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Die Klage von Imagebroker wurde entschieden

Fast genau ein Jahr ist es her, als an dieser Stelle mein Artikel „Imagebroker: Der unendliche Vertrag ohne Kündigung?“ erschien. Darin ging es um einige gravierende Probleme mit dem Fotografenvertrag der Bildagentur, mit denen ich nicht alleine stand.

Dieser Artikel verärgerte Klaus-Peter Wolf, den Inhaber von Imagebroker, so sehr, dass er mir erst mehrmals telefonisch sowie per Email unter anderem mit „Krieg“ drohte, sowohl „publizistisch“ als auch „juristisch“. In seinem – damals noch aktiven – Imagebroker-Blog erschien dann ein wutentbrannter Artikel, in dem er mir „unaufgeforderte Rechtsberatung“ sowie einige andere Nettigkeiten unterstellte (im Volltext nachzulesen hier).

Diesmal lieber kein Screenshot...
Diesmal lieber kein Screenshot…

In der oben erwähnten Email zählte er auch die Punkte auf, die er für justiziabel hielt, unter anderem die Verwendung eines Bildes im Screenshot der Startseite von www.imagebroker.com. Den „Krieg“ könne ich aber vermeiden, indem ich den ihn störenden Beitrag „umgehend“ vom Blog löschen würde. Wenn ich das nicht täte, würde er „publizistisch und juristisch alle Register ziehen“.

Da die meisten seiner anderen aufgezählten Punkte, zum Beispiel „üble Nachrede“, „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“, „urheberrechtlich geschützte Verträge“ und andere Geschütze, die er in Stellung gebracht hatte, kaum haltbar waren und wohl nur der Einschüchterung dienen sollten, kam dann wie angekündigt erst eine Abmahnung und danach die Klage wegen „Verletzung des Urheberrechts“.

Warum? Ich hatte im Artikel den Screenshot der Start-Webseite von Imagebroker gezeigt, um unter anderem die Selbstdarstellung vom „einzigartigen Agenturnetzwerk“ mit „mehr als 100 Bildagenturen in 45 Ländern“ zu belegen. Das war meiner Auffassung nach vom Zitatrecht gedeckt.

Leider befand sich auf der Startseite und somit auch auf dem Screenshot ein großes Foto des Fotografen Harry Laub. Das Gericht folgte leider nicht meiner Auffassung, dass das Foto nur „unwesentliches Beiwerk“ sei und es mir bei dem Screenshot um die Webseite der Agentur als virtuelles Aushängeschild der Firma ging. Aber gut, vor der Justiz ist das Internet digitales Neuland und das Risiko war vorhanden, dass das Gericht Probleme mit der Einschätzung von Screenshots hat. Das ist unter anderem gut daran zu erkennen, dass das Wort „Screenshot“ im gesamten Text der Urteilsbegründung nur ein Mal in einem völlig anderen Zusammenhang auftaucht (das Urteil im Volltext kann hier nachgelesen werden).

Leider spielte es vor Gericht auch keine Rolle, dass das Urheberrecht hier als Mittel der Zensur verwendet werden sollte (Stichwort „Zensurheberrecht„), um eine Löschung des kritischen Artikels zu erwirken.

Aktueller Stand: Ich habe die Klage verloren. Insgesamt musste ich ca. 1600 Euro zahlen, davon ca. 250 Euro Schadensersatz an den Fotografen, sowie ca. 350 Euro für meinen Anwalt sowie ca. 1000 Euro für den gegnerischen Anwalt. Das ist ungefähr die Summe, welche ich in den gesamten letzten drei Jahren bei Imagebroker verdient habe.

Was währenddessen geschah…

Der hauseigene Imagebroker-Blog ist mittlerweile geschlossen. Auch die Startseite änderte sich im letzten Jahr mehrmals. Aktuell werden dort nur viele kleine Thumbnail-Bilder gezeigt. Hätte ich meinen Screenshot jetzt gemacht, hätte meine Lage vor Gericht vermutlich viel positiver ausgesehen.

Interessant ist auch, dass Imagebroker seit Oktober 2015 einen Instagram-Account bewirbt. Hätte ich von dort eins der Imagebroker-Bilder in meinen Artikel via „Embedding…“ eingebunden, wäre ich vermutlich ebenfalls auf der sicheren Seite gewesen.

Aber es ging doch um den Imagebroker-Vertrag?

Genau, Ausgangspunkt der Geschichte war meine Kritik an den Fotografenverträgen. Nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung meines Artikels  kündigte Imagebroker einen neuen Fotografenvertrag an, den „Online-Vertrag 2.0„.

Dieser enthält angesichts meiner Kritik einige interessante Änderungen. Zu einen behält sich Imagebroker darin nun selbst den Vertrieb über Microstock-Agentur vor, während das zuvor kategorisch ausgeschlossen wurde und von mir als ein Weg zur „außerordentlichen Kündigung“ aufgezeigt wurde.

Außerdem wurden Unterschiede zwischen dem alten Papiervertrag und dem „Online-Vertrag 1.0“ beseitigt, nicht immer zum Vorteil der Fotografen. Aus der Kündigungsfrist zum „nächsten Kalenderjahr“ wurde im aktuellen Vertrag die Frist zum „übernächsten Kalenderjahr„.

Besonders spannend finde ich folgende Konstruktion im aktuellen Vertrag:

10.5 Einstellung der Vermarktung und Löschung von Bildern bei Vertriebspartnern
Rechtzeitig vor Vertragsende wird imageBROKER die Vertriebspartner über das Ende der Verwertungsbefugnis in Kenntnis setzen und Diese auffordern, die Vermarktung des Bildmaterials des Bildlieferanten rechtzeitig einzustellen. Soweit Vertriebspartner Bilddaten erhalten haben, werden Sie aufgefordert, diese rechtzeitig zu löschen. Bei einer außerordentlichen Kündigung kann es bis zu 180 Tage nach Vertragsende dauern, bis alle Bilder bei den Vertriebspartnern gelöscht sind. imageBROKER haftet in keinem Fall auf Grund einer nicht rechtzeitig erfolgten Löschung von Bildern bei den Vertriebspartnern.“

Nachdem ich kritisiert hatte, dass in meinem Papiervertrag keine Möglichkeit der Löschung von Bildern bei Partneragenturen vorgesehen ist, ist der Absatz 10.5 nur auf den ersten Blick eine Verbesserung.

In der Praxis heißt das, dass der Fotograf erstens noch ein weiteres halbes Jahr warten muss, bis er kontrollieren kann, ob Partneragenturen alle Bilder gelöscht haben. Ist das nicht der Fall, haftet Imagebroker „in keinem Fall“ (eventuell eingehendes Honorar wird aber natürlich trotzdem gerne geteilt). In den vorherigen Versionen ist dieser Haftungsausschluss noch nicht enthalten.

Auch an anderen Stellen ist im neuen Vertrag häufiger von „Pflichten“ des Fotografen die Rede als zuvor.

Übrigens bot mir Klaus-Peter Wolf an, am Vertragsentwurf „mitzuarbeiten“, aber angesichts eines laufenden Gerichtsverfahrens wollte ich nicht das Feigenblatt spielen und unverbindliche Vorschläge in den Raum stellen, die er nach Gutdünken ablehnen kann.

Da war noch was: Die Partneragentur-Liste

Fotografen, welche Mitglied bei der VG Bild-Kunst sind, können Webseiten melden, auf denen ihre Bilder zu sehen sind, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Damit Fotografen ihre Imagebroker-Bilder ebenfalls melden können, benötigen sie jedoch die Partneragentur-Liste, um zu wissen, welche Webseiten die Bilder zeigen.

Diese Liste gibt Klaus-Peter Wolf jedoch nur sehr ungern heraus. Ich bekam kurz vor der Veröffentlichung meines Artikels eine Version von 2013 mit dem Hinweis, dass die Liste für 2014 „automatisch“ an mich verschickt würde. Bis heute habe ich die aktuelle Liste nicht erhalten. Auch andere Fotografen, welche die Liste angefordert hatten, mussten mehrmals nachhaken, bis die Liste verschickt wurde.

Im empfehle dringend jedem Imagebroker-Fotograf, diese Liste auch aus einem anderen Grund anzufordern: Wer irgendwann sein Konto bei Imagebroker kündigen will, ist darauf angewiesen, kontrollieren zu können, ob die Bilder bei den Partneragenturen wirklich gelöscht wurden. Ohne die Partneragentur-Liste ist das unmöglich.

Wie schätzt ihr den aktuellen Imagebroker-Vertrag ein?

Weniger als 1% Fotografenhonorar? Depositphotos macht es möglich

Manchmal werde ich gefragt, nach welchen Kriterien ich entscheide, bei welchen Bildagenturen ich meine Fotos anbiete. Neben einigen objektiven Faktoren wie Preis, Kommissionen, Uploadprozess und so weiter gehört dazu auch immer eine gehörige Funktion Bauchgefühl. Bei der Agentur Depositphotos hat mein Bauch immer unangenehm gegrummelt. Die Agentur hat mehrfach versucht, mich mit vorteilhaften „Deals“ ins Boot zu holen und eine nüchterne Analyse ließ die Deals auch sehr verlockend aussehen. Aber dann kam wieder das Bauchgrummeln.

screenshot-depositphotos
Der rote Spruch „Du wirst unseren Rabatt lieben!“ bekommt aus aktuellem Anlass eine ganz eigene ironische Wendung.

Es hatte verschiedene Ursachen:
Es fängt damit an, dass Depositphotos nach eigenen Aussagen mit der Firma Depositfiles verbunden ist und von ihr finanziert wird. Depositfiles ist ein Online-Datenspeicher, der von vielen auch dazu genutzt wird, illegal urheberrechtlich geschütztes Material zu verteilen.

Vor fast genau drei Jahren schrieb ich hier im Blog über deren unsägliches SMS-Download-Angebot. Andere Fotografen regten sich vor paar Monaten auch über Bildverkäufe mit einer „erweiterten Lizenz“ auf, die auf der Depositphotos-Seite für 80 $ angeboten wird, von der Fotografen aber teilweise nur 2,64 $ abbekamen. Es scheint, als versuche Depositphotos jetzt, die Fotografenhonorare mit einer interessanten, wenn auch mehr als fragwürdigen Methode weiter nach unten zu drücken.

Partnerprogramme/Reseller bei Depositphotos

Einige Fotografen hatten in diesem Thread im Stockfotografie-Forum entdeckt, dass Bilder von ihnen bei der deutschen Agentur Shotshop angeboten werden, die von Depositphotos (DP) geliefert werden mussten. Wer es selbst überprüfen will, ob seine Depositphotos-Bilder auch bei Shotshop zu finden sind, muss dort einfach nach einer Bildnummer von DP-Fotos suchen.

Das Agenturen Material von anderen Bildagenturen verkaufen, ist nichts Neues. Spannend ist hier jedoch das Lizenz- und Abrechnungsmodell. Testkäufe von mir und anderen Fotografen ergaben folgendes: Wenn ein Kunde bei Shotshop ein Foto in voller Auflösung für 29,90 Euro kauft, was über Depositphotos geliefert wurde, erhält der Fotograf bei Depositphotos nur die Meldung, dass das Foto als „Abo-Download“ erworben wurde und der Fotograf dafür (je nach Ranking) zwischen 0,22 bis 0,26 Euro (0,30-0,36 $) erhält! Das wären weniger als 1% Fotografenanteil! Wie ist das möglich?

Auf meine Anfrage an Shotshop antwortete der Geschäftsführer Stephan Krömer nur:

„[…] Wir nutzen das Reseller Programm von Depositphotos und ich kann leider auch wirklich nur zu sämtlichen internen Abrechnungsfragen von Deposit nur an Deposit selbst verweisen. Bei Agenturverträgen gibt es immer ein „Non-disclosure Agreement“, welches man unterschreiben muss und an das wir uns halten müssen. […]“

Meine Anfrage an Depositphotos brachte mir nur eine Copy & Paste-Standardantwort von Depositphotos ein, welche alle Fotografen erhielten, die in den letzten bei DP nach Details fragten:

„Hello Robert,

Our Partnership programs have been created to boost contributors’s sales via new markets. Our contributors were opted out of our Extended license partner sales upon their requests, so their files are no longer sold via our Extended license partner sales. Shotshop is our API reseller. Shotshop purchases our subscriptions to resell our images under the Standard license.

Depositphotos reserves the right to determine the conditions of its cooperation with Partner companies. We sell those files by subscriptions (under the standard license), but it is up to our partners to set their prices and the way to sell them as long as they stick to license terms.

It is stated in our Supply Agreement:
“Depositphotos reserves the rights to distribute Files not only on the Website directly, but also through Partners. Contributor agrees that Depositphotos has the right to grant or pass along to Partners under separate agreements specific rights, constraints, obligations, licenses and other legal and business matters regarding Files. Depositphotos has the implicit right to provide Partners with access to the Files accepted at the Website via its own program interfaces (API) or any other means sanctioned and approved by Depositphotos, provided such access does not breach the provisions of the Standard and Extended License Agreements. “

If contributors want to opt out of our partnership programs, we will exclude their portfolios from all our partnership programs upon their requests and their images will be sold solely on depositphotos.com

Kind regards,
Vicky.“

Diese Erklärung wirft leider mehr Fragen auf als das sie Antworten liefert.

Fangen wir oben an: Shotshop ist ein Wiederverkäufer von Depositphotos mit einer API-Anbindung. Laut der Mail kauft Shotshop die Bilder mit einem Abo unter der Standardlizenz. Im Vertrag zum API-Programm steht bei Depositphotos jedoch folgendes:

„[…] Der Anbieter bietet dem Wiederverkäufer Dateien zu Standardpreisen oder über ein Abonnement an. Der Wiederverkäufer legt den Preis, den ihm seine Käufer für die Dateien bezahlen, selbst fest. […]“

Weiterhin steht dort:

„7. UNTERSAGTE HANDLUNGEN
[…] Der Verkauf von Dateien des Anbieters, ohne an ihn die ihm vertraglich zustehende Gebühr zu entrichten. […]“

Die erste große Frage ist: Wieso darf Shotshop Fotos zu hohen Preisen verkaufen, diese aber zu den niedrigen Abo-Preisen bei Depositphotos abrechnen? Unter der erwähnten Standardlizenz ist ein Weiterverkauf auch ausdrücklich ausgeschlossen.

Die zweite Frage ist: Wenn von einem Verkaufspreis von 29,90 Euro nur ca. 0,25 Euro beim Fotografen ankommen, wie teilen sich die restlichen 29,65 Euro zwischen Shotshop und Depositphotos auf? Wer steckt sich den Löwenanteil ein?

Unten in der Mail von Depositphotos wird erwähnt, dass ein Ausschluss der eigenen Bilder aus dem „Partnerprogramm“ möglich sei (wenn man eine Mail an support@depositphotos.com schreibt) und die Bilder dann nur über Depositphotos verkauft würden. Mir liegen jedoch Screenshots vor, die beweisen, dass das nicht ganz korrekt ist. Einige Fotografen hatten schon vor Monaten um die Deaktivierung ihrer Bilder vom Partnerprogramm gebeten, deren Fotos sind aber weiterhin bei Shotshop zu finden. Auch Sean Locke hat in der Microstockgroup geäußert, dass ihm per Mail ausdrücklich zugesichert wurde, seine Bilder würden nur über die Seite von Depositphotos verkauft, er aber trotzdem seine Fotos bei Shotshop findet.

Vielleicht liegt das an dem feinen sprachlichen Unterschied zwischen „Partnerprogramm“ und „Wiederverkaufer (Reseller)“, der in der Mail aufgemacht wird. Ein Fotograf bot folgenden Erklärungsversuch an: Die Agentur Shotshop kauft die Bilder von Depositphotos als Abo, deswegen würden sie ja über Depositphotos verkauf werden. Zufriedenstellend wäre diese gehirnquetschende Logik jedoch nicht.

Der Vorteil von Shotshop

Für Fotografen besonders ärgerlich ist auch das Verhalten von Shotshop. Die Berliner Agentur galt schon lange als eine Agentur mit einem der kompliziertesten Upload-Verfahren und gleichzeitig sehr vielen Ablehnungen. Besonders beliebt bei Shotshop ist der Ablehnungsspruch: „Für die Vermarktung durch Shotshop nicht geeignet“. Der ergibt endlich Sinn, denn natürlich ist es für die Agentur lukrativer, das gleiche Material von Depositphotos zu beziehen und dort deutlich weniger als die 35-67% Fotografenanteil  für nichtexklusives Material zahlen zu müssen.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Shotshop ist nicht die einzige Agentur, welche Material von Depositphotos verkauft. Eine andere Agentur ist beispielsweise die indische Agentur ibudgetphoto.com. (Deposit-Bilder werden dort unter dem Kürzel „DPPS_BILDNUMMER“ geführt) Testkäufe wurden schon getätigt, aber Abrechnungen bei Depositphotos sind bisher nicht erfolgt. Nachdem Depositphotos auf wiederholte Fragen nach einer Liste von Vertriebspartnern nicht reagiert hat, steht die bange Frage im Raum: Wie viele Agenturen vertreiben noch Bilder von Depositphotos mit einem billigen Abo? Das würde vielleicht endlich erklären, warum der Abo-Anteil bei Depositphotos so verdammt hoch ist.

Vertrauen in Partner

Üblicherweise läuft ein Deal zwischen mehreren Bildagenturen so: Wenn eine Bildagentur das Bild einer anderen Bildagentur verkauft, teilen sich beide Agenturen die Einnahmen 50:50 und der Fotograf bekommt von den 50% seinen vertraglich vereinbarten Anteil ab. Läuft die Vertriebskette über mehrere Agenturen, verlängert sich das und der Fotograf bekommt seinen Anteil nur von 25% oder 12,5%. Aber weniger als 1% ist schon eine starke Leistung.

Da wir als Fotografen kaum Kontrollmöglichkeiten haben, welche Agentur welche Bilder wann verkauft hat, müssen wir Vertrauen in die Bildagenturen haben. Depositphotos verspielt dieses Vertrauen gerade massiv. Und mein Bauch grummelt schon wieder.

Habt ihr auch Bilder bei Depositphotos? Findet ihr diese auch bei anderen Agenturen wie Shotshop wieder?

Stellungnahme von dpa Picture-Alliance zu meinem Blog-Artikel

Vor ca. zwei Wochen hatte ich hier im Blog über Abrechnungsprobleme bei einigen Bildagenturen geschrieben.

Mittlerweile habe alle drei im Artikel genannten Agenturen zu meinem Artikel Stellung genommen. Hier ihre Aussagen:

Die Bildagentur Waldhäusl veröffentlichte am 1. Dezember einen Hinweis in deren Blog mit dem Titel „Prozedur für nicht abgerechnete Webverwendungen über Chromorange„.

Darin schreibt die Agentur:

„Liebe Fotografen,

in letzter Zeit häufen sich Beschwerden, dass Bilder, die über Chromorange vermarktet werden, auch nach langer Zeit nicht abgerechnet wurden. Es handelt sich dabei um Online-Verwendungen im Jahr 2009.

Es scheint, dass einige Verwendungen nicht richtig erfasst wurden. Daher gelangte in einzelnen Fällen das Honorar nicht zu Chromorange und in weiterer Folge auch nicht zu Ihnen.

Sammeln Sie Screenshots und URLs von Websites die nicht abgerechnete Bilder aus Ihrem Bestand zeigen und mailen Sie sie an uns. Wir werden diese an Chromorange zur Abrechnung weiterleiten.

Wir versuchen diese Fälle so rasch wie möglich zu klären und bedauern, dass einige Bildverwendungen dadurch erst verspätet zur Auszahlung kommen.

Vielen Dank für Ihr Verständnis!“

Der Geschäftsführer von Chromorange wiederum drohte mir mit rechtlichen Schritten, wenn ich ihn namentlich nennen oder zitieren würde.

Die Marketing-Managerin Nicole Hoffmann von der dpa Picture-Alliance GmbH schrieb mir eine Mail, die ich hier wiedergeben darf:

„Lieber Herr Kneschke,

mit Interesse haben wir Ihren Blogeintrag verfolgt. Als Bildvermarktungsagentur vertreiben wir unter anderem auch Bildmaterial, das wir von der Bildagentur Chromorange zur Vermarktung erhalten. Seien Sie versichert, dass wir alle uns bekannten Bildverwendungen zeitnah und ordnungsgemäß mit der Agentur abrechnen. Die Ausschüttung des Bildhonoraranteils erfolgt dabei zeitgleich mit der Rechnungsstellung zum Kunden, so dass wir hier sogar in Vorleistung gehen. Eine Abrechnung setzt allerdings voraus, dass uns die Nutzung des entsprechenden Bildes auch bekannt ist. Dies geschieht bei Zeitungen, Magazinen und deren online-Auftritten nun einmal branchenüblich durch Meldung der genutzten Bilder seitens der Publikationen, so dass es immer dann zu Verzögerungen im Ablauf kommen kann, wenn diese nicht zeitnah erfolgt.

Es mag sein, dass Ihnen diese vom Vertrauensverhältnis zwischen Agentur und Kunde geprägte Vorgehensweise nicht zweckmäßig erscheint, wir haben allerdings keinen Grund zur Annahme, dass dieses seit Jahrzehnten übliche Procedere nicht zielführend ist. Da die Verwendungsmeldungen unserer Kunden in der Regel nicht maschinell erstellt werden, ist es denkbar, dass Bilder übersehen oder mit falscher Bildnummer zurückgemeldet werden. Sollte aus solchem Grunde einmal ein Bild nicht korrekt abgerechnet worden sein, sind wir für jeden Hinweis dankbar und werden selbstverständlich derlei umgehend korrigieren.

Auch wenn wir Ihre Verärgerung über scheinbar unabgerechnetes Bildmaterial verstehen können, ist uns nicht ganz verständlich, warum Sie Herrn Eckhardts Reaktion auf Ihren Anruf emotional interpretieren. Als Vermarktungsagentur haben wir nicht nur keine direkte Geschäftsbeziehung mit den Fotografen bildgebender Agenturen, noch ist es – und dafür bitten wir Sie um Verständnis – weder zulässig, noch in Ihrem Sinne, vertriebliche Informationen telefonisch an nicht bekannte Anrufer weiterzugeben.

Zu Ihrem Unverständnis bezüglich des nicht genannten Urhebers bei Bildverwendungen können Sie versichert sein, dass alle unsere Kunden zur vollständigen Nennung verpflichtet sind. Sofern uns die Bilder jedoch ohne oder mit unvollständiger Nennung des Fotografen zur Vermarktung zur Verfügung gestellt werden, können auch unsere Kunden über die vorhandenen Informationen hinaus keine genaue Urhebernennung vornehmen.

Gerne stehen wir Ihnen für alle Ihre Rückfragen zur Verfügung und verbleiben mit besten Grüßen
Nicole Hoffmann“

Der schwarze Peter wird demnach von jeder Agentur weitergereicht, bis das Problem anscheinend beim Kunden, in diesem Fall dem Axel Springer Verlag zu liegen scheint. Ähnliches wurde schon in den Kommentaren des Ausgangsartikels vermutet (Stichwort Push-FTP).

In der Zwischenzeit habe ich Herrn Waldhäusl gebeten, meine Bilder aus den betroffenen Partner-Agenturen zu entfernen, der dieser Bitte auch entsprochen hat.

Ob sich der geschilderte „Stau“ wirklich gelöst hat, werde ich in wenigen Monaten sehen, wenn die Honorare der von mir gemeldeten, bisher nicht abgerechneten Fotos, endlich eingegangen sind.

Update 8.12.2011: Der oben verlinkte Blog-Beitrag bei Waldhäusl scheint auf deren Seite entfernt worden zu sein.

Frag den Fotograf: Werden Fotolia-Lizenzen rechtmäßig bei Pixers verkauft?

Gestern erhielt ich folgende Mail:

„Hallo Robert,

Erst einmal Kompliment für deine Seite! Es macht echt Spaß immer wieder reinzuschauen und deine Artikel zu lesen! Und wahrscheinlich ist es auch angebracht dir dafür zu danken, dass du dir überhaupt die Mühe machst. Aber jetzt zu dem eigentlichen Grund weswegen ich dir schreibe. Über die Bildsuche bei Google habe ich herausgefunden, dass einige meiner Bilder auf der Seite pixers.de als Fototapete, Bilder und Poster oder auch als Sticker angeboten werden. Die Tatsache, dass fast sämtliche Vorschaubilder Wasserzeichen von Fotolia enthalten machte mich stutzig und ich schrieb die Betreiber direkt an, warum dies so ist. Als Antwort erhielt ich, dass die Bilder bei Fotolia gekauft würden und die Wasserzeichen bei der Ware nicht mehr zu sehen sei. Nach kurzer Recherche stellte ich fest, dass dort mehrere Bilder zum Verkauf angeboten werden, die:

a) bei Fotolia nur als Standard Lizenz verkauft wurden (welche ja für das angebotene Produkt nicht ausreichen würde!?)

b) überhaupt noch nicht verkauft wurden

Ich nehme an, dass die Betreiber der Seite die Vorschaubilder von Fotolia anbieten und dann im Bedarfsfall die Bilder schnell in entsprechender Auflösung gekauft werden. Allerdings scheinbar ohne darauf zu achten, ob sie wirklich als erweiterte Lizenz angeboten werden.

Insgesamt macht das alles auf mich einen eher unseriösen Eindruck und ich weiß auch nicht so recht, inwiefern es rechtlich ok ist die Vorschaubilder von Fotolia zu zeigen, nur um dann das „richtige“ Bild bei Bedarf zu kaufen, bzw. Bilder anzubieten, die definitiv nicht in der richtigen Lizenz zu haben sind.

Die Seite rühmt sich damit 10 Millionen Bilder im Angebot zu haben, wobei ein absoluter Großteil von Fotolia stammt. Das sind Größenordnungen, die wahrscheinlich nicht unerheblich sind.

Ich habe die Betreiber der Seite bereits angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass sie Bilder anbieten, die nicht korrekt lizenziert sein können und ich nicht glaube, dass ich da ein Einzelfall bin. Eine Antwort habe ich darauf bisher noch nicht erhalten und weiß nicht so richtig, wie ich mit der Geschichte weiter umgehen soll. Ich dachte, dass dich diese Geschichte vielleicht interessieren könnte, da bei der großen Menge angebotener Bilder auch viele deiner Bilder betroffen sein könnte.

Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende!
Mit freundlichen Grüßen.
Malte“

Malte ist nicht die einzige, welche sich wundert, wieso jemand kommerziell Bilder auf T-Shirts, Poster oder Wandtapeten drucken darf, ohne dafür eine erweiterte Lizenz zu kaufen.


Dabei ist die Sache ganz einfach:

Darf ein Endkunde bei Fotolia ein Foto mit einer Standardlizenz kaufen und es sich selbst auf ein Poster drucken? Ja, darf er.

Darf dieser Endkunde das Poster weiterverkaufen? Nein, mit einer Standardlizenz darf er das nicht. Mit einer Erweiterten Lizenz darf er das.

Wie Malte richtig festgestellt hat, kauft Pixers jedoch keine Bilder mit Erweiterten Lizenzen und bietet sogar Bilder an, die keine Erweiterte Lizenz haben. Ist das rechtens? Ja.

Denn Pixers oder auch andere Fotolia-Partner wie Bilderking nutzen die Business-API von Fotolia und agieren nicht als „Bildkäufer“, sondern als eine Art „Vertriebspartner“.

Das heißt: Wer bei Pixers eine Fototapete oder Poster mit einem Fotolia-Bild bestellt, der würde dafür eine normale Standardlizenz benötigen. Diese kauft Pixers über die API im Namen des Kunden.

Aber warum kauft der Postershop keine Erweiterte Lizenz? Er könnte. Für den Endkunden käme das gleiche bei raus. Aber der Postershop müsste sich auf die beliebtesten Motive konzentrieren, weil es zu teuer wäre, für Millionen von Bildern eine Erweitere Lizenz zu kaufen. Außerdem könnte er keine Motive anbieten, die nicht mit einer Erweiterten Lizenz verfügbar sind.

Unter dem Strich ist für Fotografen das andere Modell lukrativer. Hier zeigt der Postershop dem Endkunden die vollständige Bildauswahl, die er nicht lizenziert, sondern nur über die API als Vorschau mit Wasserzeichen lädt. Wenn der Endkunde sich für ein Motiv entschieden hat, bestellt der Postershop das Motiv als Standardlizenz.

Ein Rechenbeispiel: Wenn der Fotograf das Bild als Erweiterte Lizenz verkaufen würde, bekäme der dafür (bei einem Credit-Preis von 100 Credits) je nach Ranking 20-46 Euro. Ich bekomme zur Zeit 37 Euro. Bei einer Standardlizenz in XL (ausreichend für einen Posterdruck) bekommt der Fotograf je nach Ranking 1,60 bis 3,68 Euro bei einem Startpreis von 1 Credit, bei 2 oder 3 Credits doppelt bzw. dreifach so viel. Ich bekäme bei einem 1-Credit-Bild 2,96 Euro oder bei einem 2-Credit-Bild 5,92 Euro. Das heißt, sobald der Postershop ein Foto 6x (2 Credits) oder 13x (1 Credit) verkauft hat, ist es für mich lukrativer, dass er tatsächlich die Standardlizenz nutzt und nicht die Erweiterte Lizenz. Außerdem können so Fotos verkauft werden, die nicht als Erweiterte Lizenz angeboten werden.

Fotolia ist übrigens nicht der einzige Anbieter, der solchen Vertriebspartner hat. Panthermedia zum Beispiel hat auch über 10 „Sonderprojekte„, die nach dem gleichen Muster funktionieren. Der Unterschied zu Fotolia ist jedoch, dass der Fotograf jedes Partnerprogramm deaktivieren kann, aber auch pro Verkauf meist weniger erhält als wenn der Kunde das Bild direkt bei Panthermedia kaufen würde. Bei Fotolia hingegen erhält der Fotograf die gleiche Kommission wie bei einem Direktverkauf. Auch bei istockphoto gibt es ähnliche Konstruktionen.

Soweit die Theorie. In der Praxis sind vor allem Motive betroffen, welche sich auch für den Druck auf Poster, Leinwände, Postkarten und so weiter eignen. Das sind zum Beispiel Blumen, Landschaften, Wolken, Städteansichten oder niedliche Tiere. Business-Motive oder People-Aufnahmen sind seltener betroffen.

Kann man als Fotograf verhindern, dass die eigenen Bilder über die API bei Vertriebspartnern angeboten werden? Nein. Es existiert leider keine Wahlmöglichkeit. Andererseits: Der Kunde dürfte sowieso das Foto normal bei Fotolia lizenzieren und dann selbst beim Postershop hochladen, um sich sein privates Plakat drucken zu lassen. Die API erleichtert diesen Vorgang nur.

Update 10.10.2011: Fotolia hat mich eben noch auf einige Details zur API hingewiesen. Alle Unternehmen, welche diese Business-API in Anspruch nehmen wollen, müssen vorher bei Fotolia einen Antrag stellen, werden überprüft und müssen dann freigeschaltet werden, damit das funktioniert. Es ist jedoch nicht erlaubt, ohne so eine API Fotolia-Vorschaubilder zu nutzen, um dann bei einer eventuellen Bestellung noch schnell eine Lizenz zu kaufen. Meist kann man sehen, dass eine API benutzt wird, wenn auf der Partner-Webseite zum Beispiel dynamisch im Bilderpool gesucht werden kann, da die Suchbegriffe mit von der API übergeben werden. Wer Webseiten findet, welche vermutlich keine API-Anbindung haben, aber Fotolia-Vorschaubilder zeigen, kann diese gerne an Fotolia melden, die sich dann darum kümmern.

Was sagt ihr dazu? Unübersichtlich oder sinnvolles Vertriebsmodell?

Einleitung: Fotos von Bildagenturen in Zeitschriften

Wer wissen will, wie gut Bildagenturen ihr Geschäft verstehen, hat mehrere Möglichkeiten. Ab und zu werde ich hier welche vorstellen.


Eine Methode ist die Analyse von Fotos in Zeitschriften. Dabei schaue ich, wie oft welche Zeitschrift von welcher Agentur Fotos kauft. Diese Information wird „Bildcredit“ oder „Fotocredit“ genannt und meist in der Form „Foto: Fotograf/Agentur“ abgedruckt, also z.B. „Foto: Robert Kneschke/Bildmaschine“.

Zu finden sind diese Texte entweder klein neben dem jeweiligen Foto oder noch kleiner am Zeitschriftenrand im sogenannten „Sturz„, wo die Angaben für alle Fotos auf einer Seite zusammengefasst werden. Bei einigen Zeitschriften wird diese Information nach mehreren Seiten für den gesamten Artikel geliefert, bei wenigen nur im Impressum mit Seitenzahl aufgeführt.

Das Ziel ist es, zu lernen, welche Agenturen bei den Zeitschriften am beliebtesten sind, zu welchen Themen die Zeitschriften Agenturfotos verwenden und längerfristig auch, ob Entwicklungen oder Trends erkennbar sind. Als Fotograf kann ich so schauen, mit welchen Bildagenturen sich eine Zusammenarbeit am meisten lohnen könnte.

Ich habe mir die Mühe gemacht, aus über 20 Zeitschriften diese Informationen zusammenzufassen und hier zu vergleichen. Nach und nach werde ich je fünf Zeitschriften gebündelt vergleichen. Die Auswahl der Zeitschriften erfolgte zufällig, ich habe jedoch darauf geachtet, möglichst solche zu nehmen, die von vielen gelesen werden. Wer Vorschläge für weitere Zeitschriften hat oder mir welche zur Analyse schicken will, kann mich gerne kontaktieren.

Meine Vorgehensweise:

  • Mit einer Strichliste zähle ich, welche Agentur wie oft ein Foto in der Zeitschrift hat
  • Auftragsfotos (z.B. oft Modestrecken) werden nicht gezählt
  • PR-Fotos und Fotos, die Hersteller gestellt haben, werden ebenfalls nicht gezählt
  • Illustrationen werden nicht gezählt

Mögliche Probleme:

  • Da die Themen in einer Zeitschrift immer anders sind, sind die erzielten Aussagen mit Vorsicht zu genießen, denn wenn es z.B. ein Food-Special in einer Frauenzeitschrift gibt, werden in der Regel mehr Bildagenturen zu finden sein, die sich auf Lebensmittel spezialisiert haben
  • Nicht immer können alle Fotos einwandfrei zugeordnet werden
  • Mittlerweile ist es keine Seltenheit, dass Fotos über drei oder sogar mehr Agenturen (sogenannte Vertriebspartner) ihren Weg in eine Zeitschrift finden. Manchmal werden mehrere Agenturen genannt. Manchmal nicht, obwohl die Fotos definitiv vom Fotografen in eine andere Agentur geliefert wurden als die im Credit genannte.
  • Einige Agenturen haben neben den „normalen“ Fotos Premiumsparten (z.B. „Outline“ von Corbis, „Contour“ von Getty Images oder „Plus“ von Laif).
  • Kein Problem, aber eine Einschränkung ist, dass ich nur die Anzahl der Fotos untersuche, nicht den Inhalt des Fotos. Letzteres würde für Stockfotografen wichtige zusätzliche Informationen liefern, die Analysezeit stiege aber ebenfalls so beträchtlich, dass ich es vorerst nicht mache.

Abschwächen der Probleme:

  • Ich versuche, bei den einzelnen Zeitschriften kurz darauf einzugehen, wie übersichtlich die Fotos sortiert sind und ob thematisch was auffallend ist.
  • Bei den Mehrfachnennungen versuche ich, die „Endagentur“ zu zählen, da der Fotograf dort mit seinen Bilder am meisten verdienen würde, ohne „Vertriebspartnerprovisionen“ oder ähnliches.
  • Die Premiumsparten zähle ich zur normalen Agentur, versuche es aber auch als Hinweis zu erwähnen.

Bemerkungen zum Test, eigene Auswertungen oder Vorschläge sind als Mail oder Kommentar willkommen!

Hier meine (ständig erweiterte) Übersicht der Marktanalyse:

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