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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 37

Wie angekündigt, möchte ich den „Pimp My Stock!“-Stau etwas auflösen, deshalb kommt hier gleich die nächste Folge die bei mir schon im Juni 2013 eintrudelte.

Ich freue mich, nach den teilweise leider sehr verbesserungswürdigen Bildern in einigen letzten Folgen heute ein deutlich höheres fotografisches Level präsentieren zu dürfen.

Sinan Muslu stellt sich am besten selbst vor in seiner Mail:

„Hey,

auf Grund eines „Pimp My Stock“ Eintrages habe ich mich entschieden, auch mal mitzumachen. Damit du nicht in alten Emails kramen musst, stell ich mich sogar noch mal vor 😉

Ich bin 29 Jahre alt, habe Industrie- und Werbefotograf in einem Werbefotostudio gelernt, und bin seit 8 Jahren im Beruf. Nach der Ausbildung habe ich noch eine Ausbildung zum Mediengestalter dran gehangen, und seit drei Jahren arbeite ich selbstständig als Fotograf in unserer eigenen Werbeagentur.

Ich fotografiere mit Canon und Hensel Technik, und mein erstes verkauftes Stockfoto ist glaube ich aus dem Jahr 2003, als ich mich bei photocase angemeldet habe.

Interesse für die Stockfotografie besteht schon immer, und nun ist es endlich so weit, dass ich auch was reißen will. Nicht 100% des Umsatzes mit Stock verdienen, aber wenn ich es schaffe, kleine stetige zusätzliche Einkünfte damit zu generieren, dann wäre ich zufrieden. Denn der Rest ist und wird auch primär die bezahlten Aufträge der Kunden bleiben.

Infos zu mir gibt es auch auf meinem Blog und meiner Tumblr-Seite.

Fotos zur Meinungsbildung findest du im Anhang. Querbeet. Sollten die ungeeignet sein, dann gib kurz Bescheid, aber eigens für Stock produziert sind bislang leider nur die Heidelbeeren, der Rest sind sonstige Arbeiten die mal zwischendurch entstanden sind…

Vielen Dank und viele Grüße,
Sinan“

Fangen wir an:

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Die junge Frau im Winter ist ein tolles Stockfoto. Das Portrait ist technisch perfekt umgesetzt und zusätzlich ist als Konzept auch das Thema „Winter“ enthalten und farblich ist alles gut abgestimmt. Kleine Verbesserungsvorschläge habe ich dennoch. Mir ist das Gesicht zu mittig angeordnet. Etwas weiter links wäre deutlich mehr Platz für Textfreiraum vorhanden. Wer ganz perfektionistisch ist, würde vor allem rechts die einzelnen abstehenden Haar retuschieren.

Noch ein Hinweis auf kaum sichtbare Stolperstellen, die man kennen muss, weil man sie sonst garantiert übersieht. Seht ihr die Metallknöpfe auf der linken Seite der Jacke? Dort steht oft noch mal der Markenname des Herstellers drauf. Je nachdem, ob dieser lesbar ist, ist das ein Ablehnungsgrund bei Bildagenturen. Deshalb auf jeden Fall in der 100% Ansicht betrachten und gegebenenfalls kurz mit dem Wischfinger-Werkzeug drüber.

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Agenturen sind mit guten Fotos von Wiesen und Landschaften gesättigt und da braucht es schon ein sehr perfektes Bild, um damit überhaupt in die Agentur reinzukommen, geschweige denn Verkäufe zu erzielen. Hier stehen die Chancen tatsächlich sehr gut, denn durch den geschwungenen Verlauf der Wiese, die Wolken mit dem Zoomeffekt und der leichten Überstrahlung rechts erhält das Bild eine Dynamik, die Bewegung und Leben ins Bild bringt. Ich finde, das ist das ein sehr gutes Stockfoto und mir fallen auch keine Verbesserungsvorschläge ein.

caddy

Bei diesem Foto eines Cadillacs muss sehr darauf geachtet werden, ob Logos und Markennamen am Auto zu sehen sind. Ist das nicht der Fall, muss der Fotograf recherchieren oder hoffen, dass das Design selbst nicht (mehr) markenrechtlich geschützt ist, das kann ich konkret nicht einschätzen.

Wenn das geklärt ist, können wir uns dem Motiv zuwenden. Technisch wieder einwandfrei fotografiert, brauche ich nur zur Komposition etwas zu sagen. In den meisten Kulturen ist die Leserichtung von links nach rechts, was sich auf de Betrachtung von Fotos auswirkt. Unsere Augen scannen ein Bild von links nach rechts, aber die Ausrichtung des Autos nach links zieht unsere Augen immer wieder zurück.

Probiert es aus: Spiegelt das Bild vertikal, dadurch wird die Betrachtung deutlich harmonischer. Noch besser wäre es jedoch gewesen, den Wagen andersrum zu parken, weil dann der Blick automatisch auf die große graue Fläche gelenkt worden wäre, die einen perfekten Textfreiraum abgibt. Auch unten am Bild hätte man durch eine leichte Anhebung der Perspektive das Unkraut aus dem Bild verbannen können.

Abgesehen von den Punkten ist das Foto trotzdem ein gutes Stockfoto, weil es das Thema Luxus mit den Konzepten „Business“ und „Industrie“ verbindet.

kaufladen_197
Bei diesem Portrait werden die meisten Bildagenturen sofort bemängeln, dass die Augen der Frau nicht scharf abgebildet sind. Dazu kommt, dass der enge Beschnitt die Beschneidungsmöglichkeiten für Grafiker einschränkt, was sich nachteilig auf Verkäufe auswirken kann. Der Spruch „Werbeträger“ über der Brust lenkt einerseits vom Gesicht ab und die deutsche Sprache ist zugleich eine regionale Beschränkung. Zwar suchen Designer gerne Shirts, auf die sie ihre Templates applizieren können, aber hier müssten sie zusätzlich erst den vorhandenen Text entfernen.

japanese cherry tree
Kirschblüten. Schön. Das ist ein Thema, an dem sich genug Hobbyfotografen – auch erfolgreich – abgearbeitet haben sodass die bestehende Konkurrenz sehr groß ist. Außerdem ist der Himmel überstrahlt, was einigen Agenturen nicht gefallen wird. Im Vergleich zu den anderen Bildern der Einsendung sind hier deshalb die Verkaufschancen deshalb vermutlich am geringsten.

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Mann mit Pelz: Mir gefällt der skurrile Stil, aber auch hier gilt, dass der Beschnitt am Kopf die Einsatzmöglichkeiten einschränkt. Die Wangen könnten leicht überstrahlt sein, dass könnte man vielleicht mit der RAW-Datei retten. Ansonsten: Cool. Charaktertypen abseits der 08/15-Modelgesichter werden von Bildagenturen händeringend gesucht.

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Leserinnen und Leser, die fleißig meinen Blog oder auch nur die „Pimp My Stock!“-Rubrik lesen, werden sicher sofort erkennen, was ich an dem Foto mit dem Schinkenbrot bemängeln werde? Genau, die Schrift und das Logo. Jeder halbwegs kompetente Designer könnte das Logo bei Bedarf selbst auf das Brettchen montieren, aber umgekehrt gibt es genug Leute, welche das Bild deshalb nicht kaufen werden. Für einen Kundenauftrag wäre das Foto super, als Stockfoto sollte es so universell wie möglich sein, deshalb ohne Logo und Text. Wenn wir uns das Logo (und den winzigen Fussel unten rechts) wegdenken, wüsste ich aber nichts, was ich noch zu bemängeln hätte.

blueberries in a bowl on a tree stamp
Kommen wir zu den Fotos, die Sinan explizit für Bildagenturen gemacht hat. Das Foto der Heidelbeeren ist sehr gut aus Stockfoto geeignet: Es ist reduziert auf das Wesentliche, hat viel Textfreiraum und der Baumstamm unterstützt das „Natürliche“. Ich hätte noch 2-3 Varianten mit verschiedenen Stoffservietten oder Unterlagen unter der Schale fotografiert.

blueberries in a bowl on a tree stamp
Bei den Heidelbeeren von oben nimmt der Baumstamm meines Erachtens zu viel Raum ein. Hier bietet sich ein quadratisches Format an. Ansonsten: Top. Mir gefällt auch, dass der Hintergrund ebenfalls einen dezenten Blauton hat.

Wenn wir uns die Fotos von Sinan im Vergleich zu einigen früheren Einsendungen anschauen, wird deutlich, dass eine gute Ausbildung und vor allem Praxiserfahrung auch in der Stockfotografie helfen können.

Ich bin mir sicher, dass Sinan es schafft, in Zukunft ein lukratives Portfolio bei Bildagenturen aufzubauen.

Was sagt ihr? Teilt ihr meine Einschätzung?

Rezension: Portraiture (Retusche-Plugin für Photoshop, Lightroom und Aperture)

Bei der Bildbearbeitung für die Stockfotografie geht es vor allem um Schnelligkeit. Während Leute wie Calvin Hollywood oder DOCMA-Abonnenten gerne 3-4 Stunden an einem Bild sitzen und stolz darauf sind*, ist das keine Option bei den niedrigen Preisen, die im Microstock-Bereich erzielt werden.

Deshalb wurde ich schnell hellhörig, als ich in einer Facebook-Gruppe für Stockfotografen von einem Retusche-Plugin für Photoshop gelesen habe. Das nennt sich Portraiture von der Firma Imagenomic und ist als Plugin für Lightroom, Photoshop oder Aperture erhältlich.

Wenn wir uns die möglichen Einstellungen anschauen, sehen wir viele Regler:


Im Vorschau-Fenster in der Mitte sind mit einem Rechtsklick noch mehr Auswahlmöglichkeiten vorhanden, zum Beispiel ob man im Split-Screen lieber das vorläufige Ergebnis sehen will oder lieber die aktuell selektierten Hauttöne. Die automatische Hauterkennung funktioniert zuverlässig und wer will, kann in den beiden Farbfeldern links leicht den Farbraum etwas verschieben, der dann wahlweise auch für die gesamte Fotoserie beibehalten wird.

Oben links gibt es einige Presets zur Auswahl, die mir aus zwei Gründen vollkommen ausreichen: Die Presets heißen Default, Normal, Medium und High und sind im Grunde ähnlich mit immer stärker ansteigender Hautglättung. Dazu kommen zusätzliche Einstellungen fütr Glamour, Lowkey und Highkey, die mir aber nicht zusagen. Wer will, kann gerne an allen Reglern drehen und eigene Presets abspeichern, aber da es mir bei der Bildbearbeitung vor allem um Schnelligkeit geht, reicht mir meist das Default- oder Normal-Preset. Hier ein Vergleich der Presets (Normal habe ich weggelassen):

Sehr komfortabel finde ich auch, dass die Möglichkeit besteht, die Ergebnisse als neue Ebene, wahlweise mit oder ohne Transparenzmaske abzuspeichern. Ich wähle immer „neue Ebene mit Transparenzmaske“, denn so kann ich durch eine Änderung der Ebenentransparenz in Photoshop in Sekundenbruchteilen die Stärke des Filters nachträglich reduzieren.

Portraiture ist nicht das einzige Werkzeug, welches eine bequeme Hautretusche verspricht. Vom System her gut finde ich beispielsweise auch Portrait Professional, was aber drei gewichtige Nachteile hat. Vor der Nutzung müssen die Koordinaten von Mundwinkeln, Augen, Nase etc. angegeben werden, weil das Programm auch die Kopfform nach gängigen Schönheitsidealen verändern kann. Das geht zwar sehr intuitiv, dauert aber trotzdem ca. eine Minute. Außerdem ist das Programm nicht als Plugin erhältlich, was den Workflow umständlicher macht und – sehr nervend – die Testversion stürzte bei mir gelegentlich ab.

Genau diese drei Punkte sind im Umkehrschluss die Dinge, die mich bei Portraiture überzeugt haben.

Es geht superschnell, also im besten Falle bin ich mit drei Klicks (Filter/Portraiture/OK) fertig, da die automatische Hauterkennung und das Default-Preset gute Dienste leisten. Das Ergebnis kann ich notfalls nachträglich ebenso schnell durch eine Veränderung der Ebenentransparenz reduzieren und das Programm läuft stabil. Genau das Richtige für Stockfotografen, die schnell viele Bilder einer Serie mit Models retuschieren müssen.

Kleine Einschränkungen

Es gibt zwei kleine Einschränkungen von Portraiture, die man kennen sollte, die aber wenig an der Nützlichkeit des Programms ändern. Erstens hat das Tool keine „Gesichtserkennung“, sondern die Hauterkennung funktioniert über einen Farbbereich. Das bedeutet, dass Motivteile im Bild wie Wände oder Kleidung, die ähnliche Farbbereiche wie die Haut aufweisen, ebenfalls von Portraiture bearbeitet werden. Hier kommt wieder der Vorteil der neuen Ebene mit Transparenzmaske zum Tragen, denn mit dem Radiergummi-Werkzeug kann ich schnell Bildbereiche entfernen. Bei unscharfen Dingen im Hintergrund habe ich jedoch den Eindruck, dass Portraiture durch die Weichzeichnung wie eine Art Rauschreduzierung wirkt, weshalb ich den Effekt manchmal sogar ganz hilfreich finde.

Die zweite Einschränkung ist, dass Portraiture keine großen Pickel, Muttermale, Leberflecke oder ins Gesicht hängende Haare entfernt, wie man im zweiten Beispielbild gut sehen kann. Deshalb entferne ich diese „groben Makel“ vor der Anwendung von Portraiture.

Unterm Strich

Portraiture ist auch trotz des happigen Preises von ca. 200 Dollar eine gute Empfehlung für Stockfotografen. Auch wer Auftragsportraits, Hochzeiten oder Akt fotografiert, wird das Plugin zu schätzen lernen, da es im Gegensatz zu einigen anderen Hautglättungswerkzeugen sehr schnell und leicht ein trotzdem realistisches Ergebnis liefert.

Wie retuschiert ihr die Haut bei Stockfotos und welche Hilfsmittel nehmt ihr dafür?

(* Die Ergebnisse sehen dann oft auch sehr beeindruckend aus, aber für Stock dauert es eben zu lange.)

Tutorial für Blitzaufbau bei Portraits (Hip Hop Look)

Vor paar Wochen saß ich mit dem Fotografen Luis Alvarez in einer schicken Bar in Berlin-Mitte, die ungelogen einen Laptop-Besucher-Ratio von fast 1:1 hatte.  Luis fotografiert exklusiv für istockphoto und Getty Images und schreibt den sehr empfehlenswerten Blog vela-photo.com, in dem er Bildaufbau-Tutorials, Analysen zur Stockfotografie und vieles mehr veröffentlicht.

Wir wollten was zusammen machen und haben uns überlegt, dass Luis einen Gastartikel schreiben könne. Da sein Blog in englisch gehalten ist, gibt es diesmal hier sein aktuelles Tutorial für den Blitzaufbau bei Portraits auch in deutsch.

Viel Spaß beim Lesen! (ab jetzt schreibt Luis)

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Neulich war ein Freund von mir in Berlin zu Besuch. Er kommt ursprünglich aus Los Angeles und es hat nicht lange gedauert, bis ich ihn überzeugen konnte, für mich zu modeln! Das Shooting war besonders interessant, weil wir wenig Zeit hatten und ich einige Lichtaufbauten ausprobieren wollte.

Das Ergebniss ist eine Serie von Portraits, jedes ein bisschen anders.

Ich möchte gern mit euch vier der Licht-Einstellungen teilen und zeigen, wie jede Variation auf ein Bild wirkt.

Ein Blitz

Das erste Portrait wurde mit nur einem Blitz gemacht. Der Hintergrund war grau. In meinem Studio arbeiten wir nur mit Profoto und ich hab dafür ein Profoto Beauty Dish mit Glas-Deflektor und Waabe genutzt (Ich hab keinen Affiliate-Kontakt zu Profoto, die Links dienen lediglich der Information, so dass ihr wisst, was ich genau genutzt habe). Das Beauty Dish habe ich über dem Model rechts (also links vom Fotografen) positioniert.

100mm, f8, 1/160s

Dank des höheren Winkels, aus dem das Licht kommt, sind viele Schatten zu sehen, was einen sehr dramatischen Look ergibt. Der Glas-Deflektor sorgt dafür, dass das Licht ungleich auf das Model fällt und mehr Drama erzeugt. Das funktioniert sehr gut für ernste Porträts.

Licht Setup: Ein Blitz

Zwei Blitze

Das erste Bild ist dunkel und ernst. In der nächsten Variante wollte ich den Hintergrund beleuchten.

Dafür habe ich einen normalen Profoto Zoom Reflektor mit Waabe auf den Hintergrund gerichtet.

100mm, f7.1, 1/160s
100mm, f7.1, 1/160s

Man sieht sofort den grauen Hintergrund, wo vorhin nur schwarz zu sehen war. Das gibt dem Bild mehr Tiefe, weil das Model vom Hintergrund getrennt wird.

Das nächste Bild wurde mit genau den gleichen Einstellungen gemacht. Ich habe nur leicht den Winkel des Beauty Dishes geändert. Ihr seht, dass das Licht hauptsächlich auf den Kopf und den Oberkörper fällt. Der Hintergrund-Blitz wirkt bei dem Bild sehr gut!

100mm, f9, 1/160s

Licht Setup: Zwei Blitze

Vier Blitze

Das Setup mit zwei Blitzen ist schön. Aber um den echten „Rapper Look“ zu bekommen, möchte ich das Model vom Hintergrund noch mehr trennen und dem Bild mehr Dimension geben. Die kriegt man mit Licht von hinten. Ich habe zwei Profoto Strip Lights hinzugefügt, einmal links und rechts hinter dem Model. Ich habe auch die Hintergrundfarbe geändert, Lila ist viel lebendiger. Das Beauty Dish habe ich diesmal direkt vor dem Model und über der Kamera platziert, so sind die Schatten viel symmetrischer, was besser zum Konzept passt.

100mm, f9, 1/160s

Die kleine Sternchen habe ich mit Photoshop gemacht, das ist einer der Pinsel, die ab CS2 standardmäßig dabei sind.

Licht Setup: 4 Blitze

Fünf Blitze (Vier Blitze und ein Ringblitz)

Meine letzte Variation gibt dem Bild viel mehr Bling und Glamour, in dem ich einen Profoto Ringblitz mit Reflektor nutze. Ringblitze wirken immer gut auf Bildern, die werden sofort lebendig und glamourös! Für diese Einstellung bleiben alle andere Blitze unverändert.

100mm, f9, 1/160s

Ihr merkt, dass das Ringblitz einheitlich das ganze Model beleuchtet, von der Hose bis zum Kopf. Die Qualität des Lichtes ist sehr unterschiedlich im Vergleich zu den anderen Blitzen. Ringblitze produzieren einzigartiges Licht, sehr beliebt in der HipHop-Szene.

Licht Setup: 5 Blitze


Ich hoffe, die verschiedenen Licht-Diagramme waren hilfreich und haben euch gezeigt, wie man mit mehr und mehr Licht das Bild beeinflussen kann! Ich empfehle jedem, erstmal klein anzufangen und mit der Zeit immer mehr Licht zu nutzen, um besondere Bilder zu produzieren.

Welches Licht nutzt ihr? Und wie sehen die Bilder aus?

Ich werde demnächst die Photoshop-Datei vom vorletzten Bild auf meinem Blog veröffentlichen. So könnt ihr sehen, wie viel man mit Photoshop noch ändern kann!

Luis Alvarez

Erster Screencast – Portraitretusche für Bildagenturen

Es gibt wieder eine Premiere!

Wer schon immer mal sehen wollte, wie ich ein Portraitfoto in Photoshop retuschiere, bevor ich es über Bildagenturen zum Verkauf anbiete, kann mir jetzt virtuell bei YouTube zuschauen.

Dort habe ich mal einen typischen typischen Bearbeitungsablauf aufgezeichnet. Vom Öffnen des Bildes bis zur Speicherung. Das Ganze dauert ca. 5 Minuten und ist damit ziemlich genau im Durchschnitt meiner Bearbeitungszeit pro Foto. Ich kenne viele andere Fotografen, die sich deutlich mehr Zeit pro Bild nehmen, aber es liegt auf der Hand, das in diesem Fall Zeit wirklich Geld ist. Hier erst mal mein Video:

Das Video ist mit doppelter Geschwindigkeit abgespielt, weil ich vermutete, dass es ansonsten vielleicht zu langweilig wäre. Ich habe bei der Aufnahme auch gemerkt, dass ich so viele Tastenkombinationen, Aktionen und Short-Cuts benutze, dass im Video kaum zu sehen wäre, was sich tatsächlich abspielt. Deswegen habe ich weitestgehend versucht, darauf zu verzichten und die Arbeitsschritte einzeln abzurufen. Das ist aber nicht immer gelungen.

Hier noch mal ein Ausschnitt des Fotos vor und nach der Bearbeitung (klicke auf das Bild für eine größere Ansicht):


Ich arbeite übrigens mit einem Graphire-Grafiktablett* von Wacom in der an einem 24-Zoll-Widescreen-Monitor* von Eizo. Mit dem Tablett ist es viel besser möglich, z.B. die Augen oder Zähne – wie im Video zu sehen – zu markieren. Außerdem spart es Zeit, weil ich allein durch den Stiftdruck die Empfindlichkeit von Pinsel, Radiergummi, Abwedler und anderen Werkzeugen einstellen kann, ohne jedes Mal mit der Maus ins Menü zu gehen und die Zahlenwerte zu ändern.

Das Gute an dem großen Monitor ist erstens schlicht, dass ich mehr vom Bild sehe, ohne Ranzoomen zu müssen. Wer einen kleinen Monitor hat, kann das erkennen, wenn er das Video im Vollbild-Modus anschaut und sich denkt: „Häh, was hat er denn da jetzt markiert?“ Das Gute am Breitbildformat ist, dass horizontale Fotos im üblichen 2:3-Format groß angezeigt werden können und daneben noch genug Platz für die Werkzeugleisten und Photoshop-Paletten ist. Das ist ebenfalls gut im Video zu erkennen, wenn ich ins Bild zoome. Außerdem ist der Monitor sehr farbgenau und hat eine smattschwarze Abdeckung an den Rändern, die seitlich oder von oben einfallendes Licht vom Monitor abhält.

Falls Euch das Thema „Tutorial-Videos“ interessiert, werde ich das gerne weiter verfolgen. Möglich wären zum Beispiel Videos mit einer Erklärung meinerseits, warum ich welche Arbeitsschritte wann und wie mache, eine bessere Auflösung des Videos, andere Motive, die andere Arten der Bildbearbeitung erfordern und so weiter.

Deshalb: Gebt mir Feedback! Je nachdem, wie es ausfällt, wird es vielleicht mehr, bessere und andere Videos geben.

Was würdet ihr gerne von mir als Video, Tutorial oder Screencast sehen?

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Rezension: „Porträtfotografie“ von Glenn Rand und Tim Meyer

Wenn es um Fotografie geht, bin ich eher der Praxis-Typ. Ausprobieren und gucken, so habe ich fotografieren gelernt.

Manchmal ist es mit dem Fotografieren jedoch wie mit dem Gitarre spielen. Wer sich – wie ich – selbst das Gitarrenspiel ohne fachkundige Anleitung beibringt, begeht – wie ich – manchmal den Fehler, bestimmte Griffe so zu greifen, dass der Wechsel zu anderen Akkorden viel schwieriger ist. Solche Gewohnheiten müssen dann später umständlich abtrainiert werden.

Auch bei der Fotografie ist es sinnvoll, manchmal einen Schritt zurückzugehen und sich etwas Theorie anzulesen, um die Praxis besser verstehen und beherrschen zu können. Das Buch „Porträtfotografie„* von Glenn Rand und Tim Meyer (ISBN 978-3898646659) mit dem Untertitel „Professionelle Porträts durch gekonnte Lichtführung und Inszenierung“ bot sich dafür an, da ich fast ausschließlich Personen im Studio fotografiere.


Theorie anlesen“ trifft es auch am besten, was Leser von diesem Buch erwarten können. Die erste Hälfte der 14 Kapitel beschäftigt sich mit wichtigen Beleuchtungsgrundlagen wie Lichtdynamik, Lichtquellen, Lichtmodifikation, Belichtungsmessung, Kontrastverhältnis und Lichtmustern im Gesicht. Klingt spannend? Genauso aufregend wie diese Aufzählung lesen sich die Kapitel selbst.

Ein exemplarischer Absatz aus dem Buch zum Thema „Beleuchtungsmethoden“:

„Beginnt man damit, die Beleuchtung eines Porträts zu beschreiben, wird sehr bald deutlich, dass der Beleuchtung der Gesichtsflächen mehrere Aspekte zugrunde liegen, die in Wechselbeziehung zueinander stehen. Die Art des Lichts wird durch das Verhältnis zwischen Gesichtsachse und der Achse des Hauptlichts definiert. Gleichzeitig wird die grundlegende Beleuchtungsmethode durch die Beleuchtung des Teils des Gesichts bestimmt, das sich in geringstem Abstand zur Kamera befindet. Daher beschreiben wir die Beleuchtung, indem wir sowohl die Art des Lichts als auch die Beleuchtungsmethode nennen.“ (S. 94)

Das Buch liest sich in großen Teilen wie ein trockenes Schulbuch. Der Vergleich drängt sich vielleicht auf, weil beide Autoren auch Dozenten an der US-Fotoschule Brooks Institute sind. Merkmal des Buches sind viele umständliche Textformulierungen, wo oft ein Bildbeispiel mit kurzer Erklärung schneller den Stoff vermittelt hätte.  Und Stoff wird viel vermittelt. Das Buch legt wirklich die Grundlagen, auf welche Lichtaspekte bei Porträts zu achten sind.

Gestern – nach der Lektüre des Buches – hatte ich ein Porträt bearbeitet und musste unweigerlich denken: „Oh, da habe ich eine ‚Open Loop‘-Beleuchtung verwendet„. Oder anders formuliert: Ich hätte das Foto nicht anders gemacht, aber ich kann die Beleuchtungselemente, den Schattenwurf, den Kontrast, die Lichtkante etc. besser in ihren Kontext einordnen. Diese Kategorien erlauben es, einfacher Portraits nach gewünschten Prinzipien zu ordnen, zu vergleichen und eben auch zu machen.

Im zweiten Teil des Buches geht es um den Aufbau des Lichts, Hintergründe für Porträts, Umgang mit Mischlicht, Model-Posen, Grundlagen der Bildkomposition, Gesichtsanalyse und der Umgang mit dem Model. Das klingt nach einem stärkeren Praxisbezug, im Buch jedoch werden auch diese Bereiche vor allem theoretisch beschrieben. Welche Varianten gibt es, welche werden häufig angewendet und so weiter. Hilfreich fand ich vor allem die Analyse der Gesichtsformen (rundes, schmales, eckiges Gesicht usw.) und wie diese jeweils am besten auf Fotos wirken.

Trotzdem ist das Buch kein Praxisbuch. Wer „How To“-Anleitungen oder Skizzen zum Lichtaufbau der gezeigten Beispielfotos sucht, wird hier nicht fündig werden. Das Buch richtet sie an Fotografen, welche ernsthaft die Grundlagen der Porträt-Beleuchtung lernen wollen. In aller Tiefe, dafür mit so komplizierten theoretischen Abhandlungen, dass ich als Dummy Stellen mehrmals lesen musste, um mir bildlich vorstellen zu können, was mir die Autoren sagen wollen.

Eindeutig kein Urlaubsschmöker, sondern schwer verdauliche Kost, die dafür lange nahrhaft bleibt.

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