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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 48

Willkommen bei der nächsten Folge von „Pimp My Stock„, wo ich eingereichte Bilder auf ihre „Stock-Tauglichkeit“ beurteile. Es geht also weniger darum, ob die Bilder schön sind, sondern ob sie sich verkaufen lassen könnten.

Heute ist Uwe an der Reihe, welcher mit vor wenigen Tagen schrieb:

„Hallo Robert,

ich verfolge Dein Blog schon eine ganze Weile. An der Stelle möchte ich erst mal Danke sagen für die vielen lesenswerten Artikel.

Vor einiger Zeit habe ich beschlossen die bei mir schlummernden Bildbestände mal zu sichten und zu schauen ob man damit evtl. im Stock-Bereich etwas erreichen kann, um da ggfs. zukünftig mehr Zeit in dieses Thema zu investieren.

Ich knipse seit meiner Jugend, ernsthaft eingestiegen in das Thema Fotografie bin ich um die Jahrtausendwende herum, seit 2004 weitestgehend digital, eigentlich immer mit Spiegelreflex-Technik. Diverse Kompakte sind zwar immer mal im Hause, aber mehr so als Immerdabei-Knipse. So richtig anfreunden kann ich mich mit den kleinen Dingern irgendwie nicht….

Ich nutze aktuell eine 5D III. Dazu (wahrscheinlich viel zu viele) Linsen von Canon (meistens Ls) von 16 bis 400mm plus dem üblichen Geraffel wie Blitze, Filter, Stative, etc. Die Bildbearbeitung erfolgt zu 99% in Lightroom, ggfs. noch Nacharbeiten in Photoshop. Die im Stockbereich eingereichten Bilder kamen bisher fast immer komplett aus Lightroom.

Da meine Bilder ja nicht primär für den Stock-Markt gedacht waren und es auch nicht unbedingt die Motive sind, die sich wie geschnitten Brot verkaufen, hatte ich da schon mit einer hohen Ablehnungsquote gerechnet. Und die ist bei Fotolia auch relativ hoch, allerdings werden die meisten Bilder wegen technischer Probleme abgelehnt, nicht wegen Ähnlichkeit, etc. Fotolia ist dabei leider nicht sonderlich hilfreich, wenn es um den genauen Ablehnungsgrund geht. Es gibt nur die üblichen eMails mit der Aufzählung der technischen Ablehnungsgründe ohne einen davon konkret zu benennen.

Es würde mich freuen wenn Du Dir die Zeit nehmen würdest um meine Bilder mit Deiner professionellen Sicht zu beurteilen. Da mich nicht nur interessiert was ich falsch mache sondern auch was ich richtig mache habe ich in die Bilder ein paar Aufnahmen mit dazu gepackt, die angenommen wurden und auch gut laufen. Welche das sind würde ich gern erst hinterher verraten.

Falls Du Dir einige technische Details wie Schärfe, etc. genauer ansehen möchtest, dann sag bitte kurz Bescheid und ich packe Dir dann die Bilder noch in 1:1-Auflösung ins Netz.

Ich danke Dir vorab für Deine Zeit und Deine Mühen. Viel Spaß beim Draufhauen!

Gruss Uwe“

Schauen wir uns zuerst mal seine Bilder an.

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Zuerst ist der Lilienstein im Elbtal mit der Friedrichsburg zu sehen. Mir gefällt die spannende Komposition, die zwar die den Horizont klassisch drittelt, aber das Hauptmotiv scharf rechts anordnet und durch den Flussverlauf und die Berge im Hintergrund eine beachtliche Tiefenwirkung erzielt. Der Sonnenuntergang mit dem Lensflare direkt neben dem Hauptmotiv ist ein gelungenes i-Tüpfelchen und die satten, vielfältigen Farben tragen ebenfalls zum tollen Bild bei. Dieses Bild lässt sich prima für Hessen-Werbung oder generell für deutsche Reiseführer verwenden oder auch für Poster, Hintergründe, Wander-Werbung und so weiter. Kann man kaum besser machen.

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Hier sieht es etwas anders aus. Der Surfer auf dem Wasser fällt kaum auf und ohne ihn wäre das Bild nur ein Matsch aus verschiedenen Blautönen. Der Himmel ist wolkenverhangen und müsste eindeutig blauer mit weißen Schäfchenwolken sein, um die Verkaufschancen zu erhöhen. Da es diese „Meer mit Himmel“-Bilder aber zuhauf gibt, wäre eine Fokussierung auf den Surfer lukrativer gewesen. Dafür ist er hier aber zu weit weg und das hätte ggf. auch einen Model Release erfordert.

Uwe war so freundlich, mir für eine noch genauere Kritik die Bilder in Originalauflösung (21,7 MP) bereitzustellen. Da sieht man – hier ein 100%-Ausschnitt – noch zwei weitere Probleme:

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Zum einen ist das Logo auf dem Surfsegel deutlich zwei Mal erkennbar, müsste also noch retuschiert werden und das Bild weist schon zu starke Artefakte auf, sieht aus wie eine Mischung aus starker Rauschreduzierung mit zu starker Nachschärfung.

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Dieses Bild finde ich ebenfalls toll. Zum einen ist „über den Wolken“ natürlich eine ungewöhnliche Perspektive, andererseits aber auch ein klassisches, und gut verkäufliches Symbol für Freiheit, Abenteuer, Reinheit und so weiter.

Im Gegensatz zum Surfer-Bild passt hier die monochrome Farbpalette und die Bergspitze verleiht dem Bild etwas Mystisches und Geheimnisvolles, weil man sich fast unweigerlich fragt, was sich unter den Wolken noch verbirgt.

Leider ist in der 100%-Ansicht ein ähnlicher Pixelmatsch wie beim Surferbild erkennbar, weshalb ich die Ablehnung trotzdem gut nachvollziehen kann. Hier würde ich noch mal dezent mit einem Rauschreduzierungstool rangehen und/oder die Pixelzahl von 22,1 MP auf 16 Megapixel verringern. Beides in Kombination sollte die störenden Bildfehler sichtbar verbessern.

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Eine weitere Bergaufnahme, bei der mir die Lichtstimmung sehr gut gefällt. Durch den kleinen Bergsteiger links unten bekommt das Bild auch die nötige Größenproportion, um sich das gewaltige Bergmassiv besser vorstellen zu können.

Auch wenn das Licht fotogen ist, ist es der Berg in dieser Ansicht nicht ganz so sehr wie – sagen wir mal – das Matterhorn oder der Fuji. In der 100%-Ansicht offenbart sich auch eine Art „Glow“ an den Rändern des Bergs, vielleicht zu stark nachgeschärft oder einfach zu kontrastreich für die Kamera bei dem Gegenlicht.

100%-Ausschnitt aus dem obigen Bild
100%-Ausschnitt aus dem obigen Bild

Auch hier könnte eine Verkleinerung des Bildes noch etwas retten.

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Das nächste Bild zeigt die Schrammsteine in der Sächsischen Schweiz mit einem Elbdampfer. Ich finde das Bild ehrlich gesagt etwas langweilig vom Bildaufbau und den Farben, aber es wurde von Fotolia angenommen, vielleicht auch, weil es ein sehr klassisches Postkartenmotiv ist.

Das Schiff auf dem Bild erhöht noch mal die Verkäuflichkeit, weil es so nicht nur die Natur bewerben kann, sondern auch Dampferfahrten und Urlaub sowie Tourismus generell.

Die beim vorigen Bild erwähnten leuchtenden Rändern an den Berggipfeln treten hier jedoch sogar noch stärker auf, was vermuten lässt, das der Bildredakteur beim vorigen Bild vielleicht nur einen schlechten Tag gehabt hat. Oder bei diesem Motiv wurde nicht genau hingeschaut.

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Diese Bergsilhouette wiederum wurde abgelehnt, was ebenfalls streitbar ist. Auch hier ist der Berg rechts nicht so „typisch“ in seiner Gestalt, was ein Ablehnungsgrund gewesen sein könnte. In der 100%-Ansicht konnte ich nichts finden, was ein definitiver Ausschlussgrund gewesen sein könnte. Zwar sind bei einigen der Baumumrisse rote Ränder zu sehen, was lichttechnisch bei so einer Gegenlichtaufnahme kaum zu vermeiden ist.

Ich hätte mich hier eher auf den Bereich links im Bild konzentriert, weil diese Art der Sonnenuntergangslandschaft deutlich klischeehafter und damit auch verkäuflich ist.

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Das Foto zeigt die Bastei mit der Basteibrücke. Traumhafte Farben, traumhaftes Licht, perfektes Wetter, passende Jahreszeit. Hier stimmt wieder alles. Genau so sehen die Fotos in den Hotelbroschüren aus.

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Hier sehen wir Windräder im Sonnenuntergang. Die Farben des Hintergrunds sind fantastisch, aber was mir beim ersten Blick auf das Bild sofort in den Kopf schoss, war die Frage: „Warum sind die Windräder nicht frontal abgebildet?“ Klar, ich kenne die Antwort, vermutlich war es vor Ort einfach nicht anders möglich. Dennoch illustriert sie das Problem. Das Konzept ist deshalb kaum erkennbar. Erstens sind die Windräder zu klein, zweitens als seitliche Kontur kaum erkennbar und drittens noch mit Bewegungsunschärfe in den Rotorblättern.

Eine mögliche Lösung wäre, die Windräder einfach wegzuretuschieren und das Bild als abstrakten Hintergrund anzubieten. Wahlweise könnten die Windräder auch als Silhouette frontal reinretuschiert werden, indem einige Windrad-Vektoren erstellt werden. Ein kostenloses Tutorial dafür gibt es hier.

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Kommen wir zum Sonnenaufgang über dem Thüringer Becken. Ich liebe solche Bilder, wo sich die Landschaft in vielen verschiedenen Ebenen bis zum Horizont erstreckt. Die Farben sind schön verteilt, vom Gelb und Orange des Himmels über die Blau- und Lila-Töne in der Mitte bis hin zum Grün im Vordergrund.

Das Motiv hat Verkaufspotential und auch technisch gibt es keinen zwingenden Grund, das Foto abzulehnen. Hinderlich könnte nur sein, dass es mit einer Canon 40D aufgenommen wurde und bei 100% leicht „matschig“ wirkt. Da Uwe mittlerweile aber mit einer 5D Mark III arbeitet, sollten die neueren Bilder weniger solcher Probleme haben.

Während ich diesen Artikel schreibe, kam gerade eine weitere Mail von Uwe:

„Hallo Robert,

noch eine kleine Ergänzung zu dem Thema: Ich habe Ende letzter Woche wieder mal ein paar Bilder bei Fotolia eingereicht. Darunter auch absichtlich einige, wo ich fest mit einer Ablehnung gerechnet hatte (identische Motive, technische Qualität). Zu meiner Überraschung wurde alles durchgewunken und akzeptiert. Ich hänge die Bilder mal in kleiner Auflösung ran. Das 5diii_img_006794 und ggfs. img_25556 durchgehen hätte ich ja noch verstanden. 5diii_img_008268 ist auch ok, aber doch sicher ein ausgelutschtes Thema. Aber der Rest? Die anderen Drei habe ich ja selbst schon eher für die digitale Tonne vorgesehen….

Wahrscheinlich gehe ich aber nur mit den falschen Gesichtspunkten an die Bewertung ran.

Mit verwirrten Grüßen, Uwe“

Da seine Fotos sehr schön sind, können wir ausnahmsweise mehr als zehn Bilder zeigen.

stock_samples_5diii_img_006794Dieses Foto ist eins der Bilder, bei dem sich Uwe sicher war. Wieder eine schöne Farbstimmung, die Skischneise erzeigt eine Tiefenwirkung und hat den Wintersport als klares Konzept für die Verkäuflichkeit. Interessant ist, dass es in warmen Farbtönen gehalten ist, obwohl Winterbild meist auf das kalte Blau getrimmt werden. Vielleicht ist das hier ein Teil des Reizes.

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Hier das zweite Bild, was es durch die Selektion geschafft hat. Eine Winterlandschaft, diesmal in den erwartbar monochromen Blautönen. Die Bildaufteilung ist klassisch, das Motiv universell einsetzbar und das Warnschild deutet die Größenverhältnisse an und sorgt für einen gelben Farbklecks als Akzent.

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Bei diesem dritten Bild war Uwe sich nicht sicher, ob es nicht zu „ausgelutscht“ sei. Doch, klar, aber abgesehen davon ist diese Blaumohnwiese technisch sauber umgesetzt und schnörkellos fotografiert. Da kann man sogar Blumen eine Chance geben.

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Kommen wir zu drei Bildern, die fast im digitalen Papierkorb gelandet wären. Was der eine fast wegschmeißt, wäre für einen anderen eine Ehre. Das Foto des Waldes im Winter ist zwar schlicht, hat aber durch die „Wölbung“ der Landschaft ausreichend Dynamik. Sehr vielseitig einsetzbar mit dem Textfreiraum oben und örtlich kaum festzumachen, also auch weltweit einsetzbar.

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Auch diese Bäume im Winter sind sehr simpel fotografiert, es sieht fast „draufgehalten“ aus, aber diese Reduktion erzeugt euch eine Friedlichkeit und Ruhe, die vom Winter fast erwartet wird. Fast alle Töne sind aus dem Bild verbannt, es ist fast eine „Weiß in weiß“-Aufnahme. Das Bild könnte ich mir auch gut als Panorama vorstellen, dann würde jedoch wieder der Textfreiraum fehlen.

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Okay, von den heute gezeigten Fotos würde ich das Bild des Skilifts als das am wenigsten schöne Bild bezeichnen, „hässlich“ passt noch nicht mal. Dem Bild fehlt die Postkartenidylle der vorhergegangenen Fotos, aber dafür zeigt es die Logistik der Wintersportindustrie: Weniger Schönheit, mehr Aussage.

Uwe hat auf jeden Fall ein Auge für ruhige, ausgewogene Bildkompositionen und ansprechende Landschaften. Sein farbenfroher Bearbeitungsstil passt perfekt zum gesättigten Microstock-Look, macht die Bilder aber auch für Kalender, Poster oder Postkarten sehr attraktiv. Ich denke da in Richtung „Fine-Art-Print“-Anbieter und ähnliches.

Wenn er sich jetzt noch beim Thema Verschlagwortung verbessert sowie beharrlich und kontinuierlich weiter in dieser Qualität hochlädt, sehe ich viel Potential.

Wer mehr Bilder von Uwe sehen will, findet diese entweder hier auf seiner Webseite oder in seinem Fotolia-Portfolio.

Wer ebenfalls kostenlos mitmachen und mir seine Bilder zur Besprechung schicken will, findet hier alle notwendigen Informationen.

Was sagt ihr zu den Fotos von Uwe?

Als Kunde Stockfotos kaufen oder lieber Fotos selber machen?

Vor einer Weile gab es bei Facebook eine Werbung von shootcamp.at zu sehen (das sind die, wo der Fotograf auf dem Werbebild beim Fotografieren Kopfhörer trägt) mit dem sinngemäßen Slogans: „Lerne fotografieren, statt Stockfotos zu kaufen“.

Werbung von shootcamp.at
Werbung von shootcamp.at

Selbst einige Fotografen wie Michael Omori Kirchner oder Till Erdmenger geben Tipps für ihre Kunden, wie sie selbst bessere Fotos machen können.

Auf den ersten Blick mag es widersprüchlich erscheinen. Wieso ermuntern Fotografen ihre Kunden, selbst Fotos zu machen? Die Kunden sollen doch einen Auftrag buchen oder wenigstens ein paar Stockfotos kaufen?

Dabei tragen die eigenen Versuche, selbst etwas so zu fotografieren, dass es wie ein Bild vom Fotografen aussieht, dazu bei, die Arbeit von Fotografen besser wertzuschätzen. Warum haben meine Bilder so hässliche Schlagschatten hinter den Personen und die vom Fotografen nicht? Warum wirken die Farben bei mir so komisch? Im Internet sieht das alles anders aus…

Es gibt sicher einige Motive, die problemlos von Kunden selbst fotografiert werden können. Wenn das der Fall ist, kann sich ein Fotograf als kompetenter Berater mit einfachen Tipps als wertvolle Hilfe im Gedächtnis der Kunden verankern, um dann die komplexeren Aufträge umzusetzen.

Versuchen Kunden, schwierigere Shootings umzusetzen, merken sie schnell, wie viel Zeit, Geld, Energie und Planung in ein Shooting investiert werden muss und das ohne die nötige langjährige Erfahrung eines Fotografen die Ergebnisse doch nicht so perfekt aussehen wie gewünscht.

Ein – manchmal nicht zu unterschätzender – Vorteil von selbstgemachten Kundenfotos ist die Exklusivität. Diese Fotos hat garantiert kein anderer. Außerdem kann in manchen Fällen der etwas unprofessionellere Look zum Geschäftsmodell passen, wenn Individualität und Handarbeit betont werden sollen.

Aufträge hingegen können die Unternehmenskasse ganz schön belasten, dafür bekommen Kunden meist ebenfalls exklusive Bilder. Der Vorteil von Stockfotos liegt hingegen auf der Hand: Die Bilder sind sofort verfügbar und das fertige Bild kann vor dem Kauf gesehen werden, ohne einem Fotografen seine visuelle Vision vermitteln zu müssen. Auch kosten Stockfotos meist deutlich weniger als die Arbeitszeit, die ein Kunde investieren müsste, um seine Bilder selbst zu fotografieren, von Kosten für Models, Requisiten und Locations mal ganz abgesehen.

Aber egal, ob nun Auftragsfotos oder Stockfotos, dass professionelle Fotos besser sind, ist wissenschaftlich erwiesen.

Zeigt ihr euren Kunden auch, wie man selbst fotografieren lernt?

 

Das erfolgreiche „Zwischendurch-Stock-Portfolio“ (Gastartikel)

Während ich hauptberuflich an meinem Stock-Portfolio arbeite, gibt es auch viele Anbieter, welche nur „nebenbei“ einige Fotos hochladen, vor allem Urlaubsbilder und manchmal auch exklusiv sind, weil ihnen die Zeit fehlt, nach ihrem Hauptberuf mehr Zeit in die Stockfotografie zu stecken.

Einer dieser Leute, Tim David Müller-Zitzke aus Bremerhaven, ist einer davon und sogar sehr erfolgreich.  Deshalb habe ich ihn gebeten, mal zu schreiben, wie er an die Sache herangeht. Hier sein Artikel:

Der 01. Mai 2012 ist der Tag, an dem mein Account bei Fotolia aktiviert worden ist. Von dort an hat sich für mich aus einer Freizeitbeschäftigung eine Tätigkeit entwickelt, die mein Dasein als Fotograf, Filmproduzent und Digital Artist um ein weiteres finanzielles Standbein ergänzt hat.

Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden
Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden.

Was beim Betrachten meines Portfolios vermutlich auffällt, ist, dass es sehr bunt gemischt ist und es äußerst wenige Fotos von Personen beinhaltet. Es ist so gemischt, dass es sich fast annehmen lässt, dass zumindest einige meiner Fotos, „zwischendurch“ entstanden sein müssen. Diese Annahme ist zutreffend und gilt sogar für einige meiner Bestseller. Dennoch konnte ich schon einige tausend Lizenzverkäufe mit meinem Fotolia-Account erreichen. Robert bat mir an, ein wenig über diese „etwas andere“ Art der Stockfotografie zu berichten und das mache ich natürlich gerne.

Vor kurzem erst habe ich mit einer Gestalterin gesprochen, die eine komplette Webseite ausschließlich mit Bildern aus meinem Portfolio illustriert hatte. Zu unterschiedlichsten Themen war sie bei mir fündig geworden – mal mit repräsentativen Darstellungen, mal mit konzeptionellen Symbolbildern. Dies war wohl möglich, weil ich meine Stockfotografie bisher weder vom fotografischen Stil her noch thematisch einer bestimmten Richtung verpflichtet habe. Darüber hinaus biete ich fast nur Einzelbilder und somit wenig Serien an. Das kann aber durchaus auch ein Nachteil sein, wenn ein Kunde Motiv-Variationen braucht oder mehrere ähnliche Themen im gleichen Stil abdecken möchte. Dass ich kaum Serien produziere, liegt auch daran, dass ich meine einzelnen Fotos relativ lange und aufwändig bearbeite, teilweise inklusive Compositing, und somit auch aus Effizienzgründen einfach weniger auf „Serienproduktionen“ setze.

Am Tag meines Umzugs habe ich dieses Foto aufgenommen, bevor ich den Raum später mit Kisten und Einrichtungsgegenständen vollgestellt habe.
Am Tag meines Umzugs habe ich dieses Foto aufgenommen, bevor ich den Raum später mit Kisten und Einrichtungsgegenständen vollgestellt habe.

Zu Anfang meiner Zeit bei Fotolia habe ich häufig Urlaubsfotos hochgeladen. Doch auch jetzt noch zeigen viele meiner angebotenen Fotos Städte und Landschaften, andere zeigen Gegenstände, die ich im Studio oder anderswo fotografiert habe, z.B. auf Jahrmärkten. Personen hingegen sind kaum zu finden. Ich bin bisher eher selten wirklich los gezogen, um direkt für mein Stock-Portfolio zu produzieren – was ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal zu meinen hauptberuflichen Stock-Kollegen darstellen dürfte.

Dafür aber habe ich im Laufe der Zeit ein Gefühl dafür entwickelt, welche Motive in Stockagenturen gefragt sind und behalte das im Hinterkopf, wann immer ich die Kamera irgendwo hin einpacke.
Die meisten meiner bisherigen Stockfotos sind auf Städtetouren, in Urlauben oder aber am Rande von Aufträgen entstanden. Viele meiner Fotos nehme ich für Tourismus-Unternehmen, Hotelerie oder andere Business-Kunden auf. Andere biete ich später erst zum Direktkauf an und nehme nach dem Shoot Kontakt mit potentiellen Abnehmern, z.B. Postkarten-Verlagen auf. Man kann also bei einigen meiner Fotolia-Motive durchaus auch von einer Zweitverwendung sprechen.

Ein Städtetrip nach Hamburg geht immer! Ebenso gut verkauft sich dieses Motiv.

Im Vergleich zu einem „typischen“ Stock-Shooting – zum Beispiel von Robert – mit ausgesuchten Models, Locations und viel, viel Vorbereitung, hält sich mein Aufwand für Fotolia bisher eher in Grenzen. Auch finanziell. Da ich für meine Motive sowieso an Ort und Stelle bin, muss ich oftmals keine größeren Investitionen tätigen als beispielsweise den Eintrittspreis zu einer Aussichtsplattform. Entsprechend minimiert sich somit auch mein Risiko für den Fall, dass ich später auf den Bildern „sitzen bleibe“.

Im Austausch mit anderen Stockfotografen hat sich die thematische Streuung auch im Verkauf immer wieder als vorteilhaft heraus gestellt. Ich bin sowohl von aktuellen Themen-Trends als auch von den Jahreszeiten sehr viel weniger abhängig als meine Kollegen. Und dann wäre da noch der künstlerische Faktor: Ich nutze bei der Aufnahme meiner Bilder gerne erweiterte Fotografe-Techniken, wie zum Beispiel die Langzeitbelichtung oder ich erstelle Compositings in Photoshop. Diese Bilder verkaufen sich erfahrungsgemäß besonders gut. Wohl aber abhängig bin ich natürlich von der allgemeinen Kauflaune der Bildkäufer, die zum Beispiel im Sommer deutlich geringer ausfällt.

Einer meiner Bestseller: Dieses Motiv entstand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.
Einer meiner Bestseller: Dieses Motiv entstand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.

Ebenso deutlich macht sich bemerkbar, wenn Fotolia Änderungen an den Preismodellen oder der Verkaufsstrategie vornimmt, die uns Anbieter logischerweise immer direkt mit betreffen. Dazu zählt auch das Abo-Modell, das immer verbreiteter ist – was bei vielen Stockfotografen für erhebliche Umsatzeinbrüche sorgt.

Eine weitere Schwierigkeit für mich stellt die Selektion der Bildagentur dar: Landschaftsbilder haben es erfahrungsgemäß schwerer, angenommen zu werden. Doch wenn sie es dann durch die Selektion schaffen, werden sie meist sehr gut angenommen.
Man muss jedoch auch festhalten, dass mein aktuelles Portfolio bei Fotolia bisher nur 851 Aufnahmen beträgt und die Stockfotografie wie gesagt immer noch eine Nebeneinnahme für mich darstellt.

Ein extra für Fotolia erstelltes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.
Ein extra für Fotolia erstelltes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.

Ich bin Student der Digitalen Medienproduktion im 6. Semester und arbeite, wie schon erwähnt, parallel im Bereich Fotografie und Film. Dennoch stehe ich kurz vor dem Fotolia Status „Gold“ (10.000 verkaufte Lizenzen) und bin voll exklusiv. Falls das jemanden interessieren sollte: Die Exklusivität ist schlichtweg der Einfachheit geschuldet – bislang fehlten mir die zeitlichen Ressourcen, um mich um mehrere Agenturen kümmern zu können.

Über meinen Verdienst kann ich mich, obwohl ich ja nur ein „kleiner Fisch“ bin, nicht beschweren. Mit 11,4 Verkäufen pro Bild liege ich leicht über dem Durchschnitt. Mit den Einnahmen von Fotolia konnte ich zum Beispiel schon seit Anfang des Studiums meine Miete bezahlen – also nur 1,5 Jahre nach meinem Debüt in der Stockfotografie. Dadurch blieb mir ein „Themen-entfernter“ Nebenjob erspart und ich konnte mich trotz Uni weiter auf die Fotografie und somit auch wieder auf Stockfotografie konzentrieren.

Mein bisheriger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer vielseitig einsetzbar zum Thema Fotografie.
Mein bisheriger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer vielseitig einsetzbar zum Thema Fotografie.

Momentan bereite ich mich darauf vor, mein Stock Portfolio weiter auszubauen und das Modell dann auch im größeren Rahmen zu testen. Da ich in den vergangenen vier Jahren ein Gefühl dafür entwickeln konnte, welche Motive sich im Stockbereich verkaufen, werde Ich wohl in Zukunft auch direkter für mein Portfolio produzieren. Doch den Anfang macht die Postproduktion: Auf meinen Festplatten wartet ein riesiges Foto-Archiv mit unangetasteten Rohdateien aus den 2 letzten Jahren, für deren Bearbeitung ich aufgrund anderer Projekte zuletzt keine Zeit mehr hatte. Außerdem habe ich durch meine Arbeit mit Film und Bewegtbild ein weiteres Verkaufsfeld für mein Portfolio entdeckt. Gerne berichte ich in Zukunft einmal, wie es damit weiter geht.

Hier noch der Link zu meinem Fotolia-Portfolio und der Link zu meiner Website und meiner Facebook-Seite.

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 47

Lange Zeit war es still in der Rubrik „Pimp My Stock„!

Deshalb soll es heute endlich wieder eine neue Folge geben.

Was ist „Pimp My Stock„? Leser können mir hier ihre Fotos schicken, welche ich öffentlich mit Blick auf ihre Verkäuflichkeit beurteile und Tipps gebe, wie sie sich eventuell verbessern lassen. Hier geht es nicht um schmeichelndes Lob, sondern um konstruktive Kritik, welche die Annahmechancen bei Bildagenturen verbessern soll.

Wer ebenfalls kostenlos mitmachen will, findet hier alle notwendigen Informationen.

Heute ist Mandy an der Reihe, die mir schrieb:

„Sehr geehrter Herr Kneschke,

mit großem Interesse habe ich Ihren Blog „Pimp My Stock“ gelesen. Inhalte wie diese sind für Stock-Einsteiger eine unglaubliche Hilfe.

In diesem Zusammenhang, hoffe ich, von Ihnen Feedback zu bekommen, um meine Fotos effektiv im Stockmarkt zu integrieren.

Ich studiere im ersten Semester Computervisualistik und Design an der HSHL in Lippstadt. Seit zwei Jahren gehe ich dem Fotografieren als Hobby nach (mit Digitalkamera – Canon Ixus 170).

Da der Lernaufwand des Studiums bereits einem Vollzeitjob entspricht und ich mit „normalen Studentenjobs“ bisher wenig Erfolg hatte, entschied ich mich vor einem halben Jahr dafür, dass sich dieses Hobby auch wirtschaftlich niederschlagen soll. So stieß ich auf die Stockfotografie.

Ich habe mich bereits bei einigen Portalen angemeldet, aber die meisten meiner Bilder wurden abgelehnt. Darum bitte ich Sie um Ratschläge, mit denen ich die Markttauglichkeit meiner Bilder optimieren kann.

Für Ihre Hilfe danke ich Ihnen. Im Anhang sende ich Ihnen zehn meiner Arbeiten.

Viele Grüße.“

Schauen wir uns ihre Bilder mal an.

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Den Anfang macht dieses Foto einer grünen Platine. Während das Motiv generell als Konzept für Themen wie „Technologie“ oder „Fortschritt“ stehen kann, ist die Ausführung hier verbesserungswürdig. Es sind große überstrahlte Bereiche zu sehen, welche durch indirekte Beleuchtung hätten vermieden werden können. Auch die Bildaufteilung ist ungünstig, weil zu viel „Rand“ zu sehen ist. Ein Makroobjektiv mit deutlich dichterer Aufnahmeposition wäre vorteilhafter gewesen.

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Bei dieser römischen(?) Stadtaufnahme gefällt mir das Licht und der Kontrast zwischen den warmen Gebäuden und dem kühlen Himmel, welcher fast einen Komplementärkontrast bildet. Trotzdem gibt es auch hier einige Nachteile, welche das Bild ruinieren. Die beiden offensichtlichsten: Das rechte Gebäude ist oben abgeschnitten (ein No-Go!) und beide Häuser scheinen wegen der perspektiven Verzerrung zu kippen. Da bieten mittlerweile alle üblichen Bildbearbeitungsprogramme Ausrichtungsfunktionen, die ein Fotograf beherrschen sollte.

Da fallen zwei andere Punkte fast schon nicht mehr ins Gewicht: Die Ampel oben rechts hätte mit einer minimal anderen Kameraposition (oder notfalls eben mit Photoshop) aus dem Bild entfernt werden können. Ganz links ist der halbe Rücken eines Passanten zu erkennen, der leicht durch eine verzögerte Auslösung nicht hätte im Bild sein müssen.

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Ähnliche Probleme mit dem Vordergrund gibt es bei diesem Rom-Foto mit Petersdom. Rechts sind etliche Personen erkennbar, was bei den meisten Bildagenturen zu einer Ablehnung wegen fehlender Modelfreigabe führen würde. auch die Mütze der Person links lenkt zuviel Aufmerksamkeit auf sich. Profis arbeiten hier meist mit einem Stativ und entweder einer Langzeitbelichtung, welche die sich bewegenden Personen verschwinden lässt oder mit mehreren Aufnahmen, die dann in Photoshop übereinandergelegt werden, um störende Passanten leicht retuschieren zu können.

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Diese Maske in Venedig in eindeutig überlichtet. Das führt zu einer Ablehnung wegen „technischer Fehler“.  Noch dazu ist das Foto erkennbar unscharf, was ebenfalls eine Ablehnung rechtfertigt. Auch beim Motiv ist nicht erkennbar, wo das Augenmerk liegen soll oder was die Aussage ist.

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Diese Maske weist kein der eben genannten Probleme auf. Trotzdem ließe sich das Bild verbessern, weil es hier „von oben herab“ fotografiert wurde, was der Maske nicht gerecht wird. Auch eine frontalere Komposition würde dem Bild helfen. Der Zettel an der Maske muss natürlich weg. Da gibt es etliche sehr farbenfrohe und perfekte Aufnahmen von venezianischen Masken* bei den Bildagenturen, die als Maßstab dienen sollten.

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Vermutlich ebenfalls in Venedig entstand dieses Schwarz-Weiß-Foto einer alten Gasse. Die zwei Musiker stören meines Erachtens, weil sie mit ihren Instrumenten keine „klassische Sillhouette“ bilden, die ansonsten ganz pittoresk hätte sein können. Außerdem ist der Horizont schief und das Bild zu kontrastreich, da die hellen Bereiche wieder ausfressen.

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Diese Aufnahme mit einem Mann, der auf den Petersplatz in Rom blickt, ist auf den ersten Blick ganz gelungen. Die technische Qualität scheint nicht ganz optimal zu sein (was aber an der JPG-Komprimierung liegen mag), für ein Handy-Foto wäre es auf jeden Fall optimal und von der Stimmung her auch gefragt. Die Bildaufteilung ist hier sehr gelungen und zieht den Betrachter immer wieder ins Foto rein auf die Stadt und den Sonnenuntergang.

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Äh, nein. Dieses Foto vom Biertrinken wirkt wie ein Schnappschuss beim örtlichen Stammtisch. Das Licht reflektiert zu stark im Glas und das Bild ist zu verrauscht, weil vermutlich ohne Blitz gearbeitet wurde. Vor einem weißen oder zumindest neutraleren Hintergrund mit weniger Rauschen wäre das Motiv ganz passend für Bildagenturen, aber so bleibt es höchstens ein Schnappschuss für das private Fotoalbum.

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Der optische Effekt, den diese umgedrehten Weingläser erzeugen, wirkt ganz spannend und gefällt mir. Der Hintergrund sowie der Bereich rechts oben wirken leider wieder zu unruhig und auch generell zu dunkel. Vielleicht hätte hier schon ein großes weißes Blatt Papier hinten gereicht, um diese Probleme zu beheben.

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Wieder ein Party-Schnappschuss? Mal ganz abgesehen davon, dass an den Fenstern rechts starke chromatische Abberation zu erkennen ist, die sehr wahrscheinlich zu einer Ablehnung führen würde, ist keine richtige Aussage bei dem Motiv zu erkennen. Das Bild wirkt unruhig, alles ist angeschnitten und rauscht auch wieder stark. Das wird so leider keine Bildagentur nehmen.

Generell fehlen mir bei diesen Bildern meist die erkennbaren Aussagen. Was für ein Thema enthält das Foto? Wofür könnte es verwendet werden? Es wirkt leider nicht so als wären die Fotos mit Antworten auf diese Fragen im Kopf gemacht worden.

Was sagt ihr? Wie schätzt ihr die Fotos ein?

* Affiliate

Wie läuft ein Foto-Shooting ab? Mein Business-Team-Shooting als Beispiel

Wow, es ist schon ein dreiviertel Jahr her.

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist vor allem eins in Erinnerung geblieben bei meinem letzten großen Shooting: Die brütende Hitze in Köln, bei der ich die Models genötigt hatte, trotzdem langärmelige Hemden zu tragen und in einem unklimatisierten Büro herumzusitzen.

Diskussion in einem dynamischen Business Team mit Tablet Computer im Freien

„Großes Shooting“ heißt für mich: Ein Shooting mit mehr als 6 Models, in diesem 7 Models, mit dabei im Hintergrund meine Kollegin Jasmin, welche vor allem Videos gemacht hat sowie ein Assistent.

Die Idee

Uns standen einige Schulungsräume in Köln zur Verfügung, welche leer relativ unspektakulär wirken. Gefüllt mit vielen Models jedoch ergibt das einige glaubwürdige Business-Situationen, die wir darstellen wollten. Die Räume hatten den weiteren Vorteil, dass sie ebenerdig waren, wir konnten also nicht nur innen, sondern auch draußen vor der Tür fotografieren und somit die spiegelnden Glasfassaden nutzen.

Junge Business Frau surft mit ihrem Tablet PC im Internet und nutzt Apps

Die Models

Geplant waren acht Models, es gab leider eine kurzfristige Absage, was wir bei der Anzahl der gebuchten Models jedoch berücksichtigt hatten. Mit fast allen Models hatte ich schon – oft mehrmals – zusammengearbeitet, ich wusste also, dass ich mich auf sie verlassen konnte.

Business Team bei Planung der Finanzen mit Tablet PC am Tisch

Die Gruppe sollte bunt gemischt sein, sowohl vom Alter, den Haarfarben und Geschlechtern. Das ist uns ganz gut gelungen, leider ist uns der multikulturelle Touch durch die Absage des afrikanischstämmigen Models verloren gegangen.

Den Models habe ich einige Kleidungsvorschläge mitgegeben, damit deren Kleidung während des Shootings gut zusammenpassen wird.

Das Thema

Das Thema des Shootings war „Business-Team“ und wegen der Hitze haben wir auf die Jackets, Anzüge und Krawatten verzichtet. Das war eine gute Entscheidung, finde ich, weil die Bilder dadurch trotz der Business-Atmosphäre locker und weniger formal wirken.

Die Requisiten

Zur Vorbereitung hat meine fleißige Assistentin unzählige generische Balkendiagramme, Tortendiagramme, Tabellen, Kursverläufe und andere statistische Spielereien erstellt, die jedoch auf echten Daten basieren, damit sie auch realistisch aussehen. Wer genau hinschaut, sieht sogar meine Modelverträge, welche die Models gleich vor laufender Kamera ausfüllen konnten.

Tisch im Büro mit Händen und vielen Dokumenten von oben

Die Models wurden gebeten, wenn vorhanden, ihre Tablet Computer, Aktenmappen etc. mitzubringen und wir haben selbst alle unsere Tablets, Laptops und einen großen Packen neutralisierter Kugelschreiber eingepackt. Neutralisiert heißt, dass wir vorher alle Logos, Markennamen etc. von den Geräten entfernt haben, damit die Bilder später leichter zu retuschieren sind.

Die Technik

Zum Einsatz kam meine bewährte Kombination aus Canon 5D Mark III*, als Objektiv das Arbeitstier 24-70 mm f2.8 II von Canon*, zwei externe Speedlites* mit passender Lastolite-Softbox* und diversem Zubehör. Die genaue Zusammenstellung für das entfesselte Blitzen könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Foto: Tim E. Klein
Foto: Tim E. Klein

Um das Licht noch besser lenken zu können, war mein treuer California Sunbounce in der Größe Mini* in der Silber/Weiß-Bespannung dabei und auch hilfreich. Vor Ort konnten wir auch eine Leiter nutzen für einige Bilder:

Geschäftsleute stehen als dynamisches Team in einer Formation

Die Aufnahme-Daten

Am häufigsten kam die Brennweite im Bereich 40-50mm zum Einsatz, gefolgt von den beiden Extremen 24mm und 70mm. ISO-Wert war fast immer ISO 200, Belichtungszeit war meist 1/125 Sekunde. Als Blende habe ich meist Blende f/5.0 bis f/7.1 gewählt.

Entgegen meiner Predigt, dass sich Hoch- und Querformat-Bilder die Waage halten sollten, habe ich diesmal fast nur horizontal gearbeitet, was sicher auch daran liegt, dass sich dieses Format bei Gruppen einfach anbietet, wenn ich die Leute nicht übereinander stapeln will.

Voller Einsatz, hier mit einem Ringflash-Adapter (Foto: Tim E. Klein)
Voller Einsatz, hier mit einem Ringflash-Adapter (Foto: Tim E. Klein)

Vor dem Shooting

Einen Tag vor dem Shooting haben Jasmin und ich alle Bilder von den Wänden gehängt und die Tische und Stühle so angeordnet, wie wir sie brauchen. Außerdem haben wir literweise Getränke im hauseigenen Kühlschrank gelagert, damit unsere Models am nächsten Tag bei der Hitze nicht dehydrieren.

Am Shootingtag habe ich die Models begrüßt, sie untereinander vorgestellt, falls sie sich noch nicht kannten und mir deren Kleidung zeigen lassen.

Jedes Model bekam eine Anweisung, welche Kleidung er oder sie anziehen solle sowie eine „Wechselkleidung“, welche sie ca. nach der Hälfte des Shootings auf mein Kommando wechseln sollten.

Gruppe Geschäftsleute im Kreis stapelt die Hände zur Motivation

In der Zwischenzeit haben wir mit dem Assistenten das Licht eingerichtet und die erste Szene mit Requisiten eingerichtet.

Das Shooting beginnt

Zuerst sollten die Models sich an den Tisch setzen und die Verträge unterschreiben. Dabei habe ich das Licht mit den Models getestet und gleich einige verkäufliche Fotos gemacht.

Danach habe ich vor allem Szenen vorgegeben (Vertragsverhandlung, etc.) und die Models untereinander agieren lassen. Zwischendurch habe ich aber manchmal auch ganz konkrete Aufstellungen vorgeben.

Wichtig ist es, immer die Augen offen zu halten. So durfte zum Beispiel ein Teil der Models zwischendurch Pause machen und als diese vor der Tür Smalltalk machten, sah das so gut aus, dass wir das danach gleich als nächste Szene übernommen haben.

Drei Geschäftsleute stehen im Gespräch miteinander in der Pause vor dem Büro

Zwischendurch habe ich auch einige Videos probiert, aber das habe ich schnell wieder Jasmin überlassen.

Mittags gab es eine halbe Stunde Pause, in der wir Pizza für alle geordert haben (merke: hungrige Models haben grimmige Gesichter). Danach kam der Kleidungswechsel und weiter ging’s.

An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank an alle Models und die anderen Beteiligten, die trotz über 35°C standhaft bei der Sache waren und sich die Anstrengung nicht haben anmerken lassen.

Nach dem Shooting

Jetzt beginnt der langweiligere Teil. Die Räume werden wieder hergerichtet, die leeren Flaschen abgegeben und die Daten doppelt gesichert.

Am nächsten Tag mit einer Nacht Schlaf dazwischen werden die Bilder gesichtet, sortiert und für die ausgewählten Bilder entwickelt und von RAW ins TIFF-Format umgewandelt. Meinen Capture-One Workflow dazu findet ihr hier.

Dann folgt die übliche Bildretusche, die Verschlagwortung und das Hochladen. Die Models erhalten alle eine DVD mit den fertigen Bildern sowie einige Abzüge (wie hier beschrieben).

Mittlerweile finden sich die Bilder vom Shooting auf Webseiten und in Werbematerial von Anwälten, Versicherungen, Medien, Unternehmungsberatungen, Weiterbildungsinstituten und so weiter.

Die fertigen Bilder

Die Bilder könnt ihr zum Beispiel bei Fotolia* oder Shutterstock* kaufen, die Videos auch. Zusätzlich habe ich ein einminütiges Showreel mit den besten Ergebnissen erstellt:

Was sagt ihr zu den Bildern?

* Affiliate-Link