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Stockfotografie-News 2015-01-16

Willkommen zu den ersten Stockfotografie-News des neuen Jahres.

Die gesammelten Tipps und Infos sind oft schon aus dem letzten Jahr, aber wegen eines Rechtstreits bin ich in den letzten Wochen leider nicht dazu gekommen, diese schon früher für euch in eine lesbare Form aufzubereiten.

Wer schneller über solche Infos wie unten informiert sein will, kann meine Facebook-Seite abonnieren, wo ich viele dieser Infos zwischendurch veröffentliche.

Aber jetzt geht’s los:

  • Ganz frisch, erst gestern rein: Die Bildagentur Shutterstock hat gleich zwei Zukäufe getätigt: Die Agentur Premium Beat für 38 Mio USD, um besser im Musikbereich mitmischen zu können und Rex Features für 33 Mio USD, um mehr redaktionelle Bilder anbieten zu können. Der Markt bleibt sehr turbulent.
  • Wie gründe ich erfolgreich eine Bildagentur? Zu diesem Thema hat der Gründer der Bildagentur Adpic und Anbieter der Agentur-Software xmstore, Martin Baumann, eine sehr lesenswerte Artikelserie zusammengestellt, von der bisher 4 der 10 geplanten Teile online sind.
  • Wo wir beim Thema sind: Wer selbst direkt Bilder verkauft, zum Beispiel über einen Webshop, Symbiostock oder ein WordPress-Plugin, wird vermutlich von der neuen länderspezifischen Umsatzsteuer-Regelung der EU betroffen sein. Viel mehr Infos dazu findet ihr hier zusammengefasst.
  • Die Microstock-Agentur Dreamstime hat ein nettes neues Keyword-Feature eingeführt: Im Bereich, wo die Verkäufe angezeigt werden, wurden bisher ja schon teilweise die Suchbegriffe angezeigt, welche ein Käufer benutzt hat, um das Bild zu finden. Wenn das benutzte Wort noch nicht in den Suchbegriffen des Fotografen enthalten ist, kann dieser es jetzt mit einem Klick auf das schwarze „Plus“-Symbol hinzufügen. Das Ganze sieh so aus:
    dreamstime 15-01-2015 07-52-23
  • Mittlerweile hat die Bildagentur Depositphotos anscheinend Übung darin, die Bildpreise und Fotografenkommissionen nach unten zu drücken. Nach diesem und diesem Versuch hier, kommt nun hier der neue Vorstoß, um diesmal nur 3% Fotografen-Anteil bezahlen zu müssen.
  • Experimentiert ihr mit Luftaufnahmen mittels einer Drohne? Passt auf, dass ihr alle erforderlichen Genehmigungen für kommerzielle Fotografie einholt, sonst ergeht es euch vielleicht wie diesem Fotografen, der nach einem unerlaubten Drohnenflog eine vierstellige Strafzahlung leisten musste.
  • Wie erstellt und postet man am besten virale Bilder, die dann durchs die sozialen Netzwerke fegen? Calvin Hollywood gibt hier [Update: Das Video wurde bei Youtube anscheinend leider entfernt] einige Tipps.
  • Meine Vorhersage in den letzten News hat sich bewahrheitet: Die Konsolidierung der deutschen Bildagentur-Szene ist noch nicht abgeschlossen. Nachdem Panthermedia im Juli die Agentur Digitalstock gekauft hat, hat die Münchener Agentur jetzt im Januar auch die Berliner Agentur Coverpicture gekauft, welche vor allem im redaktionellen Bereich ihre Stärke hatte. Den Fotografen wird angeboten, ihre dort vorhandenen Bilder entweder zu Panthermedia zu übertragen oder zum 1. April 2015 löschen zu lassen. Ich habe mich für letzteres entschieden, weil meine Bilder sowieso schon bei Panthermedia sind.
  • Nachdem die Bildagenturen ihre Erfahrungen sammeln konnten, wie der hochpreisige Bildermarkt am besten durch Microstock-Preise ersetzt werden konnte, scheint diese Entwicklung im Video-Bereich deutlich schneller zu laufen. Shutterstock bietet jetzt über deren Tochteragentur Bigstock testweise Video-Pakete im Abo für bis zu 0,07 Euro-Cent pro Video an. Immerhin scheint von Anbieter-Seite ein aktiver „Opt-In“ erforderlich gewesen zu sein. An anderer Front drückt Videohive vom Agenturkonglomerat Envato die Preise für HD-Videos auf 6 US-Dollar. Ein winziger Lichtblick: Der Download eines HD-Videos bei Fotolia zählt jetzt wie 5 Downloads, womit vor allem Leute mit vielen Videos im Portfolio vielleicht etwas schneller im Ranking steigen können.
  • Autsch: Die Rating-Agentur Moodys senkt den Ausblick für Getty Images von „stabil“ auf „negativ“, die volle Begründung ist hier nachlesbar. Versucht beim Lesen einfach mal, das Wort „Midstock“ durch „iStock“ zu ersetzen.
  • Der Microstock-Fotograf Joshua Resnick wird aktuell von einem seiner Models verklagt, weil Bilder des Models in pornografischen Zusammenhängen aufgetaucht sind. Je nach Quelle reicht die Schadenssumme von einer fünfstelligen bis sechsstelligen Summe. So wie sich der Fall darstellt, halte ich den Fall für eher haltlos, aber wer des öfteren Dessousfotos mit Models macht, sollte ein Augenmerk darauf richten, wie der Prozess ausgehen wird. Die Klageschrift kann hier als PDF eingesehen werden, der verwendete Model-Vertrag hier.
  • Bei iStock gibt es einige wichtige finanzielle Änderungen: Ab 2015 muss jeder, welcher eine Doppelbesteuerung vermeiden will, ein Steuer-Interview ausfüllen, wie es auch schon von Shutterstock und Fotolia verlangt wurde. Außerdem wird der Verdienst monatlich ausgezahlt, wenn mindestens 100 USD verdient wurden. Alle Details hier.
  • Seit November schon werden alle Bilder, die bei Panthermedia im Abo vertrieben werden, automatisch auch bei Vertriebspartnern im Abo angeboten. Wer das nicht will, muss Abos komplett in der Rechteverwaltung deaktivieren.
  • Noch was für’s Auge: Sehr schöne Luftaufnahmen von New York City bei Nacht gibt es hier vom Fotografen Vincent Laforet.
  • Zum Schluss noch etwas Lehrreiches: Wie erstellt man „klassisches Rembrandtlicht„? So:

Habe ich etwas vergessen? Dann bitte in den Kommentaren nachtragen.

Die steuerlichen Aspekte der Stockfotografie

Oft werde ich von Fotografen gefragt: Wie machst Du das mit den Steuern?

Beispielhaft hier eine Mail, die ich vor einigen Tagen erhielt:

„Was ich bisher vermisse (Viele Fragen..) oder noch nicht online gefunden habe, sind Tipps/Links zu den ganzen Steuerangelegenheiten oder zur finanziellen Seite, bzw. Auszahlung u.a. bei Fotolia.

Seit ca. einem Jahr bin ich auch erfolgreicher Stockanbieter und möchte demnächst, mich das erste Mal, auszahlen lassen. Dazu schwirren mir viele Fragen im Kopf herum… u.a. wieviel muss ich davon in Deutschland an Steuer abgeben, wieviel darf man monatlich “frei“ verdienen, Steuern/Einnahmen geltend machen… etc. Ich befinde mich dazu in einer Festanstellung in einer Grafikagentur?! Hindernis?
Wie schwierig ist das alles in unserem Land, der u.a. kompliziertesten Steuersysteme, überhaupt?
Was muss ich/sollte ich bei der Auszahlung u.a. per Paypal beachten?
Finde ich dazu Tipps/Hilfen/weitere Links in einen deiner Bücher oder muss/sollte ich mich direkt an das Finanzamt oder einen Steuerberater wenden?
Über eine Antwort/Hilfe dazu, freue ich mich!“

Es gab einen guten Grund, warum darüber bisher in meinem Blog kaum etwas zu lesen war: Ich habe wenig Ahnung davon.


Das meiste lasse ich meinen Steuerberater erledigen. Das halte ich so, seit ich 2006 das erste Mal über 300 Euro im Monat Einnahmen aus Bildagentur-Verkäufen erzielt habe. Glücklicherweise war ich zu der Zeit noch Student und hatte die Gelegenheit, im Rahmen eines Existenzgründerprogramms an der Berliner Fachhochschule für Wirtschaft (FHW, heute HRW Berlin) kostenlos Seminare und Coachings zu erhalten.

Zum Coaching zählten auch mehrere Beratungsstunden bei einer Steuerberaterin, die mir einen Crashkurs in Buchhaltung und Steuerrecht gab, speziell zugeschnitten auf meinen Fall.

Das war das Beste, was mir passieren konnte! Die freundliche Steuerberaterin half mir nicht nur bei der Anmeldung als Freiberufler beim Finanzamt, sondern bewahrte mich auch vor einem folgenschweren Fehler: Das Finanzamt versuchte, mich mit einem Trick zu einer Gewerbeanmeldung zu überreden, die bei mir nicht notwendig war. Meine Steuerberaterin erklärte mir, dass ich kein Gewerbe anmelden müsse, wenn ich ausschließlich vom Verkauf der Fotos über Bildagenturen lebe, weil der Verkauf von Nutzungsrechten nach §18 des Einkommensteuergesetzes problemlos als Freiberufler möglich sei. So muss ich keine Gewerbesteuern zahlen, keinen Gewerbeschein beantragen und habe eine einfachere Buchführung.

Aber auch hier gilt: Das trifft auch meinen Fall zu. Wer beispielsweise regelmäßig Hochzeiten fotografiert oder Portraitfotos verkauft, ist meist gewerbepflichtig. Deswegen werdet ihr auch in Zukunft im Blog keine konkreten Steuertipps von mir lesen, da man die Fälle nicht verallgemeinern kann.

Ich bin sehr froh darüber, kompetente Beratung von Fachleuten zu haben, die sich mit der Materie auskennen. Vor allem weil es eine schwierige Materie ist: Geld verdienen im Internet? Noch dazu mit immateriellen Gütern wie Nutzungsrechten? Weltweit, also in Deutschland, in Europa und im nicht-europäischen Ausland? Da sind sich selbst die Finanzbehörden nicht immer einig, wer wo wann wie viel Steuern zahlen muss.

Klar ist immerhin: Einnahmen müssen gemeldet und versteuert werden. Wer nur unregelmäßig paar hundert Euro im Monat verdient, kann das in seiner Steuererklärung einfach ins Feld „sonstige Einnahmen“ schreiben und fertig. Wer regelmäßig Umsätze bei Bildagenturen hat, kann sich überlegen, ob er als Selbständiger „Kleinunternehmer“ sein will oder nicht. Die „Kleinunternehmerregelung“ kann ein Fotograf nach §19 des Umsatzsteuergesetzes in Anspruch nehmen, wenn er im Vorjahr weniger als 17.500 Euro Umsatz gehabt hat und im laufenden Jahr voraussichtlich weniger als 50.000 Euro Umsatz erzielen wird. Das hat den Vorteil, dass keine Umsatzsteuervoranmeldung gemacht werden muss, hat aber den Nachteil, dass gezahlte Umsatzsteuer, zum Beispiel beim Kauf von Kamera oder Objektiven, nicht zurückverlangt werden kann. Außerdem darf bei gestellten Rechnungen keine Umsatzsteuer aufgeschlagen werden, was für Stockfotografen jedoch nicht relevant ist.

Knackpunkt ist jedoch wieder das „regelmäßig„. Ab wann Einnahmen regelmäßig oder hoch genug sind, kann ich nicht sagen. Wer hier konkrete Zahlen will, muss wirklich das Finanzamt oder seinen Steuerberater fragen.

Ob jemand mit einer Festanstellung überhaupt etwas nebenbei verdienen darf, hängt wieder vom jeweiligen Arbeitsvertrag ab. Im Zweifel einfach den Arbeitgeber fragen, ob man in seiner Freizeit als Nebenbeschäftigung Fotolizenzen verkaufen darf.

Sehr hilfreich zum Einlesen – nicht nur in Steuerfragen – ist das Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft. Dort gibt es zum Beispiel eine Checkliste mit den 6 häufigsten Steuerfehlern von Existenzgründern, einen Überblick, wer wann welche Steuern zahlen muss und auch Tipps für Selbständige in der Kreativwirtschaft. Auch sehr lesenswert ist der „Ratgeber Selbstständige“ von Götz Buchholz, der online kostenlos einzusehen ist und auch viele Kapitel zu Steuerfragen enthält.

Wie immer bei Rechtsthemen der Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr.

Was bereitet euch bei Steuerfragen am meisten Probleme? Was würdet ihr am liebsten wissen? Vielleicht kann ich mal einen Steuerberater o.ä. interviewen.

Fotografen-Einnahmen bei Microstock-Bildagentur Polylooks

Vor ungefähr einem halben Jahr startete die Microstock-Bildagentur der Deutschen Telekom: Polylooks.
Jetzt ist es an der Zeit, kurz zurückzublicken. Wie viel können Fotografen da verdienen? Die bisherige Antwort lautet: Leider wenig.

Seit vier Monaten habe ich ca. 1000 Bilder online. Bisher kann ich 35 Verkäufe verzeichnen, die mir 14,92 Euro gebracht haben. Das macht pro Verkauf 0,42 Euro. Selbst im Vergleich zu den führenden Microstock-Agenturen ist das wenig. Bei iStockphoto und Fotolia erhalte ich umgerechnet ca. 0,75 bis 0,85 Euro pro Verkauf, bei Dreamstime noch 0,53 Euro. Bei allen Agenturen werden sowohl Abo- als auch On-Demand-Downloads angeboten.

polylooks-royalties

Vor wenigen Tagen erzielte ich mit zwei Verkäufen der Bildgröße Small (S) nur je 0,08 Euro. Davor waren meine niedrigesten Anteile 0,14 Euro. Die Mitarbeiter von Polylooks konnten mich über die geringen Summen aufklären. Im September gab es eine große Rabatt-Aktion, bei der Kunden bis 50% Rabatt erhielten. Dieser Rabatt wird jedoch nicht von der Bildagentur getragen, sondern mit den Fotografen geteilt. Das bedeutet, dass ein Kunde beim größten Credit-Paket mit 5000 Credits für knapp 3700 Euro nur 1850 Euro zahlen musste. Das ergibt einen Credit-Wert von 0,37 Euro. Die 35%-Fotografen-Anteil lägen dann bei 0,12 Euro. Mir wurde versichert, dass die 50% Rabatt eine einmalige Aktion zur Markteinführung waren. Hoffen wir es.

Die 8 Cent erklären sich anders. Wenn ein Kunde zum Beispiel ein Drei-Monats-Abo mit 30 Credits pro Tag kauft, kostet das 222 Euro im Monat und damit ca. 7 Euro pro Tag. Ein Credit ist dann 0,23 Euro wert, die 35%-Fotografen-Anteil sind dann 8 Cent. Wenn ein Kunde mehr kauft, könnte der Anteil auf bis zu 6 oder 7 Cent fallen. Da kann ich froh sein, dass der Kunde keine 50% Rabatt erhalten hat.

Fairerweise muss ich anmerken, dass laut Agentur-Aussagen diese Werte nur zustande kämen, wenn ein Kunde sein gesamtes Abo-Kontingent aufbraucht. Sei das nicht der Fall, würden sich z.B. die 7 Euro pro Tag auf weniger Download-Credits verteilen und der Fotografen-Anteil steigen. Das kann ich leider nicht überprüfen, da in der internen Abrechnung für die Polylooks-Fotografen bisher nicht angezeigt wird, ob ein Verkauf auf einem Abo basiert oder nicht. Diese Anzeige-Option wurde als Verbesserungsvorschlag aufgenommen, ich bin gespannt, ob er umgesetzt wird.

Was mich etwas verwundert, ist, dass die Abo-Modelle der Konkurrenz teilweise ähnliche oder niedrigere Preise pro Bild bzw. deren Gegenwert in Credits haben, die Fotografen aber deutlich mehr erhalten. Die Polylooks-Mitarbeiter meinten, dass die Analyse der Preise und Honorare läuft und diese vielleicht angepasst werden. Wann und ob nach oben oder unten, steht noch nicht fest. Die Umsatzsteuer scheint übrigens in den Fotografen-Honoraren schon enthalten zu sein. Wer demnach als freier Fotograf 7% Umsatzsteuer für diese Einnahmen abziehen muss, kann noch geringere Honorare erwarten.

Für mich bedeuten diese einstelligen Abrechnungen, dass ich vorerst keine neuen Fotos zu Polylooks hochladen werde, bis meine dort schon vorhandenen Fotos einen höheren Umsatz pro Verkauf erzielen. Damit meine ich nicht nur die vereinzelten Mini-Abrechnungen, sondern die Durchschnittswerte.

Wie sind Eure ersten Erfahrungen mit Polylooks?