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Kreativität in der Fotografie

Vor eini­gen Monaten las ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel mit der Überschrift „Kreativität ist har­te Arbeit“.

Darin fand ich am Ende die­sen Satz, der mir ein­leuch­te­te:
„Fleiß, fach­li­che Expertise, Neugier und Offenheit – das sind die wich­tigs­ten Voraussetzungen für krea­ti­ves Handeln“

Blick durch Daumenloch
Ich fin­de den Satz gut, da er deut­li­ch macht, dass Kreativität nicht „ange­bo­ren“ ist, son­dern das Resultat har­ter Arbeit und ver­schie­de­ner Faktoren. Diese Faktoren spie­len auch in der Fotografie eine Rolle.

Fleiß - Nur wer stän­dig aus­pro­biert, expe­ri­men­tiert und vor allem foto­gra­fiert, wird irgend­wann sei­ne Kamera so im Schlaf beherr­schen, dass bei der zün­de­nen Inspiration sofort reagiert wer­den kann – ohne Blick in die Anleitung oder den Ärger, war­um das schö­ne Foto auf dem Display gelun­gen wirk­te, aber auf dem Computer-Monitor nicht mehr.

Fachliche Expertise – die bekommt man auch nur durch Fleiß. Durch das Lesen vie­ler Fotobücher, die Vergleiche von Fotografien gro­ßer Meister, die Analyse gelun­ge­ner Bilder und mehr.

Neugier – Das ist die Kraft, die einen Fotografen dazu ver­lei­tet, auch mal um ein Motiv her­um­zu­ge­hen, um zu sehen, ob die ande­re Seite nicht foto­ge­ner wäre.

Offenheit – „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist kein Satz, der zu mehr Kreativität füh­ren wür­de. Einfach mal etwas anders machen, zu schau­en, was pas­siert, kann eben­falls inspi­rie­rend sein.

Alle der vier Faktoren kön­nen trai­niert und gepflegt wer­den. Mal den inne­ren Schweinehund über­win­den. Nicht auto­ma­ti­sch „nein“, son­dern auch mal „ja“ sagen.

Ausprobieren.

Kreativ sein.

Schönen krea­ti­ven Sonntag noch.

Musikindustrie vs. Stockfotografie

Wer mei­nen Blog schon eine Weile liest, weiß, dass ich ger­ne die Stockfotografie-Branche mit ande­ren Wirtschaftsbereichen ver­glei­che.

So gab es hier schon Parallelen zur Pornobranche, zum Buchmarkt und der Musikindustrie zu lesen. Ich mache das ger­ne, weil ich glau­be, dass durch die­se Blicke über den Tellerrand Entwicklungen bes­ser ana­ly­siert wer­den kön­nen. Manchmal bin ich aber rat­los.

Straßenmusiker

Im Vergleich zum Buchmarkt zitier­te ich eine Autorin, die sich beklag­te, dass der Trend in ihrer Branche dahin gehe, dass die Schriftsteller nicht nur schrei­ben, son­dern bald auch ver­le­gen und ver­kau­fen müss­ten.

Gestern stand in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel über den Zustand der Musikindustrie, geschrie­ben vom Musiker John Mellencamp.

Darin lamen­tiert er:

Jetzt heißt es, dass sich die Künstler doch selbst dar­um küm­mern sol­len, mit ihrer Musik Geld zu ver­die­nen. Kann man im heu­ti­gen Geschäftsklima von einem Künstler wirk­li­ch ver­lan­gen, dass er sei­ne Stücke kom­po­niert, auf­nimmt, auf­führt, ver­legt und auch noch sei­ne eige­ne Karriere ver­mark­tet? Ich fin­de es immer sehr amü­sant, dass Leute, die in ihrem Leben noch kei­ne Platte auf­ge­nom­men oder einen Song geschrie­ben haben, so viel bes­ser wis­sen, was ein Künstler zu tun hat, als die Künstler selbst.

Angesichts der Tatsache, dass Vollzeit-Stockfotografen schon längst nicht nur Fotografieren, son­dern auch Produzieren, Retuschieren, Verschlagworten und ihre Bilder ver­trei­ben müs­sen, fra­ge ich mich: Sind Stockfotografen die Vorreiter des digi­ta­len Präkariats? Oder ver­die­ne ich nur noch nicht genug, um mir die­sen Stab von Mitarbeitern leis­ten zu kön­nen, den Top-Stockfotografen beschäf­ti­gen und anschei­nend auch vie­le Musiker und Autoren?

Was meint ihr?

Parallelen im Buch- und Bildermarkt

In der Süddeutschen Zeitung wur­de letz­te Woche Mittwoch (11.03.2009) der Artikel „Das Schattenbuch“ der Schriftstellerin Katharina Hagena ver­öf­fent­licht, in dem sie über­legt, was sich für Autoren mit der Einführung von E-Book-Lesegeräten ver­än­dern könn­te.

Neue Lernmethoden

Darin schreibt sie u.a.:

E-Books wer­den das Verlagswesen auf­mi­schen, den Buchmarkt und damit irgend­wann den Autor. […] Wenn Urheberrechte fran­sig und faden­schei­nig wer­den, bie­tet das – aller­dings grob­ma­schi­ge – Internet die Möglichkeit, den Verlag ganz abzu­strei­fen.

Es wird mehr Schriftsteller-Gewerkschaften geben, in denen ver­sucht wird, Gebühren zum Herunterladen der Texte durch- und fest­zu­set­zen. Prominente Autoren wer­den mäch­ti­ger wer­den, weil sie unab­hän­gig von ihren Verlagen agie­ren kön­nen. […] Andererseits wer­den es unbe­kann­te Schriftsteller noch schwe­rer haben, bekannt zu wer­den. Oder bekom­men sie in der Demokratie des Netzes end­li­ch die Chance, ent­deckt zu wer­den?

Ich möch­te mei­ne Bücher mög­lichst nicht im Alleingang ver­öf­fent­li­chen. Selbst nach einem grö­ße­ren, aber jetzt nicht alles um sich her­um platt­wal­zen­den Erfolg ist man min­des­tens ein Jahr lang damit beschäf­tigt, den eige­nen Ruhm zu ver­wal­ten. Das ist sehr schön, es erfüllt einen mit Dankbarkeit, vor allem aber kos­tet es Zeit.“

Ich fin­de ihre Ausführung sehr span­nend, weil sich Parallelen zum Buchmarkt und der Entwicklung von Bildagenturen zie­hen las­sen.

Im Zeitalter der ana­lo­gen Fotografie hat­te jeder Stockfotograf eine enge, auch räum­li­che, Bindung an sei­ne Bildagenturen. Da Negative und Dias pos­ta­li­sch ver­schickt wur­den, war es oft zu teu­er und zu risi­ko­reich, die­se wert­vol­le Fracht an Bildagenturen in Übersee zu lie­fern. Auch die Aufnahme in eine Bildagentur war schwie­ri­ger. Die Agenturen ver­lang­ten einen gro­ßen Vorrat an Stockfotos und stän­dig neue Lieferungen.

Durch das Internet demo­kra­ti­sier­te sich die Branche. Erstmals erlaub­ten die Digitalfotos, dass Fotografen auch weit ent­fern­te Bildagenturen ers­tens über­haupt erst ken­nen lern­ten und zwei­tens auch risi­ko­frei belie­fern konn­ten. Die „Abhängigkeit“ der Stockfotografen von ihren Bildagenturen wur­de gerin­ger. Diese Entwicklung ver­mu­tet auch Frau Hagena im ers­ten oben zitier­ten Absatz.

Die Kehrseite der Digitalisierung ist jedoch, dass die Markteintrittsschwelle für neue Fotografen sehr gering ist. „Mit eige­nen Fotos Geld ver­die­nen“ sind gän­gi­ge Slogans von Ratgeberbüchern oder Zeitschriftenartikeln gewor­den. Selbst die ComputerBild schrieb vor weni­gen Wochen dar­über und bescher­te den erwähn­ten Microstock-Agenturen neu­en Fotografen-Zulauf. Dadurch ist der ein­zel­ne Fotograf für eine Bildagentur ent­behr­li­ch gewor­den. Wen, glaub­st Du, wür­de eine Bildagentur lie­ber ver­lie­ren? Einen Fotografen oder einen Kunden? Bei meh­re­ren zehn­tau­send neu­en Fotos pro Woche (!), die vie­le Bildagenturen erhal­ten, fällt die­se Entscheidung leicht.

Die Frage der Autorin, ob unbe­kann­te Schriftsteller es nun leich­ter oder schwe­rer hät­ten, wage ich zu beant­wor­ten: Sie haben es leich­ter. Aber der Preis dafür wer­den wahr­schein­li­ch neue E-Book-Verlage sein, gegen die die tra­di­tio­nel­len Buchverlage wie klei­ne Fische aus­se­hen wer­den. Es läge z.B. auf der Hand, dass der Online-Buchhändler Amazon künf­tig nicht nur gedruck­te Bücher ver­kauft, son­dern digi­ta­le E-Books selbst anbie­tet ohne den Umweg über einen Verlag.

Über das Lamentieren der Autorin, dass eine Selbstvermarktung ihrer Bücher viel Zeit fres­sen wür­de, dar­über kön­nen Fotografen in der Stockfotografie nur müde lächeln. Ist es doch längst Realität, dass die Verwaltung der Selbständigkeit den größ­ten Teil der Arbeit ein­nimmt und Fotoshootings fast die Ausnahme sind.

Jetzt seid ihr wie­der dran. Was sind Eure Vermutungen zur Entwicklung von Buch- und Bilderbranche?

Keine Krawatten: Richtig im Trend

Vor ca. vier Monaten hat­te ich hier über den Trend berich­tet, dass Krawatten zur Zeit out sei­en. Das damals von F.C. Gundlach erwähn­te Comeback wird immer unwahr­schein­li­cher. In der Süddeutschen Zeitung vom 06.06.2008 wird berich­tet, dass der US-Krawattenverband sich selbst auf­ge­löst hat – wegen man­geln­der Nachfrage.

Ich ach­te mal drauf, ob es mir in den Modezeitschriften auf­fal­len wird.

Und wie gut, dass mei­ne letz­ten Business-Fotos ohne Krawatte sind…

Unverhüllte Wegweiser – Was Fotografen von der Erotikbranche lernen können


Heute gab es in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 17 einen Artikel mit der Überschrift „Der letz­te Rest vom Schützenfest“. Darin ging es um den Niedergang der gedruck­ten Erotik, weil sie gegen die Konkurrenz aus dem Internet kaum eine Chance hät­te.

Die deut­sche Erotik-Presse steu­ert auf ihr eige­nes Begräbnis zu. Seit fünf Jahren befin­den sich die Auflagen im frei­en Fall. […]
Im Internet gibt es nack­te Tatsachen kos­ten­los und anonym, dazu Online-Communities, Kontaktbörsen und har­te Sexfilmchen. […]
Der Umsatzanteil am gesam­ten Zeitschriftenverkauf lag 2006 bei weni­ger als einem Prozent. Tendenz fal­lend. Männermagazine im Hochglanz-Look zäh­len hier nicht dazu, tun sich aber eben­falls schwer. […]

Doch was hat das mit uns Stock-Fotografen zu tun? Die Pornobranche war oft ein Vorreiter, wenn es um die Nutzung neu­er Technologien ging. Erst tru­gen sie zur Verbreitung der Videokassetten bei, dann gab es gestöhn­te 0190-Nummern in nächt­li­chen Werbesendungen, spä­ter Dialer auf Sexseiten, dana­ch Zugang zu Erotikwebseiten als Abonnement. Auch Pornos auf Blue-Ray-Discs sind seit lan­gem erhält­li­ch.

Parallelen zur Bildagenturen-Welt las­sen sich durch­aus fest­stel­len. Die Beliebheit von neu­en Online-Agenturen wuchs auch durch Communities, Agenturen wie Shutterstock, istock­pho­to oder Framepool bie­ten mitt­ler­wei­le auch (bzw. nur) Video-Footage an, Webseiten ver­schen­ken Fotos und die Abonnement-Vermarktung von Fotos hat auch vor kur­zem Einzug in die Branche gehal­ten.

Wer nun als Indikator für Zeitschriften-Trends die Erotikmagazine nimmt, kann befürch­ten, dass erst Nackte-Haut-Postillen schnell ver­schwin­den wer­den und somit auch poten­ti­el­le Bildkäufer. Andere Zeitschriften könn­ten fol­gen. Was das für die Praxis bedeu­tet, wird sich zei­gen.