste­hen, wenn der Fotograf neben­bei foto­gra­fiert und im Hauptberuf mit Kunden oder Lieferanten zu tun hat, wel­che dann Fotos vom ihm bei Bildagenturen gekauft haben. Noch unan­ge­neh­mer wird es, wenn die­se die Bilder geklaut statt gekauft haben und abge­mahnt wer­den sol­len.

Wenn die eige­ne Firma irgend­wann so groß wird, dass Angestellte und Mitarbeiter dazu­kom­men, kann ein Pseudonym nütz­li­ch sein, weil ein Klarname eher mit einem Einzelunternehmen asso­zi­iert wird. Auch die Auffindbarkeit in Suchmaschinen kann eine Rollen spie­len, denn wer als Fotograf einen berühm­ten Namensvetter hat oder zum Beispiel „Hans Meier“ heißt, der wird im Internet schnell von nicht zu ihm gehö­ren­den Treffern erschla­gen und hat es schwer, sich dort durch­zu­set­zen. Generell gilt: Wenn der eige­ne rich­ti­ge Name sehr lang oder unaus­sprech­li­ch ist oder man einen sehr ver­brei­te­ten Familiennamen wie Müller, Schmidt oder Meyer hat, bie­ten sich Pseudonyme an

Ein klei­ner Nachteil von Pseudonymen ist, dass es – ent­we­der in der Vergangenheit oder in der Zukunft – ande­re Leute geben könn­te, wel­che den glei­chen Namen nut­zen wol­len. Wer sich sein Pseudonym nicht schüt­zen las­sen hat, kann Probleme bekom­men.

Künstlernamen bie­ten einen guten Kompromiss, weil sie wie ech­te Namen klin­gen, aber eben kei­ne sind. Aber auch, wer als Fotograf sei­ne ver­schie­de­nen Geschäftssparten von­ein­an­der tren­nen möch­te, soll­te über ein Künstlernamen für sei­ne Stockfotos nach­den­ken, damit die Suchergebnisse nicht zum Beispiel die eige­ne Webseite für die Hochzeitsfotografie ver­drän­gen.

Angesichts die­ser vie­len Vorteile von Pseudonymen liegt die Frage auf der Hand, war­um ich dann mei­ne Bilder trotz­dem unter mei­nem rich­ti­gen Namen anbie­te?

Am Anfang war ich noch Hobby-Fotos und mir nicht bewusst, dass der Bilderverkauf inner­halb weni­ger Jahre zu mei­ner Haupteinkommensquelle wer­den wür­de. Als ich mich nach drei Jahren Fotoverkäufen 2008 bei meh­re­ren Microstock-Agenturen anmel­den woll­te, über­leg­te ich lan­ge und woll­te das Pseudonym „style-photographs“ wäh­len. Hier trat aber schon das Problem auf, dass eini­ge Agenturen bei der Anmeldung kei­nen Bindestrich akzep­tier­ten, ande­re nur weni­ger Zeichen als ich benö­tigt hät­te und bei den bis­he­ri­gen Agenturen war ich sowie­so mit mei­nem rich­ti­gen Namen bekannt. So ließ ich es ein­fach bei mei­nem Klarnamen.

Vor allem, wenn man schon eine gewis­se Bekanntheit erreicht hat, kann eine spä­te Änderung nach­tei­lig sein, weil die Bildkäufer einen unter dem alten Namen nicht mehr fin­den.

Wie seht ihr das? Bietet ihr unter eurem ech­ten Namen oder einem Pseudonym an? Und war­um?

3 Gedanken zu „Die Vor- und Nachteile von Klarnamen bei Bildagenturen“

  1. Ich bin seit zwan­zig Jahren (also schon vor mei­ner Stock Fotografie) im Internet mit einem „Künstlernamen“ unter­wegs. Angefangen hat es damit, dass inter­na­tio­nal mein ech­ter Nachname nicht ein­fach aus­sprech­bar ist und Kontakte sich den somit auch nicht ein­fach mer­ken konn­ten. Als ich dann hob­by­mäs­sig mit Stockfotografie ange­fan­gen habe, war es für mich selbst­ver­ständ­li­ch, bei inter­na­tio­na­len Agenturen den­sel­ben Kunstnamen zu ver­wen­den.

    Da ich jetzt nicht-exklusiv gewor­den bin, sehe ich mich nun aber auch damit kon­fron­tiert, dass bei der einen oder ande­ren Agentur die­ser Name nicht mehr ver­füg­bar ist. Scheinbar han­delt es sich dabei aller­dings nicht um ande­re Fotografen, son­dern ent­we­der um Benutzernamen von Kunden oder von Mitgliedern, die sich ange­mel­det, aber kei­ne Fotos hoch­ge­la­den haben. Aber der Name ist halt ver­ge­ben. Daher expe­ri­men­tie­re ich mit Ergänzungen („Foto“, „Berlin“), die auch ein biss­chen loka­les Flair rein­brin­gen.

    Interessanterweise gibt es mit mei­nem Realnamen (ein in der Schweiz ver­brei­te­ter Nachname plus der in mei­nem Jahrgang belieb­te Vorname Michael…) einen guten Hobbyfotografen in der Schweiz und einen Berufsfotografen in Kalifornien. Also wäre auch da eine Verwechslung vor­pro­gram­miert. 🙂

  2. Es gibt noch einen ande­ren Grund, einen Nickname zu ver­wen­den. Ich arbei­te und publi­zie­re in einem exo­ti­schen, klei­nen Wissenschaftsgebiet. Solche klei­nen Fächer haben – das ist glau­be ich eine fächer­über­grei­fen­de Erscheinung – die Eigenschaft, dass man schnell in einem Elfenbeinturm sitzt und jeder jeden kennt. Da wür­de es stö­rend wir­ken bzw. mög­lich­wei­se wür­de man auch durch „Geringschätzung bestraft“, wenn man zu erken­nen gäbe, dass man auch auf einem völ­lig ande­rem Gebiet tätig ist und dem eige­ne Fachgebiet nicht so erge­ben ist, dass man noch ande­re Interessen wahr­neh­men kann. Das passt nicht ins heh­re Bild, dass die meis­ten Kollegen (häu­fig im uni­ver­si­tä­ren Bereich oder im öffent­li­chen Dienst wohl­be­stallt) von der eige­nen Berufsgruppe hegen und pfle­gen. Neulich wur­de ich auch mit der Situation kon­fron­tiert, dass eine Kommune als Auftraggeber mei­ner Tätigkeit gleich­zei­tig mit einem Bild mei­ner foto­gra­fi­schen Tätigkeit für sich warb. Da war ich ganz zufrie­den, dass bei­des nicht mit­ein­an­der in Verbindung gebracht wur­de.

  3. Wenn man Stockfotografie nicht haupt­be­ruf­li­ch macht, hat eini­ge Pseudonym Vorteile. Beruflich gibt es neben den erwähn­ten Gründen vie­leicht noch einen wei­te­ren. Bei einer Stellenbewerbung wird sehr oft schon der Name des Bewerbers in eine Suchmaschine ein­ge­ge­ben. Taucht dann ein Portfolio des Bewerbers mit tau­sen­den Bildern bei ver­schie­de­nen Agenturen auf. Könnte schnell der Eindruck ent­ste­hen, der Bewerber ist ohne­dies auf dem Sprung in die Selbsständigkeit. Meist erfolgt ja bei Einstellung noch Firmenintern eine Ausbildung von eini­gen Monaten, bis über einem Jahr. Alles mit Kosten ver­bun­den. Da will man natür­li­ch Bewerber die sich län­ger­fris­tig an die Firma bin­den.

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