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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 48

Willkommen bei der nächsten Folge von „Pimp My Stock„, wo ich eingereichte Bilder auf ihre „Stock-Tauglichkeit“ beurteile. Es geht also weniger darum, ob die Bilder schön sind, sondern ob sie sich verkaufen lassen könnten.

Heute ist Uwe an der Reihe, welcher mit vor wenigen Tagen schrieb:

„Hallo Robert,

ich verfolge Dein Blog schon eine ganze Weile. An der Stelle möchte ich erst mal Danke sagen für die vielen lesenswerten Artikel.

Vor einiger Zeit habe ich beschlossen die bei mir schlummernden Bildbestände mal zu sichten und zu schauen ob man damit evtl. im Stock-Bereich etwas erreichen kann, um da ggfs. zukünftig mehr Zeit in dieses Thema zu investieren.

Ich knipse seit meiner Jugend, ernsthaft eingestiegen in das Thema Fotografie bin ich um die Jahrtausendwende herum, seit 2004 weitestgehend digital, eigentlich immer mit Spiegelreflex-Technik. Diverse Kompakte sind zwar immer mal im Hause, aber mehr so als Immerdabei-Knipse. So richtig anfreunden kann ich mich mit den kleinen Dingern irgendwie nicht….

Ich nutze aktuell eine 5D III. Dazu (wahrscheinlich viel zu viele) Linsen von Canon (meistens Ls) von 16 bis 400mm plus dem üblichen Geraffel wie Blitze, Filter, Stative, etc. Die Bildbearbeitung erfolgt zu 99% in Lightroom, ggfs. noch Nacharbeiten in Photoshop. Die im Stockbereich eingereichten Bilder kamen bisher fast immer komplett aus Lightroom.

Da meine Bilder ja nicht primär für den Stock-Markt gedacht waren und es auch nicht unbedingt die Motive sind, die sich wie geschnitten Brot verkaufen, hatte ich da schon mit einer hohen Ablehnungsquote gerechnet. Und die ist bei Fotolia auch relativ hoch, allerdings werden die meisten Bilder wegen technischer Probleme abgelehnt, nicht wegen Ähnlichkeit, etc. Fotolia ist dabei leider nicht sonderlich hilfreich, wenn es um den genauen Ablehnungsgrund geht. Es gibt nur die üblichen eMails mit der Aufzählung der technischen Ablehnungsgründe ohne einen davon konkret zu benennen.

Es würde mich freuen wenn Du Dir die Zeit nehmen würdest um meine Bilder mit Deiner professionellen Sicht zu beurteilen. Da mich nicht nur interessiert was ich falsch mache sondern auch was ich richtig mache habe ich in die Bilder ein paar Aufnahmen mit dazu gepackt, die angenommen wurden und auch gut laufen. Welche das sind würde ich gern erst hinterher verraten.

Falls Du Dir einige technische Details wie Schärfe, etc. genauer ansehen möchtest, dann sag bitte kurz Bescheid und ich packe Dir dann die Bilder noch in 1:1-Auflösung ins Netz.

Ich danke Dir vorab für Deine Zeit und Deine Mühen. Viel Spaß beim Draufhauen!

Gruss Uwe“

Schauen wir uns zuerst mal seine Bilder an.

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Zuerst ist der Lilienstein im Elbtal mit der Friedrichsburg zu sehen. Mir gefällt die spannende Komposition, die zwar die den Horizont klassisch drittelt, aber das Hauptmotiv scharf rechts anordnet und durch den Flussverlauf und die Berge im Hintergrund eine beachtliche Tiefenwirkung erzielt. Der Sonnenuntergang mit dem Lensflare direkt neben dem Hauptmotiv ist ein gelungenes i-Tüpfelchen und die satten, vielfältigen Farben tragen ebenfalls zum tollen Bild bei. Dieses Bild lässt sich prima für Hessen-Werbung oder generell für deutsche Reiseführer verwenden oder auch für Poster, Hintergründe, Wander-Werbung und so weiter. Kann man kaum besser machen.

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Hier sieht es etwas anders aus. Der Surfer auf dem Wasser fällt kaum auf und ohne ihn wäre das Bild nur ein Matsch aus verschiedenen Blautönen. Der Himmel ist wolkenverhangen und müsste eindeutig blauer mit weißen Schäfchenwolken sein, um die Verkaufschancen zu erhöhen. Da es diese „Meer mit Himmel“-Bilder aber zuhauf gibt, wäre eine Fokussierung auf den Surfer lukrativer gewesen. Dafür ist er hier aber zu weit weg und das hätte ggf. auch einen Model Release erfordert.

Uwe war so freundlich, mir für eine noch genauere Kritik die Bilder in Originalauflösung (21,7 MP) bereitzustellen. Da sieht man – hier ein 100%-Ausschnitt – noch zwei weitere Probleme:

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Zum einen ist das Logo auf dem Surfsegel deutlich zwei Mal erkennbar, müsste also noch retuschiert werden und das Bild weist schon zu starke Artefakte auf, sieht aus wie eine Mischung aus starker Rauschreduzierung mit zu starker Nachschärfung.

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Dieses Bild finde ich ebenfalls toll. Zum einen ist „über den Wolken“ natürlich eine ungewöhnliche Perspektive, andererseits aber auch ein klassisches, und gut verkäufliches Symbol für Freiheit, Abenteuer, Reinheit und so weiter.

Im Gegensatz zum Surfer-Bild passt hier die monochrome Farbpalette und die Bergspitze verleiht dem Bild etwas Mystisches und Geheimnisvolles, weil man sich fast unweigerlich fragt, was sich unter den Wolken noch verbirgt.

Leider ist in der 100%-Ansicht ein ähnlicher Pixelmatsch wie beim Surferbild erkennbar, weshalb ich die Ablehnung trotzdem gut nachvollziehen kann. Hier würde ich noch mal dezent mit einem Rauschreduzierungstool rangehen und/oder die Pixelzahl von 22,1 MP auf 16 Megapixel verringern. Beides in Kombination sollte die störenden Bildfehler sichtbar verbessern.

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Eine weitere Bergaufnahme, bei der mir die Lichtstimmung sehr gut gefällt. Durch den kleinen Bergsteiger links unten bekommt das Bild auch die nötige Größenproportion, um sich das gewaltige Bergmassiv besser vorstellen zu können.

Auch wenn das Licht fotogen ist, ist es der Berg in dieser Ansicht nicht ganz so sehr wie – sagen wir mal – das Matterhorn oder der Fuji. In der 100%-Ansicht offenbart sich auch eine Art „Glow“ an den Rändern des Bergs, vielleicht zu stark nachgeschärft oder einfach zu kontrastreich für die Kamera bei dem Gegenlicht.

100%-Ausschnitt aus dem obigen Bild
100%-Ausschnitt aus dem obigen Bild

Auch hier könnte eine Verkleinerung des Bildes noch etwas retten.

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Das nächste Bild zeigt die Schrammsteine in der Sächsischen Schweiz mit einem Elbdampfer. Ich finde das Bild ehrlich gesagt etwas langweilig vom Bildaufbau und den Farben, aber es wurde von Fotolia angenommen, vielleicht auch, weil es ein sehr klassisches Postkartenmotiv ist.

Das Schiff auf dem Bild erhöht noch mal die Verkäuflichkeit, weil es so nicht nur die Natur bewerben kann, sondern auch Dampferfahrten und Urlaub sowie Tourismus generell.

Die beim vorigen Bild erwähnten leuchtenden Rändern an den Berggipfeln treten hier jedoch sogar noch stärker auf, was vermuten lässt, das der Bildredakteur beim vorigen Bild vielleicht nur einen schlechten Tag gehabt hat. Oder bei diesem Motiv wurde nicht genau hingeschaut.

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Diese Bergsilhouette wiederum wurde abgelehnt, was ebenfalls streitbar ist. Auch hier ist der Berg rechts nicht so „typisch“ in seiner Gestalt, was ein Ablehnungsgrund gewesen sein könnte. In der 100%-Ansicht konnte ich nichts finden, was ein definitiver Ausschlussgrund gewesen sein könnte. Zwar sind bei einigen der Baumumrisse rote Ränder zu sehen, was lichttechnisch bei so einer Gegenlichtaufnahme kaum zu vermeiden ist.

Ich hätte mich hier eher auf den Bereich links im Bild konzentriert, weil diese Art der Sonnenuntergangslandschaft deutlich klischeehafter und damit auch verkäuflich ist.

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Das Foto zeigt die Bastei mit der Basteibrücke. Traumhafte Farben, traumhaftes Licht, perfektes Wetter, passende Jahreszeit. Hier stimmt wieder alles. Genau so sehen die Fotos in den Hotelbroschüren aus.

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Hier sehen wir Windräder im Sonnenuntergang. Die Farben des Hintergrunds sind fantastisch, aber was mir beim ersten Blick auf das Bild sofort in den Kopf schoss, war die Frage: „Warum sind die Windräder nicht frontal abgebildet?“ Klar, ich kenne die Antwort, vermutlich war es vor Ort einfach nicht anders möglich. Dennoch illustriert sie das Problem. Das Konzept ist deshalb kaum erkennbar. Erstens sind die Windräder zu klein, zweitens als seitliche Kontur kaum erkennbar und drittens noch mit Bewegungsunschärfe in den Rotorblättern.

Eine mögliche Lösung wäre, die Windräder einfach wegzuretuschieren und das Bild als abstrakten Hintergrund anzubieten. Wahlweise könnten die Windräder auch als Silhouette frontal reinretuschiert werden, indem einige Windrad-Vektoren erstellt werden. Ein kostenloses Tutorial dafür gibt es hier.

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Kommen wir zum Sonnenaufgang über dem Thüringer Becken. Ich liebe solche Bilder, wo sich die Landschaft in vielen verschiedenen Ebenen bis zum Horizont erstreckt. Die Farben sind schön verteilt, vom Gelb und Orange des Himmels über die Blau- und Lila-Töne in der Mitte bis hin zum Grün im Vordergrund.

Das Motiv hat Verkaufspotential und auch technisch gibt es keinen zwingenden Grund, das Foto abzulehnen. Hinderlich könnte nur sein, dass es mit einer Canon 40D aufgenommen wurde und bei 100% leicht „matschig“ wirkt. Da Uwe mittlerweile aber mit einer 5D Mark III arbeitet, sollten die neueren Bilder weniger solcher Probleme haben.

Während ich diesen Artikel schreibe, kam gerade eine weitere Mail von Uwe:

„Hallo Robert,

noch eine kleine Ergänzung zu dem Thema: Ich habe Ende letzter Woche wieder mal ein paar Bilder bei Fotolia eingereicht. Darunter auch absichtlich einige, wo ich fest mit einer Ablehnung gerechnet hatte (identische Motive, technische Qualität). Zu meiner Überraschung wurde alles durchgewunken und akzeptiert. Ich hänge die Bilder mal in kleiner Auflösung ran. Das 5diii_img_006794 und ggfs. img_25556 durchgehen hätte ich ja noch verstanden. 5diii_img_008268 ist auch ok, aber doch sicher ein ausgelutschtes Thema. Aber der Rest? Die anderen Drei habe ich ja selbst schon eher für die digitale Tonne vorgesehen….

Wahrscheinlich gehe ich aber nur mit den falschen Gesichtspunkten an die Bewertung ran.

Mit verwirrten Grüßen, Uwe“

Da seine Fotos sehr schön sind, können wir ausnahmsweise mehr als zehn Bilder zeigen.

stock_samples_5diii_img_006794Dieses Foto ist eins der Bilder, bei dem sich Uwe sicher war. Wieder eine schöne Farbstimmung, die Skischneise erzeigt eine Tiefenwirkung und hat den Wintersport als klares Konzept für die Verkäuflichkeit. Interessant ist, dass es in warmen Farbtönen gehalten ist, obwohl Winterbild meist auf das kalte Blau getrimmt werden. Vielleicht ist das hier ein Teil des Reizes.

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Hier das zweite Bild, was es durch die Selektion geschafft hat. Eine Winterlandschaft, diesmal in den erwartbar monochromen Blautönen. Die Bildaufteilung ist klassisch, das Motiv universell einsetzbar und das Warnschild deutet die Größenverhältnisse an und sorgt für einen gelben Farbklecks als Akzent.

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Bei diesem dritten Bild war Uwe sich nicht sicher, ob es nicht zu „ausgelutscht“ sei. Doch, klar, aber abgesehen davon ist diese Blaumohnwiese technisch sauber umgesetzt und schnörkellos fotografiert. Da kann man sogar Blumen eine Chance geben.

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Kommen wir zu drei Bildern, die fast im digitalen Papierkorb gelandet wären. Was der eine fast wegschmeißt, wäre für einen anderen eine Ehre. Das Foto des Waldes im Winter ist zwar schlicht, hat aber durch die „Wölbung“ der Landschaft ausreichend Dynamik. Sehr vielseitig einsetzbar mit dem Textfreiraum oben und örtlich kaum festzumachen, also auch weltweit einsetzbar.

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Auch diese Bäume im Winter sind sehr simpel fotografiert, es sieht fast „draufgehalten“ aus, aber diese Reduktion erzeugt euch eine Friedlichkeit und Ruhe, die vom Winter fast erwartet wird. Fast alle Töne sind aus dem Bild verbannt, es ist fast eine „Weiß in weiß“-Aufnahme. Das Bild könnte ich mir auch gut als Panorama vorstellen, dann würde jedoch wieder der Textfreiraum fehlen.

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Okay, von den heute gezeigten Fotos würde ich das Bild des Skilifts als das am wenigsten schöne Bild bezeichnen, „hässlich“ passt noch nicht mal. Dem Bild fehlt die Postkartenidylle der vorhergegangenen Fotos, aber dafür zeigt es die Logistik der Wintersportindustrie: Weniger Schönheit, mehr Aussage.

Uwe hat auf jeden Fall ein Auge für ruhige, ausgewogene Bildkompositionen und ansprechende Landschaften. Sein farbenfroher Bearbeitungsstil passt perfekt zum gesättigten Microstock-Look, macht die Bilder aber auch für Kalender, Poster oder Postkarten sehr attraktiv. Ich denke da in Richtung „Fine-Art-Print“-Anbieter und ähnliches.

Wenn er sich jetzt noch beim Thema Verschlagwortung verbessert sowie beharrlich und kontinuierlich weiter in dieser Qualität hochlädt, sehe ich viel Potential.

Wer mehr Bilder von Uwe sehen will, findet diese entweder hier auf seiner Webseite oder in seinem Fotolia-Portfolio.

Wer ebenfalls kostenlos mitmachen und mir seine Bilder zur Besprechung schicken will, findet hier alle notwendigen Informationen.

Was sagt ihr zu den Fotos von Uwe?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 47

Lange Zeit war es still in der Rubrik „Pimp My Stock„!

Deshalb soll es heute endlich wieder eine neue Folge geben.

Was ist „Pimp My Stock„? Leser können mir hier ihre Fotos schicken, welche ich öffentlich mit Blick auf ihre Verkäuflichkeit beurteile und Tipps gebe, wie sie sich eventuell verbessern lassen. Hier geht es nicht um schmeichelndes Lob, sondern um konstruktive Kritik, welche die Annahmechancen bei Bildagenturen verbessern soll.

Wer ebenfalls kostenlos mitmachen will, findet hier alle notwendigen Informationen.

Heute ist Mandy an der Reihe, die mir schrieb:

„Sehr geehrter Herr Kneschke,

mit großem Interesse habe ich Ihren Blog „Pimp My Stock“ gelesen. Inhalte wie diese sind für Stock-Einsteiger eine unglaubliche Hilfe.

In diesem Zusammenhang, hoffe ich, von Ihnen Feedback zu bekommen, um meine Fotos effektiv im Stockmarkt zu integrieren.

Ich studiere im ersten Semester Computervisualistik und Design an der HSHL in Lippstadt. Seit zwei Jahren gehe ich dem Fotografieren als Hobby nach (mit Digitalkamera – Canon Ixus 170).

Da der Lernaufwand des Studiums bereits einem Vollzeitjob entspricht und ich mit „normalen Studentenjobs“ bisher wenig Erfolg hatte, entschied ich mich vor einem halben Jahr dafür, dass sich dieses Hobby auch wirtschaftlich niederschlagen soll. So stieß ich auf die Stockfotografie.

Ich habe mich bereits bei einigen Portalen angemeldet, aber die meisten meiner Bilder wurden abgelehnt. Darum bitte ich Sie um Ratschläge, mit denen ich die Markttauglichkeit meiner Bilder optimieren kann.

Für Ihre Hilfe danke ich Ihnen. Im Anhang sende ich Ihnen zehn meiner Arbeiten.

Viele Grüße.“

Schauen wir uns ihre Bilder mal an.

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Den Anfang macht dieses Foto einer grünen Platine. Während das Motiv generell als Konzept für Themen wie „Technologie“ oder „Fortschritt“ stehen kann, ist die Ausführung hier verbesserungswürdig. Es sind große überstrahlte Bereiche zu sehen, welche durch indirekte Beleuchtung hätten vermieden werden können. Auch die Bildaufteilung ist ungünstig, weil zu viel „Rand“ zu sehen ist. Ein Makroobjektiv mit deutlich dichterer Aufnahmeposition wäre vorteilhafter gewesen.

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Bei dieser römischen(?) Stadtaufnahme gefällt mir das Licht und der Kontrast zwischen den warmen Gebäuden und dem kühlen Himmel, welcher fast einen Komplementärkontrast bildet. Trotzdem gibt es auch hier einige Nachteile, welche das Bild ruinieren. Die beiden offensichtlichsten: Das rechte Gebäude ist oben abgeschnitten (ein No-Go!) und beide Häuser scheinen wegen der perspektiven Verzerrung zu kippen. Da bieten mittlerweile alle üblichen Bildbearbeitungsprogramme Ausrichtungsfunktionen, die ein Fotograf beherrschen sollte.

Da fallen zwei andere Punkte fast schon nicht mehr ins Gewicht: Die Ampel oben rechts hätte mit einer minimal anderen Kameraposition (oder notfalls eben mit Photoshop) aus dem Bild entfernt werden können. Ganz links ist der halbe Rücken eines Passanten zu erkennen, der leicht durch eine verzögerte Auslösung nicht hätte im Bild sein müssen.

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Ähnliche Probleme mit dem Vordergrund gibt es bei diesem Rom-Foto mit Petersdom. Rechts sind etliche Personen erkennbar, was bei den meisten Bildagenturen zu einer Ablehnung wegen fehlender Modelfreigabe führen würde. auch die Mütze der Person links lenkt zuviel Aufmerksamkeit auf sich. Profis arbeiten hier meist mit einem Stativ und entweder einer Langzeitbelichtung, welche die sich bewegenden Personen verschwinden lässt oder mit mehreren Aufnahmen, die dann in Photoshop übereinandergelegt werden, um störende Passanten leicht retuschieren zu können.

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Diese Maske in Venedig in eindeutig überlichtet. Das führt zu einer Ablehnung wegen „technischer Fehler“.  Noch dazu ist das Foto erkennbar unscharf, was ebenfalls eine Ablehnung rechtfertigt. Auch beim Motiv ist nicht erkennbar, wo das Augenmerk liegen soll oder was die Aussage ist.

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Diese Maske weist kein der eben genannten Probleme auf. Trotzdem ließe sich das Bild verbessern, weil es hier „von oben herab“ fotografiert wurde, was der Maske nicht gerecht wird. Auch eine frontalere Komposition würde dem Bild helfen. Der Zettel an der Maske muss natürlich weg. Da gibt es etliche sehr farbenfrohe und perfekte Aufnahmen von venezianischen Masken* bei den Bildagenturen, die als Maßstab dienen sollten.

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Vermutlich ebenfalls in Venedig entstand dieses Schwarz-Weiß-Foto einer alten Gasse. Die zwei Musiker stören meines Erachtens, weil sie mit ihren Instrumenten keine „klassische Sillhouette“ bilden, die ansonsten ganz pittoresk hätte sein können. Außerdem ist der Horizont schief und das Bild zu kontrastreich, da die hellen Bereiche wieder ausfressen.

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Diese Aufnahme mit einem Mann, der auf den Petersplatz in Rom blickt, ist auf den ersten Blick ganz gelungen. Die technische Qualität scheint nicht ganz optimal zu sein (was aber an der JPG-Komprimierung liegen mag), für ein Handy-Foto wäre es auf jeden Fall optimal und von der Stimmung her auch gefragt. Die Bildaufteilung ist hier sehr gelungen und zieht den Betrachter immer wieder ins Foto rein auf die Stadt und den Sonnenuntergang.

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Äh, nein. Dieses Foto vom Biertrinken wirkt wie ein Schnappschuss beim örtlichen Stammtisch. Das Licht reflektiert zu stark im Glas und das Bild ist zu verrauscht, weil vermutlich ohne Blitz gearbeitet wurde. Vor einem weißen oder zumindest neutraleren Hintergrund mit weniger Rauschen wäre das Motiv ganz passend für Bildagenturen, aber so bleibt es höchstens ein Schnappschuss für das private Fotoalbum.

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Der optische Effekt, den diese umgedrehten Weingläser erzeugen, wirkt ganz spannend und gefällt mir. Der Hintergrund sowie der Bereich rechts oben wirken leider wieder zu unruhig und auch generell zu dunkel. Vielleicht hätte hier schon ein großes weißes Blatt Papier hinten gereicht, um diese Probleme zu beheben.

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Wieder ein Party-Schnappschuss? Mal ganz abgesehen davon, dass an den Fenstern rechts starke chromatische Abberation zu erkennen ist, die sehr wahrscheinlich zu einer Ablehnung führen würde, ist keine richtige Aussage bei dem Motiv zu erkennen. Das Bild wirkt unruhig, alles ist angeschnitten und rauscht auch wieder stark. Das wird so leider keine Bildagentur nehmen.

Generell fehlen mir bei diesen Bildern meist die erkennbaren Aussagen. Was für ein Thema enthält das Foto? Wofür könnte es verwendet werden? Es wirkt leider nicht so als wären die Fotos mit Antworten auf diese Fragen im Kopf gemacht worden.

Was sagt ihr? Wie schätzt ihr die Fotos ein?

* Affiliate

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 44

Heute gibt es die nächste Folge von „Pimp My Stock!“, in der ich Fotos kommentiere, ob sich diese gut verkaufen lassen würden. Wer ebenfalls kostenlos mitmachen will, findet hier alle Informationen. Diesmal gibt es einen besondern Dreh, denn es geht um eingescannte Dias.

Walter schrieb mir:

„Guten Tag Robert,
in der Anlage sende ich Dir div. Fotos für Deine Rubrik „Pimp my stock“.

Ich habe diese Fotos ausgesucht, da ich Sie bei Fotolia einreichen möchte. Ich bin zwar ein Neuling was Fotoagenturen betrifft, fotografiere aber schon länger. Für diese Art von Fotos die ich Dir zum Besprechen schicke, benutze ich Mittelformat. Bei Reportagen ist Kleinbild angesagt. Wie Du erkennen kannst ist ein Grossteil der Fotos im Herbst enstanden,wenn die Natur sich in ihrer Farbenpracht zeigt.

Ich muss noch erwähnen, dass ich noch auf Nagativ-bzw. Diamaterial arbeite. Zum Scannen gebe ich diese dann zu einem Dienstleister. Die Originaldateien sind ca. 17MB gross.
Mich würde nun interessieren wie Du meine Chancen sieht solche Art von Fotos bei Agenturen anzubieten?
Ob ich da auf dem richtigen Weg bin bzw. was ich noch beachten sollte beim Anbieten?

Vielen Dank!
Walter“

36920004Es gab eine Zeit, da lieferten Digitalkameras lange nicht die Qualität einer Kleinbild- oder sogar Mittelformatkamera. Diese sind jedoch zumindest beim Kleinbildformat lange vorbei und auch das Mittelformat gerät mit der neusten Generation von Megaformat-Kameras in Bedrängnis.

36920002Deshalb ist die Frage: „Lohnt es sich, Dias einzuscannen und anzubieten?“ sehr interessant.36920003

Ich würde jedoch sagen, dass es nur wenige Gründe gibt, Dias zu verkaufen. Bei den gezeigten Fotos von Walter sind hauptsächlich Herbstthemen zu sehen, die jedes Jahr regelmäßig wieder – mit der neusten Kameratechnik – fotografiert werden können. Selbst der leichte Vintage-Look durch die Dia-Farben kann heutzutage kinderleicht durch einen Filter oder ein Plugin simuliert werden.36920005

Das Scannen von Fotos kostet immer Geld, was den Druck erhöht, diese Investition wieder reinzubekommen und führt auch zu Qualitätseinbußen, die sich ebenfalls negativ auf die Verkäuflichkeit auswirken können.36920006

Dia-Scans lohnen sich aus meiner Sicht wirklich nur, wenn extrem seltene Motive fotografiert wurden, die auch heue nicht mehr neu fotografiert werden können. Dazu zählen zum Beispiel längst verstorbene Personen der Zeitgeschichte oder im Krieg zerstörte Wahrzeichen. Und selbst hier würde ich solche Motive auch eher bei einer Bildagentur anbieten, welche sich darauf spezialisiert hat und hohe Preise verlangt statt bei einer Universalagentur.36920007

Unabhängig vom verwendeten Material halte ich die Motive leider auch für zu „banal“, um damit bei einer Bildagentur viel Verkäufe zu erzielen. Da das Thema „Herbst“ lautet, sind mir zu viele störende städtische Elemente wie Masten, Geländer oder Stadtmöbel zu sehen. Bei einigen Bildern sind die Bäume noch zu grün (vor allem ohne rote Blätter), bei anderen Bildern sind die Blätter schon zu sehr abgefallen.

Habt ihr schon Erfahrungen mit dem Verkauf von eingescannten Dias gemacht? Lohnt sich das?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 43

Nach einer turbulenten Woche wieder eine bekannte Art von Artikel: Die nächste Folge von „Pimp My Stock!“, in der ich Fotos auf ihre Verkäuflichkeit hin beurteile. Wer ebenfalls kostenlos mitmachen will, findet hier alle Informationen.

Diesmal schrieb mir Olaf:

„Hallo Robert, erstmal einen schönen guten Abend.

Mein Name ist Olaf Barth, ich wohne in Mainz und bin 49 Jahre alt.

Tja, warum ich dir schreibe, dürfte auf der Hand liegen. Ich interessiere mich seit neustem für die Stockfotografie. Warum nicht seine Bilder, die man macht, versuchen zu verkaufen … aber bis jetzt bin ich noch nicht sehr weit gekommen, heißt ich habe noch gar nicht angefangen, da ich einfach nicht weiß, ob meine Bilder dazu taugen, verkauft zu werden. Ich finde es toll, dass es Menschen gibt, die auch nur mal so ohne gleich etwas zu verlangen, Hilfe anbieten 🙂

Fotografieren tue ich seit ca. 15 Monaten, aber wenn man keinen kennt, der dir sagt, das und das könntest du verbessern oder das hast du gut gemacht, weiß man eben nicht, wo man genau mit seinen Bildern steht. Spezialisiert (wenn man davon überhaupt sprechen kann) hab ich mich auf Makrofotografie, es macht mir einfach Spaß, kleine Dinge groß rauszubringen 😉

Fotografieren tue ich mit Nikon (3200) zwei Sigma Objektiven (ein Makro ein Tele) und dem Kit Objektiv von Nikon (18-105). Nichts Spektakuläres, aber der Geldbeutel muß es ja auch hergeben können … nach oben geht immer (vorausgesetzt man kann es sich leisten)

Ich würde mich freuen wenn du meine Bilder beurteilen würdest, kannst auch ruhig meinen Namen nennen … ich freu mich von dir zu lesen.

So, ich häng dann mal was an 😉

Liebe Grüße, Olaf“

Schauen wir uns seine Bilder an:

K800__DSC2573aDas erste Bild zeigt ein Low-Key-Portrait einer roten Rose. Da glaube ich nicht, dass es sich als Stockfoto gut verkaufen wird, weil es erstens zu dunkel ist, um genug für eine Aussage zu erkennen und zweitens Rosen ein eher sehr gut abgedeckter Motivbereich sind. Als „Fine Art“-Print für Poster oder andere „In-Demand“-Produkte könnte das Bild vielleicht geeignet sein, wobei mich auch da das grüne Blatt als dünner Streifen oben links stört.

K800__DSC3249aDas zweite Bild zeigt eine Orchidee. Hier würde ich das Bild spiegeln, weil es dann besser an die Blickrichtung angepasst ist. Mir gefällt, dass das Bild reduziert ist und die Blüte betont. Außerdem hat das Bild oben genug Textfreiraum. Kann man anbieten, zu den Blumenbildern später aber noch mehr.K800__DSC3429Das kaputte Ei im Eierbecher ist eine witzige Idee. Gab es zwar auch schon, ist aber egal. Auf den ersten Blick stört hier oben rechts die Tischdecke, die jedoch leicht retuschiert werden kann. Die Beleuchtung ist etwas (zu) hart und ich wäre eher auf „Augenhöhe“ mit dem Ei gegangen. Ein dicker Filzstift hätte sich für das Gesicht angeboten, weil dann die Mimik schneller und leichter erkennbar wäre. Von der Aussage ein brauchbares Stockfoto mit der richtigen Verschlagwortung, in der jetzigen Ausführung jedoch verbesserungswürdig.

K800__DSC3745aDas dritte Foto zeigt ebenfalls eine Orchideenblüte, diesmal sehr symmetrisch. Technisch okay, wobei ich das Weiß der Blüte mehr mittels einer Tonwertkorrektur herausgearbeitet hätte. Kann als Stockfoto angeboten werden, die möglichen Nutzungszwecke sind jedoch begrenzt.

K800__DSC3779Das nächste Bild zeigt vermutlich die gleiche Orchideenblüte wie am Anfang. Hier ist oben rechts in Teil des Lichtaufbaus zu sehen, was vermieden werden sollte. Unten ist auch ein Teil der Orchidee abgeschnitten, was hier negativ auffällt. Zusätzlich kommt hinzu, dass dunkle Stockfotos nicht so gerne gekauft werden wie helle. Dem Bild rechne ich also nicht so viele Chancen aus.

K1024__DSC4232Das letzte Bild zeigt ein Feld mit vielen Blumen. Als Hintergrund zum Thema Frühling ist das Bild sicher geeignet, die Unschärfe im oberen Teil kann als Textfreiraum dienen und die Komposition ist ausgewogen. Gefällt mir. Hier wird aber auch sichtbar, wie winzige Änderungen in der Nachbearbeitung die Chancen des Bildes noch deutlich steigern können.

K1024__DSC4232_retuschiertIm Original sieht das Bild etwas verwaschen und kontrastarm aus. Ich habe innerhalb einer Minute die drei Standardwerkzeuge Tonwertkorrektur, Sättigung und Gradationskurve angewandt, um das Bild deutlich „knackiger“ aussehen zu lassen. So verkauft es sich als Stockfoto deutlich besser.

Da fünf der sechs eingereichten Fotos Blumenbilder waren, möchte ich kurz auf einen alten, aber immer noch aktuellen Artikel von mir hinweisen. Unter dem Titel „4 typische Anfänger-Fehler bei Blumenfotos“ gibt es einige Tipps, um seine Blumenfotos besser zu gestalten.

Blumenfotos sind insgesamt schwer als Stockfotos zu verkaufen, weil sie zum einen von sehr vielen Leuten fotografiert werden. Andererseits sind die Nutzungsmöglichkeiten solcher Bilder etwas beschränkt. Das absolute Minimum sollte deshalb eine korrekte Beschriftung der Pflanze – auch mit ihrem lateinischen Namen – sein, um zumindest einige Lehrbuch-Verkäufe mitnehmen zu können. Am besten verkaufen sich Blumen, wenn sie eine zusätzliche Aussage haben, sei es als Industriepflanze (Raps), Symbol für Jahreszeiten (Tulpen, Sommerblumen) oder für bestimmte Feiertage (Blumensträuße zum Geburtstag usw.).

In dieser früheren Folge ging es auch schon darum, dass sich Bilder mit einem dunklen, düsteren Look nicht so gut verkaufen lassen. Das ist immer noch aktuell und trifft auch hier zu.

Was sagt ihr zu den Bildern?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 42

Heute gibt es wieder eine „Pimp My Stock!„-Folge mit Fotos, die erkennen lassen, dass es der Fotograf zu was bringen wird, wenn er mit Ehrgeiz und Disziplin bei der Sache bleibt.

Für alle, die erst kürzlich reingeschaltet haben: Was ist „Pimp My Stock!“ überhaupt? In dieser Serien können mehr Leserinnen und Leser ihre Fotos schicken, welche sie als Stockfotos anbieten wollen. Ich beurteile diese dann mit Blick auf die mögliche Verkäuflichkeit und gebe Verbesserungsvorschläge. Es geht also nicht darum, ob ein Foto „schön“ ist, sondern wie gut es sich verkaufen könnte.

Wer ebenfalls mitmachen kostenlos will, findet hier alle notwendigen Informationen.

Diesmal bekam ich eine Mail von Stephan:

„Hallo Herr Kneschke,

ich beschäftige mich mittlerweile seit ca. 5 Jahren mit der Fotografie. Die ersten Jahre habe ich mich mit der Technik der Kamera auseinandergesetzt, zuletzt mit den Grundlagen der Studiofotografie. Vor etwa einem halben Jahr habe ich mich dazu entschieden, den Schritt in die Stockfotografie zu wagen und habe mich bei Fotolia angemeldet.

Ich habe mir vorgenommen, monatlich etwa 20 Fotos speziell für die Stockfotografie zu produzieren plus die ein oder anderen Fotos, die ich sonst so knipse.

Meine Annahmequote liegt etwa bei 50%, was ja gar nicht schlecht ist.

Leider sind meine ersten Erfahrungen sonst eher ernüchternd. Die Fotos werden kaum angeklickt.

Es wäre schön eine Feedback zu meinen Bilder zu erhalten. Vielleicht hast du auch den ein oder anderen Tipp, was ich besser machen könnte

Vielen Dank und liebe Grüße,
Stephan

PS: Hier mein Profil bei Fotolia.“

Stephan hat mir insgesamt 13 Fotos geschickt, von denen ich mir diese zehn rausgesucht habe:

IMGP0576 (Klein)Erstes Foto: Ein Wasserglas mit Zitrone. Was relativ simpel aussieht, ist in der Praxis gar nicht so einfach: Glas ist mit seinen Spiegelungen eins der herausfordernden Motive. Stephan hat es aber gemeistert. Ich finde das Bild gut und halte es verkäuflich: Die Verwirbelungen im Wasser und das schräge Glas sorgen für Dynamik im Bild. Ich würde es eventuell noch mit einem bläulichen Hintergrund verkaufen, weil das die Farbe ist, die automatisch mit Wasser assoziiert wird. Da ich ja das Portfolio bei Fotolia sehen kann: Im Titel des Bildes sind gleich zwei Tippfehler, auch da sollte sauberer gearbeitet werden.

IMGP0700 (Klein)Ein Stillleben mit Lebensmitteln von oben. Das Licht passt, vielleicht einen Tick zu hart, die Komposition aus ausgewogen, gefällt mir und kann auch Käufer finden. Aber: Solche Bilder verkaufen sich besser, wenn sie eine konkretere Aussage haben. Das heißt zum Beispiel, nur Zutaten der italienischen Küche zu verwenden, nur Kräuter, nur vegane Lebensmittel, nur Obst und Gemüse, nur Milchprodukte und so weiter. Im Detail könnte auch etwas sorgfältiger ausgewählt oder retuschiert werden. Die rote Paprika sieht nicht mehr ganz frisch aus, an einer Cashewnuss ist ein dunkler Fleck, die eine Tomate liegt auf den anderen und so weiter.

IMGP0725 (Klein)Drei Flaschen Bier: Wieder gut ausgeleuchtet, minimalistisch, aber wirkungsvoll komponiert, da kann ich mir viele Verwendungsmöglichkeiten vorstellen. Um die Verkäufe zu steigern, hätte ich hier gleich eine Serie mit verschiedenen Farben im Hintergrund erstellt (klappt vielleicht sogar noch in der Bildbearbeitung).

IMGP0774 (Klein)Was ich bei den bunten Lebensmitteln vorgeschlagen habe, hat Stephan hier schon teilweise umgesetzt. Hier dreht sich alles um Soja: Tofu, Sojabohnen und Sojamilch. Ich finde das Bild insgesamt gelungen, nur die Bohnen direkt vor dem dicken Tofustück hätte ich anders platziert, weil sie so im Schatten verschwinden. Möglich wäre noch eine weitere Bildvariante mit mehr Sojaprodukten wie Sojaöl, Sojasauce oder echten Sojasprossen.

IMGP0967Hier gibt es eine schwäbische Suppe mit Maultaschen: Bei solchen Freistellern neige ich fast reflexartig dazu, zu reinweiß zu raten. So auch in diesem Fall, weil es die Designer dann besser in ihre Layouts einpassen können. Professionelle Food-Fotografen hätten die Möhrenstücke sicher mit einer Pinzette besser im Teller verteilt und einige der Kräuter am Rand retuschiert, aber insgesamt ist das Foto gelungen. Die Variante mit einem hellen und dunklen Holztisch als Untergrund findet sich ebenfalls im Portfolio.

IMGP1006Auf diesem Bild sind Rigatoni mit Basilikum zu sehen. Mein Urteil ist wieder: gut, aber. Das Aber bezieht sich in diesem Fall vor allem auf die Verteilung der Sauce, die etwas lieblos auf die Nudeln gekippt wurde. Wie sorgfältig Sauce angeordnet werden kann, ist hier zu sehen*. Außerdem stört mich die dunkle runde Stelle ganz rechts auf dem Basilikum.

IMGP1131Auch hier zeigt sich wieder, dass das oben erwähnte Konzept, Zutaten nach bestimmten Themen zu ordnen, erfolgversprechend sein kann. Hier sehen wir die Zutaten für „Pesto Genovese“ mit Olivenöl, Basilikum, Knoblauch und Pinienkernen. Insgesamt finde ich das Foto gelungen, im Detail habe ich die Pinienkerne zu bemängeln, die sorgfältiger ausgesucht hätten werden können. Zum geschälten Knoblauch hätte ich noch eine Knolle Knoblauch mit Schale gelegt, damit dieser leichter erkennbar ist.

IMGP8529 (Klein)Äh, nee: Diese bunten Nudeln sehen wie hingeworfen aus. Sorgfalt ist auch hier das Zauberwort. Insgesamt sinnvoller wären andere Anordnungen gewesen, zum Beispiel vollständig formatfüllend von oben, aber die Nudeln nur am Rand mit Textfreiraum, damit das Bild als Hintergrund genutzt werden könnte. Aber so? Nein.

IMGP8098_bearbeitet-1 (Klein)

Ein märchenhafter, nebliger Wald. Technisch und kompositorisch habe ich nichts zu beanstanden. Ein schönes Waldfoto, was durch einige Filter (Sepia, o.ä.) auch noch zusätzliche Varianten hervorbringen könnte.

IMGP11562Ein vegetarischer Burger mit Bratling. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und genau das sollte ein gutes Foodfoto erreichen. Mission erfüllt. Im Detail stört mich etwas das Glas hinten rechts sowie wieder die mangelnde Sorgfalt. Die Brötchenhälften weisen einige Dellen auf (nicht umsonst schreibt eine Fotostylistin in diesem Buch, dass sie für so ein Foto viele Brötchen kauft). Auch die Salatblätter hatte ich, vor allem links mehr aus dem Brötchen gezogen, damit der Burger „gesünder“ wirkt. Zusätzlich hätte ich eine Variante ohne die Kidneybohnen gemacht, weil diese die Verwendungsmöglichkeiten doch etwas einschränken.

Insgesamt sehe ich in den eingereichten Fotos und seinem gesamten Portfolio viel Potential, erfolgreich zu sein. Seine anscheinend bevorzugte Nische „Foodfotografie“ erfordert jedoch noch etwas mehr Sorgfalt als sie aktuell an den Tag gelegt wird. Zu dem Thema gibt es auch einige Bücher wie dieses*, dieses* oder dieses* hier mit vielen hilfreichen Tipps für den Set-Aufbau und mehr.

Was sagt ihr?
Wie würdet ihr die Fotos von Stephan einschätzen?

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