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Weniger als 1% Fotografenhonorar? Depositphotos macht es möglich

Manchmal werde ich gefragt, nach welchen Kriterien ich entscheide, bei welchen Bildagenturen ich meine Fotos anbiete. Neben einigen objektiven Faktoren wie Preis, Kommissionen, Uploadprozess und so weiter gehört dazu auch immer eine gehörige Funktion Bauchgefühl. Bei der Agentur Depositphotos hat mein Bauch immer unangenehm gegrummelt. Die Agentur hat mehrfach versucht, mich mit vorteilhaften „Deals“ ins Boot zu holen und eine nüchterne Analyse ließ die Deals auch sehr verlockend aussehen. Aber dann kam wieder das Bauchgrummeln.

screenshot-depositphotos
Der rote Spruch „Du wirst unseren Rabatt lieben!“ bekommt aus aktuellem Anlass eine ganz eigene ironische Wendung.

Es hatte verschiedene Ursachen:
Es fängt damit an, dass Depositphotos nach eigenen Aussagen mit der Firma Depositfiles verbunden ist und von ihr finanziert wird. Depositfiles ist ein Online-Datenspeicher, der von vielen auch dazu genutzt wird, illegal urheberrechtlich geschütztes Material zu verteilen.

Vor fast genau drei Jahren schrieb ich hier im Blog über deren unsägliches SMS-Download-Angebot. Andere Fotografen regten sich vor paar Monaten auch über Bildverkäufe mit einer „erweiterten Lizenz“ auf, die auf der Depositphotos-Seite für 80 $ angeboten wird, von der Fotografen aber teilweise nur 2,64 $ abbekamen. Es scheint, als versuche Depositphotos jetzt, die Fotografenhonorare mit einer interessanten, wenn auch mehr als fragwürdigen Methode weiter nach unten zu drücken.

Partnerprogramme/Reseller bei Depositphotos

Einige Fotografen hatten in diesem Thread im Stockfotografie-Forum entdeckt, dass Bilder von ihnen bei der deutschen Agentur Shotshop angeboten werden, die von Depositphotos (DP) geliefert werden mussten. Wer es selbst überprüfen will, ob seine Depositphotos-Bilder auch bei Shotshop zu finden sind, muss dort einfach nach einer Bildnummer von DP-Fotos suchen.

Das Agenturen Material von anderen Bildagenturen verkaufen, ist nichts Neues. Spannend ist hier jedoch das Lizenz- und Abrechnungsmodell. Testkäufe von mir und anderen Fotografen ergaben folgendes: Wenn ein Kunde bei Shotshop ein Foto in voller Auflösung für 29,90 Euro kauft, was über Depositphotos geliefert wurde, erhält der Fotograf bei Depositphotos nur die Meldung, dass das Foto als „Abo-Download“ erworben wurde und der Fotograf dafür (je nach Ranking) zwischen 0,22 bis 0,26 Euro (0,30-0,36 $) erhält! Das wären weniger als 1% Fotografenanteil! Wie ist das möglich?

Auf meine Anfrage an Shotshop antwortete der Geschäftsführer Stephan Krömer nur:

„[…] Wir nutzen das Reseller Programm von Depositphotos und ich kann leider auch wirklich nur zu sämtlichen internen Abrechnungsfragen von Deposit nur an Deposit selbst verweisen. Bei Agenturverträgen gibt es immer ein „Non-disclosure Agreement“, welches man unterschreiben muss und an das wir uns halten müssen. […]“

Meine Anfrage an Depositphotos brachte mir nur eine Copy & Paste-Standardantwort von Depositphotos ein, welche alle Fotografen erhielten, die in den letzten bei DP nach Details fragten:

„Hello Robert,

Our Partnership programs have been created to boost contributors’s sales via new markets. Our contributors were opted out of our Extended license partner sales upon their requests, so their files are no longer sold via our Extended license partner sales. Shotshop is our API reseller. Shotshop purchases our subscriptions to resell our images under the Standard license.

Depositphotos reserves the right to determine the conditions of its cooperation with Partner companies. We sell those files by subscriptions (under the standard license), but it is up to our partners to set their prices and the way to sell them as long as they stick to license terms.

It is stated in our Supply Agreement:
“Depositphotos reserves the rights to distribute Files not only on the Website directly, but also through Partners. Contributor agrees that Depositphotos has the right to grant or pass along to Partners under separate agreements specific rights, constraints, obligations, licenses and other legal and business matters regarding Files. Depositphotos has the implicit right to provide Partners with access to the Files accepted at the Website via its own program interfaces (API) or any other means sanctioned and approved by Depositphotos, provided such access does not breach the provisions of the Standard and Extended License Agreements. “

If contributors want to opt out of our partnership programs, we will exclude their portfolios from all our partnership programs upon their requests and their images will be sold solely on depositphotos.com

Kind regards,
Vicky.“

Diese Erklärung wirft leider mehr Fragen auf als das sie Antworten liefert.

Fangen wir oben an: Shotshop ist ein Wiederverkäufer von Depositphotos mit einer API-Anbindung. Laut der Mail kauft Shotshop die Bilder mit einem Abo unter der Standardlizenz. Im Vertrag zum API-Programm steht bei Depositphotos jedoch folgendes:

„[…] Der Anbieter bietet dem Wiederverkäufer Dateien zu Standardpreisen oder über ein Abonnement an. Der Wiederverkäufer legt den Preis, den ihm seine Käufer für die Dateien bezahlen, selbst fest. […]“

Weiterhin steht dort:

„7. UNTERSAGTE HANDLUNGEN
[…] Der Verkauf von Dateien des Anbieters, ohne an ihn die ihm vertraglich zustehende Gebühr zu entrichten. […]“

Die erste große Frage ist: Wieso darf Shotshop Fotos zu hohen Preisen verkaufen, diese aber zu den niedrigen Abo-Preisen bei Depositphotos abrechnen? Unter der erwähnten Standardlizenz ist ein Weiterverkauf auch ausdrücklich ausgeschlossen.

Die zweite Frage ist: Wenn von einem Verkaufspreis von 29,90 Euro nur ca. 0,25 Euro beim Fotografen ankommen, wie teilen sich die restlichen 29,65 Euro zwischen Shotshop und Depositphotos auf? Wer steckt sich den Löwenanteil ein?

Unten in der Mail von Depositphotos wird erwähnt, dass ein Ausschluss der eigenen Bilder aus dem „Partnerprogramm“ möglich sei (wenn man eine Mail an support@depositphotos.com schreibt) und die Bilder dann nur über Depositphotos verkauft würden. Mir liegen jedoch Screenshots vor, die beweisen, dass das nicht ganz korrekt ist. Einige Fotografen hatten schon vor Monaten um die Deaktivierung ihrer Bilder vom Partnerprogramm gebeten, deren Fotos sind aber weiterhin bei Shotshop zu finden. Auch Sean Locke hat in der Microstockgroup geäußert, dass ihm per Mail ausdrücklich zugesichert wurde, seine Bilder würden nur über die Seite von Depositphotos verkauft, er aber trotzdem seine Fotos bei Shotshop findet.

Vielleicht liegt das an dem feinen sprachlichen Unterschied zwischen „Partnerprogramm“ und „Wiederverkaufer (Reseller)“, der in der Mail aufgemacht wird. Ein Fotograf bot folgenden Erklärungsversuch an: Die Agentur Shotshop kauft die Bilder von Depositphotos als Abo, deswegen würden sie ja über Depositphotos verkauf werden. Zufriedenstellend wäre diese gehirnquetschende Logik jedoch nicht.

Der Vorteil von Shotshop

Für Fotografen besonders ärgerlich ist auch das Verhalten von Shotshop. Die Berliner Agentur galt schon lange als eine Agentur mit einem der kompliziertesten Upload-Verfahren und gleichzeitig sehr vielen Ablehnungen. Besonders beliebt bei Shotshop ist der Ablehnungsspruch: „Für die Vermarktung durch Shotshop nicht geeignet“. Der ergibt endlich Sinn, denn natürlich ist es für die Agentur lukrativer, das gleiche Material von Depositphotos zu beziehen und dort deutlich weniger als die 35-67% Fotografenanteil  für nichtexklusives Material zahlen zu müssen.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Shotshop ist nicht die einzige Agentur, welche Material von Depositphotos verkauft. Eine andere Agentur ist beispielsweise die indische Agentur ibudgetphoto.com. (Deposit-Bilder werden dort unter dem Kürzel „DPPS_BILDNUMMER“ geführt) Testkäufe wurden schon getätigt, aber Abrechnungen bei Depositphotos sind bisher nicht erfolgt. Nachdem Depositphotos auf wiederholte Fragen nach einer Liste von Vertriebspartnern nicht reagiert hat, steht die bange Frage im Raum: Wie viele Agenturen vertreiben noch Bilder von Depositphotos mit einem billigen Abo? Das würde vielleicht endlich erklären, warum der Abo-Anteil bei Depositphotos so verdammt hoch ist.

Vertrauen in Partner

Üblicherweise läuft ein Deal zwischen mehreren Bildagenturen so: Wenn eine Bildagentur das Bild einer anderen Bildagentur verkauft, teilen sich beide Agenturen die Einnahmen 50:50 und der Fotograf bekommt von den 50% seinen vertraglich vereinbarten Anteil ab. Läuft die Vertriebskette über mehrere Agenturen, verlängert sich das und der Fotograf bekommt seinen Anteil nur von 25% oder 12,5%. Aber weniger als 1% ist schon eine starke Leistung.

Da wir als Fotografen kaum Kontrollmöglichkeiten haben, welche Agentur welche Bilder wann verkauft hat, müssen wir Vertrauen in die Bildagenturen haben. Depositphotos verspielt dieses Vertrauen gerade massiv. Und mein Bauch grummelt schon wieder.

Habt ihr auch Bilder bei Depositphotos? Findet ihr diese auch bei anderen Agenturen wie Shotshop wieder?

Exklusivität – Eine aussterbende Praxis im Microstock-Bereich

Ich gebe zu, die Überschrift ist gewagt. Gibt es doch einige Fotografen, die zum Beispiel exklusiv bei iStock oder Fotolia sind, aber trotzdem gutes Geld verdienen.

Trotzdem glaube ich, dass diese Art der Geschäftsbeziehung zwischen Fotografen und Microstock-Bildagenturen auf dem absteigenden Ast ist. Vor ca. zwei Jahren hatte ich hier im Blog die Vorteile und die Nachteile von Exklusivität aufgelistet. Mittlerweile hat sich der Markt geändert und ich würde die Gewichtung anders verteilen. Zugunsten der Nachteile. Warum?

Machen wir einen Schritt zurück: Wir reden hier von „Fotografenexklusivität„, nicht von „Bildexklusivität„. Bei der Fotografenexklusivität verpflichtet sich der Fotograf in der Regel, sein gesamtes RF-Bildmaterial nur der einen Bildagentur zukommen zu lassen. Bei der Bildexklusivität kann der Fotograf diese Entscheidung pro Bild treffen.

Logischerweise lohnt sich eine Exklusivität nur bei Agenturen, die genug Umsätze erzielen. In der Praxis sind das hauptsächlich iStock und Fotolia, unter Umständen vielleicht noch Dreamstime.

Aber sowohl iStock als auch Fotolia haben im letzten Jahr einige Änderungen auf der Webseite gemacht, die sich negativ für deren exklusive Fotografen ausgewirkt haben. Was haben die Agenturen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – getan? iStock hat zum Beispiel einerseits die kleinen Icons an den Bildern entfernt, mit denen Käufer auf den ersten Blick erkennen konnten, dass ein Foto exklusiv war. Jetzt steht nur noch auf der Detailseite, dass ein Foto dort exklusiv erhältlich ist, was de facto jedoch nicht immer stimmt, wie das Beispiel Yuri Arcurs auch nach über sechs Monaten „Exklusivität“ zeigt. Sein Bild „Geschäftsleute mit Fragezeichen„, was bei iStock als „Only from iStock“ markiert ist, wird weiter hier oder hier oder hier günstiger angeboten.

Darüber hinaus schwächte iStock ihre Definition von Exklusivität, indem sie von „Fotografen“ auf „Bilder“ umstellten: Früher bedeutete die Krone bei iStock: „Images from this photographer are only available on iStockphoto“, heute heißt es nur „These icons highlight files created by iStock exclusive artists. This means they can only be found on iStock and select Getty Images partner sites.“

Außerdem hob iStock das Upload-Limit für nicht-exklusive Fotografen auf, was einen der bisherigen Vorteile für Exklusivität – die Möglichkeit, deutlich mehr Bilder pro Woche hochladen zu dürfen – nichtig macht. Diese und andere Faktoren scheinen dazu zu führen, dass exklusive iStock-Fotografen teilweise starke Umsatzeinbußen haben. Michael Zwahlen hat nach dem Ende seiner iStock-Exklusivität vor zehn Monaten im Oktober erstmals sogar mehr verdient als in einem Monat der letzten zwei Jahre.

Doch lassen wir mal iStock in Ruhe und schauen uns Fotolia an.

Dort gab es meines Wissens noch nie ein Abzeichen, Symbol oder gar einen Suchfilter, mit dem exklusive Dateien vom Käufer erkannt werden konnten. Eine der Legitimationen für höhere Preise, die exklusive Fotografen dort verlangen dürfen, wird dem Käufer demnach nicht vermittelt. Zudem wurden im Juli die Möglichkeiten der automatischen Preisreduzierung erhöht, was bedeutet, dass exklusive Fotografen prozentual stärker von niedrigeren Preisen betroffen sind als nichtexklusive Fotografen. Auch wurde im September den Fotografen die Möglichkeit genommen, exklusive Fotos aus dem Abo-Programm auszuschließen. Auch scheinen exklusive Fotografen bei Fotolia von der Suchumstellung im April 2013 stärker betroffen zu sein als nichtexklusive Fotografen, wenn man den Kommentaren hier im Blog Glauben schenkt.

Da sich die Agenturen bei solchen Entscheidungen nur ungern in die Karten schauen lassen, kann nur vermutet werden, aus welchen Gründen die oben genannten Änderungen umgesetzt wurden.

Wenn wir uns aber die Nachteile der Exklusivität aus Sicht der Bildagenturen und Käufer anschauen, wird klar, warum Exklusivität nicht mehr so stark propagiert wird wie noch vor fünf, sechs Jahren.

Auf der Hand liegt, dass Agenturen exklusiven Fotografen mehr Prozente zahlen müssen als nichtexklusiven Fotografen. Da exklusive Fotografen nicht nach Qualität ausgesucht werden, bedeutet das auch, dass die exklusiven Fotos nicht automatisch besser sind. Und selbst wenn exklusive Fotos super sind, gibt es genügend nichtexklusive Fotografen, welche die gleichen oder sehr ähnlichen Motive woanders anbieten. Einem grünen Apfel vor weißem Hintergrund sieht man nicht an, ob er exklusiv ist oder nicht. Dafür dann je nach Agentur als Kunde doppelt so viel bezahlen zu müssen, sehen wenige Käufer ein.

Agenturen wie Shutterstock, die ausschließlich nichtexklusiv arbeiten, scheinen trotzdem – oder gerade deswegen – steigende Umsätze zu erzielen. In diesem Blogpost erklärt der Shutterstock-CEO Jon Oringer auch, warum aus seiner Sicht Exklusivität für RF-Fotos nichts bringt: „Exklusivität bedeutet nicht, dass ein Bild weniger genutzt wurde, es bringt dem Käufer also keinen Vorteil.“

Die meisten professionellen Fotografen, also die, welche regelmäßig viele gute, verkäufliche Bilder liefern, sind in der Regel nichtexklusiv, weil sie nicht von einer Agentur mit stark schwankenden Algorithmen abhängig sein wollen. Eine Ausnahme bildet da iStock, wobei sie in der Vergangenheit auch einige ihrer Top-Exklusiven verloren oder gefeuert haben (siehe Sean Locke). Notfalls bedienen sich exklusive Fotografen gerne eines – eigentlich nicht erlaubten – Tricks: Wer exklusiv bei einer Agentur ist, lässt einfach seine Frau, sein Kind, seine Oma oder ein anderes Familienmitglied unter dessen Namen Konten bei anderen Bildagenturen eröffnen und kommt so in den Genuss der Vorteile beider Welten.

Wie passt aber meine pessimistische Analyse zur Exklusivität mit der Entscheidung des Top-Fotografen Yuri Arcurs zusammen, exklusiv zu iStock zu gehen? Auch vom kaum minder guten Fotografen Andres Rodriguez wurde erst kürzlich ein neues exklusives Portfolio bei iStock gesichtet. Spricht das nicht für Exklusivität? Im Gegenteil. Yuri Arcurs hat sich mit seinem eigenen Bildershop peopleimages.com die Möglichkeit offen behalten, seine Fotos auch „woanders“ zu verkaufen (oder zumindest iStock dazu gebracht, die Definition von „Partnerseiten“ sehr stark zu dehnen).

Auch Andres Rodriguez scheint einen Deal zu haben, der es ihm erlaubt, parallel auch nicht-exklusiv seine Bilder hier und bei anderen Bildagenturen zu verkaufen. Solche „Deals“ benachteiligen logischerweise die exklusiven Fotografen, welche nicht die Verhandlungsmacht haben, sich solche Vorteile zu sichern. Ein Grund mehr gegen die Exklusivität.

Wie seht ihr das? Was sind eure Erfahrungen?

Der Fluch des Sean – Oder: Microstock-Hass und Häme

Von einigen Lesern wurde ich gefragt, warum ich bisher nichts über die Kündigung von Sean Locke geschrieben habe. Ganz ehrlich? Es ist schwer, meine Ansichten dazu in Worte zu fassen.

Sean Locke ist exklusiver Fotograf bei iStockphoto mit aktuell ca. 12.700 Bildern online und fast einer Million Verkäufen seit seiner Anmeldung Ende 2004. Das ergibt durchschnittlich ca. 10.000 Verkäufe pro Monat und damit gehörte er zu den Top-5-Fotografen bei der Bildagentur iStockphoto. Und das ohne ein großes Team, wie es einige andere Fotografen in diesen Sphären haben.

Screenshot des Profils von Sean Locke bei iStockphoto

Mitte Februar schrieb Sean Locke in seinem Blog, dass er von iStockphoto die Mitteilung erhalten habe, dass sein Benutzerkonto nach 30 Tagen geschlossen werde. Der konkrete Anlass ist unklar, aber die Vermutung liegt nahe, dass iStockphoto sowie deren Mutteragentur Getty Images einerseits unglücklich darüber waren, dass Sean Locke den „Google Drive“-Skandal öffentlich gemacht hatte und andererseits es mit seinem Greasemonkey-Skript erleichtert hatte, dass Leute ihre Bilder deaktivieren können. Als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, half Sean im Hintergrund mit, eine neue Bildagentur zu testen, die jedoch noch nicht online ist. Es wird vermutet, dass diese Agentur, welche er auch in seinem Blogbeitrag andeutet, die Agentur „Stocksy“ ist, welche der iStock-Gründer Bruce Livingstone in wenigen Wochen starten will.

Aber reicht das aus, um einen seiner Top-Fotografen zu feuern? Für iStock schon.

Was sagt uns das? Fotografen sind nichts mehr wert.

Selbst die großen Fotografen mit riesigen Portfolios und tollen Bildern werden in der Summe von den vielen restlichen Fotografen ersetzt werden können. Auch der Verlust der monatlichen Einnahmen (eine realistische Schätzung ist eine mittlere fünfstellige Summe für iStock monatlich) scheint die Agentur finanziell zu verkraften. Ein Gast hatte kürzlich im Blog kommentiert, dass die Bildagenturen ohne unsere Fotos „nichts“ wären. Das mag logisch klingen, bringt den Fotografen aber konkret nichts, denn auch sie brauchen die Agenturen, um tausende Lizenzen im Monat verkaufen zu können.

Solche Reaktionen sind für mich der Grund, warum ich keinem Fotografen eine exklusive Bindung an eine Bildagentur empfehle, wenn er von seiner Arbeit leben will. Ich bin mir sicher, dass Sean mit seinem Können und seiner Erfahrung auch in anderen Bildagenturen erfolgreich sein wird und wer weiß, vielleicht verdient er dann unter dem Strich sogar mehr als bisher. Ich wünsche ihm dafür viel Erfolg.

Was mich aber fast noch mehr schockiert hat als der Rauswurf von Sean Locke, waren die Reaktionen auf die Meldung bei Webseiten, welche nicht unbedingt bekannt dafür sind, microstock-freundlich eingestellt zu sein. So schrieb der Blog PetaPixel eine neutral gehaltene Meldung, welche im Kommentarteil jedoch fast in einer virtuellen Geißelung endete.

So schrieb Felipe Carlos:

„no pity here for photographer he deserves for he gets, by choosing to work with microstock. Hopefully Getty cause him as much trouble as possible, every photographer who contributes to microstock should be punished. It they who ruined this market.“

Der Fotograf Adam Gasson schrieb:

„Have to say I agree with Mike – Microstock photographers have done more than anyone else over the last decade to commodify photography and now are realising that they are just commodities themselves. The stampede to the bottom has dropped prices and quality to such a level that it is almost impossible for professional photographers to survive, so we have an industry based upon amateurs and moonlighters. Then these people wonder why the agencies no longer see the need to treat them, or value them as professionals. You have created the beast – against the advice of many people who have worked in the industry for years – now you complain that it has bitten you and expect us all to sympathise?“

Ein anonymer Kommentator schrieb:

„As a professional photographer, it’s hard to think of anyone as another “pro” who has 12,000 photo’s on file and one million licenses; he’s a factory worker manning a photographic drill press, not the next Avedon. All those on here that say he’s part of the problem, not part of the solution is right on the beam. It’s going to be hard to raise any kind of sympathy for someone who’s been involved in wrecking the business and is now trying to motivate people to back his level of “wrecking” vs. the new level of “wrecking”.“

Beim Lesen der Kommentare scheint es, als wäre Sean Locke persönlich verantwortlich für den Untergang des Macrostock-Geschäftsmodells. Dabei ist die Geschichte doch etwas anders: Es waren keineswegs professionelle Fotografen, die beschlossen haben, ihre Fotos plötzlich für ein Hundertstel des ursprünglichen Preises zu verkaufen.

Im Gegenteil: Es waren doch Grafikdesigner wie Bruce Livingston, die es im Jahr 2000 satt hatten, die hohen Bildpreise zu bezahlen und beschlossen, lieber ihre eigenen – als Notlösung selbgemachten – Fotos untereinander auf iStockphoto zu tauschen statt bei den zu teuren Bildagenturen zu kaufen. In den ersten zwei Monaten gab es nach eigenen Angaben schon mehr als 3500 Nutzer und mehr als zwei Millionen Downloads. Je mehr Designer und irgendwann auch Hobbyfotografen mitmachten, desto stärker wurde die Konkurrenz zu Macrostock. Profi-Fotografen mussten zusehen, wie ihre Einnahmen sanken und konnten entweder im Internet lauthals jammern oder sich dem geänderten Markt anpassen, indem sie ihre Bilder ebenfalls billig verkauften.

Wer will, kann sogar noch vorher ansetzen und der Erfindung der Digitalkameras die Schuld geben, welche das Fotografieren stark vereinfachte oder der Erfindung des Internets, mit dem der digitale Datenaustausch auf einmal schnell und billig funktionierte. Ohne diese beiden Voraussetzungen hätte sich Microstock nie oder nicht so schnell entwickelt.

Eine ganz andere Vorgeschichte wird ebenfalls gerne übersehen: Anfang der 1990er Jahre wurden sowohl Getty Images als auch Corbis von reichen Unternehmern gegründet, welche im Gegensatz zu den traditionellen kleinen inhabergeführten Bildagenturen keinen Bezug zur Fotografie hatten, sondern Fotos nur als eine Ware sahen, mit der Geld verdient werden konnte. Diese beiden Agenturen kaufen in den nächsten zehn Jahren so viele kleine Bildagenturen auf, dass sich der Bildermarkt praktisch innerhalb von einem Jahrzehnt einem Duopol aus Getty und Corbis gegenüber sah, welches so übermächtig war, dass es Preise, Lizenz- und Nutzungsbedingungen diktieren konnte. Weil das eben auch Bildnutzern sauer aufstieg, suchten diese nach Alternativen und… siehe oben.

Worauf ich hinaus will:
Es ist nicht leicht, weder als Macrostock- noch als Microstock-Fotograf. Evolution gehört auf jeden Fall zu einem erfolgreichen Unternehmer. Auch Sean Locke weiß das und wird sicher bald zu neuen Ufern aufbrechen.

Reaktionen auf den Getty Images/Google Drive Deal

Vor einigen Tagen habe ich an dieser Stelle über einen Deal zwischen Getty Images und Google geschrieben, der sehr zum Nachteil der beteiligten Fotografen und Agenturen war.

Mittlerweile haben sich einige der betroffenen Agenturen und Interessenverbände zu Wort gemeldet. Damit ihr auf dem Laufenden bleibt, stelle ich diese Reaktionen hier zusammen:

Wie reagiert Google?

Stillschweigen. Als wäre nichts gewesen. Allerdings ist die Webseite, mit der Google seine Benutzer bat, aus der Bildagentur Thinkstock (eine Abo-Tochter von Getty Images und iStockphoto) Bilder auszuwählen, die gratis angeboten werden sollen, immer noch online und funktionsfähig.

Wie reagiert iStockphoto?

Wie der Schläger auf dem Schulhof. Der Anwalt von iStockphoto, Ronald Lo, schickte der Webseite kga.me, welche eine Übersicht der betroffenen Bilder zeigte, eine Abmahnung und sorgte dafür, dass die Übersicht und die Bilder verschwinden mussten. Dabei dachte ich, der Anwalt wäre damit beschäftigt, die immer noch existierende Fake-Seite zu bekämpfen. Die Abmahnung ist umso ironischer, weil die gleichen Bilder bei Google Drive verschenkt werden. Wer die betroffenen Bilder und dazugehörigen Infos sehen will, kann das in diesen drei Tabellen direkt auf Google Drive nachschauen.

Danach verschickte iStockphoto einen Newsletter an deren Fotografen, in dem steht:

„You may have already read our last update in the forums but once again, we’d like to thank you for your continued patience. To reiterate from previous posts, royalties have been paid in connection with the Google Drive usage based on all consideration received by Getty Images under the licensing agreement. We understand your concerns relating to the deal and we are making progress in a productive dialogue with Google about these concerns and potential solutions. As many of you have pointed out Google is a big company, much bigger than Getty Images, and coordinating across the teams there that will help with any modifications is taking longer than we might have hoped, but things are still proceeding.“

Das heißt, sehr grob übersetzt: Bisher hat sich nichts getan, weil Google die bessere Verhandlungsposition hat.

Wie reagiert die betroffene Agentur Blend Images?

Der CEO der Agentur, Rick Becker-Leckrone, schrieb hier im Yahoo Stockphoto-Forum einen – sehr arroganten, wie ich finde – Beitrag, in dem er den Deal für „normal“ hielt und nicht verstand, warum sich Microstock-Fotografen über die 6-12 Dollar aufregen würden, wo sie doch sich sonst mit Cents zufrieden gäben. Im PS am Ende erwähnt er übrigens auch, dass Blend Images mal als niedrigstes Honorar 3 Cent an den Fotografen John Lund gezahlt habe. Hier der volle Text:

„Sean, et al.

Yes, the deal is for images in „premium access“ which licenses bulk content deals largely for new-media, non traditional, usages. In this case it look like Google licensed about 2000 images for between $60-$100 each to allow for use in their Drive / Docs program. Images can be used to terms of Google’s EULA. This deal is exactly like any of the other deals that have been done in the past when a software manufacturer wants to have some clip art images in the box for use in demoing the software. I’m not a big fan of micro priced sales. But I do understand both the client and agency perspective. Google needs imagery to show off their software. It has to be somewhat up to date and relevant, but not necessarily the best content available. Due to the small number of images it’s not likely the collection will be that useful for clients for actual end use, but does show off the technology nicely. From Getty’s perspective it’s a $150,000 sale where the imagery is not likely to get a lot of exposure or end-use by potentially paying clients.

I understand the feeling that the images could be downloaded in bulk and put into an image library and used forever. But, in general, the professional image user – those who WILL buy imagery (even if they’re a grandma working in a church office) would like to search for and find the most relevant content for their needs, and with microstock available, it’s unlikely that the difference between free and 5 „credits“ would be a deterrent. For those hell bent on using images outside of license agreements, sure, they’ll have at it.

The truth of the matter is that micro photographers are extremely comfortable licensing imagery for pennies on the dollar. This is an industry that they pioneered through their efforts to shoot the highest quality product for sales that are, well, micro. 🙂 If you’re a micro photographer, you’re used to sale statements with royalties for .05 cents, .22 cents, .67 cents and the like. Every image in this deal netted photographers about $12.00. So the way to look at this license is that YES, you’re getting paid. As much as $12.00 for no client usage. A huge win, I assume. If nobody downloads and uses the shot commercially, you’re aces. Now as more people download – and USE – the image, your royalty decreases. If the images are used twice, you made $6.00, still very good in the micro and subscription space. But yes, sadly, at 1,200 USES of the image you’re at .01per use. And at 2,400 USES, even less. But even at 10,000,000 uses, you got paid. It’s just a VERY MICRO license. I guess the question for micro photographers is at what license price does the outrage begin? We know that 0 is unacceptable, but .05 cents?, .03 cents? Not sure. I guess its different for every shooter. But Sean, seriously, you got to have a little sense of humor about this stuff. Take a look at your last micro sales
statements. Any .10 centers on there? Maybe you don’t, but many do. Especially when you get into subscription. Just the nature of the beast (that YES, micro photographers largely created.) In fact, micro started out with designers swapping graphics and photos for 0 licensing fees. So maybe I’m wrong – 0 is also OK. 😉

The truth is it’s entirely likely that the end result of this Google experiment will net the photographer somewhere in the range of many traditional micro sales. Ultimately, I think it’s a red herring. We just closed a sale for $60,000 a few days ago. We try to look at the big picture.

And, yes, we have Blend Images material in this deal. I’m not a big fan of „premium access“, but then it’s incremental revenue. I think it very likely that someone using Google docs was going to go to gettyimages.com and license one of our images. So, then is a $12.00 in incremental income worth it if the other option was 0? I know what the MBA’s would say. Hell, I bet Carlyle Group has got plenty of MBAs. 🙂

RBL

P.S. At our last photographer creative meeting in Palm Springs, we gave out a number of awards. Some serious, most not. The best one of all was lowest royalty for a single image – I think it was .03 cents. John Lund. We also gave an award for highest sale. If memory serves it was $55,000 for a single shot.  We’re going to beat that this year.

Rick Becker-Leckrone
CEO“

Der Fotograf und Miteigentümer von Blend Images, Jonathan Ross, äußerte sich hier im Microstockgroup-Forum so:

„Thank you Sean for sharing where you got the post it was a big help when I spoke with Rick at Blend. I see so many different reasons on this post for why people are pulling their images from Istock but the one I see the most is “ they aren’t making me the money I used to “ That unfortunately is what happens when there are more photographers then their are buyers, it is sad but true. I can all appreciate your concern for the loss of income, I lost 90% of my Macro income when Istock was 2 years into sales so I understand what it feels like to lose a great deal of your income from something you believe is a bad idea ( the reduction of average sales from $138 per image sold at Getty each to a dollar back when Istock started sales ) that was what took place when Micro hit the market but we had to evolve to survive and keep our families with food on the table.

I would suggest that for the few that will pull their entire content and I say few because of the millions of images Istock has in it’s collection, I admire anyone that stands by their beliefs enough to stop their families income and stop being exclusive that takes real strength to stick to your principles no matter what the cost. I know I would never pull my content from a company that can replace me overnight and put my family in financially jeopardy but that is me once again my hat is off to those that want to stand behind a belief and try to make a change.
Unfortunately I don’t think you pulling your content from Istock is going to hurt anyone but yourselves but once again I respect everyone’s right to do as they choose and those that do pull their entire collection I applaud.

I have spoken directly with Blend about our images that were used. They were from our Legacy collection images that have been with us from the start and are no longer making sales. For our company to sell 62 images that were no longer selling from our 100,000+ collection is a good gesture and a strong building block in our future relations with the biggest reseller of imagery in the world. Do I like the situation No, I would prefer it didn’t happen this industry is under enough pressure already. I think it is business that needs to take place for Blend especially during such turbulent times in our industry to strengthen our relations with such a giant in the business for a small offering of 62 images sold for $12 each. If this was to continue further I would have great concern especially if it were images of mine that were making solid sales but for Blend this was not the case.

I have no problem with the deal Blend made but that does not mean I agree with what took place elsewhere. If Istock pulled your top sellers for this deal then I can understand the issue but I cannot speak from the Micro side especially Istock. Please I am only the messenger here so keep that in mind. I like to share information at MSG but if I am attacked for my position I hope you understand why I will not reply, it just takes to long and doesn’t resolve anything. Open questions and responses I would love feedback from all that have their finger on the true pulse of this matter. I have seen a lot of emotions get in the way of smart business decisions and I hope you are all thinking this through in great detail for what works best for you at this time for your own business.

I wish you all the best on your decision and support everyone that chooses to do whatever they want I understand it is your income we are speaking of and that can be devastating so please think this through in great detail. As for people pulling a few hundred of your images from Istock I say either go for it and make your stand and leave Istock or just leave your images up. Taking a few hundred of your non sellers is not really supporting what is being asked of in this group support concept “ to pull your entire collection from Istock“.

Thanks for taking the time to read,
Jonathan“

Wie reagiert die betroffene Agentur Westend61?

Der Agentur-Mitinhaber, Gerald Staufer, erläutert die Sicht seiner Agentur in diesem Blog-Beitrag „Der Getty-Google-Deal und seine Konsequenzen“ und deutet darin an, verstärkt wieder auf RM-Material zu setzen, nachdem das viele Agenturen jahrelang im RF-Rausch vernachlässigt haben. Außerdem schreibt er unter anderem:

„[…] Aus meiner Sicht ist das eine komplette Entwertung dieser Bilder und fast eine Art Enteignung. Wer will die noch verwenden, wenn sie millionenfach von Google-Nutzern heruntergeladen werden können? Wer soll noch für diese Bilder bezahlen, wenn sie kostenlos zu haben sind? Wer liest schon die Lizenzbedingungen und wird sich daran halten? Wer kann dann noch kontrollieren, ob diese Bilder künftig alle legal verwendet werden, wenn sie millionenfach auf irgendwelchen Internetseiten herumschwirren? Ganz zu schweigen übrigens von dem Signal, das davon ausgeht: Gute Bilder gibt es kostenlos. Warum dafür bezahlen? Urheberrecht? Ist doch sowieso ein Relikt aus der Vergangenheit.

Auch wir sind betroffen. 19 Westend61-Bilder sind auf Google Drive zu finden. Was tun? Viele Microstockfotografen haben angekündigt, ihre Bilder bei iStockphoto zu löschen, um solchen Verkäufen künftig vorzubeugen und ein Zeichen zu setzen. Ich habe großen Respekt davor, fürchte aber, das werden dann am Ende ein paar zehntausend Bilder sein und es wird nicht weiter auffallen. Andererseits entsteht Getty und iStock gerade ein großer Imageschaden, den sie sicher nicht jeden Monat haben wollen. Ein Microstocker sagte mir, iStock wird künftig nicht mehr von der crowd empfohlen werden und das ist einfach ein langfristiger Schaden, den Getty hier anrichtet. Ich weiß es nicht, weiß aber, dass wir mit solchen Verkäufen nicht einverstanden sind. Es müsste entweder einen vernünftigen finanziellen Ausgleich dafür geben oder eine Opt Out Möglichkeit. […]“

Wie reagiert die betroffene Agentur Zoonar?

Der Inhaber von Zoonar, Michael Krabs, stand mir per Email Rede und Antwort, die Teile mit einem > davor sind meine Passagen:

„> Hallo Herr Krabs,
> ich recherchiere gerade etwas weiter wegen der Getty/Google-Sache, siehe hier:

Zunächst ein allgemeiner HInweis: Da wir einen Vertrag mit Getty haben, dürfen wir in der Öffentlichkeit nichts Negatives über unseren Vertragspartner verlauten lassen (umgekehrt wäre es genau so). Das sind übliche Vertragsbestandteile, deshalb gibt es auch keine offiziellen Stellungsnamen von Getty-Partnern. Es werden sonst Vertragsstrafen fällig. Wie gesagt: Solche Klauseln sind normal und gelten umgekehrt genauso. Inoffiziell kann ich mitteilen, dass wir von diesem „Deal“ nichts wussten und bisher auch keine Abrechnung dazu erhalten haben. Deshalb wissen wir nicht mehr, als in den Foren zu lesen ist. Wir sind jedenfalls nicht glücklich über solche Verkäufe und prüfen, wie wir diese künftig verhindern können, bzw. ob sie überhaupt vertraglich gesehen zugelassen waren (was ich bezweifle).

> Dort sind ja auch einige RF-Bilder von Zoonar betroffen, siehe:

Wenn die Forum-Berichte stimmen, dann sind 20 Fotos von Zoonar betroffen.

> Meine Frage deshalb:
> Wie sind diese Bilder zu Google Drive gelangt und was haben die betroffenen Fotografen dabei eingenommen?

Google hat Photolibrary gekauft und die Zoonar Fotos von Photolibrary integriert. Wir haben vorher alle Fotografen gefragt, ob Sie möchten, dass die Fotos übernommen werden. Darüber hinaus spielen wir seit ca. einem Monat auch direkt Fotos bei Getty ein, die von den Fotografen für diesen Partner freigeschaltet wurden. (Hinweis: Der Partner Getty ist schon lange vorhanden, jedoch hat es lange gedauert, bis wir die Getty Keyword Guidelines passend umsetzen konnten. Wir müssen bei jedem einzelnen Foto die Keywords löschen und neu vergeben, weshalb nur wenige Fotos pro Monat bisher bearbeitet wurden.)

> Wie können andere Fotografen ausschließen, dass deren Bilder auf diese Weise über Google Drive angeboten werden?

Keine Fotos für Getty freigeben.“

Was sagt der us-amerikanische Branchenverband PACA (Picture Archive Council of America)?

Der Fotograf Sean Locke fragte dort nach und veröffentlichte hier deren Antwort:

„Thanks for reaching out to PACA. I have been reading the recent articles and threads about the Getty/Google/Photographer problem.

Unfortunately, I have been caught up in conference calls all day on a couple of urgent things, so I haven’t had the time to devote to your situation that I would have liked to, but I can give you a brief outline of where we can be of help to you and your group.

1. PACA has an Ethics and Grievance Committee already set up to handle grievances against its members. The process starts with a simple letter of grievance sent to: ethics@pacaoffice.org.
2. The success of your complaint will depend a lot on the contracts you signed, so the grievance committee will want to see a copy of your contract with iStock with your complaint.
3. Nancy Wolff is an excellent attorney, but she is unable to represent you. She is our PACA Counsel and it would be a conflict of interest. However, I can get her to recommend another good attorney for you.

It goes without saying that PACA does not promote any kind of unethical business practices between our members and photographers. However, since we aren’t privy to the contracts that are being signed between photographers and agencies, we aren’t aware that are problems unless we hear about them. It always takes just one person to uncover an issue and then the work can begin.

I hope this is helpful. Please let me know if there is anything else I can do to help.

Best wishes,
Cathy Aron
PACA Executive Director“

Was sagt der deutsche Branchenverband BVPA (Bundesverband der Pressebild-Agenturen und Bildarchive e.V.)?

Auf meine Anfrage veröffentlichte der BVPA eine Stellungnahme auf deren Webseite als PDF, die hier nachzulesen ist. Darin steht unter anderem:

„Eine Umfrage bei den BVPA-Mitgliedsagenturen hat ergeben, dass diese allenfalls mittelbar betroffen sind. Die Betroffenen wollen sich deswegen an Getty wenden. Die Vereinbarung lässt aber einen weiteren Schritt in Richtung Pauschalierung fotografischer Leistungen auf dem Bildermarkt befürchten. Bezeichnend ist, dass gerade Microstock-Fotografen hier ihren Unmut äußern. Weil aber Google keine auf den deutschen Markt
übertragbaren Nutzungsbestimmungen erkennen lässt, ist zunächst zu klären, welche Nutzungen mit der einmaligen Zahlung für ein Foto abgegolten werden.

Auch in praktischer Hinsicht ist zu klären, welche Nutzungen als innerhalb von Google gelten. So bietet Google Drive Office-Lösungen wie eine Präsentationssoftware an, die ja von unterschiedlichen Orten abgerufen werden kann.

Problematisch ist, dass Google Drive keine Vorkehrungen für den Erhalt der Meta-Daten getroffen hat. So fehlt jeglicher Bezug zu den Fotografen und den ursprünglichen Bildanbietern.

Zweifel bestehen vor allem an einer Kompatibiltät zu kontinental-europäischem Recht. Google teilt seinen Usern mit, dass sie die Bilder im Rahmen von Fair Use nutzen können. Hierunter fallen nichtkommerzielle Nutzungsformen, die auf die Weiterentwicklung und Bearbeitung vorhandener Werke zielen. In der deutschen Rechtspraxis werden die Urheberrechtsschranken restriktiver ausgelegt. Bedenken bestehen zudem, ob eine einmalige Zahlung eines niedrigen Betrages noch dem zwingend geltenden Grundsatz der angemessenen Vergütung gerecht wird.

Eine Stellungnahme seitens Google ist nicht bekannt. Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form Getty Images und Google diese Praxis fortsetzen werden.“

Was sagt der europäische Branchenverband CEPIC (Coordination of European Picture Agencies Stock, Press and Heritage)?

Trotz mehrmaliger telefonischer und Email-Anfragen konnte ich bisher leider keine Antwort von der CEPIC erhalten. Eine Stellungname soll jedoch bald erfolgen. [Update 13.2.2013: Die CEPIC hat sich jetzt mit dieser Stellungnahme bei mir gemeldet.]

Stockfotografie-News 2009-11-20

Guten Morgen, ab geht’s in die nächste News-Runde. Was ist passiert im Bildermarkt?

  • Die Bildagentur Alaska Stock Images macht vor, wie die neuen Medien genutzt werden können. Damit ist nicht mehr das Internet gemeint, sondern Applications für das iPhone. Sie kooperieren mit Alaska HDTV und bieten Fotos als Wallpaper für das Handy an.
  • Der Fotograf Joe McNally schreibt einen inspirierenden Brief an einen jungen Fotografen, der für viele junge Fotografen stehen könnte.
  • Und wieder etwas für die Bildkäufer unter Euch: Der iStock-Fotograf Sean Locke hat ein kleines Script geschrieben, mit dem Bildkäufer bequem die Suchbegriffe eines bei iStockphoto gekauften Fotos abspeichern können – abgesehen davon, dass jede Bildagentur diese Informationen in den Metadaten lassen sollte.
  • Dreamstime beschränkt den Upload von neuen Bildern auf 30 Bilder pro Tag. Auch wenn zu vermuten ist, dass dies nur vorübergehend ist, zeigt es doch, dass die Bildagenturen nicht mehr auf einzelne Fotografen angewiesen sind.

Vergessene Neuigkeiten bitte wie immer einfach in den Kommentaren erwähnen.