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Verwirrung um Begriffe lizenzfrei, freie Lizenzen und lizenzkostenfrei

Viele Fotografen kla­gen über sin­ken­de Einnahmen, stei­gen­de Konkurrenz und so wei­ter. Dabei haben die Teilnehmer der Stockfotografie-Branche eines der größ­ten „Verbrechen“ selbst began­gen: Die unge­schick­te Namensgebung ihrer Lizenzmodelle.

Früher gab es „rights mana­ged“, was übli­cher­wei­se mit „lizenz­pflich­tig“ oder kurz „RM“ über­setzt wird. Das beschreibt gen­au, wie ein Foto ver­kauft wird: Eine Bildlizenz ist Pflicht und die Rechte wer­den „gema­nagt“. Der Preis berech­ne­te sich nach eini­gen Faktoren der Fotonutzung wie Auflagenhöhe, Druckgröße, Ort (Land, Region, Welt) und Dauer der Nutzung. Wenn die Nutzungsdauer abge­lau­fen war oder der Bildnutzer das Foto nur für ein Land gekauft hat­te und es jetzt in einem wei­te­ren Land nut­zen woll­te, mus­s­te er eine neue Lizenz kau­fen.

Dann kam Anfang der 1990er Jahre der Trend auf, Foto-CDs mit ver­schie­de­nen Motiven zum Einheitspreis zu ver­kau­fen. Der Käufer konn­te – fast – alles mit den Bildern auf der CD machen und des­we­gen mus­s­te ein neu­es Lizenzmodell her: Die Branche tauf­te es „royal­ty free“. Übersetzt wird der Begriff mit „lizenz­frei“ oder kurz „RF“. Das „royal­ty“ hat nichts mit Königen oder der Monarchie zu tun, son­dern im Englischen wird der Begriff auch für Tantiemen oder eben Lizenzen benutzt.

Für die Fachleute war die Unterscheidung klar: Nach dem Kauf eines RF-Fotos konn­te der Bildnutzer das Foto für immer und welt­weit nut­zen, ohne jedes Mal eine neue Lizenz bezah­len zu müs­sen. Daher: „lizenz­frei“ oder „royal­ty free“.

2000 kam jedoch mit istock­pho­to die ers­te Microstock-Bildagentur auf den Markt und erwei­ter­te die Käuferschichten um vie­le Leute, wel­che nicht haupt­be­ruf­li­ch mit dem An- und Verkauf von Bildern zu tun hat­ten. Außerdem waren im Internet plötz­li­ch die Webseiten der Bildagenturen auch für jeden Internetsurfer frei zugäng­li­ch.

Der Otto-Normalverbraucher denkt jedoch, wenn er „lizenz­frei“ oder „free“ liest, etwas wäre kos­ten­los. Das stimmt bei Fotos jedoch nicht. Auch lizenz­freie Fotos müs­sen gekauft wer­den. Selbst das Wort ist unpas­send, denn auch für die Nutzung eines lizenz­frei­en Bildes braucht der Nutzer eine „Nutzungslizenz“, wel­che sich die meis­ten Fotografen oder Bildagenturen bezah­len las­sen.

Was lizenz­freie oder „royal­ty free“-Fotos von ande­ren kos­ten­pflich­ti­gen Fotos unter­schei­det, ist nur die Art der Abrechnung. Während bei lizenz­pflich­ti­gen Fotos pro Nutzung bezahlt wer­den muss (Web, Flyer, Plakat, etc.) gibt es bei lizenz­frei­en Fotos mit dem Kauf das unbe­schränk­te Nutzungsrecht. Um es voll­kom­men kom­pli­ziert zu machen, ist auch die­ses „unbe­schränk­te Nutzungsrecht“ nicht so unend­li­ch, denn im Kleingedruckten wird zum Beispiel fast immer der Weiterverkauf und ande­re Nutzungen wie dif­fa­mie­ren­de Nutzungen unter­sagt.

Lizenzkostenfrei und freie Lizenzen

Einige Bildagenturen wür­den den Begriff „lizenz­kos­ten­frei“ statt „lizenz­frei“ vor­zie­hen, weil er kor­rek­ter ist. Ein RF-Foto ist ja nicht frei von Lizenzen, son­dern nur den von bei ande­ren Fotos spä­ter anfal­len­den Lizenzkosten. Aber die­se haar­fei­ne Unterscheidung bemer­ken die pri­va­ten Bildsucher im Internet nicht. Wenn sie „frei“ oder „free“ lesen, wird das Bild kopiert und damit oft geklaut. Die meis­ten bege­hen des­halb Urheberrechtsverletzungen, ohne es zu mer­ken, weil sie das Kleingedruckte nicht beach­ten.

Während die meis­ten Bildanbieter sich die Nutzungslizenzen auch von lizenz­frei­en Fotos bezah­len las­sen, gibt es eini­ge Webseiten wie bei­spiels­wei­se Pixelio, wel­che ihre lizenz­frei­en Fotos kos­ten­los anbie­ten. So kommt es, dass es manch­mal legal ist, ein lizenz­frei­es Foto ohne Bezahlung zu nut­zen und manch­mal nicht.

Wer bis jetzt den Überblick behal­ten hat, hal­te sich fest: „lizenz­frei“ ist nicht zu ver­wech­seln mit einer „frei­en Lizenz“. Während letz­te­re wirk­li­ch kos­ten­los zu haben sind, kos­ten ers­te­re meist Geld.

Wohin führt die­ses Begriffschaos?

Viele Internetnutzer sehen nur den Wortteil „frei“ oder „free“ und kopie­ren Fotos ohne Bezahlung und bre­chen damit das Gesetz. Drastisch for­mu­liert: Sie bege­hen eine Straftat, meist ohne es zu mer­ken. Das ist unschön für die Fotografen, denen Einnahmen ent­ge­hen und ärger­li­ch für Bildnutzer, wenn sie nach Wochen oder Monaten eine Abmahnung erhal­ten und ihnen der Anwalt die fei­nen Unterschiede erklä­ren muss.

Auch Leute, wel­che bereit sind, für gute Bilder Geld aus­zu­ge­ben, fin­den die­se ver­schie­de­nen Begriffe ver­wir­rend und ver­zich­ten im Zweifel auf einen Kauf und machen das Foto selbst.

Deshalb wäre es sinn­vol­ler, einen neu­en Begriff statt „royal­ty free“ oder „lizenz­frei“ zu prä­gen.

Nur: Wie könn­te die­ser Begriff lau­ten? Habt ihr einen Vorschlag?

Stockfotos kaufen: Was ist redaktionelle und kommerzielle Nutzung?

Wer ein Foto kau­fen will, bzw. genau­er: Wer ein Foto für etwas lizen­zie­ren will, trifft auf vie­le Abkürzungen und Begriffe, die Verwirrung stif­ten kön­nen.

Zum Beispiel bedeu­tet „lizenz­frei“ nicht, dass Fotos kos­ten­los benutzt wer­den dür­fen und RM bedeu­tet in der Fotobranche nicht Reichsmark oder Real Media, son­dern „rights mana­ged“.

Eine wei­te­re Quelle der Verwirrung will ich heu­te tro­cken­le­gen.

Was ist der Unterschied zwi­schen „redak­tio­nel­ler Nutzung“ und „kom­mer­zi­el­ler Nutzung“ und war­um ist sie so wich­tig? Bevor ich die­se Frage jedoch beant­wor­te, muss ich dar­auf hin­wei­sen, dass ich hier kei­ne Rechtsberatung geben kann und darf und des­halb alle Angaben ohne Gewähr sind.

Dieses Bild dient zur Illustration eines jour­na­lis­ti­schen Beitrags und fällt des­halb unter die „redak­tio­nel­le Nutzung“

Kommerzielle Nutzung

Wie sich ver­mu­ten lässt, ist alles aus dem Bereich „Werbung“ eine kom­mer­zi­el­le Nutzung. Dazu zäh­len zum Beispiel:

  • Werbeanzeigen
  • Partyflyer
  • Werbeposter
  • Email-Werbung
  • Bannerwerbung
  • Fernsehspots

und so wei­ter.

Auch der Verkauf von Produkten, bei denen Fotos das Hauptmotiv bzw. der Grund sind, war­um das Produkt gekauft wird, ist eine kom­mer­zi­el­le Nutzung. Dazu zählt zum Beispiel:

  • Verkauf von T-Shirts, Stickern, Postern, Postkarten, Buttons, Kalendern, Mousepads, Puzzles etc. mit Bildern
  • Nutzung von Bildern in Webseiten-Templates

und so wei­ter. Für die­se Art von kom­mer­zi­el­ler Fotonutzung, bei der das Fotomotiv einer der Hauptgründe des Käufer ist, gen­au die­ses Produkt und kein ande­res zu erwer­ben (ein Poster oder Kalender wird schließ­li­ch nicht wegen des glat­ten Papiers gekauft) wird bei den meis­ten Bildagenturen meist der Kauf einer „Erweiterten Lizenz“ (auch „Merchandising Lizenz“) ver­langt.

Redaktionelle Nutzung

Hier steckt im Namen das Wort „Redaktion“ und dar­an lässt sich schon erken­nen, dass wir uns im jour­na­lis­ti­schen Bereich bewe­gen. Im eng­lisch­spra­chi­gen Raum wird meist von „edi­to­ri­al use“ gespro­chen. Eine redak­tio­nel­le Nutzung ist gege­ben, wenn ein Bild im Rahmen einer redak­tio­nel­len Berichterstattung genutzt wird. Das ist über­li­cher­wei­se der Fall bei:

  • Zeitungen
  • Zeitschriften
  • Schulbücher
  • Sachbücher
  • Blogs
  • Nachrichtensendungen

und so wei­ter.

Wohlgemerkt jedoch nur im „redak­tio­nel­len Teil“ einer Zeitung, nicht als Werbeanzeige in einer Zeitung. Während in tra­di­tio­nel­len Medien Redaktionen ihre Texte ver­fas­sen und dazu Fotos zur Illustration brau­chen, kann heut­zu­ta­ge z.B. auch ein ein­zel­ner Blogger Artikel ver­fas­sen und die Bebilderung die­ser Artikel wür­de als „redak­tio­nel­le Nutzung“ zäh­len. Die welt­weit größ­te Bildagentur Getty Images defi­niert die redak­tio­nel­le Nutzung in ihren Lizenzbedingungen so: „Redaktionelle Produkte müs­sen in einer ‚redak­tio­nel­len‘ Verwendung ein­ge­setzt wer­den, d.h. die Verwendung mit Bezug auf Ereignisse, die berich­tens­wert oder von öffent­li­chem Interesse sind“. Dieser Bezug auf Ereignisse und das öffent­li­che Interesse wird von Gerichten mit Blick auf die Pressefreiheit meist sehr weit gedeu­tet.

Die Getty-Tochter istock­pho­to defi­niert „edi­to­ri­al use“ so: „Editorial Use means that the image will be used as a descrip­ti­ve visual refe­ren­ce“. Übersetzt: Redaktionelle Nutzung bedeu­tet, dass das Bild als beschrei­ben­de visu­el­le Referenz genutzt wird.

Als Faustregel könn­te  – zumin­dest in Deutschland – des­halb gel­ten: Wer ein Impressum benö­tigt, nutzt Fotos redak­tio­nell. Eine Grauzone sind Webseiten, wel­che zwar eine Anbieterkennzeichnung haben müs­sen, jedoch des­halb nicht auto­ma­ti­sch „redak­tio­nell“ sind.

Übliches Missverständnis: Geld ver­die­nen vs. redak­tio­nel­le Nutzung

Oft lese ich fälsch­li­cher­wei­se in Internet-Foren, dass sich „kom­mer­zi­el­le“ und „redak­tio­nel­le“ Nutzung dadurch unter­schei­den wür­den, dass mit erst­ge­nann­tem Geld ver­dient wür­de, mit dem zweit­ge­nann­ten nicht. Das ist jedoch fal­sch, denn die meis­ten Zeitschriften kos­ten Geld und ver­die­nen auch wel­ches, auch wenn sie einen jour­na­lis­ti­schen Auftrag erfül­len. Im Gegenzug kann auch eine werb­li­che Nutzung, zum Beispiel für eine Hilfsorganisation eine „kom­mer­zi­el­le Nutzung“ sein, auch wenn der Verein sat­zungs­ge­mäß kein Geld ver­die­nen darf.

Wer zum Beispiel ein Foto auf einen Flyer dru­cken will, der zu einer Party ein­lädt, nutzt das Foto „kom­mer­zi­ell“ egal, ob es eine Flatrate-Sauf-Party ist oder die Einladung für das kos­ten­lo­se Konzert des Kirchenchors. Beide Male „wirbt“ der Flyer für etwas.  Es fin­det weder eine jour­na­lis­ti­sche Berichterstattung statt noch wird ein Bild als visu­el­le Referenz genutzt. Letzteres könn­te bei­spiels­wei­se der Fall sein, wenn jemand ein Foto sei­nes Autos nach einem Diebstahl auf Aushänge druckt, um dana­ch zu fahn­den.

Zweites Missverständnis: Kommerzielle und redak­tio­nel­le Nutzung unter­schei­det sich wie RF/RM

RF und RM sind Abkürzungen, die für die Art der Bildlizenzierung ste­hen: „royal­ty free“ oder „rights mana­ged“. Diese Begriffe regeln jedoch nur die Art der Bezahlung, aber nicht die der Nutzung.

Zwar war es lan­ge in der Praxis so, dass RM-Fotos vor allem redak­tio­nell benutzt wur­den und RF-Fotos meist kom­mer­zi­ell, aber ers­tens ändert sich das und zwei­tens war das auch damals nie in Stein gemei­ßelt. Zum Beispiel wur­den und wer­den für teu­re Werbekampagnen (=kom­mer­zi­el­le Nutzung) RM-Fotos gekauft, damit Exklusivität gewähr­leis­tet ist und eini­ge Zeitschriften kau­fen auch zur Bebilderung ihrer Artikel (=redak­tio­nel­le Nutzung) RF-Fotos, weil die­se manch­mal bil­li­ger sind (Microstock) oder vom Motiv ein­fach bes­ser pas­sen.

Warum ist die Unterscheidung der Nutzung wich­tig?

Die genaue Trennung zwi­schen redak­tio­nel­ler und kom­mer­zi­el­ler Nutzung ist wich­tig, weil sie in zwei wich­ti­gen Bereichen sehr unter­schied­li­che Voraussetzungen erfül­len muss: Rechtlich und mora­li­sch.

Rechtliche Unterschiede

Für eine kom­mer­zi­el­le Nutzung von Bildern sind zum Beispiel bei Personenfotos immer Model-Verträge not­wen­dig, bei mar­ken­recht­li­ch (oder ander­wei­tig) geschütz­ten Dingen Eigentumsfreigaben. Bei redak­tio­nel­ler Nutzung von Bildern ist das nicht not­wen­dig. Stellt euch nur das Gedränge vor, wenn die Fotoreporter bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus alle die Unterschrift des Präsidenten unter ihre Model-Verträge haben wol­len wür­den… 🙂 Aber im Ernst: Es wäre ein star­ker Eingriff in die Pressefreiheit, wenn Personen den Abdruck von Fotos ver­bie­ten könn­ten, auf denen sie zu sehen sind, nur weil bei­spiels­wei­se eine Zeitung kri­ti­sch über die­se Person berich­tet. Deswegen sind Modelverträge im engen Rahmen der redak­tio­nel­len Nutzung nicht nötig. Umgekehrt aber dür­fen auch Fotos, bei denen Modelverträge vor­lie­gen, redak­tio­nell genutzt wer­den.

Diese Freiheit, wel­che Fotojournalisten haben, wenn sie ohne Model-Verträge oder Eigentumsfreigaben arbei­ten kön­nen, hat jedoch ihren Preis. Dieser lau­tet: „Journalistische Sorgfaltspflicht“. Das führt uns zur Moral.

Moralische Unterschiede

Die eben erwähn­te Sorgfaltspflicht von Journalisten besagt unter ande­rem, dass Wahrheit eins der obers­ten Gebote ist. Das bedeu­tet bei Fotos unter ande­rem, dass sie nicht gestellt oder retu­schiert wer­den dür­fen. Die Nachrichtenagentur Reuters hat des­halb aus­führ­li­che Richtlinien, wie Fotos auf­ge­nom­men, mit Photoshop bear­bei­tet und beschrif­tet wer­den dür­fen oder müs­sen. Werden die­se nicht ein­ge­hal­ten, gibt es sofort auf­ge­brach­te Diskussionen. Oft dre­hen sich die­se um die Frage, wie stark ein Bild beschnit­ten wer­den darf. Jeder Fotograf weiß, dass die Bildwirkung eines Fotos stark durch einen Beschnitt beein­flußt wer­den kann und ein radi­ka­ler Beschnitt oft ein lang­wei­li­ges Foto ret­ten kann. Deshalb ist das Beschneiden von Fotos bei vie­len Bildagenturen nicht per se ver­bo­ten. Nur wenn der Beschnitt die Bildaussage ändern wür­de, ist er unter­sagt. Ähnlich stren­ge Vorgaben hat auch istock­pho­to an Fotografen, die redak­tio­nel­le Fotos lie­fern wol­len.

Vom recht­li­chen Standpunkt aus gese­hen, kann jedes kom­mer­zi­ell nutz­ba­re Foto auch redak­tio­nell genutzt wer­den. Moralisch gese­hen ist das jedoch oft viel schwie­ri­ger, weil die gestell­ten Model-Fotos mit weg­re­tu­schier­ten Markennamen und Hautunreinheiten eben nicht die Wahrheit wie­der­spie­geln, der sich sorg­fäl­tig arbei­ten­de Medien ver­pflich­ten. Das ist auch einer der Gründe, war­um die „klas­si­schen“ Stockfotos eher sel­ten in Zeitungen zu fin­den sind und die spe­zia­li­sier­ten Nachrichtenagenturen wei­ter­hin vie­le Fotos ver­kau­fen kön­nen. Wenn Zeitungen trotz­dem ein bear­bei­te­tes Foto abdru­cken wol­len, mar­kie­ren sie es ent­we­der als „Symbolbild“ oder durch ein „[M]“ für „Fotomontage“, oft zu sehen auf dem Titelbild der tages­zei­tung.

Unterschiede bei der Namensnennung von Fotografen

Viele Bildagenturen ver­lan­gen von Bildkäufern, dass sie bei redak­tio­nel­ler Nutzung eines Fotos den Namen des Fotografen in der Form „Fotografenname/Agenturname“ ange­ben. Rechtliche Grundlage für die­se Forderung ist der §13 des deut­schen Urheberrechts. Darin steht: „Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung sei­ner Urheberschaft am Werk. Er kann bestim­men, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu ver­se­hen und wel­che Bezeichnung zu ver­wen­den ist.“ Fotolia hat dazu einen erklä­ren­den Blogbeitrag geschrie­ben.

Da vie­le Zeitungen aus ver­schie­de­nen Gründen (Platzmangel, Bequemlichkeit, Lesbarkeit) immer öfter dazu über­ge­hen, nur die Agentur zu nen­nen, hat­te der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) vor kur­zem die Aktion „Fotografen haben Namen“ gestar­tet und die „Welt kom­pakt“ als Zeitung aus­ge­zeich­net, wel­che ihre Fotos am über­sicht­lichs­ten kenn­zeich­net.

Bei einer kom­mer­zi­el­len Nutzung ver­zich­ten vie­le Urheber bzw. Agenturen auf die­se Namensnennung, weil sie nicht bran­chen­üb­li­ch ist. Oder wie oft habt ihr Werbeanzeigen gese­hen, in denen klein am Rande die Namen der betei­lig­ten Fotografen ste­hen?

Habt ihr auch Missverständnisse mit den bei­den Begriffen redak­tio­nell und kom­mer­zi­ell erlebt? Was für Unterschiede erge­ben sich für euch?

Lebensmittel-Fotos bei Stockfood

Seit ca. einem Jahr belie­fe­re ich eine wei­te­re Bildagentur: Stockfood.

Stockfood ist eine Macrostock-Bildagentur, wel­che sich auf Bilder und Footage von Lebensmitteln und Getränken spe­zia­li­siert hat.


Bisher habe ich nur weni­ge Fotos dort (170 Bilder und eini­ge noch in der Bildredaktion), aber gleich nach der ers­ten Abrechnung plat­zier­te sich die Agentur in mei­nem RPI-Ranking (Bildagenturen sor­tiert nach Gewinn pro Bild) weit oben. Das liegt aber auch dar­an, dass Macrostock-Agenturen eine viel stren­ge­re Bildselektion haben und sich nur „die Rosinen raus­pi­cken“. Würde ich den totalRPI-Wert neh­men (also inklu­si­ve der abge­lehn­ten Fotos), läge der Wert nied­ri­ger.

Den RPD (Revenue per Download) mit Werten von Microstock-Agenturen zu ver­glei­chen, wäre unfair und bei der Handvoll Verkäufe bis­her nicht aus­sa­ge­kräf­tig.

Meine Fotos und Videos dort wer­den exklu­siv je nach Motiv als RM oder RF ange­bo­ten, die fin­det ihr dem­nach nir­gend­wo anders.

Sind 20% Fotografen-Anteil heute noch gerechtfertigt?

Der fol­gen­de Artikel erschien im Februar 2011 hier im Microstockgroup-Blog unter der Überschrift „Is 20% Royalty for RF rea­sonable today?“. Mit freund­li­cher Genehmigung des Autors Jim Pickerell ver­öf­fent­li­che ich hier mei­ne deut­sche Übersetzung:

Sind 20% Fotografen-Anteil heu­te noch gerecht­fer­tigt?

Das Konzept der „lizenz­frei­en“ („royal­ty free“ oder „RF“) Fotografie wur­de Anfang der 1990er Jahre erfun­den, weil vie­le Bildkäufer es unfair fan­den, wenn Bildpreise auf der Art ihrer Nutzung basier­ten anstatt auf den Kosten ihrer Produktion. Dieses nut­zungs­ba­sier­te Abrechnungssystem („rights mana­ged“ bzw. „lizenz­frei“ oder „RM“ war damals noch nicht mal ein Begriff) war ein beson­de­res Problem für Bildkäufer, weil es sie ver­pflich­te­te, die zukünf­ti­gen Nutzungen eines lizen­zier­ten Bildes gen­au zu ver­fol­gen, um sicher­zu­ge­hen, dass sie es nicht über die gekauf­te lizenz hin­aus ein­setz­ten. Kunden woll­ten einen Weg, um die­sen admi­nis­tra­ti­ven Aufwand zu ver­mei­den.

Viele der CD-ROM-Hersteller der ers­ten Generation tra­ten an Fotografen mit Nischenkollektionen her­an und kauf­ten die Bilder voll­stän­dig auf. Sie wähl­ten 50 bis 100 Bilder zu einem bestimm­ten Thema und kauf­ten die kom­plet­ten Eigentumsrechte für durch­schnitt­li­ch 50 US-Dollar pro Bild. Normalerweise waren die Bilder „Outtakes“, die schon eine Weile unge­nutzt im Archiv des Fotografen lagen und 2.500 – 5.000 US-Dollar waren ein gutes Angebot für eine Handvoll Bilder, die nie benutzt wor­den waren. 

Anfang 1992 gab es Bedarf für Fotos mit höhe­rer Qualität und die Firma Photodisc such­te nach Bildern, deren Qualität denen gli­ch, die Artdirektoren bei den pro­fes­sio­nel­len Bildagenturen fin­den konn­ten. Die ers­ten CD-Titel von Photodisc kos­te­te­ten 299,95 US-Dollar und ent­hiel­ten ca. 400 Aufnahmen mit ca. 6,5 MB. Viele die­ser Bilder auf den ers­ten CDs wur­den von der in Seattle behei­ma­te­ten Bildagentur Weststock gelie­fert. Diese Fotos wur­den von pro­fes­sio­nel­len Stockfotografen pro­du­ziert und wur­den stren­ger nach Qualität aus­ge­wählt als das bei vie­len Foto-CDs von Konkurrenzfirmen der Fall war. Bei den aus­ge­wähl­ten Bildern waren auch eini­ge dabei, die im gedruck­ten Katalog von Weststock waren (was vie­le der betrof­fe­nen Fotografen auf­reg­te). [Anmerkung: R. Kneschke: Die Aufnahme eines Fotos in den Druckkatalog einer Bildagentur bedeu­te­te einen star­ken Anstieg der Verkäufe des gezeig­ten Bildes, was durch das Angebot auf einer güns­ti­gen Foto-CD behin­dert wur­de.] Photodisc wur­de schnell zum Markführer beim Verkauf von „royal­ty free“ Foto-CD-Roms. 

Rick Groman, einer der Eigentümer von Weststock, ver­han­del­te das Angebot für die Fotografenhonorare mit Photodisc. Angesichts der Tatsache, dass die­se Foto-CDs ein neu­es und unge­wis­ses Geschäftsmodell mit einer neu­en Technologie waren, argu­men­tier­te Photodisc, dass eine neue Form der Honorierung nötig war. 

Photodisc erklär­te, dass sie rie­si­ge Ausgaben hat­ten für das hoch­qua­li­ta­ti­ve Einscannen der Foto-Negative, die Farbkorrektur der digi­ta­len Dateien und das Produzieren der CDs. Außerdem kamen immen­se Kosten für den Druck und den Versand von gedruck­ten Katalogen hin­zu, um poten­ti­el­len Kunden das Produkt zu zei­gen, was sie anbie­ten woll­ten. Schließlich mus­s­te der Preis des neu­en Produkts auch nied­rig genug ange­setzt wer­den, um für Kunden mit begrenz­ten Etats attrak­tiv zu sein. 

Deshalb konn­te Photodisc den Fotografen nicht die tra­di­tio­nel­len Bildagentur-Honorare von 50% der Netto-Einnahmen zah­len. Man einig­te sich, dass Photodisc 20% der Verkaufspreise als Honorar zah­len konn­te. Die Bildagentur Weststock nahm noch ihren übli­chen Honoraranteil von die­sen 20%, sodaß die Produzenten der Bilder 10% der Bruttoeinnahmen erhiel­ten. Das bedeu­te­te: Wenn eine Foto-CD für 300 US-Dollar ver­kauft wur­de, ver­dien­te ein Fotograf, der eins von den 400 Bildern auf der CD besaß, dar­an 7,5 US-Cents. So kam es, dass der 20%-Anteil der Marktstandard für die Lizenzierung von „royal­ty free“-Bildern wur­de. Es herrsch­te die all­ge­mei­ne Meinung, ohne dass es irgend­wo for­mell garan­tiert wur­de, dass der Reichtum irgend­wann mit den Fotografen geteilt wer­den wür­de, die mit­ge­hol­fen hat­ten, das neue Geschäftsmodell zum Laufen zu brin­gen.

Ist die­ser Fotografenanteil heu­te noch gerecht­fer­tigt?

Die 80% der Einnahmen, die Photodisc ein­be­hielt, ermög­lich­ten es der Firma, schnell zu wach­sen. 1997 wur­de sie an Getty Images für beein­dru­cken­de 150 Millionen US-Dollar ver­kauft, von denen nichts mit den Fotografen geteilt wur­de, wel­che die Firma Photodisc mit dem Produkt belie­fer­ten, was sie ver­kau­fen konn­ten. Als sich das Geschäftsmodell wei­ter ent­wi­ckel­te, ist es auch inter­es­sant zu sehen, wie die Kosten san­ken. Nachdem die Lieferungen von CD-Rom zum Internet wech­sel­ten, gab es kei­ne Kosten mehr für die Produktion der CDs. Das Internet mach­te das Marketing ohne gedruck­te Kataloge mög­li­ch und die Kosten für den Druck und Versand die­ser Kataloge ent­fie­len eben­so. Durch das Internet wur­de es not­wen­dig, die Bilder zu ver­schlag­wor­ten, damit sie gefun­den wer­den konn­ten, aber es ist schwer vor­stell­bar, dass die­se Verschlagwortungskosten die gespar­ten Marketing-Kosten über­stie­gen hät­ten.

Außerdem sorg­te die ver­bes­ser­te Technik der neue­ren Digitalkameras dafür, dass kei­ne Negative mehr gescannt und digi­ta­li­siert wer­den muss­ten. Eine Weile hat­ten die Agenturen und Vertriebspartner noch Kosten für die Farbkorrektur der digi­ta­len Bilder, die von den Fotografen gelie­fert wur­den. Aber heu­te müs­sen die Fotografen auch das über­neh­men, ansons­ten wer­den die Fotos ein­fach nicht mehr ange­nom­men.

Es gibt Kosten für den Speicherplatz und den Internet-Traffic, aber auch die­se Kosten sind sehr wahr­schein­li­ch nicht so hoch wie die Kosten, die Photodisc damals 1992 hat­te. Meistens sahen es die Verkäufer der Foto-Produkte ein­fach nicht für not­wen­dig an, ihren Reichtum mit den Bild-Erzeugern zu tei­len. Wenn die Produzenten gewillt sind, ihre Fotos für weni­ger zu pro­du­zie­ren, den­ken die Verkäufer, dass das auch alles ist,  was sie ver­die­nen. Es gibt Ausnahmen: Alamy zahlt sei­nen RF-Fotografen 60% der Einnahmen – genauso viel, wie sie den RM-Fotografen zah­len – und inter­es­san­ter­wei­se haben sie ein pro­fi­ta­bles Geschäft. Einige Microstock-Firmen zah­len höhe­re Anteile als 20% zumin­dest eini­gen ihrer Fotografen, aber die Microstock-Bildagentur istock­pho­to hat beschlos­sen, dass selbst 20% Fotografenanteil zu viel sind.

Über den Autor: Jim Pickerell


Jim Pickerell ist seit fast 50 Jahren in der Stockfotografie als Fotograf und Macrostock-Agentur-Inhaber aktiv und betreibt seit 20 Jahren einen Stockfotografie-Newsletter.  Er hat vie­le Änderungen am Markt durch­lebt und ist oft in der Lage, Neueinsteigern hilf­rei­che Perspektiven auf­zu­zei­gen. Jim ver­öf­fent­licht das Newsletter-Abo www.selling-stock.com und www.photolicensingoptions.com, wo Leser für ein­zel­ne Artikel bezah­len. Um jeden Samstag eine kos­ten­lo­se Email mit den Zusammenfassungen der News-Artikel der vor­he­ri­gen Woche zu erhal­ten, kli­cke hier und dann auf „Subscribe“ zur Bestätigung. 

Stockfotografie-News 2009-08-17

Guten Morgen. Na, habt ihr gedacht, ich ver­ges­se die News? Nö, sie kom­men dies­mal nur etwas spä­ter, da ich mir an der hol­län­di­schen Nordsee den Sand auf die Kamera habe rie­seln las­sen. Als Beweis hier ein ers­tes Strandfoto.

Sandstrand

Und nun, packen wir es an:

  • Getty Images zieht ihre RF-Fotos aus dem Bildbestand von Alamy. Darunter fal­len zum Beispiel die Kollektionen Stockbyte, Photodisc, Digital Vision und Jupiterimages. Ob die Käufer nun ein­fach aus den über 4 Millionen ande­ren RF-Bildern bei Alamy ihre Motive aus­su­chen wer­den oder – wie von Getty Images erhofft – zur Seite von Getty wech­seln wer­den, bleibt abzu­war­ten.
  • Die Zeitschrift Stern stellt ihre Webseite augenzeuge.de ein, mit der sie bis­her Amateur-Fotografen auf­ge­for­dert hat­te, jour­na­lis­ti­sche Fotos ein­zu­sen­den, damit die­se im Heft erschei­nen kön­nen. Es scheint doch nicht sinn­voll (oder lukra­tiv?) zu sein, das Amateuren zu über­las­sen? Meine Vermutung: Die Bildredaktion war zu sehr damit beschäf­tigt, die vie­len Haustier- und Urlaubsfotos aus den Massen der Einsendungen zu fil­tern, um die rele­van­ten Nachrichtenfotos zu fin­den.
  • Der Stockfotograf Jonathan Ross, mit dem ich letz­te Woche ein sehr auf­schluss­rei­ches Interview geführt habe, ver­öf­fent­licht auf sei­ner Webseite ein ca. 30minütiges Video, wie er eine Shooting-Liste vor­be­rei­tet. Ebenfalls sehens­wert!
  • Die Microstock-Agentur Dreamstime kürzt die Fotografen-Honorare. Dabei gehen sie wie die ande­ren Bildagenturen so vor, dass sie erst die Preisstruktur kräf­tig durch­schüt­teln und so vie­le Parameter ändern, dass nach­her nur Mathe-Profis erken­nen kön­nen, für wen es sich lohnt oder nicht. Zuerst ändern sie eini­ge Wochen vor­her die Preise für Bildcredits, dann sen­ken sie die Basisverteilung von 50/50 zwi­schen Fotografen und Agenturen auf 30/70 zuguns­ten der Agentur, dafür beloh­nen sie aber Bilder, die beson­ders häu­fig ver­kauft wer­den.  Deshalb mein­te Dreamtime in Erwiderung auf mei­ne Twitter-Meldung, dass sie die Honorare nicht sen­ken, son­dern ändern wür­den.
  • Vor eini­gen Monaten hat­te ich hier im Blog eine Diskussion über die Rolle von Stockfotos in Blogs. Daraus ent­wi­ckel­te sich die Idee, ein WordPress-Plugin zu ent­wi­ckeln, mit dem die Einbindung von Stockfotos in Blogs leich­ter gehen soll. Amos von fotoskaufen.de nahm sich der Sache an und her­aus­ge­kom­men ist das „Microstock Photo Plugin“ für WordPress. Eine coo­le Sache fin­de ich, auch wenn ich es wegen restrik­ti­ver Servereinstellungen in mei­nem Blog noch nicht rich­tig tes­ten konn­te. Bisher funk­tio­niert das Plugin nur für Fotolia, mal sehen, ob noch mehr kommt. Amos, ist die Teilnahme von mehr Agenturen geplant?