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Kann ich nicht-exklusiv gleich viel Geld verdienen wie ein exklusiver iStock-Fotograf? (Gastartikel)

Vor paar Wochen hat der Hobby-Fotograf Michael Zwahlen in seinem Blog diesen englischen Artikel über die Exklusivität bei iStock veröffentlicht. Auf meinen Wunsch war Michael so freundlich, den Text etwas auszubauen und ins Deutsche zu übersetzen. Los geht’s, ab jetzt schreibt Michael:

Ich habe vor 15 Monaten den für mich grossen Schritt gewagt, nach sechs Jahren meine Exklusivität bei iStockphoto zu kündigen. Da ich stets aktives Mitglied der Community bei iStock war, werde ich seitdem regelmäßig gefragt, welche Erfahrungen ich seitdem gemacht habe.

Michael Zwahlen - Selbstportrait zum Verkauf über Stocksy
Michael Zwahlen – Selbstportrait zum Verkauf über Stocksy

Eine der häufigsten Fragen ist natürlich: Kann ich als Nicht-Exklusiver ähnlich viel Geld verdienen wie als Exklusiver?

Meine einfache Antwort: Ja. Zumindest ist mir das sehr schnell gelungen. Die etwas kompliziertere Antwort: Es kommt darauf an.

Meine persönliche Vorgeschichte

Als ehemaliger Software-Entwickler und Projektleiter habe ich die Fotografie für mich Ende der 1990er Jahre eher aus dem Interesse an Kameras als „Gadgets“ entdeckt: Meine erste Digitalkamera war eine Olympus mit VGA-Auflösung, als 640×480 Pixel (0,3 Megapixel!). Die Bildqualität war im wahrsten Sinne be“rauschend“. Ende 2001 habe ich mir eine Sony F505V zugelegt, die mit einem fest eingebauten Zeiss-Objektiv und 2,6 Megapixel schon brauchbare Bilder produzierte.

Gleichzeitig entstanden die ersten Online-Dienste, über die „jedermann“ seine Fotos zur Lizenzierung anbieten konnte. Da ich damals in der Schweiz wohnte, las ich über die Gründung von ImagePoint, bewarb mich und wurde akzeptiert. Ich wusste jedoch wenig über Fotografie, bekam wenig Bilder akzeptiert, freute mich aber über zwei oder drei Verkäufe pro Jahr.

Der erste Bildverkauf 2002 von Michael Zwahlen bei ImagePoint
Der erste Bildverkauf 2002 von Michael Zwahlen bei ImagePoint

Bis Anfang 2007 wurde Fotografie dann zu meinem Lieblings-Hobby, und ich begann zu recherchieren, ob ich damit nicht zumindest genug Geld verdienen könnte, um ab und zu eine neue Kamera oder eine Reise zu finanzieren. Ich entdeckte Microstock, wurde bei iStockphoto im 2. Versuch akzeptiert und bei Shutterstock abgelehnt. Ich konzentrierte mich also zunächst auf iStock und lernte schnell und viel aus der damals sehr aktiven und unterstützenden Community.

Die nächsten sechs Jahre habe ich mich dann für die Exklusivität entschieden und halte die Entscheidung auch bis heute für richtig. Als Hobby-Fotograf habe ich dort mit relativ wenig Bildern und wenig administrativem Aufwand gutes Geld verdient. Bis im Herbst 2011. Damals hat iStock seine Suche umgestellt, als Ergebnis brachen die Umsätze meiner Bestseller und damit mein ganzer Umsatz innerhalb von drei Monaten um über 50% ein.

Ende 2012 habe ich mich zur Kündigung meiner Exklusivität entschieden. Damals habe ich noch mit einer Partnerin zusammen gearbeitet, und wir haben mein (kleineres) Portfolio als Testprojekt für die Nicht-Exklusivität genutzt. Seit Mitte 2013 arbeite ich Vollzeit daran, mein Portfolio auszubauen und von der Stock-Fotografie zu leben.

Die ersten Erfahrungen

Der Schritt in die Nicht-Exklusivität bedeutet zunächst, dass man sein gesamtes bestehendes Portfolio zunächst „wiederfinden“, zusammenstellen und eventuell überarbeiten muss. Als iStock-Exklusiver ist die Motivation nicht sehr groß, die Metadaten bereits in Lightroom oder Photoshop zu verwalten, da man anschließend sowieso die Arbeit erneut mit Hilfe des „Kontrollierten Vokabulars“ von iStock machen muss. Zwar hatte ich bereits in knapp der Hälfte meiner Bilder die Metadaten eingetragen, bei mehr als 500 Bildern musste ich das jedoch noch nachholen.

Zudem musste ich von teilweise vier oder fünf Jahre alten Bildern die Model Releases zusammensuchen. Zum Glück war ich in dieser Hinsicht auch gut genug organisiert, dass mir dies in kurzer Zeit gelang. Ich stellte jedoch fest, dass ich einen Teil meines Portofolios nicht anderweitig verwenden konnte: Bilder, die ich auf „Minilypses“ oder „iStockalypses“ geschossen habe, den von iStock organisierten und mitfinanzierten Gruppen-Shootings. Diese Bilder sind auch für Nicht-Exklusive vertraglich an iStock gebunden. Da ich diese Events gerne besuchte, habe ich nach wie vor einige hundert Fotos exklusiv bei iStock, erhalte jedoch die nicht-exklusive Bezahlung hierfür. Auch hatte ich für einige Shootings Model Releases mit dem deutschsprachigen Vordruck von iStock verwendet. Als iStock-Exklusiver natürlich kein Problem, aber so manche Agentur will einen nicht-englischen Vertrag mit einem fremden Firmenlogo einfach nicht akzeptieren.

Da man nach der Kündigung der Exklusivität noch 30 Tage warten muss, hatte ich jedoch ausreichend Zeit, um etwa 500 meiner 1.800 Bilder vorzubereiten und hatte diese praktisch sofort nach Auslaufen dieser Wartezeit bei Shutterstock, Fotolia, Depositphotos, 123RF, CanStockphotos und GL Stock online. Innerhalb von drei Monaten waren es dann über 1.000 Bilder bei neun Agenturen.

Wie sich die Einnahmen entwickelten

Wer die Exklusivität bei iStock aufgibt, sieht sich unmittelbar mit zwei Faktoren konfrontiert: Erstens sinkt der prozentuale Anteil an den Einnahmen, in meinem Fall von 30% auf 17%. Hinzu kommt jedoch auch, dass die Bilder günstiger angeboten werden. Ich hatte nur wenige Bilder in Vetta, aber meine Exklusive+ Bilder haben regelmäßig Erträge von $10 bis $20 erzielt. Als exklusiver iStock-Fotograf ist man eigentlich kein echter Microstocker mehr, denn viele Bilder werden eher zu Midstock-Preisen von $50 oder $200 angeboten.
Anfang 2013 hatte ich hier in der Regel nur noch halb so hohe Preise, inzwischen werden nach einer Preissenkung Mitte 2013 sogar für nur noch 1-7 Credits angeboten. Der Einbruch bei den Einnahmen bei iStock betrug insgesamt also etwa 75-80%.

Übliche Verkaufspreise bei iStock als exklusiver Fotograf...
Übliche Verkaufspreise bei iStock als exklusiver Fotograf…

Trotzdem hat es in meinem Fall nur wenige Monate gedauert, bis ich wieder ungefähr gleich hohe Einnahmen erzielte wie in meinem letzten Jahr als exklusiver iStocker: Shutterstock hat hier den größten Teil übernommen, aber auch bei Fotolia konnte ich schnell auf regelmäßige Einnahmen zählen. Überraschend schnell und gut sind auch meine Einnahmen aus dem Partner-Programm von iStock gestiegen. Als Exklusiver hatte ich noch die Option, den Großteil meines Portfolios aus dem Vertrieb über Thinkstock und photos.com auszuschliessen, als Nicht-Exklusiver kommen heute etwa die Hälfte meiner iStock-Einnahmen aus dem Partner-Programm.

...und hier danach als nichtexklusiver Fotograf.
…und hier danach als nichtexklusiver Fotograf.

Im April 2013 – also nach nur drei Monaten – konnte ich wieder ähnliche Einnahmen erzielen wie im Vorjahresmonat. Seit Juni 2013 habe ich bis auf eine Ausnahme jeden Monat im Jahresvergleich mehr Lizenzeinnahmen erzielt. Im Jahr 2014 habe ich bisher jeweils rund 50% mehr Umsatz erzielt als in meinem letzten Jahr als iStock-Exklusiver. Für mich persönlich ist die Entscheidung zur Unabhängigkeit also voll aufgegangen, und zwar schneller als erwartet.

Übliche Verkaufserlöse bei Shutterstock
Übliche Verkaufserlöse bei Shutterstock

Lassen sich diese Erfahrungen auf andere übertragen?

Hier kann man Zweifel anmelden: Zum einen bin ich kein überragender Fotograf. Ich habe keinerlei formale Ausbildung, keine anderen Erfahrungen im grafischen Bereich. Etablierte und erfahrene Fotografen haben möglicherweise eine deutlich höhere Qualität. Mir sind die geringeren Qualitätsanforderungen (vor allem in Bezug auf die Bildästhetik) der Microstock-Agenturen also entgegen gekommen. In Bezug auf Bildrauschen oder Artefakte zahlen sich die Erfahrungen mit den (früheren) harten Inspektionen bei iStock aus: Meine Akzeptanzquote liegt bei den meisten Agenturen bei deutlich über 90%.

Portfolio-Zuwachs bei den verschiedenen Bildagenturen
Portfolio-Zuwachs bei den verschiedenen Bildagenturen

Ich habe jedoch stets gesagt, dass meine Bilder sich vermutlich eher im billigen Bereich verkaufen. Mit den ständigen Preiserhöhungen bei iStockphoto wurde es zwar vielen professionellen Fotografen ermöglicht, aufwändigere Shootings zu finanzieren, meine Bilder konnten sich bei den höheren Preisen aber nicht gut behaupten. Ich war von wenigen Ausnahmebildern abhängig.

Zudem hatte ich nur wenige Bilder in den Top-Kollektionen Vetta und The Agency Collection, mit denen sich hohe Lizenzeinnahmen sowohl bei iStock selbst als auch über die Getty-Seite erzielen ließen. Meine Einnahmen aus der Partnerschaft mit Getty betrugen weniger als 5%, daher habe ich hier praktisch keine Verluste gehabt. Andere iStock-Fotografen erzielen teilweise bis zu 20% ihrer Lizenzeinnahmen über die Getty-Seite und weitere 20% aus den höherpreisigen Kollektionen. Diese Bilder werden bei einer Vermarktung über Shutterstock & Co ziemlich sicher keine ähnlichen Umsätze erzielen.

Auch hatte ich das Glück, als einer der Gründungs-Fotografen bei Stocksy United bereits von Anfang an auch eine Agentur zu haben, bei der ich „künstlerisch höherwertige“ Bilder platzieren konnte, die sich zahlenmäßig eher selten verkaufen, bei denen der Kunde aber zumeist auch kein Problem damit hat, $50 oder $100 für eine Lizenz zu bezahlen. Mit Westend61 habe ich außerdem eine Macrostock-Agentur gefunden, die einen Teil meiner Bilder über ihre Vertriebskanäle vermarktet. Schließlich habe ich einige Bilder über die (inzwischen nicht mehr existierende) Getty-Flickr-Kollektion vertrieben.

Natürlich gibt es einen weiteren Faktor: Das Arbeitsvolumen. Ich kann heute nicht ausschließen, dass ich mit vergleichbar viel Arbeit auch als iStock-Exklusiver wieder deutlich mehr verdienen würde als zuletzt in 2012. Hatte ich zum Ende meiner Exklusivität rund 1.800 Bilder in meinem Portfolio, sind es heute bereits deutlich über 3.000.

Meine persönlichen Schlussfolgerungen

Ich glaube, mit dem wachsenden Volumen an Bildern in Microstock wird es schwieriger, sich ausschließlich und mit allen Bildern in diesem Markt zu positionieren. Ausgewählte Bilder sollten zu höheren Preisen angeboten werden. Für 2014 erwarte ich, dass ich in diesem Bereich rund 10% meiner Lizenzeinnahmen erziele. Mittelfristig ist es mein Ziel, rund 20% meiner Bilder über höherpreisige Agenturen anzubieten und entsprechend hohe Einnahmen in diesem Bereich zu generieren.

All dies muss man sich jedoch erarbeiten, wenn man die Exklusivität bei iStockphoto aufgibt. Die Idee, alle Bilder einfach bei Shutterstock und Fotolia hochzuladen, halte ich für zu riskant. Hier gehen viele – auch gute – Bilder einfach in der Masse unter. Die Nicht-Exklusivität sollte ja gerade den Vorteil bieten, dass man für sich und seine Bilder alle Kanäle und alle Marktsegmente beliefern kann. Diesen Vorteil muss man nutzen.

Für mich der wesentliche Vorteil nach der Exklusvität war jedoch einerseits ein großer Motivationsschub und andererseits die unerwarteten Möglichkeiten: Als Exklusiver ist man den Änderungen bei einer einzigen Agentur ausgeliefert. Zwar kann man iStock und Getty nicht für alle Entwicklungen des Marktes verantwortlich machen, aber einige Probleme waren und sind hausgemacht. Das kann stark belasten, wenn man von den Einnahmen dort abhängig ist. Wie bei mir gesehen, kann eine Änderung im Suchalgorithmus sehr kurzfristig zu einem Einbruch der Einnahmen führen.

Verteilung der Einnahmen auf die verschiedenen Bildagenturen
Verteilung der Einnahmen auf die verschiedenen Bildagenturen

Zwar lese ich heute auch noch aufmerksam alle Änderungen bei den verschiedenen Agenturen. Aber ich bin nicht mehr abhängig davon, bei jeder Änderung auf der Seite der Gewinner zu sein. Falls eine Agentur heute ihre Suchergebnisse ändert, betrifft dies immer nur einen Teil meiner Einnahmen. Ich kann mich allgemeinen Markttrends zwar nicht entziehen, aber zumindest gleichen sich Schwankungen leichter aus.

Schließlich eröffnen sich teilweise Möglichkeiten, die man als iStock-Exklusiver nie auch nur in Erwägung gezogen hätte. Rund 20% meiner Einnahmen heute erziele ich ausserhalb der Stock-Fotografie. Das hätte ich zwar auch als iStock-Exklusiver machen können, jedoch hat man dort verständlicherweise einen sehr eingeschränkten Blick.

Insgesamt bin ich mit meiner persönlichen Entwicklung sehr zufrieden, auch wenn ich insgesamt noch zu wenig Geld verdiene. Neben der finanziellen Situation hat sich vor allem auch meine Perspektive auf die Fotografie geändert: Wenn man ausschließlich für iStock produziert, schränkt man sich fotografisch oftmals stark ein – man macht einfach das, wovon man bereits weiß, dass es akzeptiert wird und sich verkauft. Heute kann ich viel mehr Risiken eingehen, auch mal ungewöhnliche Motive oder eine neue Bearbeitungstechnik auszuprobieren. Zwar erhalte ich dann auch öfter Ablehnungen bei einer Agentur, kann es dann aber auch bei einer zweiten oder dritten probieren.

Meine Zahlen deuten darauf hin, dass ich im Herbst an meine besten Monate aus den Jahren 2010 und 2011 anknüpfen kann. Und ich bin überzeugt, dass ich 2015 neue Rekordeinnahmen vermelden kann. Daher kann ich voller Überzeugung sagen, dass ich den Schritt in die Nicht-Exklusivität in den letzten 15 Monaten nicht ein einziges Mal bereut habe.

Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?

Stockfotografie-News 2013-12-27

Zum letzten Mal in diesem Jahr kommt die Nachrichtensammlung, wie immer spannend und abwechslungsreich:

  • Getty Images hat diese Vereinbarung mit Pinterest geschlossen, wonach Getty bezahlt werden soll. Das wurde auch Zeit und ich hatte sowas in der Art ja schon vor einer Weile angeregt. Ernüchternd ist jedoch, was genau bezahlt wird: Es geht nicht um die Darstellung der Fotos, wie man erst vermuten würde, sondern Getty bekommt Geld, um Pinterest die Metadaten für Bilder zu liefern. Viele soziale Netzwerke, aus denen sich Pinterest-Nutzer ohne Sorgen um die Nutzungsrechte bedienen, löschen die Metadaten beim Bild-Upload. Bildersammlungen sind aber nur so viel wert wie die Informationen dazu, weshalb Pinterest nun für diese bezahlen will. Ein Interview mit einem Getty-Manager über die Hintergründe des Deals findet ihr hier. Ein ausführlicherer Artikel dazu kommt in paar Tagen auch hier im Blog.
  • Eine weitere Kooperation hat Getty Images mit dem Kalenderverlag Calvendo geschlossen: Das ist ein Verlag, der es Privatleuten ermöglicht, selbst Kalender zusammenzustellen und diese werden dann nach einer Prüfung über Online-Shops, Buchläden und andere Vertriebswege verkauft. Wer jetzt zum Beispiel einen Flensburg-Kalender zusammenstellen will, aber nur 10 passende Fotos hat, kann jetzt die restlichen passenden Bilder aus der Bibliothek von Getty Images suchen. An diesen Bildern verdient dann aber nur Getty und Calvendo, nicht der Fotograf. Über das Thema wird auch hier im Stockfotografie-Forum diskutiert.
  • Getty Images zum dritten: Ein Gericht hat einem Fotojournalisten aus Haiti 1,22 Millionen US-Dollar Schadensersatz zugesprochen, weil die Bildagentur AFP und deren Verteiler Getty Images ein Foto von Twitter genommen hatte, ohne die Rechte daran zu klären.
  • Shutterstock hat jetzt auch eine Android-App, mit der Bildnutzer mobil nach Bildmaterial suchen können.
  • Alamy hatte vor paar Wochen das Auszahlungslimit von 100 auf 75 Us-Dollar gesenkt, gleichzeitig aber Gebühren für die Auszahlung eingeführt. Nach Protesten der Fotografen verzichtet Alamy jedoch jetzt auf die Gebühren.
  • iStock verschärft die Regeln für Aufnahmen von Privathäusern, die von öffentlichem Gelände aus gemacht wurden. Dafür ist ab sofort auch ein Property Release nötig. Mehr Informationen mit Bildbeispielen gibt es hier.
  • Im Gegenzug lockert Shutterstock die Regeln für redaktionelle Fotos: Jetzt sind dort nicht nur tagesaktuelle Fotos erlaubt, sondern auch redaktionelle Fotos mit Symbolcharakter. Ausführliche Beispiele findet ihr hier.
  • Die Foto-Sharing-App EyeEm hat von Investoren sechs Millionen Us-Dollar eingeworben und verkauft jetzt  auch Bilder.
  • Stocksy ist die erste Bildagentur, die ein „responsive design“ anbietet, also ein Seitenlayout, was sich automatisch an die Bildschirme von Smartphones, Tablets und Desktop-Computern anpasst. Sieht gut aus.
  • Pond5 bietet neben Full-HD und 4K-Videos nun auch Videos im Redcode RAW-Format (r3d), also die Rohdaten der RED-Kameras. Außerdem werden nun auch Vektor-Grafiken und PSD-Dateien akzeptiert.
  • Nach iStock, 123rf und Fotolia startet jetzt auch die Macrostock-Agentur Westend61 mit der „Smart Collection“ eine Smartphone-Kollektion, mit dem Ziel, ab 2014 vermehrt direkt verkaufen zu können.
  • Die Rating-Agentur Moody’s gab bekannt, dass die Bildagentur Fotolia von Juli 2012 bis Juni 2013 ca. 90 Millionen US-Dollar Einnahmen hatte. Zum Vergleich: Die Bildagentur Shutterstock hatte im gleichen Zeitraum ca. 199 Millionen US-Dollar Einnahmen.
  • Die Firma Profoto revolutioniert den Studioblitz: Der neue Profoto B1 mit 500W Leistung und Akku soll TTL können und wiegt nur 3 Kilo. Stefan Groenveld gerät hier ins Schwärmen.
  • Vor paar Jahren hätte ich sowas für komplett unmöglich gehalten, mittlerweile kann ich mir gut vorstellen, dass die Technik bald funktionieren könnte: 3-Sweep erstellt aus Foto-Objekten 3D-Versionen, die dann neu im Bild gedreht oder platziert werden können (via Bildbeschaffer).
  • Noch ein kleines Spielchen zum Schluss? Wer schafft es, diese vier Farbreihen korrekt zu sortieren? Kleiner Tipp: Mit einem kalibrierten Monitor fällt es deutlich leichter.

 Habt ihr noch News, die ich übersehen habe? Dann rein in die Kommentare damit.

10 Tipps für ein gelungenes Shooting (Gastbeitrag)

Die Macrostock-Bildagentur Westend61 bietet ihren Fotografen unter anderem die Westend61-E-Learning Academy, wo de Fotografen hilfreiche Tipps für bessere Shootings und Briefings zu besonders gefragten Themen erhalten.

Aus dieser Reihe stellt heute – mit freundlicher Genehmigung von Westend61 – Michael, Art Director bei Westend61 zehn Tipps für ein gelungenes Shooting vor. Michael hat mich auch bei meinem Supermarkt-Shooting tatkräftig unterstützt, ich weiß also, dass er weiß, wovon er redet. Los geht’s:

10 Tipps für ein gelungenes Shooting

1. Das Briefing

“Make a difference”! Die kreative Idee eines Shootings und die Einzigartigkeit des Themas oder Details der Umsetzung machen den Großteil des Erfolges aus. Daher sollte vor jedem Shooting ein detailliertes Briefing erstellt werden, welches das Shooting beschreibt und die Ziele für den Tag festhält. Das Briefing (oder auch Shootingplan) kann entweder nur dem Fotografen und seinen Mitarbeitern am Set helfen sich zu fokussieren oder auch als Hilfestellung für die Models genutzt werden. Das Briefing sollte mindestens 5-10 “Must Have – Motive” beinhalten, also die Topmotive, die man auf jeden Fall beim Shooting realisieren möchte. Neben der Motivauflistung ist es auch ratsam, eine konzeptuelle Keywordliste einzubauen, mit der man am Set spontan improvisieren kann. Diese Keywords sind genau die Suchbegriffe, unter denen die Endkunden später die Bilder in den Suchmaschinen finden sollen.

2. Gutes Styling

Grundsätzlich raten wir bei professionellen People-Shootings immer dazu, auch einen Stylisten zu buchen. Oft genug ist es das Styling der Models, das den Erfolg der Bilder zu großen Teilen ausmacht. Unbedingt vor dem Shooting mit den Maßen der Models und den Größen der Garderobe auseinandersetzen. Zu große oder zu kleine, nicht perfekt passende Kleidung wirkt schnell billig und mindert den vielleicht sonst guten Eindruck eines Fotos. Lassen Sie die Models ruhig auch ihre Lieblingsoutfits zum Shooting mitbringen. Zudem ist eine mobile Bügelmöglichkeit ist am Set äußerst ratsam. Das Styling sollte je Shootingthema geschmackvoll, passend und zeitgemäß sein. Weniger ist oft mehr, daher sind “Basics” oft eine gute Wahl für die Ausstattung der Models. Diese ansprechend zu kombinieren und mit Accessoires zu garnieren will gekonnt sein! Grundsätzlich muss man sich gerade beim Styling vor Augen halten, dass Westend61 Stockbilder fast ein Jahrzehnt auf die weltweite Reise schickt und die Bilder auch noch in ein paar Jahren als Aushängeschild für Fotograf und Agentur dienen.

3. Haare und Make-Up

Ohne Make-Up (in welcher Form und Variante auch immer) funktioniert eigentlich kaum ein People-Shooting. Ausser, man möchte ein Model in der Situation “der morgendliche Blick in den Spiegel” fotografieren. Und auch das Styling der Haare darf nicht unterschätzt werden. Die Frage nach aktueller Haarlänge und -farbe der Models sollte also nie vergessen werden. Während der Aufnahmen muss immer wieder ein kritischer Blick auf Haare (auch Strähnen!) und Make-Up geworfen werden. Das nachträgliche Retuschieren von Haaren kann sehr zeitaufwendig sein. Das Make-Up erfüllt in den meisten Fällen unter anderem die Funktion, die Haut der Models matt und nicht zu glänzend erscheinen zu lassen, Vorsicht also vor zu starkem Make-Up, das nicht zur Situation und Stimmung passt.

4. Die Technik

Hierzu gäbe es viel zu schreiben, aber aufgrund der fast unüberschaubaren Fülle an professioneller Kamera-, Licht und Objektivtechnik würde dies den Rahmen an dieser Stelle sprengen. So banal es auch klingt: Bitte vor jedem Shooting die Technik von A bis Z prüfen, säubern, Akkus laden, Ersatzgeräte und -akkus bereithalten und wenn möglich verschiedenen Optiken zum Set mitbringen. Natürlich ist es oft praktisch mit Zoomobjektiven zu arbeiten, aber manchmal lassen ein paar Aufnahmen mit Festbrennweiten hunderte anderer Bilder im Schatten stehen. “Make a difference” gilt auch beim Einsatz der Technik!

5. Gutes Auge

Ein gutes fotografisches Auge ist unheimlich wichtig für das Bildergebnis. Der Bildaufbau sollte eine eigene Dynamik haben, einen “Drive”, den Blick des Betrachters führen. Auch ein passendes, unterstützendes Schärfe/Unschärfe-Verhältnis und möglicherweise Textfreiraum (Copyspace) sind wichtig für Stockbilder. Hier hilft es, immer wieder Magazine und Zeitschriften zu wälzen und sich ganzseitige und doppelseitige Bildnutzungen anzuschauen. Wie werden Bilder eingesetzt, wann wirkt das Verhältnis von Text und Bild ausgewogen? Was genau macht ein gutes Bild aus, das einem sofort ins Auge springt und einen begeistert?

6. Assistenz und Unterstützung

Ein (kräftiger?), fleissiger Assistent ist eine wesentliche Erleichterung und Unterstützung beim Shooting. Es gibt am Set ständig so viele Dinge zu beachten und zu prüfen (Licht, Schärfe, Details, Überblick über die Dateien selbst, etc.) dass sich ansonsten schnell Fehler einschleichen oder die Kreativität augrund dieser Arbeiten leidet. Verlässt man das Shooting, sollte schon an dieser Stelle ein Backup der fertigen Aufnahmen gemacht werden.

7. Stay cool!

Locker und cool zu bleiben ist für das Endergebnis äußerst wichtig. Man sieht Bildern einfach an, ob sie mit Spaß und Freude entstanden sind oder unter Zeitdruck und Stress. Sollte einmal nicht alles wie ursprünglich geplant ablaufen, ist Mut zum kreativen Improvisieren gefragt! Oft entstehen die schönsten und auch brauchbarsten Bilder zwischen den eigentlichen geplanten Motiven. Die moderne Bildsprache lebt von Echtheit, Authentizität und “unbeobachtetem” Fotografieren. So komisch es auch klingen mag: Anspruchsvolle Stockbilder dürfen nicht zu “stockig” aussehen. Natürlich gibt es Ausnahmen und gerade sehr konzeptionelle Shootings sind und bleiben Stock-Shootings.

8. Technische Prüfung und Überblick

Am besten direkt mit Funk- oder Kabelverbindung mit dem Laptop/Tablet verbinden. Nur so kann man alles genau beurteilen und bekommt ein Gefühl fürs Format, die Technik und Details. Ein Shooting nur auf dem Kameradisplay zu beurteilen ist sehr riskant und man verliert schnell den Überblick.

9. Die Models

Das A und O eines jeden People-Shootings. Wirklich. Es sind die Gesichter und Körper der Models, die Endkunden zur Lizenzierung eines Fotos bewegen.

10. Wetter

Gerade in unseren Breitengraden immer ein Risiko, daher am besten eine “Schlechtwetteroption” einplanen bzw. 1-2 Tage Puffer für das Shootingdatum ermöglichen. Nichts ist frustrierender, als im Regen zu stehen wenn man für ein Shooting Sonne pur gebraucht hätte. Hier gilt also: Wetterberichte beobachten, genau vorplanen und notfalls ein Shooting lieber verschieben als es unter ungünstigen Bedingungen “durchzuziehen”. Übrigens: Auch bei vielen Indoor-Shootings ist tolles Wetter draußen wichtig für das Endergebnis. Zusätzlich aber immer genug Licht dabei haben!

Fazit

Ein gutes Shooting erfordert sehr viel Vorbereitung, eine gute Portion Selbstvertrauen, eine gewisse technische Sicherheit, einen Spritzer Mut und gute Stimmung im Team den ganzen Tag lang. Et voilà!

Viel mehr Tipps gibt es für Westend61-Fotografen hier in der Westend61 Academy.

Reaktionen auf den Getty Images/Google Drive Deal

Vor einigen Tagen habe ich an dieser Stelle über einen Deal zwischen Getty Images und Google geschrieben, der sehr zum Nachteil der beteiligten Fotografen und Agenturen war.

Mittlerweile haben sich einige der betroffenen Agenturen und Interessenverbände zu Wort gemeldet. Damit ihr auf dem Laufenden bleibt, stelle ich diese Reaktionen hier zusammen:

Wie reagiert Google?

Stillschweigen. Als wäre nichts gewesen. Allerdings ist die Webseite, mit der Google seine Benutzer bat, aus der Bildagentur Thinkstock (eine Abo-Tochter von Getty Images und iStockphoto) Bilder auszuwählen, die gratis angeboten werden sollen, immer noch online und funktionsfähig.

Wie reagiert iStockphoto?

Wie der Schläger auf dem Schulhof. Der Anwalt von iStockphoto, Ronald Lo, schickte der Webseite kga.me, welche eine Übersicht der betroffenen Bilder zeigte, eine Abmahnung und sorgte dafür, dass die Übersicht und die Bilder verschwinden mussten. Dabei dachte ich, der Anwalt wäre damit beschäftigt, die immer noch existierende Fake-Seite zu bekämpfen. Die Abmahnung ist umso ironischer, weil die gleichen Bilder bei Google Drive verschenkt werden. Wer die betroffenen Bilder und dazugehörigen Infos sehen will, kann das in diesen drei Tabellen direkt auf Google Drive nachschauen.

Danach verschickte iStockphoto einen Newsletter an deren Fotografen, in dem steht:

„You may have already read our last update in the forums but once again, we’d like to thank you for your continued patience. To reiterate from previous posts, royalties have been paid in connection with the Google Drive usage based on all consideration received by Getty Images under the licensing agreement. We understand your concerns relating to the deal and we are making progress in a productive dialogue with Google about these concerns and potential solutions. As many of you have pointed out Google is a big company, much bigger than Getty Images, and coordinating across the teams there that will help with any modifications is taking longer than we might have hoped, but things are still proceeding.“

Das heißt, sehr grob übersetzt: Bisher hat sich nichts getan, weil Google die bessere Verhandlungsposition hat.

Wie reagiert die betroffene Agentur Blend Images?

Der CEO der Agentur, Rick Becker-Leckrone, schrieb hier im Yahoo Stockphoto-Forum einen – sehr arroganten, wie ich finde – Beitrag, in dem er den Deal für „normal“ hielt und nicht verstand, warum sich Microstock-Fotografen über die 6-12 Dollar aufregen würden, wo sie doch sich sonst mit Cents zufrieden gäben. Im PS am Ende erwähnt er übrigens auch, dass Blend Images mal als niedrigstes Honorar 3 Cent an den Fotografen John Lund gezahlt habe. Hier der volle Text:

„Sean, et al.

Yes, the deal is for images in „premium access“ which licenses bulk content deals largely for new-media, non traditional, usages. In this case it look like Google licensed about 2000 images for between $60-$100 each to allow for use in their Drive / Docs program. Images can be used to terms of Google’s EULA. This deal is exactly like any of the other deals that have been done in the past when a software manufacturer wants to have some clip art images in the box for use in demoing the software. I’m not a big fan of micro priced sales. But I do understand both the client and agency perspective. Google needs imagery to show off their software. It has to be somewhat up to date and relevant, but not necessarily the best content available. Due to the small number of images it’s not likely the collection will be that useful for clients for actual end use, but does show off the technology nicely. From Getty’s perspective it’s a $150,000 sale where the imagery is not likely to get a lot of exposure or end-use by potentially paying clients.

I understand the feeling that the images could be downloaded in bulk and put into an image library and used forever. But, in general, the professional image user – those who WILL buy imagery (even if they’re a grandma working in a church office) would like to search for and find the most relevant content for their needs, and with microstock available, it’s unlikely that the difference between free and 5 „credits“ would be a deterrent. For those hell bent on using images outside of license agreements, sure, they’ll have at it.

The truth of the matter is that micro photographers are extremely comfortable licensing imagery for pennies on the dollar. This is an industry that they pioneered through their efforts to shoot the highest quality product for sales that are, well, micro. 🙂 If you’re a micro photographer, you’re used to sale statements with royalties for .05 cents, .22 cents, .67 cents and the like. Every image in this deal netted photographers about $12.00. So the way to look at this license is that YES, you’re getting paid. As much as $12.00 for no client usage. A huge win, I assume. If nobody downloads and uses the shot commercially, you’re aces. Now as more people download – and USE – the image, your royalty decreases. If the images are used twice, you made $6.00, still very good in the micro and subscription space. But yes, sadly, at 1,200 USES of the image you’re at .01per use. And at 2,400 USES, even less. But even at 10,000,000 uses, you got paid. It’s just a VERY MICRO license. I guess the question for micro photographers is at what license price does the outrage begin? We know that 0 is unacceptable, but .05 cents?, .03 cents? Not sure. I guess its different for every shooter. But Sean, seriously, you got to have a little sense of humor about this stuff. Take a look at your last micro sales
statements. Any .10 centers on there? Maybe you don’t, but many do. Especially when you get into subscription. Just the nature of the beast (that YES, micro photographers largely created.) In fact, micro started out with designers swapping graphics and photos for 0 licensing fees. So maybe I’m wrong – 0 is also OK. 😉

The truth is it’s entirely likely that the end result of this Google experiment will net the photographer somewhere in the range of many traditional micro sales. Ultimately, I think it’s a red herring. We just closed a sale for $60,000 a few days ago. We try to look at the big picture.

And, yes, we have Blend Images material in this deal. I’m not a big fan of „premium access“, but then it’s incremental revenue. I think it very likely that someone using Google docs was going to go to gettyimages.com and license one of our images. So, then is a $12.00 in incremental income worth it if the other option was 0? I know what the MBA’s would say. Hell, I bet Carlyle Group has got plenty of MBAs. 🙂

RBL

P.S. At our last photographer creative meeting in Palm Springs, we gave out a number of awards. Some serious, most not. The best one of all was lowest royalty for a single image – I think it was .03 cents. John Lund. We also gave an award for highest sale. If memory serves it was $55,000 for a single shot.  We’re going to beat that this year.

Rick Becker-Leckrone
CEO“

Der Fotograf und Miteigentümer von Blend Images, Jonathan Ross, äußerte sich hier im Microstockgroup-Forum so:

„Thank you Sean for sharing where you got the post it was a big help when I spoke with Rick at Blend. I see so many different reasons on this post for why people are pulling their images from Istock but the one I see the most is “ they aren’t making me the money I used to “ That unfortunately is what happens when there are more photographers then their are buyers, it is sad but true. I can all appreciate your concern for the loss of income, I lost 90% of my Macro income when Istock was 2 years into sales so I understand what it feels like to lose a great deal of your income from something you believe is a bad idea ( the reduction of average sales from $138 per image sold at Getty each to a dollar back when Istock started sales ) that was what took place when Micro hit the market but we had to evolve to survive and keep our families with food on the table.

I would suggest that for the few that will pull their entire content and I say few because of the millions of images Istock has in it’s collection, I admire anyone that stands by their beliefs enough to stop their families income and stop being exclusive that takes real strength to stick to your principles no matter what the cost. I know I would never pull my content from a company that can replace me overnight and put my family in financially jeopardy but that is me once again my hat is off to those that want to stand behind a belief and try to make a change.
Unfortunately I don’t think you pulling your content from Istock is going to hurt anyone but yourselves but once again I respect everyone’s right to do as they choose and those that do pull their entire collection I applaud.

I have spoken directly with Blend about our images that were used. They were from our Legacy collection images that have been with us from the start and are no longer making sales. For our company to sell 62 images that were no longer selling from our 100,000+ collection is a good gesture and a strong building block in our future relations with the biggest reseller of imagery in the world. Do I like the situation No, I would prefer it didn’t happen this industry is under enough pressure already. I think it is business that needs to take place for Blend especially during such turbulent times in our industry to strengthen our relations with such a giant in the business for a small offering of 62 images sold for $12 each. If this was to continue further I would have great concern especially if it were images of mine that were making solid sales but for Blend this was not the case.

I have no problem with the deal Blend made but that does not mean I agree with what took place elsewhere. If Istock pulled your top sellers for this deal then I can understand the issue but I cannot speak from the Micro side especially Istock. Please I am only the messenger here so keep that in mind. I like to share information at MSG but if I am attacked for my position I hope you understand why I will not reply, it just takes to long and doesn’t resolve anything. Open questions and responses I would love feedback from all that have their finger on the true pulse of this matter. I have seen a lot of emotions get in the way of smart business decisions and I hope you are all thinking this through in great detail for what works best for you at this time for your own business.

I wish you all the best on your decision and support everyone that chooses to do whatever they want I understand it is your income we are speaking of and that can be devastating so please think this through in great detail. As for people pulling a few hundred of your images from Istock I say either go for it and make your stand and leave Istock or just leave your images up. Taking a few hundred of your non sellers is not really supporting what is being asked of in this group support concept “ to pull your entire collection from Istock“.

Thanks for taking the time to read,
Jonathan“

Wie reagiert die betroffene Agentur Westend61?

Der Agentur-Mitinhaber, Gerald Staufer, erläutert die Sicht seiner Agentur in diesem Blog-Beitrag „Der Getty-Google-Deal und seine Konsequenzen“ und deutet darin an, verstärkt wieder auf RM-Material zu setzen, nachdem das viele Agenturen jahrelang im RF-Rausch vernachlässigt haben. Außerdem schreibt er unter anderem:

„[…] Aus meiner Sicht ist das eine komplette Entwertung dieser Bilder und fast eine Art Enteignung. Wer will die noch verwenden, wenn sie millionenfach von Google-Nutzern heruntergeladen werden können? Wer soll noch für diese Bilder bezahlen, wenn sie kostenlos zu haben sind? Wer liest schon die Lizenzbedingungen und wird sich daran halten? Wer kann dann noch kontrollieren, ob diese Bilder künftig alle legal verwendet werden, wenn sie millionenfach auf irgendwelchen Internetseiten herumschwirren? Ganz zu schweigen übrigens von dem Signal, das davon ausgeht: Gute Bilder gibt es kostenlos. Warum dafür bezahlen? Urheberrecht? Ist doch sowieso ein Relikt aus der Vergangenheit.

Auch wir sind betroffen. 19 Westend61-Bilder sind auf Google Drive zu finden. Was tun? Viele Microstockfotografen haben angekündigt, ihre Bilder bei iStockphoto zu löschen, um solchen Verkäufen künftig vorzubeugen und ein Zeichen zu setzen. Ich habe großen Respekt davor, fürchte aber, das werden dann am Ende ein paar zehntausend Bilder sein und es wird nicht weiter auffallen. Andererseits entsteht Getty und iStock gerade ein großer Imageschaden, den sie sicher nicht jeden Monat haben wollen. Ein Microstocker sagte mir, iStock wird künftig nicht mehr von der crowd empfohlen werden und das ist einfach ein langfristiger Schaden, den Getty hier anrichtet. Ich weiß es nicht, weiß aber, dass wir mit solchen Verkäufen nicht einverstanden sind. Es müsste entweder einen vernünftigen finanziellen Ausgleich dafür geben oder eine Opt Out Möglichkeit. […]“

Wie reagiert die betroffene Agentur Zoonar?

Der Inhaber von Zoonar, Michael Krabs, stand mir per Email Rede und Antwort, die Teile mit einem > davor sind meine Passagen:

„> Hallo Herr Krabs,
> ich recherchiere gerade etwas weiter wegen der Getty/Google-Sache, siehe hier:

Zunächst ein allgemeiner HInweis: Da wir einen Vertrag mit Getty haben, dürfen wir in der Öffentlichkeit nichts Negatives über unseren Vertragspartner verlauten lassen (umgekehrt wäre es genau so). Das sind übliche Vertragsbestandteile, deshalb gibt es auch keine offiziellen Stellungsnamen von Getty-Partnern. Es werden sonst Vertragsstrafen fällig. Wie gesagt: Solche Klauseln sind normal und gelten umgekehrt genauso. Inoffiziell kann ich mitteilen, dass wir von diesem „Deal“ nichts wussten und bisher auch keine Abrechnung dazu erhalten haben. Deshalb wissen wir nicht mehr, als in den Foren zu lesen ist. Wir sind jedenfalls nicht glücklich über solche Verkäufe und prüfen, wie wir diese künftig verhindern können, bzw. ob sie überhaupt vertraglich gesehen zugelassen waren (was ich bezweifle).

> Dort sind ja auch einige RF-Bilder von Zoonar betroffen, siehe:

Wenn die Forum-Berichte stimmen, dann sind 20 Fotos von Zoonar betroffen.

> Meine Frage deshalb:
> Wie sind diese Bilder zu Google Drive gelangt und was haben die betroffenen Fotografen dabei eingenommen?

Google hat Photolibrary gekauft und die Zoonar Fotos von Photolibrary integriert. Wir haben vorher alle Fotografen gefragt, ob Sie möchten, dass die Fotos übernommen werden. Darüber hinaus spielen wir seit ca. einem Monat auch direkt Fotos bei Getty ein, die von den Fotografen für diesen Partner freigeschaltet wurden. (Hinweis: Der Partner Getty ist schon lange vorhanden, jedoch hat es lange gedauert, bis wir die Getty Keyword Guidelines passend umsetzen konnten. Wir müssen bei jedem einzelnen Foto die Keywords löschen und neu vergeben, weshalb nur wenige Fotos pro Monat bisher bearbeitet wurden.)

> Wie können andere Fotografen ausschließen, dass deren Bilder auf diese Weise über Google Drive angeboten werden?

Keine Fotos für Getty freigeben.“

Was sagt der us-amerikanische Branchenverband PACA (Picture Archive Council of America)?

Der Fotograf Sean Locke fragte dort nach und veröffentlichte hier deren Antwort:

„Thanks for reaching out to PACA. I have been reading the recent articles and threads about the Getty/Google/Photographer problem.

Unfortunately, I have been caught up in conference calls all day on a couple of urgent things, so I haven’t had the time to devote to your situation that I would have liked to, but I can give you a brief outline of where we can be of help to you and your group.

1. PACA has an Ethics and Grievance Committee already set up to handle grievances against its members. The process starts with a simple letter of grievance sent to: ethics@pacaoffice.org.
2. The success of your complaint will depend a lot on the contracts you signed, so the grievance committee will want to see a copy of your contract with iStock with your complaint.
3. Nancy Wolff is an excellent attorney, but she is unable to represent you. She is our PACA Counsel and it would be a conflict of interest. However, I can get her to recommend another good attorney for you.

It goes without saying that PACA does not promote any kind of unethical business practices between our members and photographers. However, since we aren’t privy to the contracts that are being signed between photographers and agencies, we aren’t aware that are problems unless we hear about them. It always takes just one person to uncover an issue and then the work can begin.

I hope this is helpful. Please let me know if there is anything else I can do to help.

Best wishes,
Cathy Aron
PACA Executive Director“

Was sagt der deutsche Branchenverband BVPA (Bundesverband der Pressebild-Agenturen und Bildarchive e.V.)?

Auf meine Anfrage veröffentlichte der BVPA eine Stellungnahme auf deren Webseite als PDF, die hier nachzulesen ist. Darin steht unter anderem:

„Eine Umfrage bei den BVPA-Mitgliedsagenturen hat ergeben, dass diese allenfalls mittelbar betroffen sind. Die Betroffenen wollen sich deswegen an Getty wenden. Die Vereinbarung lässt aber einen weiteren Schritt in Richtung Pauschalierung fotografischer Leistungen auf dem Bildermarkt befürchten. Bezeichnend ist, dass gerade Microstock-Fotografen hier ihren Unmut äußern. Weil aber Google keine auf den deutschen Markt
übertragbaren Nutzungsbestimmungen erkennen lässt, ist zunächst zu klären, welche Nutzungen mit der einmaligen Zahlung für ein Foto abgegolten werden.

Auch in praktischer Hinsicht ist zu klären, welche Nutzungen als innerhalb von Google gelten. So bietet Google Drive Office-Lösungen wie eine Präsentationssoftware an, die ja von unterschiedlichen Orten abgerufen werden kann.

Problematisch ist, dass Google Drive keine Vorkehrungen für den Erhalt der Meta-Daten getroffen hat. So fehlt jeglicher Bezug zu den Fotografen und den ursprünglichen Bildanbietern.

Zweifel bestehen vor allem an einer Kompatibiltät zu kontinental-europäischem Recht. Google teilt seinen Usern mit, dass sie die Bilder im Rahmen von Fair Use nutzen können. Hierunter fallen nichtkommerzielle Nutzungsformen, die auf die Weiterentwicklung und Bearbeitung vorhandener Werke zielen. In der deutschen Rechtspraxis werden die Urheberrechtsschranken restriktiver ausgelegt. Bedenken bestehen zudem, ob eine einmalige Zahlung eines niedrigen Betrages noch dem zwingend geltenden Grundsatz der angemessenen Vergütung gerecht wird.

Eine Stellungnahme seitens Google ist nicht bekannt. Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form Getty Images und Google diese Praxis fortsetzen werden.“

Was sagt der europäische Branchenverband CEPIC (Coordination of European Picture Agencies Stock, Press and Heritage)?

Trotz mehrmaliger telefonischer und Email-Anfragen konnte ich bisher leider keine Antwort von der CEPIC erhalten. Eine Stellungname soll jedoch bald erfolgen. [Update 13.2.2013: Die CEPIC hat sich jetzt mit dieser Stellungnahme bei mir gemeldet.]

Stockfotografie-News 2012-08-03

Nach einem ruhigen Juli mit Urlaub und sogar ein paar warmen Sonnentagen kommen heute wieder einige Nachrichten aus der bunten Welt der Bilder.

  • Lee Torrens veröffentlichte in seinem Blog einen interessanten „Microstock Royalty Calculator„, der die tatsächlichen Fotografenkommissionen berechnet. Einige liegen unter den versprochen Prozenten, andere darüber, die beworbenen Werte sind also meist nur eine Art Mischkalkulation.
  • Die Bildagentur Clipdealer führt jetzt auch Abo-Modelle ein. Löblich ist hingegen, dass diese Funktion standardmäßig deaktiviert ist und erst auf Wunsch des Fotografen aktiviert wird.
  • Der Kampf mittels Abos wird auch an anderen Stellen ausgefochten: Dreamstime erlaubt deutlich mehr Downloads für das gleiche Geld wie vorher, was logischerweise dazu führt, dass die Fotografen weniger Geld pro Download bekommen. In der Praxis betrifft das die Bilder der Rankingstufen 3-5, die früher mit 0,70 bis 1,05 Dollar vergütet wurden. Jetzt gibt es dafür nur noch 0,35 Dollar pro Abo-Download.
  • Picworkflow hat jetzt nach dem Bildervertrieb und der Verschlagwortung einen weiteren Service im Angebot auf dem Weg zum „One-Stop-Service“ für Stockfotografen: Die Bildbearbeitung. Ab 90 US-Cent soll es stocktaugliche Retuschen geben mit Geld-zurück-Garantie. Bisher werden leider keine RAW- oder TIFF-Dateien unterstützt, aber die Vorher-Nachher-Beispielbilder* sehen sehr überzeugend aus. Für einen Aufpreis von einigen Cent sollen sogar die besten Bilder aus einer Serie rausgesucht werden. Ich wollte den Service jedoch gleich testen und habe festgestellt, dass eine bei mir übliche Retusche inklusive Hintergrundaufhellung, Zähne und Augen weißen, Hautkorrektur und einer kleinen Logoentfernung auch schnell über 8 Euro kostet.
  • Fotolia hat jetzt auch lokalisierte Webseiten für Argentinien, Chile, Mexiko, Kolumbien und Australien und verstärkt damit die Präsenz in Lateinamerika und Australien. Insgesamt deckt Fotolia jetzt 20 Länder mit 12 Sprachen ab.
  • Die Seite istockcharts.de geht ja leider seit einigen Monaten nicht mehr. Nun gibt es hier bei Microstocktime.com einen vollwertigen Ersatz, nicht ganz so schön aber mit mehr Infos als zuletzt bei istockcharts, vor allem, weil jetzt wieder alle Fotografen erkennbar sind.
  • Die Video-Agentur Pond5 verkauft seit einer Weile auch Fotos. Bisher kamen die Bilder von 123rf, wenn die Fotografen dort ihre Fotos für Partnerprogramme freigegeben hatten. Jetzt sind auch direkte Uploads zu Pond5 erlaubt.
  • iStockphoto akzeptiert jetzt endlich auch digitale Modelverträge, welche mit der „Easy Release“-App erstellt wurden. Außerdem will iStockphoto mehr Bilder in die „1-Dollar-Ramschkiste“ packen und diese stärker bewerben.
  • Außerdem hat Pond5 ein Plugin für Adobe Premiere Pro CS6 (und höher) vorgestellt, mit dem Videos direkt aus dem Schnittprogramm gesucht und eingebunden werden können, ohne das Programm zu verlassen.
  • Was Getty mit Flickr gemacht hat, hat nun auch die Bildagentur Westend61 mit der Fotocommunity gemacht. Eine handverlesene Kollektion mit bisher ca. 130 Bildern von Fotografen aus der Fotocommunity, die über das Vertriebsnetzwerk von Westend61 zum Verkauf angeboten werden.
  • Nachdem Shutterstock seine iphone-App für Fotografen vorgestellt hatte, gibt es jetzt mit PHOTOanalytics auch eine kostenlose iPad-App für Fotolia-Fotografen. Interessant ist vor allem die Anzeige, wie viel Prozent der Bildbetrachter ein Foto auch gekauft haben und es gibt einen netten Präsentationsmodus.
  • Die Bildagentur Snapixel wird zum 31. August 2012 ihren Dienst einstellen, damit sie vorher erfolglos versucht hatten, die Agentur via Online-Auktion zu verkaufen.
  • Von der Bildagentur Alamy gibt es jetzt ein lesenswertes White Paper über die aktuelle Lage und die Zukunft von verschiedenen Lizenzmodellen in der Bilderbranche.

Habe ich was verpasst? Dann rein in die Kommentare damit.

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