Schlagwort-Archive: ShutterSnitch

Rezension: CamRanger – Kabellose DSLR-Fernsteuerung mit dem iPad

Im Blog hatte eine Lösung vorgestellt, mit der man die Bilder seiner DSLR-Kamera kabellos direkt auf das iPad, einen Laptop oder ein anderes Tablet senden kann.

Das funktioniert super und nutze ich sehr häufig. Bisher hatte mir noch die Möglichkeit gefehlt, die Bilder schon vor dem Auslösen auf einem externen größeren Monitor zu sehen, idealerweise ebenfalls kabellos. Das soll mit CamRanger* möglich sein, weshalb ich den Hersteller gebeten habe, mir ein Testmuster zu schicken. Ausgepackt sieht das so aus:

Cam-Ranger-Zubehoer_P0A7906
Das weiße Teil unten ist der CamRanger selbst, dazu kommen zwei Kabel, das weiße zum Aufladen des Akkus, das schwarze zur Verbindung mit der Kamera, eine Hülle und eine kurze Anleitung. Wenn man dieser Anleitung folgt, ist die Ersteinrichtung des WLAN-Netzwerks einfach und schnell erledigt. Nüchtern betrachtet ist der CamRanger nämlich nichts anderes als ein Router, welcher ein WLAN-Netz aufbaut, über das dann die Kamera die Daten an eine App liefert. Während es für Android dafür einige günstige Lösungen gibt – dazu unten mehr – ist das bei Apple aufgrund der restriktiveren Software-Architektur nicht so einfach möglich. CamRanger hat deshalb weniger Konkurrenz, die sich die Firma mit über 300 Euro pro Gerät gut bezahlen lässt. Es werden die gängigsten Canon- und Nikon-Kameras unterstützt. Der Akku soll ca. 4-6 Stunden halten. Es ist etwas irritierend, dass an beiden Seiten ein weißer Schalter ist, wovon nur der eine der An/Aus-Schalter ist. Der zweite Schalter hat keine Funktion. Als ich versehentlich mal den falschen Schalter betätigt hatte, lief der Akku natürlich leer.

Etwas umständlich ist die Nutzung des CamRangers selbst, denn obwohl eine kabellose Lösung versprochen ist, muss erst mal das Kabel von der Kamera zum CamRanger angeschlossen werden. Dieser hat ca. die Ausmaße einer Zigarettenschachtel. Ich habe das meist so gemacht, dass ich den CamRanger in die mitgelieferte Tasche gesteckt habe, wo das Kabel rausguckt und dann die Tasche mit dem daran befestigten Karabinerhaken an meinen Kameragurt oder das Stativ befestigt habe. Gefüllt wiegt die Tasche mit beiden Kabeln ca. 208 Gramm. Sie baumelt dann zwar etwas rum, aber das zusätzliche Gewicht ist auch mit der Hand zu tragen. Es gibt aber auch einen Adapter*, um den CamRanger auf dem Blitzschuh zu montieren.

Aber was kann man mit der gleichnamigen App nun machen? Ich habe die iOS-Version getestet, weil es wie gesagt für Android deutlich billigere Lösungen gibt. Das Interface der App sieht so aus:

Camranger-Screenshot

Leider funktioniert der Zugang zur App nur, wenn auch eine Funkverbindung zum CamRanger steht, was schade ist, wenn man mal schnell nach dem Shooting einige der fotografierten Bilder ansehen will. Die Oberfläche ist ähnlich aufgebaut wie bei anderen LiveView-Systemen. Den Hauptteil des Bildes nimmt der Monitor ein, der zeigt, was die Kamera auch sieht. Durch Tippen auf den Monitor lässt sich die gewünschte Stelle fokussieren, rechts kann aber auch deutlich genauer der Fokus manövriert werden. Es gibt ein Live-Histogramm und Zusatzfunktionen wie HDR-Aufnahmen, Fokus-Stacking, Zeitraffer-Aufnahmen etc. sind möglich.

Die wichtigsten Funktionen der Kamera können über die App ferngesteuert werden, zum Beispiel Blende, Belichtungszeit, ISO-Wert, Weißableich, Aufnahmemodus, Über- und Unterbelichtung, Fokus und einige mehr.

Während meiner Testzeit gab es ein Firmware-Update, was etwas umständlich zu installieren war. Aber es brachte unter anderem als neue Funktion die Möglichkeit, parallel weitere WLAN-Netze aufrecht zu erhalten. Das ist zum Beispiel sehr praktisch, weil ich sie weiterhin in meinem WLAN-Netzwerk im Studio bleiben kann, obwohl auch CamRanger eine WLAN-Verbindung mit dem iPad aufbauen will. Jetzt wollte ich probieren, ob ich nicht auf gleichzeitig das WLAN-Netz meiner EyeFi-Karte aktivieren könnte, damit ich als weitere App Shuttersnitch offen haben könnte, um die geschossenen Fotos zu verwalten. Das klappt leider nicht, weil CamRanger nicht im Hintergrund laufen kann.

Camranger-Screenshot-2
Der Grund, warum ich weiterhin zusätzlich Shuttersnitch nutzen wollen würde, ist, dass diese App einen deutlich bequemeren Workflow für die Verwaltung und Ansicht der geschossenen Bilder bietet. Nach dem Shooting, wenn Kamera und Geräte alle schon verstaut sind und ich mit den Models noch einen Kaffee trinke, kann ich bequem das iPad rumreichen, wo sich alle die Fotos mit Shuttersnitch ansehen können. Das geht leider nicht, wenn ich CamRanger nutze, weil immer die Verbindung zur Kamera aktiv sein muss. Außerdem muss ich manuell entscheiden, welche der Bilder von der Speicherkarte ich runterladen wollen würde. Kurz: CamRanger bietet zwar Funktionen zur Fotoverwaltung, aber ist grundsätzlich einer ein Aufnahme-Tool.

Der Hauptgrund, weshalb ich CamRanger in Zukunft jedoch kaum noch nutzen werde, liegt jedoch in meiner Arbeitsweise. Ich fotografiere fast immer mit Blitz. Das führt logischerweise dazu, dass bei einer LivePreview, wo die Blitze noch nicht auslösen, kaum etwas auf dem Monitor zu sehen ist und damit die gesamte App kaum brauchbar ist. Die Einsatzbereiche der App liegen demnach eher bei der Makrofotografie ohne Blitz, für Produktaufnahmen mit Dauerlicht, Landschaftsaufnahmen und so weiter. Überall, wo Blitze zum Einsatz kommen, sinkt der Nutzwert von CamRanger stark.

Android-Alternative zu CamRanger

CamRanger ist im Grunde nichts anderes als ein Router. Wer nicht in den geschlossenen Apple-Kosmos eindringen muss, kann auch einen anderen WLAN-Router kaufen, zum Beispiel den TP-Link TL-MR3040*. Der kostet nur ca. 40 Euro und der CamRanger sieht sicher nicht zufällig fast identisch aus. Als App wird dann die kostenlose App DslrDashboard im Google Playstore benutzt. Wie die Einrichtung genau funktioniert, erklärt Gunther Wegner hier. Selbst wenn der Kauf eines kleinen Android-Tablets* mit eingerechnet wird, ist diese Lösung immer noch billiger als der CamRanger. Die Nachteile wie die eingeschränkte Nutzung bei Blitzlicht oder das an der Kamera hängende Gerät bleiben aber auch bei dieser Lösung.

Welche Lösung benutzt ihr zur kabellosen Fernsteuerung und welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

* Affiliate

Apps zur Bildkontrolle mit dem iPad bei Fotoshootings

Zuerst sollte dieser Artikel „Tethered Shooting mit dem iPad“ heißen, aber das wäre nicht ganz korrekt, denn „tethered shooting“ bedeutet ja, mit einem externen Gerät die Kamera auszulösen. Was ich stattdessen vorstellen will, ist das kabellose Senden von Bildern direkt während eines Fotoshootings auf das iPad.

Warum Bilder aufs iPad schicken?

Bei den modernen DSLR-Kameras ist das Display größer, hochauflösender und insgesamt besser geworden. Trotzdem kann es erstens nicht mit der Auflösung des Retina-Displays eines neuen iPads mithalten und außerdem ist die Ansicht manchmal etwas unpraktisch.

Ich habe das iPad jetzt bei einigen Fotoshootings dabei gehabt und es ist zum Beispiel sehr praktisch, wenn der Assistent während des Shootings direkt parallel meine Aufnahmen sehen kann, um zu erkennen, ob im Hintergrund etwas stört oder die Visagistin sieht genau, wie die Haare auf dem Bild fallen. Außerdem ist es einfacher, den Models kurz ein Bild auf dem iPad zu zeigen, um zu sagen, welche Pose eben besonders gut war, um sie zu wiederholen.

Wie Bilder von der DSLR zum iPad schicken?

Einer der Gründe, mir die neue 5D Mark III* zu kaufen, war der doppelte Kartenslot. Neben der üblichen CF-Karte kann ich nun gleichzeitig eine SD-Karte in der Kamera haben und im Menü entscheiden, ob ich meine Bilder auf beiden Karten parallel speichern will oder nur die RAW-Daten auf der CF-Karte und die JPG-Daten auf der SD-Karte oder einige andere Kombinationen.

Ich habe jetzt neben meiner CF-Karte die EyeFi-SD-Karte* im Gehäuse, welche ich dafür nutze, nur die mittleren JPG-Daten (ca. 5 MP) zum iPad zu senden. Ich wähle die mittlere JPG-Größe beim Speichern, weil das Retina-Display des iPad mittlerweile mehr Details anzeigen kann als die ca. 2Megapixel, welche bei der kleinen JPG.Größe gespeichert werden.

Die EyeFi-Karte aktiviert ein eigenes WLAN-Netz, welches im iPad ausgewählt werden kann. Vorher muss jedoch im Menü der Canon 5D Mark III die EyeFi-Übertragung aktiviert werden, das ist eine häufige Fehlerquelle. Wenn das WLAN-Netz steht, muss nur noch eine App gestartet werden und schwupps werden die Bilder angezeigt. Nur welche?

Welche App zur Bildübertragung aufs iPad?

Wer sich die EyeFi-Karte gekauft hat, erhält einen Zugangscode, mit dem man sich gratis die EyeFi-App aus dem iTunes-Store runterladen kann. Ich habe jedoch schon nach zwei Shootings den großen Nachteil dieser App entdeckt. In der Praxis mache ich bei einem Fotoshooting ca. 500-1000 Fotos, aus denen ich mir danach am Computer die besten aussuche. Das führt dazu, dass ich in der EyeFi-App nach einem Shooting mindestens 500 Bilder habe, die dort meist ca. 1 GB Speicher belegen (650 JPGs mit 5 MP belegen bei mir ca 1 GB). Zusätzlich werden alle Bilder von der App direkt in den Foto-Ordner des iPad kopiert, was die Speichermenge verdoppelt.

Und nun kommt’s: In der EyeFi-App können Fotos nicht gebündelt gelöscht werden. Weder alle auf einmal, noch von einem bestimmten Tag oder nach sonsteinem Filter. Das heißt, ich muss über 500 Mal jedes Foto anklicken und bestätigen, dass ich es wirklich löschen will. Auch in der Fotos-App geht es nur geringfügig schneller, die über 500 importierten Fotos zu löschen.

Das ging mir so schnell auf den Keks, dass ich eine Alternative gesucht habe. Gefunden habe ich ShutterSnitch. Eine App, die den stolzen Preis von 12,99 Euro kostet, aber sich allein durch die Zeitersparnis schnell bezahlt gemacht hat.

Bei ShutterSnitch kann ich auf Knopfdruck Ordner erzeugen. Standardmäßig ist er mit Datum und Uhrzeit der Erstellung beschriftet, man kann ihn aber auch anders benennen. Je nachdem, in welchem Ordner ich gerade bin, wenn ich fotografiere, wird dorthin das Bild von der EyeFi-Karte gesendet. Wer beispielsweise auf zwei Hochzeiten parallel fotografiert, könnte die Bilder immer in den jeweiligen richtigen Ordner schicken. Was wirklich viel Zeit spart, ist, dass ich jeden Ordner auf Knopfdruck komplett löschen kann. Zwei Klicks und alle 1000 Bilder sind weg. Vergleicht das mal mit über 1000 Klicks. Außerdem muss ich die Bilder nicht noch zusätzlich aus der Fotos-App löschen. Natürlich ist es auch möglich, nur einzelne Fotos oder eine Auswahl zu löschen.

Dazu kommen viele andere nützliche Funktionen, welche der Gratis-App von EyeFi fehlen. Ich beschränke mich bei meiner Aufzählung jetzt nur auf die nützlichsten: Es werden bei jedem Bild ISO-Zahl, Blende, Belichtungszeit und Brennweite angezeigt. Wer will, kann sogar visuelle oder akustische Warnungen einstellen lassen, wenn einer oder mehrere dieser Werte definierbare Kriterien nicht erfüllen. Zum Beispiel kann ich mir – wie auf dem Kameradisplay – eine Belichtungswarnung anzeigen lassen, sodaß die Bereiche rot blinken, weile überbelichtet sind oder die App piept immer dann, wenn meine Belichtungszeit länger als 1/50 Sekunde ist.

Außerdem können Schnittmasken für verschiedene Formate über das Bild eingeblendet werden, zum Beispiel, um zu sehen, wie das Bild bei inem quadratischen Beschnitt wirken würde. Oder man lässt gleich ein ganzs Bild halbtransparent über die Fotos legen, zum Beispiel, damit der Werbekunde sehen kann, wie das Foto mit seinem Produkt unten rechts aussehen würde.

Bilder können – mit oder ohne Wasserzeichen versehen und wahlweise in verschiedenen Größen – per Email verschickt oder in andere Apps exportiert werden, man kann eine Diashow mit oder ohne Musik laufen lassen (ideal beispielsweise auf Hochzeiten, wo die Bilder direkt während der Feier auf einer Leinwand gezeigt werden können, wenn das iPad an einen Beamer angeschlossen wird) und vieles mehr.

Viele Möglichkeiten bieten auch selbst definierbare Batch-Funktionen. Ich kann Kriterien festlegen und darauf basierend entscheiden, ob Bilder, welche die Kriterien erfüllen, zum Beispiel in die Fotos-App kopiert werden oder in einen anderen Ordner oder in iher Größe geändert, mit Wasserzeichen versehen und so weiter. Zum Beispiel könnte ich alle Fotos, welche als Favoriten markiert wurden, automatisch verkleinern, mit Wasserzeichen versehen und an ein bestimmte Mailadresse schicken. Oder ich kann automatisch alle Fotos, welche mit mehr als 70 mm fotografiert wurden, in meinen Dropbox-Account senden.

Rechtfertigen diese Unterschiede den hohen Kaufpreis? Meiner Meinung nach ja. Spätestens dann, wenn das erste Mal 1000 Fotos aus der EyeFi-App gelöscht werden müssen.

Die Zukunft und Alternativen

Neben der EyeFi-Karte gibt es natürlich noch andere Möglichkeiten, die Bilder drahtlos auf Laptop, iPad oder das Smartphone zu bekommen. Da wäre einerseits die Toshiba AirFlash*-Karte, die ich jedoch noch nicht ausprobiert habe. Die Zukunft wird jedoch eindeutig in Richtung integrierter WLAN-Netzwerke in den Kameras selbst gehen. Einen Umweg gehen noch Nikon mit dem Funkadapter WU-1a/b*, der momentan mit der Nikon D3200* und der neuen Nikon D600* funktioniert oder die im Vergleich zu den Funktionen preislich deutlich überteuerten WFT-WLAN-Transmitter* von Canon. Es gibt jedoch – zum Beispiel mit der Samsung NX20* – erste Kameras, welche das WLAN gleich standardmäßig dabei haben und auch Canon hat das für die ab ca. November 2012 erhältliche Canon 6D angekündigt. Die WLAN-Unterstützung hat gegenüber den EyeFi-Karten den großen Vorteil, dass auch eine Kamerasteuerung via ipad oder Handy kabellos möglich wird.

Damit eröffnen sich in Kombination mit zusätzlichen Apps auch grandiose Möglichkeiten für automatisiertes Focus Stacking, Langzeit-HDR-Belichtungen oder Langzeit-/ oder Zeitrafferaufnahmen mit variablem Fokus.

Bis dahin bleibt mir nur ShutterSnitch-App oder ganz altmodisch die Verbindung der Kamera ans Laptop mit einem Kabel.

Welche Methoden nutzt ihr zur externen Bildkontrolle, zum tethered Shooting oder zur Bildvorschau auf dem Smartphone?

* Affiliate