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Das Beste aus dem Stockfotografie-Forum – März 2013

Nachdem das alte Relota-Forum lei­der sei­ne Pforten geschlos­sen hat, habe ich zusam­men mit Ralf Nöhmer die Aufgabe über­nom­men, ein neu­es deutsch­spra­chi­ges Forum für Stockfotografie zu eta­blie­ren, das Stockfotografie-Forum. Mittlerweile zäh­len wir über 440 ange­mel­de­te Mitglieder und ca. 300 Diskussionsbeiträge im Monat. Das ist ein Wert, auf den wir alle stolz sein kön­nen.

Wer noch nicht über­zeugt ist, ob das Forum hilf­reich sein kann, fin­det hier wie­der eine von mir hand­ver­le­se­ne Auslese an emp­foh­le­nen Forumsbeiträgen.

Am bes­ten gleich anmel­den oder – wer das schon gemacht hat – mal wie­der rein­schau­en und mit­dis­ku­tie­ren!

Verwirrung um Begriffe lizenzfrei, freie Lizenzen und lizenzkostenfrei

Viele Fotografen kla­gen über sin­ken­de Einnahmen, stei­gen­de Konkurrenz und so wei­ter. Dabei haben die Teilnehmer der Stockfotografie-Branche eines der größ­ten „Verbrechen“ selbst began­gen: Die unge­schick­te Namensgebung ihrer Lizenzmodelle.

Früher gab es „rights mana­ged“, was übli­cher­wei­se mit „lizenz­pflich­tig“ oder kurz „RM“ über­setzt wird. Das beschreibt gen­au, wie ein Foto ver­kauft wird: Eine Bildlizenz ist Pflicht und die Rechte wer­den „gema­nagt“. Der Preis berech­ne­te sich nach eini­gen Faktoren der Fotonutzung wie Auflagenhöhe, Druckgröße, Ort (Land, Region, Welt) und Dauer der Nutzung. Wenn die Nutzungsdauer abge­lau­fen war oder der Bildnutzer das Foto nur für ein Land gekauft hat­te und es jetzt in einem wei­te­ren Land nut­zen woll­te, mus­s­te er eine neue Lizenz kau­fen.

Dann kam Anfang der 1990er Jahre der Trend auf, Foto-CDs mit ver­schie­de­nen Motiven zum Einheitspreis zu ver­kau­fen. Der Käufer konn­te – fast – alles mit den Bildern auf der CD machen und des­we­gen mus­s­te ein neu­es Lizenzmodell her: Die Branche tauf­te es „royal­ty free“. Übersetzt wird der Begriff mit „lizenz­frei“ oder kurz „RF“. Das „royal­ty“ hat nichts mit Königen oder der Monarchie zu tun, son­dern im Englischen wird der Begriff auch für Tantiemen oder eben Lizenzen benutzt.

Für die Fachleute war die Unterscheidung klar: Nach dem Kauf eines RF-Fotos konn­te der Bildnutzer das Foto für immer und welt­weit nut­zen, ohne jedes Mal eine neue Lizenz bezah­len zu müs­sen. Daher: „lizenz­frei“ oder „royal­ty free“.

2000 kam jedoch mit istock­pho­to die ers­te Microstock-Bildagentur auf den Markt und erwei­ter­te die Käuferschichten um vie­le Leute, wel­che nicht haupt­be­ruf­li­ch mit dem An- und Verkauf von Bildern zu tun hat­ten. Außerdem waren im Internet plötz­li­ch die Webseiten der Bildagenturen auch für jeden Internetsurfer frei zugäng­li­ch.

Der Otto-Normalverbraucher denkt jedoch, wenn er „lizenz­frei“ oder „free“ liest, etwas wäre kos­ten­los. Das stimmt bei Fotos jedoch nicht. Auch lizenz­freie Fotos müs­sen gekauft wer­den. Selbst das Wort ist unpas­send, denn auch für die Nutzung eines lizenz­frei­en Bildes braucht der Nutzer eine „Nutzungslizenz“, wel­che sich die meis­ten Fotografen oder Bildagenturen bezah­len las­sen.

Was lizenz­freie oder „royal­ty free“-Fotos von ande­ren kos­ten­pflich­ti­gen Fotos unter­schei­det, ist nur die Art der Abrechnung. Während bei lizenz­pflich­ti­gen Fotos pro Nutzung bezahlt wer­den muss (Web, Flyer, Plakat, etc.) gibt es bei lizenz­frei­en Fotos mit dem Kauf das unbe­schränk­te Nutzungsrecht. Um es voll­kom­men kom­pli­ziert zu machen, ist auch die­ses „unbe­schränk­te Nutzungsrecht“ nicht so unend­li­ch, denn im Kleingedruckten wird zum Beispiel fast immer der Weiterverkauf und ande­re Nutzungen wie dif­fa­mie­ren­de Nutzungen unter­sagt.

Lizenzkostenfrei und freie Lizenzen

Einige Bildagenturen wür­den den Begriff „lizenz­kos­ten­frei“ statt „lizenz­frei“ vor­zie­hen, weil er kor­rek­ter ist. Ein RF-Foto ist ja nicht frei von Lizenzen, son­dern nur den von bei ande­ren Fotos spä­ter anfal­len­den Lizenzkosten. Aber die­se haar­fei­ne Unterscheidung bemer­ken die pri­va­ten Bildsucher im Internet nicht. Wenn sie „frei“ oder „free“ lesen, wird das Bild kopiert und damit oft geklaut. Die meis­ten bege­hen des­halb Urheberrechtsverletzungen, ohne es zu mer­ken, weil sie das Kleingedruckte nicht beach­ten.

Während die meis­ten Bildanbieter sich die Nutzungslizenzen auch von lizenz­frei­en Fotos bezah­len las­sen, gibt es eini­ge Webseiten wie bei­spiels­wei­se Pixelio, wel­che ihre lizenz­frei­en Fotos kos­ten­los anbie­ten. So kommt es, dass es manch­mal legal ist, ein lizenz­frei­es Foto ohne Bezahlung zu nut­zen und manch­mal nicht.

Wer bis jetzt den Überblick behal­ten hat, hal­te sich fest: „lizenz­frei“ ist nicht zu ver­wech­seln mit einer „frei­en Lizenz“. Während letz­te­re wirk­li­ch kos­ten­los zu haben sind, kos­ten ers­te­re meist Geld.

Wohin führt die­ses Begriffschaos?

Viele Internetnutzer sehen nur den Wortteil „frei“ oder „free“ und kopie­ren Fotos ohne Bezahlung und bre­chen damit das Gesetz. Drastisch for­mu­liert: Sie bege­hen eine Straftat, meist ohne es zu mer­ken. Das ist unschön für die Fotografen, denen Einnahmen ent­ge­hen und ärger­li­ch für Bildnutzer, wenn sie nach Wochen oder Monaten eine Abmahnung erhal­ten und ihnen der Anwalt die fei­nen Unterschiede erklä­ren muss.

Auch Leute, wel­che bereit sind, für gute Bilder Geld aus­zu­ge­ben, fin­den die­se ver­schie­de­nen Begriffe ver­wir­rend und ver­zich­ten im Zweifel auf einen Kauf und machen das Foto selbst.

Deshalb wäre es sinn­vol­ler, einen neu­en Begriff statt „royal­ty free“ oder „lizenz­frei“ zu prä­gen.

Nur: Wie könn­te die­ser Begriff lau­ten? Habt ihr einen Vorschlag?

Stockfotos kaufen: Was ist redaktionelle und kommerzielle Nutzung?

Wer ein Foto kau­fen will, bzw. genau­er: Wer ein Foto für etwas lizen­zie­ren will, trifft auf vie­le Abkürzungen und Begriffe, die Verwirrung stif­ten kön­nen.

Zum Beispiel bedeu­tet „lizenz­frei“ nicht, dass Fotos kos­ten­los benutzt wer­den dür­fen und RM bedeu­tet in der Fotobranche nicht Reichsmark oder Real Media, son­dern „rights mana­ged“.

Eine wei­te­re Quelle der Verwirrung will ich heu­te tro­cken­le­gen.

Was ist der Unterschied zwi­schen „redak­tio­nel­ler Nutzung“ und „kom­mer­zi­el­ler Nutzung“ und war­um ist sie so wich­tig? Bevor ich die­se Frage jedoch beant­wor­te, muss ich dar­auf hin­wei­sen, dass ich hier kei­ne Rechtsberatung geben kann und darf und des­halb alle Angaben ohne Gewähr sind.

Dieses Bild dient zur Illustration eines jour­na­lis­ti­schen Beitrags und fällt des­halb unter die „redak­tio­nel­le Nutzung“

Kommerzielle Nutzung

Wie sich ver­mu­ten lässt, ist alles aus dem Bereich „Werbung“ eine kom­mer­zi­el­le Nutzung. Dazu zäh­len zum Beispiel:

  • Werbeanzeigen
  • Partyflyer
  • Werbeposter
  • Email-Werbung
  • Bannerwerbung
  • Fernsehspots

und so wei­ter.

Auch der Verkauf von Produkten, bei denen Fotos das Hauptmotiv bzw. der Grund sind, war­um das Produkt gekauft wird, ist eine kom­mer­zi­el­le Nutzung. Dazu zählt zum Beispiel:

  • Verkauf von T-Shirts, Stickern, Postern, Postkarten, Buttons, Kalendern, Mousepads, Puzzles etc. mit Bildern
  • Nutzung von Bildern in Webseiten-Templates

und so wei­ter. Für die­se Art von kom­mer­zi­el­ler Fotonutzung, bei der das Fotomotiv einer der Hauptgründe des Käufer ist, gen­au die­ses Produkt und kein ande­res zu erwer­ben (ein Poster oder Kalender wird schließ­li­ch nicht wegen des glat­ten Papiers gekauft) wird bei den meis­ten Bildagenturen meist der Kauf einer „Erweiterten Lizenz“ (auch „Merchandising Lizenz“) ver­langt.

Redaktionelle Nutzung

Hier steckt im Namen das Wort „Redaktion“ und dar­an lässt sich schon erken­nen, dass wir uns im jour­na­lis­ti­schen Bereich bewe­gen. Im eng­lisch­spra­chi­gen Raum wird meist von „edi­to­ri­al use“ gespro­chen. Eine redak­tio­nel­le Nutzung ist gege­ben, wenn ein Bild im Rahmen einer redak­tio­nel­len Berichterstattung genutzt wird. Das ist über­li­cher­wei­se der Fall bei:

  • Zeitungen
  • Zeitschriften
  • Schulbücher
  • Sachbücher
  • Blogs
  • Nachrichtensendungen

und so wei­ter.

Wohlgemerkt jedoch nur im „redak­tio­nel­len Teil“ einer Zeitung, nicht als Werbeanzeige in einer Zeitung. Während in tra­di­tio­nel­len Medien Redaktionen ihre Texte ver­fas­sen und dazu Fotos zur Illustration brau­chen, kann heut­zu­ta­ge z.B. auch ein ein­zel­ner Blogger Artikel ver­fas­sen und die Bebilderung die­ser Artikel wür­de als „redak­tio­nel­le Nutzung“ zäh­len. Die welt­weit größ­te Bildagentur Getty Images defi­niert die redak­tio­nel­le Nutzung in ihren Lizenzbedingungen so: „Redaktionelle Produkte müs­sen in einer ‚redak­tio­nel­len‘ Verwendung ein­ge­setzt wer­den, d.h. die Verwendung mit Bezug auf Ereignisse, die berich­tens­wert oder von öffent­li­chem Interesse sind“. Dieser Bezug auf Ereignisse und das öffent­li­che Interesse wird von Gerichten mit Blick auf die Pressefreiheit meist sehr weit gedeu­tet.

Die Getty-Tochter istock­pho­to defi­niert „edi­to­ri­al use“ so: „Editorial Use means that the image will be used as a descrip­ti­ve visual refe­ren­ce“. Übersetzt: Redaktionelle Nutzung bedeu­tet, dass das Bild als beschrei­ben­de visu­el­le Referenz genutzt wird.

Als Faustregel könn­te  – zumin­dest in Deutschland – des­halb gel­ten: Wer ein Impressum benö­tigt, nutzt Fotos redak­tio­nell. Eine Grauzone sind Webseiten, wel­che zwar eine Anbieterkennzeichnung haben müs­sen, jedoch des­halb nicht auto­ma­ti­sch „redak­tio­nell“ sind.

Übliches Missverständnis: Geld ver­die­nen vs. redak­tio­nel­le Nutzung

Oft lese ich fälsch­li­cher­wei­se in Internet-Foren, dass sich „kom­mer­zi­el­le“ und „redak­tio­nel­le“ Nutzung dadurch unter­schei­den wür­den, dass mit erst­ge­nann­tem Geld ver­dient wür­de, mit dem zweit­ge­nann­ten nicht. Das ist jedoch fal­sch, denn die meis­ten Zeitschriften kos­ten Geld und ver­die­nen auch wel­ches, auch wenn sie einen jour­na­lis­ti­schen Auftrag erfül­len. Im Gegenzug kann auch eine werb­li­che Nutzung, zum Beispiel für eine Hilfsorganisation eine „kom­mer­zi­el­le Nutzung“ sein, auch wenn der Verein sat­zungs­ge­mäß kein Geld ver­die­nen darf.

Wer zum Beispiel ein Foto auf einen Flyer dru­cken will, der zu einer Party ein­lädt, nutzt das Foto „kom­mer­zi­ell“ egal, ob es eine Flatrate-Sauf-Party ist oder die Einladung für das kos­ten­lo­se Konzert des Kirchenchors. Beide Male „wirbt“ der Flyer für etwas.  Es fin­det weder eine jour­na­lis­ti­sche Berichterstattung statt noch wird ein Bild als visu­el­le Referenz genutzt. Letzteres könn­te bei­spiels­wei­se der Fall sein, wenn jemand ein Foto sei­nes Autos nach einem Diebstahl auf Aushänge druckt, um dana­ch zu fahn­den.

Zweites Missverständnis: Kommerzielle und redak­tio­nel­le Nutzung unter­schei­det sich wie RF/RM

RF und RM sind Abkürzungen, die für die Art der Bildlizenzierung ste­hen: „royal­ty free“ oder „rights mana­ged“. Diese Begriffe regeln jedoch nur die Art der Bezahlung, aber nicht die der Nutzung.

Zwar war es lan­ge in der Praxis so, dass RM-Fotos vor allem redak­tio­nell benutzt wur­den und RF-Fotos meist kom­mer­zi­ell, aber ers­tens ändert sich das und zwei­tens war das auch damals nie in Stein gemei­ßelt. Zum Beispiel wur­den und wer­den für teu­re Werbekampagnen (=kom­mer­zi­el­le Nutzung) RM-Fotos gekauft, damit Exklusivität gewähr­leis­tet ist und eini­ge Zeitschriften kau­fen auch zur Bebilderung ihrer Artikel (=redak­tio­nel­le Nutzung) RF-Fotos, weil die­se manch­mal bil­li­ger sind (Microstock) oder vom Motiv ein­fach bes­ser pas­sen.

Warum ist die Unterscheidung der Nutzung wich­tig?

Die genaue Trennung zwi­schen redak­tio­nel­ler und kom­mer­zi­el­ler Nutzung ist wich­tig, weil sie in zwei wich­ti­gen Bereichen sehr unter­schied­li­che Voraussetzungen erfül­len muss: Rechtlich und mora­li­sch.

Rechtliche Unterschiede

Für eine kom­mer­zi­el­le Nutzung von Bildern sind zum Beispiel bei Personenfotos immer Model-Verträge not­wen­dig, bei mar­ken­recht­li­ch (oder ander­wei­tig) geschütz­ten Dingen Eigentumsfreigaben. Bei redak­tio­nel­ler Nutzung von Bildern ist das nicht not­wen­dig. Stellt euch nur das Gedränge vor, wenn die Fotoreporter bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus alle die Unterschrift des Präsidenten unter ihre Model-Verträge haben wol­len wür­den… 🙂 Aber im Ernst: Es wäre ein star­ker Eingriff in die Pressefreiheit, wenn Personen den Abdruck von Fotos ver­bie­ten könn­ten, auf denen sie zu sehen sind, nur weil bei­spiels­wei­se eine Zeitung kri­ti­sch über die­se Person berich­tet. Deswegen sind Modelverträge im engen Rahmen der redak­tio­nel­len Nutzung nicht nötig. Umgekehrt aber dür­fen auch Fotos, bei denen Modelverträge vor­lie­gen, redak­tio­nell genutzt wer­den.

Diese Freiheit, wel­che Fotojournalisten haben, wenn sie ohne Model-Verträge oder Eigentumsfreigaben arbei­ten kön­nen, hat jedoch ihren Preis. Dieser lau­tet: „Journalistische Sorgfaltspflicht“. Das führt uns zur Moral.

Moralische Unterschiede

Die eben erwähn­te Sorgfaltspflicht von Journalisten besagt unter ande­rem, dass Wahrheit eins der obers­ten Gebote ist. Das bedeu­tet bei Fotos unter ande­rem, dass sie nicht gestellt oder retu­schiert wer­den dür­fen. Die Nachrichtenagentur Reuters hat des­halb aus­führ­li­che Richtlinien, wie Fotos auf­ge­nom­men, mit Photoshop bear­bei­tet und beschrif­tet wer­den dür­fen oder müs­sen. Werden die­se nicht ein­ge­hal­ten, gibt es sofort auf­ge­brach­te Diskussionen. Oft dre­hen sich die­se um die Frage, wie stark ein Bild beschnit­ten wer­den darf. Jeder Fotograf weiß, dass die Bildwirkung eines Fotos stark durch einen Beschnitt beein­flußt wer­den kann und ein radi­ka­ler Beschnitt oft ein lang­wei­li­ges Foto ret­ten kann. Deshalb ist das Beschneiden von Fotos bei vie­len Bildagenturen nicht per se ver­bo­ten. Nur wenn der Beschnitt die Bildaussage ändern wür­de, ist er unter­sagt. Ähnlich stren­ge Vorgaben hat auch istock­pho­to an Fotografen, die redak­tio­nel­le Fotos lie­fern wol­len.

Vom recht­li­chen Standpunkt aus gese­hen, kann jedes kom­mer­zi­ell nutz­ba­re Foto auch redak­tio­nell genutzt wer­den. Moralisch gese­hen ist das jedoch oft viel schwie­ri­ger, weil die gestell­ten Model-Fotos mit weg­re­tu­schier­ten Markennamen und Hautunreinheiten eben nicht die Wahrheit wie­der­spie­geln, der sich sorg­fäl­tig arbei­ten­de Medien ver­pflich­ten. Das ist auch einer der Gründe, war­um die „klas­si­schen“ Stockfotos eher sel­ten in Zeitungen zu fin­den sind und die spe­zia­li­sier­ten Nachrichtenagenturen wei­ter­hin vie­le Fotos ver­kau­fen kön­nen. Wenn Zeitungen trotz­dem ein bear­bei­te­tes Foto abdru­cken wol­len, mar­kie­ren sie es ent­we­der als „Symbolbild“ oder durch ein „[M]“ für „Fotomontage“, oft zu sehen auf dem Titelbild der tages­zei­tung.

Unterschiede bei der Namensnennung von Fotografen

Viele Bildagenturen ver­lan­gen von Bildkäufern, dass sie bei redak­tio­nel­ler Nutzung eines Fotos den Namen des Fotografen in der Form „Fotografenname/Agenturname“ ange­ben. Rechtliche Grundlage für die­se Forderung ist der §13 des deut­schen Urheberrechts. Darin steht: „Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung sei­ner Urheberschaft am Werk. Er kann bestim­men, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu ver­se­hen und wel­che Bezeichnung zu ver­wen­den ist.“ Fotolia hat dazu einen erklä­ren­den Blogbeitrag geschrie­ben.

Da vie­le Zeitungen aus ver­schie­de­nen Gründen (Platzmangel, Bequemlichkeit, Lesbarkeit) immer öfter dazu über­ge­hen, nur die Agentur zu nen­nen, hat­te der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) vor kur­zem die Aktion „Fotografen haben Namen“ gestar­tet und die „Welt kom­pakt“ als Zeitung aus­ge­zeich­net, wel­che ihre Fotos am über­sicht­lichs­ten kenn­zeich­net.

Bei einer kom­mer­zi­el­len Nutzung ver­zich­ten vie­le Urheber bzw. Agenturen auf die­se Namensnennung, weil sie nicht bran­chen­üb­li­ch ist. Oder wie oft habt ihr Werbeanzeigen gese­hen, in denen klein am Rande die Namen der betei­lig­ten Fotografen ste­hen?

Habt ihr auch Missverständnisse mit den bei­den Begriffen redak­tio­nell und kom­mer­zi­ell erlebt? Was für Unterschiede erge­ben sich für euch?

Lebensmittel-Fotos bei Stockfood

Seit ca. einem Jahr belie­fe­re ich eine wei­te­re Bildagentur: Stockfood.

Stockfood ist eine Macrostock-Bildagentur, wel­che sich auf Bilder und Footage von Lebensmitteln und Getränken spe­zia­li­siert hat.


Bisher habe ich nur weni­ge Fotos dort (170 Bilder und eini­ge noch in der Bildredaktion), aber gleich nach der ers­ten Abrechnung plat­zier­te sich die Agentur in mei­nem RPI-Ranking (Bildagenturen sor­tiert nach Gewinn pro Bild) weit oben. Das liegt aber auch dar­an, dass Macrostock-Agenturen eine viel stren­ge­re Bildselektion haben und sich nur „die Rosinen raus­pi­cken“. Würde ich den totalRPI-Wert neh­men (also inklu­si­ve der abge­lehn­ten Fotos), läge der Wert nied­ri­ger.

Den RPD (Revenue per Download) mit Werten von Microstock-Agenturen zu ver­glei­chen, wäre unfair und bei der Handvoll Verkäufe bis­her nicht aus­sa­ge­kräf­tig.

Meine Fotos und Videos dort wer­den exklu­siv je nach Motiv als RM oder RF ange­bo­ten, die fin­det ihr dem­nach nir­gend­wo anders.

Neid und Konkurrenz zwischen den drei Bildermärkten RM, RF und Microstock

Vor eini­gen Tagen bekam ich wie­der eine Mail eines Berufsfotografen. Ohne sich vor­zu­stel­len, frag­te er mich direkt, wie­so ich mei­ne Bilder als Microstock anbie­ten wür­de. Damit wür­de ich das Einkommen vie­ler Fotografen zer­stö­ren. Ich ant­wor­te­te höf­li­ch und er erwi­der­te mit Zahlen, wie viel ich pro Bild und Jahr bei Macrostock–Agenturen und Verkäufen nach der MfM-Tabelle machen kön­ne. Ich rech­ne­te kurz nach und merk­te, dass ich bei sei­nen Umsätzen auch im Microstock-Bereich mit­hal­ten konn­te.

Zwei Fäuste

Das ließ mich ver­mu­ten, dass der betref­fen­de Fotograf den Vorwurf erhob, ohne selbst kon­kre­te Zahlen zum Microstock-Geschäft zu haben. Genau das war auch der Grund, war­um ich vor über einem Jahr selbst begon­nen hat­te, eini­ge Fotosessions über Microstock-Bildagenturen zu ver­kau­fen. Da ich auch genug RM und Macro-RF-Bilder anbie­te, hat­te ich nach einer Weile gute Vergleichszahlen. Einen Teil davon habe ich im Blog auch schon ver­öf­fent­licht. Dort kamen in den Kommentaren übri­gens auch gleich wie­der obi­ge Vorwürfe auf. Für mich und mei­ne Art der Fotografie jedoch lohnt sich Microstock.

Macro vs. Micro

Vor einer Weile bekrieg­ten sich Fotografen über das bestehen­de RM-Lizenzmodell und die damals neu ent­ste­hen­den RF-Bildangebote. Jetzt ist die Verbitterung zwi­schen „tra­di­tio­nel­len“ Fotografen und Microstock-Produzenten noch stär­ker, da der ein­zi­ge Unterschied im Geschäftsmodell mitt­ler­wei­le nur der Preis ist. Macro-Fotografen mer­ken Umsatzrückgänge und beschul­di­gen die Microstocker, statt sich in das neue Geschäftsmodell ein­zu­ar­bei­ten und es ver­ste­hen zu ler­nen.

Microstock-Agenturen haben mitt­ler­wei­le so vie­le Kunden, dass sie ein akti­ver und wei­ter­hin wach­sen­der Bereich der Stockfotografie sind. Microstock wird nicht so schnell wie­der ver­schwin­den, wie es vie­le am Anfang gehofft haben. Die Territorialkämpfe sind sinn­los gewor­den, der Markt ist abge­steckt und gesi­chert. Wer nicht über den Zaun kommt, bleibt auf der ande­ren Seite ste­hen und schimpft. Die ande­ren neh­men teil und ver­die­nen mit.

Micro vs. Macro

Doch auch anders­rum gibt es Gezetter am Preisgrenzenzzaun. Microstock-Fotografen waren anfangs meist Amateure, deren Wissen und Technik mit der Zeit bes­ser wur­de. Jetzt kom­men aber die offe­ne­ren und expe­ri­men­tier­freu­di­gen Profi-Fotografen aus der Macro-RF-Liga und begin­nen, ihr Können im Microstock-Bereich zu zei­gen. Durch eige­ne Studios, bes­se­ren Zugang zu Models und viel Ausrüstung wach­sen deren Portfolios oft schnel­ler und mit durch­schnitt­li­ch bes­ser ver­käuf­li­chen Bildern an. Das ängs­tigt die Hobby-Fotografen, die sich eben­falls bedroht füh­len durch das Anheben der Messlatte.

Macro + Micro

Ich bin jedoch sicher, dass alle drei Modelle neben­ein­an­der exis­tie­ren kön­nen. Die Prozentanteile wer­den sich bestimmt ver­schie­ben. Aber wenn Fotografen ler­nen, ihren RF, RM und Microstock-Bereich nicht als in sich geschlos­se­nen Markt, son­dern als Teil eines gro­ßen Bildermarktes zu sehen, an dem alle teil­neh­men kön­nen, kön­nen wir unse­re Energie bestimmt dar­auf ver­wen­den, den Markt zu stär­ken und nicht uns selbst zu schwä­chen.

Vor paar Wochen hat­te der Fotograf Jonathan Ross im Blog „Microstock Diaries“ einen sehr ähn­li­chen Artikel geschrie­ben, der mir aus dem Herzen spricht und den ich zum Lesen emp­feh­le.

Welche Erfahrungen habt ihr beim Umgang von Macro- und Microstock-Fotografen mit­ein­an­der gemacht? Seht ihr das ähn­li­ch wie ich oder nicht?