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Vermutungen über die neue Fotolia-Suche

Vorgestern war es soweit: Der Tag, den vor allem exklu­si­ve Fotografen fürch­ten. Fotolia hat am Mittwoch kräf­tig an der Suchfunktion geschraubt und dabei die Ergebnisse kom­plett durch­ein­an­der gewir­belt.

Weil die Algorithmen, die hin­ter der Bildersuche ste­hen, bei jeder Bildagentur ein gro­ßes Geheimnis sind, kön­nen wir nur spe­ku­lie­ren. Nein, müs­sen wir sogar, denn die neue stan­dard­mä­ßig ein­ge­stell­te Relevanz-Suche führ­te allein in den ers­ten bei­den Tagen zu gro­ßen Umsatzeinbrüchen, beson­ders stark bei exklu­si­ven Fotografen, die stär­ker als nicht­ex­klu­si­ve Fotografen auf das Einkommen ange­wie­sen sind. Fotografen berich­ten von Umsatzverlusten von –25 bis zu –60% in den letz­ten bei­den Tagen.

Mein Umsatzeinbruch der letz­ten Tage bei Fotolia

Das heißt in Euro umge­rech­net, wir reden hier von hohen drei­stel­li­gen bis nied­ri­gen vier­stel­li­gen Summen, die am Ende des Monats auf dem Konto feh­len.

Deshalb will ich ver­su­chen, die Suche etwas zu ana­ly­sie­ren, damit wir als Fotografen uns auf die neu­en Änderungen ein­stel­len kön­nen. Geholfen haben mir dabei die Diskussionsteilnehmer die­ses Threads im Stockfotografie-Forum sowie eini­ge Fotografen per Mail, Chat und Telefon. Alles, was ich hier schrei­be, sind nur Vermutungen, die wir auf­grund unse­rer Erfahrung und eige­ner Testsuchen äußern.

Wer selbst eine Testsuche machen will, kann die Suchergebnisse der „Relevanz-Suche“ mit den Ergebnissen der „Popularität-Suche“ ver­glei­chen, weil die „Popularität-Suche“ aktu­ell unge­fähr das zu sein scheint, was vor­her die Relevanz-Suche war.

Warum ist die Relevanz-Suche so wich­tig?

Die meis­ten Bildeinkäufer sind bequem und wol­len schnell Ergebnisse sehen. Deshalb tip­pen sie ein­fach paar Wörter und das Suchfeld einer Bildagentur ein und schau­en sich die Ergebnisse an. Als Standard für die­se Suche ist die „Relevanz-Suche“ vor­ein­ge­stellt. Nur wer sich bes­ser aus­kennt oder gen­au weiß, wie die Suchen sich von­ein­an­der unter­schei­den, kann die Sortierung nach „Datum, Downloads, Preis oder Popularität“ manu­ell umge­stellt wer­den. Das nut­zen aber nur weni­ge Bildsucher, wes­halb es für die Fotografen wich­tig ist, mit ihren Bildern auf der ers­ten Seite der Suchergebnisse der Relevanz-Suche ange­zeigt zu wer­den. Das ist ver­gleich­bar mit Firmen, die unbe­dingt auf die ers­te Seite der Google-Suche kom­men wol­len, weil nur weni­ge Leute auf die fol­gen­den Seiten kli­cken.

Zuerst gilt es, zwei Dinge von­ein­an­der zu tren­nen: Die Sortierung der Suchergebnisse bei der Relevanz-Suche und die Suchbegriffe selbst. Das hängt zwar mit­ein­an­der zusam­men, ist aber nicht das Gleiche.

Die Wichtigkeit der Suchbegriffe

Fast noch wich­ti­ger als die Qualität eines Fotos ist die Qualität der Suchbegriffe, weil die vom Suchalgorithmus benutzt wer­den, um brauch­ba­re Ergebnisse zu lie­fern. Die Übersetzung bei Fotolia war lan­ge Zeit, gelin­de gesagt, sehr schlecht, was dazu führ­te, dass die Suchergebnisse auf der deut­schen Seite mit deut­schen Begriffen kom­plett anders aus­sa­hen als auf der eng­li­schen Seite mit den glei­chen eng­li­schen Begriffen. Für deut­sche Fotografen, die – wie ich – in deut­sch ver­schlag­wor­ten, war das eine Art Heimvorteil, weil der deut­sche Markt nach USA und England einer der größ­ten Bildermärkte ist und wir als Muttersprachler die bes­se­ren Schlagworte hat­ten.

Das ist nun anders. Sowohl bei deut­schen oder eng­li­schen Begriffen auf der deut­schen Fotolia-Seite als auch bei deut­schen oder eng­li­schen Begriffen auf der eng­li­schen Fotolia-Seite wer­den fast die glei­chen Bilder ange­zeigt. Das weist auf eine Veränderung der Übersetzungsfunktion hin. Ein wei­te­res Indiz: Während frü­her bei der Suche nach „Geld“ auf der deut­schen Seite so gut wie nur Euro-Scheine ange­zeigt wur­den, wer­den jetzt ca. 20% Dollar-Scheine oder ande­re Währungen ange­zeigt. Außerdem bekla­gen Fotografen, wel­che seit jeher in eng­li­sch ver­schlag­wor­ten, kei­nen merk­li­chen Rückgang

Gestern gab es auch – sicher nicht zufäl­lig – einen aus­führ­li­chen Newsletter von Fotolia, der wich­ti­ge Tipps für die Verschlagwortung gibt. An ers­ter Stelle wird betont, dass weni­ge Suchbegriffe (ca. 10–15) meist zur Beschreibung eines Bildes aus­rei­chen. Das lässt ver­mu­ten, dass auch des­halb ande­re Bilder ange­zeigt wer­den, eben jene, die weni­ger als mehr Wörter benut­zen. Das kann jedoch mit­tel­fris­tig dazu füh­ren, dass „exo­ti­sche­re“ Keywords, die Fotografen eher an das Ende ihrer Liste set­zen, nicht mehr berück­sich­tigt und eben auch von Käufern nicht mehr gefun­den wer­den (Stichwort „Long Tail“).

Im Newsletter wird eben­falls betont, dass die Suchbegriffe nach Relevanz sor­tiert wer­den, also die vor­de­ren Suchbegriffe in einem Foto ein stär­ke­res Gewicht haben als die hin­te­ren. Das ist ein Problem für alle, die ihre Keywords in den Fotos alpha­be­ti­sch haben. Zum Beispiel sor­tiert Adobe Lightroom die Suchbegriffe auto­ma­ti­sch nach dem Alphabet, wäh­rend Adobe Bridge die Reihenfolge beim Eintragen intakt lässt. Das war für mich schon immer ein wich­ti­ger Grund, Bridge statt Lightroom zu nut­zen. Immerhin erklärt der Newsletter auch gleich, wie die Reihenfolge bei Fotolia nach­träg­li­ch geän­dert wer­den kann.

Die Änderung der Relevanz

In Stockfotografie-Forum hat ein User nach­ge­zählt: Bei der neu­en Sortierung ergibt sich ein durch­schnitt­li­cher Startpreis von 1,37 Credits pro Bild, bei der alten Sortierung waren es 1,62 Credits. Es wur­de für den Käufer also ca. 15% bil­li­ger. Das muss aber nicht hei­ßen, dass das Absicht ist. Es könn­te zum Beispiel auch ein Nebeneffekt der oben erwähn­ten Keyword-Kürze sein, denn die pro­fes­sio­nel­len Fotografen rei­zen das 50-Wörter-Limit eher aus als die Hobby-Fotografen in den „unte­ren Rängen“, die wie­der­um sel­te­ner die Startpreise hoch­set­zen kön­nen. Auch für Fotolia könn­te das lukra­tiv sein: Immerhin ver­die­nen sie an den unte­ren Rängen mehr Prozente als bei Verkäufen der Top-Fotografen. Trotzdem glau­be ich, dass die geän­der­te Relevanz-Sortierung vor allem auf den geän­der­ten Umgang mit den Keywords zurück­zu­füh­ren ist. Ein Sprecher von Fotolia Deutschland wies dar­auf hin, dass Fotolia der­zeit an der genau­en Einstellung der Suche arbei­tet und sich die Ergebnisse in den nächs­ten Tagen noch ändern kön­nen.

Was tun als Fotograf?

Wer als Fotograf von merk­li­chen Umsatzeinbußen betrof­fen ist, kann aktu­ell ver­schie­de­ne Dinge unter­neh­men: Ihr könnt eure Keywords nach Wichtigkeit sor­tie­ren, falls ihr es nicht sowie­so schon gemacht habt. Ihr könnt schau­en, ob ihr die Suchbegriffe etwas redu­zie­ren könnt und über­le­gen, in eng­li­sch zu ver­schlag­wor­ten. Wer beson­ders komi­sche Ergebnisse bei Bildsuchen oder bestimm­ten Suchbegriffen fest­stellt, soll­te sich auch per Kontaktformular an Fotolia wen­den.

Was tun als Bildkäufer?

Wer mit den Suchergebnissen bei der neu­en Relevanz-Sortierung nicht zufrie­den ist, kann ver­su­chen, auf die „Popularität“-Sortierung umzu­schal­ten. Außerdem soll­ten ver­stärkt die Suchfilter auf der lin­ken Seite benutzt wer­den, mit denen z.B. nur nach Personenfotos, nur in bestimm­ten Kategorien, nach Farben und so wei­ter gesucht wer­den kann.

Was meint ihr? Welche Erfahrungen habt ihr mit der neu­en Fotolia-Suche gemacht?
(Und auch falls ihr gera­de frus­triert seid: Bleibt bit­te sach­li­ch in euren Kommentaren.)

UPDATE 26.4.2013, 12:43 Uhr: Die Fotolia-Suche wird anschei­nend gera­de aktua­li­siert.

Wie nutze ich Verschlagwortungs-Tools am besten?

Im letz­ten Artikel habe ich 15 kos­ten­lo­se Tools zur Verschlagwortung für Stockfotografen vor­ge­stellt.

Diese Fülle an Tools kann einen erschlagen.Viele sind ähn­li­ch und des­halb ist nicht immer klar, wo deren Vorteile lie­gen. Ich selbst nut­ze am häu­figs­ten die Tools PicNiche, Findphotokeywords und das Keyword-Tool von Google Adwords, mit etwas Abstand gefolgt von den eige­nen Verkauf-Keywords der Bildagenturen, wie in Punkt 15 des oben ver­link­ten Artikels beschrie­ben. Diese Kombination deckt das brei­tes­te Spektrum an unter­schied­li­chen Methoden und Datenquellen ab.


Doch wor­in unter­schei­den sich die Tools?

Datenbasis

Grundsätzlich las­sen sich die Tools unter­schei­den, auf wel­che Daten sie zurück­grei­fen. Da gibt es die Anbieter-Daten, das heißt, die Tools unter­su­chen, wel­che Begriffe ande­re Fotografen für ihre Fotos genutzt haben. Diese Methode nut­zen bei­spiels­wei­se PicNiche oder FindPhotoKeywords. Das ist inso­fern hilf­reich, weil die­se Fotografen sich schon Gedanken gemacht haben über Verkäuflichkeit, Synonyme und so wei­ter. Außerdem berück­sich­ti­gen die Tools häu­fig nur die meist­ver­kauf­tes­ten Fotos, was bedeu­tet, dass die Suchbegriffe schon gut zum Bild pas­sen müs­sen, son­st wären sie nicht so oft ver­kauft wor­den.

Der gro­ße Nachteil bei die­sen Daten ist der soge­nann­te „Keyword-Inzest“. Es wer­den immer die Begriffe der glei­chen, weil belieb­tes­ten, Fotos kopiert, was zu einer sehr star­ken Häufung eini­ger Suchwörter führt, wäh­rend ande­re kaum erwähnt wer­den. Außerdem senkt es etwas die Verkaufschancen der eige­nen Bilder, weil die­se mit Keywords kon­kur­rie­ren, für die ande­re Fotos längst deut­li­ch höher im Suchranking der Bildagenturen lie­gen.

Die zwei­te wich­tigs­te Datenquelle sind Sucher-Daten. Das bedeu­tet, dass Suchbegriffe ana­ly­siert wer­den, die tat­säch­li­ch von Leuten in Suchmaschinen ein­ge­tippt wur­den. So arbei­ten die Tools von Semanger oder dem Keyword Tool von Google Adwords. Der Vorteil die­ser Daten ist, dass Leute die ange­zeig­ten Wörter tat­säch­li­ch ver­wen­den. So lässt sich zum Beispiel her­aus­fin­den, ob die Leute bei einem Brötchen-Foto eher nach „Semmel“, „Schrippe“, „Wecke“ oder „Rundstück“ suchen wür­den. Da aber nicht jeder, der etwas in eine Suchmaschine ein­tippt, auch Fotos kau­fen will, sind die Daten noch bes­ser, wel­che tat­säch­li­ch von Bildsuchern erzeugt wur­den. Diese Datenbasis nutzt bei­spiels­wei­se das „Keywords Trends“-Tool von Shutterstock.

Sehr ähn­li­ch sind die Daten, wel­che durch die Suche in oder Verkäufe von eige­nen Bildern gene­riert wer­den. Dreamstime, Shutterstock und Bildmaschine zei­gen den Fotografen zu ihren eige­nen Verkäufen oder Bildern an, wel­che Begriffe dafür ver­wen­det wur­den. Das ist beson­ders nütz­li­ch, um die Reihenfolge der Wichtigkeit für die eige­nen Keywords zu bestim­men, da eini­ge Bildagenturen wie Fotolia oder Panthermedia den ers­ten Suchbegriffen eine grö­ße­re Relevanz ver­lei­hen. Der Nachteil hier ist, dass meist nur Begriffe berück­sich­tigt wer­den, die ohne­hin von einem selbst ver­wen­det wur­den. Das wie­der­um hat aber den Vorteil, dass man auch erken­nen kann, wel­che Begriffe über­flüs­sig sind. So kann Platz für bes­se­re Suchbegriffe geschaf­fen wer­den.

Sprache

Die meis­ten Tools funk­tio­nie­ren nur auf eng­li­sch, was für deut­sche Stockfotografen ein klei­ner Nachteil sein kann. Einige Tools gibt es immer­hin auch auf deut­sch und ganz weni­ge unter­stüt­zen sogar sehr vie­le Sprachen. Knifflig wird es jedoch bei der Übersetzung, denn auch die deut­schen Suchbegriffe sind bei vie­len Agenturen nur schlech­te Übersetzungen aus dem Englischen (sucht mal bei der deut­schen Fotolia-Seite nach „ent­le­buch“). Deshalb gilt: Genau auf­pas­sen, ob der Begriff wirk­li­ch so passt und Übersetzungen mit­tels Google Translate oder LEO über­prü­fen.

Bedienbarkeit

Die aus­drück­li­ch für Stockfotografen ent­wi­ckel­ten Tools las­sen meist zu, dass der Nutzer von den vor­ge­schla­ge­nen Keywords nur bestimm­te Wörter mar­kie­ren, eige­ne hin­zu­fü­gen und die fer­ti­ge Liste expor­tie­ren kann – meist in die Zwischenablage. Andere Tools, die eher für die Recherche gedacht sind, erlau­ben das nicht. Hier muss der Nutzer selbst tip­pen oder „Copy & Paste“ bemü­hen. Ich nut­ze sehr ger­ne das Firefox-Plugin „Extended Copy Menu“, was mir die erlaubt, Text direkt ohne Formatierung in die Zwischenablage zu kopie­ren. Entgegen der Meldung auf der Firefox-Addon-Seite funk­tio­niert das Plugin tadel­los mit Firefox 7.

Zwei der genann­ten Tools sind Programme zum Runterladen, die natür­li­ch nur auf bestimm­ten Betriebssystemen funk­tio­nie­ren, meist Windows, manch­mal Mac, fast nie auf Linux. Die rest­li­chen Tools sind über Webseiten abruf­bar, sodaß sie fast unab­hän­gig vom benutz­ten Betriebssystem funk­tio­nie­ren. JavaScript muss im Browser bei den meis­ten Tools jedoch akti­viert sein, damit sie bedien­bar sind, das schränkt die Nutzung auf mobi­len Geräten oft etwas ein.

Wie ver­schlag­wor­te ich?

Im Grunde bin ich da sehr alt­mo­di­sch und bedie­ne mich einer Textdatei, in die ich die Suchbegriffe alter Fotos von mir kopie­re und nach Bedarf in neue Fotos ein­fü­ge. Wenn ich jedoch Motive ver­schlag­wor­ten soll, die ich noch nicht im Portfolio haben oder die eine Auffrischung brau­chen, nut­ze ich meist zuer­st PicNiche und Findphotokeywords. Beide kom­men ganz gut mit deut­schen Begriffen klar und zusam­men die Treffer nach einer manu­el­len Auslese einen soli­den Grundbestand an Suchbegriffen.

Da die Übersetzung oft etwas holp­rig ist und der deut­sche Datenbestand immer klei­ner als der eng­li­sche ist, suche ich dann noch nach paar eng­li­schen Begriffen auf eng­li­sch und schaue, ob ich die deut­schen Entsprechungen schon in mei­ner Liste habe.

Mit dem Keyword Tool von Google Adwords run­de ich das Set mit eini­gen Begriffen ab, wel­che hoch bei Google im Kurs ste­hen, weil sehr vie­le Bildkäufer erst über Google Images zu den Bildern in Agenturen gelan­gen.

Basierend auf den Daten der eige­nen Fotos sor­tie­re ich die ers­ten Begriffe nach Relevanz, damit die wich­tigs­ten Suchwörter auch am bes­ten bei den Bildagenturen abschnei­den. Zuletzt schaue ich, ob wie vie­le Keywords ich gesam­melt habe. Mein Ziel ist es, 30–50 Wörter zu fin­den. Bei weni­ger gehe ich die Schritte noch mal durch und nut­ze ver­stärkt Synonymdatenbanken, bei mehr strei­che ich solan­ge Wörter von der Liste, bis ich auf 50 Begriffe kom­me.

Dieses auf­wän­di­ge Verfahren durch­lau­fe ich natür­li­ch nicht für jedes ein­zel­ne Foto, meist aber schon min­des­tens 1–2 Mal pro Fotoserie zu einem Thema. Um inner­halb einer Serie bei Varianten gut ver­schlag­wor­ten zu kön­nen, ist dann das „Compare Keyword Lists“-Tool sehr hilf­reich, um schnell sehen zu kön­nen, wel­che Begriffe zwar in dem einen, aber nicht im ande­ren Foto vor­han­den sind.

Generelle Tipps zur Nutzung der Tools

Fotografen und Bildkäufer den­ken nicht iden­ti­sch. Das muss sich jeder immer wie­der ins Gedächtnis rufen, der sei­ne Fotos ver­schlag­wor­tet. Nur weil Fotografen bestimm­te Begriffe ger­ne ver­wen­den, heißt das nicht auto­ma­ti­sch, dass Kunden auch oft dana­ch suchen. Sehr deut­li­ch wur­de mir das bei­spiels­wei­se bei Personenfotos, die Macrostockagenturen ger­ne nach die­sem Muster ver­schlag­wor­ten: „Frau, weib­li­ch, Europäer, 20–25 Jahre, 20–30 Jahre, jung, Twen, blond, lan­ge Haare, lang­haa­rig, ein­zel­ne Person“. Bis auf das Wort Frau wer­den die ande­ren Begriffe bei Microstock-Agenturen jedoch viel sel­te­ner genutzt, teil­wei­se so sel­ten, dass ich nur noch einen Bruchteil der genann­ten Begriffe ver­wen­de. Wichtig ist des­we­gen, dass immer sol­che Quellen und Tools zu Rate gezo­gen wer­den, dass bei­de Seiten abge­deckt wer­den.

Auch wer nur die deut­schen Tools nutzt, darf nicht ver­ges­sen, dass die­se Begriffe meist eben­falls nur über­setzt aus dem Englischen sind, und des­we­gen geprüft wer­den muss, ob die­se gut pas­sen oder ob deut­sche Muttersprachler nicht ande­re Begriffe häu­fi­ger ver­wen­den. Auch anders­rum gilt das, denn deut­sche Fotos kön­nen – wenn man es rich­tig macht – auch von eng­lisch­spra­chi­gen Bildkäufern gefun­den wer­den.

Ein gutes Beispiel ist das Wort „Handy“. Im Englischen wird das Gerät meist „cell pho­ne“ oder im Britischen „mobi­le pho­ne“ oder nur „mobi­le“ genannt. Das bedeu­tet, dass der Fotograf auch das im Deutschen unüb­li­che­re „Mobiltelefon“ und „mobil“ und „Telefon“ in die Verschlagwortungsliste auf­neh­men soll­te, damit die teil­wei­se schlech­ten Übersetzungsprogramm garan­tiert die Bedeutung ver­ste­hen.

Die im Deutschen übli­che Zusammensetzung von Substantiven berei­tet Übersetzungsprogrammen eben­falls Probleme, weil die Datenbank sehr groß sein muss und es – je län­ger das deut­sche Wort wird – meh­re­re Bedeutungen ent­hal­ten kann. Ein kon­stru­ier­tes Beispiel: Ist ein „Hausmeisterfotograf“ ein „Fotograf der Hausmeister“ oder der „Meisterfotograf des Hauses“? Für die Praxis heißt das: Bei zusam­men­ge­setz­ten Wörtern dar­auf ach­ten, dass auch die Einzelteile sepa­rat in der Liste genannt wer­den.

Die Kontrolle der Länge ist auch eine gute Methode, um über­flüs­si­ge Suchbegriffe zu strei­chen: Je län­ger das Wort, desto gerin­ger die Wahrscheinlichkeit, dass Bildkäufer es benut­zen wer­den.

Was für Tipps habt ihr noch zur Verschlagwortung?

Das Problem der richtigen Verschlagwortung und Suchbegriffe

Vor paar Wochen gab es im Blog der Bildagentur AGE Fotostock einen Artikel mit dem – frei über­setz­ten – Titel „Ist das das Beste, was Stockfotografen kön­nen?

Zu lesen war eine Polemik, dass vie­le Stockfotografen total unkrea­tiv sei­en und ihnen nur Klischees ein­fal­len wür­den. Als Beispiel wür­de das Thema „Energie spa­ren“ gewählt. Gezeigt wur­den vie­le Fotos von Personen, die Geldscheine und wahl­wei­se eine Energiesparlampe oder einen Stromstecker in der Hand hiel­ten. In der Tat nicht sehr ori­gi­nell.

Als Gegenbeispiel wur­de die­ser Werbe-Clip eines Supermarktes gewählt, der vie­le klei­ne Dinge zeigt, die Energie spa­ren kön­nen:

Tropfende Wasserhähne, recy­cle­te Getränkedosen, Schaltknüppel im Auto, mit der Hand getrock­ne­tes Geschirr, Wäscheleinen und so wei­ter. Diese Positiv- und Negativbeispiele zei­gen zwei Dinge deut­li­ch: Das Problem der Innovation und das der Suchbegriffe. Über den „Widerspruch zwi­schen Originalität und Verkäuflichkeit“ habe ich vor einem Jahr schon geschrie­ben. Deshalb will ich heu­te auf die pro­ble­ma­ti­schen Suchbegriffe ein­ge­hen.

Es gibt genug Bildagenturen, die ein Foto von einem Schaltknüppel ableh­nen wür­den, wenn die Suchbegriffe „Energie“ oder „spa­ren“ dar­in vor­kom­men wür­den. Das glei­che gilt für vie­le Motive des als posi­tiv gelob­ten Videos. Andererseits gibt es in Bildagenturen kei­nen Mangel an sol­chen Motiven. Wer nach Wäscheleine oder Geschirr sucht, fin­det genug Bildmaterial. Es ist nur nicht immer mit „Energie spa­ren“ ver­schlag­wor­tet.

Für die Agenturen ist es immer leicht, nach krea­ti­ven Bildideen zu rufen. Sobald aber die Verschlagwortung etwas krea­ti­ver wird, gibt es Ärger. Bestes Beispiel ist neben der super­kri­ti­schen Agentur istock­pho­to auch Dreamstime, die vor kur­zem ein Programm gestar­tet haben, bei denen Fotografen und Bildkäufer unpas­sen­de Suchbegriffe eines frem­den Fotos mel­den kön­nen und pro erfolg­rei­cher Meldung Geld ver­die­nen. Als Strafe kann es sein, dass der gemel­de­te Fotograf sein kom­plet­tes Portfolio neu ver­schlag­wor­ten muss, nicht nur das bean­stan­de­te Bild.

Da über­le­gen sich Fotografen zwei Mal, ob sie lie­ber ein Suchbegriff zuviel oder zu wenig benut­zen. Ich habe am Anfang mei­ner Verschlagwortung vor paar Jahren noch locker 100–150 Suchbegriffe pro Bild gehabt. Als immer mehr Bildagenturen jedoch ein Limit von maxi­mal 50 Wörtern pro Bild ein­ge­führt hat­ten, habe ich mei­ne Suchbegriffe auf 50 redu­ziert. Mittlerweile nut­ze ich manch­mal nur noch 30–40 Wörter, um ein Foto zu ver­schlag­wor­ten.

Der Grund ist: Es gibt zwei Ansätze bei der Verschlagwortung: Den Long-Tail-Ansatz und den Bestseller-Ansatz:

Der Long-Tail-Ansatz basiert auf der Annahme, dass vie­le sel­ten gekauf­te Produkte in einem Laden zusam­men mehr Umsatz erwirt­schaf­ten als die weni­gen häu­fig ver­kauf­ten Produkte zusam­men. Der Long-Tail-Ansatz wur­de auch schon kon­kret auf den Microstock–Bereich z.B. hier in mei­nem Blog oder hier und hier bespro­chen.

Der Bestseller-Ansatz basiert auf dem Pareto-Prinzip, wel­ches besagt, dass 80% eines Ziels in 20% der Gesamtzeit erreicht wer­den und für die rest­li­chen 20% die ande­ren 80% der Zeit gebraucht wird. In der Wirtschaftswelt wird das Prinzip so for­mu­liert: 20% der Kunden sor­gen für 80% der Umsätze.

Was heißt das kon­kret für die Stockfotografie und die Verschlagwortung?

Wer nach dem Long-Tail-Prinzip ver­schlag­wor­tet, benutzt so vie­le Wörter wie mög­li­ch, in der Hoffnung, dass sich bei die­sen „exo­ti­sche­ren“ Suchbegriffen über die Zeit hin­weg trotz­dem genug Verkäufe ansam­meln, weil es eben weni­ger Fotos mit die­sen spe­zi­el­len Suchbegriffen gibt. Ein gutes Beispiel ist die­ser Bildverkauf, bei dem die Bildredakteurin der FAZ gezielt nach der Farbe „Falunrot“ gesucht hat­te.

Wer den Bestseller-Ansatz benutzt, hält sei­ne Keywords so knapp wie mög­li­ch und nur so aus­führ­li­ch wie nötig. Das hat zwei Gründe: Zum einen suchen die meis­ten Kunden nach ganz ein­fa­chen Begriffen. Die Bildagentur Dreamstime zeigt dem Fotografen an, mit wel­chen Suchbegriffen ein Foto gefun­den wur­de und oft ist es ganz banal: Eine Frau mit Schnupfen? Kunde such­te nach „cold tis­sue“ (wobei „cold“ hier nicht mit „kalt“ son­dern mit „Erkältung“ über­setzt wer­den soll­te). Eine Frau mit Spiegel in der Hand? Suche nach „mir­ror woman“. Mein Lieblingsbeispiel ist das fol­gen­de Foto, was bei Dreamstime bis­her 13x ver­kauft wur­de. Fast immer wur­de nur nach „women“ gesucht:


Da die belieb­ten und häu­fig gesuch­ten Begriffe ja auch beim Long-Tail-Ansatz ver­wen­det wer­den, bleibt die Frage nach dem Vorteil von weni­ger Suchwörtern für den Fotografen? Einerseits hat der Fotograf weni­ger Arbeit bei der Verschlagwortung, ande­rer­seits – und das ist für mich viel wich­ti­ger – erhöht es die Relevanz eines Bildes. Viele Bildagenturen sor­tie­ren die Suchergebnisse nach Relevanz und benut­zen dafür kom­pli­zier­te Formeln, die häu­fig geän­dert und wie ein Betriebsgeheimnis gehü­tet wer­den. Nur Alamy erklärt das Prinzip ihres „AlamyRanks“ deut­li­ch und offen. Es besagt, dass unter ande­rem die Formel „Views / Klicks + Verkäufe“ benutzt wird, um die Suchergebnisse zu sor­tie­ren. Je nied­ri­ger der Wert, desto bes­ser.

Angenommen, Bild A hat vie­le Suchbegriffe, wird des­halb bei einer Suche häu­fi­ger ange­zeigt, aber nicht jedes Mal ange­klickt, weil die ent­fern­te­ren Suchbegriffe nicht zum Bild pas­sen. Bei dem Frauenfoto oben hät­te ich z.B. „Haarschmuck“ als Suchbegriff neh­men kön­nen, weil eine Frau eine Stoffblume im Haar trägt. Wenn jemand nach dem Wort sucht, wird mein Bild ange­zeigt. Aber der gezeig­te Haarschmuck ist dem Bildsucher nicht groß genug im Bild, des­we­gen klickt er es nicht an und kauft ein ande­res.

Bild B ent­hält weni­ger Suchbegriffe, die das Bild aber alle sehr pas­send beschrei­ben. Deswegen wird es zwar weni­ger häu­fig ange­zeigt, aber öfter ange­klickt und gekauft. Sagen wir, Bild A bekommt 20 Ansichten, 15 Klicks und 10 Verkäufe. Der AlamyRank wäre 0,8. Bild B bekommt nur 10 Ansichten, aber 10 Klicks und eben­falls 10 Verkäufe. Der AlamyRank wäre 0,5 und damit vor­teil­haf­ter. Obwohl Bild B nur halb so oft ange­zeigt wur­de und weni­ger Klicks und gleich viel Verkäufe hat, ist der AlamyRank bes­ser und des­halb wird es bei den Suchergebnissen höher und öfter ange­zeigt.

Andere Bildagenturen haben ähn­li­che Formeln. Die Qualität der Verschlagwortung ist dem­nach ein wich­ti­ger Faktor, der beein­flußt, wie pro­mi­nent die eige­nen Fotos bei den Suchergebnissen ange­zeigt wer­den. Da ich anhand mei­ner eige­nen Daten eher der Auffassung bin, dass die Bildkäufer nach weni­gen, aber sehr rele­van­ten Begriffen suchen, ver­schlag­wor­te ich immer öfter nach dem Bestseller-Prinzip statt wie frü­her nach dem Long-Tail-Prinzip.

Das führt jedoch dazu, dass die von AGE Fotostock bemän­gel­te Kreativität den Bildern nicht sicht­bar wird, weil sie nicht in den Schlagwörtern beschrie­ben wird. Oder weil die Bilder wegen „zu gerin­ger Verkaufschancen“ abge­lehnt wur­den.

Wie ver­schlag­wor­tet ihr? Eher kurz oder aus­führ­li­ch? Und wel­che Vor- und Nachteile sehr ihr dar­in?