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Bilder-Streaming – Die Zukunft der Stockfotografie?

Eine der Neuheiten, die auf der Microstock Expo vorgestellt wurden, war der Plan von der PressFoto Group, Bilder per Streaming zu verkaufen.

Wie versprochen will ich darüber heute etwas mehr erzählen. Ich hatte die Gelegenheit, ausführlicher über die Idee des Image-Streaming mit Dmitriy Shironosov, dem Eigentümer der PressFoto Group zu sprechen, der mit dem Dienst „PressFoto Rent“ in diesen Markt einsteigen will. In anderen Medienbereichen hat sich das Streaming schon einen kleinen, aber festen Nischenplatz gesichert. Für Musik gibt es Anbieter wie Spotify, Simfy oder Deezer. Für Filme und Serien gibt es unter anderem Watchever, Netflix, Lovefilm oder Maxdome. Auch über Apples iTunes können Medieninhalte gestreamt werden.

Im Bilderbereich sieht es da deutlich übersichtlicher aus. Getty Images testet das Streaming von passenden Bildern zu Musik und ich bin sicher, im Hintergrund laufen noch mehr Experimente in dieser Richtung. Bei Yaymicro gibt es ebenfalls Pläne in der Richtung, wenn auch bisher nur dezent angedeutet.

Wie funktioniert Bilder-Streaming?

Da die Idee noch nicht in die Praxis umgesetzt wurde, können wir nur vermuten. Hinauslaufen wird es vermutlich auf folgendes: Kunden suchen wie gewohnt ein Bild und legen es in den Einkaufswagen. Wenn sie sich für ein Motiv entschieden haben, können sie es – optional – noch croppen, spiegeln, Farben ändern, Text hinzufügen oder ähnliches. Dann klicken sie auf „Fertig!“ und erhalten einen HTML-Code. Diesen Code-Schnipsel müssen sie an die passende Stelle auf ihrer Webseite einbauen, wo das Bild angezeigt werden soll. Bei jedem Aufruf der Webseite wird dann vom externen Bilder-Server das Bild geladen und mitgezählt, wie oft das Bild angefragt wurde.

Was ändert sich für die Bildkäufer technisch?

Aktuell lädt der Käufer ein Bild auf seinen Computer runter und kann dann mit der JPG-Datei beliebig verfahren. Die meisten laden sie unverändert auf die Webseite hoch. Für diese Kunden würde sich kaum etwas ändern, denn vom Zeitaufwand macht es kaum einen Unterschied, ob man ein Bild in ein Content-Management-System einpflegt oder ein HTML-Schnipsel an die passende Stelle setzt.

Wer als Bildkäufer jedoch gewohnt ist, die Bilder zu beschneiden, zu retuschieren oder zu verändern, muss hoffen, dass die angebotenen Bearbeitungsmöglichkeiten der Streaming-Anbieter ausreichend sind und mindestens genauso komfortabel sind wie die bisherigen Retusche-Möglichkeiten.

Außerdem besteht die Möglichkeit, das bei einer Nicht-Erreichbarkeit des Bilder-Servers die Webseite des Bildnutzers auf einmal ohne Fotos auskommen muss. Das wäre eine ärgerliche Situation.

In den vorigen Kommentaren hier im Blog hat die Leserin Miana darauf hingewiesen, dass Streaming-Bilder auch für die Platzierung in Suchmaschinen von Nachteil seien. Ich bin nicht sicher, ob das wirklich so ist, weil viele große Webseiten ja eigene CDN (Content-Delivery-Networks) haben, wo deren Bilder etc. ebenfalls ausgelagert werden. An dieser Stelle werden diese CDN sogar als vorteilig für die Ladezeiten von Webseiten gelobt, was wiederum das Google-Ranking verbessern solle. Wenn die Server also schneller sind als der eigene Web-Server, wäre das vielleicht sogar von Vorteil statt ein Nachteil.

Fraglich ist auch, was mit den ganzen Crawlern der Suchmaschinen ist, die ständig Webseiten durchforsten und damit auch die Streaming-Bilder aufrufen würden. Im letzten Monat hatte ich allein hier im Blog über 16.000 Aufrufe vom Google-Spiderbot, über 13.000 vom Spider der russischen Suchmaschine Yandex, einige tausend von Sistrix und so weiter. Würden diese eine Art „Grundeinkommen“ für jedes Streaming-Bild erzeugen? Oder würden sie ausgesperrt und damit eben wie oben vermutet dem Suchmaschinen-Ranking schaden?

Was ändert sich für die Bildkäufer finanziell?

Diese Frage interessiert die Bildnutzer als auch die Agenturen und Fotografen sicher am meisten. Im Grund gibt es drei Möglichkeiten: Es bleibt preislich alles wie es ist, es wird teurer oder es wird günstiger. Gehen wir die drei Optionen kurz durch: Wenn der Bildnutzer preislich keinen Vorteil hat, weil alles bleibt, wie es ist, sehe ich keinen Grund, auf das Bilder-Streaming zu wechseln. Wird es für den Bildkunden im Schnitt jedoch günstiger, muss das gesparte Geld irgendwo anders fehlen: Bei der Agentur und (bzw. vermutlich eher oder) den Fotografen. Das wäre für uns Fotografen eine schlechte Variante. Wird es für den Bildkunden im Schnitt jedoch teurer, gibt es aus Sicht der Käufer keinen Grund, zum Streaming zu wechseln. Dimitriy argumentierte mir gegenüber so, dass den Kunden langfristig viele kleine Cent-Beträge weniger auffallen und schmerzen würden als viele Euro im Voraus beim Credit-Kauf wie es aktuell der Fall wäre und sie somit unwissentlich, aber auf lange Sicht doch mehr zahlen würden. Da könnte etwas dran sein, wenn ich mir anschaue, wie viele kostenpflichtige Apps ich mir schon für wenige Cent im iTunes-Store gekauft habe. Aber die großen Kunden werden sehr wohl auf das Geld schauen und Kalkulationen anstellen.

Da der Preis eines Bildes als TKP (Tausender-Kontakt-Preis) berechnet werden soll, also für 1000 Abrufe eines Bildes bezahlt wird, könnte ich mir gut vorstellen, dass die cleveren Kunden dann auf die klickträchtigen Titelstorys lieber traditionell gekaufte Stockfotos platzieren und auf unwichtige Nebenseiten die Streaming-Bilder.

Es gibt noch eine andere Überlegung, die mich skeptisch bleiben lässt. Das „royalty free“-Geschäftsmodell (RF) hat sich gegenüber dem früher vorherrschenden „rights managed“-Modell (RM) so schnell durchgesetzt, weil es preislich deutlich einfacher nachzuvollziehen war. Bei RM wurde der Preis eines Fotos von vielen Faktoren wie Auflagengröße, Exklusivität, Ort, Art und Dauer der Nutzung, Platzierung (Titelseite teurer als im Innenteil etc.) und so weiter bestimmt. bei RF galt: Je Größe ein Preis. Fertig. Mit dem Bilder-Streaming wäre es preislich wieder eine Rolle rückwärts, denn so wissen die Bildkäufer erst nach der tatsächlichen Nutzung des Bildes, wie viel diese gekostet hat. Bei so viel Unsicherheit höre ich schon die Buchhaltung-Abteilungen der großen Verlage aufheulen.

Wertverlagerung der Bilder

Bisher war es ziemlich einfach: Ein Bild wurde dann gekauft, wenn das Motiv und die Suchbegriffe gepasst haben. Im Microstock-Bereich beides Bereiche, die der Fotograf allein zu verantworten hatte. Deshalb kann man sagen: Je besser der Fotograf, desto mehr Bilder hat er verkauft und desto mehr damit auch verdient. Beim Image-Streaming hingegen bemisst sich der Preis eines Bildes an den Aufrufen. Die Aufrufe einer Webseite in einem Blog, auf einer News-Seite oder wo auch immer hängt jedoch nicht von der Qualität des Bildes ab, sondern vom Inhalt oder der Überschrift. Zugespitzt könnte man formulieren: Der Journalist oder Copywriter bestimmt, wie viel der Fotograf verdient. Als Fotograf will ich jedoch für meine Arbeit bezahlt werden, nicht dafür, wie spannend andere journalistische Texte sind.

Hohle Marketing-Versprechen

Eine Mitarbeiterin von PressFoto schrieb mir sinngemäß: Unser Streaming-Service wird garantiert nicht die Verkäufe bei anderen Bildagenturen beeinträchtigen. Erstens richtet sich der Dienst an neue Kunden, die bisher nicht gekauft haben und zweitens ist der Dienst nur für Web-Formate. Davon glaube ich genau die zweite Hälfte. Es ist logisch, dass Streaming nur für Online-Nutzungen funktioniert.

Ich glaube jedoch kein bisschen, dass Streaming für Neukunden interessant ist. Auf der Mexpo trat Dimitriy mit einer Augenklappe als Pirat auf, um darzustellen, dass er die Leute als Kunden im Blick habe, die bisher Bilder im Internet klauen würden. Ich denke jedoch nicht, dass diese Leute das machen, weil sie Streaming vermissen, sondern weil sie keine entweder keine Ahnung haben, dass man für viele Bilder bezahlen muss oder nur keine Lust darauf haben. Dieses Marketing-Versprechen, dass bisherige Umsätze nicht betroffen wären bei der Einführung eines neuen Verkaufsmodells, habe ich schon bei der Einführung der Abo-Modelle nicht geglaubt.

Was sagt ihr um Bilder-Streaming? Was sind aus eurer Sicht die Vor- und Nachteile?

Update 10.12.2013: Im Blog der PressFoto-Group gibt es jetzt hier mehr Details und Screenshots zu sehen. Demnach sollen 1000 Views (1 CPM) ca. 30 Kopeken kosten, also umgerechnet weniger als 1 Euro-Cent.

Frag den Fotograf: Modelvertrag bei Kinderfotos für Bildagenturen

In meinem Postfach landete wieder eine Mail mit einer Frage, die ich in ähnlicher Form schon mehrmals gestellt bekam. Deswegen möchte ich mich ihr heute widmen.

Hier die Mail:

„Hallo Robert,

gerne verfolge ich deine Blog und besitze auch dein Buch.

Ich habe dennoch mal eine Frage an dich. Und zwar soll ich demnächst ein Baby fotografieren und würde die Bilder natürlich auch gerne bei Bildagenturen nutzen, dafür brauche ich ja den Model Release (MR). Wie gehst du bei Eltern vor, um den zu bekommen? Wie machst du denen das schmackhaft? Ich traue mich da ja schon gar nicht zu fragen, weil das so ein heikles Thema ist. „Äh, kann ich die Bilder eures Kindes verwenden, um sie weiter zu verkaufen, im Internet?“. Da wird doch jeder stutzig. Ich traue mich einfach nicht an das Thema heran, würde mich auch nicht trauen, so was zu fragen, da würde ich mich schämen.

Wie kann ich diese Scham abwerfen bzw. wie kann ich Eltern nahebringen, dass es nichts Schlimmes ist, wenn Bilder von den Kindern verkauft werden? Mir ist klar, dass jeder mit „nein“ antworten würde oder sogar von einem Fotoshooting absehen würde, wenn ich mit so einem MR daher komme.

Vielleicht kannst du mal erklären, wie du das so machst. In deinem Buch steht zwar, wie und wo man die Models findet, aber nicht genau, wie man denen den MR näherbringt bzw. ausfüllen lässt.

So, jetzt bin ich gespannt auf deine Antwort und danke dir schon im Voraus für die Mühe und die Zeit die du dir dafür nimmst.

Viele Grüße,
Rita“


Beim Leser der Email habe ich gemerkt, dass ich etwas betriebsblind geworden bin. Ich habe bisher fast 20 Kinder fotografiert und diese Scham habe ich kaum gespürt. Das hat mehrere Gründe. Zum einen lege ich großen Wert auf Transparenz, das heißt, ich möchte sicherstellen, dass alle Models verstehen, was für Fotos ich mache, wie Stockfotografie grundsätzlich funktioniert und wo die Bilder erscheinen könnten bzw. welche Nutzungen verboten sind. Das unterscheidet sich bei Kindern nicht von Erwachsenen, außer das ich es meist nicht (nur) dem Model, sondern auch den beiden Eltern erkläre.

Natürlich ist es schon vorgekommen, dass ich einige Kinder nicht fotografieren durfte, weil die Eltern damit nicht einverstanden waren. In der Praxis hatte ich manchmal den Fall, dass bei getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern das Persönlichkeitsrecht des Kindes benutzt wurde, um dem Elternteil, welches gerne Fotos von sich mit dem Kind haben wollte, nachträglich „eins auszuwischen“. Deshalb lege ich auch viel Wert darauf, dass beide Eltern den Modelvertrag für das Kind unterschreiben. Wenn ein Elternteil aus Sorge um das Kind abgelehnt hat, lag das oft auch daran, dass ich wegen der getrennt lebenden Eltern nicht mit der Person sprechen konnte, um die Nutzung genauer zu erklären. Aber in jedem Fall respektiere ich dann den Wunsch und verzichte auf ein Fotoshooting.

Im Hinterkopf behalten sollte man vor allem zwei Dinge: Die Angst der Eltern und die Vorteile eines Fotoshootings.

Bei Eltern kursiert manchmal der Gedanke im Kopf, dass Fotos der eigenen Kinder im Internet „böse“ seien. Weil sich dort „Irre“ und „Perverse“ rumtreiben könnten. Ein befreundeter Fotograf hatte kürzlich dagegen argumentiert: „Die Irren fahren ja auch Auto, deswegen verzichte ich trotzdem nicht darauf…“

Ich denke auch, dass es viel gefährlicher ist, Fotos der eigenen Kinder bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, wo diese Bilder noch mit persönlichen Angaben wie Alter, Wohnort, Schule oder ähnliches verknüpft werden könnten. Dann wäre eventuell wirklich die Gefahr gegeben, jemand könne auf den Gedanken kommen, das Kind zu entführen oder Schlimmeres. Bei den Kinderfotos in Bildagenturen jedoch bleibt das Kind für die Betrachter und Käufer anonym. Einige Agenturen verbieten sogar, Kinderfotos mit potenziell gefährlichen Begriffen wie „nackt, sexy, etc.“ zu verschlagworten.

Wenn der Fotograf ängstlich und schüchtern bei den Eltern einen Vertrag ansprechen will, spüren diese schnell, dass dem Fotografen dabei unwohl ist und malen sich die Gründe dafür in den düstersten Farben aus.

Deshalb empfehle ich generell jedem Stockfotografen, mit gutem Beispiel voranzugehen und selbst einige Fotos der eigenen Kinder anzubieten oder – falls keine vorhanden sind – einfach Selbstportraits zu machen. In wenigen Jahren sehen die Kinder sowieso ganz anders aus und sind kaum wiederzuerkennen. Ich habe auch einige Selbstportraits in den Agenturen und es zeigt meinen Models, dass ich keine Angst habe, mein Gesicht auf diese Art zur Schau zu stellen.

Der zweite Punkt ist, dass die Eltern und das Kind Vorteile von einem Fotoshooting haben. Die Eltern sparen das Geld für einen Portraitfotografen, was bei 10-20 Bildern schnell mehrere hundert Euro kosten kann. Bei mir bekommen die Eltern oft sogar deutlich mehr Fotos kostenlos. Manchmal bezahle ich die Kindermodels auch zusätzlich, je nachdem, wer wen gefragt hat.

Hier sind wir bei einem weiteren Punkt. Die meisten Kinder habe ich auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern fotografiert. Das heißt, diese wussten, dass ich Fotograf bin, kannten meist auch meine Bilder und haben gefragt, ob ich auch Kinderfotos oder Familienfotos machen könne. Meist habe ich das bejaht unter der Bedingung, dass ich diese Fotos wie mein anderen Fotos auch bei den Bildagenturen verkaufen darf. Mein Vertrag ist auch öffentlich auf meiner Webseite einsehbar; die Eltern haben also im Voraus genug Zeit, sich damit vertraut zu machen.

Nach diesen Überlegungen habe ich Rita gefragt, wie denn bei ihr der Kontakt zustande gekommen ist und was sie sich vorgestellt hat:

„Hallo Robert,

ich wollte schon so 30 Euro für die Bilder haben, weil ich die auf CD brenne und die Bilder bearbeiten muss. Es sind dann aber auch wirklich viele Bilder die ich meistens mache und der Bearbeitungsaufwand ist groß.

Ich wüsste ja gar nicht, ob die Bilder sich bei den Bildagenturen verkaufen lassen oder nicht. Ich weiß nur, dass Menschenbilder eben gern genommen werden. Wohin die gehen, wenn sie verkauft werden oder was für einen Nutzen das Model davon hat, damit hab ich mich noch nie auseinandergesetzt.

Eine Mami hat mich einfach gebeten, ein paar Bilder von ihrer acht Monate alten Tochter zu machen und ich hab zugesagt, es zu tun. Dabei dachte ich, ich könnte auch gleich fragen ob sie mir den MR ausfüllen. Ich will halt meinen Bildbestand mal aufstocken und das geht nicht nur mit Blümchen und Bienchen…weißt du ja auch. Ich brauche bestimmte Dinge, die keiner sonst hat.

Ich hab einfach Hemmungen, die Eltern danach zu fragen, weiß auch nicht, wieso und wie man diese Hemmungen loswerden kann. Die Mama der Kleinen hat mit mir mal einen VHS-Fotokurs mitgemacht und weiß sicherlich, was solche Fotoshootings mit Kindern kosten. Da sind 30 Euro ein Spott dagegen.

Machst du nur noch Fotos mit MR, damit du die Bilder alle verwenden kannst und wenn ja, wie hast du die Überwindung hinter dich gebracht, danach zu fragen, bzw. den Leuten Stift und Zettel in die Hand zu drücken und alles zu erklären?

Ich würde ja auch meine eigenen Kinder nehmen (bisher nur Hände und Füße), aber mein Ex-Mann hat leider was dagegen, die Kinder so öffentlich zu zeigen. Deswegen denke ich immer, andere Eltern würden auch so verklemmt denken und so vorsichtig sein. Einerseits könnt ich die Eltern auch verstehen, wenn sie „nein“ sagen.

Schönen Abend noch und viele Grüße,
Rita“

Die Ursache der Angst, nach einem Vertrag zu fragen, lässt sich am Ex-Mann schnell festmachen.

Wichtiger scheint mir noch ein anderer Punkt: Auch wenn Bildagenturen gerne Hobbyfotografen aufnehmen, bleibt die Stockfotografie trotzdem ein Geschäftsmodell. Dazu gehört für die teilnehmenden Fotografen auch, betriebswirtschaftlich denken zu müssen, um langfristig erfolgreich zu sein. Dazu gehört, sich das Verständnis zu erarbeiten, was mit den Bildern geschehen kann und die Bereitschaft, Investitionen zu tätigen.

Ich würde zum Beispiel kein Geld für die Fotos nehmen, zumal 30 Euro eh nicht den Stundenlohn wert wären. Stattdessen würde ich sagen: „Hör zu, ich mache dir die Bilder kostenlos, aber dafür darf ich die bei Bildagenturen verkaufen. Dazu wird dieser Vertrag hier abgeschlossen…“ Ob sich die Bilder verkaufen, ist allein das Risiko des Fotografen und es sollte ihn motivieren, möglichst gut zu arbeiten. Im Falle eines Misserfolges sollte analysiert werden, was beim nächsten Mal anders laufen muss, damit sich die Fotos verkaufen.

Fotografen, die sich jedoch eher auf Portraits und Auftragsarbeiten spezialisiert haben, machen es manchmal so, dass sie für die Unterschrift zu einem Modelvertrag einen Rabatt auf den normalen Preis geben. Zum Beispiel könnte ein Kinder-Portrait-Shooting mit 20-30 Bildern statt 300 Euro nur noch 200 Euro kosten.

Wenn sich die professionelle Einstellung auch so auf die eigene Webseite etc. auswirkt, dass Personen sofort erkennen, dass der Fotograf mit seiner Arbeit Geld verdienen will, dann muss man sich auch nicht mehr schämen, Geld zu verlangen bzw. stattdessen Veröffentlichungsrechte.

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Kinderfotografie gemacht? Was für Tipps würdet ihr Rita geben?

Die Top 10 der meistverkauften Videos bei Pond5 in 2011

Anfang des Jahres hatte ich hier im Blog die meistverkauften Fotos des letzten Jahres bei Fotolia und istockphoto vorgestellt.

Da sowohl ich selbst als auch andere zusätzlich immer mehr Videos verkaufen, wollte ich gerne wissen, welche Videos im Jahr 2011 am meisten verkauft wurden?

Tom Bennett, CEO bei der großen Video-Agentur Pond5*, war so freundlich, tief in die Datenbank zu tauchen und mir die zehn Video-Bestseller 2011 zu nennen.

Vorhang auf:

  1. Platz (120 Verkäufe): City Street Crowd*

    Souverän und mit Abstand den ersten Platz belegte dieses Video mit einer anonymen Menschenmasse. Der Trick bei solchen Aufnahmen ist, erstens eine Stelle zu finden, von der so viele dichtgedrängte Menschen auf einmal gefilmt werden können und zweitens, die Kameraeinstellungen so zu wählen, dass die Person identifizierbar ist.
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  2. Platz (97 Verkäufe): Old 8mm Film Frame*

    Eher unspektakulär ist der zweite Platz, ein leerer 8mm-Film. Solche Aufnahmen werden gerne entweder als Vorspann genutzt oder in Kombination mit einer Transparenzmaske oder After Effects, um aktuellen Aufnahmen einen nostalgischen Touch zu geben.
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  3. Platz (96 Verkäufe): Close-Up Heavenly Sun Rise*

    Ein beeindruckendes Video ist dieser Sonnenaufgang auf dem dritten Platz, da einerseits die Kontraste sehr gut eingestellt (oder bearbeitet wurden) und bei dieser Zeitrafferaufnahme die Kamera nach oben geschwenkt wurde – immer eine besondere Herausforderung.
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  4. Platz (95 Verkäufe): Large Anonymous Crowd*

    Auf dem vierten Platz eine weitere Version der Menschenmassen, diesmal nur ohne Zeitlupen-Effekt.
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  5. Platz (84 Verkäufe): Clouds*

    Platz fünf hat wieder ein Wolken-Video erobert. Bei diesen (und auch den unten folgenden Wolken-) Videos ist die größte Schwierigkeit, zum einen einen Platz zu finden, bei dem die Sicht nicht von Häusern, Stromleitungen, Windrädern oder anderen Zivilisationszeichen verstellt ist und zum anderen, die Geduld oder das Glück zu haben, einen beeindruckenden Sonnenauf- oder untergang zu erwischen.
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  6. Platz (80 Verkäufe): Vintage Film Frame*

    Den sechsten Platz belegt eine weitere Version des altmodischen Film-Looks.
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  7. Platz (76 Verkäufe): Airplane Landing In Airport*

    Auf Platz sieben die Landung eines Flugzeugs, idyllisch in Abenddämmerung getaucht. Die Herausforderungen bei solchen Motiven sind, die richtige Stelle zu finden und keine Logos oder Markennamen auf dem Video zu haben.
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  8. Platz (72 Verkäufe): Clouds*

    Zeitraffer von Wolken: Immer wieder gerne gesehen…
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  9. Platz (58 Verkäufe): Timelapse Blue Sky With Running Clouds In Sunrise*

    …gerne auch in unterschiedlichen Farbtönen.
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  10. Platz (58 Verkäufe): Time Lapse Stylish Manhattan Brooklyn Bridge*

    Gleichauf mit dem neunten Platz liegt auf Platz 10 eine Zeitraffer-Aufnahme von der Brooklyn Bridge in Manhattan bei Nacht. Ich frage mich, wie der Videograf die Kamera an genau dieser Stelle befestigen konnte. Genau das macht den Reiz des Videos aus. Der Autor ist übrigens identisch mit den Top-Sellern der Menschenmassen.

Welche Video-Motive verkaufen sich am besten?

Angesichts der Top 10 oben ist schnell ersichtlich, welche fünf Szenen am gefragtesten sind: Menschenmassen, Wolkenaufnahmen, alte Filmlooks, Zeitraffer und Transportszenen, gerne auch mehrere dieser Dinge zusammen in einem Video. Diese Themen und oben gezeigten Videos haben alle zwei Dinge gemeinsam. Sie sind sehr universal einsetzbar, was unverzichtbar ist, wenn man viele Kunden ansprechen will. Außerdem sind die Titel sehr aussagekräftig und helfen deshalb kräftig mit, die Bildkäufer zum passenden Video zu leiten.

Für die Videografen dieser Topseller kann es durchaus lukrativ sein, Videos zu erstellen und zu verkaufen, selbst wenn der Aufwand bedeutend höher ist als bei der Fotografie. Mit Erlösen von über tausend Euro pro Video (nur innerhalb eines Jahres) können die Einnahmen schon mit meinen meistverkauften Fotos mithalten.

Mein Bestseller bei Pond5 ist übrigens dieses Video einer Frau im Rollstuhl*, mit welchem ich innerhalb eines halben Jahres schon ca. 100 Euro verdient habe:

Welche Videos verkaufen sich bei euch am besten?

* Affiliate

Geld verdienen mit WordPress Themes – Ein Praxisbeispiel

Stockfotos sind nur ein Teil dessen, was viele Bildagenturen zum Verkauf anbieten. Immer öfter gibt es auch Videos, Vektorgrafiken, Illustrationen, Audio-Dateien, aber auch Fonts, Flash-Dateien, 3D-Modelle, Codeschnipsel oder Webseiten-Templates.

Was man mit dem Verkauf von Fotos verdienen kann, wissen die meisten meiner Leser ungefähr. Aber die wenigsten wissen, wie man zum Beispiel mit Themes für das beliebte Blogsystem WordPress Geld verdienen kann. Themes sind Layout-Vorlagen, welche das Aussehen von Blogs und anderen Webseiten bestimmen und dieses leichter verändern lassen.

Die Agentur Envato veröffentlichte Mitte Dezember eine Meldung in deren Blog, wonach der erste ihrer Kontributoren 1 Million US-Dollar Umsatz erzielt habe. Und das innerhalb von nur drei Jahren und mit nur 40 WordPress-Themes. Ihr könnt die Kinnladen jetzt wieder hochklappen.

Der Glückliche ist der 30jährige Wiener Programmierer Christian Budschedl, der unter dem Usernamen Kriesi seine selbstprogrammierten WordPress-Themes exklusiv bei ThemeForest (einem Bereich bei Envato) anbietet.

Christian "Kriesi" Budschedl

Nehmen wir uns die Zeit, das mal auszurechnen.

Innerhalb von 3 Jahren, also 36 Monaten hat er knapp 32.000 Verkäufe erzielt, welche zusammen die erwähnte Million Umsatz erzielten. Das macht $ 31,25 pro Verkauf, was auch ungefähr der Durchschnitt seiner tatsächlichen Verkaufspreise ist.

Auf dieser Seite kann nachgelesen werden, was exklusive Anbieter bei ThemeForest pro Verkauf bekommen (50-70%) und wie sich die Werte in der Vergangenheit geändert haben. Nach der aktuellen Tabelle hat Kriesi von der Million ungefähr 692.125 US-Dollar Anteil bekommen. Legen wir einen niedrigen Umrechnungskurs von 70 Euro-Cent pro Dollar zugrunde (zur Zeit liegt der Dollar eher bei 75 Cent) und wir erhalten 484.488 Euro Einnahmen.

Geteilt durch 36 Monate wären das 13.458 Euro Einnahmen pro Monat. Das verdient Kriesi ausschließlich durch seine WordPress-Themes! Der Wert ist ein Durchschnittswert, das bedeutet, im ersten Jahr hat er garantiert weniger verdient, aber momentan verdient er deutlich mehr. Nicht berücksichtigt sind außerdem die Affiliate-Einnahmen von über 1000 Kunden, die er geworben hat.

In der oben verlinkten Meldung ist auch ein Interview mit dem Programmierer, in dem er erwähnt, dass er ca. 3 Wochen braucht, um ein neues WordPress-Theme zu erstellen. Selbst wenn wir das auf ca. einen Monat aufrunden, verdient er damit pro Theme noch über 13.000 Euro!

Ist das die Ausnahme oder die Regel?

Eher die Regel. Es gibt eine Rangliste der Top-Autoren bei Envato, wo die 15 Autoren mit den meisten Verkäufen alle über 10.000 Verkäufe haben und manchmal weniger als halb so lange wie Kriesi aktiv sind. Das legt nahe, dass sie alle ebenfalls mindestens 4.000 Euro im Monat verdienen.

Die Verkaufszahlen der Rangliste hinken etwas hinterher, aktuellere Zahlen sind auf den Detailseiten der Künstler einsehbar.

Dazu kommt, dass im Gegensatz zur Fotografie keine teuren Geräte wie Kameras, Objektive, Blitzanlage und so weiter benötigt werden. Ein guter Laptop und etwas Software reicht vollkommen aus.

Selbst wenn jemand nur ein Zehntel von Kriesi mit dem Verkauf von WordPress Themes verdienen würde, käme er immer noch auf 1.300 pro Monat, für die Programmierung von höchstens einem WordPress-Theme.

Deshalb: Auch mal über den Tellerrand schauen. In anderen Medienbereichen lässt sich mit anderen digitalen Produkten ebenfalls gut Geld verdienen. Fotografen haben sogar den Vorteil, dass sie die immens wichtige Verschlagwortung gut drauf haben.

Verkauft ihr neben Fotos auch andere Dateien? Wenn ja, welche und wie läuft es für Euch?

Frag den Fotograf: Kann ich RAW-Dateien verkaufen?

Eine Berliner Fotografin schrieb mir vor zwei Monaten folgendes:

„hallo robert,
seit geraumer zeit bin ich begeisterter fan deiner blogseite. viel wissenswertes habe ich gelesen und mit freuden deine bilder angesehen.

nun habe ich ein kleines „problemchen“, wozu ich nichts im netz finden konnte und deshalb wage ich es einfach, dich zu fragen 😉

eine kundin möchte die im shooting entstandenden raw dateien käuflich erwerben.
ich fand diesen wunsch ziemlich merkwürdig und dachte, sie meint sicher die jpg dateien. weit gefehlt, sie möchte tatsächlich die raw dateien auf cd, um damit ein fotobuch zu kreieren nach ihren wünschen und ihrem künstlerischen anspruch.

nun bin ich etwas ratlos… verkauft man seine raw dateien eigentlich? das ist ja, als ob man früher seine negative aus der hand gegeben hätte, was mir nie im traum eingefallen wäre. oder ist das im digitalen zeitalter kein so abwegiger gedanke mehr…?

vielleicht hast du dazu eine idee, einen ratschlag oder schon mal etwas vergleichbares gehört oder gelesen.“

Geldscheine auf die Hand geben

Ich antwortete ihr:

„Dein ‚Problem‘ kann von zwei Seiten betrachtet werden und in beiden Fällen ist der Vergleich mit einer RAW-Datei als (digitales) Negativ sinnvoll.

Zum einen lieferst Du damit Dein Arbeitsmaterial aus, gibst sozusagen das Negativ und damit die künstlerische Kontrolle aus der Hand. Wenn Du das
akzeptieren kannst, fein, dann verkaufe die RAW-Dateien. Du solltest nur überlegen, ob Du damit leben kannst, wenn der Kunde die RAW-Dateien eventuell „verunstaltet“ und Du dafür mit Deinem Namen gerade stehen willst. Oder Du verkaufst sie und bestehst darauf, dass Dein Name als Fotografin nicht genannt wird.

Auf der anderen Seite ist eine RAW-Datei zwar ein Negativ, aber da es digital ist, gibst Du kein Unikat aus der Hand wie es früher der Fall
gewesen wäre, sondern nur eine Kopie. Bis vor einer Weile habe ich meinen Models auch immer eine Foto-CD mit den JPG-Daten und den RAW-Daten
mitgegeben, bis ich irgendwann gemerkt habe, dass die meisten Models mit den unbearbeiteten RAWs nix anfangen konnten.

Im Endeffekt liegt die Entscheidung wieder bei Dir…“

Eine Umfrage unter ca. 250 Fotografen in einem Thread im Model-Kartei-Forum ergab, dass ca. 72% der Fotografen die RAW-Daten nie herausgeben, 20% auf Anfrage und 8% immer.

Wie handhabt ihr das? Aus welchen Gründen gebt ihr Eure RAW-Dateien heraus oder eben nicht und wie sind die Reaktionen darauf?