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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 36

Die heu­ti­ge Folge von „Pimp My Stock!“ ist etwas kür­zer.

Ich bekom­me auch seit lan­gem mehr Einsendungen als ich Folgen ver­öf­fent­li­che, was zu einem ordent­li­chen Stau führt. Deshalb wer­de ich die nächs­ten Wochen etwas öfter eine Folge ver­öf­fent­li­chen, um mei­nen Rückstand auf­zu­ho­len.

Tristan schrieb mir im Mai 2013 schon fol­gen­des:

Hallo Robert,

ich wür­de ger­ne an Deiner Pimp My Stock Reihe teil­neh­men.

Ich foto­gra­fie­re seit ca. 2003, habe das Hobby dann etwas schlei­fen las­sen und bin dann 2008 auf eine gebrauch­te Spiegelreflex umge­stie­gen. Vorher hat­te ich eine Fuji S602Zoom Bridge-Kamera.

Am Anfang habe ich mich auf fami­liä­re Motive beschränkt, aber nach eini­ger Arbeit mit der Kamera und den Objektiven, sowie Präsentationen im Internet habe ich mich über wei­te­re Techniken (Panorama, HDR, Strobist) wei­ter ent­wi­ckelt.

Und mit stei­gen­den Kosten für das Hobby bin ich dann auch auf Deine Seite gesto­ßen und hab mir zu Weihnachten dann Dein Buch gekauft.

Inzwischen habe ich bei drei Agenturen Bilder hoch­ge­la­den: Fotolia, Pitopia und 123rf.

Wie man aber aus mei­nem klei­nen Blogartikel her­aus lesen kann, klappts aber nicht so wirk­li­ch. Klar hab ich es etwas schlei­fen las­sen, nach­dem die Verkäufe nicht so wirk­li­ch gezo­gen haben. Auch die ers­ten Verkäufe haben mich nicht wei­ter moti­viert (qua­si geklau­ter Einkauf).

Ich woll­te mir nun noch ein­mal eine Chance geben und Dich fra­gen, ob ich viel­leicht den Sprung in die Peoplefotografie wagen soll­te. Ein paar Beispiele fin­dest Du hier.

Ich hab mich bei einer Modelagentur (www.stylished.de) ange­mel­det, um dort ein paar Modelle zu enga­gie­ren. Allerdings bin ich dort erst ein­mal abge­lehnt wor­den. Wie komm ich denn zu einem initia­len Portfolio für Modelshoots, die ich dann auch auf einer eige­nen Website prä­sen­tie­ren kann?

Ok, ich weiß, das zielt etwas an Pimp My Stock vor­bei, aber viel­leicht kriegt dadurch Deine Artikelreihe eine neue Richtung 😉

Vielen Dank für Deine Mühe.

Und hier noch ein paar Bilder, die noch nicht bei den Agenturen gelan­det sind…

Liebe Grüße aus Franken,
Tristan“

Schauen wir uns die Bilder an:

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Zur Paprika ein kla­res und kur­zes Nein. Das ist kein gutes Stockfoto. Die übli­che Regel bei Foodfotos lau­tet, dass das Essen appe­tit­li­ch aus­se­hen soll­te, wenn das Konzept nicht expli­zit was ande­res ver­langt. Foodfotografen ver­brin­gen des­halb manch­mal mehr Zeit mit der Auswahl der rich­ti­gen, sprich: gut aus­se­hen­den, Zutaten als dem Fotografieren. Hier wur­de ein­fach die erst­be­s­te Paprika hal­biert und vor einem wei­ßen Hintergrund foto­gra­fiert. Mitsamt der Kerne und komi­sch gewach­se­nem Innenleben. Das stößt eher ab als das es appe­tit­för­dernd wäre. Dass der Hintergrund dann nicht sau­ber frei­ge­stellt wur­de und die „Ratschen“ am Stiel der Paprika nicht retu­schiert wur­den, spielt dann schon kei­ne Rolle mehr. Der letz­te Punkt ist, an frei­ge­stell­ten roten Paprika in Bildagenturen wahr­li­ch kein Mangel herrscht.

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Dier ver­blüh­te Tulpenstrauß sieht schon bes­ser aus. Das Unperfekte ist hier Teil des Konzepts und damit erlaubt. Die Einsatzmöglichkeiten sind jedoch begrenzt und damit die Verkaufschancen gering. Gefühlsmäßig wür­de ich das Bild mehr als RM bei einer Macrostockagentur sehen als bei einer Microstockagentur.

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Ähnliches gilt für die ver­streu­ten Blüten. Hier fällt schon etwas mehr nega­tiv auf, dass der Hintergrund oben über­strahlt ist. Auch die Anordnung der Blüten wirkt lieb­los. Hier hät­te der Fotograf mehr Sorgfalt wal­ten las­sen müs­sen. Den Kundennutzen sehe ich noch weni­ger als beim gan­zen Blumenstrauß, wes­halb ich bei­de Fotos als Agentur ableh­nen wür­de.

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Bei die­sem Bild kann ich ehr­li­ch gesagt nicht erken­nen, was über­haupt zu sehen sein soll. Der Mond? Ein Blitzlicht? Spinnenweben? Unklar. Den Kunden wird es genauso gehen und sie wer­den das Bild des­halb nicht kau­fen.

Wenden wir uns des­halb der zwei­ten Frage der Mail zu.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich bei der Model-Kartei deut­li­ch mehr Models fin­den las­sen als bei Stylished. Wie man anfangs zu pas­sen­den People-Fotos zum Vorzeigen kommt, erklä­re ich aus­führ­li­ch in mei­nem Buch „Die Arbeit mit Models“*, des­halb hier nur kurz: Wer Probleme hat, Models zu fin­den, soll­te mit Selbstportraits anfan­gen, dann die Familie und Freunde fra­gen, bis frem­de Leute genug ansehn­li­ches Material sehen kön­nen, um sich eben­falls auf ein Fotoshooting ein­zu­las­sen.

Im Buch habe ich auch ein Kapitel über Seriosität und die damit ver­bun­de­ne Namenswahl. „foton­ben­gel“ erscheint mir hier sowohl von der Schreibweise als auch der impli­zier­ten Flapsigkeit unge­eig­net, um Vertrauen bei poten­ti­el­len Models zu wecken.

Wie habt ihr eure ers­ten Models von Fotos über­zeu­gen kön­nen?

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Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 18

Heute gibt es wie­der eine der heiß ersehn­ten Folgen von „Pimp My Stock!“. In der acht­zehn­ten Folge tritt der Fotograf Helmut Hess ins Rampenlicht. Er schrieb mir:

Hallo Robert,

nach­dem ich mir dein Buch zur Stockfotografie gekauft habe, bin ich auf dei­nen sehr inter­es­san­ten Blog gekom­men.

Ich foto­gra­fie­re seit über 40 Jahren –  seit 2004 aus­schließ­li­ch digi­tal. Bis 2011 habe ich über­wie­gend mit DSLRs von Canon gear­bei­tet (40D, 5DMII, 7D etc.). Inzwischen habe ich mei­ne Ausrüstung aus Transport- und Gewichtsgründen auf Systemkameras von Panasonic „geschrumpft“.
Ich habe bis­her kei­ne Fotos über Agenturen ver­kauft, betrei­be aber mit eini­gem Erfolg seit rund 5 Jahren Wettbewerbsfotografie. Da ich immer öfter bezüg­li­ch des Verkaufs mei­ner Bilder ange­spro­chen wer­de, befas­se ich mich jetzt mit dem Thema etwas inten­si­ver. Daher möch­te ich dein Angebot zu kon­struk­ti­ver Kritik ger­ne anneh­men 😉

Ich habe mal 10 unter­schied­li­che Bilder aus mei­ner Sammlung ange­hängt und freue mich auf dei­ne Einschätzung, ob mei­ne Art zu foto­gra­fie­ren für Stockfoto- oder gene­rell Agenturen geeig­net ist. Die Bilder dür­fen ger­ne in dei­nem Blog ver­öf­fent­licht wer­den und gegen eine Verlinkung zu mei­ner Homepage habe ich auch nichts ein­zu­wen­den: www.galerie-ef.de

Ich freue mich auf dei­ne Meinung -
vie­le Grüße aus Erfurt
Helmut Hess“

Dann mal Ärmel hoch­ge­krem­pelt und los geht’s:


Das ers­te Foto scheint ein HDR-Bild zu sein: Ein Sofa auf einem rus­ti­ka­len Dachboden.

Ich grei­fe etwas vor, aber man man merkt den ein­ge­sand­ten Bildern an, dass Helmut Erfahrungen mit Fotowettbewerben hat. Seine Motive sind pla­ka­tiv, tech­ni­sch gut aus­ge­ar­bei­tet und manch­mal etwas skur­ril oder humor­voll. Ich kann mir gut vor­stel­len, dass Jurys dar­an Gefallen fin­den. Die Ausleuchtung ist ein­drucks­voll, der HDR-Effekt nicht über­trie­ben und der sicht­ba­re Lichtstrahl durch das Fenster erzeugt eine schö­ne Stimmung. Nur: Wozu soll so ein Foto benutzt wer­den? Wenn der Fotograf sich mit der glei­chen Technik auf den hin­te­ren Teil des Bildes kon­zen­triert hät­te mit den Säcken oder viel­leicht sogar ein Model als Bäcker mit einem Sack Mehl auf der Schulter por­trä­tiert hät­te, wäre das Foto sehr begehrt gewe­sen. Oder wenn statt des Sofas dort eine rus­ti­ka­le alte (Schatz-)Kiste stün­de…

Wasserfarben erge­ben ein Prozentzeichen: Originelle Idee, die gut umge­setzt wür­de. Aber: Rahmen gehen ers­tens gar nicht, was aber kein Problem dar­stellt, die­sen zu ent­fer­nen. Störender ist schon die Vignettierung. Hier wäre es bes­ser gewe­sen, ent­we­der gleich hel­ler zu foto­gra­fie­ren oder den grau­en Hintergrund so zu las­sen wie er ist.


Eine coo­le Fotomontage, skur­ril und amü­sant. Aber auch hier gilt wie­der die Frage: Wofür soll­ten wel­che Kunden so ein Motiv benö­ti­gen?


Das ist schon bes­ser. Schnecken über­que­ren die Straße, eine hat dabei eine zwei­te klei­ne Schnecke auf dem Häuschen. Hier gibt es vie­le Einsatzmöglichkeiten: Schnelligkeit, Verkehrssicherheit, Faulheit, Familie und so wei­ter. Besser wäre viel­leicht noch ein blau­er Wolkenhimmel gewe­sen, der jedoch auch die Aussage etwas geän­dert hät­te von „bedroh­li­ch“ zu „sor­gen­frei“. Falls das Bild eine Fotomontage ist oder wer­den könn­te, wäre es eine Überlegung, die Schnecke über eine asphal­tier­te Autobahn krie­chen zu las­sen.


Leuchtende Paprika
sieht man auch nicht alle Tage. Als Produktfoto im Stockfotografie-Bereich wäre eine ande­re Beleuchtung sicher hilf­rei­cher gewe­sen. Zum einen bevor­zu­gen Käufer Motive auf wei­ßem Hintergrund und zum ande­ren stö­ren die doch auf­fäl­li­gen Kerne der Paprika. Und so rich­tig fri­sch sieht der lin­ke Teil auch nicht mehr aus. Als Tipp noch für Euch: Beim Recherchieren habe ich gemerkt, dass es nur weni­ge rich­tig gute Freisteller von Paprika in Microstock-Agenturen gibt. Chillis ja, aber die­se Art von Paprika deut­li­ch weni­ger. Da ist also noch eine Lücke, die foto­gra­fiert wer­den könn­te.

Hier wie­der­um beim Foto der Kapstachelbeeren pas­sen sowohl Beleuchtung als auch Aufbau gut zusam­men, da das Licht von hin­ten den fra­gi­len Charakter der Früchte unter­streicht. Zwar sind Motive vor dunklem Hintergrund bei Käufern gene­rell nicht so beliebt wie vor hel­lem Hintergrund, aber in die­sem Fall eig­net sich das Foto sicher gut zur Abgrenzung gegen­über den vie­len Freistellern auf Weiß.


Beim Foto des Volleyball-Netzes am Strand wur­de wie­der eine span­nen­de Komposition gewählt. Im Microstock-Bereich wird man damit sicher nicht reich wer­den, aber in einer „Rights Managed“-Kollektion könn­te ich mir das gut vor­stel­len.


Die Anordnung des Hügels, des Baums und der Wolken sind bei die­sem Foto groß­ar­tig. Wieder ein groß­ar­ti­ger Blick für Komposition. Trotzdem gibt es auch hier eini­ge Dinge anzu­mer­ken. Erstens das Bildformat: Statt 2:3 wie bei den meis­ten ande­ren Bildern wur­de hier das 4:3-Format ver­wen­det, was unpro­fes­sio­nel­ler wirkt, weil eher Consumer-Kameras 4:3 nut­zen, wäh­rend Profi-Kameras mit 2:3 arbei­ten. Das sagt über­haupt nichts über das Bild oder die Bildqualität aus, aber auch sol­che Details wir­ken unter­schwel­lig. Und wer ein Foto ganz­sei­tig dru­cken will, braucht es eh im 2:3-Format. Zweitens die Mohnblüten: Die sind lei­der im Vordergrund schon etwas zu ver­welkt, um das Foto als Werbebild nut­zen zu kön­nen. Drittens die Farben: Diese könn­ten deut­li­ch gesät­tig­ter und etwas hel­ler sein. Hier mal zwei Vergleichsbilder: Wiese* und Untersicht*. Da sich bis auf die Blüten aber die ande­ren bei­den Kritikpunkte noch gut in Photoshop ändern las­sen, wür­de sich das Motiv sicher gut ver­kau­fen.


Ich bin nicht sicher, was hier dar­ge­stellt wer­den soll: Seifenbläschen von unten? Trotzdem hat das Motiv das Zeug zu einem guten Stockfoto. Dafür wür­de ich aber das run­de Ding links ein­fach weg­las­sen und mich auf die Struktur der Bläschen kon­zen­trie­ren. Außerdem soll­te der Hintergrund im rech­ten und unte­ren Bereich nicht so ins Schwarze aus­lau­fen, das Blau wäre eine geeig­ne­te­re Hintergrundfarbe.

Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Pusteblume im Gegenlicht. Sieht schick aus und kann ich mir gut als Poster oder Fine-Art-Print vor­stel­len. Bildagenturen mögen gene­rell schwarz-weiße Motive nicht so ger­ne, aber hier könn­ten sie viel­leicht eine Ausnahme machen. Aber als RM-Bild ist es eben­falls bes­ser auf­ge­ho­ben als im Microstock-Bereich.

Insgesamt wür­de ich sagen, dass die Fotos von einem guten Verständnis für Aufnahmetechnik und Bildaufteilung zeu­gen. Was für die Verkäuflichkeit der Bilder noch fehlt ist eine kla­re­re, kon­zep­tio­nel­le­re Bildsprache, die schnel­ler lukra­ti­ve Themen und gefrag­te Aussagen erken­nen lässt.

Was meint ihr zu mei­ner Beurteilung? Wo stimmt ihr zu, was seht ihr anders?

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