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Bilder-Streaming – Die Zukunft der Stockfotografie?

Eine der Neuheiten, die auf der Microstock Expo vorgestellt wurden, war der Plan von der PressFoto Group, Bilder per Streaming zu verkaufen.

Wie versprochen will ich darüber heute etwas mehr erzählen. Ich hatte die Gelegenheit, ausführlicher über die Idee des Image-Streaming mit Dmitriy Shironosov, dem Eigentümer der PressFoto Group zu sprechen, der mit dem Dienst „PressFoto Rent“ in diesen Markt einsteigen will. In anderen Medienbereichen hat sich das Streaming schon einen kleinen, aber festen Nischenplatz gesichert. Für Musik gibt es Anbieter wie Spotify, Simfy oder Deezer. Für Filme und Serien gibt es unter anderem Watchever, Netflix, Lovefilm oder Maxdome. Auch über Apples iTunes können Medieninhalte gestreamt werden.

Im Bilderbereich sieht es da deutlich übersichtlicher aus. Getty Images testet das Streaming von passenden Bildern zu Musik und ich bin sicher, im Hintergrund laufen noch mehr Experimente in dieser Richtung. Bei Yaymicro gibt es ebenfalls Pläne in der Richtung, wenn auch bisher nur dezent angedeutet.

Wie funktioniert Bilder-Streaming?

Da die Idee noch nicht in die Praxis umgesetzt wurde, können wir nur vermuten. Hinauslaufen wird es vermutlich auf folgendes: Kunden suchen wie gewohnt ein Bild und legen es in den Einkaufswagen. Wenn sie sich für ein Motiv entschieden haben, können sie es – optional – noch croppen, spiegeln, Farben ändern, Text hinzufügen oder ähnliches. Dann klicken sie auf „Fertig!“ und erhalten einen HTML-Code. Diesen Code-Schnipsel müssen sie an die passende Stelle auf ihrer Webseite einbauen, wo das Bild angezeigt werden soll. Bei jedem Aufruf der Webseite wird dann vom externen Bilder-Server das Bild geladen und mitgezählt, wie oft das Bild angefragt wurde.

Was ändert sich für die Bildkäufer technisch?

Aktuell lädt der Käufer ein Bild auf seinen Computer runter und kann dann mit der JPG-Datei beliebig verfahren. Die meisten laden sie unverändert auf die Webseite hoch. Für diese Kunden würde sich kaum etwas ändern, denn vom Zeitaufwand macht es kaum einen Unterschied, ob man ein Bild in ein Content-Management-System einpflegt oder ein HTML-Schnipsel an die passende Stelle setzt.

Wer als Bildkäufer jedoch gewohnt ist, die Bilder zu beschneiden, zu retuschieren oder zu verändern, muss hoffen, dass die angebotenen Bearbeitungsmöglichkeiten der Streaming-Anbieter ausreichend sind und mindestens genauso komfortabel sind wie die bisherigen Retusche-Möglichkeiten.

Außerdem besteht die Möglichkeit, das bei einer Nicht-Erreichbarkeit des Bilder-Servers die Webseite des Bildnutzers auf einmal ohne Fotos auskommen muss. Das wäre eine ärgerliche Situation.

In den vorigen Kommentaren hier im Blog hat die Leserin Miana darauf hingewiesen, dass Streaming-Bilder auch für die Platzierung in Suchmaschinen von Nachteil seien. Ich bin nicht sicher, ob das wirklich so ist, weil viele große Webseiten ja eigene CDN (Content-Delivery-Networks) haben, wo deren Bilder etc. ebenfalls ausgelagert werden. An dieser Stelle werden diese CDN sogar als vorteilig für die Ladezeiten von Webseiten gelobt, was wiederum das Google-Ranking verbessern solle. Wenn die Server also schneller sind als der eigene Web-Server, wäre das vielleicht sogar von Vorteil statt ein Nachteil.

Fraglich ist auch, was mit den ganzen Crawlern der Suchmaschinen ist, die ständig Webseiten durchforsten und damit auch die Streaming-Bilder aufrufen würden. Im letzten Monat hatte ich allein hier im Blog über 16.000 Aufrufe vom Google-Spiderbot, über 13.000 vom Spider der russischen Suchmaschine Yandex, einige tausend von Sistrix und so weiter. Würden diese eine Art „Grundeinkommen“ für jedes Streaming-Bild erzeugen? Oder würden sie ausgesperrt und damit eben wie oben vermutet dem Suchmaschinen-Ranking schaden?

Was ändert sich für die Bildkäufer finanziell?

Diese Frage interessiert die Bildnutzer als auch die Agenturen und Fotografen sicher am meisten. Im Grund gibt es drei Möglichkeiten: Es bleibt preislich alles wie es ist, es wird teurer oder es wird günstiger. Gehen wir die drei Optionen kurz durch: Wenn der Bildnutzer preislich keinen Vorteil hat, weil alles bleibt, wie es ist, sehe ich keinen Grund, auf das Bilder-Streaming zu wechseln. Wird es für den Bildkunden im Schnitt jedoch günstiger, muss das gesparte Geld irgendwo anders fehlen: Bei der Agentur und (bzw. vermutlich eher oder) den Fotografen. Das wäre für uns Fotografen eine schlechte Variante. Wird es für den Bildkunden im Schnitt jedoch teurer, gibt es aus Sicht der Käufer keinen Grund, zum Streaming zu wechseln. Dimitriy argumentierte mir gegenüber so, dass den Kunden langfristig viele kleine Cent-Beträge weniger auffallen und schmerzen würden als viele Euro im Voraus beim Credit-Kauf wie es aktuell der Fall wäre und sie somit unwissentlich, aber auf lange Sicht doch mehr zahlen würden. Da könnte etwas dran sein, wenn ich mir anschaue, wie viele kostenpflichtige Apps ich mir schon für wenige Cent im iTunes-Store gekauft habe. Aber die großen Kunden werden sehr wohl auf das Geld schauen und Kalkulationen anstellen.

Da der Preis eines Bildes als TKP (Tausender-Kontakt-Preis) berechnet werden soll, also für 1000 Abrufe eines Bildes bezahlt wird, könnte ich mir gut vorstellen, dass die cleveren Kunden dann auf die klickträchtigen Titelstorys lieber traditionell gekaufte Stockfotos platzieren und auf unwichtige Nebenseiten die Streaming-Bilder.

Es gibt noch eine andere Überlegung, die mich skeptisch bleiben lässt. Das „royalty free“-Geschäftsmodell (RF) hat sich gegenüber dem früher vorherrschenden „rights managed“-Modell (RM) so schnell durchgesetzt, weil es preislich deutlich einfacher nachzuvollziehen war. Bei RM wurde der Preis eines Fotos von vielen Faktoren wie Auflagengröße, Exklusivität, Ort, Art und Dauer der Nutzung, Platzierung (Titelseite teurer als im Innenteil etc.) und so weiter bestimmt. bei RF galt: Je Größe ein Preis. Fertig. Mit dem Bilder-Streaming wäre es preislich wieder eine Rolle rückwärts, denn so wissen die Bildkäufer erst nach der tatsächlichen Nutzung des Bildes, wie viel diese gekostet hat. Bei so viel Unsicherheit höre ich schon die Buchhaltung-Abteilungen der großen Verlage aufheulen.

Wertverlagerung der Bilder

Bisher war es ziemlich einfach: Ein Bild wurde dann gekauft, wenn das Motiv und die Suchbegriffe gepasst haben. Im Microstock-Bereich beides Bereiche, die der Fotograf allein zu verantworten hatte. Deshalb kann man sagen: Je besser der Fotograf, desto mehr Bilder hat er verkauft und desto mehr damit auch verdient. Beim Image-Streaming hingegen bemisst sich der Preis eines Bildes an den Aufrufen. Die Aufrufe einer Webseite in einem Blog, auf einer News-Seite oder wo auch immer hängt jedoch nicht von der Qualität des Bildes ab, sondern vom Inhalt oder der Überschrift. Zugespitzt könnte man formulieren: Der Journalist oder Copywriter bestimmt, wie viel der Fotograf verdient. Als Fotograf will ich jedoch für meine Arbeit bezahlt werden, nicht dafür, wie spannend andere journalistische Texte sind.

Hohle Marketing-Versprechen

Eine Mitarbeiterin von PressFoto schrieb mir sinngemäß: Unser Streaming-Service wird garantiert nicht die Verkäufe bei anderen Bildagenturen beeinträchtigen. Erstens richtet sich der Dienst an neue Kunden, die bisher nicht gekauft haben und zweitens ist der Dienst nur für Web-Formate. Davon glaube ich genau die zweite Hälfte. Es ist logisch, dass Streaming nur für Online-Nutzungen funktioniert.

Ich glaube jedoch kein bisschen, dass Streaming für Neukunden interessant ist. Auf der Mexpo trat Dimitriy mit einer Augenklappe als Pirat auf, um darzustellen, dass er die Leute als Kunden im Blick habe, die bisher Bilder im Internet klauen würden. Ich denke jedoch nicht, dass diese Leute das machen, weil sie Streaming vermissen, sondern weil sie keine entweder keine Ahnung haben, dass man für viele Bilder bezahlen muss oder nur keine Lust darauf haben. Dieses Marketing-Versprechen, dass bisherige Umsätze nicht betroffen wären bei der Einführung eines neuen Verkaufsmodells, habe ich schon bei der Einführung der Abo-Modelle nicht geglaubt.

Was sagt ihr um Bilder-Streaming? Was sind aus eurer Sicht die Vor- und Nachteile?

Update 10.12.2013: Im Blog der PressFoto-Group gibt es jetzt hier mehr Details und Screenshots zu sehen. Demnach sollen 1000 Views (1 CPM) ca. 30 Kopeken kosten, also umgerechnet weniger als 1 Euro-Cent.

Das Henne-Ei-Problem neuer Bildagenturen aus zwei Sichtweisen

Es gibt unzählige Bildagenturen, über die Fotografen ihre Fotos verkaufen können. Allein im Microstock-Bereich listet die Microstockgroup neben den vier großen Agenturen Shutterstock, Fotolia, Dreamstime und iStockphoto 41 weitere auf und selbst das deckt nicht alles ab. Dazu kommen noch mindestens ebensoviele Macrostock-Bildagenturen, allen voran Getty Images und Corbis und etliche Nischenagenturen, die sich mehr oder minder bequem auf spezielle Themen konzentrieren.


Bei dieser Auswahl an Bildagenturen ist klar: Es gibt deutlich mehr Agenturen als sie von Käufern benötigt würden, das gleiche gilt für die Bilder und Motive selbst. Wenn eine neue Bildagentur versucht, in diesen übersättigten Markt einzudringen, steht sie deshalb vor mehreren Problemen, die alle miteinander verzahnt sind und gebündelt als das „Henne-Ei“-Problem bezeichnet werden können.

Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Jede neue Firma braucht etwas, was sie verkaufen kann: Produkte, Dienstleistungen, Inhalte. Bei Bildagenturen sind diese Produkte Fotos, Bilder, Vekoren, Illustrationen und so weiter. Jeder Fotograf gibt seine Bilder gerne einer Agentur, welche viele Verkäufe erzielen kann, da so auch immer der Fotograf verdient. Diese Verkäufe kann eine Agentur nur generieren, wenn die Kunden das passende Bild finden. Ohne Bilder keine Verkäufe, ohne Verkäufe keine Bilder. Das klassische „Henne-Ei“-Problem.

Für neue Bildagenturen gibt es deshalb verschiedene Wege, sich auf dem Markt zu etablieren und neues Material anzuwerben, die jedoch immer steinig sind. Wir wollen diese sowohl aus der Sicht der Agenturen als auch der Bildlieferanten betrachten.

Ein sehr einfacher Weg ist die Nutzung von API-Material. API steht für „Application Programming Interface“ und ist die Abkürzung für eine standarisierte Schnittstelle zum Datenaustausch zwischen verschiedenen Programmen und im Bildermarkt auch Firmen. Fotolia bietet beispielsweise APIs für verschiedene Zwecke an. Eine neue Agentur könnte die Bilder einer etablierten Bildagentur mittels einer API-Schnittstelle bequem übernehmen und hätte auf einen Schlag Millionen Bilder im Angebot. Der große Nachteil daran ist, dass daran vor allem die etablierte Bildagentur verdient. Das ist gut und bequem für die Fotografen, weil sie im Grunde nichts tun müssen, kann jedoch zu einer unkontrollierbaren Verbreitung der Bilder führen. So geschehen bei Pixmac, die zudem mit Zuordnungsproblemen und Abrechnungsschwierigkeiten zu kämpfen hatten, weshalb Fotolia und Dreamstime der Agentur die API-Nutzung untersagten.

Der zweite Weg zeigt ebenfalls gut das „Henne-Ei“-Problem. Neue Agenturen sind gerne versucht, über den niedrigsten Preis Kunden zu gewinnen. Das ist im Microstock-Bereich zwar schwer, aber Firmen wie Canstock oder Depositphotos haben gezeigt, dass auch diese Preise unterboten werden können. Wer als Agentur jedoch über den Preis in den Markt eindringen will, wird Probleme haben, schnell genügend gute Bilder zu bekommen, da Fotografen, die rechnen können, schnell merken, dass sie einerseits noch weniger verdienen als bei den etablierten Agenturen und andererseits Kunden von etablierten Agenturen zu den Billig-Newcomern abwandern, was längerfristig ebenfalls die eigenen Umsätze schmälert. Als Microstock-Agenturen Mitte der 1990er Jahre den Bildermarkt umkrempelten, gab es preislich noch einen großen Spielraum nach unten, der tatsächlich dazu führte, dass der Markt erst für neue Kunden geöffnet wurde, die sich vorher schlicht kein gekauftes Bild leisten konnten. Die Feilscherei um einige Cent bei neuen Microstock-Agenturen oder, noch schlimmer, bei Abo-Paketen bringt aber keine Neukunden, sondern gewährt nur bestehenden Marktteilnehmern einen Rabatt auf Kosten der Bildlieferanten.

Der nächste Weg scheint sehr glänzend, zumindest für die Fotografen. Einige neue Bildagenturen nehmen viel Geld in die Hand und bezahlen anfangs für jedes Bild eine „Upload-Prämie“, um so schnell ihren Bildbestand zu vermehren. das hatten sowohl Veer als auch Polylooks 2010 gemacht, die einen erfolgreich, die anderen nicht. Diese Strategie führt zwar relativ sicher zu vielen Bildern, ist aber logischerweise sehr teuer, weshalb vor allem neue Agenturen das nur schwer stemmen können.

Mindestens ebenso teuer, aber dafür von der finanziellen Belastung besser verteilt ist das Versprechen hoher Fotografen-Kommissionen. Neue Agenturen werben gerne mit 50% oder mehr Fotografenanteil, die aber nur dann fällig werden, wenn tatsächlich Bilder verkauft werden. Insofern ist das anfangs eine risikoarme Variante für neue Bildagenturen, aber falls wider Erwarten die neue Bildagentur sich doch auf dem Markt behaupten kann, wird sie die hohen Kommissionen schnell leid werden, weil sie im Gegensatz zur kurzfristigen Belastung durch zeitlich begrenzte Upload-Prämien langfristig den Agentur-Gewinn schmälern. Deshalb haben fast alle Bildagenturen im Laufe ihrer Geschichte die Fotografenanteile gekürzt. Eine Agentur, die durchschnittlich Anteile erhöht hat, ist mir nicht bekannt. Selbst Versprechen neuer Agenturen, die Kommissionen würden für immer gleich bleiben, nehme ich mittlerweile nicht mehr ernst.

Lohnt es sich für Fotografen deshalb überhaupt, Zeit in neue Bildagenturen zu investieren? Neue Agenturen behaupten oft, weitere Spieler im Feld würden mehr Fairness und bessere Umsätze bringen. Der Bildermarkt ist jedoch kein Nachfragemarkt, sondern ein Angebotsmarkt, das heißt, es müssen vor allem die Käufer zufrieden gestellt werden, durch gute Qualität und niedrige Preise, während die Lieferanten (Fotografen) kaum Ansprüche stellen können. Deshalb sorgen neue Bildagenturen meist auch nur für mehr Arbeit bei den Fotografen durch das Hochladen und die Bildkontrolle, während der Konkurrenzkampf härter wird und damit die Preise mit jeder neuen Agentur eher sinken. Das führt dann wieder zu sinkenden Fotografenhonoraren.

Mit ca. zehn Microstock-Agenturen, die sich dann durch verschiedene Stärken wie exklusive Inhalte, viel Auswahl, niedriger Preis, Service und hohe Qualität unterschieden, wäre der Bildermarkt sicher ausreichend bedient.

Wie seht ihr das? Brauchen Fotografen noch neue Bildagenturen oder sollten eher einige leise verschwinden? Und was sollten die Kriterien sein?

Diskussion: Stockfotos in deutschen Blogs (Teil 2)

Gestern habe ich hier im Blog gefragt, warum es so wenig Stockfotos in deutschen Blogs zu sehen gibt.

Die Antworten in den Kommentaren (und auch einigen Emails) decken sich größtenteils mit meinen Vermutungen, aber es gibt auch kreative Ansätze.

Ich fasse noch mal die Probleme zusammen, die Blogger daran hindern, Stockfotos einzusetzen:

  • Unwissenheit:
    Blogger sind unsicher, wie die rechtliche korrekte Einbindung von Fotos in Blogs geschehen kann. Müssen sie Bildcredits angeben? Wie weisen sie im Zweifelsfall nach, dass sie das Foto gekauft haben?
  • Zeitaufwand:
    Die Suche nach „dem richtigen Bild“ dauert lange. Wer sich durch Millionen von Fotos einer Bildagentur wühlen muss, um ein nur halbwegs passendes Foto zu finden, lässt es gleich bleiben. Oder wie es Ansgar vom Blog LousigerBlick es treffend formuliert hat: „Ich kann doch nicht in 20 min einen Beitrag schreiben und dann 2 Stunden nach dem passenden Bild suchen!“
  • Preis:
    Blogger wissen nicht, wie billig Fotos mittlerweile geworden sind.  In der Bildbranche ist das Microstock-Phänomen in den letzten Jahren so stark diskutiert worden, dass viele (auch ich) „betriebsblind“ geworden sind. Es gibt außerhalb der üblichen Foto-Zirkel genug potentielle Kunden, die von Bildagenturen (ob Micro oder Macro) noch nie etwas gehört haben. Selbst wenn sie Microstock-Agenturen kennen, weist der Fotograf Joachim S. Müller auf einen weiteren Faktor hin: Das Betreiben eines Blogs und die Stockfotos kosten in Deutschland und den USA ungefähr das Gleiche. Nur wird in den USA mehr Geld mit Blogs verdient, weshalb die Bereitschaft dort auch größer ist, Geld dafür auszugeben.

Für alle drei Probleme gibt es Lösungsansätze:

  1. Marketing:
    Bildagenturen dürfen nicht aufhören, Werbung zu schalten. Nicht nur in Design-Zeitschriften, sondern auch in Blogger-Foren, in Zeitschriften für Kleinunternehmer etc. Außerdem sollten Microstock-Agenturen nicht mehr versuchen, neue Fotografen zu gewinnen, indem sie Artikel in Medien platzieren mit dem Thema „Wie sie schnell mit Fotos Geld verdienen“, sondern den Schwerpunkt verschieben zu Themen wie „Günstig Fotos für Ihren Blog/Ihre Firma kaufen“.
    Darüber hinaus scheint es eine große Unsicherheit zur Verwendung von Stockfotos zu geben. Hier ist die Aufgabe der Bildagenturen, ihre Käufer besser zu beraten. Auf den Webseiten der großen Microstock-Bildagenturen istockphoto, Shutterstock und Fotolia gibt es beispielsweise lange Fragen/Antworten-Seiten, aber was für Quellen-Nennung angeht, wird entweder auf die ellenlangen unübersichtlichen Lizenzbedingungen (hier Shutterstock, hier istockphoto) verwiesen oder bei Fotolia findet sich erst auf einer Unterseite der Satz „Die Nutzung aller auf der Fotoliaseite erworbenen Bilder unterliegt folgenden Regelungen:  […] Die Angabe der Copyrights in Form von Name bzw. Künstlername des Autoren und der Bildquelle ( nach § 13 UrhG)“. Hier wäre ein einfaches Beispiel wie „Diese Angabe kann z.B. so aussehen – Foto: Username/Fotolia“ hilfreich.
  2. Abo-Modell:
    Für Großkunden in Verlagen oder Werbeagenturen gibt es seit einer Weile Abonnement-Modelle, mit denen die Bildkäufer ihre Kosten immer im Griff haben – und meist auch noch sparen. Für Blogger sind diese Packete zu voluminös und unpraktisch.
    Ein Blog-Abo böte sich an. Zum Beispiel 20 Downloads im Monat der kleinsten Dateigröße, die für Blogfotos locker ausreicht für 10 Euro im Monat?
  3. Vereinfachung I:
    Es gilt im Bildermarkt die gleiche Regel wie für andere Business-Modelle: Mache es Deinem Kunden so einfach wie möglich. In meinen Antworten meinte Michael Herzog: „Ein Bild mit richtigen “Credits” einzubinden, ist nicht mit einem einfach Klick auf “Insert Media” getan. Das Feld für die Bildunterschrift sieht je nach Template auch nicht immer toll aus.“ Warum also keinen Programmierer dran setzen, ein WordPress-Plugin zu schreiben, was Bloggern das Layout der Bildunterschriften einfach ändern lässt?
  4. Vereinfachung II:
    Die beste Idee kommt von Amos Struck und sie möchte ich ausführlich vorstellen: Wer programmiert ein WordPress-Plugin, was eine Bildsuche in Bildagenturen aus dem Admin-Panel mit automatischer Integration erlaubt? Hier gibt es (mindestens) zwei Möglichkeiten:
    – Eine Bildagentur nimmt sich allein dieser Sache an. Das hat für die Bildagentur den Vorteil, dass so viele neue Bildkäufer erreicht werden könnten. Für die Bildnutzer ist der Nachteil, dass so das Angebot automatisch auf diese eine Bildagentur beschränkt ist.
    – Jemand entwirft das Plugin mit Hinsicht auf verschiedene Bildagenturen. Der Bildkäufer kann dann aussuchen, ob er in allen Agenturen gleichzeitig suchen möchte oder nur in bestimmten.
    Wie könnte so ein Plugin aussehen? Der Blogger trägt beim Plugin seine Nutzerdaten der Bildagenturen ein, die er nutzen möchte. Dann kann der Blogger im WordPress-Admin-Panel auf „Bild hinzufügen“ klicken und dort in den „Stock-Bereich“ wechseln. Jetzt schlägt das Plugin basierend auf den vergebenen Tags schon Fotos vor und der Blogger kann entscheiden, ob er noch nach anderen Stichwörtern suchen möchte. Wenn er ein Foto gefunden hat, klickt er auf „Foto kaufen“ und es wird automatisch in der kleinsten Auflösung von seinem Nutzerkonto gekauft und in den Blog-Beitrag zusammen mit der rechtlich korrekten Bildunterschrift „Foto: Fotograf/Bildagentur“ hinzugefügt. Umsonst müsste es ein Programmierer nicht machen. Durch die Affiliate-Programme der Bildagenturen könnte er ebenfalls daran verdienen.
    Rob Davis hat erst vor kurzem mit seiner PicNiche-Toolbar ein ähnliches System entwickelt, mit dem Leute direkt bei allen, einigen oder ausgewählten Bildagenturen nach Fotos suchen können. Dort fehlt leider eine einfache Blog-Integration.

Habe ich etwas vergessen? Wie glaubt ihr, würden sich Blogger mehr für Stockfotos begeistern lassen?

Mehr Unterschiede zwischen Microstock- und Macrostock-Agenturen

Vor knapp zwei Wochen habe ich mich in einem Blogbeitrag damit beschäftigt, „Was Macrostock-Bildagenturen von Microstock unterscheidet„.

Auswahl treffen
Der Kieler Fotograf Olaf Bathke hat in seinem Blog eine sehr lesenswerte Antwort geschrieben mit „13 Gründen, warum Macrostock-Agenturen nicht aussterben„. Sein Text ist deshalb interessant, weil er im Gegensatz zu meinem Artikel, der eher die Kundenseite betont, die Sicht der Fotografen forciert. Seine 13 Punkte lassen sich grob zu drei Punkten zusammenfassen.

1. Service
Fotografen haben bei Macrostock-Agenturen Gesprächspartner, die sie anrufen können und von denen sie nicht per Mail vorgefertigte Textbausteine oder gar keine Antwort bekommen. Außerdem liefern Macrostock-Bildagenturen Ideen für gut verkäufliche Stockfotos. Zitat Olaf Bahtke: „Ich bevorzuge eine angenehme Gesprächskultur und möchte nicht nur ein Rädchen in einem unübersichtlichen Getriebe sein.

2. Themenauswahl
Bei Macrostock-Agenturen wird mehr in „Bildstrecken“ gedacht. Außerdem tragen Macrostock-Fotografen weniger dazu bei, dass die Bilderflut unerträglich wird. Zusätzlich werden Themen und Stile angenommen, die bei Microstock-Agenturen als zu abstrakt, avantgardistisch oder experimentell abgelehnt werden. Zitat Olaf Bathke: „Kreativität und Individualität lassen sich schwer Verschlagworten, sie gehen mit Größe eines Fotostocks unter.

3. Preis
Bei den teuren Bildagenturen verdient ein Fotograf mehr. Für die Microstock-Preise will ich meine Fotos nicht anbieten. Zitat Olaf Bathke: „Meine Erlöse in Makroagenturen sind höher, als in anderen Agenturen.

Wer aufgepasst hat, merkt, dass zwei der drei Punkte auch aus Kundensicht ausschlaggebend für die Wahl einer Macrostock-Bildagentur sind: Themen und Service. In beiden Punkten stimme ich Olaf zu.

Dem Preis-Aspekt sehe ich differenzierter. Auch ich habe mich lange geweigert, meine Fotos zu Microstock-Preisen zu verkaufen. Aber ich wollte mich nicht mehr auf die Verkaufszahlen in diversen Microstock-Blogs verlassen, um einschätzen zu können, ob diese Sparte lukrativ wäre oder nicht. So habe ich zwei normale Fotosessions genommen, die ich sonst den teuren Bildagenturen angeboten hätte und verkaufte sie über Microstock-Bildagenturen. Nach ca. acht Monaten habe ich nun genug Zahlen, um meine Einkünfte aus teuren mit denen aus Microstock-Bildagenturen vergleichen zu können. Das Ergebnis: Der RPI, also der Umsatz pro Bild ist fast gleich. Zu berücksichtigen ist, dass die Lebenszeit von Fotos bei traditionellen Stock-Agenturen durchschnittlich bei fünf Jahren liegt, während sie der Microstock-Experte Yuri Arcurs bei Microstock-Bildagenturen auf zwei Jahre schätzt.

Ein Grund, warum viele professionelle Fotografen keinen Erfolg in Microstock-Agenturen haben, wird hier gut zusammengefasst. Man beachte vor allem Punkt 9 und 10. Da etablierte Fotografen Microstock skeptisch gegenüber stehen, testen sie die Verkäufe mit ihren Bildern „zweiter Wahl“ und freuen sich dann, dass ihre vermuten zutreffen: Die verkaufen ja nicht so gut. Auch andere professionelle Macrostock-Fotografen machen gute Erfahrungen mit Microstock-Agenturen.

Aber zurück zum Thema.

In den Kommentaren zu meinem ersten Artikel hieß es auch, dass die Qualität unterschiedlich sei. Das stimmt mittlerweile jedoch nur noch in Bezug auf originelle, ungewöhnliche Motive und Bildsprachen. Mangelnde technische Qualität war bei Microstock-Bildagenturen vor allem ein Anfangsproblem, aus dem die Agenturen schnell rausgewachsen sind. Während es bei Microstocks aber oft heißt „abgelehnt wegen geringer Verkaufschancen“ meinte vor einigen Monaten eine Bildredakteurin zu mir „Das Foto von Dir finde ich sehr spannend, aber leider wüßte ich nicht, wer das kaufen könnte. Ich nehme es trotzdem mal, weil es selten ist„. Bisher hat es sich noch nicht verkauft, aber wenn ein Kunde so ein Motiv sucht, wird er es nur in der Macrostock-Agentur finden.

Olaf hat deswegen auch einen Denkfehler in seinen Argumenten. Er schreibt:

10. Ich möchte auf Dauer nicht in den Bilderfluten untergehen, die wie unkontrollierbare Krebsgeschwüre anwachsen.

Angenommen, jeder Fotograf schickt jedes Foto, was er bisher einer Microstock-Bildagentur geschickt hat, an eine teure Macrostock-Bildagentur. Was würde passieren?

1. Die Kapazitäten der Agentur würden für diesen Ansturm nicht ausreichen. sie wäre vollkommen überfordert.

2. Die Agentur bräuchte nicht so viele Fotos, weil sie nicht so viel verkaufen muss, um Gewinn zu machen.

Das erklärt auch den Erfolg der Microstock-Agenturen. Sie haben den Bildermarkt einer Käuferschicht eröffnet, die es sich bisher nicht leisten konnte, Fotos zu kaufen. Wer als Fotograf nun sagt, „Tja, ihr armen Schlucker, habt ihr Pech gehabt, meine Fotos sind mehr wert“, der denkt meines Erachtens zu elitär. Das Problem ist eher, dass jetzt auch die zahlungskräftigen Kunden in der Lage sind, Geld zu sparen, mit dem sie vorher die kreativen Fotografen subventioniert haben.

Die Bildermassen aus dem Beispiel würden eine Macrostock-Agentur aber schon deshalb nicht erreichen, weil sie Fotografen oft nur sehr selektiv aufnehmen. Dabei ist es dem Kunden meist egal, ob der Fotograf, der dieses coole Fotos gemacht hat, was auf den Titel soll, noch 10 andere oder 1000 andere bei der Agentur hat. Die Agenturen lehnen nicht nur wegen mangelnder Qualität Fotografen ab, sondern auch wegen des hohen Arbeitsaufwands, den Fotografen verursachen, die nur wenige Fotos im Jahr liefern.

Hier können beide Seiten voneinander lernen.

Wie mein obiges Beispiel andeutet, mangelt es vielen Macrostock-Agenturen an einer starken technischen Grundlage. Viele Microstock-Agenturen sind von Leuten gegründet worden, für die Computer ihr  Lebensinhalt sind. Die Macrostock-Agenturen haben den Wandel von der Analogfotografie zur Digitalfotografie eher schleppend und mürrisch vollzogen. So sehen die Webseiten und Fotografen-Bereiche der Agenturen auch aus: Altmodisch und funktionslos. Viele Microstock-Seiten hingegen bieten umfangreiche Stapelverarbeitungs-Möglichkeiten und Statistik-Funktionen an. Kein Wunder, leben sie bei den niedrigen Preisen doch von der Masse.

Hier will ich mehr! Ich will auch bei meinen teuren Agenturen auf einen Blick sehen können, wie viel ich pro Verkauf durchschnittlich verdiene, wie meine Ablehnungsquoten sind und vieles mehr. Außerdem versetzt eine gut strukturierte Technik die Bildagenturen in die Lage, Arbeitsabläufe effektiver zu gestalten. Dann bräuchten Fotografen nicht mehr aus verwaltungstechnischen Überlegungen abgewiesen werden.

Doch auch andersrum gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. Wenn Microstock-Bildagenturen von der Masse leben, kann es nicht schaden, exotischere Fotos ins Programm zu nehmen, Fotos mit technischen Fehlern, die absichtlich da sind, um die Bildaussage zu steigern. Das sturre Beharren auf technische Perfektion führt zu dieser sterilen Kälte, die Bildkäufer abschreckt.

Auch die Kommunikation ist oft verbesserungswürdig. Ich verstehe, dass eine Agentur mit zehntausenden Fotografen keine Hotline einrichten kann. Aber eine Massenmail vor wichtigen Änderungen in der Bildagentur erwarte ich schon.

Der Markt ist für Bildagenturen in allen Preissegmenten groß genug. Die Herausforderung ist nur, die richtigen Bildkäufer in das richtige Segment zu schicken und Abwanderungen in Richtung „billig“ zu vermeiden.

Ich gebe den Ball wieder ab. Was sagt ihr zu Olafs und meinen Ansichten?

The Long Tail – Der lange Schwanz in der Stockfotografie

In der letzten Zeit wurde in Stockfotografie-Kreisen gerne über „the long tail“ gesprochen. Heute möchte ich dieses Phänomen etwas erklären, sowohl aus Kunden-, als auch aus Fotografensicht.

Der „lange Schwanz“, wie der Begriff „the long tail“ wörtlich übersetzt werden kann, wurde 2004 in einem Wired-Artikel von Chris Anderson geprägt. Eine Kurzversion des Buches kann kostenlos hier heruntergeladen werden.

Zollstock aufklappen
Im Buch beschreibt Anderson, wie durch das Internet viele Unternehmen Geld damit verdienen, dass sie ganz viele Nischenprodukte selten verkaufen, statt wenige beliebte Produkte ganz oft.

Ein gutes Beispiel ist Amazon im Vergleich zum klassischen Buchhändler an der Ecke. Der Buchladen hat nur begrenzten Platz, weil die Mieten in Einkaufsstraßen der Innenstadt teuer sind. Deshalb wird er vor allem die Bücher anbieten, die populär sind und sich oft verkaufen. Auch wenn man sich heute meist jedes Buch bestellen lassen kann, ist es bequemer, sich das Buch direkt von Amazon zum gleichen Preis nach Hause schicken zu lassen. In dem Artikel schreibt Anderson, dass die us-amerikanische Buchhandelskette „Barnes & Nobles“ nur 130.000 Titel anbietet. Ungefähr ein Viertel des Umsatzes des Internet-Buchhändlers Amazon entsteht jedoch durch Bücher, die nicht zu diesen Titeln gehören.

Dieses Prinzip lässt sich auch auf Musik und andere Medien anwenden. Womit wir bei den Fotos wären.

Einige Microstock-Blogs haben z.B. hier oder hier herausgearbeitet, dass es sich auch für Fotografen lohnen kann, jedes Foto anzubieten, was Verkaufchancen hat und sich nicht nur auf die Topseller zu konzentrieren. Das ist so lage sinnvoll, solange es keine Ausrede wird, keine super verkäuflichen Fotos mehr zu machen.

Am anderen Ende des Tischs ist bei den Bildkäufern das Prinzip ebenso gültig. Ganz viele Kunden haben wenig Geld für Fotolizenzen und wenige viel Geld. Die Microstock-Agenturen haben es ausgenutzt, dass die alten Bildagenturen sich nur auf die wenigen finanzstarken Kunden konzentriert haben und den anderen Menschen keine Möglichkeit gegeben haben, Fotos kaufen zu können. Mit billigen Fotos ab einem Euro kann sich jeder Fotos leisten. Der Haken ist nur, dass auch die reichen Kunden auf das Angebot zurückgreifen können und so Umsätze wegbrechen, die auch mit vielen kleinen Kunden kaum zu erzielen sind.

Ich möchte jedoch auf etwas anderes hinaus. Vor einer Woche wurde mir von sehe vielen Bildagenturen ein Foto abgelehnt, auf dem ein großer Haufen Pferdemist auf einer Staße liegt. Bei istockphoto gibt es von über vier Millionen Bildern nicht mal zehn Fotos, die diesem ähnlich sehen. Die Verkaufschancen sind gering, aber vor allem bei Microstock-Anbietern sollte sich die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass „es die Masse macht“.

Viele Fotos werden mittlerweile abgelehnt mit dem Hinweis auf „geringe Verkaufschancen“ des Motivs. Das mag stimmen, doch bringen sich die Bildagenturen damit zusammengerechnet um einen großen Teil des Umsatzes, wenn die Kunden mit ausgefallenen Bildwünschen nicht fündig werden. Die Schwierigkeit ist nur, die regulären Suchergebnisse der „Mainstream-Kunden“ nicht mit unrelevanten Suchergebnissen zu belasten. Einige Bildagentuen argumentieren auch, dass selten gekaufte Fotos nur Speicherplatz wegnehmen und die Datenbank belasten. Auch richtig. Aber wer es schafft, diese Probleme elegant zu lösen, wird es auch in Zukunft im Bildermarkt schaffen, ganz oben mit dabei zu sein.