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Abrechnungsstau in der Bildvertriebskette Waldhäusl, Chromorange, DPA/Picture Alliance

Erst kürz­li­ch mus­s­te ich im Blog über Honorarprobleme bei der Hamburger Bildagentur „Face To Face“ berich­ten.

Das betraf einen ande­ren Fotografen, aber par­al­lel dazu habe ich selbst eben­falls gemerkt, dass in einem mei­ner Vertriebskanäle Honorarprobleme auf­tau­chen.

Das Problem kurz skiz­ziert:

Ich ver­trei­be Macrostock-Fotos über die öster­rei­chi­sche Bildagentur Waldhäusl. Deren Inhaber Franz Waldhäusl habe ich als kom­pe­ten­ten, fai­ren Geschäftspartner erlebt.

Waldhäusl ver­treibt mei­ne Fotos auch über die deut­sche Bildagentur Chromorange mit dem Inhaber Reinhold Tscherwitschke. Das ist laut mei­nem Agenturvertrag auch zuläs­sig.

Chomorange wie­der­um lie­fert die Bilder an die „Picture Alliance“, dem Bildportal der Presseagentur dpa.

Nun fin­de ich seit Monaten wie­der­holt Fotos von mir im Internet, vor allem in Online-Ausgaben von Zeitungen des Axel Springer Verlags wie der Berliner Morgenpost, die seit Jahren Fotos von mir nut­zen. Als Bildunterschrift ist dort jeweils „Foto: picture-alliance/chromorange“, „Foto: dpa/pa“ oder „Foto: Chromorange“ ange­ge­ben. Die ältes­te bis­her gefun­de­ne Nutzung ist die­ses Foto von mir, was seit Juni 2009 auf der Webseite der „Welt Online“ zu sehen ist:
Das Problem: Um das Honorar zu erhal­ten, mus­s­te ich im April 2011, Mai, Oktober und November 2011 eine Beschwerde-Mail an Herrn Herr Waldhäusl schrei­ben, bis ich, nach ca. zwei­ein­halb Jahren das beschei­de­ne Honorar von 2,56 Euro erhal­ten habe!

Das eigent­li­che Problem sind aber die Aussagen der Agenturmitarbeiter, war­um die Auszahlung so lan­ge dau­ert und vie­le wei­te­re Bilder, die eben­falls seit über andert­halb Jahren online genutzt wer­den und noch nicht mit mir abge­rech­net wur­den, zum Beispiel wie­der eine Nutzung des Springer Verlags:


Auch hier habe ich nur stich­pro­ben­ar­tig nach mei­nen Bildern gesucht. Jedes Mal, wenn ich eine wei­te­re Stichprobe mache, kom­men wei­te­re Bilder zu Tage, für die mir bis­her kein Honorar aus­ge­zahlt wur­de. Hier zum Beispiel eine Nutzung vom Juni 2010, dies­mal in der Online-Ausgabe der Berliner Morgenpost, wie­der Springer Verlag.

Nachdem Waldhäusl mehr­mals bei Chromorange wegen der feh­len­den Abrechnung nach­ge­hakt hat­te, bekam ich im Mai 2011 als Antwort von Herr Tscherwitschke:

Das auf­ge­führ­te Bild wur­de uns von Springer nicht als Verwendung gemel­det. Der Grund ist ein tech­ni­schen Fehler im Abrechnungstool der öfter auch ange­merkt wur­de und mitt­ler­wei­le beho­ben wor­den ist. Ich sor­ge dafür, dass das Bild bei den nächs­ten Honorarabrechnungen berück­sich­tigt wird.“

Als ich dann im Oktober 2011 immer noch kein Honorar gese­hen habe und noch­mals nach­hak­te, schrieb mir Herr Waldhäusl:

Das Problem liegt hier bei der Picture Alliance – die­se Agentur ver­liert offen­sicht­li­ch die Übersicht über die Verkäufe. Herr Tscherwitschke hat das letz­te Bild (das mit­den geteil­ten Gesichtern) bereits aus eige­ner Tasche abge­rech­net. Wir erhal­ten das Honorar sobald wir unse­re 100,– Honorargrenze bei Chromorange über­schrit­ten haben.“

Im November 2011 schrieb mir Herr Tscherwischke noch mal:

Chromorange hat kei­ner­lei Einfluss auf das Abrechnungs Szenario von Partner und kann auch nicht für Honorare in Vorleistung gehen. Die Problematik liegt nicht bei uns Agenturen der Kunde muss die Verwendung bekannt geben. Macht er das nicht kön­nen wir die Honorare auch nicht aus­be­zah­len. Meiner Erfahrung nach wer­den alle Veröffentlichungen bekannt­ge­ge­ben doch kann dies meh­re­re Monate in Anspruch neh­men.“

Mehrere Monate? Okay. Aber Jahre? Fairerweise muss ich erwäh­nen, dass Herr Waldhäusl mir anbot, für gefun­de­ne Nutzungen das Honorar aus eige­ner Tasche vor­zu­stre­cken. Da Franz Waldhäusl eben­falls Fotograf ist, hat er auch eine Stichprobe gemacht und eben­falls eines sei­ner Fotos – auch über die PA – gefun­den, was noch nicht abge­rech­net wur­de.

Der Geduldsfaden riss mir jedoch Mitte November 2011, als mir Herr Tscherwitschke von Chromorange schrieb:

Ich bit­te Sie, mir alle Veröffentlichungen bekannt zu geben, damit ich das Honorar von den Kunden ein­lei­ten kann.“

Bei allem Respekt, aber das geht zu weit. Genau das soll­te die Aufgabe einer Bildagentur sein, son­st könn­te ich die Bilder gleich direkt ver­kau­fen. Soll ich jetzt mei­ne meh­re­ren 1000 Bilder mit Google Images über­prü­fen und mit mei­ner Honorarabrechnung abglei­chen, um das mir zuste­hen­de Honorar ein­for­dern zu kön­nen? Das Vertrauen in eine sol­che Agentur habe ich lei­der ver­lo­ren.

Zwischenzeitlich rief ich sogar bei Sebastian Eckhardt an, einem Sachbearbeiter bei der Picture Alliance, der gar nicht dar­über erfreut war, dass ich eini­ge Glieder der Vertriebskette über­sprang, um mich direkt an ihn zu wen­den. Wirklich hel­fen konn­te er auch nicht, ver­sprach aber, sich die Sache mal anzu­schau­en, wenn ihm Chromorange eini­ge Beispiele sen­den wür­de.

Warum ich dann die­sen Artikel schrei­be? Weil ich ers­tens nicht mehr dar­an glau­be, dass die Bildnutzungen auf die­sem Vertriebsweg wirk­li­ch lücken­los doku­men­tiert, kon­trol­liert und abge­rech­net wer­den. Ich kann es weder nach­wei­sen noch weiß ich, ob es Absicht oder Zufall ist, aber ich habe genug nicht abge­rech­ne­te Beispiele gesi­chert, um mir mei­ne Gedanken zu machen.

Zweitens: Wer Bilder an die Picture Alliance/DPA lie­fert, sei es direkt oder über Vertriebspartner wie Chromorange, soll­te selbst mit Google Images oder ande­ren Tools über­prü­fen, was er so an Treffern fin­det. Entweder über die Bildersuche mit eige­nen Motiven oder indem die häu­fi­gen Bildcredits wie „PA/Chromorange“, „PA/Picture Alliance“, „PA/dpa“ oder „Foto:Chromorange“ bei Google Images ein­ge­ge­ben und die gefun­de­nen Fotos nach eige­nen Motiven durch­stö­bert wer­den. Ich habe auf bei­den Wegen Treffer erzielt, die meis­ten Treffer mit mei­nen Bildern bekam ich mit der Suchanfrage „Foto:Chromorange“.

Und ihr? Habt ihr auch nicht abge­rech­ne­te Bilder von Euch gefun­den?

Update =01.12.2011: Die Bildagentur Waldhäusl nimmt zu die­sem Problem in ihrem aktu­el­len Blog-Beitrag Stellung.