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istockphoto senkt Fotografenhonorare auf bis zu 15%

Der Erfinder des Microstock-Modells ist immer für eine Überraschung gut.

Diesmal jedoch bekommen auch alte Hasen im Bildermarkt ihren Mund nicht mehr zu. istockphoto hat drastische Änderungen angekündigt, die unter anderem dazu führen, dass viele Fotografen nur noch 15% statt der bisherigen 20% Anteil am Verkaufserlös erhalten werden.

Aber der Reihe nach. Was ist passiert?

Per Email, Site-News und Forum-Eintrag kündigte istockphoto gestern drei Neuigkeiten an.

  1. Die Fotografenhonorare werden verringert
    • Bisher bekamen nicht-exklusive Fotografen 20% des Verkaufserlöses. Schon ziemlich wenig. Ab dem 1.1.2011 sollen sie nur 15-20% erhalten. Zu den Details komme ich gleich. Aber auch exklusive Fotografen spüren die Macht des Getty-Konzerns: Sie erhalten ab dem 1.1. nicht mehr 25-40%, sondern nur noch 25-45%. Klingt nicht nach einer Verschlechterung? Doch, denn die Anforderungen wurden stark angezogen. Auch dazu gleich mehr.
    • Bisher entschieden die „Canister-Level“, wie viel Prozent ein Fotograf pro Verkauf erhielt. Je mehr Verkäufe ein Fotograf erzielte, desto höher stieg er im Level und desto mehr Prozent bekommt er.
    • Ab dem 1.1.2011 sind diese Canister-Level nicht mehr für für den Fotografen-Anteil relevant, sondern nur noch für das Upload-Limit. Je höher ein Fotograf im Level, desto mehr Bilder „darf“ er pro Woche hochladen.
    • Ab dem 1.1.2011 wird der Fotografen-Anteil nach „redeemed Credits“ (übersetzt: eingelöste Credits) berechnet. Das heißt, nicht nur die Anzahl der Downloads, sondern auch die Größe bzw. der dazugehörige Verkaufspreis spielt eine Rolle. Im Benutzer-Bereich wird ab sofort angezeigt, wie viel „redeemed Credits“ ein Fotograf 2009 und 2010 erzielt hat. Bei mir sind das für 2010 beispielsweise ca. 5500, damit würde ich nach der neuen Abrechnungsstruktur nur noch 16% erhalten, eine Kürzung von 20%. Die genaue Liste mit den Anteilen findet ihr hier.
      Hier ist jetzt die Anzeige der Redeemed Credits zu finden.
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      Noch ein nützlicher Rechenhinweis: Pro Verkauf erhalte ich momentan ca. 5 Credits, im Forum meinten andere Fotografen, sie würden teilweise bis zu 7 Credits pro Verkauf erhalten, falls jemand kalkulieren will, wie viele Bilder er verkaufen muss, um auf welche Prozente zu kommen.
      Im istock-Forum haben sich viele Fotografen ausgerechnet, dass sie eine Kürzung ihres Umsatzanzeils von 10-20% (Prozent, nicht Prozentpunkte) erleiden werden.

    • Ganz wichtig: Die „redeemed Credits“ werden nur pro Jahr berechnet. Es zählt also nicht, wie viel Verkäufe ein Fotograf insgesamt hatte, sondern er wird jetzt danach bezahlt, wie viel er nur im letzten Jahr verkauft hat. Das ist besonders für die alteingesessenen Fotografen eine nachteilige Änderung.
    • Exklusive Fotografen erhielten bisher beim Verkauf einer „Erweiterten Lizenz“ 10% zusätzlich. Das wird gestrichen.
    • Nebenbei: Auch die Mindest-Credit-Preise für Abo-Modelle werden von 95 Cent auf 65 Cent gesenkt, was sich ebenfalls auf den Fotografen-Anteil auswirkt.
  2. Änderungen bei der Premium-Kollektion Vetta
    • Die Preise für Bilder in der Vetta-Kollektion werden angehoben, aber der Fotografen-Anteil dafür wird ebenfalls gesenkt.
    • Vetta-Bilder werden bald auch über die Webseite von Getty Images verkauft.
    • Vektoren-Grafiken werden aus der Vetta-Kollektion wieder entfernt. In Zukunft soll es dazu noch eine weitere Änderung geben (eine Premium-Vektor-Kollektion vielleicht?).
    • Diese Änderungen gelten ab dem 27.9.2010
  3. Eine neue Agentur-Kollektion soll hinzukommen
    • Bisher werden Bildkäufern bei istockphoto nicht-exklusive Bilder, exklusive Bilder und Vetta-Bilder angezeigt. Jetzt soll eine vierte Art hinzukommen, die „Agency Collection“
    • Die „Agency Collection“ wird Bilder anderer (wahrscheinlich Macrostock-)Bildagenturen enthalten, die dann über istockphoto, Thinkstock und Getty Images, Jupiter Images und PunchStock erhältlich sein.
    • Der Preis eines Bildes aus der Agency Collection wird über dem Preis der Vetta-Kollektion liegen.
    • In einigen Wochen „dürfen“ handverlesene exklusive istock-Fotografen ebenfalls Fotos der Agentur-Collection hinzufügen.
    • Der Fotografen-Anteil für die Agency-Collection wird der gleiche wie für die Vetta-Kollektion sein.

Let’s Do Some Math

Damit istockphoto öffentlich davon reden kann, dass die Honorare nur „geändert“, nicht „gekürzt“ wurden, gibt es neben den meist vorherrschenden Anteilssenkungen auch eine gut sichtbare Erhöhung: Die von 40% auf 45%.

Um 45% zu erzielen, muss ein exklusiver Fotograf über 1,4 Millionen (!) „redeemed credits“ pro Jahr erzielen. Der Fotograf, der bei istockphoto am meisten verkauft, ist in diesem Fall eine Fotografin und heißt Lisa Gagne. Innerhalb von sieben Jahren hat sie eine Million Downloads erzielt.

Ich habe mir rausgesucht, wann sie wie viele Downloads erzielt hat und wie lange sie dafür gebraucht hat (Tage in der letzten Spalte).
Im Durchschnitt brauchte sie 238 Tage, um 100.000 Downloads zu erzielen.
Pro Jahr kommt sie damit auf ca.  153400 Downloads.
Selbst wenn wir jetzt annehmen, dass sie für jeden Verkauf 9 Credit erhält, würde ihr „redeemed Credit-Wert nur 1.380.600 betragen.
Das wäre immer noch weniger als die erforderlichen 1,4 Millionen Credits.
Anders formuliert: Sehr wahrscheinlich wird niemand auf einen Anteil von 45% kommen, wenn es schon die Fotografin mit den meisten Verkäufen nicht schafft.
Da auch nicht-exklusive Fotografen 1,4 Millionen „redeemed Credits“ brauchen, um wie bisher ihre 20% zu behalten, kann ich mit Leichtigkeit sagen, dass kein nicht-exklusiver Fotograf das schaffen wird. Nein, auch nicht Yuri Arcurs! Da wirkt dieser Satz aus der Ankündigung befremdlich:

„we wanted to produce a solution that: would not change most contributors‘ total compensation (except for the better), […] allows our top contributors to earn more“

Übersetzt: „Wir wollten eine Lösung erreichen, die: nichts an den Gesamteinnahmen der Fotografen ändert (außer zum Guten), […] unseren Top-Verkäufern erlaubt, mehr zu verdienen“

Vermutete Auswirkungen

Die vielen exklusiven Fotografen bei istockphoto waren bisher immer ein Pfund, mit dem istockphoto wuchern konnte. Die Bildagentur hat viele Bilder, die andere nicht haben und kann sich deshalb erlauben, dafür auch höhere Preise zu nehmen. Mit einem so heftigen Tritt gegen die Schienbeine der exklusiven Fotografen wird es schwer fallen, neue junge Talente an sich zu binden, denn gerade durch solche Aktionen zeigt sich der größte Nachteil von Exklusivität: Diesen Fotografen sind die Hände gebunden.

Ein weiterer Punkt: Durch die Öffnung der Bildagentur für das Material von Macrostock-Agenturen wird das Verkäufe von den bisherigen istockphoto-Verkäufern abziehen: Wenn mehr Auswahl besteht, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Kunden ein Bild kaufen, was nicht von einem istock-Fotografen kommt. Ergo könnte das dazu betragen, dass die oben gesetzten Anteilsprozente noch schwerer zu erreichen sind.

Für den Inhaber von istockphoto, Getty Images, ist es aber ein logischer Schritt: Wir haben viel Geld für istockphoto und für Jupiterimages ausgegeben, jetzt wollen wir es wieder reinholen. Mit dem Erwerb von Jupiterimages hat Getty eben auch viele Macrostock-Fotos erworben, die sie jetzt über istockphoto verschleudern wollen.

Die Entscheidung zeigt auch, dass Microstock endgültig in der Mainstream-Geschäftswelt angekommen ist. Jetzt geht es ums Business, ums Geldverdienen, um nix anderes. Vor paar Jahren konnten Fotografen noch damit geködert werden, dass diese neuen hippen Microstock-Agenturen anders seien, cooler, community-orientiert, mit hippen Designs und flotten Sprüchen. Da war es zu verschmerzen, dass man kaum etwas verdient hat. Heute aber wird es für Hobby – und Amateurfotografen unter diesen Voraussetzungen immer schwerer, im Microstock-Bereich Geld zu verdienen. Die einzigen, die von den neuen Regelungen profitieren könnten, sind große professionell arbeitende Produktionsfirmen. Auch Fotolia hatte ja vor knapp einem Jahr mit der „Operation Level Ground“ gezielt neue Profi-Fotografen gelockt. Wer sonst noch mitspielen will, darf es gerne machen, aber nur wenig Honorar erwarten.

Was sagt ihr zu den geplanten Änderungen? Wie würde sich bei Euch konkret der Fotografenanteil ändern?

Getty Images senkt Bildpreise

Wenn die weltweit führende Bildagentur Getty Images etwas an ihrer Preisstruktur ändert, ist das schon eine Meldung wert.

Die Bildagentur selbst spricht natürlich nicht von einer Preissenkung, sondern von einem „neuen Angebot für die Nutzung von Web & Mobile-Bildern„. Dabei hat sie es im September 2007 schon vorgemacht: Damals wurde ein neues Web-Angebot eingeführt, bei dem Web-Bilder (413 Pixel/500 KB) nur 49 Euro kosteten. Getty Images zufolge hat eine interne Analyse der Kauftrends gezeigt, dass Kunden, deren Ersteinkauf ein 49-Euro-Bild ist, später mehr als doppelt so viel ausgeben wie andere Kunden.

88576194 Dracorubio Images/Flickr/Getty Images
88576194 Dracorubio Images/Flickr/Getty Images

Das soll nun wiederholt werden, indem die Formate noch mal ebenso wie die Preise schrumpfen. Die Spanne reicht von 5 Euro für lizenzfreie Bilder und 15 Euro für lizenzpflichtige Bilder mit 170 Pixel/56 KB oder 15 Euro für lizenzfreie und 35 Euro für lizenzpflichtige Bilder mit 280 Pixeln. Bei den lizenzpflichtigen Bildern ist die Nutzungsdauer auf drei Monate beschränkt.

Damit sind die Bilder sogar günstiger als die kleinsten Größen der neuen Vetta-Kollektion von istockphoto oder der Infinite Collection von Fotolia, wobei deren kleinste Größen jedoch eher der Web-Größe bei Getty Images entsprechen.

Nun sind wir an dem Punkt angekommen, an dem sich die Preise der Microstock-Agenturen teilweise mit denen der Macrostock-Agenturen überschneiden. Wird Macro das neue Micro? Oder umgekehrt?