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Ausfüllen der Steuerformulare für die Bildagentur 123rf

Ich weiß nicht, warum die Bildagentur 123rf erst jetzt anfängt, bestimmte Steuerinformationen von ihren Anbietern abzufragen, während andere Agenturen wie Shutterstock oder Fotolia das schon seit über fünf Jahren verlangen.

Der Grund ist jedoch jedes Mal der Gleiche: Vorgaben der US-Finanzbehörde IRS, um steuerliche Vorgaben korrekt umsetzen zu können.

Für Fotografen ist es sinnvoll und wichtig, die Steuer-Informationen vollständig auszufüllen, weil so in den meisten Fällen eine deutlich höhere Besteuerung der Agentureinnahmen vermieden werden kann.

Während bei den anderen Agenturen bei der Umsetzung dieser Behördenanforderungen teilweise ein völliges Chaos herrschte, hat 123rf von den Fehlern der anderen Agenturen gelernt und das Ausfüllen des „W8-BEN-Antrags“ deutlich erleichtert.

Wie fülle ich das Formular richtig aus?

  1. Logge Dich bei 123rf ein und gehe dann ins „Tax Center„, der Link ist auf der Startseite ganz unten rechts zu finden.
  2. Dort startet ihr dann den „123 Tax Wizard“, also eine Art Ausfüllhilfe.
  3. Klickt auf „No“, bei „Do you know your Tax Group?“ (Kennst Du Deine Steuergruppe?)
  4. In meinem Fall klicke ich dann auf „I submit as an individual at 123rf“ (Ich liefere Bilder als Einzelperson an 123rf). Achtung: Wer Bilder als Unternehmen, Handelsgesellschaft, GmbH, LLC oder ähnliches liefert, muss unter Umständen eine der anderen Möglichkeiten anklicken.
  5. Danach wird das Land des permanenten Wohnsitzes abgefragt, in meinem Fall „Germany“.

    123rf tax-01
    Screenshot des „Tax Wizard“
  6. Klicke danach auf „Fill in E-form“ (Fülle das „W-8BEN“-Formular elektronisch aus) im roten Kästchen.
  7. Dann öffnet sich das „Form W-8BEN“, aber glücklicherweise sind die meisten Daten schon aus dem Profil von 123rf übernommen worden.
  8. Kontrolliert bitte euren Namen bei 1. sowie ihre Anschrift bei 4. Sollten da Fehler enthalten sein, müsst ihr diese Daten bei 123rf unter „Mein Konto/Anschrift ändern“ korrigieren.
  9. Bei 6. habe ich meine US-Steuernummer eingetragen, wer keine hat, klickt rechts einfach auf „I have no SSN, ITIN or EIN“ (Ich habe keine US-Steuernummer)
  10. Bei 7. habe ich meine deutsche Umsatzsteuer-ID eingetragen, bin aber ehrlich gesagt unsicher, ob nicht auch die Steueridentifikationsnummer oder die „normale“ Steuernummer ausreicht. Da das Feld aber als „optional“ (freiwillig) gekennzeichnet ist, müsstet ihr auch nichts eintragen, wenn ihr nicht wollt.

    Screenshot des W8-BEN-Formulars
    Screenshot des W-8BEN-Formulars
  11. Die Häkchen und anderen Details sind von 123rf schon korrekt vorausgefüllt, ganz unten müsst ihr dann nur noch unterschreiben, indem ihr euren Vor- und Nachnamen eintippt. Dieser muss identisch sein mit dem Namen bei 1.
  12. Fertig! Danach werdet ihr wieder zum „Tax Center“ geleitet, wo jetzt in grün „Tax Form W-8BEN Submitted“ (Steuerformular abgeschickt) stehen sollte.
  13. Nach einigen Wochen sollte sich der Status in „Tax Form W-8BEN Approved“ (Steuerformular bestätigt) ändern.

Habt ihr das Steuerformular auch schon ausgefüllt?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 34

Um meinen Rückstand aufzuarbeiten, gibt es nach kurzer Wartepause eine weitere Folge „Pimp My Stock!“ zu lesen. Wer daran arbeiten will, diese wieder zu verlängern, findet hier alle Infos. Wer die Serie noch nicht kennt: Bei „Pimp My Stock!“ können Leserinnen und Leser mit Fotos einschicken für eine Bildbesprechung. Ich sage jedoch nicht, ob ein Bild „hübsch“ oder „interessant“ ist, sondern lege meinen Fokus darauf, ob und warum es sich als Stockfoto verkaufen könnte bzw. warum eben nicht. Wenn es passt, gebe ich auch Tipps zur Verbesserung der Bilder.

Nach Michael und Michaela ist heute ist Mischa an der Reihe. Ich verspreche, danach kommt mal ein anderer Vorname.

„Hallo Robert,

ich bin 27 Jahre alt, ich habe vor etwa 5 Jahren angefangen mit der Fotografie und mir damals eine 450D gekauft. Zwischendurch hatte ich dann komplett wegen Krankheit mit dem Fotografieren aufgehört, bis Februar 2013 als ich mir eine Canon 7D zulegte und 2 Objektive. Ich weiß, es gibt viele, die von den Tamronobjektiven nichts halten, jedoch habe ich mich nach längerem Durchlesen von Foren und Testberichten dazu entscheiden, mir diese zu kaufen.

Meine Ausrüstung besteht aus:
Canon 7D
Tamron 90mm f/2.8 DI VC
Tamron 70-200 f/2.8 DI VC
Canon Speedlight 430 EX II

Vor ein paar Wochen bin ich durch Zufall auf Stockfoto-Seiten und auf deine Seite gestoßen, was mich nach Lesen und Informieren dazu brachte, mir dein Buch zu kaufen.  Ich habe auch damit angefangen, bei 1-2 Agenturen Bilder hochzuladen und diese sind auch angenommen worden.

Doch ich frage mich, warum ich z.B. bei Fotolia so wenige Views habe, habe ich beschissen verschlagwortet oder einfach nur schlechte Motive?

Deswegen wollte ich dir für deinen Blog zur Bewertung einige Fotos zukommen lassen, um von deinen Lesern und natürlich auch Dir mal kritisiert zu werden.

Nachtrag:
Ich habe eben gesehen, dass ich bei Fotolia ein Bild verkauft habe und bei 123rf gleich 4 🙂

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mich bei Pimp my Stock aufnehmen würdest, damit ich bewertet werde und auch Kritik bekomme, die ich natürlich positiv verwerten werde.

Die Bilder die ich dir zukommen lasse sind alle bei den Agenturen aktiv.

Bei Fotolia wurde das Bild „folder 10“ einmal verkauft, bei 123rf wurde „folder 17“ 2 mal verkauft, „ahorn“ 1 mal und „raindrops_leaf“ 1 mal.

Würde mich über eine positive Rückmeldung freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Mischa“

Dann legen wir los:ahornDas erste Bild zeigt einen Bonsai-Ahorn. Perfekt freigestellt gibt es sicher einige Designer, welche damit etwas anfangen können. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, das können andere Leute besser, aber auf den ersten Blick wirkt für mich der Wachstum der Pflanze nicht harmonisch und das Gefäß gefällt mir nicht. Das Bild wird somit kein Bestseller werden, aber es ist solide genug, um die Chance auf einige Verkäufe zu haben.

Candy
Dieses Foto zeigt bunte Fruchtgummis. Jedoch sind diese weder liebevoll arrangiert noch spannend beleuchtet. Auch bei der Auswahl selbst hätte sorgfältiger gearbeitet werden müssen: Rechts unten ist am grünen Fruchtgummi zu erkennen, wie die Oberfläche aussehen sollte, bei den anderen grünen rechts ist das aber nicht der Fall. So wirkt das Foto mehr wie ein Schnappschuss als ein gutes Stockfoto. Liebevoll arrangierte Süßigkeiten sehen so oder so aus.

folder10
Die Ecke eines blauen Aktenordners: Kann man mal machen, ist technisch okay, aber was sich hier eindeutig besser verkaufen würde, wäre eine Serie, wo statt „Ordner“ verschiedene Konzepte wie „Finanzen“, „Versicherung“, „Vorsorge“ oder „Kredit“ auf den Ordnerrücken geschrieben worden wären. Warum das Foto eher „so lala“ ist, erkläre ich am Ende des Artikels.

folder17
Ein gutes Symbolfoto zum Thema Chaos, Bürokratie und Überarbeitung: Viele volle Aktenordner auf einem Haufen. Kann sich verkaufen, die Einschränkung wie schon erwähnt kommt gleich.

garlic
Drei Knoblauchknollen vor einem grauen Hintergrund. Alle Fotos wurden mir von Mischa sehr komprimiert geliefert, deswegen gehe ich davon aus, dass die Treppcheneffekte im Originalbild nicht vorhanden sind. Denn insgesamt gefällt mir der Bildaufbau und das Licht. Für ein gutes Stockfoto jedoch hat das Bild vielleicht schon etwas zuviel vom Vanitas-Gedanken, sprich: Man sieht dem Knoblauch seine irdische Vergänglichkeit an. Üblicher bei solchen Fotos ist es, zusätzlich eine einzelne Knoblauchzehe aus der Knolle zu lösen, weil es den Aufbau der Gewürzpflanze besser illustriert.

grinderEine Schleifmaschine bei der Arbeit: Das Motiv ist ein gutes Stockfoto, weil es für Handwerk und Industrie steht, aber die Umsetzung hier kann noch verbessert werden. Zum einen wäre es nicht nötig gewesen, die Hand abzuschneiden und zweitens ist leider auch nicht so gut erkennbar, was genau geschliffen wird. Außerdem bin ich mir auch nicht sicher, ob der Arbeitsschutz hier keine Handschuhe verlangt hätte. Am linken Rand hätte ich die Maschine digital vom Schmutz befreit, aber bei einer redaktionellen Nutzung kann dieser sogar erwünscht sein, weil das Bild dann „echter“ aussieht. Im kommerziellen Bereich wird der saubere Look bevorzugt.

raindrops_leaf
Wassertropfen auf einem grünen Blatt: Ganz nett, aber weder spektakulär noch gut verkäuflich. Solche ähnlichen Motive gibt es bei kostenlosen Bilddatenbanken wie Flickr oder Pixelio zuhauf, weil sich gerne Hobbyfotografen daran versuchen.

roses
Rose mit Wassertropfen? Bitte nicht. Und wenn, dann bitte wenigstens die braunen Stellen an den Blüten retuschieren.

tools
Das Wort „Tools“ aus Werkzeugen auf einer USA-Fahne: Das Bild gefällt mir ausgesprochen gut, es kann sicher zu Themen wie „Made in the USA“, „Do It Yourself“ und so weiter eingesetzt werden. Von diesem Motiv bieten sich auch verschiedene Varianten an, wo die Werkzeuge andere Wörter wie „USA“, „DIY“, „Work“ etc. bilden. Mich stört im Detail nur, dass beim zweiten „O“ oben und unten die Schraubenschlüssel so klein sind, dass der Buchstabe nicht so gut erkennbar ist.

Bis auf dieses Bild und das mit der Hand wirken alle Bilder auf mich so, als hätte jemand nur in seiner unmittelbaren Umgebung paar Schnappschüsse gemacht, um seine neue Kamera zu testen. Das ist ein sehr übliches Vorgehen, führt aber logischerweise dazu, dass genau diese Motive, die viele Leute in greifbarer Reichweite haben (Ordner, Rose, Süßigkeiten, Gewürze) im Überfluss vorhanden sind, meist auch in sehr guter Qualität.

Um sich davon abzugrenzen, muss sich ein Stockfotograf etwas mehr Mühe geben, zum Beispiel, indem – wie schon erwähnt – bei dem Ordner die Konzepte auf den Rücken geschrieben werden oder die Süßigkeiten aufwändiger und sorgfältiger zusammengestellt werden.

Wie findet ihr die Fotos? Welche Tipps könnt ihr Mischa geben?

Wie ein Stockfoto fast die US-Präsidentschaftswahl beeinflusste

Als ich vor knapp zwei Wochen an einem Freitagabend von einem Shooting nach Hause kam, blinkte mein Anrufbeantworter wie wild. Drei Journalisten aus den USA hatten mir aufs Band gesprochen und alle hatten parellel ebenfalls Emails geschickt, um mit mir sprechen zu können. Was war passiert?

Kurz vorher hatte der us-amerikanische Präsidentschaftskandidat Herman Cain (tritt für die Republikaner an) eine Kampagne namens „Women for Cain“ ins Leben gerufen. Grund waren Vorwürfe gegen Cain wegen sexueller Belästigung und Sexaffären. Diese Kampagne sollte seinen weiblichen Unterstützern ein Forum bieten, die Vorwürfe gegen ihn – in teils vulgärer Sprache – zu entkräften. Zur Kampagne gehörte auch ein Stockfoto von mir mit vier jungen Mädchen, welche die Daumen hochhalten.


Als studierter Politologe weiß ich, dass der Wahlkampf in den USA mit deutlich härteren Bandagen als hier ausgefochten wird. Deshalb war die Nutzung meines Stockfotos ein gefundenes Fressen für die Journalisten. Der vielgelesene US-Blog Talking Points Memo stürzte sich als erstes auf die Geschichte und rief zu einer Suche nach den Models auf, um diese nach ihrer Meinung zu fragen. Daraufhin meldeten sich bei mir Journalisten von der New York Post, der Huffington Post und einigen anderen US-Medien bei mir. Selbst eine Kölner Schwulenzeitschrift wollte über die Sache berichten.

Ich habe etwas Erfahrung mit Medienpolitik, deshalb verzichtete ich auf voreilige Aussagen und bat ich die Journalisten, mir einen Tag Zeit zu geben, bis ich die Angelegenheit näher untersucht habe. Ich kontaktierte die beiden Bildagenturen, bei denen die Wahrscheinlichkeit am größten war, dass das Foto darüber lizenziert worden war: Fotolia und Shutterstock. Außerdem schrieb ich eine Mail an die Kampagnenleitung mit der direkten Frage, wo Herman Cain das Foto lizenziert habe. Auf die letzte Mail habe ich bis heute keine Antwort erhalten, aber Shutterstock meldete sich von zwei Stunden bei mir und bestätigte, dass jemand des Wahlkampfteams von Cain das Bild dort runtergeladen habe.

Jetzt wird es spannend: Der Bildnutzungsvertrag von Shutterstock verbietet ausdrücklich in Teil II.9. die Nutzung der Fotos für „politische Unterstützung:

„PART II – RESTRICTIONS

YOU MAY NOT:
[…]
9.
Use an Image in a way that places any person depicted in the Image in a bad light or in a way that they may find offensive – this includes, but is not limited to the use of Images: […] d) in connection with political endorsements“

Das ist sehr eindeutig formuliert. Die Nutzung in der Cain-Kampagne suggiert deutlich, dass die gezeigten Frauen den Präsidentschaftskandidaten unterstützen würden. Deshalb sorgte Shutterstock auch sofort dafür, dass das Foto von der Kampagnenwebseite entfernt wird. Das wiederum führte in den Kommentarspalten der berichtenten US-Medien zu hämischen Kommentaren, weil eine Zeitlang nur „Women Cain“ im Titel stand, bis das Bild durch ein unverfängliches Foto von Cain mit seiner Ehefrau ersetzt wurde.

Die Journalisten, die bei mir anfragten, wollten natürlich wissen, was ich von der Bildnutzung halte, wie ich zu Cains Politik stünde und ich ich den Kontakt zu den abgebildeten Frauen herstellen könne. Letzteres verweigerte ich mit einem Hinweis auf den Datenschutz. Ich informierte die Models jedoch selbst über die Nutzung und das Medieninteresse und versicherte, mich um den Fall zu kümmern.

Den Journalisten antwortete ich:

„The photo was taken in April 2010 and the women in the picture are models living in or near Cologne, Germany.
I informed the models about the usage and told them that I will pass on their contact information if they want me to, but so far nobody of them has responed.

The image was taken in my studio in Cologne, Germany for stock photo libraries like Shutterstock and Fotolia.
I wrote about the photosession here in my blog:
http://www.alltageinesfotoproduzenten.de/2010/07/04/vier-maedchen-auf-einem-haufen-beim-shooting/

I also contacted the agency that sold the image and had them remove the image from the Cain campaign, because it was a clear breach of the licence agreement from Shutterstock which forbids „political endorsments“ with the images: http://www.shutterstock.com/licensing.mhtml (section Part II, 9.d)

I certainly disagree with Mr. Cain using the image in a way that is not conform with the licence agreement. If you run for president, you should know your legal terms.

I, however, did not follow the presidential campaign in the USA closely enough to make a judgement about Mr. Cain or his political positions.

If you have further questions, let me know.“

Noch am selben Tag trat Herman Cain von seiner Kandidatur zurück. Die falsche Verwendung des Stockfotos war sicher nicht der Auslöser für diese Entscheidung, aber wenn er weiterhin kandidiert hätte, hätten vor allem die liberalen US-Medien das Thema gerne breiter ausgewalzt, um Cain an den Karren zu fahren. So berichtete die Huffington Post sichtlich enttäuscht über den Fall, weil das Interesse an Cain-Nachrichten nach seinem Rücktritt verständlicherweise abgenommen hat. Selbst diese verspätete Meldung wurde zigfach zitiert und schon die erste Meldung von Talking Points Memo wurde oft getwittert und aufgegriffen. Hätte Cain an seiner Kandidatur festgehalten, bin ich mir sicher, dass auch die New York Post und in Folge viele andere Zeitungen darüber berichtet hätten und der Tenor wäre sicher nicht positiv gewesen.

Die Moral von der Geschichte?

Wer Stockfotos verwenden will, sollte sich an die Lizenzbedingungen halten. Vor allem dann, wenn man stark im Rampenlicht steht.

Wie hättet ihr an meiner Stelle reagiert?

Neues von Fotolia: Steuern, Preise und Honorare

Alles neu macht diesmal nicht der Mai, sondern der Januar.

Bei der Microstock-Bildagentur Fotolia gibt es gleich drei – mehr oder weniger erfreuliche – Nachrichten zum Jahresbeginn. Wenn die Meldung, dass die Bilder im Fotolia-Portfolio jetzt die 8-Millionen-Marke überschritten haben, mitgerechnet wird, sind es sogar vier Neuigkeiten.

Sparen und recnen

1. Steuern auf US-Verkäufe

Schon im November habe ich hier gemeldet, dass Fotolia wie die Agentur Shutterstock einige Monate vorher das Ausfüllen des W-8BEN-Formulares verlangt, um Steuern von us-amerikanischen Käufern korrekt abrechnen zu können. Zuerst schien es, das sei ausreichend. Aber im Fotolia-Forum schälte sich nun heraus, dass das nicht stimmt. Zur Zeit ist der Stand (nur für deutsche Fotografen gültig) folgender: Wer kein Formular ausfüllt, dem werden von allen Verkäufen 30% Quellensteuer abgezogen. Wer nur das W8-BEN-Formular ausfüllt, dem werden nur auf die US-Verkäufe 30% Steuern abgezogen.

Wer sehen will, wie viel seiner Verkäufe in die USA gingen und wie viel Steuern momentan zurückgehalten werden, kann das im Mitgliedsbereich von Fotolia unter „Statistik“ sehen. Dort gibt es die zwei neuen Auswahl-Möglichkeiten „Einkünfte durch US-Käufer“ und „Summe Withholding Tax“.

Wer verhindern will, dass auf seine US-Verkäufe die Steuern abgezogen werden, der muss zusätzlich zum W8-BEN-Formular eine ITIN (Individual Taxpayer Identification Number) beantragt werden, die dann in das W8-Formular eingetragen wird. Um die ITIN zu erhalten, muss das W7-Formular ausgefüllt werden. Wie das genau steht, steht ausführlich hier. Vermutlich wird auch eine schriftliche Bestätigung der Bildagentur benötigt, warum man die ITIN braucht, deshalb bietet Fotolia an, über das Kontaktformular eine solche Bestätigung anzufordern. Ich habe das gestern gemacht und mal sehen, wann ich diese erhalte.

Übrigens habe ich weitere Informationen von den Fotolia-Mitarbeitern erhalten. Ich zitiere: „Immer auf Deutschland bezogen: Ja, laut Finance Dept wird die ITIN benötigt, um vom Steuerabzug befreit werden zu können. Mit ITIN wird im Falle von Deutschland bei US-Umsätzen nichts (0) abgezogen. Ohne ITIN werden die US-Umsätze besteuert. Jedoch sollten die Abzüge in dem Fall auch gegenüber den deutschen Steuerbehörden anrechenbar sein – denn Steuer wurde bezahlt – und exakt hierfür gibt es das Besteuerungsabkommen zwischen den Ländern.“

Was passiert, wenn die ITIN erst nachträglich eingereicht wird? „Die US Withholding Tax wird auf alle Umsätze ab dem 1. Januar 2010 angerechnet. Mit dem Nachweis der ITIN (neues Formular ausfüllen / ersetzt vorheriges, falls vorhanden) wird der Steuerabzug auf US-Umsätze (im Falle von in Deutschland Steuerpflichtigen) auf 0 gesetzt.“

Ich hoffe, das bringt etwas Klarheit in die Sache.

2. Preiserhöhung

Zum Jahreswechsel hat Fotolia auch die Preise erhöht. Die kleinste Lizenz (XS) ist mit einem Credit unverändert geblieben, alle anderen Lizenzen wurden um 1-3 Credits angehoben. Die XXXL-Lizenz für Bilder über 30 Megapixel fällt weg und wird mit der XXL-Lizenz für Bilder über 16 Megapixel zusammengelegt. Das betrifft vor allem Mittelformat-Fotografen wie Yuri Arcurs oder Illustratoren, die beliebig große Dateigrößen erstellen können.

Credits pro Lizenz alt/neu

  • XS: 1/1
  • S: 2/3
  • M: 4/5
  • L: 5/7
  • XL: 6/8
  • XXL: 7/10
  • XXXL: 8/fällt weg

3. Honoraranpassung

Während die Preiserhöhung eine gute Nachricht ist, folgt nun der saure Apfel. Die Fotografenhonorare wurden „angepasst“. Das ist Orwellsches Neusprech dafür, dass für die meisten Fotografen die prozentualen Honoraranteile sinken. Hier mal der Vergleich:

Fotografenanteil pro Rank alt/neu

  • Weiß: 30/25
  • Bronze: 32/28
  • Silber: 34/31
  • Gold: 36/34
  • Smaragd: 38/37
  • Saphir: 40/40
  • Rubin: 42/43
  • Diamant: 43/46

Für Fotografen mit dem Saphir-Rank (100.000-250.000 Verkäufe) ändert sich nichts, alle mit niederen Rängen erhalten weniger Anteile, die (meines Wissens nur drei) Fotografen darüber erhalten etwas mehr. Es ist natürlich clever, die Preiserhöhung mit einer „Honoraränderung“ zu kombinieren, so wie es auch schon istockphoto, Dreamstime usw. gemacht haben. Aber mir als Fotograf wäre es lieber gewesen, von der Preiserhöhung zu profitieren, ohne Prozente abgeben zu müssen. Unter dem Strich kann es aber passieren, dass die Fotografen trotzdem mehr pro Verkauf verdienen, da sie nur bei den XS-Verkäufen weniger erhalten, bei fast allen anderen aber mehr. Je mehr große Lizenzen gemacht verkauft, desto zufriedener sollte er sein. Nach kann ich diese Aussage nicht mit eigenen Zahlen bestätigen, aber ich hoffe, dass ich in 1-2 Monaten berichten kann, wie sich die Änderungen auf meinen RPI (Return per Image) ausgewirkt haben werden. Mehr Zahlenspiele zu den Änderungen finden sich auch hier in der Microstock-Group.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Alle Informationen (einschließlich der Zitate) sind ohne Gewähr. Ich bin kein Steuerexperte und darf keine rechtlich verbindlichen Aussagen in dieser Hinsicht treffen.

Wie sind Eure ersten Erfahrungen mit den Neuerungen bei Fotolia?

Update 12.01.2010: Fotolia informiert in deren Forum – vorläufig und unter Vorbehalt – dass zur Zeit bei ausgefüllten W8-BEN-Formular doch keine ITIN erforderlich ist.

Nationale Vorlieben von Bildkäufern

Viele wissen, dass bei der Microstock-Bildagentur Fotolia die bestverkauftesten 50 Bilder angezeigt werden können, sortiert nach den Zeiträumen „heute, Woche, Monat, seit Beginn“. Deutlich sichtbar wird so, dass zum einen Gruppen oder Familien sehr beliebt sind, wie diese beiden Fotos:

© pressmaster - Fotolia.com
© pressmaster - Fotolia.com
© Monkey Business - Fotolia.com
© Monkey Business - Fotolia.com

Aber auch 3D-Grafiken mit Konzeptmotiven verkaufen sich wie geschnitten Brot. Bestes Beispiel ist Ioannes Kounadeas, dessen anonyme Männchen bestimmt jeder schon mal gesehen hat:

© ioannis kounadeas - Fotolia.com
© ioannis kounadeas - Fotolia.com

Weniger bekannt ist, dass diese Bestseller auch nach den elf länderspezifischen Seiten der Agentur (plus die EU) sortiert werden können. Das ermöglicht, zu erkennen, welche Bildvorlieben die Käufer in verschiedenen Ländern haben.

Ich habe mal einige Auffälligkeiten zusammengetragen.

USA:

Hier überwiegen zum einen die Business- und Konzeptmotive. Dazu zählen wieder die Männchen von Kounadeas (siehe oben) und auch solche Motive:

© Robert Mizerek - Fotolia.com
© Robert Mizerek - Fotolia.com

Das Foto ist ein gutes Beispiel, wie lokale Besonderheiten die Verkäuflichkeit eines Motivs bestimmen können. Da die Straßenschilder eindeutig erkennbar den US-Standards nachempfunden sind, ist das Foto dort der Renner, auf allen anderen Länderseiten von Fotolia zählt das Foto jedoch nicht zu den bestverkauftesten. In dem Fall ist es dem Produzenten bei trotzdem über 700 Downloads sicher egal, aber es zeigt, was eine Rolle spielen kann.

UK:

Generell ähneln die Bestseller in der UK denen in den USA. Viel Business, noch mehr von Kounadeas‘ Männchen. Aber auch hier gibt es das eine regionale Top-Foto, was in anderen Ländern weniger gut läuft:

© Joe Gough - Fotolia.com
© Joe Gough - Fotolia.com

Der Grund liegt wieder in den typischen Eigenheiten des Landes. Diese Art der Bebauung ist dort am verbreitetsten, das Foto entstand auch in Großbritannien und dort wird es dann benutzt. Für Reiseführer ist es nicht spannend genug, aber für Broschüren von Immobilienmaklern oder zur Illustration von Artikeln über die Immobilienkrise ist das Foto ideal.

Deutschland:

Deutschland wird alt. Bei keinem der anderen Länder sind Seniorenfotos in den Top 50. Auf der deutschen Seite jedoch gibt es gleich drei Fotos von alten Menschen, zum Beispiel diese beiden:

© absolut - Fotolia.com
© absolut - Fotolia.com

Auch stilisierte Öko-Fotos von total unberührter Natur sind hier häufiger zu finden. Das Foto wurde über 1200 mal runtergeladen, aber vor allem in Deutschland:

© Hubert Körner - Fotolia.com
© Hubert Körner - Fotolia.com

Spanien:

Was für eine Überraschung: Das Land im Süden Europas ist das einzige, welches eine Südfrucht als Topseller präsentiert. Diese Orange findet sich bei den anderen Ländern nicht in der Liste:

© volff - Fotolia.com
© volff - Fotolia.com

Woran das liegt? Wahrscheinlich benutzen viele Orangen-Anbauer so ein Foto für ihre Werbebroschüren und Webseiten, mit denen sie ihre Früchte an Großhändler oder Endkunden verkaufen.

Frankreich:

Das inoffizielle Motto des Landes „Laissez Faire“ (Machen lassen) spiegel sich in der Beliebtheit der Bilder wieder. Gefragt sind in Frankreich sehr ruhige, grüne Fotos, aber auch meditative, ja zen-artige Fotos wie dieses:

© Maceo - Fotolia.com
© Maceo - Fotolia.com

Italien:

Achtung, Klischees! Woran denkst Du beim Wort „Italien“? Richtig! Gutes Essen. Darum sind auch diese beiden Fotos in Italien so beliebt, die auf keiner der anderen Länder-Top-Listen erscheinen:

© wilderness - Fotolia.com
© wilderness - Fotolia.com
© Tomo Jesenicnik - Fotolia.com
© Tomo Jesenicnik - Fotolia.com

Viele verschiedene Lebensmittel, liebevoll arrangiert, üppig und appetitlich fotografiert. Ich frage mich, wie viele Restaurants dort mit diesen Fotos werben?

Portugal:

Bei Portugal gibt es drei Motive, die sich sehr gut verkaufen: Gesunde Lebensmittel, das heißt, solche Fotos wie bei Italien, nur mit Obst und Gemüse, große Menschengruppen und Wellness/Strand-Motive. Letzteres hängt sicher mit der örtlichen Tourismus-Industrie zusammen. Ihr wißt schon: Den ganzen Tag am Strand liegen und sich danach massieren lassen.

© Dash - Fotolia.com
© Dash - Fotolia.com

Polen:

Noch mehr als die Portugiesen lieben die Polen große Menschenansammlungen. Keine Ahnung, warum:

© Kurhan - Fotolia.com
© Kurhan - Fotolia.com

Ebenfalls beliebt sind eher konservative Vektoren-Ornamente.

Brasilien:

In Brasilien sind strahlende Zahnreihen in lachenden Mündern und Gesichter von brünetten Frauen der Renner. Gleich fünf Fotos davon finden sich hier in den Top 50. Fast alle davon tauchen auf den anderen Länderseiten nicht auf:

© T.Tulic - Fotolia.com
© T.Tulic - Fotolia.com

Ob das was mit dem Karneval in Rio zu tun hat? Noch eine Kuriosität am Rande: Auch ein Brötchen- und Bambusfoto laufen hier besser als anderswo.

Japan:

Nun gut, es ist keine Überraschung, dass in Japan eher japanisch aussehende Frauen verkauft werden. Die vielen Blumenbilder sind jedoch nicht ganz so naheliegend.

© chinatiger - Fotolia.com
© chinatiger - Fotolia.com

Ganz befremdlich hingegen finde ich die fliegende Kuh, die in Japan der Hit ist. Hat da jemand eine Erklärung? Gibt es einen populären Manga damit?

China:

Wer nach Japan denkt, er wüsste, was nun kommt, hat sich getäuscht. Fotos von Chinesen finden sich nicht in der chinesischen Top-Verkaufsliste. Dafür ein Foto von Menschen beim Oktoberfest. Außerdem Geschenke, Schleifen, Schoko-Täfelchen. Und Schuhe. Viele Schuhe:

© Anna Golubeva - Fotolia.com
© Anna Golubeva - Fotolia.com

Außerdem ist der Öko-Gedanke stark ausgeprägt. Es gibt viele Fotos von Weltkugeln und grünen Konzepten in der Liste. Oder eine Kombination aus beidem:

© lapie - Fotolia.com
© lapie - Fotolia.com

EU:

Yep, Europa wächst zusammen und heraus kommt ein bürokratisches Ungetüm. Fotolia hat im Zuge des Erstarkens des Europäischen Parlaments eine eigene „Landing-Page“ für die Europäer erstellt. Und was kaufen die? Fast nur Kounadeas‘ Männchen:

© ioannis kounadeas - Fotolia.com
© ioannis kounadeas - Fotolia.com

Oder notfalls andere Business-Konzepte. Diese anonymen 3D-Figuren haben den großen Vorteil, dass sich keine europäische Nation benachteiligt fühlen kann, wie es bei zu hellen oder zu dunklen Hautfarben der Fall wäre. So gesehen schon clever.

Was für regionale Unterschiede habt ihr feststellen können?