Schlagwort-Archive: Vermarktung

Die Bildershop-Software Pixtacy 4 braucht Beta-Tester (Gastartikel)

Der Fotograf Thomas Gade aus Berlin vom medienarchiv.com schickte mir diesen Gastartikel, weil er um Mithilfe bei der Verbesserung der von ihm genutzten Bildershop-Software Pixtacy bitten möchte:

Fotografen, die ihre Bilder im Internet präsentieren und verkaufen, nutzen verschiedene Möglichkeiten. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch, dass sie entweder im eigenen Webspace individuell aufgesetzt und gemanagt werden oder von anderen nach deren Regeln betrieben werden.

Welche Gründe sprechen für die eigene Bilddatenbank? Stockagenturen nehmen viele Bilder gar nicht an, die vom Urheber als präsentationswürdig erachtet werden. Eventfotografen brauchen Präsentations- und Vermarktungsplattformen, die zu ihrem Geschäft passen. Archive präsentieren ihre Bestände im Rahmen einer musealen Philosophie, beispielsweise Ausschnitte aus fotografischen Nachlässen von Menschen, die regionale Zeitgeschichte dokumentiert haben. Im kommerziellen Sektor finden solche Bestände keine angemessene Präsentation.

Beispiel für Pixtacy-Frontend
Beispiel für Pixtacy-Frontend

Es gibt gute kostenlose Lösungen wie Coppermine, Piwigo und Gallery 3. Nach der unvermeidlichen Lernphase lassen sich damit ansprechende Bildergalerien aufbauen. Das Urgestein Coppermine hat ein reges Forum, mit dessen Hilfe sich viele Fragen rasch klären lassen. Unter den kostenlosen Bilddatenbanken ist es aus meiner Sicht die interessanteste, zumal Gallery 3 nicht mehr gepflegt wird.

Seit 2009 gibt es das in Bremen entwickelte Pixtacy, ein ‚Shopsystem für Fotografen‚. Es basiert auf dem Content Management System (CMS) Virthos, das mir neben Pixtacy noch nie begegnet ist und wird von Martin Wandelt, einem mit den kaufmännischen Interessen der Fotografen bestens bewanderten Programmierer, betreut.

Pixtacy hat die üblichen Elemente von Bilddatenbanken. Es gibt eine Eingangsseite mit Login- und Suchfunktion gefolgt von einer Übersichtsseite in Form einer Liste oder mit Thumbnails und dazugehörigen Bezeichnungen. Dies sind übergeordnete Themen, anderswo Kategorien genannt, zu denen beliebig viele Alben gehören können. Sie werden ebenfalls als Thumbnails angezeigt und nach dem Öffnen eines Albums sieht man die darin befindlichen Bilder in der gleichen Form. Jedoch ist beim Mouse-over auf einem der kleinen Bildchen eine größere Darstellung zu sehen und nach einem Klick darauf erscheint eine Einzeldarstellung mit detaillierten Informationen und, falls eingerichtet, Lizenzierung-und Erwerbsmöglichkeiten, Leuchtkastenfunktion und mehr. Martin Wandelt hat das technisch gut gelöst und selbst eine ausgewachsene kommerzielle Abwicklung integriert, wie die Rechnungslegung und Dokumentation. Letzteres bietet keine Freeware.

Hier ist ein Link zu vielen Pixtacy Installationen, dort kann man diverse Designs ansehen.

Hat man lokal seine eigenen Bilder im Griff, also ordentlich beschriftet, strukturiert und benannt, ist der Aufbau eines Onlinearchivs relativ simpel. Man lädt eine Kopie seines gesamten Archivs mit all seinen Verzeichnissen und Unterordnern in ein Zielverzeichnis. Anschließend wird Pixtacy beauftragt, die Bilder zu importieren und Thumbnails nebst Previews mit oder ohne Wasserzeichen anzufertigen.

Das Einrichten der individuell gewünschten Verkaufsoptionen ist kniffliger, doch am Ende können die Bilder in verschiedenen Auflösungen gegen Honorar lizenziert werden oder als Abzüge bis hin zum Druck auf einem Kaffeepott bestellt werden. Die entsprechenden Dienstleister werden eingebunden und der gesamte Vorgang läuft anschließend automatisch ab.

Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein, zumal die Free-Edition für maximal 250 Fotos kostenlos ist und die Lizenzgebühr für eine Professional-Edition faire 349 € kostet. Der Anbieter gewährt zu verschiedenen Anlässen Rabatte. Mit einem kostenpflichtigen Zusatzmodul ist Pixtacy sogar an Picturemaxx anzubinden, dem Recherche- und Bestelltool der Redakteure schlechthin.

Jedoch gibt es eine Achillesferse. Das Design von Pixtacy bewegt sich auf einem Niveau, das längst nicht mehr zeitgemäß ist. Der Benutzer kann durch Veränderungen an verschiedenen CSS- und anderen Dateien eigene Gestaltungsideen realisieren. Seltsamerweise liegen die relevanten Dateien nicht in einem individuell benennbaren Themeverzeichnis, sondern in mehreren Ordnern. Der Entwickler setzt einen hohen Kenntnisstand bezüglich der Webseitentechnologie voraus, um ansprechende individuelle Installationen einzurichten.

Teil des Backends von Pixtacy
Teil des Backends von Pixtacy

Eine seit langem vorherrschende Kritik an dem Projekt ist der Umstand, dass durch Updates mühsam erstellte Veränderungen außer Kraft gesetzt werden. Die Benutzer können sich nach einer gewissen Pause nicht mehr im einzelnen daran erinnern, wo und was sie geändert haben. Die betreffenden Dateien werden durch Updates überschrieben und es gibt kein benutzerfreundliches Verfahren, um dies zu verhindern.

Vor einigen Wochen wurde auf der Pixtacy-Website zum Betatest der in Kürze erscheinenden Version 4 aufgerufen. Die Teilnahme am Betatest ist kostenlos. Bislang ist die Resonanz mau. Abgesehen von einigen wenigen Stimmen, die begrüßen, dass sich endlich etwas tut, kommt nur aus einer Ecke konstruktive Kritik. Eventuell an diesem System Interessierte lassen die Chance verstreichen, Einfluss zu nehmen auf den Entwickler, der Hinweise und Vorschläge ernst nimmt, wenn sie von mehreren geäußert werden.

Die neue Version bietet endlich die Möglichkeit, Thumbnail- und Previewabmessungen flexibel einzustellen und sie adaptiv zu präsentieren. Doch die für ein eigenes Design relevanten Dateien befinden sich in drei verschiedenen Ordnern. Damit bleibt jedes Erscheinungsbild durch jedes Update gefährdet. Um dies zu vermeiden, gehören diese Dateien in einen einzigen Ordner, der vom Benutzer im Themeverzeichnis angelegt wird und einen Namen bekommt, den kein anderes Verzeichnis in der Pixtacyinstallation trägt. So kann er bei Updates nicht überschrieben werden.

Programmiertechnisch ist es sicherlich keine große Angelegenheit, die entsprechenden Pfade zu den CSS- und HTML-Dateien so zu bestimmen, dass diese Dateien in einem einzigen Ordner sind und nicht über die gesamte Installation verteilt. Dann gäbe es die Möglichkeit, Themes zu entwickeln, die leicht mit anderen zu teilen sind.

Wenn euch das Thema interessiert, beteiligt euch am Betatest und wirken wir gemeinsam darauf hin, dass das oben beschriebene Problem vernünftig gelöst wird.

Rezension: „Konzertfotografie. Three songs, no flash!“ von Loe Beerens

Was einige von Euch vielleicht nicht wissen: So nebenbei, neben diesem Blog und meiner Arbeit als Fotoproduzent schreibe ich auch regelmäßig – unentgeltlich – für ein Online-Musikmagazin. In diesem Rahmen fotografiere ich ab und zu Bands bei Konzerten. Deshalb war ich auf das Buch „ Konzertfotografie. Three songs, no flash!„* von Loe Beerens gespannt.

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Das Buch ist eine Mischung aus Fotobuch und Sachbuch, denn die knapp 150 Seiten sind mit 190 Farbfotos bestückt, oft auch ganzseitig. Seiten ohne Fotos sind fast nicht zu finden.  Löblich ist, dass zu jedem Bild die Belichtungsdaten vermerkt sind. Vor allem die großformatigen Bilder beweisen jedoch auch, dass ISO 1600 heute die technische Grenze für Bilder in guter Druckqualität ist. Wer rechnen kann, merkt, dass da nicht mehr viel Platz für Text sein kann. Aber wenn etwas dort steht, hat es Hand und Fuß.


Loe Beerens fotografiert seit Anfang der 1980er Jahre Musiker und ist seit 1995 der Fotograf für die Plattenfirma Universal Music in den Niederlanden. Seine Tipps sind kurz, aber verständlich, treffend und hilfreich. Wer noch nie auf Konzerten fotografiert hat, der wird das Buch sehr lehrreich finden, auch wenn wie überall viel Übung essentiell ist. Der Autor fängt an mit der Akkreditierung für ein Konzert, beschreibt die Rangordnung der Mitarbeiter einer Tournee und die Foto-Regeln. Er erklärt, auf was beim Licht zu achten ist und wie sich Konzertfotos bei unterschiedlichen Musikstilen und Instrumenten unterscheiden. Kurz geht er auf notwendige Kameras und Objektive ein. Abgerundet wird das Buch durch Kapitel zum Thema Duette, Leinwand-Projektionen, Theaterfotos, Aufnahmen von DJs und in Tonstudios, beim Ballett und Fashion Shows.

Etwas kurz kommt zusätzlich hilfreiches Zubehör neben der Kamera und Objektiven, wie Ohrenstöpsel (wenn man vorne an den Boxentürmen steht, sind die nicht mehr hilfreich, sondern lebenswichtig), Einbein-Stative etc. Um Konzertfotos machen zu können, muss man jedoch erst die Erlaubnis bekommen. Das handelt Loe Beerens auf ca. zwei Seiten viel zu kurz ab. Vor allem weist er darauf hin, dass es ohne persönliche Kontakte oder Beziehungen zu Plattenfirmen, Konzertveranstaltern, Musikern o.ä. kaum möglich ist, Einlass zu bekommen. Auch die rechtlichen Aspekte, zum Beispiel die heutigen Knebelverträge von Robbie Williams und Konsorten und der Umgang damit, finden im Buch leider keinen Platz. Ein Kapitel am Ende widmet sich aber dem Thema „Vermarktung der Aufnahmen„. Es lässt sich kurz zusammenfassen: Vergiss es! Das ist insofern erstaunlich, da der Autor ja genau davon zu leben scheint.

Was für Erfahrungen habt ihr mit der der Konzertfotografie gemacht? Wie habt ihr die Erlaubnis bekommen? Wie konntet ihr Eure Bilder vermarkten?

* = Affiliate-Link (Ich erhalte eine kleine Provision beim Kauf, ihr zahlt nicht mehr)

Stockfotografie-News 2009-10-09

Das ging aber schnell. Eine Woche ist schon wieder rum und es wird Zeit für einen Rückblick auf die Stockfoto-Branche.

  • Fotolia kündigt ein „Ausbildungsprogramm“ für Stockfotografen an. Die kostenpflichtigen Kurse und Seminare sollen zuerst in den USA angeboten werden.
  • Jetzt wurde nachgezählt. In meiner Zeitschriftenanalyse habe ich mich schon mehrmals über die mangelnden Bildcredits in Zeitschriften beschwert. Nun hat der Deutsche Journalisten-Verband DJV in Tageszeitungen ebenfalls gezählt und veröffentlicht, welche Zeitungen die Fotografennamen nennen. Sieger sind verschiedene Ausgaben von Die Welt, Verlierer ist das Handelsblatt.
  • Alamy hat eine (sehr lange) Liste veröffentlicht, welche Kameras sich nicht für die Stockfotografie eignen.
  • Dreamstime kündigt an, bald auch Poster und Leinwände mit den Bildern aus der Bildagentur zu bedrucken.
  • Moodboard veröffentlicht Ausgabe 3 ihres Kundenmagazins online und als PDF
  • Nach meinen beiden Artikeln über Bilderklau im Internet hier ein nachdenkliches und zeitgleich amüsantes Video, wie Bilderdiebstahl im „echten“ Leben aussieht. Das Ganze ist Teil der Kampagne „Don’t Screw Us!“ von der American Society Of Media Photographers (ASMP) für besseren Bilderschutz von Fotografen.
  • GreenLight, eine Tochterfirma von Corbis, vermarktet jetzt die Persönlichkeitsrechte von Bruce Lee im Hinblick auf Werbeaktivitäten.

So, habe ich was vergessen? Dann bitte wieder rein in die Kommentare damit.

Wer noch nicht genug hat, kann sich auch einige Nachrichten von FotoTV als Video anschauen: