Schlagwort-Archive: Startpreis

Frag den Fotograf: Für wie viele Credits sollte ich meine Bilder anbieten?

In letzter Zeit habe ich des öfteren Emails mit kurzen Fragen bekommen. Meist habe ich diese kurz beantwortet, bis ich gemerkt habe, dass sich einige Fragen doch wiederholen. Deswegen möchte ich die Fragen wieder vermehrt hier im Blog veröffentlichen, damit ich bei Bedarf auf die Antwort verlinken kann und ihr auch als Leser etwas davon habt.
Vor paar Tagen schrieb mir Thorsten:
„Hallo Robert,
ich habe gestern ausführlich deine Beiträge über Microstockagenturen studiert. Ich fand darin viele übereinstimmende und neue Informationen zu diesem Thema.
Ich selbst bin seit 2010 bei Fotolia und begann mit Fotos. Musste aber feststellen, dass ich mehr Talent in der Bildbearbeitung/Manipulierung, Illustrationen und Vektoren habe. Da ich das noch nebenbei mache, ist mein Portfolio bei weitem nicht so groß.  Aber ich scheine auf dem besten Weg zu sein, dass meine Grafiken immer mehr Zuspruch finden.
Aber weshalb wende ich mich an dich? Ich habe eine Frage: Welche Erfahrungen hast Du in puncto angebotene Credits? Ich sehe bei dir, dass du fast alle Bilder mit 1, max. 2 Credits anbietest. Ist es aus deiner Erfahrung sinnvoller, mit einem Credit die Bilder anfangs einzustellen? Oder welchen Tipp kannst du mir geben?  Ich wäre dir für eine kurze Antwort sehr dankbar.
Viele Grüße
Thorsten“
Wem der ganze Microstock-Bereich neu ist, der versteht vielleicht die Frage nicht, deshalb eine kurze Erklärung. Bei vielen Bildagenturen können die Bilder nur mit einer Kunstwährung namens „Credits“ bezahlt werden. Über den Daumen gepeilt ist ein Credit meist ca. ein Euro, aber wer viele Credits kauft, bekommt viel Rabatt.
Bei der Bildagentur Fotolia haben Fotografen in gewissen Grenzen die Möglichkeit, den Startpreis für ihre Bilder selbst festzulegen. Standard ist 1 Credit für die kleinste Größe und dann immer mehr Credits für die nächstgrößeren Auflösungen. In dieser Tabelle seht ihr, ab welcher Ranking-Stufe die (nichtexklusiven) Fotografen den Startpreis der Credits festlegen können. Exklusive Fotografen haben noch mehr Möglichkeiten.
Möglichkeiten der Preisgestaltung durch Credits

Wer ein Bild mit zwei oder drei Credits als Startpreis verkauft, der kann pro Verkauf das Doppelte oder Dreifache verdienen.

Deshalb ist die Frage von Thorsten legitim, was sinnvoller ist: Lieber Viele Verkäufe mit 1 Credits oder weniger Verkäufe mit 2-3 Credits?

Bei der Beantwortung gibt es vor hauptsächlich vier Punkte zu berücksichtigen: Angebot und Nachfrage, Ranking, Konkurrenz-Preise und die Rückstufung.

Angebot und Nachfrage

Es ist ein einfaches marktwirtschaftliches Prinzip: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Dieser wird durch die Credits gesteuert. Das heißt vereinfacht: Wer sehr generische Motive fotografiert, die viel Konkurrenz haben, zum Beispiel freigestellte junge Damen oder Obst oder niedliche Katzen, der sollte bei einem Credit bleiben. Wer aufwändigere Shootings macht, die nicht so leicht zu kopieren sind, kann auch zwei Credits ansetzen und wenn diese Motive dann noch stark nachgefragt werden, sogar drei Credits. Ich habe das mal in eine Kreuzmatrix gefasst:

Auch der eigene Verdienst sollte etwas berücksichtigt werden. Ich habe mal einen zweiteiligen Test gemacht (siehe hier und hier), der gezeigt hat, dass man trotz weniger Downloads mit höheren Credit-Preisen mehr verdient. Demnach würde es ja für jeden sinnvoll sein, die Preise so hoch wie möglich anzusetzen? Nein. Denn auch die folgenden Faktoren spielen eine Rolle.

Das Ranking

Bei Fotolia steigen die Fotografen umso höher im Ranking, je mehr Fotos sie verkauft haben. Mit jeder weiteren Ranking-Stufe erhalten sie mehr Prozent vom Verkaufspreis (erkennbar als „Lizenzgebühr“ in der ersten Grafik oben). Die Fotografen beginnen bei 20% und können bis 46% erhalten. Wer seine Fotos nicht mit dem Startpreis von 1 Credit, sondern mit 2 oder 3 anbieten will, sollte bedenken, dass diese Bilder dann seltener verkauft werden. Das ist unter dem Strich durch den doppelten Verkaufspreis zwar trotzdem lukrativ, aber zu bedenken ist, dass der Fotograf auch mit jeder höheren Ranking-Stufe zwischen zwei bis sechs Prozentpunkte mehr Umsatz erhält. Auch dadurch erhält der Fotograf mehr Geld.

Meine Empfehlung ist daher, dass mindestens bis zum Erreichen des Gold-Status die Preise bei 1 Credit belassen werden sollten. Danach kann man selbst entscheiden, ob es sinnvoll ist, zu versuchen, die nächsthöhere Stufe durch mehr Verkäufe erreichen zu wollen, oder lieber direkt mehr abkassiert. Nicht ganz so relevant, aber unter ungünstigen Bedingungen entscheidend sind zwei weitere Punkte.

Konkurrenz-Preise

Fotolia weist Anbieter ab dem Smaragd-Ranking auf eine „Anpassung der Preisgestaltung“ hin:

„Erhält Fotolia Kenntnis, dass ein nicht exklusiver Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking seine Bilder, Vektoren oder Videos (die „Werke“) über andere Stockagenturen oder Webseiten vertreibt (von denen mindestens einige Werke die selben sind wie die über Fotolia angebotenen), und sind die für diese Werke erhobenen Downloadpreise der anderen Stockagenturen oder Webseiten im Vergleich niedriger als die für das Level „Weiss“ im Fotolia Ranking geltenden Downloadpreise, dann behält sich Fotolia gemäß der anwendbaren Gesetze vor, die Preise nach eigenem Ermessen und entsprechend der Konditionen für Anbieter mit dem Level „Weiss“ im Fotolia Ranking anzupassen. Im Rahmen der anwendbaren Gesetze ist Fotolia berechtigt aber nicht verpflichtet, sich von Zeit zu Zeit zu erkundigen, ob einzelne Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking ihre Werke über andere Stockagenturen oder Webseiten vertreiben, wobei diese Anbieter verpflichtet sind, Fotolia unmittelbar auf Anfrage mit diesen Informationen zu versorgen.“

Wer also bei Fotolia das Smaragd-Ranking erreicht hat und seine Bilder für 2 oder 3 Credits anbietet, gleichzeitig aber Bildagenturen beliefert, die für die XXL-größe weniger als 10 Euro/Credits verlangen, könnte von Fotolia auf das Level „Weiß“ zurückgestuft werden. Preislich betrifft das zum Beispiel Agenturen wie 123rf, Canstock oder PhotoDune und nach der jüngsten Preissenkung sogar iStockphoto.

Es scheint von Fotolia jedoch nicht streng gehandhabt zu werden. In der Praxis ist nur bekannt, dass Yuri Arcurs damit gezwungen wurde, von 4 Credits Startpreis auf 3 zurückzuschrauben, bevor er sich endgültig zurückzog. Diese Option sollte man aber im Hinterkopf behalten. Etwas realer ist dagegen folgendes Szenario:

Rückstufung wegen geringer Verkäufe

Ende Juli führte Fotolia eine neue Änderung ein. Bilder, die sich seit sechs Monaten nicht mehr verkauft haben, werden preislich auf den normalen 1-Credit-Startpreis runtergestuft. Nach 24 Monaten ohne Verkäufe erfolgt eine nochmalige Preisreduzierung. Hier die Preise nach einer solchen Rückstufung:

Wenn sich so ein runtergestuftes Bild wieder drei Mal verkauft hat, werden die Preise wieder auf den normalen Standard von 1 Credit bis 10 bzw. 12 Credits (ab Gold-Ranking) gesetzt. Das heißt für die Entscheidung beim Setzen des Startpreises: Wer sein Bild zu teuer anbietet, riskiert, dass es sich seltener verkauft und dann noch billiger als ohnehin schon angeboten wird.

Wie mache ich es?

Ich lasse alle meine Fotos standardmäßig auf 1 Credit. Nur exklusive Bilder fangen mit 2 Credits an. Wenn sich ein Bild besonders gut verkauft hat, mindestens 100x, dann setze ich es je nach Motiv auf 2 Credits hoch. Den Startpreis von 3 Credits darf ich ja erst seit meinem Erreichen des Saphir-Rankings vor einigen Wochen festsetzen, deswegen habe ich damit noch keine Erfahrungen gemacht.

Mit diesen vier Faktoren im Hinterkopf sollte jetzt jeder in der Lage sein, selbst entscheiden zu können, welcher Startpreis für welche Bilder der richtige ist.

Wie macht ihr das? Nach welchen Kriterien legt ihr eure Startpreise fest?

Fotolia ändert Mechanismus für Preissenkungen

Ich hinke wieder etwas hinterher, aber vielleicht haben einige es ja noch nicht bemerkt: Fotolia hat den Mechanismus für Preissenkungen geändert. Was genau sich geändert hat und welche Auswirkungen das hat, will ich heute beleuchten.

Vor ziemlich genau drei Jahren entschied sich Fotolia, die Bildpreise für Fotos, die sich innerhalb der letzten 12 Monate nicht verkauft haben, herabzusetzen, in der Hoffnung, dass sich durch den günstigeren Preis doch noch Käufer für diese Bilder entscheiden würden. Die Bildpreise wurden dann auf 1 Credit für die Größe XS bis hin zu 10 Credits für die XL-Größe. Wenn sich ein Bild dann 5x verkauft hatte, bestand die Möglichkeit, die Preise wieder selbst anzuheben.

Diese Regelung traf vor allem Anbieter, welche ihre Fotos mit dem Startpreis von 2 oder 3 Credits angeboten hatten, denn die Creditspanne von 1-10 Credits war identisch wie beim Startpreis von einem Credit.

Ende Juli schickte Fotolia diese kurze Mail an alle Anbieter:

„Sehr geehrte Anbieter,

um auch Bildern, die seit 6 Monaten nicht verkauft wurden, eine Chance zu geben, haben wir uns entschlossen, die Verkaufspreise anzupassen.

Nach 6 Monaten ohne Verkauf werden die Preise wie folgt verändert:

– XS & S = 1 Credit
– M & L = 2 Credits
– XL, XXL & V = 3 Credits

Diese Preisanpassung wird sicherlich dazu beitragen, neue Käufer für Ihre Dateien zu finden und so Gewinn zu generieren.

Nach drei Verkäufen wird der Preis automatisch zurückgesetzt und Sie haben wieder die Möglichkeit, die Preise zu ändern.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Fotolia Team“

Die Aufregung in den Foren war groß, einerseits, weil die Änderung 1-2 Tage vor der Email unangekündigt in Kraft trat, andererseits weil das für den Fotografen im ungünstigsten Fall eine Preissenkung von fast 92% bedeutet hätte. Im Schnitt über alle Ranking-Stufen und Bildgrößen hinweg ergäbe die obige Änderung eine Preissenkung von fast 74%.

Hier wurde aber nach ca. zwei Tagen schnell zurückgerudert. Statt der 1-2-3-Credits wurden die Credits etwas moderater gesenkt und zwar wie in der folgenden Tabelle in der Spalte „6 Monate unverkaufte Bilder (aktuelle Änderung)“ erkennbar ist. Kommuniziert wurde diese nochmalige Änderung jedoch leider nicht Bei der neuen Preissenkung gibt es im Schnitt „nur“ noch ca. 60% Rabatt.

Die anderen Spalten zeigen an, wie die Credit-Preise je nach Startpreis und Ranking-Stufe bei Fotolia normalerweise verteilt sind. Exklusive Fotografen dürfen die Startpreise schon ab dem Silber-Level höher ansetzen, bei nichtexklusiven Bildern dürfen die Preise erst ab dem Gold-Level angehoben werden.

Was bedeutet das nun für die Fotografen?

In der zweiten Tabelle (siehe oben) ist zu sehen, um wieviel Prozent die Preise mit der aktuellen Änderung gekürzt werden, wenn sich ein Bild innerhalb von sechs Monaten nicht verkauft hat. Ich habe die „Rabatte“ je nach Stärke farblich markiert. Deutlich erkennbar ist, dass die Fotografen mit einem höheren Ranking stärker betroffen sind als die Fotografen in den unteren Stufen. Das ist vermutlich gewollt, weil diese Fotografen länger dabei sind und sich damit auch mehr Bilder ansammeln können, die sich nicht so oft verkaufen.

Auch exklusive Fotografen sind stärker betroffen als nichtexklusive Fotografen, weil diese ihre Startpreise oft höher ansetzen und somit der Preisverfall teilweise doppelt so stark ist (z.B. 83,33% im Vergleich zu 40%).

Negativ ist auch: Die Frist von nur sechs Monaten ohne Bildverkauf ist relativ gering. Ein Kollege meinte sinngemäß kürzlich: „Da werden sich die Käufer von Weihnachtsbaum-Bildern aber freuen„. Obwohl ich kaum saisonale Bilder im Angebot habe, habe ich aber beispielsweise etliche Weihnachtsbilder, die sich jedes Jahr 6 Monate nicht verkaufen und dann wieder einige Monate hintereinander:

Auswertung eines meiner Weihnachtsmotive mittels Stockperformer

Positiv hingegen sind zwei andere Dinge: Einerseits wurde die Schwelle gesenkt, ab der die Bilder wieder zum Normalpreis angeboten werden. Waren früher fünf Verkäufe nötig, sind es jetzt nur noch drei. Außerdem geschieht jetzt die Rücksetzung des Preises automatisch, während früher das bei jedem Bild selbst gemacht werden musste. Die Rücksetzung erfolgt jedoch auf den Startpreis mit einem Credit. Wer standardmäßig höhere Startpreise vergibt, muss das weiterhin manuell machen. Eine kleine Hilfe ist da das Greasemonkey-Skript „Dashboard anpassen“ von Fotogestoeber. Die anderen Vorteile dieser Skripts hatte ich hier schon mal erläutert.

In der Praxis habe ich aktuell ca. 1% Verkäufe mit Bildern, die von dieser Preissenkung betroffen sind. Das ist relativ wenig, weil es eben wirklich alte Bilder sind, die sich bisher nur schleppend verkauft hatten. Deshalb sind finanzielle Einbußen bei mir zumindest dadurch kaum zu spüren. Fotografen jedoch, die sich auf saisonale Motive spezialisiert haben, werden hier sicher mehr Federn lassen müssen.

Update 20.08.2013:
Wie es scheint, hat Fotolia eine zweite Änderung vorgenommen, ohne per Rundschreiben darüber zu informieren. Jetzt gilt aktuell:

„Wird ein Werk innerhalb von 6 Monaten (180 Tagen) nicht verkauft, werden die Verkaufspreise automatisch entsprechend der angeführten Preistabelle auf den Mindestpreis gesetzt. Wird die Datei innerhalb von 6 Monaten drei mal verkauft, können die Preise wieder aktualisiert werden. Die Verkaufspreise einer Datei werden nach 24 Monaten (720 Tage) ohne Verkauf auf folgende Preise gesetzt: XS = 1 credit, S = 2 credits, M = 3 credits, L = 4 credits, XL = 5 credits, XXL = 6 credits. Wird die Datei innerhalb von 24 Monaten drei mal verkauft, werden die Verkaufspreise automatisch entsprechend der angeführten Preistabelle auf den Mindestpreis gesetzt. Erfolgen die drei Verkäufe innerhalb von 6 Monaten, erhält der Anbieter erneut die Gelegenheit, die Preise selbständig anzupassen.“

Das heißt, wird ein Werk innerhalb von sechs Monaten nicht verkauft, wird es erst auf den Basispreis von 1 Credit runtergestuft (siehe die ersten beiden Spalten oben in meiner Tabelle). Erst nach zwei Jahren ohne Verkäufen tritt die drastischere Preissenkung in Kraft.

Wie wirkt sich diese Änderung bei euch aus?

Fortsetzung meines Preiserhöhung-Tests bei Fotolia

Am ersten März hatte ich ein Experiment gewagt.

Ich hatte zwei meiner Bestseller-Fotos bei Fotolia vom Startpreis mit 1 Credits auf 2 Credits gesetzt. Damit wollte ich sehen, welchen Effekt der damit doppelte Preis für das Kaufverhalten der Bildsucher hat.

Über die ersten Ergebnisse habe ich hier im Blog berichtet.

Am Test gab es in den folgenden Kommentaren vor allem zwei berechtigte Kritikpunkte. Erstens war die getestete Bildmenge nicht groß genug (mein Portfolio ist ja zum Verkaufen, nicht zum Experimentieren da) und zweitens hatte ich als ersten Monat der Preiserhöhung den März gewählt, der jedoch bei fast allen Fotografen immer mit Abstand der beste Monat ist, was die Ergebnisse hätte verzerren können. Außerdem wurde vermutet, dass viele Bildkäufer das Bild schon in ihrer Lightbox gehabt haben könnten und dann trotz des höheren Preises gekauft haben und das ansonsten vielleicht nicht getan hätten.

Deshalb habe ich mir die Zahlen jetzt, nach drei weiteren Monaten mit dem höheren Startpreis noch mal angeschaut, die Auswertung erfolgte wieder mit Stock Performer:

Hier das erste Bild. Die blauen Balken bezeichnen die Umsätze mit dem Foto, die rote Linie zeigt die Verkäufe an. Jeder Balken weist einen Monat aus, demnach ist der dritte dunkelblaue Balken der Monat März. Im März, dem Monat der Preiserhöhung, sind sowohl Umsätze als auch Verkäufe deutlich gestiegen. Die nächsten drei Monate sahen jedoch – wie meine Leser richtig vermutet haben – ganz anders aus. Die Verkäufe gingen merklich zurück, stabilisieren sich gerade aber wieder. Das wichtigste jedoch ist: Die Umsätze sind trotz der Preiserhöhung weiterhin über den Umsätzen mit dem 1-Credit-Startpreis geblieben.

Ähnlich sieht es bei dem zweiten Testbild aus:

Die Verkäufe sind nach der Preiserhöhung gefallen, stabilisieren sich aber wieder. Die Umsätze lagen aber ebenfalls höher als vor der Preiserhöhung.

Das Resultat? Wer die Preise seiner Bilder erhöht, wird unter dem Strich weniger Verkäufe haben, aber trotzdem etwas mehr Einnahmen. Den Einfluss der Verkäufe auf das Ranking und den Suchalgorithmus, den ich im ersten Test-Artikel beschrieben habe, sollte man bei seiner Entscheidung für oder gegen eine Preiserhöhung jedoch berücksichtigen.

Soweit alles klar? Leider nicht ganz. Hier ist die Ansicht eines ähnlichen Fotos aus der Serie, welches sich ebenfalls ganz gut verkauft und wo ich den Startpreis auf 1 Credit gelassen habe:

Wie ihr seht, flachen auch hier ab März ganz leicht die Verkäufe ab, wenn auch nicht in dem Maße wie bei den beiden teureren Fotos. Der Umsatz jedoch ist seit März (eigentlich ab Januar schon) stark gestiegen und hat sich mehr als verdoppelt. Woran liegt das? Ich kann nur raten. Im Juni hat Fotolia die Preise unter anderem bei mir wegen meines Smaragdt-Status für größere Bildgrößen um ca. 20% angehoben, was den starken Ausschlag im Juni erklären könnte. Vielleicht haben auch die Bildkäufer auf günstigere Bilder der gleichen Fotoserie umgeschwenkt? Es bleiben noch einige Fragen offen.

Für mich bleibt immerhin die Feststellung, dass höhere Bildpreise im Schnitt mehr Einnahmen, aber weniger Verkäufe bringen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Preisänderungen gemacht?

Auswirkungen von Preiserhöhungen für Fotos bei Fotolia

Fotografen bei der Microstock-Bildagentur Fotolia* haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, den Startpreis ihrer Bilder zu ändern. Standardmäßig werden Fotos für 1 Credit in kleinster Größe verkauft. Wer Bilder exklusiv oder teilexklusiv dort anbietet, kann ab dem Ranking-Level „Bronze“ den Startpreis auf zwei Credits erhöhen, nicht-exklusive Anbieter können das am dem Ranking-Status „Smaragd“. Ab dem Ranking „Silber“ (bzw. „Saphir für nicht-exklusive Fotografen) kann der Startpreis auch bis drei Credits erhöht werden.

Wer dazu die Möglichkeit hat, fragt sich oft: Ist das sinnvoll? Ist es lukrativ, den Preis zu erhöhen? Einerseits bekommt man dann mehr Geld pro Verkauf, andererseits kaufen die Leute stattdessen vielleicht andere, günstigere Bilder und man erhält gar nichts.

Ich habe das letzten Monat mal mit zwei Fotos getestet: Am 01. März habe ich zwei relativ neue Fotos, die sich gut verkaufen, von 1 Credit auf 2 Credits gesetzt. Damit wurden sie schlagartig doppelt so „teuer“ (sofern man das bei Microstock-Bildern so nennen kann). Ich wollte sehen, wie sich die Verkäufe in diesem Monat mit dem neuen Preis entwickeln. Hier die Ergebnisse:

Die blauen Balken zeigen die Umsätze des Fotos pro Monat bei Fotolia. Die rote Linie zeigt den Verlauf der Verkäufe selbst an. Der letzte Balken ganz rechts ist für den Monat März, wo ich den Preis erhöht habe. Wie sehr deutlich zu sehen ist, konnte ich in diesem Monat die Einnahmen mit dem Foto im Vergleich zum Vormonat mehr als verdoppeln (genauer: 115% mehr Credits). Mehr noch: Im März hat das Foto mehr Einnahmen erzielt als die gesamten fünf Monate zuvor! Auch die Verkaufszahlen stiegen weiterhin an, wenn auch nicht mehr so stark wie in den drei Monaten zuvor (26% mehr Verkäufe).

Bei diesem zweiten Bild ist ein ähnliches Schema zu erkennen. Die Umsätze hier „nur“ fast verdoppelt (73% mehr Credits), die Downloads nahmen ebenfalls zu, auch wieder eine geringere Zunahme als die Monate zuvor (7% mehr Verkäufe).

Was sagt uns das? Unter dem Strich war es ein gelungenes Experiment. Ich konnte meine Umsätze mit den Bildern deutlich steigern und auch die Verkäufe selbst waren weniger davon betroffen als gedacht. Selbst wenn die Verkäufe auf dem Vormonatsniveau stagniert wären, wäre der Umsatz gestiegen, weil der Preis pro Download höher ist. Diese Zahlen sind auch relativ aussagekräftig, weil hier Verkäufe im dreistelligen Bereich ausgewertet wurden, wo zufällige Schwankungen weniger ins Gewicht fallen.

Die statistische Auswertung der Verkäufe übernahm wieder das hilfreiche Analysetool Stock Performer für mich.

Zusätzlich habe ich eine andere interessante Beobachtung gemacht: Ich hatte wie andere Fotografen die Vermutung, dass viele Bildkäufer wegen des höheren Preises lieber die nächstkleinere Bildgröße kaufen, also XS statt S, S statt M und so weiter. Selbst wenn das alle Käufer machen würden, würde ich mit der Preissteigerung trotzdem mehr verdienen, weil die Käufer bei jedem „Downgrade“ (außer von XS auf S) trotzdem mehr als vorher bezahlen würden, siehe hier: Grün bedeutet eine Preisersparnis, rot eine Preissteigerung.

Luis Alvarez von Stock Performer war so freundlich, extra für mich tiefer in seiner Datenbank zu wühlen und mir rauszusuchen, wie sich die prozentuale Verteilung der gekauften Bildgrößen geändert hat (das geht noch nicht automatisch, aber ist in Arbeit). Schauen wir uns das zuerst grafisch an:

Die obere Grafik ist für das „Daumen hoch„-Bild*, die untere für das „Studenten beim Lernen„-Bild*. Die blauen Balken zeigen die prozentuale Verteilung der gekauften Bildgrößen für Februar, die lila Balken die Verteilung für März.

Es ist klar zu sehen, dass meine Vermutung vollkommen falsch war: Die Bildkäufer kaufen keine kleineren Größen, wenn das Bild teurer ist, im Gegenteil. Sie kaufen stattdessen vermehrt größere Lizenzen. Warum das so ist, ist mir noch unklar. Es könnte sein, dass die „Schnäppchenjäger“, die vor allem für Blogs und Internetseiten billiges Fotomaterial brauchen, durch die höheren Preise abgeschreckt sind und deshalb vermehrt die Leute kaufen, welche die Fotos drucken wollen. Das würde zwar die Verschiebung hin zu den größeren Lizenzen erklären, aber nicht die absolute Steigerung der Downloads. Vielleicht rankt Fotolia die Bilder besser, wenn vermehrt mehr Geld dafür ausgegeben wird?

All diese Erkenntnisse bedeuten, dass es kurzfristig finanziell betrachtet oft sinnvoll sein kann, die Preise von Bildern zu erhöhen.

Trotzdem gibt es vor allem zwei Faktoren zu berücksichtigen, welche diese optimistische Annahme etwas relativieren.

Erstens ist das der Ranking-Status: Bei Fotolia verdienen die Fotografen umso mehr Kommissionen, je höher sie im Ranking aufsteigen. Das ist in der Tabelle obven gut sichtbar. Es fängt bei 20% an und geht bis 46%. Für das Ranking werden jedoch nur die reinen Verkaufszahlen berücksichtigt, aber nicht die Umsätze. Wie ganz oben ersichtlich ist, nehmen die Verkäufe nicht so schnell zu, wenn der Preis erhöht wird. Das bedeutet, dass es länger dauert, bis ein Fotograf den nächsten Rang und damit eine generelle Kommissionserhöhung erhält. In der Praxis deshalb mein Tipp: Die Erhöhung der Startpreise ist vor allem für nicht-exklusive Fotografen ab Smaragd-Status und für exklusive-Fotografen ab Gold-Status empfehlenswert, weil ab dann die Prozentpunkte bei den Kommissionen nur wenig erhöht werden und die Verweildauer auf der gleichen Rankingstufe deutlich länger ist.

Zweitens spielt der Suchalgorithmus eine Rolle: Neben enigen anderen Faktoren ist vor allem die Anzahl der Verkäufe eines Bildes ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung, wie weit oben es bei Suchanfragen angezeigt wird. Je öfter und je höher ein Foto den Käufern bei den Suchtreffern gezeigt wird, desto öfter verkauft es sich. Das kann gerade am Anfang des Lebenszyklus‘ eines Bildes entscheidend sein, ob das Bild ein Bestseller oder ein Ladenhüter wird. Außerdem gibt es bei Fotolia einen Preisfilter, mit dem Leute sich nur Bilder für 1 Credit Startpreis anzeigen lassen können. Da wären 2 Credit-Bilder dann nicht dabei. Deswegen erhöhe ich die Preise meiner Bilder nur, wenn sie sich „bewiesen“ haben, das heißt, schon häufig verkauft wurden. Außerdem kann es sein, dass sich das Verhältnis von Bildansichten und Verkäufen bei einer Preiserhöhung verschlechtert, was wiederum ebenfalls zu einer Benachteilung der Bilder im Suchalgorithmus führen kann. Das müsste ich etwas beobachten.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Veränderungen eurer Bildpreise gemacht?

* Affiliate