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Smartphone-Apps für den Verkauf von Fotos

Okay, bald ist wirklich Schluss. Das hier ist jetzt schon der vierte Teil meiner Serie über Smartphone-Fotografie und wie man damit Geld verdienen kann. Auslöser für Teil eins war die Entscheidung von Yuri Arcurs, seine Bilder exklusiv bei Getty Images anzubieten. Außerdem investierte er über eine Million US-Dollar in die Startup-Firma Scoopshot, worüber ich im zweiten Teil berichtete. Im dritten Teil habe ich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Smartphone-Apps zum Fotoverkauf analysiert.

Heute will ich im vierten Teil die mir bekannten Smartphone-Apps vorstellen und was sie ausmacht:

Foap

Screenshot der foap-App

Mit am längsten dabei ist die schwedische Firma Foap, die seit über einem Jahr Bilder per App verkauft. Zur Zeit ist sie nur für iOS verfügbar, aber ab September ist auch eine Android-Version geplant. Üblicher Verkaufspreis ist 10 USD, wobei der Fotograf die Hälfte davon erhält. Wer Bilder mit „Credits“ kauft, zahlt je nach gekaufter Creditmenge nur 7-9 USD. Es werden auch „normale“ Fotos von DSLR-Kameras und so weiter akzeptiert, wenn diese über die App hochgeladen werden. Foap erzielt regelmäßige Verkäufe. Die letzten 20 Verkäufe werden über die App angezeigt.

Neben den regulären Fotoverkäufen startet Foap sogenannte „Missionen“, bei denen Firmen ihre Fotowünsche an die Fotografen herantragen und sagen, wie viel sie bereit wären, dafür zu zahlen. Auch das ist das im dritten Teil schon erwähnte „Work for Spec“, also Auftragsarbeiten, die eventuell nicht bezahlt werden. Erst vor paar Wochen hat Foap genauso wie Scoopshot eine Millionen-Investition erhalten.

Scoopshot

Screenshot der Scoopshot-App

Aus dem Nachbarland Finnland kommt die Konkurrenz-App Scoopshot, über die ich im zweiten Teil ausführlich berichtet habe. Hier liegt der Fokus stärker auf den „Missionen“, für die der Fotograf jedoch nur 2,50 USD erhält, sollte er ein Foto verkaufen. Die verkauften Fotos werden in der App und auf der Webseite angezeigt, eine Verkaufswahrscheinlichkeit von unter 1% scheint normal zu sein. Die App gibt es für das iPhone und für Android. Im Gegensatz zu vielen der anderen Apps müssen die Bilder hier nicht verschlagwortet werden.

123rf On-The-Go

Screenshot der 123rf-App

Einen klassischeren Ansatz verfolgt die Bildagentur 123rf, welche mit „On-The-Go“ den Upload direkt über die App zur Agentur erlaubt. Im Grunde ist die App aber „nur“ eine Erweiterung des normalen Agenturverkaufs. Hilfreich ist zumindest, dass man mit der App seine letzten Verkäufe ansehen kann, auch jene, welche über die Webseite getätigt wurden. Nichtsdestotrotz hat auch 123rf das Konzept der Missionen aufgegriffen und nennt sie „Contests“. Diese werden jedoch von der Agentur selbst ausgeschrieben und ein Gewinnerfoto erhält dann 300 USD.

TWOP

Screenshot der TWOP-App

Die Münchener Firma „The World Of Pictures„, kurz TWOP, versucht sich an einer Mischung aus FOAP und Scoopshot. Die App gibt es aktuell nur für iOS. Die Nutzer können Bilder in den Marktplatz hochladen, wo diese dann je nach Bildgröße für 5 oder 10 Euro netto gekauft werden können. Bei TWOP kann zwischen einer kommerziellen und einer redaktionellen Lizenz gewählt werden. Außerdem haben Bildkäufer ebenfalls die Möglichkeit, Bildanfragen zu stellen, für die sie je nach gewünschter Bildgröße auch nur 5 (Web) oder 10 Euro (Print) zahlen müssen. Die Fotografen erhalten davon die Hälfte. Die meisten Bildanfragen kommen aktuell von TWOP selbst, vermutlich, damit der Bereich nicht zu leer aussieht. Die letzten Bildverkäufe können über die App angesehen werden.

Clashot

Screenshot der Clashot-App

Die Bildagentur Depositphotos startete die App Clashot, mit der sie die „mobile fotojournalistische Arbeiten“ anbieten will. Bisher ist sie nur für iOS erhältlich. Alle Bilder werden nur für die redaktionelle Nutzung verkauft, deswegen muss der Fotograf die Bilder beim Hochladen auch mit Datum, Titel, Kategorie und Suchbegriffen versehen. Wie schon im normalen Agenturgeschäft legt Depositphotos auch hier die Preislatte wieder sehr niedrig. Die Bilder werden je nach Größe für 0,80 bis ca. 4 USD verkauft, wovon der Fotograf 44% erhält, im niedrigsten Fall also 0,35 Cent. Eine erweiterte Lizenz kostet 80 USD.

Streetspotr

Screenshot der Streetspotr-App

Bei der App Streetspotr geht es zwar auch um Fotos, aber oft aus anderen Gründen. Die Firma bewirbt die Nutzer als „mobile Arbeitskräfte“, die unterwegs kleine Aufgaben erledigen sollen. Dzu zählt zum Beispiel das Überprüfen von WLAN-Hotspots, Taxiständen, aber auch das Fotografieren von aktuellen Prospekten, Speisekarten oder Baustellenschildern. Andere Aufträge sind: Überprüfen, ob ein Promotion-Team an der richtigen Stelle steht, sauber angezogen und motiviert ist, mit Barkeepern Video-Interviews über bestimmte Wodka-Marken führen und so weiter. Für mich fühlen sich viele der Aufträge wie Industriespionage an, weshalb ich sie schnell wieder deinstalliert habe.

Außerdem werden für die ca. 0,50 bis 10 Euro Honorar viele verschiedene Details zusätzlich zu einigen Fotos abgefragt. Fehlt etwas oder ist der Auftraggeber mit den gelieferten Infos nicht zufrieden, wird die Bezahlung – den Kommentaren im Appstore nach – gerne verweigert. Die App gibt es für iOS und für Android.

Der Vollständigkeit halber: Streetspotr scheint eine Kopie der 2010 gestarteten App Gigwalk zu sein.

CNN

Screenshot der CNN-App

Ähnlich wie Clashot erlaubt auch die APP des Nachrichtensenders CNN, Fotos und Videos von nachrichtenrelevanten Ereignissen direkt hochzuladen. Der Bereich dafür ist „iReport“, ansonsten fungiert die App als – schlecht layoutetes – Nachrichtenportal des Senders. Positiv anzumerken ist, dass Medien auch als „Gast“ hochgeladen werden können, ohne einen Benutzeraccount anlegen zu müssen. Außerdem hat CNN ebenfalls „iAssignments“, also Fotoaufträge, die jedoch schon mehr in Richtung „Dokumentiere die aktuellen Proteste in Brasilien/Türkei/Ägypten“ etc. gehen.

PicsaStock

Erst vor paar Tagen kündigte der Chef der yourpainting.de, Andre Lutter, die Gründung der Bildagentur PicsaStock an, welche nur Smartphone-Fotos verkaufen will. Eine App gibt es aber noch nicht. Die Fotografen sollen 50% der erzielten Einnahmen erhalten. Wie sich der Dienst gegenüber den anderen etablierteren Firmen abheben soll, ist mir noch unklar.

EyeEm

Die deutsche Firma EyeEm ist ein Instagramm-Klon und verkauft aktuell noch keine Bilder. Laut diesen News sammelte die Firma jedoch erst kürzlich 6 Million USD Risikokapital ein und will bald in den Bildermarkt einsteigen.

Fizwoz und Pictorama

Diese Firma Fizwoz hat sich zum Ziel gesetzt, die News-Handyfotos meistbietend an Nachrichtensender oder andere Medien versteigern zu können. Da ich die App für das iPhone jedoch nicht finde und auch die letzten News auf der Webseite von 2011 sind, denke ich, das Projekt hat sich genauso erledigt wie Pictorama, die deutsche Firma, die Smartphone-Fotos verkaufen wollte und im Februar den Dienst quittiert hat.

Was noch?

Die Bildagentur iStockphoto akzeptiert seit über einem Jahr auch Handyfotos. Dafür gibt es aber keine App, die Fotos müssen direkt über die Agentur-Webseite hochgeladen werden. Hier gibt die Agentur Tipps für die Mobilfotografie. Die Tipps gelten übrigens auch für alle, die gute Fotos mit dem Smartphone machen wollen, ohne diese gleich zu verkaufen.

Auf ähnlichen Umwegen könnten es Handyfotos sogar zum Branchenführer Getty Images schaffen. Wer seine Fotos zu Flickr hochädt, egal ob über deren App für iOS oder Android, kann eine Einladung zur Flickr Kollektion erhalten oder sich mit seinen Fotos dort direkt bewerben. Wie genau das geht, steht alles hier. Dann werden die Fotos sowohl über iStockphoto als auch Getty Images und deren Partneragenturen verkauft.

Nutzt ihr schon Smartphone-Apps zum Bilderverkauf? Und wie sind eure Erfahrungen damit?

Geld verdienen mit dem Verkauf von Smartphone-Fotos?

Es sollte nur ein kurzer Artikel werden. Doch mittlerweile ist mein Text über die Zukunft der Smartphone-Fotografie auf eine dreiteilige Artikelserie angewachsen. Und soviel kann ich verraten: Ein vierter Teil wird auch noch kommen. Hier könnt ihr den ersten und zweiten Teil lesen.

Heute soll es allgemein um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Smartphone-Apps zum Fotoverkauf gehen im Vergleich zu den aktuellen Wegen des Fotoverkaufs.

Eins vorweg: Ich bin fest davon überzeugt, dass die Qualität von Handy-Kameras kein Argument gegen Fotoverkäufe über das Smartphone ist. Das sage ich einerseits, weil uns die Digitalfotografie das Gegenteil bewiesen hat. Vor ca. zehn Jahren begann die große Debatte unter Fotografen, ob Film oder Digitalfotos besser seien. Noch 2010 erklärte der Profi-Fotograf Ken Rockwell, warum Film seiner Meinung nach nicht aussterben werde. Klar, es gibt auch noch Vinyl-Schallplatten, aber die sind mittlerweile in einem normalen Geschäft genauso oft erhältlich wie 35mm-Filmrollen. Genauso, wie es noch Dampfeisenbahn-Enthusiasten gibt, wird es auch noch eine Weile Analog-Fotografen geben, aber jetzt wo es auch digitale Mittelformat-Kameras gibt, arbeiten Profis nun mal digital.

Die Technik macht sehr schnelle Fortschritte. Ein ganz einfaches Beispiel ist die Entwicklung der Kamera in den sechs iPhone-Generationen, die hier sehr anschaulich verglichen werden. Der gezeigte Qualitätssprung dauerte nur fünf Jahre! Die Ankündigung des Nokia Lumia 1020* mit einem 41-Megapixel-Sensor von Zeiss zeigt, dass die Entwicklung noch lange nicht das Ende erreicht hat. Für Prints bis 13 x 18 cm oder gar für Web-Anwendungen reicht selbst die aktuelle Smartphone-Qualität locker aus und deckt damit einen großen Teil der benötigten Bildanwendungen schon ab. Wer jetzt sagt, dass geringe Schärfentiefe zur bewussten Bildgestaltung oder Telezooms oder große Sensoren für geringes Bildrauschen eine Domäne der DSLRs sind, dem werden spätestens in paar Jahren die Argumente schwinden. Dazu kommen zwei Punkte, welche Smartphones den wuchtigen Digitalkameras voraus haben: Sie sind deutlich leichter und auch immer dabei.

Qualitätsentwicklung am Beispiel der iPhone-Reihe (Foto: Lisa Bettany, Quelle: http://campl.us/posts/6iPhoneCameras)

Wenn wir also davon ausgehen, dass die Bildqualität (bald) nicht mehr entscheidend ist beim Vergleich von Smartphone-Kameras und DSLRs, was bedeutet das für das Geschäftsmodell?

Microstock hat den Markt stark verändert, weil die Bildpreise deutlich billiger waren. Smartphone-Apps zum Fotoverkauf können mit der Bildqualität nicht punkten, denn egal, was ich eben über den Fortschritt der Technik geschrieben habe: Besser werden die Bilder nie werden können, höchstens genauso gut. Es bleiben also entweder niedrigere Preise oder Schnelligkeit. Wer Preisdrücker sein will, muss noch die Microstock-Agenturen unterbieten. Das ist schwer, denn nach den drastischen Preissenkungen bei iStockphoto und der Preisreduzierung für selten verkaufte Fotos bei Fotolia gibt es darunter kaum noch Luft.

„1 Euro“ oder auch „1 Dollar“ sind Preise, hinter denen nicht nur betriebswirtschaftliche Überlegungen stehen, sondern auch psychologische. „Das Foto ist dann Euro wert“, sagt so ein Preis aus. Wer als Bildagentur Fotos für 90 Cent verkaufen will, verankert sowohl beim Fotografen als auch beim Bildkäufer die Aussage, dass die Fotos Centartikel sind, Wegwerfware. Das ist auch einer der Gründe für die Nutzung von „Credits“ als Kunstwährung, weil dann die Preise im Centbereich bei Abos oder nach Mengenrabatt nicht so auffallen.

Ein anderer Vorteil bliebe die Geschwindigkeit. Diese ist bei typischen Microstock-Fotos, die durch generische Motive auf Langlebigkeit getrimmt sind, unwichtig. Eine sehr große Rolle spielt die Geschwindigkeit bei Nachrichtenfotos, weshalb in der Vergangenheit einige Anbieter versucht haben, in diese Nische zu stoßen. Die Idee klang ja einleuchtend: Leute mit ihren immer verfügbaren Smartphone-Kameras sollten als Bürger-Reporter den Nachrichtenmedien billige Fotos liefern.

Getty Images hatte das schon 2007 mit Scoopt versucht, aber 2009 wieder aufgegeben. Vielleicht war Getty da der Zeit zu weit voraus. Auch Yahoo und Reuters starteten 2006 mit „You Witness“ und „Your View“ den Versuch, Bürger(bild)journalismus zu etablieren, gaben aber ebenfalls nach paar Jahren auf. Seit 2009 dann versucht CNN, mit der „iMobile„-App, die Leser zur Meldung nachrichtenrelevanter Inhalte aufzufordern. Der Hauptgrund, warum diese sowie einige ähnliche Dienste langfristig wenig Erfolg haben werden, hat Paul Melcher hier gut analysiert: Den eingesandten Bildern mangelt es nicht an technischer Qualität, sondern ihnen fehlt die „journalistische Bildgestaltung“, die Fähigkeit, mit einem Bild eine ganze Geschichte zu erzählen.

Was bleibt nun übrig? Scoopshot ist im Grunde der Versuch, Auftragsarbeiten für Fotos absichtlich an Leute zu vergeben, die keine Ahnung von der Branche haben, damit sie für viel zu wenig Geld arbeiten. Und selbst das wenige Geld ist nicht immer garantiert. Die Arbeit ist garantiert, der Verdienst nicht. Ähnliche Versuche, nur ohne Smartphone-App, gab es in der Vergangenheit zuhauf. Ein Beispiel ist OnRequest Images, die 2011 aufgehört haben, andere sind microshooting.de oder focalpop.com, beide ebenfalls seit paar Jahren nicht mehr existent.

Wenn solche Portale reihenweise gestorben sind, macht vielleicht die Smartphone-App den Unterschied? Vielleicht. Immerhin ist ja eben der Vorteil, dass das Handy immer dabei ist und man sich bequem in Bus oder Bahn die neuen Anfragen durchlesen kann und falls man gerade paar Minuten Zeit hat und in der richtigen Gegend ist, kann man auch kurz was knipsen. Oder einfach ein Foto hochladen, was eh im Handy gespeichert ist. Die Chancen stehen also besser, aber ab sie für das Überleben ausreichen, weiß ich nicht.

Bisher habe ich zwei verschiedene Geschäftsmodelle erwähnt: Fotojournalismus und Auftragsarbeiten. Das dritte Geschäftsmodell bei Smartphone-Apps, die mit dem Verkauf von Fotos Geld verdienen wollen, ist das ganz klassische Bildagentur-Geschäft. Hier werden einfach Fotos verkauft, oft über die Webseite, die von der Handy-App aus eingeschickt werden. Der einzige Unterschied zu klassischen Microstock-Agenturen ist hier der Anlieferungsweg und die schicke App. Deswegen liegt es nahe, dass diese Agenturen langsam ebenfalls den Weg einschlagen. 123rf hat mit „On-The-Go“ eine solche App zum Hochladen von Handyfotos in den normalen Agenturbestand, iStockphoto akzeptiert seit einem Jahr Handyfotos auf normalen Wege und ich bin sicher, einige andere Bildagenturen arbeiten an ähnlichen Apps.

Eine der wenigen Firmen, die sich ohne einen Hintergrund im Bildermarkt an den Verkauf von Smartphone-Fotos wagten, sind Pictorama und Foap. Pictorama startete Mitte 2012 und vermeldete Anfang 2013 schon das Aus, weil „nicht genügend Leute unsere Bilder kauften„. Foap hingegen lebt noch. Die Preise dort liegen bei 10 Dollar pro Bild. Wer sich auf der App die zuletzt verkauften Bilder anschaut, wird feststellen, dass trotz des Hypes um die Handyfotos viele DSLR-Fotos verkauft werden.

Details eines DSLR-Fotos, welches über Foap verkauft wurde

Weil der Preis jedoch je nach gewünschter Größe deutlich über denen der Microstock-Agenturen liegt und das Hochladen von DSLR-Fotos über den Umweg der App umständlicher ist als direkt eine Microstock-Agentur zu beliefern, sieht auch hier die Zukunft düster aus, je mehr Microstock-Agenturen mit ihren eigenen Apps den Markt entdecken werden. Die Unterschiede, ob ein Foto dann mit einem Handy oder einer Spiegelreflexkamera aufgenommen wurde oder ob es über die Webseite oder eine App hochgeladen wurde, werden dann immer weniger eine Rolle spielen.
Was zählt, ist dann nur der Preis und das passende Motiv.

Im – hoffentlich letzten – vierten Teil werde ich dann alle mir bekannten Apps zum Fotoverkauf auflisten.

Wie seht ihr die Zukunft der Smartphone-Fotografie?

* Affiliate

Kann man mit der Scoopshot App Geld verdienen?

Welche Zukunft hat der Bildermarkt im Bereich der Smartphone-Fotografie?

Im ersten Teil dieses Artikels ging es um die Abkehr des bekannten Microstock-Fotografen Yuri Arcurs vom Microstock-Markt. Gleichzeitig kündigte er seinen Einstieg mit einer 1,2 Millionen-Investition in die Start-Up Firma Scoopshot an.

Logischerweise pries Yuri in seinem Blogartikel deswegen die Zukunft der Smartphone-Fotos als lukrative Einkommensquelle, die nur auf ihn warte, um ausgeschöpft zu werden. Es liegt auf der Hand, dass jemand, der gerade über eine Million Dollar in eine Firma gesteckt hat, mit allen Mitteln versuchen wird, deren Geschäftsmodell über den grünen Klee zu loben.

Auch wenn wir das im Hinterkopf behalten, sollten die Teilnehmer des Bildermarkts nicht den Fehler begehen, neue Geschäftsideen nur deshalb für tot zu erklären, weil es andere als die aktuellen sind. Dieser Fehler hatte einigen Macrostock-Agenturen und -Fotografen die finanzielle Existenz gekostet, andere haben nur mit Mühe die Kurve bekommen.

Diesen Fehler will ich nicht begehen, weshalb ich mir die Scoopshot-App und Webseite (sowie andere „Geld verdienen mit Fotos“-Apps“, aber dazu bald mehr) genauer angeschaut habe.

Scoopshot funktioniert nach dem Prinzip, dass Bildsucher „Aufgaben“ kostenlos ausschreiben können, um nach Fotos zu suchen. Diese Ausschreibungen werden allen Scoopshot-Fotografen im Umkreis von 20 km einer gewünschten Stadt für eine Woche angezeigt. Wer eine Aufgabe bundesweit oder gar weltweit ausschreiben will oder die Aufgabenzeit verlängern will, muss zahlen. Wer seine Aufgabe prominenter anzeigen lassen will, sei es Durch ein Logo, Web-Banner oder eine Push-Mitteilung der App, muss schnell mittlere dreistellige Beträge zahlen.

Die Fotografen können dann mit ihrem Smartphone über die App Fotos zu den Aufgaben hochladen. Wird eins verkauft, bekommen sie vom 5 US-Dollar Verkaufspreis die Hälfte, also 2,50 US-Dollar. Von den oben genannten mittleren dreistelligen Beträgen sieht der Fotograf nichts. Außerdem muss der Bildsucher auch keins der ihm angebotenen Fotos kaufen, dann bekommt der Fotograf für seine Arbeit nichts. Das nennt sich in der Fachsprache „Work on spec„, also eine Auftragsarbeit auf den puren Verdacht hin abliefern, vielleicht doch Geld dafür zu bekommen. Warum das dumm ist, wird hier erklärt.

Selbst Yuri Arcurs gibt es zu und schreibt, dass die Bezahlung „lächerlich“ sei:

„I agree that 5 USD per task is ridiculous, but so was 1 USD per download for Istockphoto.com back 7 years ago. We are looking at the birth of a new industry. It’s not refined like microstock is today. Mistakes are ok, small income is ok, bad images are ok, it does not mean it is where it will end. You have to see the potential long term.“

Doch diesmal sitzt er als Investor ja auf der anderen Seite des Tisches, und zwar auf der, wo von der lächerlichen Bezahlung der Gegenseite profitiert wird.

Aber wie ist aktuell die Qualität der eingesandten Bilder? Ich habe es mal mit zwei Aufgaben getestet, die ich im Raum Berlin für sieben Tage veröffentlicht habe. Einmal sollten die Fotografen selbstgemachtes Eis fotografieren und idealerweise gleich das Rezept im Kommentarfeld mitliefern. Das könnte ich super für meinen Eis-Blog nutzen. Vielleicht etwas anmaßend von mir, für 5 Dollar eine komplettes Rezept mit Bildern zu bekommen. So sahen drei einzigen Ergebnisse (ein Tag vor Aufgabenende) auch aus:

Das erste Foto ist sogar ganz witzig und originell, was mich gleich stutzig machte. Deshalb kurz mit Google Images eine Bildersuche gemacht und siehe da, das Foto kursiert seit Jahren im Internet auf Witz-Seiten und wurde garantiert nicht vom Einsender aufgenommen. Deshalb habe ich es mal als „verletzt Copyright“ gemeldet, aber nach mehr als fünf Tagen war das Bild immer noch online. Der unwissendere Bildkäufer hätte das Foto vielleicht gekauft, benutzt und im Falle einer Klage ein großes Problem gehabt, denn Unwissenheit schützt ja vor Strafe nicht.

Scoopshot hält sich im Kleingedruckten fein raus und schreibt:

„The Buyer is responsible for obtaining all Releases and it agrees that its publication of a Photo is conditional on obtaining all Releases. Should the Buyer have reason to believe that permission or consent for publishing is required under any applicable law the Buyer shall not publish the Photo.“

Das heißt grob übersetzt: Du darfst gerne Fotos kaufen, aber vielleicht darfst Du es nicht nutzen, weil es Rechte anderer verletzen würde. Du musst Dich nach dem Kauf selbst darum kümmern, dafür Freigaben zu erhalten und wir helfen Dir dabei kein bisschen. Soviel zum Thema Rechtssicherheit.

Ähnliche Qualitätsprobleme gab bei meiner zweiten Aufgabe: Ich hatte die Idee, diesen Artikel mit einem Scoopshot-Foto zu illustrieren und fragte die Fotografen, mir Bilder von „Smartphone-Fotografen beim Geld verdienen“ zu schicken. Als typischer Microstock-Fotograf hatte ich erwartet, mit Bildern von jungen Leuten zugeschüttet zu werden, die sich selbst mit ihrem Handy im Spiegel fotografieren und dabei ein paar Geldscheine in der Hand halten. Stattdessen gab es diese Auswahl:

Blumen, Katzen, Kakteen und Topfpflanzen. Das erste Bild des Strudels in Augenform war wieder ganz witzig, aber auch wieder aus den Untiefen des Internet kopiert und geklaut. Das vollmundige Versprechen von Authentizität und Echtheit von Scoopshot wegen zum Patent angemeldeter Technologien lässt einen da glatt sprachlos. Vor allem der letzte Satz:

„Therefore we have developed a patent-pending technology that automatically analyzes the authenticity of user-generated content (UGC). From the time a photo or video is captured with the app, we know the „who, when, where“ of its existence. This helps media companies focus upon content itself, not spending effort in authentication.“

Testweise habe ich mal ein Foto in den Warenkorb gelegt und im Grunde musste ich nur auf „Checkout klicken“ und meine PayPal-Adresse angeben, um den Kauf abzuschließen. Nirgends wird ein Wort über die Bildlizenz verloren, also was der Käufer mit dem Bild machen darf und was nicht.

In den allgemeinen Nutzungsbedingungen hingegen werden gleich mehrere vorhandene Lizenzen aufgelistet, von einer „Publishing Licence“, die nur redaktionelle Nutzung erlaubt bis hin zu einer „Unlimited Licence“, die nach meinem Verständnis auch Werbezwecke einschließen würde. Welche Lizenz beim Kauf nun gültig ist, ist unklar. Wenn Scoopshot den Bildkäufern gewerbliche Nutzungen erlaubt, ohne sich um die Rechteklärung zu kümmern, steht das ganze Geschäftsmodell wieder auf sehr wackligen Füßen.

Meine beiden Aufgaben haben – zumindest mir – gezeigt, dass Scoopshot für typische Bildagenturen auf lange Zeit hin bestimmt keine Konkurrenz ist.

Das versucht die Firma aber anscheinend auch nicht. Die Stärke von Scoopshot liegt woanders und wird auf deren Webseite als „Content Marketingbeschrieben:

„Crowdsource unique content for marketing purposes, market research and to engage and interact with consumers.“

Das wären dann Aufgaben wie „Fotografiere Dich mit unserer Tageszeitung im Urlaub“ oder „Fotografiere Dich mit unserer Supermarkt-Tüte auf Reisen“ und so weiter. Oder die Geodaten der Fotos werden für Marktforschungszwecke ausgewertet? Die Firma bekommt dann für einige hundert Euro (ohne ein Foto kaufen zu müssen) viele Leute, die sich die Zeit nehmen und Mühe machen, sich mit dem beworbenen Produkt in Szene zu setzen, Scoopshot bekommt das Geld und die Fotografen bekommen bestenfalls 2,50 Dollar.

Nach dem ersten Test von Scoopshot wollte ich allgemeiner werden und einen Blick auf vergleichbare Geschäftsmodelle in der Vergangenheit werfen und einen Ausblick in die Zukunft wagen, aber das hebe ich mir jetzt doch für den nächsten dritten Teil auf.

Wie schätzt ihr die Chancen von Scoopshot ein?

Stockfotografie-News 2013-07-19

Gestern habe ich die erste Hälfte der riesigen Portion Stockfotografie-News serviert. Heute gibt es die zweite Hälfte als nicht minder schmackhaften Nachschlag:

  • Shutterstock stellt ein neues Keyword-Tool vor, was sehr intuitiv funktioniert und von vielen besser als das altbekannte von Yuri Arcurs eingeschätzt wird. Dafür tippt man 2-3 Begriffe ein und erhält eine Bildauswahl. Dann klickt man mindestens drei Bilder an, die dem zu verschlagwortenden Motiv am ähnlichsten sehen und bekommt dann einige Vorschläge für passende Suchbegriffe.
  • Außerdem feiert Shutterstock das 10jährige Jubiläum und vergibt sieben „Stipendien“ zu insgesamt 75.000 USD. Details zur Teilnahme gibt es hier.
  • Shutterstock zum Dritten: Die Agentur verkauft jetzt nicht nur Bilder und Videos, sondern unter der Domain skillfeed.com auch Video-Tutorials im Abo. Der Unterschied zu Tutorial-Seiten wie video2brain ist, dass auch diese Tutorials mittels „Crowdsourcing“ gesammelt werden, sprich: Jeder kann sich bewerben und eigene Videos einreichen.
  • Die Bildagentur Panthermedia führt jetzt nach Clipdealer ebenfalls eine „Social Media“-Lizenz ein. Der Aufpreis beträgt 10 Euro pro Bild. Außerdem wird die „Social Media“-Lizenz automatisch mit der Erweiterten Lizenz verknüpft, ist dort also im Preis inbegriffen. Wer daran nicht teilnehmen will, muss die entsprechenden Felder hier in der Rechteverwaltung deaktivieren.
  • Parallel dazu kürzt Panthermedia die Honorare für Abo-Downloads auf 0,23 Euro bzw. 0,46 Euro für die konzernweite Nutzung.
  • Kürzlich hatte ich berichtet, dass Yuri Arcurs jetzt exklusiv bei Getty Images ist. Heute erzähle ich euch, dass er eben 1,2 Millionen USD in die Startup-Firma Scoopshot gesteckt hat. Die Firma will Auftragsfotografie crowdsourcen. Ich habe schon vor vier Jahren die deutlichen Nachteile aufgezählt und ich sehe nicht, warum das diesmal mehr Erfolg haben sollte. Vielleicht ist es aber auch nur ein cleverer Versuch, eine Bilddatenbank mit Smartphone-Bildern aufzubauen.
  • Wo wir dabei sind: Mit „Smart Photo Digest“ gibt es jetzt die erste (?) deutsche Zeitschrift für Smartphone-Fotografen. Etwas unverständlich ist nur, wieso man als Titelbild trotzdem ein DSLR-Foto nutzt, wenn man so von den Fähigkeiten der Smartphone-Kameras überzeugt ist.
  • Die drei Macrostock-Agenturen Stockfood, Alamy und Westend61 haben beide ihre Webseiten komplett neu gestaltet.
  • Corbis hat jetzt mit „Crave“ ebenfalls eine kostenlose iPad-App, welche ausgewählte beste Bilder der Agentur zur Schau stellt. Viele Funktionen funktionieren jedoch nur nach Login.
  • Das Start-Up Dotspin zeigt eine kreative Möglichkeit auf, wie man mit kostenlosen Creative Commons-Bildern trotzdem Geld verdienen könnte. Der größte Haken daran: Bisher hat es Creative Commons-Fotografen auch nicht gestört, dass es keine Honorare gibt.
  • Noch weiter geht der Blick über den Tellerrand bei Audiam. Diese Firma will Musikern helfen, Geld bei Youtube mittels der vorgeschalteten Werbung zu verdienen. Leicht problematisch dabei ist nur, dass versucht wird, anhand unlizenzierter Inhalte Geld zu verdienen und diese somit nachträglich zu legalisieren und den Musiker mit einem Teil der Werbeeinnahmen abzuspeisen.
  • Für die Food-Fotografen unter euch: Die Inhaber der Namensrechte der „Pink Lady“-Apfelsorte suchen den Foodfotografen 2014. Hier mehr Details.
  • Noch etwas Lustiges und Lehrreiches zum Schluss: Ihr erinnert euch sicher alle an Awkward Stock Photos? Dort werden schreckliche, seltsame oder komische Stockfotos gezeigt. Ähnlich geht es bei Getty Critics zu. Mit dem großen Unterschied, dass dort wirklich kritisiert wird und Stockfotografen noch etwas lernen können. Zum Beispiel, dass es unrealistisch aussieht, wenn Spielzeug im Kamin liegt, die neunjährige Tochter Kaffee zum Frühstück trinkt und der Käse mit der Grillzange serviert wird.

Was sagt ihr zu den Neuigkeiten? Und wenn ich etwas übersehen habe, dann bitte in den Kommentaren nachtragen.