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Frag den Fotograf: Fotos „rights managed“ (RM) oder „royalty free“ (RF) anbieten?

Vor einigen Tagen habe ich folgende Mail einer anderen Berufsfotografin bekommen.

Hallo Herr Kneschke,

ich bin heute auf Ihrer Webseite gelandet und muss Ihnen ein ganz dickes Lob ausprechen! […] Gestatten Sie mir unbekannterweise die Bitte um eine Auskunft:

Ich bin als Tierfotografin seit Jahren etabliert, biete mein Bilder bislang nur bei F1online als RM-Material an.  Ein Kollege (renommierter Architekturfotograf) sowie F1online selbst rieten  hierzu.
Nach Studieren der Trends bin ich aber der Meinung, es ist sinnvoller, zukünftig die Fotos als RF-Material gleichzeitig bei mehreren Bildagenturen anzubieten.

Da ich aktuell von einer weiteren Agentur angesprochen wurde, würde mich Ihre Meinung hierzu sehr interessieren.

Ich vermarkte hauptsächlich Fotos von
– Hunden
– Pferden
– Babies (eigenes)
– Kinder (eigene)

Vielen Dank und ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.

Ich habe mir gedacht, bevor ich ihr ausführlich per Mail antworte, mache ich die Antwort gleich anonymisiert öffentlich, damit auch die anderen Fotografen etwas davon haben.

Rottweiler
In der Mail wird von Trends gesprochen. Es stimmt, dass im letzten Jahrzehnt RF (Royalty Free) gegenüber RM-Material an Bedeutung gewonnen hat. Heutzutage ändert sich dieser Trend jedoch schon wieder eher in die Richtung, dass RF-Bilder durch die noch billigeren Microstock-Fotos abgelöst werden, die ja im Grunde nur billigere RF-Fotos sind. Damit sinken die Einnahmen mit traditionellen RF-Fotos stark. Im RM-Bereich sinken die Umsätze zwar ebenso, jedoch wesentlich geringer, weil die Käuferschicht eine andere ist und Motive als RM angeboten werden können, die nicht die rechtlichen Rahmenbedingungen für RF-Fotos erfüllen. PictureTom unterfüttert diese Aussagen hier in seinem Blog mit aktuellen Zahlen.

Die Annahme, dass ein RF-Foto automatisch an mehrere Bildagenturen geliefert werden dürfe, ist auch falsch! Hier kommt es im Einzelfall nur an den Vertrag mit der Bildagentur an. Ich kenne genug Bildagenturen, die auch für RF-Fotos Exklusivität verlangen. Andersrum ist es mit Einschränkungen auch möglich, RM-Fotos an mehrere Agenturen zu liefern, wenn z.B. keine Exklusivlizenzen verkauft werden.

Die Hundefotos der Fotografin sind häufig technisch einwandfreie, scharfe Portraits von bestimmten Hunderassen (meist in Bewegung). Für diese Bilder und die Pferdefotos würde ich eine Nischenagentur empfehlen, welche sich auf Tierfotos spezialisiert hat, z.B. Juniors, Okapia, oder Animals Animals. Als RF-Fotos würden die Bilder nur dann Sinn machen, wenn neben der Darstellung der Hunderasse übergeordnete Konzepte wie „Erfolg“, „Freiheit“ oder „Spaß“ visualisiert würden.

Bei den Baby– und Kinderfotos fällt die Entscheidung schwerer. Einige sagen, dass man wegen der Persönlichkeitsrechte besonders vorsichtig sein müsse, aber da es hier um den eigenen Nachwuchs geht, ist der Vertrag kein Problem. Außerdem wird später im Berufsleben oder schon an der Uni niemand mehr die Personen auf ihrer früheren Kinderfotos ansprechen, da sich das Aussehen der Menschen bis dahin stark ändert.

Je nach Motiv würde ich raten, auch mal Microstock-Agenturen auszuprobieren, um z.B. nach einem Jahr anhand der Zahlen selbst entscheiden zu können, ob dieser Markt für einen lukrativ ist oder nicht. Dafür bieten sich wieder einfache, symbolträchtige Fotos an. Bilder, auf denen die Kinder eher in ihrer „natürlichen Umgebung“, im Alltag, gezeigt werden, sollten weiterhin als RM-Material verkauft werden.

Was würdet ihr der Fotografin antworten? Oder welche Informationen bräuchtet ihr noch, um hilfreiche Aussagen zu treffen?

Hinweis: Das abgebildete Foto ist nicht von der Fotografin, sondern aus meinem Archiv.