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Pimp Your Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos

Ob ich denn nicht mal…? Ab und zu fra­gen mich ande­re Fotografen, ob ich Ihnen nicht eini­ge Tipps zur Stockfotografie geben kön­ne.

Auch der Fotograf und Leser mei­nes Blogs Christian Rohweder bat mich per Mail, ob ich mal sei­ne Webseite anschau­en und ihm viel­leicht eini­ge Tipps geben könn­te, ob sei­ne Fotos als Stockfotos geeig­net sei­en und was er ver­bes­sern könn­te. Klar kann ich. Aber damit gleich meh­re­re Fotografen etwas davon haben, habe ich beschlos­sen, je nach Nachfrage öffent­li­che Bildbesprechungen anzu­bie­ten.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business-Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­li­ch das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.
Kritisch, ehr­li­ch, sub­jek­tiv.

Los geht’s mit der ers­ten Folge von „Pimp My Stock!

Uhren sind gute Symbole in der Stockfotografie. Hier könn­te der Bildaufbau jedoch durch­dach­ter sein. Die har­te Lichtquelle lässt Stellen am Glas weiß aus­lau­fen und sorgt für einen zu har­ten Schatten. Ein recht­li­ches Problem kann das Design der Uhr sein, hier gilt es auf­zu­pas­sen und im Zweifelsfall beim Hersteller nach­fra­gen oder recher­chie­ren (z.B. beim Deutschen Patent- und Markenamt)

Auch Pinnnadeln sind ein belieb­tes Stockmotiv. Um sol­che Fotos zu ver­kau­fen, sol­len auch die pas­sen­den Konzept-Suchwörter wie Chaos, Unordnung, Vielfalt etc. benutzt wer­den. Das Foto selbst ist jedoch zu hell, hier soll­ten die Mitte in der Tonwertkorrektur nach rechts ver­scho­ben (dunk­ler) wer­den. Bei sol­chen Makroaufnahmen ist wich­tig, dass die Objekte sehr sau­ber sind, was hier nicht ganz der Fall ist.

Hier ist der Name einer Maschinenbaufirma zu sehen, die Teil des Werfenverbundes von ThyssenKrupp Marinesystems AG ist. Die ver­ste­hen da kei­nen Spaß. Ein Fall für den Retuschestempel. Insgesamt ist das Bild aber zu unkom­po­niert und zu dun­kel, rechts sau­fen Bereiche ins Schwarz ab. Besser wäre gewe­sen, mit einem stär­ke­ren Teleobjektiv eine ver­ti­ka­le Aufnahme nur des lin­ken Bereichs zu machen und den Firmennamen weg­zu­stem­peln.

Aaaah, Raps! Der Dauerbrenner unter den Landschaftsaufnahmen, gleich nach Sonnenuntergängen und Bergpanoramen. Die Konkurrenz auf die­sem Gebiet ist schwer. Ich fin­de das Foto aber sehr gelun­gen. Hellblauer Himmel mit viel PLatz für Designer, ihren Text unter­zu­brin­gen. Klarer detail­rei­cher Vordergrund mit pas­sen­dem ruhi­gen Hintergrund und Reduzierung auf zwei sehr kom­ple­men­tä­re Farben. Ich den­ke, dass Verkaufschancen da sind, vor allem mit Suchbegriffen wie „Sommer“ oder „Textfreiraum“ bzw. „Copy Space“.

Schwarz-Weiß-Fotos sind bei Stockagenturen nicht so beliebt. Und ein Propeller als Symbol soll eher „Abenteuer“, „Bewegung“ und „Geschwindigkeit“ ver­mit­teln als Ruhe und Stillstand. Das Foto fin­de ich nicht schlecht, sehe aber nicht vie­le Verkaufschancen.

Eine schlich­te Makroaufnahme, viel­leicht etwas grob­kör­nig bzw. rau­schig, aber mit pas­sen­der Verschlagwortung (Auswahl, Kommunikation, …) sicher ver­käuf­li­ch. Die „Alt“-Schrift und das Symbol dane­ben könn­ten even­tu­ell retu­schiert wer­den, um den Fokus bes­ser auf die „Option“ zu len­ken.

Ähnlich wie die Uhr oben: Der Markenname und die Logos sind bei die­sem Taschenmesser ein gro­ßes „No-Go“! Auch die Komposition ist mei­ner Meinung nach nicht gut durch­dacht. Der Rahmen ist im Original schon ent­fernt worden.D

Die durch Asphalt bre­chen­de Pflanzentrieb ist in der Stockfotografie ein belieb­tes Symbol für Aufbruch, Wachstum, Stärke, Herausfordung und Freiheit. Sprich: Ein uni­ver­sell ein­setz­ba­res Motiv, hier auch gut umge­setzt. Gefällt mir nach dem Rapsfoto am bes­ten. Kleiner Verbesserungsvorschlag: Das Grün sät­ti­gen und beim nächs­ten Mal den Winkel so wäh­len, dass die Triebe sich auf dem Foto nicht über­la­gern, also mehr nach rechts oder links gehen. Die weni­gen losen Steine könn­ten noch retu­schiert wer­den. Trotzdem ein belieb­tes Stockfoto.

Bei dem Füller mit Tintenfass ist im Original die Gravur schon retu­schiert. Das Motiv ist gefragt in der Stockfotografie, aber es gibt bes­se­re Umsetzungen. Die Schatten sind zu hart und der Untergrund nicht hell genug. Verbessern lie­ße sich es auch, wenn der Füller etwas schreibt: Einen Lottoschein ankreuzt, einen Stimmzettel aus­füllt, Termine in einen Kalender schreibt oder schlicht das Wort „Danke“.

Damit bedan­ke ich mich auch beim muti­gen Debütant Christian in der ers­ten Folge von „Pimp My Stock!“ Ich war­te auch Eure Anfragen. Falls ihr wei­te­re kon­struk­ti­ve Anregungen zu obi­gen Fotos habt, freue ich mich auf Eure Kommentare.