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Das erfolgreiche „Zwischendurch-Stock-Portfolio“ (Gastartikel)

Während ich hauptberuflich an meinem Stock-Portfolio arbeite, gibt es auch viele Anbieter, welche nur „nebenbei“ einige Fotos hochladen, vor allem Urlaubsbilder und manchmal auch exklusiv sind, weil ihnen die Zeit fehlt, nach ihrem Hauptberuf mehr Zeit in die Stockfotografie zu stecken.

Einer dieser Leute, Tim David Müller-Zitzke aus Bremerhaven, ist einer davon und sogar sehr erfolgreich.  Deshalb habe ich ihn gebeten, mal zu schreiben, wie er an die Sache herangeht. Hier sein Artikel:

Der 01. Mai 2012 ist der Tag, an dem mein Account bei Fotolia aktiviert worden ist. Von dort an hat sich für mich aus einer Freizeitbeschäftigung eine Tätigkeit entwickelt, die mein Dasein als Fotograf, Filmproduzent und Digital Artist um ein weiteres finanzielles Standbein ergänzt hat.

Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden
Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden.

Was beim Betrachten meines Portfolios vermutlich auffällt, ist, dass es sehr bunt gemischt ist und es äußerst wenige Fotos von Personen beinhaltet. Es ist so gemischt, dass es sich fast annehmen lässt, dass zumindest einige meiner Fotos, „zwischendurch“ entstanden sein müssen. Diese Annahme ist zutreffend und gilt sogar für einige meiner Bestseller. Dennoch konnte ich schon einige tausend Lizenzverkäufe mit meinem Fotolia-Account erreichen. Robert bat mir an, ein wenig über diese „etwas andere“ Art der Stockfotografie zu berichten und das mache ich natürlich gerne.

Vor kurzem erst habe ich mit einer Gestalterin gesprochen, die eine komplette Webseite ausschließlich mit Bildern aus meinem Portfolio illustriert hatte. Zu unterschiedlichsten Themen war sie bei mir fündig geworden – mal mit repräsentativen Darstellungen, mal mit konzeptionellen Symbolbildern. Dies war wohl möglich, weil ich meine Stockfotografie bisher weder vom fotografischen Stil her noch thematisch einer bestimmten Richtung verpflichtet habe. Darüber hinaus biete ich fast nur Einzelbilder und somit wenig Serien an. Das kann aber durchaus auch ein Nachteil sein, wenn ein Kunde Motiv-Variationen braucht oder mehrere ähnliche Themen im gleichen Stil abdecken möchte. Dass ich kaum Serien produziere, liegt auch daran, dass ich meine einzelnen Fotos relativ lange und aufwändig bearbeite, teilweise inklusive Compositing, und somit auch aus Effizienzgründen einfach weniger auf „Serienproduktionen“ setze.

Am Tag meines Umzugs habe ich dieses Foto aufgenommen, bevor ich den Raum später mit Kisten und Einrichtungsgegenständen vollgestellt habe.
Am Tag meines Umzugs habe ich dieses Foto aufgenommen, bevor ich den Raum später mit Kisten und Einrichtungsgegenständen vollgestellt habe.

Zu Anfang meiner Zeit bei Fotolia habe ich häufig Urlaubsfotos hochgeladen. Doch auch jetzt noch zeigen viele meiner angebotenen Fotos Städte und Landschaften, andere zeigen Gegenstände, die ich im Studio oder anderswo fotografiert habe, z.B. auf Jahrmärkten. Personen hingegen sind kaum zu finden. Ich bin bisher eher selten wirklich los gezogen, um direkt für mein Stock-Portfolio zu produzieren – was ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal zu meinen hauptberuflichen Stock-Kollegen darstellen dürfte.

Dafür aber habe ich im Laufe der Zeit ein Gefühl dafür entwickelt, welche Motive in Stockagenturen gefragt sind und behalte das im Hinterkopf, wann immer ich die Kamera irgendwo hin einpacke.
Die meisten meiner bisherigen Stockfotos sind auf Städtetouren, in Urlauben oder aber am Rande von Aufträgen entstanden. Viele meiner Fotos nehme ich für Tourismus-Unternehmen, Hotelerie oder andere Business-Kunden auf. Andere biete ich später erst zum Direktkauf an und nehme nach dem Shoot Kontakt mit potentiellen Abnehmern, z.B. Postkarten-Verlagen auf. Man kann also bei einigen meiner Fotolia-Motive durchaus auch von einer Zweitverwendung sprechen.

Ein Städtetrip nach Hamburg geht immer! Ebenso gut verkauft sich dieses Motiv.

Im Vergleich zu einem „typischen“ Stock-Shooting – zum Beispiel von Robert – mit ausgesuchten Models, Locations und viel, viel Vorbereitung, hält sich mein Aufwand für Fotolia bisher eher in Grenzen. Auch finanziell. Da ich für meine Motive sowieso an Ort und Stelle bin, muss ich oftmals keine größeren Investitionen tätigen als beispielsweise den Eintrittspreis zu einer Aussichtsplattform. Entsprechend minimiert sich somit auch mein Risiko für den Fall, dass ich später auf den Bildern „sitzen bleibe“.

Im Austausch mit anderen Stockfotografen hat sich die thematische Streuung auch im Verkauf immer wieder als vorteilhaft heraus gestellt. Ich bin sowohl von aktuellen Themen-Trends als auch von den Jahreszeiten sehr viel weniger abhängig als meine Kollegen. Und dann wäre da noch der künstlerische Faktor: Ich nutze bei der Aufnahme meiner Bilder gerne erweiterte Fotografe-Techniken, wie zum Beispiel die Langzeitbelichtung oder ich erstelle Compositings in Photoshop. Diese Bilder verkaufen sich erfahrungsgemäß besonders gut. Wohl aber abhängig bin ich natürlich von der allgemeinen Kauflaune der Bildkäufer, die zum Beispiel im Sommer deutlich geringer ausfällt.

Einer meiner Bestseller: Dieses Motiv entstand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.
Einer meiner Bestseller: Dieses Motiv entstand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.

Ebenso deutlich macht sich bemerkbar, wenn Fotolia Änderungen an den Preismodellen oder der Verkaufsstrategie vornimmt, die uns Anbieter logischerweise immer direkt mit betreffen. Dazu zählt auch das Abo-Modell, das immer verbreiteter ist – was bei vielen Stockfotografen für erhebliche Umsatzeinbrüche sorgt.

Eine weitere Schwierigkeit für mich stellt die Selektion der Bildagentur dar: Landschaftsbilder haben es erfahrungsgemäß schwerer, angenommen zu werden. Doch wenn sie es dann durch die Selektion schaffen, werden sie meist sehr gut angenommen.
Man muss jedoch auch festhalten, dass mein aktuelles Portfolio bei Fotolia bisher nur 851 Aufnahmen beträgt und die Stockfotografie wie gesagt immer noch eine Nebeneinnahme für mich darstellt.

Ein extra für Fotolia erstelltes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.
Ein extra für Fotolia erstelltes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.

Ich bin Student der Digitalen Medienproduktion im 6. Semester und arbeite, wie schon erwähnt, parallel im Bereich Fotografie und Film. Dennoch stehe ich kurz vor dem Fotolia Status „Gold“ (10.000 verkaufte Lizenzen) und bin voll exklusiv. Falls das jemanden interessieren sollte: Die Exklusivität ist schlichtweg der Einfachheit geschuldet – bislang fehlten mir die zeitlichen Ressourcen, um mich um mehrere Agenturen kümmern zu können.

Über meinen Verdienst kann ich mich, obwohl ich ja nur ein „kleiner Fisch“ bin, nicht beschweren. Mit 11,4 Verkäufen pro Bild liege ich leicht über dem Durchschnitt. Mit den Einnahmen von Fotolia konnte ich zum Beispiel schon seit Anfang des Studiums meine Miete bezahlen – also nur 1,5 Jahre nach meinem Debüt in der Stockfotografie. Dadurch blieb mir ein „Themen-entfernter“ Nebenjob erspart und ich konnte mich trotz Uni weiter auf die Fotografie und somit auch wieder auf Stockfotografie konzentrieren.

Mein bisheriger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer vielseitig einsetzbar zum Thema Fotografie.
Mein bisheriger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer vielseitig einsetzbar zum Thema Fotografie.

Momentan bereite ich mich darauf vor, mein Stock Portfolio weiter auszubauen und das Modell dann auch im größeren Rahmen zu testen. Da ich in den vergangenen vier Jahren ein Gefühl dafür entwickeln konnte, welche Motive sich im Stockbereich verkaufen, werde Ich wohl in Zukunft auch direkter für mein Portfolio produzieren. Doch den Anfang macht die Postproduktion: Auf meinen Festplatten wartet ein riesiges Foto-Archiv mit unangetasteten Rohdateien aus den 2 letzten Jahren, für deren Bearbeitung ich aufgrund anderer Projekte zuletzt keine Zeit mehr hatte. Außerdem habe ich durch meine Arbeit mit Film und Bewegtbild ein weiteres Verkaufsfeld für mein Portfolio entdeckt. Gerne berichte ich in Zukunft einmal, wie es damit weiter geht.

Hier noch der Link zu meinem Fotolia-Portfolio und der Link zu meiner Website und meiner Facebook-Seite.

Sechs Jahre Microstock – Meine Zahlen und Erfahrungen

Die letzten Monate wurde ich gefragt, ob ich auch dieses Jahr wieder meine Zahlen aus dem Microstock-Business veröffentlichen werde. Ich habe damit einige Monate gezögert, aber dazu später.

Dabei geben die Zahlen keinen Anlass zur Sorge.

Auch dieses Jahr werte ich nur die fünf besten meiner Microstock-Agenturen aus. Das sind Fotolia*, Shutterstock*, 123rf*, Dreamstime* und Bigstock*, die zu Shutterstock gehören.

iStock* werte ich dieses Mal nicht mehr aus, weil deren Umsätze kontinuierlich gesunken sind und nun auf Platz 8 meiner einnahmestärksten Agenturen gelandet sind. Dafür, dass ich dort jedoch seit ca. drei Jahren nichts mehr hochlade und 40% meiner Bilder gelöscht habe, halte ich das aber ehrlich gesagt für eine beeindruckende Leistung.

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Aktiv beliefere ich momentan 16 Agenturen halbwegs regelmäßig. Es sind fünf Agenturen weggefallen, bei denen sich der Ertrag im Verhältnis zum Aufwand nicht mehr gelohnt hat oder wo es andere Gründe gab, diese nicht mehr zu beliefern. Dazugekommen sind in der gleichen Zeit nur zwei Agenturen. Die berücksichtigten 5 Agenturen erwirtschaften aber über 85% meines Gesamtumsatzes.

Die hier im Artikel genannten Zahlen beziehen sich auf die Zeit vom Juli 2013 bis Juni 2014 und schließen wieder nahtlos an die Auswertung vom Vorjahr an. Wer die komplette Entwicklung nachlesen will, findet hier die Ergebnisse nach dem ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Jahr Microstock.

Portfolio-Größe

Die Anzahl meiner Bilder bei den Agenturen steigt weiterhin ziemlich gleichmäßig. Die Zahlen in Klammern zeigen die Veränderung zum Vorjahr auf. Bei Fotolia hatte ich Ende Juni 13304 Bilder online (+2815), bei Shutterstock sind es 10056 gewesen (+1975), 123rf kam auf 10145 Bilder (+2193), das Portfolio bei Dreamstime enthält 9716 Bilder (+1898) und Bigstock hat 9958 Bilder von mir (+1896).

Im Schnitt habe ich ca. 165 neue Bilder pro Monat hochgeladen, wobei Fotolia zusätzlich ca. 20% exklusives Material von mir erhält. 200 Bilder pro Monat, wie in dieser Rechnung, sind also machbar.

Verkäufe

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Wie viele Verkäufe konnte eine Agentur letztes Jahr mit meinen Bildern pro Monat im Durchschnitt erzielen? Die Zahlen in Klammern zeigen die Veränderung zum Vorjahr an. Wie zu erwarten liegt Shutterstock als Abo-Agentur bei der Anzahl der Verkäufe mit 7539 weit vorne (+2087). Danach folgt Fotolia mit 5803 Verkäufen (+973). Auf Platz drei liegt 123rf mit 1059 Sales (+339), dicht gefolgt von Bigstock mit 705 Verkäufen (+483). Auf dem fünften Platz liegt diesmal Dreamstime mit 658 Sales (+176). Zusammen wurden also im letzten Jahr über 15.000 Bilder von mir pro Monat verkauft. Eine Summe, die ich mir zu Beginn nicht zu erträumen gewagt hätte.

Umsätze

Im letzten Bericht hatte ich die Befürchtung geäußert, dass das Ende der Fahnenstange bei meinen Umsatzsteigerungen erreicht sein könnte. Diese Befürchtung hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Meine Umsätze steigen regelmäßig weiter, aber ich habe mich nach langem Zögern entschieden, keine konkreten Umsatzzahlen mehr zu veröffentlichen.

Viele in meinem Freundes- und Bekanntenkreis fanden es schon seit Jahren befremdlich, dass ich so offen über meine Einnahmen schreibe. Ich habe es trotzdem gemacht, weil es für mich ein Experiment war, ob sich mit der Microstock-Fotografie wirklich Geld verdienen lässt. An diesem Experiment wollte ich euch als Leser teilhaben lassen. Ich denke, den Erfolg des Experiments habe ich spätestens im obigen Bericht bewiesen.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der reißerisch betitelte Artikel „So verdient man 10.000 Euro monatlich mit Stockfotos“ von Online Marketing Rockstars, der textgleich auch in der t3n und der Gründerszene veröffentlicht wurde. Ich habe der Autorin ausdrücklich erklärt, dass ich das Interview nur geben möchte, wenn meine Einnahmen nicht im Vordergrund stünden. Solche Überschriften sind dann das Ergebnis.

Ich möchte nicht auf meine Umsätze reduziert werden, denn damit könnte der Eindruck erweckt werden, Microstock sei eine dieser Methoden zum „Geld verdienen im Schlaf“. Das stimmt nicht. Es ist immer noch möglich, ins Microstock-Business einzusteigen, aber die Konkurrenz ist im Vergleich zu meinem Beginn vor sechs Jahren härter geworden. Wer Erfolg haben will, braucht Durchhaltevermögen und Disziplin. Zwei Jahre mindestens, eher drei bis vier Jahre, bevor sich die Investition lohnt. Das schaffen nur wenige.

Außerdem sah die Journalistin – auch auf konkrete Hinweise von mir – nicht ein, den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn verstehen zu wollen und die Überschrift dahingehend abzuändern. Damit werden unnötig falsche Hoffnungen geweckt, denn um solche Umsätze zu erzielen, gehören auch hohe Investitionen dazu. Es ist bestimmt kein Zufall, dass die Shootings, mit denen ich am meisten Geld verdiene, gleichzeitig die sind, welche mich am meisten gekostet haben. Bevor ich jetzt aber detailliert öffentlich meine Ausgaben gegenrechne, um die Umsätze in den passenden Kontext zu stellen, lasse ich es ganz bleiben.

Anreize

Die Bildagenturen haben verschiedene Mechanismen, um ihre Fotografen zu motivieren und zu belohnen.

Fotolia hat ein Ranking, in dem man höher steigt, je mehr Bilder man verkauft. In jedem Level erhält man mehr Prozente pro Verkauf. Mitte letzten Jahres habe ich das Saphir-Level erreicht, was dem fünften von acht möglichen Leveln entspricht. Meinem Ranking-Rechner zufolge wird es aber bestimmt noch ca. ein Jahr dauern, bis ich das sechste Level Rubin erreicht habe. Da gibt es weltweit aber auch nur fünf Fotografen, die das schon geschafft haben.

Shutterstock hat ein anderes System. Anfangs bringt jedes verkaufte Foto dem Fotografen 0,25 US-Dollar. Wer mehr als 500 US-Dollar eingenommen hat, bekommt danach pro Verkauf 0,33 USD, bei mehr als 3000 USD Umsatz dann 0,36 USD pro Verkauf. Nach insgesamt 10.000 USD Verkaufserlösen bekommt man 0,38 USD pro Verkauf. Diese Hürde habe ich schon vor vier Jahren genommen und stagniere auf hohem Niveau.

Dreamstime hat wieder eine andere Struktur. Je häufiger ein Foto verkauft wurde, desto teurer wird es. Hier haben 84 meiner Fotos das höchste Level 5 erreicht.

123rf hat erst im Januar 2013 ein Ranking-System eingeführt. Hier zählen die Verkäufe der letzten 12 Monate. Je mehr Verkäufe, desto höher das Level und damit verbunden die Prozente, die man pro Verkauf erhält. Dort bin ich 2013 ins Level 5 (von ingesamt 10) eingestiegen und habe aktuell das Level 6 inne. Das Level 7 werde ich aber voraussichtlich eine Weile nicht erreichen.

Bigstock hat meines Wissens kein Ranking-System.

Mitmachen

Wer jetzt Lust bekommen hat, sein eigenes Experiment zu wagen, kann sich über folgende Affiliate-Links bei den Bildagenturen anmelden:

Übrigens: Wer selbst ausrechnen will, wie viel er im nächsten Jahr mit seinen Fotos verdienen könnte, kann meinen kostenlosen “Stock Photography Income Calculator” benutzen.

Wie lief euer letztes Microstock-Jahr? Wie schätzt ihr die Zukunft ein?

* Affiliate

Frag den Fotograf: Ranking verbessern bei Bildagenturen?

Ich habe wieder eine interessante Frage per Email bekommen, die ich gerne im Blog beantworten möchte. Matthias schrieb mir vor paar Tagen:

„Hi Robert,

ich verfolge deinen Blog immer wieder gerne. Ich habe selbst einen Portfolio von 1800 Fotos und Illustrationen bei Fotolia. Mich trennen noch 500 Bilder vom Gold-Status. Nun meine Fragen:

Beeinflusst der Status in irgendeiner Weise das Ranking und damit auch den Verkauf der Bilder? D.h. werden mit Gold Status meine Bilder weiter vorne gelistet, als mit Silber Status?

Beeinflusst es das Ranking, wenn man Bilder vollexklusiv anbietet?

Kann man Bilder revitalisieren, die vor ein paar Monaten richtig gut gekauft wurden und jetzt überhaupt nicht mehr?

Z.B. löschen und wieder hochladen oder die Verschlagwortungsreihenfolge ändern?

Was mir noch aufgefallen ist:

Wenn ich eine Serie mit ähnlichen Bildern hochlade und ich alle mit den selben Begriffen verschlagworte, dann findet meistens nur ein Bild Beachtung (wird vermehrt gekauft), obwohl sich alle qualitativ nicht unterscheiden. Wenn ich versuche für jedes Bild andere Schlagworte zu verwenden finden mehrere Bilder Beachtung(werden die anderen auch gekauft). Ist dir das auch aufgefallen?

Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen. Du kannst natürlich diese Fragen auch im Blog verwerten, falls diese noch nicht irgendwann mal behandelt wurden.

Beste Grüße,
Mathias“

Fangen wir mit der ersten Frage an, ob das Ranking die Anzeige der Bilder bei den Suchergebnissen beeinflusst? Ich glaube, ja. Das ist aber nur eine Vermutung, weil die genauen Details vom Algorithmus geheim sind. Es ist aber weniger das Ranking allein, sondern mehr eine Art „Portfolio-Ranking„, wo neben dem Ranking auch noch andere Faktoren wie Verkäufe, Regelmäßigkeit der Uploads und so weiter eine Rolle spielen.

Zur zweiten Frage: Macht es einen Unterschied, ob Bilder exklusiv oder nicht verkauft werden? Ich glaube mittlerweile, dass das nicht mehr der Fall ist. Das mag vor einigen Monaten noch anders gewesen sein, aber die Bildagenturen scheinen auf exklusive Fotografen nicht mehr so viel Rücksicht wie früher zu nehmen. Der wichtigste Unterschied momentan ist wohl, dass die exklusiven Fotografen früher die Preise für ihre Bilder hochsetzen können und damit pro Verkauf mehr Erlös erzielen.

Die dritte Frage: Lassen sich unverkäufliche Bilder revitalisieren? Ja, und die beiden Antworten hatte Matthias gleich mitgeliefert. Löschen oder Keyword-Reihenfolge ändern. Das Löschen alter Bilder hat aber einige Nachteile: Zum einen macht es Arbeit und es ist nicht garantiert, dass die alten Bilder bei einer erneuten Bildprüfung auch wieder angenommen werden. Die absolute Größe des Portfolios spielt meines Erachtens auch eine Rolle beim Suchranking, weshalb das Löschen deshalb kontraproduktiv sein könnte.

Das Ändern der Keyword-Reihenfolge hingegen ist eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, Bildern neues Leben einzuhauchen. Dafür müssen einfach 3-4 Begriffe, die am besten auf das Foto zutreffen, ganz nach oben sortiert werden, damit diese bei den Suchergebnissen eine größere Rolle spielen. Wenn die Sortierung der Suchwörter bei den alten Fotos jedoch schon sehr gut war, wird diese Option kaum einen Unterschied machen.

Zur vierten und letzten Frage: Sind verschiedene Suchbegriffe bei sehr ähnlichen Fotos sinnvoll? Ja. Ganz einfach darum, weil ein Käufer, der ein Bild zu einem bestimmten Begriff sucht, nicht gleich deshalb mehr kauf als geplant, nur weil im mehr angezeigt werden. Er hat dann nur mehr Auswahl. Werden aber unterschiedliche Begriffe genutzt, werden die Bilder nicht alle dem gleichen Käufer angezeigt, sondern unterschiedlichen Käufern auf der Suche nach verschiedenen Motiven, was die Wahrscheinlichkeit auf mehr Verkäufe erhöht.

Was sagt ihr zu den Fragen? Wie schätzt ihr das ein und welche Tipps würdet ihr geben?

Fünf Jahre Microstock – Meine Umsätze und andere Zahlen

Wow, es ist schon ein kleines Jubiläum. Seit fünf Jahren verkaufe ich meine Fotos auch über Microstock-Bildagenturen und deshalb gibt es nach dem fünften Jahr auch wieder meine Auswertung der Umsätze und so weiter.

Bei meiner Rückschau berücksichtige ich nur die fünf größten Microstock-Agenturen – also Fotolia*, Shutterstock*, Dreamstime*, 123rf* und iStockphoto*. Letztere beliefere ich nicht mehr, aber trotzdem kommen noch regelmäßig Einnahmen hinzu, weshalb ich sie weiterhin mit anführe. Insgesamt beliefere ich momentan aktiv mehr oder weniger regelmäßig 19 Bildagenturen, sowohl im Microstock- als auch im Macrostock-Bereich, wobei der Großteil der Einnahmen schon von den genannten fünf Agenturen kommt.

Die genannten Zahlen beziehen sich alle auf den Zeitraum Juli 2012 bis Juni 2013 und schließen damit nahtlos an die Auswertung des Vorjahres an. Die Auswertung erfolgt wieder mit dem großartigen Analyse-Tool Stock Performer. Wer nachlesen will, findet hier die Ergebnisse nach dem ersten, zweiten, dritten und vierten Jahr Microstock.

Portfolio-Größe

Mein Portfolio (Klick auf das Bild liefert größere Ansicht) ist relativ gleichmäßig angestiegen. Bei Fotolia hatte ich Ende Juni 10.489 Bilder online, davon ca. 2.100 Bilder exklusiv. Shutterstock hatte 8.081 Files online, Dreamstime 7.818 und 123rf hatte 7.952. Meine Bilder bei iStockphoto habe ich von 1.380 auf 833 Bilder reduziert, weil ich nicht möchte, dass diese bei Thinkstock verscherbelt werden.

Verkäufe

Am stärksten haben die Downloads per Shutterstock angezogen, dort hatte in den letzten 12 Monaten im Durchschnitt 5452 Downloads. Das sind ca. 2.000 mehr als noch im Jahr davor. Bei Fotolia ist der Anstieg geringer, hier hatte ich im Schnitt 4830 Downloads, ca. 1.400 mehr als im Jahr zuvor. 123rf holt stark auf mit 720 Downloads pro Monat und überholt damit locker Dreamstime mit ihren 482 Verkäufen im Monat. Letztes Jahr waren beide noch gleichauf bei mir. iStockphoto erwirtschaftet (mit Partnerprogramm) immer noch 450 Downloads, erstaunlicherweise mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr, trotz weniger Bildern im Portfolio.

Umsätze


Kommen wir zum spannenden Teil: Den Einnahmen. Wieder bringt ein Klick auf die Grafik eine größere Ansicht der Statistik. In der Tabelle oben sind die Einnahmen in US-Dollar angegeben, ich rechne diese für den Artikel jedoch in Euro um (außer bei Fotolia, dort werde ich sowieso in Euro ausgezahlt). Bei Fotolia habe ich in den letzten 12 Monaten durchschnittlich 6.423 Euro pro Monat verdient, das sind ca. 1.500 Euro mehr als im Jahr davor. Shutterstock brachte mir im Monat ca. 2.934 Euro ein, ca. 1.100 Euro mehr als im Vorjahr. Dreamstime erwirtschaftete 531 Euro im Monat, 123rf trotz deutlich mehr Verkäufen aber nur 394 Euro. Daran zeigt sich gut der Effekt der „durchschnittlichen Verkaufserlöse„, die ich hier beschrieben habe. iStockphoto schlägt sich wacker und trägt noch 242 Euro im Monat bei. Das bedeutet, dass iStockphoto es geschafft hat, trotz eingestellter Bildlieferung und der Löschung von ca. 500 Fotos ein Umsatzplus von ca. 33% zu erwirtschaften.

Insgesamt sind das ca. 10.524 Euro im Monat. Ein stolzer Wert, den ich mir selbst für fünf Jahren nie erträumt hätte. Dieser Wert zeigt auch, dass Disziplin und ein langer Atem notwendig ist, um mit der Stockfotografie Erfolg zu haben. Als ich nach dem ersten Jahr Bilanz zog und nur 315 Euro pro Monat verdiente, gab es viele Kommentare nach dem Motto „Rentiert sich das?“ Die Antwort lautet: Ja, aber erst auf lange Sicht.

Das scheint jedoch langsam das Ende der Fahnenstange zu sein. letztes Jahr hatte ich noch eine Umsatzsteigerung von über 50% im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Jahr waren es „nur“ noch knapp 30% Wachstum. Das liegt vor allem daran, dass die Verkäufe und Umsätze bei Fotolia – wenn auch auf einem hohen Niveau – seit paar Monaten stagnieren. Vielleicht ist die Suchumstellung der Grund dafür? Eine andere Möglichkeit ist, dass meine älteren Microstock-Bilder langsam das Ende ihres Lebenszyklus‘ erreichen.

Langfristige Umsatzentwicklung

Nach fünf Jahren kann man auch kurz zurück schauen und sich die Entwicklung der Umsätze ansehen. Meine durchschnittlichen monatlichen Gesamteinnahmen in Euro bei den fünf Agenturen sahen in den fünf Jahren so aus:

An dieser Stelle kann ich übrigens diesen ausführlichen Artikel meines Stockfoto-Kollegen Michael Zwahlen empfehlen. Er war lange exklusiver Fotograf bei iStockphoto und hat sich vor sechs Monaten entschieden, diese Exklusivität aufzugeben. Im Artikel zieht er eine erste Halbjahresbilanz über die Tücken und Konsequenzen seiner Entscheidung.

Ziele und Aussichten

Habe ich die Ziele erreicht, die ich mir letztes Jahr gesetzt habe? Bei der Portfolio-Größe wollte ich 8000 Bilder pro Agentur und 11.000 Fotos bei Fotolia haben. Beides habe ich knapp verfehlt, nur bei Shutterstock bin ich auf die 8.000 gekommen. Als Umsatzmarke setzte ich mir ein Ziel von 10.000 Euro im Monat, was ich glücklicherweise erreicht habe. Den Saphir-Status bei Fotolia wollte ich ebenfalls erreichen, was ich haarscharf kurz vor der Zielgeraden geschafft habe.

Meine neuen Ziele? Es sollten 10.000 Files pro Agentur machbar sein und 13.000 Files bei Fotolia. Beim Umsatz will ich monatlich die 12.500 Euro-Marke knacken.

Mitmachen

Wer jetzt Lust bekommen hat, sein eigenes Experiment zu wagen, kann sich über folgende Affiliate-Links bei den Bildagenturen anmelden:

Übrigens: Wer selbst ausrechnen will, wie viel er im nächsten Jahr mit seinen Fotos verdienen könnte, kann meinen kostenlosen “Stock Photography Income Calculator” benutzen.

Wie hat sich euer letztes Microstock-Jahr entwickelt? Gerne auch im Vergleich zu den Jahren davor.

* Affiliate

Sollte man alte Bilder aus seinem Agentur-Portfolio löschen?

Eine Frage, die Stockfotografen häufig diskutieren, ist, ob man seine alten, unverkauften Fotos aus seinem Bildbestand löschen sollte oder lieber nicht. In einer Facebook-Gruppe gab es neulich wieder eine lange Diskussion, deren Essenz ich heute zusammenfassen will.

Welche Vorteile gibt es, Fotos aus seinem Portfolio zu löschen?

Fangen wir mit den Vorteilen an: Wer sein Portfolio regelmäßig von alten Bildern befreit, welche sich in mehrere Jahre lang noch nie verkauft haben und die einem mittlerweile peinlich sind, weil man als Fotograf dazugelernt hat, erhält ein auf den ersten Blick beeindruckenderes Portfolio.

Sinnvoll kann das vor allem auch bei Serien sein. Wenn sich aus einer Serie abzeichnet,  dass bestimmte Motive gefragter sind als andere, hilft eine Löschung der „schlechteren“ Motive, die Verkäufe auf weniger Bilder zu vereinen, was die betreffenden Bilder im Ranking der Suchalgorithmen bevorzugt, was wiederum zu mehr Verkäufen führt.

Ein weiterer Vorteil ist der Anblick eines von „Dateileichen“ gereinigten Portfolios für den Bildkäufer, der so leichter die gut gehenden Bilder finden kann und deshalb vielleicht eher bereit ist, sich das Portfolio für einen Direktzugriff zu speichern.

Es wird gemutmaßt, dass es auch eine Art „Portfolio-Ranking“ geben könnte, welches bewirke, dass Bilder eines Portfolios, welches ein besseres Verhältnis von Ansichten zu Verkäufen (Views-Sales-Ratio) hat, prominenter in den Suchergebnissen der Bildagenturen angezeigt werden. Wer unverkaufte Bilder aus seinem Portfolio löscht, verbessert dieses Verhältnis automatisch. Ob es das ominöse Ranking jedoch gibt, konnte meines Wissens noch kein Stockfotograf nachweisen.

Einige Fotografen betonen auch die psychologische Wirkung einer „Aufräumaktion“, weil man sich danach befreiter fühlt und das Portfolio geordneter aussieht. Das ist jedoch ein Effekt, den ich aus wirtschaftlicher Sicht vernachlässigen würde.

Welche Nachteile hat das Löschen alter Bilder aus seinem Portfolio?

Der größte Nachteil einer Löschaktion liegt auf der Hand: Ein Bild, was nicht in der Bildagentur vorhanden ist, kann vom Kunden nicht gekauft werden. Da für den Fotografen weder Kosten für den Speicherplatz noch für die Serverwartung o.ä. anfallen, tendiere ich dazu, dem „Long-Tail“-Gedanken zu folgen, wonach man auch Geld verdienen kann, wenn man ganz viele Bilder hat, die nur sehr selten verkauft werden. Ich glaube, der passende altdeutsche Spruch dafür lautet: „Kleinvieh macht auch Mist“.

Ein weiterer logischer Nachteil ist die benötigte Zeit. In der Zeit, die ein Fotograf braucht, um 100 alte Bilder aus seinem Bildbestand zu löschen, hätte er einige komplett neue Bilder machen können, welche die Chance haben könnten, neue Bestseller zu werden.

Die meisten Käufer interessieren sich auch nicht dafür, wie das Portfolio eines Fotografen aussieht, denn sie brauchen in bestimmtes Motiv, welches sie mit Suchbegriffen über die Suchfunktion finden. Nur wenn sie Serien oder weitere Varianten eines Motivs brauchen, durchstöbern sie das Portfolio eines Fotografen, nutzen dann aber eher – je nach Agentur – die „Sortieren nach Datum“ oder „Mehr Bilder des gleichen Models“ oder „Mehr Bilder der Serie“-Funktion.

Im Gegensatz zum vermuteten Portfolio-Ranking gibt es vielleicht auch ein Portfoliogröße-Ranking, welches einfach Portfolios bevorzugt, wenn sie größer als andere sind. Das ist zwar auch nicht bestätigt, jedoch glaube ich daran mehr als an das andere Ranking.

Ausnahmen und meine Herangehensweise

Eine klare Ausnahme, die eindeutig für das Löschen bestimmter Bilder spricht, ist, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Bild rechtliche Probleme bereiten könnte, weil Logos, Markennamen oder andere geschützte Elemente abgebildet sind, die damals übersehen wurden. Manchmal ändert sich auch die Rechtslage und damals „rechtlich sichere“ Motive werden plötzlich unerwünscht.

Manchmal empfiehlt es sich auch, Bilder zu löschen, wenn sich herausstellt, dass wichtige Suchbegriffe bei einem Foto vergessen wurden und man bei der Bildagentur (zum Beispiel bei Fotolia) nachträglich keine neuen Keywords eintragen kann.

Ich selbst lösche – bis aus die genannten Ausnahmen – keine alten Fotos, hauptsächlich deshalb, weil es mich Zeit kosten würde und ich den erwähnten Long-Tail-Ansatz für plausibel halte.

Wie haltet ihr das? Löscht ihr alte Fotos oder nicht? Und warum?