Warum Pinterest Fotografen eher schaden als helfen wird

In der bun­ten Welt der Bilder gibt es einen neu­en Hype: Pinterest!

Für alle, die davon noch nichts gehört haben: Pinterest ist ein Web‐Service, mit dem Leute belie­bi­ge Fotos aus dem Internet an ihre eige­ne Pinterest‐Seite „pin­nen“ kön­nen. Es ist also – wie der Name ver­mu­ten lässt – eine Art digi­ta­le Pinnwand, auf der Leute ihre Webfundstücke prä­sen­tie­ren kön­nen. Vor allem Fotografen ken­nen das sicher, dass sie ger­ne inspi­rie­ren­de Motive aus dem Netz in einem Ordner auf der Festplatte sam­meln.

Das Besondere – und mei­nes Erachtens auch das Riskante – an Pinterest ist nun, dass die gepinn­ten Bilder für alle sicht­bar sind – nicht nur für Mitglieder, son­dern alle Internet‐Nutzer. Die „Pins“, also die mar­kier­ten Fotos, kön­nen die Nutzer in „Boards“ anle­gen, ver­gleich­bar mit ver­schie­de­nen Ordnern, um die Motive zum Beispiel nach Themen, Farben oder ande­ren Kriterien zu sor­tie­ren. Das Ganze kann dann zum Beispiel so aus­se­hen:

oder auch so:

 


Wird die Maus auf eins der Bilder gehal­ten, erscheint gleich ein klei­nes Pop‐Up‐Fenster, mit dem Pinterest‐Nutzer das Bild sofort auf ihre eige­ne Pinnwand „re‐pinnen“ kön­nen. Wird auf eins der Bilder geklickt, erschei­nen Detailinformationen, Kommentare ande­rer Nutzer zum Bild, und ähn­li­che Bilder etc. Das sieht zum Beispiel so aus:

Klingt doch alles super? Vielleicht. Das Problem wird aber schnell sicht­bar.  Das Foto des jun­gen Geschäftsmann oben ist bei­spiels­wei­se ist ein Bild des Stockfotografen Yuri Arcurs und es wur­de von der ita­lie­ni­schen Fotolia‐Webseite kopiert, ohne es zu kau­fen – ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Aber gehen wir einen Schritt zurück und nähern uns dem Problem anders.

Einige Fotografen pro­pa­gie­ren Pinterest als krea­ti­ven neu­en Weg zum Selbst‐Marketing. Durch das Pinnen eige­ner Bilder wür­den Fotografen einen gro­ßen Kundenstamm errei­chen kön­nen, der sonst viel­leicht nie von dem jewei­li­gen Fotografen gehört hät­te oder sie erzeu­gen Traffic auf die eige­ne Webseite oder den Blog. Andere sehen das eher mit Einschränkungen so und wie­der ande­re raten Fotografen strikt von der Pinterest‐Nutzung ab. Ich ten­die­re eher zur letz­te­ren Meinung und kann die Ablehnung auf drei Ebenen begrün­den.

1. Ebene: Das Pinterest‐Problem der Quellenangaben

Nehmen wir an, dass ein Fotograf nur sei­ne eige­nen Fotos dort ver­öf­fent­licht. Die „Pinterest‐Etikette“ besagt, dass die Originalquelle immer ange­ge­ben wer­den soll­te. Das ist aber kei­ne Pflicht. Wenn jemand ein Foto ohne Quellenangabe hoch­lädt und es von dort oft wei­ter gepinnt wird oder jemand das Fotografenfoto nimmt, aber die Quelle nicht mehr erwähnt, führt das schnell dazu, dass mas­sen­haft Fotos des Fotografen im Netz her­um­schwir­ren, ohne dass der gewünsch­te Werbeeffekt ein­tre­ten kann. Von Pinterest schwappt es dann nach Tumblr, Weheartit oder Flickr und irgend­wann gilt das Bild als „ver­wais­tes Werk“ (orphan work), wel­ches legal genutzt wer­den kann, ohne den Fotografen zu fra­gen, weil der Urheber nicht mehr zu ermit­teln sei.

Deshalb gilt: Wer unbe­dingt eige­ne Bilder bei Pinterest ein­stel­len will, soll­te das immer nur mit sicht­ba­ren Wasserzeichen und Urheberhinweis in den Metadaten machen.

Die Macher von Photoshelter haben in einem lesens­wer­ten Blogbeitrag auch fest­ge­stellt, dass die Hauptnutzer von Pinterest jun­ge Frauen mit wenig Geld sind, wel­che „Design“ oder „Handarbeit“ als ihr Hobby ange­ben. Das ist meist nicht die Zielgruppe, die Fotografen bucht. Und war­um soll­ten die­se Leute Fotos kau­fen, wenn sie die­se doch kos­ten­los bei Pinterest ver­öf­fent­li­chen kön­nen? Das führt lang­fris­tig zum Problem auf der drit­ten Ebene, aber zuerst kommt die zwei­te Ebene:

2. Ebene: Das Pinterest‐Problem der Urheberrechte

Wer sich mit Medienrecht oder Fotografie etwas aus­kennt, wird beim Blick auf Pinterest inner­halb von Sekunden vie­le Urheberrechtsverstöße erken­nen. Anders for­mu­liert: Viele Bilder wer­den dort ille­ga­ler­wei­se gezeigt. Im ver­klau­su­lier­ten Kleingedruckten der Nutzungsbedingungen schreibt Pinterest, dass ver­öf­fent­lich­te Bilder frei von Rechten Dritter sein müs­sen:

You agree not to do any of the fol­lo­wing: Post, upload, publish, sub­mit, pro­vi­de access to or trans­mit any Content that: (i) infrin­ges, misap­pro­pria­tes or vio­la­tes a third party’s patent, copy­right, trade­mark, tra­de secret, moral rights or other intel­lec­tu­al pro­per­ty rights, or rights of publi­ci­ty or pri­va­cy“

Viele Nutzer hal­ten sich jedoch nicht dar­an. So brauch­te ich wie­der nur Sekunden, um für jede der gro­ßen Bildagenturen hun­der­te von Fotos zu fin­den, die dort gezeigt wer­den, fast immer noch mit dem Wasserzeichen der Bildagentur, ver­mut­lich oft ohne Erlaubnis des Fotografen: Hier von Fotolia, von Shutterstock,  von istock­pho­to oder Dreamstime, aber auch von Getty Images, Corbis oder Alamy.

Zusammen sind das schnell tau­sen­de ille­ga­le Bilder, gefun­den inner­halb von weni­ger als paar Minuten.

Auf mei­ne Email an Pinterest, was die Firma aktiv gegen sol­che mas­si­ven Urheberrechtsverstöße mache, kam nur die lapi­da­re Antwort, dass ein Urheber ers­tens sein Werk nach dem DMCA‐Gesetz ger­ne mel­den kön­ne, wenn er es irgend­wo auf Pinterest fin­de. Zweitens kön­nen Webseiten‐Betreiber auf ihren Seiten die­sen Meta‐Tag ein­bin­den, damit die Inhalte nicht auf Pinterest gepinnt wer­den kön­nen:

<meta name=„pinterest“ content=„nopin“ />“

Ein Schweigen der Urheberrecht‐Inhaber wird so als auto­ma­ti­sche Zustimmung gewer­tet. Außerdem hilft das Meta‐Tag nicht, wenn Leute ein Foto erst von der gesperr­ten Webseite auf ihren Computer laden und von dort auf Pinterest ver­öf­fent­li­chen.

Besonders per­fi­de klingt das ange­sichts der Tatsache, dass sich Pinterest auch das Recht her­aus­nimmt, die ver­öf­fent­lich­ten Bilder ver­kau­fen zu dür­fen:

By making avail­ab­le any Member Content through the Site, Application or Services, you her­e­by grant to Cold Brew Labs a world­wi­de, irre­vo­ca­ble, per­pe­tu­al, non‐exclusive, trans­fera­ble, royalty‐free licen­se, with the right to sub­li­cen­se, to use, copy, adapt, modi­fy, dis­tri­bu­te, licen­se, sell, trans­fer, publicly dis­play, publicly per­form, trans­mit, stream, broad­cast, access, view, and other­wi­se exploit such Member Content only on, through or by means of the Site, Application or Services“ [Hervorhebung von mir]

Einige Leute argu­men­tie­ren, dass Pinterest sich auf die „Fair Use“-Klausel beru­fen kön­ne, nach der die urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Bilder bei Pinterest zu einem „neu­en Werk“ trans­for­miert wer­den, ähn­lich wie es damals bei einer Klage gegen die Thumbnails von Google Images argu­men­tiert wur­de, aber der Rechtsanwalt Itai Maytal wider­spricht dem jedoch, der deut­sche Rechtsanwalt Christian Solmecke nennt Pinterest sogar „eine ein­zi­ge Urheberrechtsverletzung“. Das alles führt uns zur drit­ten und lang­fris­tig gefähr­lichs­ten Ebenen für Fotografen.

3. Ebene: Das Fotografen‐Problem des Gewöhnungseffekts

Es hilft nichts, wenn Fotografen sich jetzt nur hin­stel­len und auf ordent­li­che Quellenangaben pochen und not­falls ihren Anspruch mit teu­ren Abmahnungen ein­kla­gen. Angesichts der oben auf­ge­zeig­ten tau­sen­den Fälle bleibt das alles nur ein Tropfen auf den hei­ßen Stein. Schlimmer noch ist der Gewöhnungseffekt, der sich bei den Internet‐Nutzern ein­stellt. Fotografen ver­die­nen ihr Geld haupt­säch­lich damit, dass Leute sie für ihre Bilder bezah­len. Internetnutzer glau­ben jedoch sehr häu­fig, dass Bilder im Internet kos­ten­los sind. Dazu tra­gen Web‐Services wie Pinterest, Tumblr und Weheartit, aber auch  Facebook und Konsorten stark bei.

Je mehr Privatpersonen die­se Dienste nut­zen, des­to eher nut­zen auch Firmen und ande­re kom­mer­zi­el­le Anbieter sol­che Seiten. Diese wie­der­um wer­ben dann auch mit urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Fotos, ohne sie gekauft zu haben. Damit gehen Fotografen ganz kon­kret auch Einnahmen und Folgeaufträge ver­lo­ren. Kleines Beispiel? Gefunden inner­halb einer Minute: Auf der Pinterest‐Seite des Hotel München zeigt das Hotel ein Foto eines Fahrrads aus Gemüse. Der Bildqualität nach zu urtei­len, wur­de es nicht bei Fotolia gekauft, von wo es ursprüng­lich kommt, son­dern ein­fach das Layoutbild ver­wen­det:


Wenn Fotografen nicht auf­pas­sen, kommt irgend­wann der Moment, an dem die Macht der Gewohnheit so stark und die Menge der unwis­sen­den Internet‐Nutzer so groß ist, dass sich die Gesetze dem neu­en „Lebensstil“ anpas­sen müs­sen und ein­fach geän­dert wer­den. Die Piratenpartei arbei­tet schon dar­auf hin und da sie vor allem von jun­gen Leuten gewählt wird, stei­gen deren Chancen.

Eine Lösung habe ich nicht: Wie macht man Leuten klar, dass Bilder und Fotos kein kos­ten­lo­ses Treibgut im Internet sind, dass jeder auf­sam­meln und aus­stel­len kann? Am bes­ten, ohne Privatpersonen ver­kla­gen zu müs­sen?

Was sagt ihr? Welche Chancen und Risiken seht ihr bei Pinterest?

101 Gedanken zu „Warum Pinterest Fotografen eher schaden als helfen wird“

  1. Ja, da gebe ich Dir recht. Insbesondere Dein Argument mit dem Gewöhnungseffekt.
    Aber was ist die Alternative? Keine Bilder mehr in Netz stel­len? Eigentlich auch kei­ne Option.
    Dickes Wasserzeichen über alle Bilder? Hm.
    Ich bin rat­los .…

  2. Also, wenn ich mei­ne Bilder auf fb und co. prä­sen­tie­re, dann nur mit Wasserzeichen und Hinweis, wo man das Bild legal bezie­hen kann.
    Abhilfe wür­de eine inter­na­tio­na­le Urheberrechtsnennungspflicht (egal in wel­chen Medien) schaf­fen. Aber schon 1000 Mal erwähnt. Also wo soll ich unter­schrei­ben?!

  3. Unsere Fotografenlobby ist ein­fach zu schwach. Würde es sich um Musik oder Filme han­deln, dann wür­den die Pinterestbetreiber wahr­schein­lich schon im Knast sit­zen, so wie der welt­be­rühm­te Kim Schmitz. Ich fin­de, hier soll­te die Bildagenturen tätig wer­den, sonst haben wir kei­ne Chance…

  4. Hallo Robert,
    Hallo Zusammen,

    sehr inter­es­san­ter Beitrag.

    Die Argumente sich begrün­det und pas­sen natür­lich.
    Auch der Hinweis, dass man bei der Anfangsproblematik anset­zen muss, ist sinn­voll und gege­ben. Ich den­ke, an die­ser Stelle wird auch viel zu wenig ange­setzt. Also ich habe noch kei­ne Kampagne von irgend­ei­nem unse­rer zahl­rei­chen Verbände regis­triert, wel­che sich ein­fach für ein „Fair Use“ ein­setzt bei Endnutzern, wie zum Beispiel (oder ähn­lich) aus der Filmbranche.

    Aber ich den­ke in die­ser Richtung liegt die Lösung.

    Dass dargstell­te Bilder ein Wasserzeichen beinhal­ten soll­ten, kann ich nur bestä­ti­gen. Natürlich schrei­en jetzt die Stimmen auf, dass das die Aufnahme zer­stört usw., aber gibt es eine bes­se­re Lösung? Wer ein Bild ohne Wasserzeichen genies­sen möch­te, kann es ja erwer­ben? 🙂
    Mittlerweile gibt es auch gute Möglichkeiten ein Wasserzeichen dezent zu pla­tie­ren, sei es durch Transparenz oder in einem Rahmen, wel­cher das Bild nicht beschnei­det. Das soll­te mei­ner Ansicht nach auch jeder tun, der davon leben muss 😉

    @Alex Die Richtung find ich wie oben erwähnt nicht ver­kehrt, bin aller­dings über­zeugt, dass das nicht Aufgabe der Bildagenturen ist, son­dern wie schon geschrie­ben Aufgabe der ver­schie­de­nen Verbände ist sich a) für ver­nüf­ti­ge Lösungen ein­zu­set­zen und b) sinn­vol­le Kampagnen zu star­ten 🙂

  5. Hallo,
    ich den­ke, dass die Bildagenturen hier nicht gegen­an gehen wer­den. Die sind viel zu lethargisch.Wobei aber gera­de das der Todesstoß für die Micros sein könn­te. Das sehe ich als ein­zi­ge Chance …
    Was sind die Optionen? Ein Wasserzeichen bekommt man 1fix3 mit PS & Co. her­aus­re­tu­schiert. Egal, wie groß oder sonst­wie. Metadateien las­sen sich auch ganz ein­fach her­aus­lö­schen. Selbst dafür gibt es lega­le, kos­ten­lo­se Programme.
    Und ich gehe davon aus, dass nicht nur von den BA’s geklaut wird. Auch von unbe­tei­lig­ten Webseiten. Leider sind auch nicht nur jun­ge Internetnutzer die­je­ni­gen, die mei­nen, alles sei kos­ten­los zu haben. Ich selbst habe dies­be­züg­lich schon Erfahrungen machen müs­sen, selbst gro­ße deut­sche Firmen und Reiseveranstalter gehö­ren zu den Bilderdieben.
    Die BA’s kann man m.E. nur orga­ni­siert dazu zwin­gen, der­ar­ti­ge Straftaten zu ver­fol­gen. Das wird schon schwie­ri­ger, weil jeder Fotograf für sich sein eige­nes Süppchen kocht …
    Bliebe noch die Möglichkeit, selbst gegen sol­che Strolche wie Pinterest vor­zu­ge­hen, das bedeu­tet jedoch, man beschäf­tigt einen Anwalt rund um die Uhr (wäre das nicht eine Geschäftsidee?)
    Gruß Roland

  6. Hi,
    ich foto­gra­fie­re nur Hobby‐mäßig, aller­dings inter­es­sie­ren mich die recht­li­chen Implikationen der Bildweitergabe schon immer. Persönlich geht’s mir mehr dar­um etwas Kontrolle dar­über zu haben, wo die Bilder hin­fin­den und wer sie nutzt. Allerdings muss man sich von der Fantasie ja schon in dem Moment ver­ab­schie­den, in dem man ein Foto ver­öf­fent­licht. Was erst­mal im Netz steht, ist prak­tisch betrach­tet vogel­frei. Das ist ’ne Tatsache, an der es nix zu rüt­teln gibt.
    Will man auf die­se Präsenz nicht ver­zich­ten, blei­ben im Bereich des Agierens natür­lich die Wasserzeichen (für mich ein no‐go) oder die Offensive. Für mich isses nicht loh­nens­wert, aber wer mit den Bildern Geld ver­die­nen muss, soll­te dafür sor­gen, dass sei­ne Originale bekannt wer­den. Über sei­ne eige­nen Kanäle. Je bekann­ter ist, von wem ein Foto eigent­lich ist, des­to eher fliegt ’ne unrecht­mä­ßi­ge oder unge­kenn­zeich­ne­te Weitergabe auf. Freilich gibt’s für „Bekanntheit“ kein Rezept, also nicht ganz simp­ler und immer indi­vi­du­el­ler Weg.
    Auf der Seite des Reagierens reicht das Spektrum natür­lich von der freund­li­chen E‐Mail bis zur Klage. Letztere ist in mei­nen Augen nur bei kom­mer­zi­el­ler Verwendung gerecht­fer­tigt und sinn­voll (muss ja auch was zu holen sein).
    Insgesamt ist das Problem doch aber ganz und gar nicht neu. Gibt jetzt halt noch einen Dienst der Weitergabe ein­fach macht. Nicht sooo viel anders als Tumblr. Vielleicht für den einen oder ande­ren bes­ser benutz­bar. Im Großen ist aber tat­säch­lich die Frage ent­schei­dend, ob denn Schaden ent­steht. Die Weitergabe ist ja erst­mal nicht schlimm, son­dern viel­leicht sogar erwünscht. Kompliziert wird’s bei ’ner kom­mer­zi­el­len Verwendung (sie­he oben), oder wenn’s jemand anders als sein eige­nes dekla­riert. Für bei­de Fälle bie­tet unse­rer Rechtsraum brauch­ba­re Instrumente um vor­ge­hen zu kön­nen. Und wenn’s inter­na­tio­nal wird kommt’s wie­der auf die oben erwähn­ten eige­nen Kanäle an. Wer Bilder von gut ver­netz­ten Leuten klaut, kann sich näm­lich auch ganz schnell selbst die Reputation zer­schie­ßen.
    Langfristig, und jetzt schwei­fe ich ab, ist es aber noch viel span­nen­der. Ich den­ke digi­ta­le Werke, bie­ten gera­de durch ihre (im mate­ri­el­len Sinne) scha­dens­freie Kopierbarkeit eine her­vor­ra­gen­de Grundlage, um mit Formen des von Geld los­ge­lös­ten Austauschs von Waren bzw. Leistungen zu expe­ri­men­tie­ren. Jede Menge Leute machen für Lau Musik, Fotos, Filme, Bücher, Software etc. Und die Qualität ist in vie­len Fällen ordent­lich und von denen wol­len ganz sicher nicht alle mal „groß raus­kom­men“. Da geht’s ein­fach nur um die Sache. Der Lohn ist die Aufmerksamkeit selbst. Das davon kei­ner über­le­ben kann, steht außer Frage. Ich den­ke zu aller­erst wird die „Kostenlos‐Mentalität“ dafür sor­gen, dass sich die Wertschätzung ver­schiebt, also wofür Geld aus­ge­ge­ben wird. Erst dadurch, dass so viel kul­tu­rel­les Gut frei ver­füg­bar ist, lässt sich auch ein rea­ler Maßstab an den tat­säch­li­chen Wert legen. Wer vor 20 Jahren ’nen Musik‐Album gekauft hat, wusst vor­her nicht was er bekommt. Das ist heu­te anders. Gleiches gilt für Filme und Bücher. Fotos sind meist Auftragsarbeiten, pas­sen also erst ein­mal nicht in die­ses Schema (Stockagenturen hebeln das Prinzip natür­lich aus). Dennoch kann man durch das Netz sei­ne Qualität bewer­ben, wofür dann auch jemand bereit sein wird zu bezah­len. Oder es klau­en halt alle von den Agenturen, aber dann wird auch kei­ner mehr bei denen ein­stel­len. Letztlich ver­schiebt sich der Punkt der Wertschöpfung – beim Fotografieren viel­leicht zurück zur Auftragsarbeit. Andersherum las­sen sich Vorhaben heu­te ganz anders finan­zie­ren als frü­her. Hier sei Kickstarter als Crowdfunding Plattform genannt oder Iron Sky als krea­ti­ves Projekt. Die Leute wer­den wei­ter ihr Geld aus­ge­ben, aber wie sie es tun wird sich ver­än­dern.

  7. Nun, „Acta“ ver­spricht ja Urheberschutz, aber lei­der zum Preis der völ­li­gen (Internet-)Überwachung! Würde bedeu­ten eine freie Meinungsäußerung wäre dann auch nicht mehr mög­lich…

    Einen Mittelweg, sehe ich lei­der momen­tan auch (noch) nicht. Aber Pinterest könn­te und soll­te eigent­lich spe­zi­ell von den Bildagenturen z.b. per Sammelklage gestoppt wer­den, ganz klar! Es schreit ja förm­lich danach!

    lg
    Sebastian

  8. Ist nicht das drit­te Argument (Gewoehnungseffekt) die abso­lut logi­sche Fortsetzung der Microstock Fotografie? Microstock hat doch damit ange­fan­gen durch Verramschen von Qualitaetsarbeit die Preise dafu­er in den frei­en Fall zu schub­sen. Da braucht man sich doch jetzt nicht zu wun­dern, dass vie­le Internetnutzer davon aus­ge­hen, dass Bilder wenig bis kei­nen Wert haben, wenn sie im Internet zu fin­den sind.

  9. also ich lei­de momen­tan ohne­hin schon an infor­ma­ti­on over­load. Das Internet explo­diert ja förm­lich. Ich sel­ber schaue schon seit eini­gen Wochen gar nicht mehr bei flickr vor­bei. Und pin­te­rest wer­de ich mir auch nicht genau­er anschau­en. Letzten Endes gebe ich Daniel zum Teil recht. Profi‐Fotografen wer­den wie­der ver­mehrt mehr zur Auftragsarbeit über­ge­hen müs­sen – oder man muss sich schon was Spezielles ein­fal­len las­sen – einen eige­nen Look oder so 😉

    aber ob Bilder oder Texte – Angebot und Nachfrage regeln bekannt­lich den Preis. Aber der Preis stimmt schon lan­ge nicht mehr. Das Lohndumping für krea­ti­ve Arbeit geht also wei­ter. Viell. muss dann doch mal ein Grundeinkommen her, sodass jeder Kreative nicht mehr so den finan­zi­el­len Druck ver­spürt, sich aber wei­ter­hin sei­ner Foto‐Kunst wid­men kann. Denn die Kostenlos‐Mentalität im Internet wird so schnell nicht ein­ge­dämmt wer­den kön­nen.

    und anstatt pin­te­rest anzu­gu­cken, gehe ich jetzt lie­ber in die nächs­te pin­te – da erweckt ein küh­les Blondes Interesse 🙂

    gruß ran­dy

    pin­te

  10. @Andre: Ich glau­be, die meis­ten Internetnutzer wür­den auch dann noch glau­ben, dass alles im Internet kos­ten­los ist, auch wenn alle Bildagenturen für ein Bild drei­stel­li­ge Beträge ver­lan­gen wür­den. Warum? Weil die meis­ten noch nie von die­ser Branche gehört haben, geschwei­ge denn wis­sen, wie sie funk­tio­niert oder die Agenturen ken­nen.

  11. Liebe Leute,

    ich möch­te euch einen klei­nen Informationsschnipsel aus der digi­ta­len Ethnologie zukom­men las­sen:
    Es gibt nur Kopien. Der Computer kann nicht mal „öff­nen“ ohne Kopien. Die Kopie ist der natür­li­che Zustand digi­ta­ler Daten.

    Es ist also ziem­lich zweck­los, sich über digi­ta­le Kopien auf­zu­re­gen. Sie sind unver­meid­lich und jedes Geschäftsmodell, dass auf der Einschränkung von Kopien auf­baut, muss not­wen­di­ger­wei­se schei­tern.

    Das ist sicher nicht schön zu hören, aber irgend­wer muss euch doch mal dezent dar­auf hin­wei­sen.

    Gesetze im Staat wer­den nicht dau­er­haft gegen Produktivitätssteigerung erlas­sen. Und wer gegen Kopien ist, muss Rechner weg­schmei­ßen. Das kann sich aber kei­ner leis­ten. So wich­tig sind Fotograf_innen nicht.

  12. Eher ein Problem, mit der Möglichkeit digi­ta­le Daten ein­fach „gra­tis“ ver­wen­den zu kön­nen.
    Ich ken­ne einen Pornoproduzenten, der es auf­ge­ge­ben hat selbst zu pro­du­zie­ren. Vertreibt jetzt das Material nur mehr. Ist damals in de „gol­de­nen Zeit“ ein­ge­stie­gen ist, wo es noch sehr verucht war und sich nicht jeder drü­ber trau­te. Also in den 80ern, als das noch in den Anfängen war. Hat jetzt alles was man will, einen Royce,Ferrari, Benz, Villa, Yacht,… alles was gut und teu­er ist. Würde jetzt aber nicht mehr in das Geschäft ein­stei­gen. Es wird kopiert was, das Zeug hält, ande­re stel­len Filmchen gra­tis ins Netz, oder ver­kau­fen unter den Produktionskosten.
    So ähn­lich ist es in der Fotografie auch, man muss sich den A… auf­rei­sen, für ein bischen Kohle. Weil eben jeder meint, das ist gra­tis, oder es darf zumin­dest fast nichts kos­ten.

  13. Und deren Produkte wer­den doch auch wesent­lich häu­fi­ger kopiert als gekauft. Was meinst du, in wel­chem Ausmaß Software nicht lizen­ziert ein­ge­setzt wird? Du hast ja sicher (falls du dafür jung genug bist) NICHT mit einem unli­zen­zier­ten Photoshop geübt, bevor du pro­fes­sio­nel­ler wur­dest.

    Zumal die­se Firmen Produkte her­stel­len, die kom­ple­xer sind. Es han­delt sich um aus­führ­ba­re Binarys von Programmen. Das ist bei Bildern anders, das ist ein bana­ler Haufen Daten, der von ande­ren Programmen kopiert und inter­pre­tiert wird (z. Bsp. zur Darstellung im Browser).

  14. Verdammt, mein Beitrag ist ver­lo­ren gegan­gen. Nochmal als Kurzfassung:

    Die Produkte die­ser Firmen wer­den mas­sen­haft unli­zen­ziert kopiert. Aus eige­ner Erfahrung im Support wür­de ich sagen sogar häu­fi­ger als lizen­ziert. Aber du hast ja sicher (zeit­lich pas­sen­der Rahmen vorraus­ge­setzt) bevor du pro­fes­sio­nel­ler wur­dest NICHT mit einer unli­zen­zier­ten Photoshop‐Kopie geübt?

    Außerdem bie­ten die­se Firmen kei­ne Daten, son­dern aus­führ­ba­re Binärdateien an. Ihr hin­ge­gen ver­kauft pri­mi­ti­ve Datenhaufen, die von ande­ren Programmen inter­pre­tiert wer­den. Die sind ziem­lich platt­form­un­ab­hän­gig.

  15. Das es tech­ni­sche Gründe für die Notwendigkeit von Kopien gibt, die tief in der Funktionsweise von Computern ver­an­kert sind (zumin­dest bei den übli­chen Architekturen).
    Daraus lei­tet sich die Unmöglichkeit wirk­sa­mer Kopierschütze von nicht aus­führ­ba­ren Daten (z. Bsp. Fotos) ab.

    Außerdem fal­len in eurem Szenario Kunde und Verbraucher aus­ein­an­der. Das macht einen eigent­lich unmög­li­chen Ansatz noch kom­pli­zier­ter.

  16. Übrigens ist kei­ner der Meinung, dass Dinge prin­zi­pi­ell gra­tis sind. Nur sind die gesell­schaft­lich not­wen­di­ge Arbeitszeit und Distributionskosten für Fotoerstellung mas­siv gesun­ken. Und nach denen berech­net sich der Preis. Und die sind halt rea­lis­tisch nicht mehr sehr hoch. Dass sehr vie­le Fotografierende ihre Fotos dann unter den indi­vi­du­el­len Herstellungskosten ver­kau­fen müs­sen, ist trau­rig für die Betreffenden, geht aber in allen ande­ren Branchen genau­so. Man neh­me nur die Schneider_innen als Beispiel.

    Und hier kom­men dann die digi­ta­len Kopien ins Spiel. Die sind näm­lich für Fotografien der Haupttreiber der Senkung der gesell­schaft­lich not­wen­di­gen Arbeitszeit.
    Daran kann man sich anpas­sen. Es geht tat­säch­lich. Aber sehr vie­le Fotograf_innen wer­den dabei plei­te gehen, weil es sehr hohe Verkaufszahlen für ein­zel­ne Bilder erfor­dert.

    Den Beweis, dass so etwas geht, lie­fert Kim Dotcom. Sein eigent­li­cher Coup waren ja nicht die unli­zen­zier­ten Kopien, son­dern dass er jun­ge, digi­tal sozia­li­sier­te Menschen mas­sen­haft dazu gebracht hat, für etwas zu bezah­len, dass es auch umsonst gab.
    Gerade war er dabei, ein neu­es Vertriebsmodell für Musik mit diver­sen Musiker_innengrößen zu ver­han­deln. Mal sehen, ob dar­aus nach sei­nen Prozessen noch etwas wird. Wenn er es nicht macht, dann halt ein_e andere_r.

    Beachtet dazu auch die­sen schö­nen Post von Don Alphonso von dem ich hier eini­ges abge­guckt habe:
    http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2012/01/24/gerechtigkeit-fuer-kim-dotcom.aspx

  17. @Nicolai: Du führst jetzt ernst­haft Kim Dotcom ins Feld? Geld ver­die­nen mit Megaupload‐Premiumaccounts konn­te er doch nur, weil es die digi­ta­len Waren, die man damit run­ter­la­den konn­te, eben nicht gra­tis (in die­ser Menge und Downloadgeschwindigkeit) legal ver­füg­bar waren sonst sonst deut­lich teu­rer gewe­sen wären als sei­ne Kopien. Hätte er die Rechteinhaber bezah­len müs­sen, wäre das Geschäftsmodell sicher nicht so lukra­tiv gewe­sen.

  18. @Nicolai:„Das es tech­ni­sche Gründe für die Notwendigkeit von Kopien gibt, die tief in der Funktionsweise von Computern ver­an­kert sind “

    Ganz ein­fach – Geldscheine sind doch auch bloß Kopien, wir kau­fen uns eine geeig­ne­te Druckmaschine und dru­cken unser Geld selbst.….….

  19. Hallo Robert

    zwei­schnei­dig. Ohne das Internet gäb’s die gan­ze Microstockfotografie ja gar nicht. Bereits bevor die­se Branche auf­kam war es schon längst so, daß im Internet frisch fröh­lich alle mög­li­chen Inhalte (unli­zen­siert) kopiert, ja sogar ver­kauft wur­den. Vor 15 Jahren gab es noch rie­si­ge CD‐Sammlungen mit x‐Tausend Cliparts, Fotos und Grafiken für rund 100 Mark zu kau­fen. Lizensiert? Wer’s glaubt… Wer das Zeug heu­te (noch) ver­wen­det, kann schon mal für die Abmahnungen spa­ren.

    Will damit sagen – Du wuss­test, was Dich erwar­tet und hast Dich trotz­dem als Microstockfotograf eta­bliert. Deine These, daß Pinterest das Problem ver­schärft, kann ich aller­dings nur unter­stüt­zen! (sie­he auch c’t 6/2012 S.86).

    Gegenmaßnahmen? 1. bräuch­te die Branche ein neu­es Dateiformat für Bilder. Eins, das sich sozu­sa­gen selbst zer­stört, wenn das Bild nicht lizen­siert wird. (ana­log der Softwareaktivierung).

    2. bräuch­te es eine Bildersuchmaschine, die die Verwendung von Bildern auto­ma­tisch gegen eine Datenbank prüft und nicht geneh­mig­te Verwendungen an die Datenbank rück­mel­det bzw. den Autor infor­miert.

    Erschlagen könn­te man damit auch nicht­li­zen­sier­te Anwendungen aus­ser­halb des Internets (im Druck), denn auch hier könn­te die Bildbearbeitungssoftware gegen die Datenbank prü­fen. (die tele­fo­nie­ren ja heut­zu­ta­ge sowie­so dau­ernd nach Hause).

    Technisch hal­te ich das für mach­bar (wobei es immer­noch eine Grauzone geben wird), aber durch­set­zen müss­ten das dann eben die Rechteinhaber. Hallo? Lobby???

    Schöne Grüße
    Michael

  20. @Nicolai: „Nur sind die gesell­schaft­lich not­wen­di­ge Arbeitszeit und Distributionskosten für Fotoerstellung mas­siv gesun­ken. …“

    Für ein gutes Bild ste­cke ich heut­zu­ta­ge mehr Arbeitszeit rein als frü­her ana­log: da war das Dia fer­tig und wur­de raus­ge­schickt. Heute opti­mie­re ich jedes Foto am Rechner und ste­cke viel Herzblut in die Postproduktion. Dazu sind die Hard‐ und Softwarekosten gestie­gen (immer wie­der upgra­den, ange­fan­gen beim Rechner und endend bei Kamera‐Bodies, die in ana­lo­ger Zeit auch 15 oder 20 Jahre ihren Dienst leis­ten konn­ten, …) … das hebt kaum die erspar­ten frü­he­ren Filmkosten auf. Wenn man natür­lich 08/15 pro­du­ziert, dann geht’s schnel­ler … oder wenn man Smartphone‐Fotos zum Stilmittel erhebt.

    Richtig sind natür­lich die gesun­ke­nen Distributionskosten.

    Insofern öff­net sich bis auf Ausnahmen in der brei­ten Wahrnehmung bei der Fotoerstellung mei­nes Erachtens eine immer grö­ße­re Schere zwi­schen Nutzererwartung (mög­lichst bil­lig bis umsonst, egal ob Stock‐ oder Auftragsfotografie) und immer höhe­re Zeit‐/Geld‐Investition bei der Erstellung auf hohem Niveau, um über­haupt posi­tiv auf­zu­fal­len und sich gegen die Masse durch­zu­set­zen …

  21. @Robert

    Danke für die­sen aus­führ­li­chen Blog. Das ist ein sehr wich­ti­ges Thema und ich schub­se dank Deiner Steilvorlage gera­de Freelens auf die­se Entwicklung, damit in den Verbänden mehr Lobby‐Arbeit dies­be­züg­lich erfolgt! Mal sehen …

    LG Frank

  22. @Frank Seifert: Das habe ich auch schon mit Freelens/ BVPA / Fotofinder etc. ver­sucht. Da gab, gibt es auch geschlos­se­ne Blogs in denen man sich aus­tauscht. Aber hier ist man mit die­sem Problem an der fal­sche Stelle, schließ­lich führ­te erst der Microstock zu der schlech­ten Lage der Fotovermarktung (Fotografen).

    Vielen hier in Deutschland wird erst jetzt so lang­sam klar das es noch bil­li­ger (zu Produzieren) geht (Ostblock)! Zudem sind die meis­ten Einlieferer beim Microstock Hobbyfotografen ohne eine Gewinnabsicht. Zuerst steht das Hobby, und dann gibt es auch noch irgend­wie Geld dafür. Logisch das die Anfänger im Hobbybereich eben ohne die­se Gewinnerwartung auch schon Bestätigung in einer kos­ten­lo­sen Veröffentlichung fin­den. das ist ins­zwi­schen bei den Fotomodellen auch nicht anders, die machen alle flei­ßig den Affen bei den Modelwettbewerben / GNTM / Das per­fek­te Model. Auch hier gibt es doch nur die Aussicht auf einen zukünf­ti­gen Gewinn für weni­ge, aber lei­der sehen es vie­le Fotografen sport­lich – dabei sein ist alles!

  23. wüss­te zu ger­ne ob das foto­lia auch schon gese­hen hat und was unter­neh­men wür­den , eigent­lich deren Aufgabe ?

    Egal , zeigt wie­der­um das man kein micro machen soll­te .
    Nur noch exclu­siv ob rf oder rm egal …nur so gibt es noch eine Chance geschützt zu sein bzw. wenn und das kommt oft vor , regelt die Bildagentur den Verstoss über Anwalt .

    Zudem wer stock macht der muss sich im kla­ren sein was er tut .…

  24. Ich habe mei­ne Bilder nur für Familie und Freunde frei­ge­ge­ben und die wis­sen, dass man „mei­ne“ Bilder nicht wei­ter­ver­brei­tet. Für öffent­lich zugäng­li­che Portale gibt es bei mir ein dickes fet­tes Wasserzeichen mit dem Copyright‐Zeichen!

  25. Robert Kneschke schrieb wei­ter:
    „Eine Lösung habe ich nicht: Wie macht man Leuten klar, dass Bilder und Fotos kein kos­ten­lo­ses Treibgut im Internet sind, dass jeder auf­sam­meln und aus­stel­len kann? Am bes­ten, ohne Privatpersonen ver­kla­gen zu müs­sen?“

    Indem man erst­mal nur kon­se­quent den Bilderklau durch pro­fes­sio­nel­le Verwender mit allen recht­li­chen Möglichkeiten ver­folgt? In der kru­den Wirklichkeit wäre das schon Herausforderung genug.

  26. Entschuldigt die spä­ten Antworten, ich war ver­reist.

    @Rober K.

    Ja, Kim Dotcom.
    Ein Produkt lässt sich nicht lang­fris­tig deut­lich über sei­nen gesell­schaft­lich not­wen­di­gen (!=indi­vi­du­ell not­wen­di­gen) Herstellungskosten ver­kau­fen.
    Digitale Produkte haben die lus­ti­ge Eigenart, dass sie durch Ditribution mas­siv bil­li­ger wer­den. Also ist eine gro­ße Ditribution ein Produktivitätsfaktor.
    Kim Dotcom hat das als ers­ter im gro­ßen Stil aus­pro­biert. Wo er sei­ne Datenprodukte her­be­kam ist egal, deren wirk­li­che Herstellungskosten kann man ja sehr leicht erfra­gen und drauf­schla­gen.
    Wichtig ist, dass es erst­mals empi­risch belast­ba­re Zahlen zur Ditribution von Großdaten (Filme) in gro­ßem Stil gibt.
    Die gesell­schat­lich not­wen­di­ge Produktionskosten für Filmversorgung von Dotcoms Kund_innen (die ja nicht gera­de wenig waren. Wären es mehr, wür­de es noch bil­li­ger) belau­fen sich also auf
    (Summer Filmproduktionskosten + Dotcoms Kosten)/Views
    Dabei dürf­te eine sehr nied­ri­ge Zahl raus­kom­men (ein paar Dollar pro Jahr und Nase viel­leicht?) und das sind die Preise, die man lang­fris­tig ver­lan­gen kann.
    Für Bilder sieht es noch schlech­ter aus, weil die klei­ne­re Datenmengen erfor­dern.

    @Max Wuterich
    Du hast mich nicht ver­stan­den.
    Ein Computer kann nur Kopien machen. Jeder Datengebrauch ist ein Kopiervorgang. Geld kannst du benut­zen, ohne es zu kopie­ren. Daten nicht.

    @Michael
    Software ent­hält aus­führ­ba­ren Maschinencode. Bilder sind dum­me Datenhaufen, deren Endkopie (Bildschirmpixel) dann doch im Grafikspeicher ist und da kann man sie ver­lust­frei raus­ko­pie­ren. Dein Ansatz ist also für Pixelbilder zweck­los.

    @Frank Seifert
    Deine Beobachtung der stei­gen­den Kosten wider­spricht mei­ner Aussage nicht. Ich mein­te ja, dass die indi­vi­du­el­len Kosten für fast alle Fotografen stei­gen wer­den, wel­che des­halb Pleite gehen wer­den. Gesellschaftlich not­wen­dig =! indi­vi­du­ell not­wen­dig.

    @Peter I.
    Auf die Gefahr hin, mich zu wie­der­ho­len:
    Ein Produkt lässt sich nicht lang­fris­tig deut­lich über sei­nen gesell­schaft­lich not­wen­di­gen (!=indi­vi­du­ell not­wen­di­gen) Herstellungskosten ver­kau­fen.

    Euer Problem sind nicht unli­zen­zier­te Kopien, son­dern der Produktivkraftfortschritt, mit dem ihr indi­vi­du­ell nicht mit­hal­tet.

  27. @Nicolai: Das sind recht phi­lo­so­phi­sche Ansätze. „Produktivkraftfortschritt“ – was soll das bedeu­ten – ein „Fortschritt“ ist ja nur ein Bewegung von der Stelle zu einer nächs­ten. Das muß ja nicht zukunfts­wei­send, posi­tiv oder Produktiv sein. Eine „Produktivkraft“ kann ja nur von den Produzierenden kom­men die Ihre Kraft auf die Erstellung von „Etwas“ aus­rich­ten.

    Computer kön­nen das alles nicht. Nach Deiner Definition sind Computer doch nur „Kopierer“ die lesen die Daten aus und ver­tei­len die­se dann wei­ter. Das ist eigent­lich nichts neu­es, es ist nur mit einem Computer für vie­le ein­fa­cher etwas zu kopie­ren als in der Vergangenheit.

    Da wur­de auch schon „Kopiert“. Es gibt ja den Gedanken, die vir­tu­el­le Welt sei völ­lig frei und darf nicht regle­men­tiert wer­den. Aber in der Regel wird aus der rea­len Welt etwas, nen­nen wir es kopiert (bit + Bytes), um es dann auf dem Computer zu ver­tei­len. Da ist dann die vir­tu­el­le Welt nur eine Kopie der rea­len. Die vir­tu­el­le Welt möch­ten man­che eben kon­trol­lie­ren (weil Sie es (das Werk) schu­fen).

    Leider ver­fol­gen die Piraten die Strategie des frei­en Netzes. Aber viel­leicht ist ja auch gut, dann wer­den die begehr­ten krea­ti­ven Inhalte eben dort nicht mehr zur Verfügung ste­hen.

    Das ist dann auch wie­der ein „Fortschritt“, oder doch viel­leicht ein „Rückschritt“?

  28. @Nicolai: Wieso soll es eine gesell­schaft­li­che Notwendigkeit sein, dass jemand plei­te geht? Und was dabei her­aus kommt, wenn alles immer bil­li­ger wird, wenn kopiert und geklaut wird, sieht man ja aktu­ell wie­der bei Schlecker. Die Gier Einzelner (Unternehmer) führt dann dazu, dass Unternehmen plei­te gehen, tau­sen­de arbeits‐ und ein­kom­mens­los wer­den und die Kaufkraft schwin­det. Dann kommt es zu immer höhe­rem Druck auf die Erzeugerpreise. Und die Erzeuger (nen­nen wir sie Fotografen) sich dann irgend­wann sagen, nö, ich mache etwas ande­res (z.B. Fotoseminare), um wei­ter exis­tie­ren zu kön­nen.
    Nebenbei wird immer wei­ter geklaut, Forschung wird ein­ge­stellt, weil die hohen Kosten für neue Entwicklungen kei­ner mehr tra­gen kann (oder will), und dann? Fachkräfte wer­den über­flüs­sig, der Bildungsgrad sinkt und die Bevölkerung ent­wi­ckelt sich zurück. Und alles nur, weil es ein paar Idioten (wie z.B. die­ser fet­te Dotcom) gibt, die sich ille­ga­ler wei­se auf­kos­ten Anderer berei­chern wol­len. Wo bit­te ist das ein Fortschritt?
    Und noch was, hast du dich eigent­lich mal mit dem Begriff „Produktivkraft“ ernst­haft aus­ein­an­der gesetzt, z.B. in dem du „Das Kapital“ von Marx und Engels gele­sen hast? Du ver­wen­dest den Begriff hier näm­lich völ­lig aus der eigent­li­chen Bedeutung … nur mal so nebenbei.Halbwissen ist eben auch gefähr­lich …

  29. http://blog.zdf.de/hyperland/2012/03/pinterest-traffic-schleuder-
    ohne‐urheber/

    Pinterest wird schon zum ernst­haf­ten Marketinginstrument erklärt und den Werbestrategen ihre Möglichkeiten auf der Plattform auf­ge­zeigt, weil es mehr Traffic als Google+ gene­rie­re. Es gibt schon eine Handvoll Trittbrettfahrer, die sich teil­wei­se nicht mal die Mühe gemacht haben, eige­ne Geschäftsbedingungen auf­zu­stel­len, son­dern die von Pinterest über­nah­men und in der Rage der Unternehmensgründung des­sen Name drin ste­hen lie­ßen.

    Und jeder von die­sen Hanseln hat die Urheberrechtsverletzung zum Geschäftsmodell erko­ren. Im Nachgang imple­men­tiert jeder so etwas wie den Google‐tag (bit­te, wenn der Laden bin­nen einer Woche nach der Gründung online sein muß, kann man nicht ver­lan­gen, daß die Plattform voll­stän­dig ist).

    Das heißt also, daß man den Fotografen ein Hase‐und‐Igel‐Spiel zumu­tet, indem man von ihnen ver­langt, den Markt die­ser Pinnwände zu beob­ach­ten, zeit­nah die von ihnen mehr oder weni­ger mit hei­ßer Nadel gestrick­ten Tags in die eige­ne Seite ein­zu­bau­en und – bis die­se zur Verfügung ste­hen – die Verwendung sei­ner Werke hin­zu­neh­men.

    Ich hof­fe, daß sich Vereine wie fre­e­lens im Auftrag betrof­fe­ner Mitglieder wenigs­tens der in Deutschland ansäs­si­gen Nachahmer anneh­men und die­se zur Rechenschaft zie­hen. Googles tag ging recht­lich wohl in Ordnung, weil es damals nur einen Dienst die­ser Art gab. Heute gibt es derer Dutzende und es wäre in einem Prozeß zu klä­ren, ob es den Seitenbetreibern noch zuge­mu­tet wer­den kann, einen GRoßteil des Quellcodes aus die­sen tags bestehen und damit die Servergeschwindigkeit aus­brem­sen zu las­sen sowie sich nicht uner­heb­li­che Kosten für Marktbeobachtung, Linkverfolgung und Aktualisierung ihrer Seiten auf­zu­hal­sen.

    Immer noch gilt in Deutschland, daß man den Inhaber eines Gegenstands oder Rechtes fra­gen muß, wenn man die­ses nut­zen will und die­ser nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den kann, allen sei­nen Sachen nach­zu­lau­fen, wenn die sich plötz­lich aus dem Staube machen.

  30. @Nicolai

    Betest du jeden Tag gen NZ? Du dürf­test so zwi­schen 13–20 Jahren alt sein, oder? Dein Messias Kim Schmitz ist jeden­falls kein Pionier oder der­glei­chen! Er hat ledig­lich bereits vor­han­de­ne Modelle (Rapidshare, etc.) auf­ge­grif­fen und so genutzt, bzw. gezielt dar­auf aus­ge­rich­tet, dass sie zum ille­ga­len wei­ter­ver­brei­ten lizenz­pflich­ti­ger Daten ver­wen­det wer­den. Und dies alles natür­lich nur, damit er sich die Taschen ordent­lich voll machen kann. Auf die Produzenten (Künstler, Programmierer, etc.) hat er dabei selbst­ver­ständ­lich geschis­sen. Die sehen kei­nen Cent. Ich woll­te dich mal sehen, wie du reagie­ren wür­dest, wenn sich stän­dig jemand an dei­ner Arbeit berei­chern wür­de, ohne dir etwas abzu­ge­ben. Würdest du da immer noch so locker blei­ben? Wohl kaum!

    Und um noch­mal auf die­sen Schmitz zurück­zu­kom­men: Bist du dir da eigent­lich bewusst, was du da für einen Typen heroi­sierst? Ist dir des­sen Vergangenheit bewusst? Googel doch ein­fach mal „kim schmitz gra­ven­reuth“ (ohne „“) und lies dir den ers­ten gulli‐Artikel durch oder infor­mie­re dich über die Geschichte mit letsbuyit.com… Vielleicht wird dir ja dann mal lang­sam bewusst, dass die­ser „tol­le“ Schmitz sein Leben lang auf Kosten ande­rer lebt und abso­lut nichts für das Gemeinwohl bei­trägt. Auf sol­che Parasiten kann unse­re Gesellschaft garan­tiert ver­zich­ten. Pass mal lie­ber auf, dass er die Megaupload‐Daten (User‐Logs) nicht plötz­lich an ver­schie­de­ne Behörden gibt um sei­nen Arsch zu ret­ten, aber damit tau­sen­de ande­re rein­reißt. Es wür­de jeden­falls sehr gut zu ihm pas­sen (Gravenreuth‐Geschichte).

    Überlege dir doch noch­mal was sol­che Kim Schmitz’s mit der Kultur anrich­ten. Deine Argumentation wird jetzt sein, dass die­se Kims toll sind, da ja jeder frei­en Zugang zu allem erhält usw.… Nur was bringt dir frei­er Zugang, wenn es irgend­wann immer weni­ger Künstler/Produzenten/Entwickler/Programmierer, etc. gibt, weil sie schlicht­weg durch sol­che Kims, die sich ihre Taschen/Bäuche mit deren Arbeit voll­stop­fen, nicht mehr davon leben kön­nen.

  31. Ich habe in der letz­ten Woche bei­na­he täg­lich eines mei­ner Fotos bei Pinterest als Urheberrechtsverstoss gemel­det.
    Immer wie­der das­sel­be Bild, das offen­bar vor mehr als drei Jahren mal aus der Fotocommunity geklaut wurde(dort habe ich es längst gelöscht!)… Es nervt – doch ich habe die Hoffnung, dass ste­ter Tropfen irgend­wann den Stein höhlt *seufz*
    Das Melden der Urheberrechtsverletzung ist rela­tiv ein­fach: Neben der Großansicxht des Fotos gibt´s einen Button dafür. Dann öff­net sich das besag­te DMCA‐Formular. Der Fotograf muss jetzt noch mit Hilfe eines Links (z. B. auf das Foto auf der eige­nen Website oder der Agenturseite) nach­wei­sen, dass er Urheber ist, ein paar wei­te­re Angaben zu Person machen und das Formular digi­tal unter­schrei­ben.

    Das betref­fen­de Foto wird dann tat­säch­lich bin­nen weni­ger Stunden gelöscht. Rekord waren bei mir 2 Stunden… um das Bild am nächs­ten Tag gleich wie­der auf dem Board eines ande­ren Pinterest‐Users zu fin­den… Und täg­lich grüßt das Murmeltier!

    Ich wer­de ganz sicher kei­ne eige­ne Fotos dort hoch­la­den.

    Danke Robert für den wich­ti­gen, hilf­rei­chen und infor­ma­ti­ven Artikel über Pinterest!

  32. @Joachim: Der Unterschied ist einer­seits die unkon­trol­lier­te Verbreitung über Pinterest, die in deren System ange­legt ist (sie­he auch den Kommentar von Beate Zöllner unten) und ande­rer­seits, dass ich hier im Blog jour­na­lis­tisch arbei­te, was ande­re Rechte und Pflichten mit sich bringt.

  33. @Joachim: Der gro­ße Unterschied ist der, dass hier das Urheberrecht beach­tet wird und bei Pinterest & Co. eben nicht. Den Rest hat Robert ja schon gesagt …

  34. @Max
    > Nach Deiner Definition sind Computer doch nur “Kopierer” die lesen die Daten aus und ver­tei­len die­se dann wei­ter. Das ist eigent­lich nichts neu­es, es ist nur mit einem Computer für vie­le ein­fa­cher etwas zu kopie­ren als in der Vergangenheit.

    Eben nicht. Andere Systeme konn­ten kopie­ren. Aber es war nicht Funktionsprinzip. Kopieren war eine Zusatzfunktion.

    >Es gibt ja den Gedanken, die vir­tu­el­le Welt sei völ­lig frei und darf nicht regle­men­tiert wer­den.

    Ich hal­te nichts von der Trennung virtuell/real.

    >Leider ver­fol­gen die Piraten die Strategie des frei­en Netzes.

    Ich mag die Piraten nicht, aber sich gegen freie Netze aus­zu­spre­chen klingt erst­mal nach auto­ri­tä­rem Mist. Was meinst du denn damit genau?

    >Aber viel­leicht ist ja auch gut, dann wer­den die begehr­ten krea­ti­ven Inhalte eben dort nicht mehr zur Verfügung ste­hen.

    Meine Argumentationsweise war ja, dass die Kosten für die bedarfs­de­cken­de Produktion von „begehr­ten kreav­ti­ven Inhalten“ mas­siv gesun­ken sind und des­halb eine Preiskorrektur ansteht. Die offi­zi­ell noch nicht rea­li­siert wur­de (nur ver­steckt, durch unli­zen­sier­te Kopien). Deshalb wird es dann schon genü­gend krea­ti­ve Inhalte geben. Sie sind ja bil­li­ger her­zu­stel­len als frü­her.

    @Frank

    >Wieso soll es eine gesell­schaft­li­che Notwendigkeit sein, dass jemand plei­te geht?

    Weil die Preissenkung durch immer auf­wen­di­ge­re Tools bei immer grö­ße­ren Kopiezahlen zustan­de­kommt. Es kön­nen also nur weni­ge spe­zia­li­sier­te Anbieter über­le­ben.

    > Und was dabei her­aus kommt, wenn alles immer bil­li­ger wird, wenn kopiert und geklaut wird, sieht man ja aktu­ell wie­der bei Schlecker.

    Der Vergleich hinkt.

    >Die Gier Einzelner (Unternehmer) führt dann dazu, dass Unternehmen plei­te gehen, tau­sen­de arbeits‐ und ein­kom­mens­los wer­den und die Kaufkraft schwin­det.

    Es ist nicht die Gier ein­zel­ner. Das ist der Kapitalismus und der arbei­tet ziem­lich unab­hän­gig von den Aktionen und Einstellungen ein­zel­ner.

    >Und alles nur, weil es ein paar Idioten (wie z.B. die­ser fet­te Dotcom) gibt, die sich ille­ga­ler wei­se auf­kos­ten Anderer berei­chern wol­len.

    Dass Dotcom dick ist, tut ja nun wirk­lich nichts zur Sache. Und sicher hat er sich berei­chert. Und das auch unrecht­mä­ßig. Aber er hat ja auch was logis­tisch beacht­li­ches geschaf­fen, das sich genau­so­gut recht­mä­ßig ein­set­zen lie­ße.

    > Und noch was, hast du dich eigent­lich mal mit dem Begriff “Produktivkraft” ernst­haft aus­ein­an­der gesetzt, z.B. in dem du “Das Kapital” von Marx und Engels gele­sen hast?
    Du ver­wen­dest den Begriff hier näm­lich völ­lig aus der eigent­li­chen Bedeutung … nur mal so neben­bei.

    Eigentlich schon, aber es kann gut sein, dass ich mich trotz­dem ver­tue. Vielen Dank für den Hinweis, ich gucke noch mal nach.
    Allerdings bin ich über dei­ne Aussagen zur Gier, den Erzeugerpreisen, Kaufkraft und Reproduktionskosten erstaunt. Denn ent­we­der ich bin noch zu blöd zur Kapitalistik ohne es zu mer­ken und habe wirk­lich fast nichts von Marx und Engels ver­stan­den oder du hast da sehr selek­ti­ves Wissen über den Begriff der Produktivkraft aber nur wenig über die Dinge aus mei­nem vori­gen Satz.

    @Peter I.

    >Das heißt also, daß man den Fotografen ein Hase‐und‐Igel‐Spiel zumu­tet

    Kennt ihr eigent­lich Googles Service, der nach Kopien und Varianten von Bildern sucht? Damit kannst du das alles voll­au­to­ma­ti­sie­ren und dich zurück­leh­nen.

    >einen GRoßteil des Quellcodes aus die­sen tags bestehen und damit die Servergeschwindigkeit aus­brem­sen zu las­sen

    Übertreib mal nicht, das kos­tet fast nichts im Verhältnis zur Bildauslieferung. Ein 100 Byte lan­ges Tag passt 200 mal in ein (!) win­zi­ges (!) thumb­nail rein.

    >Immer noch gilt in Deutschland, daß man den Inhaber eines Gegenstands oder Rechtes fra­gen muß, wenn man die­ses nut­zen will und die­ser nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den kann, allen sei­nen Sachen nach­zu­lau­fen, wenn die sich plötz­lich aus dem Staube machen.

    Naja, das pas­siert aber doch sehr häu­fig. Das gan­ze Abmahnwesen ist so struk­tu­riert.

    @Ned

    >Betest du jeden Tag gen NZ? Du dürf­test so zwi­schen 13–20 Jahren alt sein, oder?

    Nein, ich bin Atheist und schon eine gan­ze Weile nicht mehr zwan­zig (schön wäre es aber bestimmt noch mal).

    > Dein Messias Kim Schmitz ist jeden­falls kein Pionier oder der­glei­chen! Er hat ledig­lich bereits vor­han­de­ne Modelle (Rapidshare, etc.) auf­ge­grif­fen

    Ideen kann man nicht steh­len. Nur umset­zen. Und das hat Dotcom beein­dru­ckend gut gemacht.

    > alles natür­lich nur, damit er sich die Taschen ordent­lich voll machen kann.

    Furchtbar. Zum Glück ist er da ein Einzeltäter.

    > Auf die Produzenten (Künstler, Programmierer, etc.) hat er dabei selbst­ver­ständ­lich geschis­sen.

    Das ist doch aber für die tech­ni­sche Umsetzung und auch für die Preisfindung erst­mal völ­lig irrele­vant. Das kann man doch im Nachhinein drauf­schla­gen.

    >Die sehen kei­nen Cent. Ich woll­te dich mal sehen, wie du reagie­ren wür­dest, wenn sich stän­dig jemand an dei­ner Arbeit berei­chern wür­de, ohne dir etwas abzu­ge­ben.

    Das macht mein Arbeitgeber jeden Tag. Nennt sich Angestelltenverhältnis.

    > Bist du dir da eigent­lich bewusst, was du da für einen Typen heroi­sierst?
    > Ist dir des­sen Vergangenheit bewusst?

    Ja. Ich ken­ne Kims Kram, ken­ne sei­nen Spam im CCC‐Umfeld und weiß, dass er eine halb­sei­de­nes, prah­le­ri­sches Schlitzohr ist. Und auch das Günni und Kim zusam­men­ge­ar­bei­tet haben, ist mir bewusst.

    >abso­lut nichts für das Gemeinwohl bei­trägt.

    Siehst du, und ich bin der Meinung, dass er eine gutes empi­ri­sches Ökonomieexperiment durch­ge­führt hat. Aus blö­den Motiven, aber das macht das Ergebnis ja nicht weni­ger wert­voll.

    > Auf sol­che Parasiten kann unse­re Gesellschaft garan­tiert ver­zich­ten.

    Einen zwei­ten Anlauf des Experiments braucht die Gesellschaft auch nicht, aber ein­mal muss­te das gemacht wer­den.

    > Pass mal lie­ber auf, dass er die Megaupload‐Daten (User‐Logs) nicht plötz­lich an ver­schie­de­ne Behörden gibt um sei­nen Arsch zu ret­ten,

    Davon gehe ich per­sön­lich fest aus und es wer­den Abermillionen betrof­fen sein.

    > Deine Argumentation wird jetzt sein, dass die­se Kims toll sind, da ja jeder frei­en Zugang zu allem erhält usw….

    Nö, das war vor­her auch schon so. Das gute an Schmitz war, dass er den not­wen­di­gen PREIS dafür ermit­telt hat (zuzüg­lich Produktionskosten natür­lich, die muss man drauf­schla­gen).

    > Nur was bringt dir frei­er Zugang, wenn es irgend­wann immer weni­ger Künstler/Produzenten/Entwickler/Programmierer, etc. gibt

    Sie wer­den immer pro­duk­ti­ver arbei­ten und den Bedarf decken. Da mache ich mir wenig Sorgen um die Kunst.

    @Beate Zoellner

    >Immer wie­der das­sel­be Bild, das offen­bar vor mehr als drei Jahren mal aus der Fotocommunity geklaut wurde(dort habe ich es längst gelöscht!)… Es nervt –

    Du kannst die auto­ma­ti­sier­te Google‐Bildersuche ver­wen­den. Die fin­det dein Bild wie­der anhand der Bildcharateristika. Dann musst du nicht selbst schau­en. Dein Freund der Roboter (=Algorithmus) arbei­tet gern, lass ihn das doch machen.

    @R. Kneschke
    >Der Unterschied ist einer­seits die unkon­trol­lier­te Verbreitung über Pinterest, die in deren System ange­legt ist

    Die ist tech­nisch aber auch in dei­nem Blog ange­legt. Das fällt nur nicht so auf.

    So, ich gehe jetzt schla­fen.

  35. @Frank So leit es mir tut, der tech­ni­sche und gesell­schaft­li­che Wandel erfor­dert immer (!) dafür das bestimm­te Wertschöpfungen/Arbeiten die frü­her für ein Auskommen gesorgt haben, es dann nicht mehr tun. (Kutscher, vie­le Handwerker, vie­le Industrieberufe…). Die Liste der ver­schwun­de­nen Berufe ist lang. Folglich gibt es kei­ne Existenzgarantien für Tätigkeiten und Berufe und damit auch nicht für Fotografen. Die Technologien ver­än­dern ein­fach das Kerngeschäftsmodell von Fotografen gene­rell so stark, das ich die Kopierproblematik nicht für das zen­tra­le Problem hal­te.

    Die Technik erlaubt z.B. Laien eine Qualität her­zu­stel­len, die frü­her Profis vor­be­hal­ten war. Bestimmte Wertschöpfungselemente (Filme ent­wi­ckeln, Abzüge) sind als Selfservice für einen Großteil der Kunden voll­kom­men aus­rei­chend, usw.. usw.

    Durch die digi­ta­len Technologie ver­liert das Ergebnis (Foto als digi­ta­les Datei statt als Abzug) an Wert, ein­fach weil eine Verwendungskonkrolle wie bei begrenz­ten mecha­ni­schen Gütern wegen der ver­schwin­dend gerin­ge Distributionszeiten dies erzwin­gen. Meiner Meinung nach müss­ten Fotografen voll­kom­me­ne neue Geschäftsmodelle ent­wi­ckeln, bei denen die inves­tier­te Zeit bezahlt wird und nicht nach Art und Menge der Verwendung des Werkes. Also ein Wechsel in Richtung Dienstleister und Handwerker.

    Diese zu bezah­len­de Dienstleistung bezieht sich natür­lich auf den gesam­ten Erstellungsprozess.

    @Peter Ich kann den Unmut ja ver­ste­hen. Gesetze spie­geln aber immer den Zeitpunkt wie­der in denen sie ent­stan­den sind. Und damit ist das deut­sche Urheberrecht in die­ser Form in einer inter­na­tio­na­len Infrastruktur ein­fach nicht mehr durch­setz­bar.

  36. @Kerliges: Ich habe ja kein Problem damit, wenn dann auch Laien nur ihr Material bei Pinterest zei­gen und ver­brei­ten. Wenn unge­fragt das Material eines Profi‐Fotografen genutzt wird, der nor­ma­ler­wei­se Geld dafür ver­langt, soll­te er es auch bekom­men oder Pinterest muss dar­auf ver­zich­ten. Dann aber wäre die­ser ach so belieb­te Dienst auf ein­mal schnell unat­trak­tiv…

  37. @Kerliges: Es geht nicht dar­um, dass Berufe ver­schwin­den, dass es (glück­li­cher­wei­se) tech­ni­schen Fortschritt gibt, etc. Es geht ein­fach dar­um, dass das Unrechtsbewußtsein bei vie­len Menschen, vor allem Jüngeren, immer mehr um sich greift. Es ist schlicht­weg falsch, die geis­ti­gen (Wert-)Schöpfung zu steh­len und sich so auf Kosten Anderer zu berei­chern. Und genau des­halb habe ich jetzt ein neu­es Fotografen‐Geschäftsmodell ‚erfun­den‘ (gleich gibts einen Aufschrei *g*). Ich wer­de zusam­men mit einem befreun­de­ten Rechtsanwalt, der sich gera­de auf Medienrecht spe­zia­li­siert hat, ver­schärft auf Bilderdiebe Jagd machen. Dann kann ich mich als Fotograf in Ruhe um die Fotografie küm­mern, der RA beauf­tragt sei­nen Angestellten damit, Plagiate und Kopien zu suchen, mahnt ab und ggf. wird geklagt. Das schafft Arbeitsplätze, jeder ver­dient dar­an, sind also alle glück­lich und zufrie­den, oder sehe ich das falsch? Was meint ihr?

  38. @Kerliges: Scheint logisch her­ge­lei­tet, Deine Argumentation. Aber etwas wesent­li­ches fehlt in der Überlegung – die Kreativität – der Vergleich mit der Industrialisierung hingt, nimm nur ein belie­bi­ges Musikstück, wie lang ist da die Wertschöpfung, dass Geld wird im ers­ten Jahr ver­dient, jedoch höchs­ten so lan­ge bis der nächs­te Hit auf dem Markt ist. So ist das in der Kunst.

  39. @Kerliges:

    Kutscher sind nicht aus­ge­stor­ben, die haben nur das Arbeitsgerät gewech­selt. Fotografen ster­ben auch nicht aus. Das Urheberrecht ist nicht ver­al­tet, Bilder sind auch nicht ver­al­tet, außer­dem gibt es über­ge­ord­ne­te inter­na­tio­na­le Vereinbarungen. Und es gibt hof­fent­lich bald ACTA.

    @Frank: Du hast völ­lig recht.

  40. Lieber Max,

    ACTA ist der hel­le Wahnsinn!
    Um – sor­ry, klingt hart, ist aber wahr – irgend­wel­che ver­al­te­ten Geschäftsmodelle und Bezahlungsmechanismen zu beschüt­zen, das Internet zu ver­krüp­peln, die Bürgerrechte ein­zu­schrän­ken und die Gewaltenteilung nicht nur auf­zu­he­ben, son­dern zusätz­lich auch noch zu pri­va­ti­sie­ren, ist abso­lut NICHT ver­tret­bar!
    Blutige Revolutionen sind durch sol­che Vorhaben schon aus­ge­löst wor­den und es hat auch sehr viel Blut gekos­tet, die­se Rechte und die­se Gewaltenteilung durch­zu­set­zen!

    Das ist kein Abrechnungssystem und kein Geschäftsmodell wert.

    Die Aufklärung und ihre Errungenschaften wer­den vie­le sicher­lich nicht fried­lich auf­ge­ben.

  41. Nachtrag:
    Gestern gabs ein Urteil bezüg­lich dem Rechtsstreit Youtube/Gema. Das könn­te ich mir auch gut für Pinterest vor­stel­len. Nachzulesen hier: http://www.gmx.net/themen/digitale-welt/internet/689223c-youtube-musiktitel-netz
    Wenn nun also Fotografen ihre (geklau­ten) Bilder bei dem Pinner fin­den, MUSS die­ser löschen und auf amt­li­che Anordnung auch den Urheberrechtsverletzer bekannt geben. Damit dürf­te eine Abmahnung/Verurteilung dann auch schnel­ler gehen, als bei mei­nem letz­ten Rechtsstreit. Dieser hat mir 1024 EUR in die Kasse gespült – ein Reiseveranstalter hat­te ein Bild von einem Model am Strand geklaut. 🙂

  42. @Frank: Pinterest ist wohl rein ame­ri­ka­nisch – da zieht das Urteil nicht, da das Urhebergesetz nicht greift. Da muüss­te man schon in den USA kla­gen, ich ken­ne kei­nen Anwalt der sich mit dem Copyright aus­kennt.

  43. @Nicolai: Ich ken­ne ACTA – das bewegt sich abso­lut im recht­li­chen Rahmen der Gewaltenteilung – anstatt hier Propaganda zu ver­brei­ten soll­ten die Piraten lie­ber mal kon­kret etwas zu ihren Vorstellungen zum neu­en Urheberrecht sagen.

  44. Lieber Max,

    ich bin nicht „die Piraten“ – nicht ein­mal EIN Pirat.
    Dass du mich so adres­sierst, wun­dert mich, ich habe noch oben dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ich die Piraten nicht beson­ders gut lei­den kann.
    In den ACTA‐Unterlagen ist zuläs­sig, dass irgend­wel­che „Provider“ (was auch immer das dann genau sein soll) und Rechteinhaber sowohl judi­ka­ti­ve als auch exe­ku­ti­ve Befugnisse bekom­men. À la Hadopi und schlim­mer. Da wird doch der Bock zum Gärtner gemacht. Wie das nicht gegen die Gewaltenteilung und Grundrechte ver­sto­ßen soll, erschließt sich mir nicht.

    Das ich von mei­ner Kreativität nicht leben muss, ist ein alber­nes Argument. Ich habe dir ja dei­nen Beruf nicht aus­ge­sucht. Und die Faillite ist das vor­neh­me Recht jeden_r Bürgers_in. Es herrscht immer noch Kapitalismus.

    Um noch mal genau­er auf ACTA ( http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/11/st12/st12196-re03.de11.pdf ) ein­zu­ge­hen:

    Besonders besorg­nis­er­re­gend fin­de ich Abschnitt 5, Artikel 27 (1), (3), (4), (5), (6)a)ii) und (6)b). Aber auch sonst fin­den sich gru­se­li­ge Dinge. Und das Grundproblem der Urheber_innen (=! Rechteinhaber_innen) wird dadurch ja gar nicht gelöst. Denn die Preissenkung durch die Produktivitätssteigerung kommt so oder so. Und ihr könnt sie ja auch alle sehen. Die Bedingungen bei den Mikrostockagenturen ver­schlech­tern sich doch seit ich hier mit­le­se mit schö­ner Regelmäßigkeit. Letzenendes macht ihr euch aus per­sön­li­cher Verzweiflung zu den nütz­li­chen Idioten der­je­ni­gen, die euch aus­beu­ten. Vor allem, weil ihr die eigent­lich nicht mehr braucht. Eben wegen der gestei­ger­ten Produktivität.

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