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Frage von Photography Q & A – Welche Blitze nutzt Du?

Im Rahmen meiner Rezension des Buchs „Photography Q & A“ hatte ich euch Leserinnen und Leser zu Fragen in den Kommentaren ermuntert.

Einige dieser Fragen will ich in loser Folge beantworten. Fangen wir mit Manne an, der fragte:

„Nutzt du eher natürliches vorhandenes Licht oder Blitze?
Wenn Blitze, was ist dein Lieblingslichtformer?“

Klare, einfache Fragen.

Früher hatte ich Angst vor Blitzen. In meinen Augen waren sie unberechenbar. Ich fotografierte lieber Blumen und Landschaften.

Als ich dann jedoch Ende 2005 das erste Mal begann, Menschen für Bildagenturen zu fotografieren, nahm ich als Lichtquellen zuerst auch keine Blitze, sondern erst weißes Papier als Aufheller für das Tageslicht, dann baute ich mir abenteuerliche Konstruktionen aus billigen Baustrahlern mit weißen Bettlacken als Diffusor. Im Nachhinein betrachtet sehr gefährliche, aber unschlagbar billige Aufbauten. Trotzdem hatten sie den Vorteil, dass es Dauerlicht war und ich mich nicht um Blitze kümmern musste. Schnell merkte ich aber, dass Halogenlicht von der Farbtemperatur und Lichtleistung ungeeignet für schöne Portraits ist.

Ich kaufte mir also ein paar Studioblitze und arbeitete mich langsam in das richtige Blitzen ein. Für das Verständnis sehr geholfen hat mir neben Tutorials im Internet auch das Buch „Heute schon geblitzt?„, was sich vor allem mit den kleinen Systemblitzen beschäftigt und einem gut die Angst für diesen heimtückischen Lichtwerfern nehmen kann.

Outdoor-Foto
Heute bin ich zwar sicher immer noch kein perfekter Blitzfotograf, weil die Lichtanforderungen der Stockfotografie (helles, weiches Licht) relativ einfach sind und mich nicht aus meiner „Komfortzone“ zwingen. Trotzdem merke ich, dass ich mich ein Shooting ohne künstliche Lichtquellen kaum noch zu planen traue.

Im Studio arbeite ich immer mit einer großen Octobox* an einem Studioblitz (500W), meist mit 90 cm Durchmesser, manchmal auch mit 150 cm.

On location, also in anderen Räumlichkeiten als meinem Studio nehme ich immer diesen Blitzaufbau für entfesseltes Blitzen. Von diesem Aufbau habe ich meist zwei Versionen gleichzeitig im Einsatz, mit eine 60x60cm und eine mit 38x38cm-Softbox. Beim Shooting sieht das dann so aus wie hier. Dieser Aufbau hat den großen Vorteil, dass ich nicht nach Steckdosen suchen muss, niemand über Kabel stolpert und alles so leicht und kompakt ist, dass es auch ohne Auto im Koffer transportieren kann. So sieht das dann aus.

Ich liebe die Lastolite-Softboxen*, sowohl was die weiche Lichtwirkung als auch den unschlagbar einfachen und schnellen Auf- und Abbau angeht. Da bin ich richtiggehend verwöhnt und ärgere mich jedes Mal, wenn ich die widerspenstigen Stäbe in mein Studio-Softbox frimmeln muss.

Wenn ich komplett draußen fotografiere, kommt entweder der obige Blitzaufbau mit nur einem Blitz zum Einsatz oder noch öfter einfach nur dieser Ringblitz auf Aufheller und zur Kontrastkontrolle. Gegenüber dem entfesselten Blitzen hat der Ringblitz den Vorteil, dass er bei Wind nicht einfach umkippt, dass ich nicht immer bei einem Ortswechsel von einigen Metern den Blitz umstellen oder mitnehmen muss und er ist auch zusammengepackt noch mal viel kompakter.

Wenn ich die Ausgangsfrage gestellt würde: Wie würdet ihr sie beantworten?

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Verbesserter Blitzaufbau für entfesseltes Blitzen

Vor ca. vier Jahren habe ich hier im Blog meinen Blitzaufbau vorgestellt, den ich nutze, wenn ich unterwegs Fotos mache.

Im Laufe dieser vier Jahre habe ich mich jedoch – hoffentlich – immer etwas verbessert. Dazu gehört auch eine Verbesserung meines damaligen Blitzaufbaus. Viele Teile habe ich ausgetauscht oder gegen bessere Versionen eingetauscht. Deshalb stelle ich euch heute meinen verbesserten Blitzaufbau für das entfesselte Blitzen vor. Diesen nutze ich im Grunde fast immer, wenn ich on location Fotoshootings habe, wenn ich nicht gerade einen Ringblitz-Adapter nutze.

Mein erster Blitzaufbau legte vor allem Wert auf geringe Kosten, was leider manchmal zulasten der Bequemlichkeit und/oder der Lichtqualität ging. Zusammen kostete alles ca. 200 Euro, wenn man statt der Canon-Blitze und der Pocketwizard-Funkauslöser den Yongnuo Speedlight YN-560 II* (ca. 70 Euro) und Funkauslöser RF-602 C3 (ca. 35 Euro) nimmt. Mein heutiger Blitzaufbau ist vor allem dafür gedacht, lichtstark und komfortabel und gleichzeitig transportabel zu sein.

Woraus besteht der Aufbau?

  1. Mini-Compact-Stativ AC 1051 von Manfrotto (ca. 68 Euro). Der Vorteil dieses Stativs ist, dass es zusammengeklappt sehr klein ist und trotzdem auf eine Höhe von bis über 2 Meter ausgefahren werden kann. Mehrere Stative der gleichen Art können für den Transport platzsparend zusammengehakt werden. Spartipp: Im Dreierpack* kosten die Stative nur je ca. 54 Euro.
  2. Schirmneiger Lite-Tite MA 026 von Manfrotto (ca. 32 Euro). Beim diesem Schirmneiger ist der ebenfalls benötigte Zapfenadapter im oben genannten Preis enthalten, bei einigen billigeren Angeboten muss er extra gekauft werden.
  3. Funkauslöser FlexTT5* und MiniTT1* (nicht im Bild, kommt auf die Kamera) von Pocketwizard (zusammen ca. 390 Euro). Gegenüber vielen anderen Auslösern haben diese den Vorteil, dass sie die E-TTL-Blitzsteuerung von Canon bzw. die iTTL-Steuerung von Nikon unterstützen und garantiert zuverlässig auslösen. Hinweis: Die Links führen zu den Canon-Modellen, hier die Nikon-Variante*.
  4. Canon Speedlite 600EX-RT* (ca. 540 Euro). Günstigere Blitze funktionieren ebenfalls, dieser hat jedoch die größte Leistung und unterstützt E-TTL. Im Bild ist noch der 580 EX II zu sehen, aber da werde ich bald aufrüsten. Theoretisch bräuchte man dann auch den FlexTT5 nicht mehr, da ein Funkempfänger im Blitz eingebaut ist, aber die Reichweite der Pocketwizards ist höher und je nach Geschmack ist es bequemer, Blitzgruppen zu ordnen oder den Blitz abzustellen.
  5. LastoLite Ezybox 60 x 60 cm* (ca. 170 Euro). Diese faltbare Softbox gibt es von verschiedenen Firmen und in unterschiedlichen Größen. LastoLite ist eine der teureren Firmen, dafür lassen sich deren Softboxen sehr schnell und einfach falten und sie „leiern“ nicht aus. Der Vorteil der großen Variante (im Gegensatz zu 38 x 38 cm) ist, dass das Licht weicher wird, was gerade für Stockfotos oft erwünscht ist.

Zusammen kostet der komplette Aufbau ca. 1.200 Euro, was deutlich mehr als die 200 Euro des ersten Aufbaus sind. Für den Preis könnte man fast auch eine transportable Studioblitzanlage bekommen. Dafür ist diese Variante leichter, kompakter und damit einfacher zu transportieren und beim Fotografieren bequemer, weil man keine manuelle Blitzleistung einstellen muss und das meiste über die ETTL-Automatik geregelt werden kann.

In der Praxis nutze ich mittlerweile auch zwei dieser Setups, weil bei nur einer Lichtquelle vor allem bei Gruppenfotos doch an der einen oder anderen Ecke etwas Licht fehlen kann.

Was nutzt ihr, um entfesselt zu blitzen?

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Gruppenfotos in einer Apotheke (mit Making-Of-Fotos)

Vor ca. zwei Jahren hatte ich mal in einer Apotheke fotografiert. Die Fotos liefen gut, hatten aber zwei „Haken“. Zum einen war die Apotheke knallorange, was einige Kunden anscheinend zu würdigen wussten, weil es sich farblich von den üblichen „hellen, weißen“ Apothekenfotos unterschied. Außerdem war ich nur mit einem Model vor Ort, was den Nachteil hatte, dass ich nur eine Apothekerin oder Kundin allein zeigen konnte, aber nicht die Interaktion zwischen Kollegen oder die Beratung eines Kunden durch Apotheker.

Bei einem weiteren Apotheken-Shooting wollte ich das ändern.

Mit einer befreundeten Inhaberin von zwei Apotheken machte ich einen Deal: Sie bekam schöne Portrait- und einige Gruppenfotos ihrer Mitarbeiterinnen für die geplante neue Webseite und ich durfte im Gegenzug am Wochenende in einer der Apotheken mit Models fotografieren. Es stand eine niegelnagelneu gebaute Apotheke zur Auswahl in glänzenden Brauntönen, die mir jedoch zu dunkel wirkte. Die andere Apotheke war aber perfekt: Ein strahlendes Grün und viel Platz.


Schwieriger als gedacht gestaltete sich die Model-Suche. Das lag zum einen daran, dass die Apotheke tief in Brandenburg versteckt lag und ich nur zwei Models mit dem Auto von Berlin mitnehmen konnte, zum anderen aber auch am Alter. Ich bekam auf meine Job-Ausschreibung haufenweise Bewerbungen von vielen jungen Mädchen (16-25 Jahre) und einigen jungen Männern (18-25 Jahre). Aber die Ausbildung zur PTA (Pharmazeutisch-technischer Assistentin) oder gar zur Apothekerin dauert lange und die Eröffnung einer Apotheke ist mit einem finanziellen Risiko verbunden, weshalb zu junge Menschen auf den Fotos unpassend wirken würden.

Ich entschied mich deshalb für die drei oben gezeigten Frauen, die Ende 20 bis Mitte 30 waren. Außerdem gab es einen guten Mix an Haarfarben (blond, brünett, schwarz) und anhand der Sedcards war klar, dass die Models etwas Erfahrung hatten. Mir fehlte jedoch noch ein Mann, weil ich keine reine Frauengruppe fotografieren wollte und eine ältere Person als „Chef“ gut ins Bild passen würde. Die Bewerber waren jedoch vom Typ her alle unpassend, entweder zu jung, mit megalanger Rockermähne oder voll tätowiert. So suchte ich mir selbst einige Sedcards raus und schrieb den oben gezeigten Frank Kobuhs direkt an. Er hatte zwar wenig Model-Erfahrung und ist eher als Hobby-Fotograf aktiv, passte aber vom Typ, vom Alter und war einverstanden. Außerdem machte er paar Making-Of-Fotos, die ich unten noch zeige.


Wie immer bei Apotheken ist die größte Herausforderung, die Unmengen an Markennamen und geschützten Logos zu vermeiden. Ich versuchte das zu lösen, indem ich stark mit offener Blende (von 1.8 bis 2.8) fotografierte, was aber die Wahrscheinlichkeit von Unschärfen im Bild erhöhte, vor allem, wenn bei Gruppenaufnahmen nicht alle Personen auf gleicher Höhe stehen. Eine weitere Schwierigkeit war, dass die Verkaufstheke im Boden verschraubt war und wir sie deshalb nicht nach vorne schieben konnten, um den Abstand zum Regal im Hintergrund zu erhöhen. Wir hätten natürlich die ganzen Pillenpackungen wegräumen können, aber dann wäre es nur eine grüne Wand und das Foto nicht mehr als Apothekenfoto zu erkennen gewesen.


Manchmal, wie bei diesem Foto am linken Rand, musste ich dann digital mehr Unschärfe hinzufügen, um die Markenprobleme zu umgehen. Das lachende Model hat mich übrigens so überzeugt, dass ich sie einige Wochen später gleich für ein anderes Shooting gebucht habe. Die Kittel waren übrigens eine weitere Aufgabe, die ich schnell meistern musste. In meinem Requisitenfundus habe ich zwar einige weiße Schlupfkasacks, aber in Apotheken werden fast nur lange weiße Kittel getragen. Von einem Freund der Freundin eines Freundes (ihr seht, gute Kontakte sind wichtig), der in einem Krankenhaus arbeitet, konnte ich mir zwei weiße Kittel leihen. Drei weitere Kittel kaufte ich schnell bei Ebay. Leider gab es nicht das gleiche Modell in verschiedenen Größen, aber dafür waren die Kittel deutlich günstiger. Eins der Models brachte auch einen eigenen Kittel mit. So hatte ich vor Ort genügend Auswahl, um die Kittel entsprechend der Kleidergrößen verteilen zu können.


Ihr seht auf den Bildern, dass nicht alle Models immer im Vordergrund sein müssen. Oft reicht es aus, einige der anderen Models im Hintergrund agieren zu lassen, um den Eindruck einer belebten, gut besuchten Apotheke mit vielen Mitarbeitern zu erwecken.


Das obige Foto gehört mit zu meinen Favoriten der Serie durch die ungewöhnlichere Perspektive. Fast unnötig zu sagen, dass sich das Foto der lachenden Apothekerin mit verschränkten Armen deutlich besser verkauft. Wo wir beim Thema wären: Alle Fotos dieser Serie sind hier exklusiv bei Fotolia* erhältlich. Das gezeigte Foto illustriert noch einen anderen Punkt sehr gut. Die Beleuchtung. Wie angekündigt gibt es paar Making-Of-Fotos von Frank und eins davon zeigt, wie das „Rezept-Foto“ entstand.


Ihr seht: Viel Tageslicht (pralle Mittagssonne) rechts vom Fenster her, über die Decke reflektiertes Licht einer transportablen Lastolite Ezybox* und ebenfalls gegen die Decke gerichtet etwas „normales“ Blitzlicht auf der Kameraachse. Nicht im Bild sichtbar ist der California Sunbounce Mini*, der links vom Model steht, um auch die Schattenseite besser aufhellen zu können. Ausgelöst habe ich mit den neuen PocketWizard MiniTT1-Funkauslösern*, um die TTL-Funktionen der Canon Speedlites nutzen zu können.


Auf dem zweiten Making-Of-Bild sind noch zwei weitere Details zu erkennen. Ich habe aus den Fehlern des Bibliothek-Shootings gelernt und wieder mein Manfrotto Monopod* mitgenommen, um auch bei Belichtungszeiten von 1/30 oder 1/50 die Bilder nicht zu verwackeln. Außerdem ist erkennbar, wie viel Helligkeit der Sunbounce-Reflektor ausmachen kann, der das Licht vom Fenster auf die Schattenseite der Models reflektiert. Der Blitz schaut übrigens in die falsche Richtung, weil ich Sekunden zuvor noch ein vertikales Foto gemacht und dafür gegen die Decke geblitzt hatte.


Eine Schwierigkeit, die ich bei diesem Shooting noch nicht zufriedenstellend gelöst habe, ist der Farbtemperatur-Unterschied zwischen dem Tageslicht, Blitzlicht und der Innenbeleuchtung. Tageslicht und Blitzlicht hatten ca. eine Farbtemperatur von 5500-600 Kelvin. Die Innenbeleuchtung bestand jedoch aus vielen winzigen Halogenstrahlern, die mit ihren ca. 3500°C (wie bei meinem Grinse-Portrait zu sehen) für ein Gelbstich sorgen. Ich hätte entweder Farbfolien vor den Blitz machen können, aber dann hätte ich ohne das helle Tageslicht auskommen müssen (soviel Folie, damit es für die gesamte Fensterfront gereicht hätte, hatte ich nicht mit). Die zweite Möglichkeit wäre gewesen, jeden einzelnen der Halogenstrahler mit einer Blaufolie zu bekleben, aber das wäre sehr aufwändig gewesen, da es viele Strahler waren, die ohne Leiter nicht erreichbar und teilweise auch hinter Wandverblendungen verbaut waren.

Insgesamt war es wieder eines meiner logistisch aufwändigeren Shootings, was sich – wenn ich mir die Verkaufszahlen anschaue – jedoch gelohnt hat.

Wie löst ihr das Problem unterschiedlicher Farbtemperaturen? Was sagt ihr zu den Fotos?

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Fürs Theater fotografieren: Die Legende vom armen Heinrich

Na, habt ihr es bemerkt? Statt wie sonst heißt es diesmal nicht „im Theater fotografieren“, sondern „fürs Theater“.

Eine Teilnehmerin unseres Fotokurses, Julia Waldorf, hatte die Ehre, mit der Theatergruppe Köln ein Stück in der Kölner Comedia inszenieren zu dürfen. Sie fragte mich, ob ich nicht die Fotos für die Webseite und das Programmheft machen könne und ja, ich konnte.

Als Stück wählte Julia das Jugenddrama „Die Legende vom armen Heinrich*“ nach Tankred Dorst. Das Stück basiert auf einer mittelhochdeutschen Versnovelle des 12. Jahrhundert und wurde zusammen mit Ursula Ehler vom Dramatiker Tankred Dorst 1992 geschrieben. In der Geschichte geht es – vereinfacht gesagt – um ein Mädchen, welches sich für einen totkranken Jungen opfern will. Die mittelalterliche Handlung wurde dabei den modernen Gegebenheiten angepasst.


Für mich war es spannend, weil es eine Mischung aus Stockfotografie und Theaterfotografie war: Die Fotos waren als Werbung für das Stück gedacht und mussten entsprechend plakativ sein, aber auch die Charakteure gut darstellen. Im Gegensatz zu den Fotos bei Generalproben oder während Theateraufführungen konnte ich hier die Darsteller Aktionen wiederholen lassen und auch meinen Blitz einsetzen. Wobei das oben gezeigte Foto eins der wenigen ist, welche ich ganz ohne Blitz gemacht habe.


Die Darsteller durften vorher selbst überlegen, welche Motive am besten ihrer Rolle entsprechen würden und das führte dazu, dass wir ein sehr breites Spektrum an Bildern erhielten. Von „witzig-verspielt“ über „romantisch“ bis hin zu „düster“.


Fotografiert habe ich mit der Canon 5D Mark II, als Objektiv kam mein 24-105mm f4 zum Einsatz, geblitzt habe ich mit einer Lastolite Ezybox 38x38cm*, teilweise wurde etwas mit weißen Laken oder Papier aufgehellt. Variiert habe ich vor allem den Abstand der Models vom Hintergrund, den Abstand und die Höhe der Softbox zu den Models und die Mischung von Tageslicht und Blitzlicht.


Beim Foto des Mannes mit Blumen kam zum Beispiel deutlich mehr Tageslicht zum Einsatz als bei der Frau mit dem Fächer, was fast nur mit Blitzlicht belichtet wurde. Ihr seht, dass auch mit einer minimalistischen Ausstattung sehr verschiedene Looks entstehen können.


Beim Bild mit der Kapuze habe ich beispielsweise auch nur Blitzblicht benutzt und am Reflex in den Augen und dem Schattenwurf erkennt ihr, dass die Softbox direkt unter der Kamera auf das Kinn gerichtet war. So bekommt das Foto einen gruseligen Look, der auch gewünscht war, weil die Frau auf dem Foto einen Geist oder sowas ähnliches spielt. Spannend war hier für mich auch zu sehen, was Schminke ausmachen kann. Die Frau war sehr jung, aber bekam viele dunkle Stellen ins Gesicht geschminkt, die auf dem Foto wie Falten aussehen. Beachtet vor allem die Wangen und die Stirn.


Ich mag den Hydrant im Vordergrund. Wo die Softbox steht, erratet ihr sicher selbst.


Dieses Foto ist eins meiner Favoriten, weil es mit sehr wenigen Requisiten trotzdem sehr glaubhaft wirkt (okay, das Haarnetz fehlt) und eine Geschichte erzählt. Ich habe mich bemüht, viel von der Decke des Proberaums auf das Bild zu bekommen, weil es eine gute Möglichkeit war, auch ohne korrektes Bett den medizinischen Flair eines Krankenhauses zu erzielen. Weil die Softbox hier rechts von oben kommt, habe ich die wichtige Handschuh-Hand links etwas mit einem LED-Licht (dem Litepanels Micro Kit*) aufgehellt.

Dazu noch ein spannender Hinweis. Das kleine LED-Licht nehme ich oft und gerne unterwegs mit, weil es eine gute und praktische Möglichkeit ist, zusätzlich zum vorhandenen Blitzaufbau schnell zusätzlich ein Akzentlicht zum Aufhellen kleiner Stellen zu setzen, für die es sich nicht lohnen würde, ein komplettes zusätzliches entfesseltes Blitzset einzurichten. Für mehr reicht die Lichtstärke auch nicht, aber es gibt auch eine doppelt so helle Version namens Litepanels MicroPro*. Gut zu sehen ist der Einsatz beim nächsten Foto mit dem Messer:


Erkennt ihr, was das kleine LED-Licht bewirkt? Zum Vergleich mal roh aus der Kamera das vorige Foto ohne das zweite Akzentlicht:

Das zusätzliche Licht fällt stark links von oben auf die Messerspitze, die ansonsten fast komplett im Dunkeln verschwinden würde. Kleines Licht, große Wirkung. Zwei weitere Vorteile des LED-Lichts im Vergleich zu einem zweiten Blitz: LED verbraucht weniger Batterien und weil es Dauerlicht ist, ist es viel einfacher, den Effekt des Lichts schon vor dem Fotografieren zu sehen und korrigieren zu können.

Ironie der Geschichte ist übrigens, dass ich als Fotograf das fertige Stück gar nicht zu sehen bekommen habe. Es gab insgesamt sechs Aufführungen in Köln und ich war leider an allen Terminen in Berlin.

Mehr Fotos von mir gibt es auf der Webseite des Stücks.

Welches Foto gefällt Euch am besten und warum?

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Tutorial für Blitzaufbau bei Portraits (Hip Hop Look)

Vor paar Wochen saß ich mit dem Fotografen Luis Alvarez in einer schicken Bar in Berlin-Mitte, die ungelogen einen Laptop-Besucher-Ratio von fast 1:1 hatte.  Luis fotografiert exklusiv für istockphoto und Getty Images und schreibt den sehr empfehlenswerten Blog vela-photo.com, in dem er Bildaufbau-Tutorials, Analysen zur Stockfotografie und vieles mehr veröffentlicht.

Wir wollten was zusammen machen und haben uns überlegt, dass Luis einen Gastartikel schreiben könne. Da sein Blog in englisch gehalten ist, gibt es diesmal hier sein aktuelles Tutorial für den Blitzaufbau bei Portraits auch in deutsch.

Viel Spaß beim Lesen! (ab jetzt schreibt Luis)

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Neulich war ein Freund von mir in Berlin zu Besuch. Er kommt ursprünglich aus Los Angeles und es hat nicht lange gedauert, bis ich ihn überzeugen konnte, für mich zu modeln! Das Shooting war besonders interessant, weil wir wenig Zeit hatten und ich einige Lichtaufbauten ausprobieren wollte.

Das Ergebniss ist eine Serie von Portraits, jedes ein bisschen anders.

Ich möchte gern mit euch vier der Licht-Einstellungen teilen und zeigen, wie jede Variation auf ein Bild wirkt.

Ein Blitz

Das erste Portrait wurde mit nur einem Blitz gemacht. Der Hintergrund war grau. In meinem Studio arbeiten wir nur mit Profoto und ich hab dafür ein Profoto Beauty Dish mit Glas-Deflektor und Waabe genutzt (Ich hab keinen Affiliate-Kontakt zu Profoto, die Links dienen lediglich der Information, so dass ihr wisst, was ich genau genutzt habe). Das Beauty Dish habe ich über dem Model rechts (also links vom Fotografen) positioniert.

100mm, f8, 1/160s

Dank des höheren Winkels, aus dem das Licht kommt, sind viele Schatten zu sehen, was einen sehr dramatischen Look ergibt. Der Glas-Deflektor sorgt dafür, dass das Licht ungleich auf das Model fällt und mehr Drama erzeugt. Das funktioniert sehr gut für ernste Porträts.

Licht Setup: Ein Blitz

Zwei Blitze

Das erste Bild ist dunkel und ernst. In der nächsten Variante wollte ich den Hintergrund beleuchten.

Dafür habe ich einen normalen Profoto Zoom Reflektor mit Waabe auf den Hintergrund gerichtet.

100mm, f7.1, 1/160s
100mm, f7.1, 1/160s

Man sieht sofort den grauen Hintergrund, wo vorhin nur schwarz zu sehen war. Das gibt dem Bild mehr Tiefe, weil das Model vom Hintergrund getrennt wird.

Das nächste Bild wurde mit genau den gleichen Einstellungen gemacht. Ich habe nur leicht den Winkel des Beauty Dishes geändert. Ihr seht, dass das Licht hauptsächlich auf den Kopf und den Oberkörper fällt. Der Hintergrund-Blitz wirkt bei dem Bild sehr gut!

100mm, f9, 1/160s

Licht Setup: Zwei Blitze

Vier Blitze

Das Setup mit zwei Blitzen ist schön. Aber um den echten „Rapper Look“ zu bekommen, möchte ich das Model vom Hintergrund noch mehr trennen und dem Bild mehr Dimension geben. Die kriegt man mit Licht von hinten. Ich habe zwei Profoto Strip Lights hinzugefügt, einmal links und rechts hinter dem Model. Ich habe auch die Hintergrundfarbe geändert, Lila ist viel lebendiger. Das Beauty Dish habe ich diesmal direkt vor dem Model und über der Kamera platziert, so sind die Schatten viel symmetrischer, was besser zum Konzept passt.

100mm, f9, 1/160s

Die kleine Sternchen habe ich mit Photoshop gemacht, das ist einer der Pinsel, die ab CS2 standardmäßig dabei sind.

Licht Setup: 4 Blitze

Fünf Blitze (Vier Blitze und ein Ringblitz)

Meine letzte Variation gibt dem Bild viel mehr Bling und Glamour, in dem ich einen Profoto Ringblitz mit Reflektor nutze. Ringblitze wirken immer gut auf Bildern, die werden sofort lebendig und glamourös! Für diese Einstellung bleiben alle andere Blitze unverändert.

100mm, f9, 1/160s

Ihr merkt, dass das Ringblitz einheitlich das ganze Model beleuchtet, von der Hose bis zum Kopf. Die Qualität des Lichtes ist sehr unterschiedlich im Vergleich zu den anderen Blitzen. Ringblitze produzieren einzigartiges Licht, sehr beliebt in der HipHop-Szene.

Licht Setup: 5 Blitze


Ich hoffe, die verschiedenen Licht-Diagramme waren hilfreich und haben euch gezeigt, wie man mit mehr und mehr Licht das Bild beeinflussen kann! Ich empfehle jedem, erstmal klein anzufangen und mit der Zeit immer mehr Licht zu nutzen, um besondere Bilder zu produzieren.

Welches Licht nutzt ihr? Und wie sehen die Bilder aus?

Ich werde demnächst die Photoshop-Datei vom vorletzten Bild auf meinem Blog veröffentlichen. So könnt ihr sehen, wie viel man mit Photoshop noch ändern kann!

Luis Alvarez