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Der Sinn ähnlicher eigener Bilder

Wer wie ich sei­ne Bilder und Arbeitsweise öffent­li­ch zur Schau stellt, muss mit Kommentaren rech­nen. Die sind mal nett, mal hilf­reich und manch­mal auch nur bos­haft.

Letzteres vor allem dann, wenn ich stell­ver­tre­tend als Ventil für den Frust tra­di­tio­nel­ler Macrostock-Fotografen auf die Microstock-Bildagenturen her­hal­ten muss. So neu­li­ch wie­der bei einer Diskussion im Foto-Talk-Forum gesche­hen. Aber ich will nicht zurück­kei­fen, son­dern lie­ber einen Denkfehler auf­zei­gen.

Hier mal ein Ausschnitt der Vorwürfe des – anonym blei­ben­den – Fotografen:

Vielleicht bin ich aber auch nur unge­eig­net, zw. den doch recht ähn­li­chen Bildern einen Unterschied zu erken­nen?

http://de.fotolia.com/id/24784423
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Ich kann aber zäh­len: „Mann“ und „Bilderrahmen“ in Robert Kneschkes Portfolio erge­ben 12 Downloads. Nimmt man noch „Frau“ und „Bilderrahmen“ dazu, kommt ein wei­te­rer Download hin­zu, also 13 Downloads. Der Rahmen ist sehr wahr­schein­li­ch noch immer nicht refi­nan­ziert, aber macht es des­halb Sinn, noch mehr Bilder mit einem Kopf im selbst gehal­te­nem Bilderrahmen zu machen?“

Dieser Beitrag ist inter­es­sant, weil er sich gut eig­net, ein nütz­li­ches Prinzip der Stockfotografie, spe­zi­ell der Microstock-Fotografie zu illus­trie­ren. Das Prinzip der Serie.

Wer sich nicht die Mühe machen will: Die Links zei­gen Frontalaufnahmen von Männern, die durch den glei­chen lee­ren Holzbilderrahmen schau­en. Die Fotos unter­schei­den sich nur durch die Wahl des Models, ansons­ten sind sie iden­ti­sch.

Ist das sinn­voll? Der anony­me Fotograf bezwei­felt das.
Ich sage: Doch, es ist sinn­voll.

Aus zwei Gründen:

1. Kunden kau­fen ger­ne Bildserien. Wer einen Flyer, eine Webseite oder einen Artikel in einer Zeitschrift illus­trie­ren will, möch­te ger­ne einen homo­ge­nen Look haben. Da bie­tet es sich an, meh­re­re Bilder des glei­chen Fotografen zu neh­men. Beispiele gefäl­lig?

Das funk­tio­niert natür­li­ch auch mit ande­ren Motiven:

2. Bildagenturen haben unter­schied­li­che Sortierungsalgorithmen, die Faktoren wie Downloads und Alter unter­schied­li­ch berück­sich­ti­gen. Zum Beispiel ist die Suchmaschine der Bildagentur Shutterstock sehr dar­auf aus­ge­rich­tet, neue Bilder vor­ne zu zei­gen, weil sie durch ihr Abo-Modell vie­le Stammkunden haben, die älte­re Bilder schon ken­nen. Wer da ähn­li­che Bilder neu ein­stellt, kann davon pro­fi­tie­ren.

Ähnlich ist es bei Dreamstime, aber aus ande­ren Gründen: Dort wird ein Foto umso teu­rer, je öfter es ver­kauft wur­de. Einige Kunden neh­men höhe­re Preise in Kauf, weil sie wis­sen, dass sie dadurch „eta­blier­te“ Fotos erwer­ben, ande­re Kunden sor­tie­ren die Suchergebnisse gezielt nach Preis, um die güns­tigs­te Variante zu fin­den. Wenn ich ein gut ver­käuf­li­ches Motiv mehr­mals foto­gra­fie­re, kann ich bei­de Käuferschichten anspre­chen.

Fairerweise muss ich erwäh­nen, dass zuviel ähn­li­che Bilder auch nach­tei­lig wir­ken kön­nen. Ein wei­te­rer Faktor bei der Sortierung der Suchergebnisse ist – je nach Agentur – auch das Verhältnis zwi­schen Klicks und Verkäufen. Je mehr ähn­li­che Fotos ein Fotograf anbie­tet, desto mehr Klicks erhält er, da der Kunde mehr Auswahl hat. Im Verhältnis dazu erzielt er aber weni­ger Verkäufe, da die meis­ten Käufer nur eine bestimm­te Anzahl an Bildern brau­chen und sich nicht plötz­li­ch für die dop­pel­te Menge ent­schei­den, nur weil sie mehr Auswahl haben. Das kann sich nega­tiv auf die Positionierung der eige­nen Fotos bei den Suchergebnissen aus­wir­ken.

Unter dem Strich stimmt es des­halb, dass ein Fotograf mög­lichst unter­schied­li­che Motive im Portfolio haben soll­te. Die Unterschiede müs­sen aber nicht unbe­dingt bei den Requisiten zu sehen sein, son­dern auch Alter, Gender und Anzahl der Models, Kleidung oder Locations kön­nen vari­ie­ren und zu ande­ren Fotos füh­ren. Sonst könn­te ich auch behaup­ten, ein Fotograf, der nur „Fashion-Fotos“ macht, mache immer das Gleiche… 🙂

Ich hat­te mir vor­ge­nom­men, nicht dar­auf ein­zu­ge­hen, aber da die Argumentation des anony­men Fotografen am Ende etwas hinkt, will ich noch sei­ne Rechnung ver­bes­sern.

Erstens: Der Rahmen hat mich auf dem Flohmarkt einen Euro gekos­tet. Das hat­te ich nach dem Verkauf einer S-Lizenz bei Fotolia wie­der drin.

Zweitens: Hätte der Herr nicht nach“ Bilderrahmen“, son­dern nur nach „Rahmen“ und Mann bzw. Frau gesucht, hät­te er einer­seits deut­li­ch mehr Bilder gefun­den (was für sein Argument sprä­che), ande­rer­seits aber auch viel mehr Downloads bemer­ken müs­sen (was gegen sein Argument spricht). Dazu kommt, dass ich die Fotos nicht nur bei einer, son­dern bei vie­len Bildagenturen anbie­te.

Einem wei­te­ren Zitat aus oben ver­link­ter Diskussion kann ich des­halb nicht zustim­men:

Der Link zu RK [Robert Kneschke] und das Beispiel dien­te doch ledig­li­ch der Demonstration wie man es nicht braucht und auch nicht als Lehrstoff ver­brei­ten soll­te.“


Was meint ihr? Was spricht für und gegen ähn­li­che Bilder im eige­nen Portfolio?

Stockfotos kaufen: Erweiterte Lizenz

Weiter geht es mit der Machete durch den Stockfotografie-Dschungel, um Licht ins Dunkel der Lizenztücken zu brin­gen.

In die­ser Folge geht es um die Unterschiede zwi­schen einer „ein­fa­chen“ und einer „erwei­ter­ten“ Lizenz.

Geschenke vergleichen

Einschränkungen bei „Einfacher“ vs. „Erweiterter“ Lizenz

Viele Bildagenturen bie­ten Fotos in allen mög­li­chen Größen an und zusätz­li­ch in je zwei ver­schie­de­nen Lizenzarten: Die güns­ti­ge „ein­fa­che Lizenz“ (oder Standardlizenz, Basic License, etc.) und die teu­re­re „Erweiterte Lizenz“ (oder Merchandising-Lizenz, Extended Licence, etc.). Grob gespro­chen: Wer etwas mit einem Foto als Hauptbestandteil des Produkts (Poster, Postkarten, T-Shirts, Kalender, …) wei­ter­ver­kau­fen will, braucht eine Erweiterte Lizenz.

Wenn das Foto selbst Teil eines Produkts wird, was ver­kauft wird, reicht nicht mehr die ein­fa­che Lizenz aus. Wer etwas ver­kau­fen will, was vor allem durch das Bild zur Ware wird, braucht die Erweiterte Lizenz. Übliche Produkte sind da Kalender, T-Shirts, Poster, Mouse-Pads, Tassen, Postkarten (auch E-Cards), Leinwände, Webseiten-Templates, Bildbände und so wei­ter.

Die Nutzung zur Verkaufsförderung selbst ist meist durch die ein­fa­che Lizenz gedeckt. Wenn eine Firma bei­spiels­wei­se Stockfotos für einen Werbekalender kauft, den sie an gute Kunden ver­schenkt, ist das okay. Soll der Kalender ver­kauft wer­den, wird die Erweiterte Lizenz benö­tigt.

Anderes Beispiel: Wer ein Foto kauft, um es als Werbeplakat für ein Produkt auf­hän­gen zu las­sen, dem reicht meist die ein­fa­che Lizenz – vor­aus­ge­setzt, er hält die Auflagenbeschränkungen der Bildagenturen ein. Wer ein Foto jedoch als Poster dru­cken und ver­kau­fen will, sei es auf Kunstmärkten oder über Online-Poster-Shops, benö­tigt die erwei­ter­te Lizenz.

Da sich die­se Lizenzbedingungen je nach Agentur etwas unter­schei­den, hilft auch hier im Zweifel ein Blick in den Lizenzvertrag der Bildagentur.  Einige Bildagenturen begren­zen bei der ein­fa­chen Lizenz auch die Auflagenhöhe, mit der ein Foto gedruckt wer­den darf. Bei istock­pho­to liegt die Grenze zum Beispiel bei 500.000 Stück, ab der eine Erweitere Lizenz nötig wird. Ein Buch oder eine CD oder DVD mit einem Stockfoto auf dem Cover darf mit der ein­fa­chen Lizenz also bis 500.000 gedruckt wer­den, dar­über hin­aus wäre die Erweiterte Lizenz fäl­lig.

Auch wer die Erweiterte Lizenz kauft, darf das Foto selbst trotz­dem nicht wei­ter­ver­kau­fen, z.B. digi­tal über Bildagenturen. Auch die übli­chen Einschränkungen gel­ten sowohl für die ein­fa­che als auch die erwei­ter­te Lizenz.

Übrigens: Das obi­ge Foto kann hier exklu­siv lizen­siert wer­den.

Antworte dem Fotograf: Erste Bildagentur-Erfahrungen

Seit einem hal­ben Jahr beant­wor­te ich in mei­ner Blog-Rubrik „Frag den Fotograf“ Fragen mei­ner Leserinnen und Leser. Umso mehr freut es mich, dass ich letz­te Woche die ers­te Antwort bekom­men habe von der Fotografin, mit der ich die Rubrik gestar­tet hat­te. Sie bat mich hier um Hilfe bei der Agentursuche. Meine Tipps haben gehol­fen und ich möch­te Ihre Mail mit Euch tei­len.

Vielleicht erin­nern Sie sich? Am 15.01. haben Sie in Ihrem Blog mei­ne Frage nach best­mög­li­cher Vermarktung von Tier- und Kinderfotos vero­ef­fent­licht (RM oder RF)? Hier mei­ne Zwischenbilanz und was ich aus den hilf­rei­chen Anregungen für mich so „gezo­gen“ habe:

Die Tierfotos gehen fast aus­schliess­li­ch an eine spe­zi­el­le Tierfotoagentur. Dort habe ich auf Anhieb auch gleich eini­ge wirk­li­ch gute Verkäufe (Kalenderbilder) erzie­len koen­nen. Zur Zeit hal­te ich es so, dass ich mir beim Shooting gegen Preisnachlass eine Freigabe unter­zeich­nen las­se und die Fotos direkt beim Sichten aus­wäh­le und auf den Server der Agentur lade. So lan­den die Fotos zeit­nah dort und der „Stock“ wächst und wächst 🙂 Diese Agentur ver­mark­tet RM.

Meine Kinderfotos zei­gen ent­we­der mei­ne Kinder oder ich mache inzwi­schen Shootings direkt für den „Verkauf“ mit ent­spre­chen­der Freigabe gegen Fotos (TfP).  Diese gehen über­wie­gend in den Microstock-Bereich, wobei sich dies momen­tan noch auf 2–3 Agenturen beschränkt, da ich zeit­li­ch mehr nicht schaf­fe. Ich bin ja selbst noch im Babyjahr und mit zwei Kleinkindern „eigent­li­ch“ voll aus­ge­las­tet.

Interessant fin­de ich den anschei­nend sehr unter­schied­li­chen Geschmack des deut­schen und des ame­ri­ka­ni­schen Marktes:

In „good old ger­many“ ver­kau­fen sich  – zumin­dest ich – eher „natür­li­che“ Fotos, wobei es in Amerika ger­ne schon mal ein wenig „kit­schig“ sein darf. Hier ein Foto, das sich in Deutschland wirk­li­ch gut ver­kauft:

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Das glei­che Foto hat bei einer ame­ri­ka­ni­schen Agentur noch „nix“ gebracht. Hier ein Foto, das wie­der­um in Amerika gut geht, in Deutschland aber ein Ladenhüter ist:

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Am Model kann es nicht lie­gen, ist näm­li­ch das glei­che, mein süs­ser  Samuel 🙂

Erstaunlich ist auch, das eine gros­se ame­ri­ka­ni­sche Agentur Fotos ablehn­te, die sich hier schon defi­ni­tiv „gut“ ver­kauft haben. Die Geschmäcker schei­nen zumin­dest bei der Baby-/Kinderfotografie doch sehr unter­schied­li­ch zu sein.

Sobald mei­ne Zeit es zulässt, pla­ne ich eine regel­mäs­si­ge Belieferung der ein­zel­nen Agenturen in fol­gen­der Aufteilung:

Baby-/Kinderfotos – Microstock bzw. Macrostock (nie­mals jedoch aus dem glei­chen Shooting gemischt!)
Tierfotografie – spe­zi­el­le Tierfotoagentur als RM
Szenen des täg­li­chen Familienlebens (davon gibt es hier ja mit zwei Kindern und zwei Hunden genug) – Microstock“

Habt ihr ähn­li­che Erfahrungen mit den Unterschieden des deut­schen und us-amerikanischen Marktes machen kön­nen?

Mehr Unterschiede zwischen Microstock- und Macrostock-Agenturen

Vor knapp zwei Wochen habe ich mich in einem Blogbeitrag damit beschäf­tigt, „Was Macrostock-Bildagenturen von Microstock unter­schei­det“.

Auswahl treffen
Der Kieler Fotograf Olaf Bathke hat in sei­nem Blog eine sehr lesens­wer­te Antwort geschrie­ben mit „13 Gründen, war­um Macrostock-Agenturen nicht aus­ster­ben“. Sein Text ist des­halb inter­es­sant, weil er im Gegensatz zu mei­nem Artikel, der eher die Kundenseite betont, die Sicht der Fotografen for­ciert. Seine 13 Punkte las­sen sich grob zu drei Punkten zusam­men­fas­sen.

1. Service
Fotografen haben bei Macrostock-Agenturen Gesprächspartner, die sie anru­fen kön­nen und von denen sie nicht per Mail vor­ge­fer­tig­te Textbausteine oder gar kei­ne Antwort bekom­men. Außerdem lie­fern Macrostock-Bildagenturen Ideen für gut ver­käuf­li­che Stockfotos. Zitat Olaf Bahtke: „Ich bevor­zu­ge eine ange­neh­me Gesprächskultur und möch­te nicht nur ein Rädchen in einem unüber­sicht­li­chen Getriebe sein.

2. Themenauswahl
Bei Macrostock-Agenturen wird mehr in „Bildstrecken“ gedacht. Außerdem tra­gen Macrostock-Fotografen weni­ger dazu bei, dass die Bilderflut uner­träg­li­ch wird. Zusätzlich wer­den Themen und Stile ange­nom­men, die bei Microstock-Agenturen als zu abs­trakt, avant­gar­dis­ti­sch oder expe­ri­men­tell abge­lehnt wer­den. Zitat Olaf Bathke: „Kreativität und Individualität las­sen sich schwer Verschlagworten, sie gehen mit Größe eines Fotostocks unter.

3. Preis
Bei den teu­ren Bildagenturen ver­dient ein Fotograf mehr. Für die Microstock-Preise will ich mei­ne Fotos nicht anbie­ten. Zitat Olaf Bathke: „Meine Erlöse in Makroagenturen sind höher, als in ande­ren Agenturen.

Wer auf­ge­passt hat, merkt, dass zwei der drei Punkte auch aus Kundensicht aus­schlag­ge­bend für die Wahl einer Macrostock-Bildagentur sind: Themen und Service. In bei­den Punkten stim­me ich Olaf zu.

Dem Preis-Aspekt sehe ich dif­fe­ren­zier­ter. Auch ich habe mich lan­ge gewei­gert, mei­ne Fotos zu Microstock-Preisen zu ver­kau­fen. Aber ich woll­te mich nicht mehr auf die Verkaufszahlen in diver­sen Microstock-Blogs ver­las­sen, um ein­schät­zen zu kön­nen, ob die­se Sparte lukra­tiv wäre oder nicht. So habe ich zwei nor­ma­le Fotosessions genom­men, die ich son­st den teu­ren Bildagenturen ange­bo­ten hät­te und ver­kauf­te sie über Microstock-Bildagenturen. Nach ca. acht Monaten habe ich nun genug Zahlen, um mei­ne Einkünfte aus teu­ren mit denen aus Microstock-Bildagenturen ver­glei­chen zu kön­nen. Das Ergebnis: Der RPI, also der Umsatz pro Bild ist fast gleich. Zu berück­sich­ti­gen ist, dass die Lebenszeit von Fotos bei tra­di­tio­nel­len Stock-Agenturen durch­schnitt­li­ch bei fünf Jahren liegt, wäh­rend sie der Microstock-Experte Yuri Arcurs bei Microstock-Bildagenturen auf zwei Jahre schätzt.

Ein Grund, war­um vie­le pro­fes­sio­nel­le Fotografen kei­nen Erfolg in Microstock-Agenturen haben, wird hier gut zusam­men­ge­fasst. Man beach­te vor allem Punkt 9 und 10. Da eta­blier­te Fotografen Microstock skep­ti­sch gegen­über ste­hen, tes­ten sie die Verkäufe mit ihren Bildern „zwei­ter Wahl“ und freu­en sich dann, dass ihre ver­mu­ten zutref­fen: Die ver­kau­fen ja nicht so gut. Auch ande­re pro­fes­sio­nel­le Macrostock-Fotografen machen gute Erfahrungen mit Microstock-Agenturen.

Aber zurück zum Thema.

In den Kommentaren zu mei­nem ers­ten Artikel hieß es auch, dass die Qualität unter­schied­li­ch sei. Das stimmt mitt­ler­wei­le jedoch nur noch in Bezug auf ori­gi­nel­le, unge­wöhn­li­che Motive und Bildsprachen. Mangelnde tech­ni­sche Qualität war bei Microstock-Bildagenturen vor allem ein Anfangsproblem, aus dem die Agenturen schnell raus­ge­wach­sen sind. Während es bei Microstocks aber oft heißt „abge­lehnt wegen gerin­ger Verkaufschancen“ mein­te vor eini­gen Monaten eine Bildredakteurin zu mir „Das Foto von Dir fin­de ich sehr span­nend, aber lei­der wüß­te ich nicht, wer das kau­fen könn­te. Ich neh­me es trotz­dem mal, weil es sel­ten ist“. Bisher hat es sich noch nicht ver­kauft, aber wenn ein Kunde so ein Motiv sucht, wird er es nur in der Macrostock-Agentur fin­den.

Olaf hat des­we­gen auch einen Denkfehler in sei­nen Argumenten. Er schreibt:

10. Ich möch­te auf Dauer nicht in den Bilderfluten unter­ge­hen, die wie unkon­trol­lier­ba­re Krebsgeschwüre anwach­sen.

Angenommen, jeder Fotograf schickt jedes Foto, was er bis­her einer Microstock-Bildagentur geschickt hat, an eine teu­re Macrostock-Bildagentur. Was wür­de pas­sie­ren?

1. Die Kapazitäten der Agentur wür­den für die­sen Ansturm nicht aus­rei­chen. sie wäre voll­kom­men über­for­dert.

2. Die Agentur bräuch­te nicht so vie­le Fotos, weil sie nicht so viel ver­kau­fen muss, um Gewinn zu machen.

Das erklärt auch den Erfolg der Microstock-Agenturen. Sie haben den Bildermarkt einer Käuferschicht eröff­net, die es sich bis­her nicht leis­ten konn­te, Fotos zu kau­fen. Wer als Fotograf nun sagt, „Tja, ihr armen Schlucker, habt ihr Pech gehabt, mei­ne Fotos sind mehr wert“, der denkt mei­nes Erachtens zu eli­tär. Das Problem ist eher, dass jetzt auch die zah­lungs­kräf­ti­gen Kunden in der Lage sind, Geld zu spa­ren, mit dem sie vor­her die krea­ti­ven Fotografen sub­ven­tio­niert haben.

Die Bildermassen aus dem Beispiel wür­den eine Macrostock-Agentur aber schon des­halb nicht errei­chen, weil sie Fotografen oft nur sehr selek­tiv auf­neh­men. Dabei ist es dem Kunden meist egal, ob der Fotograf, der die­ses coo­le Fotos gemacht hat, was auf den Titel soll, noch 10 ande­re oder 1000 ande­re bei der Agentur hat. Die Agenturen leh­nen nicht nur wegen man­geln­der Qualität Fotografen ab, son­dern auch wegen des hohen Arbeitsaufwands, den Fotografen ver­ur­sa­chen, die nur weni­ge Fotos im Jahr lie­fern.

Hier kön­nen bei­de Seiten von­ein­an­der ler­nen.

Wie mein obi­ges Beispiel andeu­tet, man­gelt es vie­len Macrostock-Agenturen an einer star­ken tech­ni­schen Grundlage. Viele Microstock-Agenturen sind von Leuten gegrün­det wor­den, für die Computer ihr  Lebensinhalt sind. Die Macrostock-Agenturen haben den Wandel von der Analogfotografie zur Digitalfotografie eher schlep­pend und mür­ri­sch voll­zo­gen. So sehen die Webseiten und Fotografen-Bereiche der Agenturen auch aus: Altmodisch und funk­ti­ons­los. Viele Microstock-Seiten hin­ge­gen bie­ten umfang­rei­che Stapelverarbeitungs-Möglichkeiten und Statistik-Funktionen an. Kein Wunder, leben sie bei den nied­ri­gen Preisen doch von der Masse.

Hier will ich mehr! Ich will auch bei mei­nen teu­ren Agenturen auf einen Blick sehen kön­nen, wie viel ich pro Verkauf durch­schnitt­li­ch ver­die­ne, wie mei­ne Ablehnungsquoten sind und vie­les mehr. Außerdem ver­setzt eine gut struk­tu­rier­te Technik die Bildagenturen in die Lage, Arbeitsabläufe effek­ti­ver zu gestal­ten. Dann bräuch­ten Fotografen nicht mehr aus ver­wal­tungs­tech­ni­schen Überlegungen abge­wie­sen wer­den.

Doch auch anders­rum gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. Wenn Microstock-Bildagenturen von der Masse leben, kann es nicht scha­den, exo­ti­sche­re Fotos ins Programm zu neh­men, Fotos mit tech­ni­schen Fehlern, die absicht­li­ch da sind, um die Bildaussage zu stei­gern. Das stur­re Beharren auf tech­ni­sche Perfektion führt zu die­ser ste­ri­len Kälte, die Bildkäufer abschreckt.

Auch die Kommunikation ist oft ver­bes­se­rungs­wür­dig. Ich ver­ste­he, dass eine Agentur mit zehn­tau­sen­den Fotografen kei­ne Hotline ein­rich­ten kann. Aber eine Massenmail vor wich­ti­gen Änderungen in der Bildagentur erwar­te ich schon.

Der Markt ist für Bildagenturen in allen Preissegmenten groß genug. Die Herausforderung ist nur, die rich­ti­gen Bildkäufer in das rich­ti­ge Segment zu schi­cken und Abwanderungen in Richtung „bil­lig“ zu ver­mei­den.

Ich gebe den Ball wie­der ab. Was sagt ihr zu Olafs und mei­nen Ansichten?