Schlagwort-Archive: Portrait

Review der RoundFlash Strip Lights Lichtformer (mit Verlosung)

Schon seit fünf Jahren benut­ze ich ger­ne das leich­te und por­ta­ble falt­ba­re Ringlicht für Aufsteckblitze der Firma RoundFlash, vor allem als Aufhelllicht für Outdoor-Portraits.

Nach dem falt­ba­ren Beautydish* für Aufsteckblitze (mehr dazu sie­he unten) folgt nun das drit­te Teil in der RoundFlash-Produktfamilie: Das falt­ba­re „Strip Light“.

Ich habe freund­li­cher­wei­se zwei Exemplare zum Testen bekom­men und mir ein Model ein­ge­la­den, um zu sehen, wie sie sich in der Praxis machen.

Konstruktion

Wie bei allen RoundFlash-Produkten ist auch das Strip Light mit ca. 240 Gramm sehr leicht und kann schnell und ein­fach trans­por­tiert, auf­ge­baut und zusam­men­ge­fal­tet wer­den. Ein Transportbeutel (ca. 22 x 15 cm) mit Kordel ist dabei.

Da die­se bei allen drei Lichtformern (Ringblitz, Beauty Dish und Strip Light) eine ähn­li­che Form und Maße haben, sind sie prak­ti­scher­wei­se farb­li­ch unter­schied­li­ch, um beim Einsatz ver­schie­de­ner Lichtformer gleich den rich­ti­gen zu fin­den.

Aufbau

Die Montage ist schnell und ein­fach: Einfach das gefal­te­te Strip Light „aus­klap­pen“ las­sen, oben an einem Stativ, einem Haken oder wo auch immer befes­ti­gen und von unten den Aufsteckblitz in die dafür vor­ge­se­he­ne Öffnung schie­ben und mit dem gel­ben Gummizug fixie­ren.

Wie auf dem Foto zu sehen, habe ich die Standhalterung, wel­che bei mei­nen Canon Speedlite 600EX-II-RT* dabei ist, auf das Stativ geschraubt, um das Gummiband dar­an zu hän­gen. Als Stativ ver­wen­de ich die Manfrotto Mini Compact 1051BAC*, da die­se eben­falls leicht, kom­pakt und platz­spa­rend sta­pel­bar sind und trotz­dem auf über 2 Meter aus­ge­fah­ren wer­den kön­nen. Und es geht ja schließ­li­ch um eine trans­por­ta­ble Blitzlösung.

Hier ist gut zu sehen, wie der Blitz unten fixiert wird. Da ich draht­los aus­lö­se, habe ich bei mir noch einen Pocket Wizard FlexTT5* unten dran. Damit die Richtung des Strip Lights bes­ser fixiert wer­den kann, habe ich das Gummiband an das Stativ gehakt.

Vollständig und wäh­rend des Auslösens sieht das Strip Light dann so aus:
Die Waben sind übri­gens mit Klettverschluss ange­bracht und kön­nen auch schnell ent­fernt oder ange­bracht wer­den.

Lichtwirkung

Striplights als Softbox-Lichtformer wer­den ger­ne als Streiflicht für die Beleuchtung der Haare oder von Körperkanten ver­wen­det, eig­nen sich auf­grund der Mischung von wei­chem, aber den­no­ch gerich­te­ten Licht auch als Hauptlicht. Ich habe bei­des aus­pro­biert.

Für die Nutzung als Streiflicht habe ich bei­de Strip Lights im 45°-Winkel schräg hin­ter das Model auf bei­de Seiten gestellt, wel­che nun die Haare beleuch­ten, wie auf die­sem Bild zu sehen:Ca. 30° neben der Kamera und leicht über­haupt des Kopfes wur­de von mei­ner Assistentin das mobi­le RoundFlash Beauty-Dish gehal­ten, was so aus­sieht:

Ich hät­te es auch auf ein Galgenstativ mon­tie­ren kön­nen, aber ers­tens sind wir so fle­xi­bler beim Positionieren und zwei­tens wol­len wir ja mobil blei­ben und Gewicht spa­ren (ein Galgenstativ weni­ger ein­pa­cken). Nur das Beauty Dish ergibt fol­gen­des Bild:

Sehr schön erkennt ihr auf dem drit­ten Bild, wie sich bei­de Lichtquellen addie­ren, um sowohl das Gesicht als auch die Haare zu beleuch­ten und einen leich­ten Lichtreflex auf den Wangen zu erzeu­gen.Hier noch mal Lichtaufbau mit Strip Lights als Diagramm mit den Kamerawerten (Brennweite 60mm):Alternativ kann ein ein­zel­nes Striplight als Hauptlicht ver­wen­det wer­den, in dem fol­gen­den Beispiel 45° von vor­ne:Um 180° gedreht, als wenn die ein­zi­ge Lichtquelle schräg von hin­ten käme (mit einem Abschatter dazwi­schen, um Streulicht zu ver­mei­den), sieht es unge­fähr so aus:

Eine wei­te­re Möglichkeit der Positionierung wäre, das Striplight hori­zon­tal zu hal­ten. Das ist in die­sem Fall zuge­ge­be­ner­ma­ßen nicht ganz so ein­fach, weil die Strip Lights durch ihre Faltkonstruktion nicht starr sind. Wir haben es so gelöst, dass mei­ne Assistentin die Seite mit dem Blitz ange­ho­ben hat und ich das Stativ auf der ande­ren Seite (wo das Strip Light oben befes­tigt ist), unten mit mei­nem Fuß beschwert habe. Unter der Kamera schräg war ein California Sunbounce Mini-Reflektor* zum Aufhellen auf ein Stativ mon­tiert. Das Ergebnis?

Fazit

Wer wie ich die Vorteile einer sehr leich­ten, trans­por­ta­blen Ausrüstung zu schät­zen weiß, wird die­se Lichtformer lie­ben. Sie sind schnell ein­satz­be­reit, uni­ver­sell nutz­bar und hal­ten auch rabia­ten Umgang aus.

Die Lichtverteilung ist nicht ganz so gleich­mä­ßig wie bei einem Strip Light mit Studioblitz, nimmt also nach oben hin etwas ab (kann man auf dem Bild oben, wo der Strip Light aus­löst, ganz biß­chen sehen). Das konn­ten wir aber ein biß­chen dadurch aus­glei­chen, dass wir das Gesicht des Models eher im unte­ren Drittel des Strip Lights plat­ziert haben.

So nütz­li­ch die Strip Lights auch sind, wer­den sie für mei­ne kon­kre­te Arbeitsweise lei­der nicht so oft zum Einsatz kom­men. Bei der Stockfotografie geht es dar­um, in kur­zer Zeit vie­le ver­wert­ba­re Bilder zu erhal­ten, was mit flä­chi­gem, wei­chen Licht (gro­ße Softboxen) bes­ser geht, da Positionsänderungen des Models nicht sofort einen Umbau der Lichtquellen erfor­der­li­ch machen.

Es gibt jedoch genug ande­re Verwendungszwecke in der Portrait- oder Produktfotografie, wo trans­por­ta­ble Strip Lights eine deut­li­che Erleichterung sind. Damit ihr es selbst aus­pro­bie­ren könnt, gibt es auch eine:

Verlosung

Mariusz vom Roundflash-Team war so nett, mir 2x einen neu­en Strip Lights für eine Verlosung zur Verfügung zu stel­len.

Was müsst ihr dafür tun, um einen der Strup Lights zu gewin­nen? Hier die Teilnahmebedingungen:

  • Teilnehmen dür­fen alle, die mei­ner Facebook-Seite fol­gen (lohnt sich sowie­so, da ich dort vie­le aktu­el­le Infos pos­te) und hier im Blog einen Kommentar hin­ter­las­sen, was sie mit dem Strip Light am liebs­ten foto­gra­fie­ren wür­den.
  • Teilnahmeschluss ist Sonntag, der 19.02.2017.
  • Die Gewinner ermitt­le ich aus den Kommentaren mit­tels random.org.
  • Die Gewinner wer­den von mir per Email kon­tak­tiert (ach­tet dar­auf, dass eure Kommentar-Emailadresse gül­tig ist). Wer sich nicht inner­halb von drei Tagen zurück mel­det, ver­liert sei­nen Anspruch.
  • Der Rechtsweg ist aus­ge­schlos­sen.

Wer die Teile lie­ber sofort aus­pro­bie­ren will, hier sind die Kauflinks für die Strip Lights*, das falt­ba­re Beauty Dish* oder den Ringblitz-Aufsatz*.

* Affiliate (Ich erhal­te eine klei­ne Provision beim Kauf, ihr habt kei­ne Nachteile dadurch)

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 37

Wie ange­kün­digt, möch­te ich den „Pimp My Stock!“-Stau etwas auf­lö­sen, des­halb kommt hier gleich die nächs­te Folge die bei mir schon im Juni 2013 ein­tru­del­te.

Ich freue mich, nach den teil­wei­se lei­der sehr ver­bes­se­rungs­wür­di­gen Bildern in eini­gen letz­ten Folgen heu­te ein deut­li­ch höhe­res foto­gra­fi­sches Level prä­sen­tie­ren zu dür­fen.

Sinan Muslu stellt sich am bes­ten selbst vor in sei­ner Mail:

Hey,

auf Grund eines „Pimp My Stock“ Eintrages habe ich mich ent­schie­den, auch mal mit­zu­ma­chen. Damit du nicht in alten Emails kra­men mus­st, stell ich mich sogar noch mal vor 😉

Ich bin 29 Jahre alt, habe Industrie- und Werbefotograf in einem Werbefotostudio gelernt, und bin seit 8 Jahren im Beruf. Nach der Ausbildung habe ich noch eine Ausbildung zum Mediengestalter dran gehan­gen, und seit drei Jahren arbei­te ich selbst­stän­dig als Fotograf in unse­rer eige­nen Werbeagentur.

Ich foto­gra­fie­re mit Canon und Hensel Technik, und mein ers­tes ver­kauf­tes Stockfoto ist glau­be ich aus dem Jahr 2003, als ich mich bei pho­to­ca­se ange­mel­det habe.

Interesse für die Stockfotografie besteht schon immer, und nun ist es end­li­ch so weit, dass ich auch was rei­ßen will. Nicht 100% des Umsatzes mit Stock ver­die­nen, aber wenn ich es schaf­fe, klei­ne ste­ti­ge zusätz­li­che Einkünfte damit zu gene­rie­ren, dann wäre ich zufrie­den. Denn der Rest ist und wird auch pri­mär die bezahl­ten Aufträge der Kunden blei­ben.

Infos zu mir gibt es auch auf mei­nem Blog und mei­ner Tumblr-Seite.

Fotos zur Meinungsbildung fin­dest du im Anhang. Querbeet. Sollten die unge­eig­net sein, dann gib kurz Bescheid, aber eigens für Stock pro­du­ziert sind bis­lang lei­der nur die Heidelbeeren, der Rest sind sons­ti­ge Arbeiten die mal zwi­schen­durch ent­stan­den sind…

Vielen Dank und vie­le Grüße,
Sinan“

Fangen wir an:

120207_bigge_148

Die jun­ge Frau im Winter ist ein tol­les Stockfoto. Das Portrait ist tech­ni­sch per­fekt umge­setzt und zusätz­li­ch ist als Konzept auch das Thema „Winter“ ent­hal­ten und farb­li­ch ist alles gut abge­stimmt. Kleine Verbesserungsvorschläge habe ich den­no­ch. Mir ist das Gesicht zu mit­tig ange­ord­net. Etwas wei­ter links wäre deut­li­ch mehr Platz für Textfreiraum vor­han­den. Wer ganz per­fek­tio­nis­ti­sch ist, wür­de vor allem rechts die ein­zel­nen abste­hen­den Haar retu­schie­ren.

Noch ein Hinweis auf kaum sicht­ba­re Stolperstellen, die man ken­nen muss, weil man sie son­st garan­tiert über­sieht. Seht ihr die Metallknöpfe auf der lin­ken Seite der Jacke? Dort steht oft noch mal der Markenname des Herstellers drauf. Je nach­dem, ob die­ser les­bar ist, ist das ein Ablehnungsgrund bei Bildagenturen. Deshalb auf jeden Fall in der 100% Ansicht betrach­ten und gege­be­nen­falls kurz mit dem Wischfinger-Werkzeug drü­ber.

130425_007

Agenturen sind mit guten Fotos von Wiesen und Landschaften gesät­tigt und da braucht es schon ein sehr per­fek­tes Bild, um damit über­haupt in die Agentur rein­zu­kom­men, geschwei­ge denn Verkäufe zu erzie­len. Hier ste­hen die Chancen tat­säch­li­ch sehr gut, denn durch den geschwun­ge­nen Verlauf der Wiese, die Wolken mit dem Zoomeffekt und der leich­ten Überstrahlung rechts erhält das Bild eine Dynamik, die Bewegung und Leben ins Bild bringt. Ich fin­de, das ist das ein sehr gutes Stockfoto und mir fal­len auch kei­ne Verbesserungsvorschläge ein.

caddy

Bei die­sem Foto eines Cadillacs muss sehr dar­auf geach­tet wer­den, ob Logos und Markennamen am Auto zu sehen sind. Ist das nicht der Fall, muss der Fotograf recher­chie­ren oder hof­fen, dass das Design selbst nicht (mehr) mar­ken­recht­li­ch geschützt ist, das kann ich kon­kret nicht ein­schät­zen.

Wenn das geklärt ist, kön­nen wir uns dem Motiv zuwen­den. Technisch wie­der ein­wand­frei foto­gra­fiert, brau­che ich nur zur Komposition etwas zu sagen. In den meis­ten Kulturen ist die Leserichtung von links nach rechts, was sich auf de Betrachtung von Fotos aus­wirkt. Unsere Augen scan­nen ein Bild von links nach rechts, aber die Ausrichtung des Autos nach links zieht unse­re Augen immer wie­der zurück.

Probiert es aus: Spiegelt das Bild ver­ti­kal, dadurch wird die Betrachtung deut­li­ch har­mo­ni­scher. Noch bes­ser wäre es jedoch gewe­sen, den Wagen anders­rum zu par­ken, weil dann der Blick auto­ma­ti­sch auf die gro­ße graue Fläche gelenkt wor­den wäre, die einen per­fek­ten Textfreiraum abgibt. Auch unten am Bild hät­te man durch eine leich­te Anhebung der Perspektive das Unkraut aus dem Bild ver­ban­nen kön­nen.

Abgesehen von den Punkten ist das Foto trotz­dem ein gutes Stockfoto, weil es das Thema Luxus mit den Konzepten „Business“ und „Industrie“ ver­bin­det.

kaufladen_197
Bei die­sem Portrait wer­den die meis­ten Bildagenturen sofort bemän­geln, dass die Augen der Frau nicht scharf abge­bil­det sind. Dazu kommt, dass der enge Beschnitt die Beschneidungsmöglichkeiten für Grafiker ein­schränkt, was sich nach­tei­lig auf Verkäufe aus­wir­ken kann. Der Spruch „Werbeträger“ über der Brust lenkt einer­seits vom Gesicht ab und die deut­sche Sprache ist zugleich eine regio­na­le Beschränkung. Zwar suchen Designer ger­ne Shirts, auf die sie ihre Templates appli­zie­ren kön­nen, aber hier müss­ten sie zusätz­li­ch erst den vor­han­de­nen Text ent­fer­nen.

japanese cherry tree
Kirschblüten. Schön. Das ist ein Thema, an dem sich genug Hobbyfotografen – auch erfolg­reich – abge­ar­bei­tet haben sodass die bestehen­de Konkurrenz sehr groß ist. Außerdem ist der Himmel über­strahlt, was eini­gen Agenturen nicht gefal­len wird. Im Vergleich zu den ande­ren Bildern der Einsendung sind hier des­halb die Verkaufschancen des­halb ver­mut­li­ch am gerings­ten.

neun-a-portraits_031
Mann mit Pelz: Mir gefällt der skur­ri­le Stil, aber auch hier gilt, dass der Beschnitt am Kopf die Einsatzmöglichkeiten ein­schränkt. Die Wangen könn­ten leicht über­strahlt sein, dass könn­te man viel­leicht mit der RAW-Datei ret­ten. Ansonsten: Cool. Charaktertypen abseits der 08/15-Modelgesichter wer­den von Bildagenturen hän­de­rin­gend gesucht.

sauerlandbrett_027
Leserinnen und Leser, die flei­ßig mei­nen Blog oder auch nur die „Pimp My Stock!“-Rubrik lesen, wer­den sicher sofort erken­nen, was ich an dem Foto mit dem Schinkenbrot bemän­geln wer­de? Genau, die Schrift und das Logo. Jeder halb­wegs kom­pe­ten­te Designer könn­te das Logo bei Bedarf selbst auf das Brettchen mon­tie­ren, aber umge­kehrt gibt es genug Leute, wel­che das Bild des­halb nicht kau­fen wer­den. Für einen Kundenauftrag wäre das Foto super, als Stockfoto soll­te es so uni­ver­sell wie mög­li­ch sein, des­halb ohne Logo und Text. Wenn wir uns das Logo (und den win­zi­gen Fussel unten rechts) weg­den­ken, wüss­te ich aber nichts, was ich noch zu bemän­geln hät­te.

blueberries in a bowl on a tree stamp
Kommen wir zu den Fotos, die Sinan expli­zit für Bildagenturen gemacht hat. Das Foto der Heidelbeeren ist sehr gut aus Stockfoto geeig­net: Es ist redu­ziert auf das Wesentliche, hat viel Textfreiraum und der Baumstamm unter­stützt das „Natürliche“. Ich hät­te noch 2–3 Varianten mit ver­schie­de­nen Stoffservietten oder Unterlagen unter der Schale foto­gra­fiert.

blueberries in a bowl on a tree stamp
Bei den Heidelbeeren von oben nimmt der Baumstamm mei­nes Erachtens zu viel Raum ein. Hier bie­tet sich ein qua­dra­ti­sches Format an. Ansonsten: Top. Mir gefällt auch, dass der Hintergrund eben­falls einen dezen­ten Blauton hat.

Wenn wir uns die Fotos von Sinan im Vergleich zu eini­gen frü­he­ren Einsendungen anschau­en, wird deut­li­ch, dass eine gute Ausbildung und vor allem Praxiserfahrung auch in der Stockfotografie hel­fen kön­nen.

Ich bin mir sicher, dass Sinan es schafft, in Zukunft ein lukra­ti­ves Portfolio bei Bildagenturen auf­zu­bau­en.

Was sagt ihr? Teilt ihr mei­ne Einschätzung?

Rezension: Portraiture (Retusche-Plugin für Photoshop, Lightroom und Aperture)

Bei der Bildbearbeitung für die Stockfotografie geht es vor allem um Schnelligkeit. Während Leute wie Calvin Hollywood oder DOCMA-Abonnenten ger­ne 3–4 Stunden an einem Bild sit­zen und stolz dar­auf sind*, ist das kei­ne Option bei den nied­ri­gen Preisen, die im Microstock-Bereich erzielt wer­den.

Deshalb wur­de ich schnell hell­hö­rig, als ich in einer Facebook-Gruppe für Stockfotografen von einem Retusche-Plugin für Photoshop gele­sen habe. Das nennt sich Portraiture von der Firma Imagenomic und ist als Plugin für Lightroom, Photoshop oder Aperture erhält­li­ch.

Wenn wir uns die mög­li­chen Einstellungen anschau­en, sehen wir vie­le Regler:


Im Vorschau-Fenster in der Mitte sind mit einem Rechtsklick noch mehr Auswahlmöglichkeiten vor­han­den, zum Beispiel ob man im Split-Screen lie­ber das vor­läu­fi­ge Ergebnis sehen will oder lie­ber die aktu­ell selek­tier­ten Hauttöne. Die auto­ma­ti­sche Hauterkennung funk­tio­niert zuver­läs­sig und wer will, kann in den bei­den Farbfeldern links leicht den Farbraum etwas ver­schie­ben, der dann wahl­wei­se auch für die gesam­te Fotoserie bei­be­hal­ten wird.

Oben links gibt es eini­ge Presets zur Auswahl, die mir aus zwei Gründen voll­kom­men aus­rei­chen: Die Presets hei­ßen Default, Normal, Medium und High und sind im Grunde ähn­li­ch mit immer stär­ker anstei­gen­der Hautglättung. Dazu kom­men zusätz­li­che Einstellungen fütr Glamour, Lowkey und Highkey, die mir aber nicht zusa­gen. Wer will, kann ger­ne an allen Reglern dre­hen und eige­ne Presets abspei­chern, aber da es mir bei der Bildbearbeitung vor allem um Schnelligkeit geht, reicht mir meist das Default- oder Normal-Preset. Hier ein Vergleich der Presets (Normal habe ich weg­ge­las­sen):

Sehr kom­for­ta­bel fin­de ich auch, dass die Möglichkeit besteht, die Ergebnisse als neue Ebene, wahl­wei­se mit oder ohne Transparenzmaske abzu­spei­chern. Ich wäh­le immer „neue Ebene mit Transparenzmaske“, denn so kann ich durch eine Änderung der Ebenentransparenz in Photoshop in Sekundenbruchteilen die Stärke des Filters nach­träg­li­ch redu­zie­ren.

Portraiture ist nicht das ein­zi­ge Werkzeug, wel­ches eine beque­me Hautretusche ver­spricht. Vom System her gut fin­de ich bei­spiels­wei­se auch Portrait Professional, was aber drei gewich­ti­ge Nachteile hat. Vor der Nutzung müs­sen die Koordinaten von Mundwinkeln, Augen, Nase etc. ange­ge­ben wer­den, weil das Programm auch die Kopfform nach gän­gi­gen Schönheitsidealen ver­än­dern kann. Das geht zwar sehr intui­tiv, dau­ert aber trotz­dem ca. eine Minute. Außerdem ist das Programm nicht als Plugin erhält­li­ch, was den Workflow umständ­li­cher macht und – sehr ner­vend – die Testversion stürz­te bei mir gele­gent­li­ch ab.

Genau die­se drei Punkte sind im Umkehrschluss die Dinge, die mich bei Portraiture über­zeugt haben.

Es geht super­schnell, also im bes­ten Falle bin ich mit drei Klicks (Filter/Portraiture/OK) fer­tig, da die auto­ma­ti­sche Hauterkennung und das Default-Preset gute Dienste leis­ten. Das Ergebnis kann ich not­falls nach­träg­li­ch eben­so schnell durch eine Veränderung der Ebenentransparenz redu­zie­ren und das Programm läuft sta­bil. Genau das Richtige für Stockfotografen, die schnell vie­le Bilder einer Serie mit Models retu­schie­ren müs­sen.

Kleine Einschränkungen

Es gibt zwei klei­ne Einschränkungen von Portraiture, die man ken­nen soll­te, die aber wenig an der Nützlichkeit des Programms ändern. Erstens hat das Tool kei­ne „Gesichtserkennung“, son­dern die Hauterkennung funk­tio­niert über einen Farbbereich. Das bedeu­tet, dass Motivteile im Bild wie Wände oder Kleidung, die ähn­li­che Farbbereiche wie die Haut auf­wei­sen, eben­falls von Portraiture bear­bei­tet wer­den. Hier kommt wie­der der Vorteil der neu­en Ebene mit Transparenzmaske zum Tragen, denn mit dem Radiergummi-Werkzeug kann ich schnell Bildbereiche ent­fer­nen. Bei unschar­fen Dingen im Hintergrund habe ich jedoch den Eindruck, dass Portraiture durch die Weichzeichnung wie eine Art Rauschreduzierung wirkt, wes­halb ich den Effekt manch­mal sogar ganz hilf­reich fin­de.

Die zwei­te Einschränkung ist, dass Portraiture kei­ne gro­ßen Pickel, Muttermale, Leberflecke oder ins Gesicht hän­gen­de Haare ent­fernt, wie man im zwei­ten Beispielbild gut sehen kann. Deshalb ent­fer­ne ich die­se „gro­ben Makel“ vor der Anwendung von Portraiture.

Unterm Strich

Portraiture ist auch trotz des hap­pi­gen Preises von ca. 200 Dollar eine gute Empfehlung für Stockfotografen. Auch wer Auftragsportraits, Hochzeiten oder Akt foto­gra­fiert, wird das Plugin zu schät­zen ler­nen, da es im Gegensatz zu eini­gen ande­ren Hautglättungswerkzeugen sehr schnell und leicht ein trotz­dem rea­lis­ti­sches Ergebnis lie­fert.

Wie retu­schiert ihr die Haut bei Stockfotos und wel­che Hilfsmittel nehmt ihr dafür?

(* Die Ergebnisse sehen dann oft auch sehr beein­dru­ckend aus, aber für Stock dau­ert es eben zu lan­ge.)

Tutorial für Blitzaufbau bei Portraits (Hip Hop Look)

Vor paar Wochen saß ich mit dem Fotografen Luis Alvarez in einer schi­cken Bar in Berlin-Mitte, die unge­lo­gen einen Laptop-Besucher-Ratio von fast 1:1 hat­te.  Luis foto­gra­fiert exklu­siv für istock­pho­to und Getty Images und schreibt den sehr emp­feh­lens­wer­ten Blog vela-photo.com, in dem er Bildaufbau-Tutorials, Analysen zur Stockfotografie und vie­les mehr ver­öf­fent­licht.

Wir woll­ten was zusam­men machen und haben uns über­legt, dass Luis einen Gastartikel schrei­ben kön­ne. Da sein Blog in eng­li­sch gehal­ten ist, gibt es dies­mal hier sein aktu­el­les Tutorial für den Blitzaufbau bei Portraits auch in deut­sch.

Viel Spaß beim Lesen! (ab jetzt schreibt Luis)

__________________________________________________

Neulich war ein Freund von mir in Berlin zu Besuch. Er kommt ursprüng­li­ch aus Los Angeles und es hat nicht lan­ge gedau­ert, bis ich ihn über­zeu­gen konn­te, für mich zu modeln! Das Shooting war beson­ders inter­es­sant, weil wir wenig Zeit hat­ten und ich eini­ge Lichtaufbauten aus­pro­bie­ren woll­te.

Das Ergebniss ist eine Serie von Portraits, jedes ein biss­chen anders.

Ich möch­te gern mit euch vier der Licht-Einstellungen tei­len und zei­gen, wie jede Variation auf ein Bild wirkt.

Ein Blitz

Das ers­te Portrait wur­de mit nur einem Blitz gemacht. Der Hintergrund war grau. In mei­nem Studio arbei­ten wir nur mit Profoto und ich hab dafür ein Profoto Beauty Dish mit Glas-Deflektor und Waabe genutzt (Ich hab kei­nen Affiliate-Kontakt zu Profoto, die Links die­nen ledig­li­ch der Information, so dass ihr wisst, was ich gen­au genutzt habe). Das Beauty Dish habe ich über dem Model rechts (also links vom Fotografen) posi­tio­niert.

100mm, f8, 1/160s

Dank des höhe­ren Winkels, aus dem das Licht kommt, sind vie­le Schatten zu sehen, was einen sehr dra­ma­ti­schen Look ergibt. Der Glas-Deflektor sorgt dafür, dass das Licht ungleich auf das Model fällt und mehr Drama erzeugt. Das funk­tio­niert sehr gut für ern­s­te Porträts.

Licht Setup: Ein Blitz

Zwei Blitze

Das ers­te Bild ist dun­kel und ern­st. In der nächs­ten Variante woll­te ich den Hintergrund beleuch­ten.

Dafür habe ich einen nor­ma­len Profoto Zoom Reflektor mit Waabe auf den Hintergrund gerich­tet.

100mm, f7.1, 1/160s
100mm, f7.1, 1/160s

Man sieht sofort den grau­en Hintergrund, wo vor­hin nur schwarz zu sehen war. Das gibt dem Bild mehr Tiefe, weil das Model vom Hintergrund getrennt wird.

Das nächs­te Bild wur­de mit gen­au den glei­chen Einstellungen gemacht. Ich habe nur leicht den Winkel des Beauty Dishes geän­dert. Ihr seht, dass das Licht haupt­säch­li­ch auf den Kopf und den Oberkörper fällt. Der Hintergrund-Blitz wirkt bei dem Bild sehr gut!

100mm, f9, 1/160s

Licht Setup: Zwei Blitze

Vier Blitze

Das Setup mit zwei Blitzen ist schön. Aber um den ech­ten „Rapper Look“ zu bekom­men, möch­te ich das Model vom Hintergrund noch mehr tren­nen und dem Bild mehr Dimension geben. Die kriegt man mit Licht von hin­ten. Ich habe zwei Profoto Strip Lights hin­zu­ge­fügt, ein­mal links und rechts hin­ter dem Model. Ich habe auch die Hintergrundfarbe geän­dert, Lila ist viel leben­di­ger. Das Beauty Dish habe ich dies­mal direkt vor dem Model und über der Kamera plat­ziert, so sind die Schatten viel sym­me­tri­scher, was bes­ser zum Konzept passt.

100mm, f9, 1/160s

Die klei­ne Sternchen habe ich mit Photoshop gemacht, das ist einer der Pinsel, die ab CS2 stan­dard­mä­ßig dabei sind.

Licht Setup: 4 Blitze

Fünf Blitze (Vier Blitze und ein Ringblitz)

Meine letz­te Variation gibt dem Bild viel mehr Bling und Glamour, in dem ich einen Profoto Ringblitz mit Reflektor nut­ze. Ringblitze wir­ken immer gut auf Bildern, die wer­den sofort leben­dig und gla­mou­rös! Für die­se Einstellung blei­ben alle ande­re Blitze unver­än­dert.

100mm, f9, 1/160s

Ihr merkt, dass das Ringblitz ein­heit­li­ch das gan­ze Model beleuch­tet, von der Hose bis zum Kopf. Die Qualität des Lichtes ist sehr unter­schied­li­ch im Vergleich zu den ande­ren Blitzen. Ringblitze pro­du­zie­ren ein­zig­ar­ti­ges Licht, sehr beliebt in der HipHop–Szene.

Licht Setup: 5 Blitze


Ich hof­fe, die ver­schie­de­nen Licht-Diagramme waren hilf­reich und haben euch gezeigt, wie man mit mehr und mehr Licht das Bild beein­flus­sen kann! Ich emp­feh­le jedem, erst­mal klein anzu­fan­gen und mit der Zeit immer mehr Licht zu nut­zen, um beson­de­re Bilder zu pro­du­zie­ren.

Welches Licht nutzt ihr? Und wie sehen die Bilder aus?

Ich wer­de dem­nächst die Photoshop-Datei vom vor­letz­ten Bild auf mei­nem Blog ver­öf­fent­li­chen. So könnt ihr sehen, wie viel man mit Photoshop noch ändern kann!

Luis Alvarez

Erster Screencast – Portraitretusche für Bildagenturen

Es gibt wie­der eine Première!

Wer schon immer mal sehen woll­te, wie ich ein Portraitfoto in Photoshop retu­schie­re, bevor ich es über Bildagenturen zum Verkauf anbie­te, kann mir jetzt vir­tu­ell bei YouTube zuschau­en.

Dort habe ich mal einen typi­schen typi­schen Bearbeitungsablauf auf­ge­zeich­net. Vom Öffnen des Bildes bis zur Speicherung. Das Ganze dau­ert ca. 5 Minuten und ist damit ziem­li­ch gen­au im Durchschnitt mei­ner Bearbeitungszeit pro Foto. Ich ken­ne vie­le ande­re Fotografen, die sich deut­li­ch mehr Zeit pro Bild neh­men, aber es liegt auf der Hand, das in die­sem Fall Zeit wirk­li­ch Geld ist. Hier erst mal mein Video:

Das Video ist mit dop­pel­ter Geschwindigkeit abge­spielt, weil ich ver­mu­te­te, dass es ansons­ten viel­leicht zu lang­wei­lig wäre. Ich habe bei der Aufnahme auch gemerkt, dass ich so vie­le Tastenkombinationen, Aktionen und Short-Cuts benut­ze, dass im Video kaum zu sehen wäre, was sich tat­säch­li­ch abspielt. Deswegen habe ich wei­test­ge­hend ver­sucht, dar­auf zu ver­zich­ten und die Arbeitsschritte ein­zeln abzu­ru­fen. Das ist aber nicht immer gelun­gen.

Hier noch mal ein Ausschnitt des Fotos vor und nach der Bearbeitung (kli­cke auf das Bild für eine grö­ße­re Ansicht):


Ich arbei­te übri­gens mit einem Graphire–Grafiktablett* von Wacom in der an einem 24-Zoll-Widescreen–Monitor* von Eizo. Mit dem Tablett ist es viel bes­ser mög­li­ch, z.B. die Augen oder Zähne – wie im Video zu sehen – zu mar­kie­ren. Außerdem spart es Zeit, weil ich allein durch den Stiftdruck die Empfindlichkeit von Pinsel, Radiergummi, Abwedler und ande­ren Werkzeugen ein­stel­len kann, ohne jedes Mal mit der Maus ins Menü zu gehen und die Zahlenwerte zu ändern.

Das Gute an dem gro­ßen Monitor ist ers­tens schlicht, dass ich mehr vom Bild sehe, ohne Ranzoomen zu müs­sen. Wer einen klei­nen Monitor hat, kann das erken­nen, wenn er das Video im Vollbild-Modus anschaut und sich denkt: „Häh, was hat er denn da jetzt mar­kiert?“ Das Gute am Breitbildformat ist, dass hori­zon­ta­le Fotos im übli­chen 2:3-Format groß ange­zeigt wer­den kön­nen und dane­ben noch genug Platz für die Werkzeugleisten und Photoshop-Paletten ist. Das ist eben­falls gut im Video zu erken­nen, wenn ich ins Bild zoo­me. Außerdem ist der Monitor sehr farb­ge­n­au und hat eine smatt­schwar­ze Abdeckung an den Rändern, die seit­li­ch oder von oben ein­fal­len­des Licht vom Monitor abhält.

Falls Euch das Thema „Tutorial-Videos“ inter­es­siert, wer­de ich das ger­ne wei­ter ver­fol­gen. Möglich wären zum Beispiel Videos mit einer Erklärung mei­ner­seits, war­um ich wel­che Arbeitsschritte wann und wie mache, eine bes­se­re Auflösung des Videos, ande­re Motive, die ande­re Arten der Bildbearbeitung erfor­dern und so wei­ter.

Deshalb: Gebt mir Feedback! Je nach­dem, wie es aus­fällt, wird es viel­leicht mehr, bes­se­re und ande­re Videos geben.

Was wür­det ihr ger­ne von mir als Video, Tutorial oder Screencast sehen?

* = Affiliate-Link