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Die 6 wichtigen Unterschiede zwischen dem Smartphone und einer DSLR-Kamera

Schon vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle eine Lanze für das professionelle Fotografieren mit dem Smartphone gebrochen.

Da ich trotzdem weiterhin mit meiner „richtigen“ digitalen Spiegelreflexkamera fotografiere, fallen mir die Unterschiede zwischen beiden Welten deutlich auf.

Wer diese Unterschiede kennt und zur richtigen Zeit einzusetzen weiß, kann seine Fotos deutlich verbessern.

Immer dabei

Der wohl wichtigste Punkt. Das Smartphone habe ich immer in der Hosentasche, die mindestens zwei Kilo schwere DSLR nicht. Motive wie diesen vollen Mülleimer* in einer öffentlichen Toilette hätte ich sonst nicht aufgenommen.

Gewicht und Größe

Die Smartphone-Kamera ist leichter und kleiner. Paradoxerweise führt eine leichtere und kleinere Kamera zu unschärferen Bildern durch mehr Verwackelungen, weil das Kameragewicht die Körperbewegungen nicht mehr ausgleichen kann. Das bedeutet: Beim Fotografieren das Smartphone bewusst ruhig halten.

Smartphones sind unauffällig

Das geringere Gewicht und die kompakte Bauweise der Smartphones bringt als Vorteil jedoch die Unauffälligkeit. Manchmal hätte ich mich einfach nicht getraut, meine riesige Kamera auszupacken, das dicke Objektiv anzuschrauben, um dann erst fünf Minuten mit Leuten diskutieren zu müssen, die meinen, mir das Fotografieren verbieten oder einfach fachsimpeln zu wollen.

Als ich mit einem Model unterwegs war, um testweise bewusst nur Smartphone-Fotos zu machen, war ich erstaunt, wie wenig wir beide wahrgenommen wurden, während die gleichen Situationen mit meiner DSLR oft eine kleine Menschentraube erzeugen würden.

Ungewöhnlichere Perspektiven möglich

Größe und Gewicht der Smartphones ermöglichen mir auch ungewöhnliche Perspektiven, die aus verschiedenen Gründen mit einer DSLR nicht oder nur schwer umsetzbar wären.

Beim Foto dieser Seerose* von oben habe ich meine Hand am Teichrand so weit ausgestreckt, dass mein Handy fast ein Meter in den Teich rein ragte, so hätte ich die DSLR nie halten können.

Seerose von obenBei der Aufnahme dieses Wollschweins* habe ich durch einen engmaschigen Zaun fotografieren müssen, das ging nur, weil die Linse der Smartphone-Kamera deutlich kleiner ist. Bei der DSLR hätte ich unscharf den Zaun mit auf dem Foto gehabt.

WollschweinÄhnlich schwierig wäre diese Aufnahme aus dem Flugzeugfenster* mit einer DSLR weil durch die größere Linse die Gefahr viel höher wäre, Kratzer oder Reflexionen des Fensters mit auf das Bild zu bekommen.

Über den Wolken von Texas, USA

Verstehe den kleinen Sensor

Der Bildsensor in einem iPhone 6 ist ca. 4,9 x 3,7 mm groß. Zum Vergleich: Meine Canon 5 D Mark III hat einen Bildsensor, der 36x 24 mm groß ist. Damit hat dieser eine mehr als 47x größere Fläche.

Mehr Fläche heißt oft auch: Der Sensor ist lichtempfindlicher, weil mehr Platz da ist, auf den das Licht fallen kann.

Im Umkehrschluss heißt es: Bei ungünstigen Lichtverhältnissen muss das Smartphone immer noch oft genug kapitulieren. Vor allem, wenn die Fotos verkauft werden sollen, weil die Bildagenturen streng gegen zu viel Bildrauschen sind. Will ich also abends auf einer Party fotografieren oder in einem Raum ohne Tageslicht, lasse ich das Smartphone stecken und bemühe doch die DSLR.

Der Vorteil des kleineren Sensors ist jedoch die deutlich geringere Naheinstellgrenze. Während das „Standardobjektiv“ 24-70mm f.2.8 von Canon erst ab 38 cm scharf stellen kann, sind es beim iPhone 6 nur 8 cm. Übersetzt: Ich kann fast fünf mal dichter an das Motiv rangehen. Das ist ideal für Makroaufnahmen.

Auch die Schärfentiefe ändert sich deutlich mit der Sensorgröße. Bei den Mini-Smartphone-Sensoren ist viel mehr vom Hintergrund scharf. Auch das kommt Makro-Fotografen entgegen. Ungünstig ist es hingegen für Portraits. Hier heißt es, besonders stark auf einen ruhigen Hintergrund* zu achten, der nicht vom Gesicht der fotografierten Person ablenkt.

Mobiler Workflow

Wenn ich von einem Fotoshooting mit meiner DSLR unterwegs nach Hause fahre, kann ich auf dem Weg höchstens schon mal einige Fotos löschen oder als besonders gut markieren, um sie später zu Hause am Computer weiter bearbeiten zu können.

Habe ich hingegen mit meinem Smartphone Fotos gemacht, bearbeite diese manchmal mit einigen Apps und lade ich das Foto oft schon Sekunden später über Apps wie Fotolia Instant oder EyeEm zum Verkauf hoch.

Fazit

Ich bin weit davon entfernt, meine DSLR einstauben zu lassen, nur weil ich immer mein Smartphone bei mir habe. Je nach Situation entscheide ich mich jedoch auch mal bewusst für das Handyfoto, wenn es, wie oben beschrieben, Vorteile mit sich bringt.

Welche Vorteile sieht ihr bei Smartphone-Fotos?

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Die Tücken der Statistik

Im Februar hatte ich hier im Blog eine kurze Statistik über meine durchschnittlichen Erlöse pro Fotoverkauf und Bildagentur im letzten Jahr veröffentlicht.

Ausdrücklich schrieb ich dazu, dass dieser Wert, der sogenannte „Revenue per Download“-Wert (kurz RPD) nichts darüber aussagt, wie erfolgreich eine Agentur ist.

Nichtsdestotrotz wirken die ersten Plätze in einer Rangliste immer sehr befriedigend, sodaß die beiden Spitzenreiter Coverpicture und Zoonar in ihren Blogs stolz auf meinen Beitrag verwiesen.

Coverpicture schrieb sogar:

„Der Verkauf eines einzelnen Bildes bei Coverpicture ist damit im Vergleich genauso viel Wert wie 80 Verkäufe in einer der letzt-platzierten Microstock-Agenturen!“

Genau da kommen wir auch zu den Tücken der Statistik. So eine Aussage beeindruckt branchenfremde Leser vielleicht, weil sie zum Beispiel nicht wissen, dass meine „letzplatzierte“ Microstock-Agentur 123rf 2012 aber 312 mal soviel absolute Verkäufe erzielt hatte. Oder anders formuliert: Mit 123rf hatte ich letztes Jahr ca. vier mal so viel Geld verdient wie mit Coverpicture.

Den Fehler hatte neulich auch die DPA gemacht, welche in einem Artikel über das „Hobby Stockfotografie“ im letzten Absatz die RPD-Zahlen nannte, aber diese als „Einnahmen pro Bild“ ausgab:

Im Fachslang heißt das: Die Presseagentur hat den RPD mit dem RPI verwechselt. Dabei hätte eine einfache Kopfrechnung stutzig machen können: Bei Coverpicture habe ich über 13.000 Bilder online. Das würde bedeuten, dass ich 2012 über eine halbe Million Euro allein mit der einen Agentur verdient hätte und im Monat immerhin noch über 45.000 Euro. Schön wäre es, stimmt aber leider nicht.

Ein Anruf beim Chef vom Dienst bei der DPA half aber, diesen Irrtum schnell zu berichtigen und die meisten Webseiten haben den Fehler im Artikel dann auch korrigiert.

Wer übrigens auf den Geschmack gekommen ist, Zahlen zu seinem Vorteil zu drehen oder im Gegenteil lernen möchte, solche Versuche besser zu erkennen, dem empfehle ich das unterhaltsame Buch „So lügt man mit Statistik“ von Walter Krämer.

* Affiliate

Der typische Umsatz-Zyklus eines Microstock-Bildes

Zahlen sind eine wichtige Sache. Die meisten Stockfotografen, die ich kenne, fotografieren nicht für Bildagenturen, weil sie sich da künstlerisch besonders gut ausdrücken können, sondern weil sie mit ihren Fotos Geld verdienen wollen. Umso wichtiger ist es, einige Kennzahlen zu kennen, mit denen der eigene Umsatz besser analysiert und damit auch prognostiziert werden kann.

Ein sehr hilfreiches Tool in dieser Hinsicht ist Stock Performer, ein Analysedienst, der mittlerweile die Verkäufe, Umsätze und andere wichtige Kennzahlen eines Fotografen für fünf Microstock-Agenturen (Shutterstock, Fotolia, iStockphoto, Dreamstime und 123rf) auswertet und den ich hier ausführlich getestet habe.

Luis Alvarez, einer der beiden Köpfe hinter Stock Performer, hat vor wenigen Wochen anhand seines eigenen Portfolios den typischen Lebenszyklus eines Microstock-Bildes vorgestellt. Jedes Portfolio ist aber anders und da Luis zum Beispiel exklusiv bei iStockphoto ist, während ich diese Agentur nicht mehr beliefere, sehen meine Zahlen vielleicht ganz anders aus. Luis war so freundlich, basierend auf den realen Verkäufen und meinen bisherigen Umsätzen den typischen Umsatzzyklus meiner Microstock-Bilder zu berechnen. Das Ergebnis sieht grafisch so aus:

In der Grafik sehr ihr, wie viel ich im Durchschnitt mit einem Microstock-Bild bei den vier Agenturen pro Monat verdiene, gerechnet vom Zeitpunkt des Hochladens. Nach einem starken Einstieg im zweiten Monat erreichen meine Bilder ihre finanzielle Hochzeit vom 9. bis zum 16. Monat. Danach geht es kontinuierlich bergab und das Bild pendelt sich bei ca. einem halben Euro pro Monat ein. Grundsätzlich ist die Kurve vergleichbar mit der von Luis, auch wenn seine höher ansteigt, aber auch schneller abfällt. Im Grunde werden aber die meisten Microstock-Fotografen eine ähnliche Kurve bei ihren Bildern vorfinden, je nach Motiv höchstens unterschiedlich hoch.

Der Lebenszyklus in Zahlen

Wer die Werte oben zusammenzählt, sollte auf insgesamt 61 US-Dollar kommen, die ein Bild pro Jahr bei den vier genannten Agenturen zusammen bringt. Im Schnitt macht das pro Bild und Monat 1,65 US-Dollar. Interessant ist auch das Absacken im dritten Jahr. Während der RPI (Revenue per Image/Umsatz pro Bild) pro Monat für die vier Agenturen bei ca. 2 US-Dollar liegt, halbiert er sich im dritten Jahr auf einen US-Dollar. Die branchenüblich angenommene Halbwertszeit von zwei Jahren für ein Microstock-Bild bestätigt sich hier.

Der durchschnittliche RPI von 1,65 USD ist bei mir jedoch sehr ungleich verteilt. Fast ein Dollar entfällt auf Fotolia, gefolgt von einem halben Dollar von Shutterstock, elf US-Cent von Dreamstime und sechs Cent von 123rf. Ich habe iStockphoto nicht in meine Analyse aufgenommen, weil ich dort erstens nur höchstens ein Fünftel meines gesamten Portfolios habe und zweitens nichts mehr dort hochlade. Hätte ich iStockphoto mit in den Grafiken drin gehabt, wäre der Gesamt-RPI um 10 Dollar höher und der Durchschnitt-RPI um 0,28 USD.

Warum haben Bilder einen Zyklus?

Aufstieg, Höhepunkt und Verfall: Warum durchleben alle Stockfotos eine solche Kurve? Einerseits liegt es an den Motiven selbst. Die gezeigte Technik wie Fernseher, Telefone oder Computer verändern sich, werden kleiner, dünner, runder, schicker oder glänzender. Bei Fotos von Menschen ändern sich die Vorlieben beim Schnitt der Kleidung, den Farben und den Frisuren. Bei Reise- und Architekturfotos ändern sich die Gebäude, die Skyline, das Design der Autos und so weiter. Andererseits tragen auch die Algorithmen der Bildagenturen ebenso zum Abstieg der Fotokarriere bei. Neue Bilder werden in den Suchergebnissen bevorzugt, weil sie die oben genannten aktuellen Trends innehaben, aber auch die Bestandskunden (vor allem im Abo-Bereich) immer frisches Material sehen wollen. Als dritter Punkt kommen die konkurrierenden Fotografen hinzu, die ebenfalls nicht ruhen und beständig neue Bilder produzieren, die mit den eigenen alten Fotos um Käufer konkurrieren.

Was nützen mir diese Zahlen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die genannten Zahlen für sich nutzbar zu machen. Eine Möglichkeit ist, sie als Vergleichsbasis zu nehmen, um andere Portfolios zu bewerten. Die zweite Möglichkeit ist, Umsatzprognosen zu erstellen. Wie viel würde ich verdienen, wenn ich jeden Monat 10, 100 oder 500 Bilder hochlade? Bei 100 Bildern würde meine Kurve so aussehen:

Zwei Jahre lang würden die Umsatz relativ stabil ansteigen, dann würde die Kurve aber flacher werden und ein Umsatzzuwachs lässt sich nur noch schwer erzielen. Oder was würde passieren, wenn ich nur ein Jahr lang jeden Monat 300 Bilder hochlade und danach keine neuen Bilder mehr liefere?

Im ersten Jahr würde die Kurve logischerweise gleichmäßig und stark ansteigen, dann aber ca. ein Jahr lang stagnieren, ein Jahr lang flach abfallen und sich dann langsam auf dem Niveau das zweiten Monats einpendeln.

Am liebsten nutze ich die Zahlen aber, um Entscheidungen für neue Shootings zu treffen. Mit Stock Performer kann ich mit sowohl den monatlichen als auch den Gesamt-RPI für jedes meiner Shootings einzeln anzeigen und sortieren lassen. So habe ich beispielsweise 90 Shootings bei Shutterstock in der Liste, davon liegen „nur“ 36 Fotosessions über dem durchschnittlichen monatlichen RPI von 52 Cent, das beste Shooting liegt mehr als fünf Mal darüber. Nun kann ich schauen, ob diese überdurchschnittlich abschneidenden Shootings etwas gemeinsam haben und weitere Shootings in dieser Richtung planen. Oder wenn mich ein Model fragt, ob ich noch mal mit ihr shooten möchte, schaue ich mir an, wie das letzte Shooting im Vergleich zum Durchschnitt liegt und kann so basierend auf Fakten eine Zusage oder Absage machen.

Der Vergleich mit Macrostock-Zahlen

Nachdem Luis seinen Artikel im Blog der Microstockgroup veröffentlicht hatte, veröffentlichte Gerald Staufer, Chef der Macrostock-Agentur Westend61, im Macrostock-Blog einen Artikel über den Lebenszyklus von Macrostock-Bildern. Den empfehle ich sehr als Ergänzung zu Luis‘ und meinem Artikel und auch die Kommentare zu den Artikeln liefern noch viele spannende Informationen. Aber mal grob gerechnet. Gerald zeigt die Umsätze von fünf guten People-Fotografen und Fotografen mit anderen Themenschwerpunkten.

Ich konzentriere mich jetzt auf die People-Zahlen, weil sich diese eher mit meinem People-Portfolio vergleichen lassen. Diese fünf Fotografen haben der Agentur in vier Jahren ca. einen Umsatz von ca. 138.000 Euro. Bei einem Fotografenanteil von 50% wären das ca. 69.000 Euro. Die fünf Fotografen haben zusammen 1011 Bilder im Portfolio. Das macht einen Gesamt-RPI von 68 Euro. Verglichen mit meinem Gesamt-RPI von 45 Euro (bzw. 52 Euro inklusive iStock) liege ich ziemlich genau 50% drunter.

Zwei wichtige Faktoren müssen jedoch ebenfalls berücksichtigt werden. Die Annahmekriterien sind bei Macrostockagenturen meist strenger, sodass man in der Regel von vergleichbaren Shootings weniger Bilder in die Agentur bekommt. Das zeigen auch die relativ niedrigen Portfolio-Größen der ausgewählten Fotografen, die im Durchschnitt nur 202 Bilder bei der Agentur online haben. Wenn ich dort 50% weniger Bilder eines Shootings freigeschaltet bekomme als bei den Microstock-Agenturen, würde das den RPI auf den gleichen Wert heben. Auf der anderen Seite der Waage ist die Lebenszeit bei den Macrostock-Bildern länger, sodass sich nach den vier Jahren bestimmt noch einige Umsätze einstellen werden.

Welche Kennzahlen für euer Portfolio wertet ihr aus? Wie macht ihr das und was habt ihr davon?

Fortsetzung meines Preiserhöhung-Tests bei Fotolia

Am ersten März hatte ich ein Experiment gewagt.

Ich hatte zwei meiner Bestseller-Fotos bei Fotolia vom Startpreis mit 1 Credits auf 2 Credits gesetzt. Damit wollte ich sehen, welchen Effekt der damit doppelte Preis für das Kaufverhalten der Bildsucher hat.

Über die ersten Ergebnisse habe ich hier im Blog berichtet.

Am Test gab es in den folgenden Kommentaren vor allem zwei berechtigte Kritikpunkte. Erstens war die getestete Bildmenge nicht groß genug (mein Portfolio ist ja zum Verkaufen, nicht zum Experimentieren da) und zweitens hatte ich als ersten Monat der Preiserhöhung den März gewählt, der jedoch bei fast allen Fotografen immer mit Abstand der beste Monat ist, was die Ergebnisse hätte verzerren können. Außerdem wurde vermutet, dass viele Bildkäufer das Bild schon in ihrer Lightbox gehabt haben könnten und dann trotz des höheren Preises gekauft haben und das ansonsten vielleicht nicht getan hätten.

Deshalb habe ich mir die Zahlen jetzt, nach drei weiteren Monaten mit dem höheren Startpreis noch mal angeschaut, die Auswertung erfolgte wieder mit Stock Performer:

Hier das erste Bild. Die blauen Balken bezeichnen die Umsätze mit dem Foto, die rote Linie zeigt die Verkäufe an. Jeder Balken weist einen Monat aus, demnach ist der dritte dunkelblaue Balken der Monat März. Im März, dem Monat der Preiserhöhung, sind sowohl Umsätze als auch Verkäufe deutlich gestiegen. Die nächsten drei Monate sahen jedoch – wie meine Leser richtig vermutet haben – ganz anders aus. Die Verkäufe gingen merklich zurück, stabilisieren sich gerade aber wieder. Das wichtigste jedoch ist: Die Umsätze sind trotz der Preiserhöhung weiterhin über den Umsätzen mit dem 1-Credit-Startpreis geblieben.

Ähnlich sieht es bei dem zweiten Testbild aus:

Die Verkäufe sind nach der Preiserhöhung gefallen, stabilisieren sich aber wieder. Die Umsätze lagen aber ebenfalls höher als vor der Preiserhöhung.

Das Resultat? Wer die Preise seiner Bilder erhöht, wird unter dem Strich weniger Verkäufe haben, aber trotzdem etwas mehr Einnahmen. Den Einfluss der Verkäufe auf das Ranking und den Suchalgorithmus, den ich im ersten Test-Artikel beschrieben habe, sollte man bei seiner Entscheidung für oder gegen eine Preiserhöhung jedoch berücksichtigen.

Soweit alles klar? Leider nicht ganz. Hier ist die Ansicht eines ähnlichen Fotos aus der Serie, welches sich ebenfalls ganz gut verkauft und wo ich den Startpreis auf 1 Credit gelassen habe:

Wie ihr seht, flachen auch hier ab März ganz leicht die Verkäufe ab, wenn auch nicht in dem Maße wie bei den beiden teureren Fotos. Der Umsatz jedoch ist seit März (eigentlich ab Januar schon) stark gestiegen und hat sich mehr als verdoppelt. Woran liegt das? Ich kann nur raten. Im Juni hat Fotolia die Preise unter anderem bei mir wegen meines Smaragdt-Status für größere Bildgrößen um ca. 20% angehoben, was den starken Ausschlag im Juni erklären könnte. Vielleicht haben auch die Bildkäufer auf günstigere Bilder der gleichen Fotoserie umgeschwenkt? Es bleiben noch einige Fragen offen.

Für mich bleibt immerhin die Feststellung, dass höhere Bildpreise im Schnitt mehr Einnahmen, aber weniger Verkäufe bringen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Preisänderungen gemacht?

Try Macrostock! Unterschiede zu Microstock aus der Sicht eines Bildagentur-Chefs

Heute gibt es wieder einen Gastbeitrag, auf den ich mich besonders freue. Manchmal wird ja behauptet, in diesem Blog käme ja fast nur Microstock vor und ich würde das „schönreden“. Aber ich kann nur über Dinge schreiben, von denen ich Ahnung habe. Deshalb ergab es sich ganz gut, dass Gerald Staufer Interesse daran hatte, einen Artikel zu schreiben. Gerald ist Gründer und CEO der 2003 gestarteten Münchener Macrostock-Bildagentur Westend61, die mittlerweile nach Eigenaussage einer der größten unabhängigen „Royalty Free Brands“ in Europa ist.


Genug der Vorrede, ab hier überlasse ich Gerald Staufer den Artikel.

Try Macrostock!

Kürzlich habe ich mich länger mit Robert über Macro- und Microstock unterhalten. Ich habe ihm vorgehalten, er würde in seinem Blog teilweise ein etwas falsches Bild von Macrostock zeichnen, vor allem was den Zugang zu Macrostockagenturen und die Perspektiven dort anbelangt. Deshalb bin ich dankbar, dass er mir die Gelegenheit gibt, einiges richtig zu stellen bzw. Denkanstöße für eingefleischte Microstocker unter seinen Lesern zu liefern.

Vorneweg möchte ich noch sagen, dass ich die Arbeit von Robert sehr schätze und ich bewundere, was er erreicht hat. Er beweist großen Unternehmergeist und Mut, es ist nur schade, dass er sich dabei ausschließlich auf Microstock konzentriert. Unter anderem deshalb, weil er dachte, dass Agenturen wie Westend61 an seinem Material nicht interessiert wären, was nicht stimmt. Ich behaupte einfach einmal selbstbewusst, bei uns würde er mit seinen 7.000 Bildern auch nicht weniger, wenn nicht mehr verdienen.

Da wären wir schon beim ersten Punkt. Entgegen landläufiger Meinungen ist meines Erachtens der Zugang zu Macrostockagenturen nicht schwieriger als zu Microstockagenturen. Hier wie dort zählt das verkäufliche Bild. Auch Macrostockagenturen nehmen gute Amateure auf, das ist kein Privileg der Micros. Auch Macrostockagenturen verkaufen Bilder, die man eher in Microstcok ansiedeln würde wie Freisteller oder Stills, wenn auch nicht in diesen Massen. Die hohen Massen sind aber weniger von Interesse, schließlich sind die Preise um ein Vielfaches höher. Viele denken, wir wären bei der Auswahl der Bilder viel wählerischer. Das kann ich nicht beurteilen, aber nach fast zehnjähriger Erfahrung in dem Geschäft weiß ich eines ganz genau: Es kommt nicht auf die Menge an, sondern die Qualität.

Warum werden da wie dort ähnliche Bilder verkauft?

Ganz einfach. Die Nachfragestruktur ist in beiden Märkten sehr ähnlich. Die Kunden suchen hier wie dort nach den immer gleichen Themen wie Business, Family, Beauty usw.. Die weit verbreitete Meinung, man müsse für Macrostock hochwertiger produzieren stimmt nur zum Teil. Sicherlich erwartet der Kunde von Macrostock oft ein sehr hochwertiges Bild mit toller Location, schönen Models, perfektem Styling und außergewöhnlichem Licht. Dafür ist er bereit, mehr zu bezahlen als einen Minipreis. Auf der anderen Seite verkaufen wir noch jede Menge Freisteller und generische Bilder, wenn die Gesichter stimmen oder bei Stills die technische Umsetzung perfekt ist. Der Kunde will oft für seine Produktwerbung genau das eine Gesicht oder ein Bild, das nicht schon einige tausendmal von fast jedem Kunden oder Privatblog dieser Welt verwendet wurde. Da kommt es dann nicht darauf an, ob es komplex oder einfach produziert wurde.

Umgekehrt stimmt aber auch, dass das vielen Kunden völlig egal ist. Dazu eine kleine Geschichte: Kürzlich war ich im Lidl und habe auf einem Werbeplakat ein sehr bekanntes Microstock-Bild, auf dem eine glückliche Familie abgebildet ist, gesehen. Eine Stunde später musste ich in ein großes Einkaufszentrum. Im Eingangsbereich überdimensional das gleiche Bild. Ein paar Tage später bekomme ich ein Flugblatt von irgendeinem esoterischen Verein in die Hand. Wieder dieses Bild. Das ist einfach langweilig. Und: Der Lidl und das Einkaufszentrum hätten sicher mehr als 20-25 Euro übrig gehabt für die Bildrechte. Der kleine Verein eher nicht, hier haben Microstock und kleine Preise ihre Berechtigung.

Die Belieferung von Microstockagenturen kann zu einem aufwendigen Zeitfresser werden. Fertig bearbeiten, hochladen, betiteln, verschlagworten und eventuell Modellfreigaben zuordnen. Das dann meist nicht nur für eine Agentur, sondern für mehrere. Bei uns zum Beispiel lädt man zunächst Low-Res-Dateien hoch. Nur die ausgewählten Bilder müssen fertig bearbeitet und betitelt werden. Die Verschlagwortung übernimmt die Agentur. Nach etwa zwei bis drei Monaten steht das Bild unserem internationalen Netzwerk mit 200 Partnern zur Verfügung. Die Fotografen müssen nur eine Agentur beliefern und können sich auf das Wesentliche konzentrieren: Das Fotografieren.

Für Macrostock zu fotografieren bedeutet mehr Freiheit für den Fotografen. Auch Macrostock kennt normierte Bildkonzepte und eine gewisse allgemein verkäufliche Bildsprache. Aber glücklicherweise nicht in dem Ausmaß wie es bei Microstock der Fall ist. Macrostock will verschiedene Bildsprachen, nimmt auch authentische, eher künstlerische Bilder, bedient Spezialkunden, die auf sehr genaue Verschlagwortung Wert legen.

Bei Microstock orientieren sich alle an den Bildern mit den höchsten Downloadzahlen und produzieren wiederum ähnliche Bilder. Denn je mehr Downloads ein Fotograf mit den Bildern erzielt, desto höher wird sein Anteil. Scheint zunächst einmal sehr gerecht und motivationsfördernd. Perfide aber ist: In regelmäßigen Abständen werden die notwendigen Downloadzahlen von den Agenturen erhöht. Der Fotograf gerät in eine Art Hamsterrad. Er muss produzieren, produzieren, produzieren, um mehr zu verdienen und kaum hat er es geschafft, werden die Downloadzahlen erhöht oder die Prozente gesenkt und das Ganze fängt irgendwie von vorne an. Mir wäre das offen gestanden zu blöde und ich höre nicht auf, mich darüber zu wundern, wie viele Menschen sich daran freiwillig beteiligen. Aber ich weiß, die Agenturen nutzen gewisse Abhängigkeiten aus, die sie mittlerweile geschaffen haben. Da freie Fotografen aus aller Herren Länder keine Gewerkschaft bilden können oder wollen, geht so etwas auch.

Hier ist Macrostock seriöser. Man bekommt entweder einen festen Anteil, der für immer gilt oder man fängt wie bei Westend61 bei 40% an und landet dann nach einem gewissen Umsatz, den die Bilder erwirtschaftet haben und der nicht utopisch ist, bei 50%. Warum? Weil aus unserer Sicht der Fotograf unser bester Geschäftspartner ist, der im Zentrum der Agentur steht. Viele Verkäufe sind in unser aller Interesse, aber der Wert eines Fotografen bemisst sich nicht alleine an den Verkäufen, sondern auch an seiner Bildsprache. Fotografieren soll Spaß machen und kreative Freiheit bedeuten. Dazu gehört die Sicherheit, dass einem nicht ständig die Prozente vorne- oder hinten herum gekürzt werden.

Warum muss ein DAX Konzern nicht mehr Geld zahlen als ein kleine Bäcker?

Ein gängiges Argument von Microstockern ist, dass kleine Preise besser sind als große, weil man das Bild dadurch sehr sehr oft verkaufen kann und zu guten Einnahmen pro Bild kommt. Die hohen Downloadzahlen der Topseller würden das beweisen. Oberflächlich betrachtet stimmt das. Geht man in die Tiefe, verhält sich die Sache ganz anders. Gibt man bei Fotolia zum Beispiel das Stichwort Familie ein, bekommt man sage und schreibe mehr als 413.000 Bilder angezeigt. Der Topseller (das Bild, das Lidl etc. zur Zeit benutzen) hat über 10.500 Downloads. Nehmen wir an, der Fotograf erhält ca. 1,50 Euro pro Download, dann kommt in der Tat eine beträchtliche Summe zustande.

Aber wie viele Fotos erreichen das schon? Wie viel Geld setzt ein Bild um, das eigentlich erfolgreich ist und 99% der Bilder hinter sich lässt? Bei oben genanntem Stichwort hat Bild 4100 bei Fotolia immerhin noch 71 Downloads, also mehr als die 409.000 nachfolgenden Bilder. Der Fotograf erhält vielleicht 100 Euro, obwohl es dem obersten Prozent der Verkäufe angehört. In Macrostock erwirtschaftet man mit einem einzigen Bildverkauf oft mehr und hat einen fairen Preis erzielt. An dieser Stelle eine grundsätzliche Frage: Warum muss ein DAX-Konzern nicht mehr Geld in die Hand nehmen als der kleine Bäcker von nebenan? Das ist die Crux im Bildermarkt. Mehr als 100.000 Fotografen, die sich andauernd in den Prozenten drücken lassen mit ihren Millionen von Bildern ermöglichen das. Werbeetats im mehrstelligen Bereich, aber nur ein paar Euro für die Bildrechte.

Sicher, Macrostockagenturen haben den Bedarf an Bildern im Web verschlafen. Dort gibt es aber mittlerweile eine Anpassung nach unten. Einige Macrostockagenturen verkaufen die Miniwebbilder bereits ab 10 Euro. So kann sich auch ein kleiner Existenzgründer ein Bild für seine Webseite leisten. Für Druckbilder wird man aber hochpreisig bleiben, denn hohe Werbeetats lassen das zu und viele Kunden wollen ein etwas exklusiveres Material, das nicht jeder nutzt.

Ein paar Worte zu den Zukunftsaussichten

Wohin wird das alles führen? Ich bin sicher, in nicht allzu langer Zeit werden die Einnahmen für Microstock-Fotografen in einem beträchtlichen Ausmaß einbrechen. Das liegt in der Natur der Sache. Die Nachfrage steigt nicht unendlich, aber das Angebot wächst und wächst. Bisher hat Microstock sinkende Verkaufszahlen mit ständigen Preiserhöhungen abgefangen. Da man mit den Preisen sehr weit unten begonnen hat, war ja eine Steigerung von 1 auf 2 Euro schon fast inflationär. Aber die Kunden haben sich an niedrige Preise gewöhnt, weshalb schon jetzt wohl nicht mehr viel Luft nach oben ist. Ist das Ende der Fahnenstange einmal erreicht, ist logisch, dass bei gleich bleibender Nachfrage und ständig steigendem Angebot der einzelne Fotograf weniger verkaufen und umsetzen wird. Dieses Schicksal hat Macrostock ereilt und auch Microstock wird davon nicht verschont bleiben. Von daher amüsiert es mich schon sehr, wenn ich bei verschiedenen Bloggern immer wieder lese, ich produziere jetzt bis dann und dann 1.000 neue Bilder, um mein Einkommen bis zu dem und jenen Punkt zu steigern. Manche glauben sogar, sich eine Art Rente zu erwirtschaften und bedenken nicht, dass die Bilder inhaltlich älter werden, andere sie besser kopieren oder sie so langsam in den Bilderfluten verschwinden. Nein, man muss immer und stetig nachlegen, um sein Einkommen zu sichern.

Nach der Weltwirtschaftskrise 2009 haben viele Macrostockagenturen unter stark sinkenden Umsätzen zu leiden gehabt. Als Folge haben viele Agenturen und Fotografen aufgehört, hochwertig zu produzieren. Mittlerweile gibt es Kunden, die sich über immer weniger gutes, kreatives Material beklagen. Ich denke, die Nachfrage nach hochwertigem, aber auch authentischem Bildmaterial wird wieder steigen. Irgendwann kann niemand mehr die extrem normierten Bilder sehen. Zumindest die Business-Kunden werden sich umorientieren und sich wieder mehr in Macrostock bedienen. Deshalb und wegen gewisser ökonomischer Gesetzmäßigkeiten rate ich jedem Fotografen, über seine zu den Zukunftsaussichten. in der Stockfotografie nachzudenken. Microstock ist da und hat seine Berechtigung, aber seine Eier auch in andere Nester zu verteilen, ist bestimmt nicht falsch.

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Das war’s von Gerald Staufer.

Ich freue mich auf eure Diskussionen hier im Blog. Gerald wird gerne mitdiskutieren, wenn der Ton sachlich bleibt.