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Ist die neue Foto-App Prisma sicher und stocktauglich?

In letzter Zeit hat eine neue Foto-App den vordersten Platz in den App-Stores belegt (zumindest in der Kategorie „Foto und Video“).

Die Rede ist von der App Prisma, welche über 30 künstlerische Effekte bzw. Filter im Stil klassischer Kunstwerke zur Verfügung stellt, die über ein Foto gelegt werden können. Sie gibt es für iOs und für Android.

Beispiel der Prisma-Filter: Oben links mein Original-Foto, daneben 5 Kunst-Filter der App.
Beispiel der Prisma-Filter: Oben links mein Original-Foto, daneben 5 Kunst-Filter der App.

In den letzten Tagen häuften sich die Meldungen über problematische Nutzungsbedingungen der App, deshalb habe ich sie mir im Detail durchgelesen.

Besonders bitter ist mir folgender Satz aufgestoßen:

„[,,,] you hereby grant to Prisma a non-exclusive, fully paid and
royalty-free, transferable, sub-licensable, worldwide license to use the Content that you stylize on or through the Service […]“

Das heißt sinngemäß übersetzt:
Jedes Bild, was ein Nutzer in die Prisma-App reinlädt, darf Prisma ohne jegliche Einschränkung verkaufen! Punkt.

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Prisma auf Platz eins der iOS-Download-Charts im Bereich kostenlose „Foto und Video“-Apps

Das ist umso gefährlicher, weil die App nur mit aktiver Internetverbindung funktioniert und alle Bilder, welche von der App bearbeitet werden soll, auf die Server der russischen App gespeichert werden. Probiert es aus: Im Flugmodus verweigert die App ihren Dienst.

In der Vergangenheit war es aber oft so, dass neue Apps oder Unternehmen sich diese Art von sehr weitreichenden Nutzungsbedingungen gegeben haben und erst nach Protesten zurückgerudert sind.

Deshalb habe ich dem Prisa-Gründer und Chef Alexey Moiseenkov eine Email auf englisch geschickt mit zwei Fragen:

„1. Ist es erlaubt, die fertigen Ergebnisse aus der Prisma-App für kommerzielle Zwecke zu nutzen?

2. Wie ist der [oben zitierte] Satz zu verstehen: Darf Prisma die Ergebnisse selbst verkaufen?“

Auf den ersten Satz habe ich am 11. Juli 2016 folgende Antwort erhalten:

„You can use it how you decide but mention our app.“

Das heißt sinngemäß: Mach, was Du willst, aber nenne dabei die App. Was wiederum so von mir nicht in den ursprünglichen Nutzungsbedingungen zu finden war. Das hat sich aber eh erledigt, weil seit dem Update 2.2 der App jetzt unten rechts der Name der App eingeblendet ist (siehe Beispiele oben) und dieser auch nicht entfernt werden darf, wenn ich die „Terms of Use“ (Stand 22.072016) richtig lese:

„You will not remove, alter or conceal any copyright, trademark, service mark or other proprietary rights notices incorporated in or accompanying the Prisma Content and you will not reproduce, modify, adapt, prepare derivative works based on, perform, display, publish, distribute, transmit, broadcast, sell, license or otherwise exploit the Prisma Content.“

Die Antwort auf die zweite Frage blieb mir der Entwickler jedoch leider schuldig. Auch auf eine Nachfrage meinerseits habe ich seit zehn Tagen keine weitere Antwort erhalten.

Das macht mich vorsichtig und ich rate jedem, der die App für mehr als Schnappschüsse von Blumen oder Sonnenuntergängen nutzen will, sehr vorsichtig zu sein.

Seid euch bewußt: Alle Bilder, die ihr mit der App bearbeitet landen auf einem Server und laut den Nutzungsbedingungen übertragt ihr Prisma alle Rechte an den Bildern, die Prisma braucht, um sie verkaufen, weiterzulizenzieren oder anderweitig nutzen zu können.

Wie sieht ihr die Nutzungsbedingungen und die Effekte der Prisma-App?

Was Zack Arias über Stockfotografie und Bildlizenzierungen sagt

Vor paar Tagen habe ich von mitp-Verlag das Buch „Photography Q & A„* vom Fotografen Zack Arias (ISBN: 978-3826697234) zugeschickt bekommen. Den Untertitel musste ich zwei Mal lesen, um sicherzugehen, dass das nicht mein Blogtitel ist: „Fragen und Antworten aus dem Alltag eines Fotografen“. Klar, dass ich interessiert zu lesen begann. Und nicht mehr aufhörte.

Aber: Eine ausführliche Rezension folgt an dieser Stelle in paar Tagen. Erst mal gibt es eine Leseprobe.

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Der Fotograf Zack Arias ist haupberuflich Fotograf und hat in seinem mittlerweile eingestellten Tumbr-Blog „Photography Q & A“ über 1500 Fragen zum Thema Fotografie beantwortet. 106 davon wurden im gleichnamigen Buch „Photography Q & A„* veröffentlicht und drei davon – welche sich mit Stockfotografie oder dem Bilderverkauf beschäftigen – stelle ich heute hier vor. Kleiner Tipp: Bei amazon.de gibt es noch paar mehr Seiten zum Lesen.

„Frage: Wie ist deine Meinung zu Stockagenturen? Ich habe tonnenweise Bilder von Reisen, persönlichen Projekten, Foto-Spaziergängen und Workshops, die einfach auf Festplatten rumliegen. Sollte ich sie als Stockfotografien zum Verkauf anbieten, sie „für den Fall“ behalten oder einfach löschen?“ (Seite 113)

Antwort Zack Arias: Ich weiß nicht. Ich habe diese Art von Bildern auch. Ich habe keine Ahnung, was man damit machen soll. Einer Bildagentur deine Fotos als Stock zu verkaufen, ist viel Arbeit. Du magst denken, das ist ein gutes Stockfoto, aber es ist verblüffend, wie pingelig die Agenturen bei Bildern, die ihnen zugeschickt werden, sein können. Da werden Sachen in deinen Fotos sein, bei denen du denkst, dass sie kein Thema sind, und plötzlich retuschierst du ganz viel, um dieses oder jenes zu entfernen. Dann musst du noch die Kunst der Keywords lernen. Ich habe das recherchiert. Ich habe mit Leuten gesprochen, die das hauptberuflich machen. Meine Erkenntnis war, dass es sich nicht lohnt, Zeit und Arbeit in etwas zu investieren, von dem man nicht begeistert ist und das auch kein wirkliches Einkommen einbringt. Wenn du Geld mit Stockfotos machen möchtest, musst du dich wirklich dafür begeistern.

Ich hänge an meinen „vermischten“ Fotos. Hin und wieder hole ich eins für ein Projekt raus. Ich habe schon ein Stückchen Himmel, Wolken oder so was aus einem Foto rausgenommen und in ein anderes eingefügt. Das kommt zwar selten vor, aber es ist hilfreich, sie zu haben. Vielleicht werde ich sie eines Tages einem Stock hinzufügen. Ich bin nicht komplett dagegen. Ich denke auch über diese Sachen nach, während ich fotografiere. Ich war kürzlich in Amsterdam und als ich ziellos durch die Stadt spazierte, sah ich einen „Foto-Moment“. Du weißt schon. Grünes-Fahrrad-lehnt-an-roter-Türe, solche Sachen. Malerisches Boot treibt in einem malerischen Kanal. Scheint ein typisches Stockfoto zu sein. Was soll ich jemals mit diesem Foto machen? Wem werde ich es jemals zeigen? Ich kann das Foto irgendwo für einen Euro kaufen. Also verzichte ich auf das Foto. Ich mache es nicht. Ich werde niemals was damit anfangen können. Es ist mir nicht mal so wichtig, dass ich es als persönliches Foto haben möchte, das irgendwo auf der Festplatte ist.

Allerdings weißt du nie, was du in 10 oder 20 Jahren brauchen oder machen wirst. Fotografiere  immer das, was dich interessiert. Ich fotografiere gerne Strukturen auf Gehwegen und Street-Art-Details wie die Street-Art-Dekays. Ich liebe diese Sachen. Ich habe Hunderte von Fotos von verwittertem Papier an Wänden. Ich weiß nicht, warum ich sie liebe, aber das tue ich. Sie könnten mir später im Leben auffallen und ich könnte sie für ein Projekt nutzen. Lösche sie nicht. Diese Fotos sind deine Babys. Behalte sie. Speicherplatz ist günstig. Sie können später zu etwas werden.

„Frage: Ich baue gerade mein Business als Hochzeits-Fotograf auf. Das ist etwas, was ich mag, aber wirklich begeistert bin ich von Stadtbildern. Kann man mit Stadtbildern Geld verdienen, auch als Einsteiger, oder wird es immer Fine Art für mich selber sein? Anders gefragt: Wie kann man sie anonym verkaufen?“ (Seite 120)

Antwort Zack Arias: Deine Frage könnte auch lauten: „Wie verkaufe ich Sachen, die Leute nicht kaufen?“

Ich habe keine Ahnung, wie man aus Stadtbildern (oder Landschafts-, Nackt- oder Welpenmotiven usw.) ein rentables Geschäft macht, außer wenn du zur richtigen Zeit die richtigen Leute triffst. Sagen wir mal, eine Hotelkette, wie Marriott, findet deine Arbeit und möchte 5000 Bilder für ihre Hotelzimmer. Das gäbe ein angemessenes Einkommen, aber das ist eher Glückssache. Es gibt die Stockfotografie-Industrie. Es gibt Postkarten. Man kann zu den Kunstmessen reisen, dort ein Zelt aufbauen und die Bilder an die Öffentlichkeit verkaufen. Vielleicht Kalender. Maus-Pads. Erinnert sich jemand an Maus-Pads? Wird das deine Miete zahlen? Höchstwahrscheinlich nicht.

Du kannst dir ein großes Publikum auf Seiten wie 500px oder Instagram verschaffen und Leute so nach deinen Bildern schreien lassen. Aber dafür musst du a) wirklich atemberaubende Fotos machen und b) eine Community bilden, die sie so sehr liebt, dass sie dafür zahlen. Du fragst danach, es anonym zu machen. Ich verstehe nicht, warum du das machen willst. Weil es nicht gut mit Hochzeiten kombinierbar ist? Du kannst verschiedene Arbeiten auf verschiedenen Seiten haben und trotzdem deinen Namen druntersetzen.

Weißt du … wenn du es liebst – fotografiere es. Der Markt dafür wird allerdings eine höllisch kleine Nische sein und ich habe keine Ahnung, wo ich dich dafür hinschicken soll. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist. Ich sage nur, der Absatzmarkt dafür ist wesentlich kleiner als Bräute, die heiraten. Du sagst, du fängst gerade erst mit allem an und dass du dein Business als Hochzeitsfotograf starten möchtest. Weißt du, wie viel du damit in der kommenden Zeit beschäftigt bist? Das Business zu starten wird deine ganze Zeit in Anspruch nehmen. Es ist ein Vollzeitjob, wenn du es richtig machst.

Du findest, Hochzeiten nähren deinen Bauch, hingegen nähren Stadtbilder dein Herz. So ist es bei mir mit Streetfotografie. Ich liebe es, Sachen in einer Straße zu fotografieren. Es reizt mich. Es beschwingt mein Inneres. Ich liebe es so sehr. Ich verdiene damit kein Geld. Es ist mein Hobby. Ich teile es als persönliche Arbeit. Vielleicht mag jemand meine Straßensachen und engagiert mich als Porträt-Fotograf. Cool. Verkaufe ich nun Abzüge von den Sachen? Nein. Macht es mir was aus? Gerade nicht. Ich bin damit beschäftigt, die anderen Sachen zu machen, die meine Rechnungen bezahlen.

„Frage: Wann sollte man Lizenzvergabe und „Nutzung“ berechnen?“ (Seite 251)

Antwort Zack Arias: Nutzung. Lass uns das in einfache Begriffe fassen, sodass ich verstehen kann, wovon ich spreche: Du wirst engagiert, um einen Job für einen Kunden zu fotografieren. Sie möchten die Bilder nutzen. Wo immer sie die Bilder nutzen können. So lange, wie sie die Bilder nutzen wollen. Du gibst ihnen das Recht, das zu machen. Du handelst das alles aus und berechnest die Kosten am Anfang des Angebotsprozesses.

Es ist ähnlich, wie wenn man sich ein Auto leiht. Die Autoverleihfirma sagt, wie lang du das Auto nutzen kannst. Wie weit du fahren darfst. Wer das Auto noch fahren darf. Du kannst ein Auto für eine Stunde mieten, um 15 Meilen zu fahren. Du kannst auch ein Auto in New York mieten und in L. A. zurückgeben. Ein Auto für eine Stunde mieten ist wesentlich günstiger als ein Roadtrip durch das Land und die Rückgabe in einer anderen Stadt. Du kannst dir nicht das Auto mieten und es dann an jemand anderen verleihen. Du kannst das Auto nicht verkaufen. Du besitzt es nicht. Du kannst es auch nicht nach Europa verschiffen und damit durch Südfrankreich fahren. Du kannst es nicht für eine Woche bezahlen und dann ein Jahr fahren. Wenn du ein Auto willst, das du zu jeder Zeit nutzen kannst und das jeder andere nutzen kann, was machst du dann? Du kaufst dir ein Auto.

Du musst bei Bildern mit der gleichen Denkweise vorgehen. Zumindest bei redaktionellen, Commercial-, Firmen-, Advertising- usw. Bildern. Bei Familienporträts oder Hochzeiten oder dergleichen gehst du nicht so vor**. Außer wenn du Familienfotos von einer Celebraty oder einem großen CEO oder so was machst. Du könntest ein Foto von einem CNN-Moderator oder sonst wem machen und CNN oder sonst wer fängt an, das Bild zu benutzen. Dann wird es brenzlig.

Wenn du Tarife aushandelst, verhandelst du auch die Nutzung der Bilder, die du fotografieren wirst. Das muss schriftlich erfolgen und von allen Involvierten unterschrieben werden. Sogar die Modelagenturen berechnen Tarife für die Nutzung, also wenn du ein Model engagierst, müssen sie bei der Nutzung dabei sein. Die Nutzung kann so aussehen: „Ein Jahr uneingeschränkte Nutzung in Nordamerika nur in gedruckter Form.” Du kannst es auf das Web beschränken; oder Web und Druck; oder nur auf Handelsblätter. Oder was auch immer. Du kannst die Zeit begrenzen. Den Ort. Das ist Teil der Anfangsunterhaltung, die du führst. Manche haben Standardnutzungen, die sie brauchen und dir diktieren: „Wir brauchen für zwei Jahre eine unbegrenzte Abdeckung Nordamerikas für Druck, Medien, Web usw.” Oder etwas in der Art. Ich spreche in einer simplen Sprache. Manchmal wird die Nutzungssprache für den Fotografen zum Hindernis. Du wirst in Situationen kommen, wo du 5000 Dollar (ca. 3600 Euro) für die Nutzung von einem Jahr berechnest. Sie möchten zwei Jahre für 4000 Dollar (ca. 2900 Euro) Es geht hin und her und ihr einigt euch auf 5000 Dollar für die Nutzung von drei Jahren. Oder du machst es für 3500 Dollar (ca. 2500 Euro) für die Nutzung von sechs Monaten. Ich versuche nur, eine Reihe von den Sachen zu zeigen, die passieren können.

Wenn du jemals mit einem „Auftragsvertrag” arbeitest, dann übergibst du dem Kunden die Bilder als Eigentum und sie haben uneingeschränktes lebenslanges Nutzungsrecht. Du hast nicht länger die Kontrolle über deine Arbeit. Ich würde das lieber in lebenslange unbegrenzte Lizenz ändern und als Eigentum behalten. Ich stoße da nicht oft drauf, aber von Zeit zu Zeit kommt es mal vor. Werd dir bewusst, dass Nutzung einfach genau so verhandelbar ist wie Preise, und manchmal ist es sogar wertvoller. Wenn du die Bilder behalten kannst, dann hast du die Möglichkeit, sie später zu verkaufen. Ich wurde mal von einem Magazin engagiert, um die Person X zu fotografieren. Diese Person arbeitet für das Unternehmen Y. Das Unternehmen ließ sich dann die Nutzung der Fotos von mir lizenzieren. Ein 300-Dollar (ca. 220 Euro)-Shooting für ein Magazin kann sich später zu einem 3000-Dollar (ca. 2200 Euro)-Lizenzverkauf wandeln. Wenn du unter einem Auftragsvertrag stehst, dann ist dieser 3000-Dollar-Verkauf futsch. Das Magazin kann die Lizenz sogar an das Motiv verkaufen und mehr Geld aus deiner Arbeit rausholen. Lustig, hä?

Als ich anfing, mit Bands zu arbeiten, hab‘ ich nie etwas davon schriftlich festgehalten. Die mündliche Abmachung lautete: Du zahlst mir Geld; ich gebe dir die Bilder. Ich besitze die Bilder und kann damit später machen, was ich will, außer Commercial-Arbeit, solange ich nicht die Freigabe der Models bekomme. Ich wollte keiner unbekannten Band nachjagen, weil ich eines meiner Bilder an einem Telefonmast sah, um ihr Konzert in Tom‘s Wing Shack zu promoten. Weißt du, was ich meine?

Dann fotografierte ich diesen Kerl namens Zac Brown. Zac war einfach nur ein lokaler Musiker, der in der Szene von Atlanta arbeitete. Ich fotografierte ihn für 250 Dollar (ca. 180 Euro) und gab ihm eine Disk mit den Bildern. Jetzt ist er eine relativ große Nummer. Als es mit seiner Karriere so richtig losging, waren diese Bilder überall. Sie wurden auf T-Shirts gedruckt. Er ergatterte sich Sponsoren. Sie nutzten die Bilder. Er schrieb kürzlich ein Kochbuch – und rate mal – meine Bilder von dem Shooting waren in dem Kochbuch. Ich hatte keine schriftliche Vereinbarung. Es gab keinen unterschriebenen Vertrag, der die Nutzung untersagte.

Ich hätte richtig Staub aufwirbeln können, als ich sie auf einem Jägermeister-Poster sah. Gesetzlich hatten sie keine Rechte an den Bildern. Ich hätte einen Aufstand wegen des Kochbuchs machen können. Ich hätte Briefe mit angehängten Rechnungen schicken können. Ich hätte mir einen Anwalt nehmen können. Oder – ich könnte meine Lektion daraus lernen und mit meinem Leben fortfahren. Zac gehört jetzt eine Plattenfirma. Er arbeitet mit vielen Künstlern. Rate mal, wer einige Shootings für sie macht? Rate mal, wer mehr als 250 Dollar für diese Shootings nimmt? Rate mal, wer einen verdammten Vertrag über die Shootings hat, der die Nutzung ausschließt? Rate mal, wer zwei Daumen hat? Ich. Ich albere seitdem mit ihm rum und sage, dass ich mehr hätte berechnen sollen und besser einen Vertrag gemacht hätte. Er lächelt, klopft mir auf den Rücken und sagt: „Verdammt richtig!”

Du lernst. Du machst weiter. Es ist gut, solche Sachen schriftlich festzulegen, auch bei den kleinen Aufträgen. Betrachten wir mal die Person, die nach dem Shooting im Frisörsalon gefragt hat (Seite 152). Ein Fotograf fotografiert Bilder, übergibt die Bilder dem Salonbesitzer und dann geht der Fotograf nach Hause. Eines Tages kommt ein Handelsvertreter für die Produkte herein und sieht die Bilder. Der Vertreter liebt sie und möchte sie für eine Werbung benutzen. Der Salonbesitzer, der sich mit Nutzungsrechten nicht auskennt, händigt dem Vertreter die Disk mit den Bildern aus und sie landen in einer nationalen Werbekampagne.

Was dann? Gut, der Fotograf kann im Salon anrufen und ihnen sagen, dass das, was sie gemacht haben, falsch war. Der Salonbesitzer wusste es nicht, er dachte, er könnte die Bilder nutzen, wie er wollte. Und außerdem mag er diesen Vertreter und diese Firma und er muss eine gute Beziehung zu ihnen haben, dabei halfen ihm die Bilder. Nun kontaktiert der Fotograf die Produktfirma und lässt sie wissen, dass sie keine Rechte an den Bildern haben. Dem Vertreter wurde gesagt, das hätten sie. Nichts ist schriftlich festgelegt und die Leute werden sauer. Der Fotograf fühlt sich übervorteilt, der Vertreter ist vom Salonbesitzer angepisst und der Salonbesitzer ist vom Fotografen angepisst und der Fotograf von allen. Das wird nicht gut enden, auch nicht, wenn es dem Fotografen gelingt, einen Scheck aus dieser Situation rauszuhandeln. Der Salon wird den Fotografen nie mehr anrufen. Jede Verbindung, die mit der Produktfirma geknüpft hätte werden können – du weißt schon, die deine Arbeit mochten –, ist zerstört. Der Fotograf bekommt einen Scheck und es wird sich im Salon einen Monat lang täglich das Maul über ihn zerrissen. Scheiße! Der Salonbesitzer sieht die Bilder an der Wand, denkt an den Fotografen und ist unglücklich.

Atme tief durch, wenn du in solche Situationen gerätst. Du bist dabei der Verlierer. Geh diplomatisch vor, geh zum Salon und sprich mit dem Besitzer. Lass ihn wissen, dass die Firma keine Rechte an den Bildern hat, aber es ist okay, weil der Besitzer es nicht wusste. Du lagst falsch, weil du das nicht berücksichtigt hast, als du den Job gemacht hast. Keine Sorge. Du bist eigentlich richtig glücklich, dass die Firma deine Fotos mag. Kannst du den Namen und Kontaktdaten von diesem Vertreter bekommen, damit du einen Auftragskiller engagieren kannst? Nein – nicht um einen Killer zu engagieren.

Du rufst den Vertreter an und stellst freundlich klar, dass die Nutzung nicht bewilligt war, aber dass du keinen Stunk machen wirst. Aber in der Zukunft müssen sie dich für die Nutzung kontaktieren. Du bist super duper glücklich, dass sie deine Bilder mögen, und du würdest gerne mit ihnen über weitere Aufträge sprechen. „Ich habe diesen Job mit wenig Geld erledigt. Ich würde gerne mit Ihnen darüber sprechen, was wir mit mehr Zeit und mehr Ressourcen machen könnten.” Oder so was in der Art. Informiere alle involvierten Parteien freundlich, zeig keine Boshaftigkeit und versuch, dass du dabei ein paar zukünftige Aufträge rausholen kannst. Denk daran – es ist deine Schuld, du hast es am Anfang nicht berücksichtigt. Du kannst zwar die anderen beschuldigen, aber geh nicht so weit. Lern deine Lektion. Klär die anderen auf. Geh einen Schritt voran.

**Auch bei Hochzeiten und Familiensachen geben viele Fotografen eine Freigabe für die digitalen Dateien, die besagt, dass sie nur für den privaten Gebrauch genutzt werden dürfen.

Was sagt ihr zu den Antworten von Zack Arias? Welche Antworten hättet ihr auf die Fragen gegeben?

* Affiliate-Link
Disclaimer: Das Buch erscheint im selben Verlag wie meine beiden Bücher „Stockfotografie„* und „Die Arbeit mit Models„*

Warum die neuen Filter von Google Bildagenturen bedrohen können

Ich sage es schon eine Weile, dass die größte Änderung im Stockfotografie-Markt vermutlich von einer Seite kommen könnte, die einige gar nicht im Blick haben.

Ich meine Technologiekonzerne, allem voran die – nicht nur – Suchmaschine Google. Viele vergessen, dass auch Bildagenturen wie Shutterstock, iStock und Fotolia in erster Linie Technologiefirmen sind, die mehr oder weniger zufällig eben mit der Ware „Bilder“ handeln. Genauso gut könnten sie auch Musik, Texte, Code-Schnipsel, Schulungsvideos und so weiter verkaufen. Agenturen wie Envato oder Pond5 versuchen das ja auch und auch Shutterstock hat kürzlich mit Skillfeed einen Marktplatz für Tutorials ins Leben gerufen. Den alteingesessenen Macrostock-Agenturen haben diese Firmen ganz schön zugesetzt, weil plötzlich viel Know-How ins aus unerwarteter Richtung ins Spiel kam.

Was bisher geschah…

Aber zurück zu Google. Schon 2009 schrieb ich, dass die neu eingeführte Google Bildersuche (heute als „Google Images“ bekannt), die Stockfotografie verändern würde. Schon kurz darauf waren die Suchergebnisse bei Google Images deutlich besser als von TinEye, um gleiche Bilder im Netz zu finden. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde ein geheimer Deal zwischen Getty Images und Google bekannt, der auf jeden Fall zeigt, dass Google der Bildermarkt bekannt ist. Ca. ein halbes Jahr später führte eine grundlegende Layout-Änderung bei der Google Bildersuche zu ersten Umsatzeinbrüchen bei Bildagenturen.

Die letzte Ankündigung reiht sich damit fast nahtlos in eine Entwicklung ein, die immer bedrohlicher für Bildagenturen ist.

Was neu ist…

Google veröffentlichte vor paar Tagen eine neue Filter-Möglichkeit für die Bildersuche, bei der Bilder nach bestimmten Verwendungszwecken gefiltert werden können. So „neu“ ist die Funktion zwar nicht, denn sie ist seit ca. vier Jahren bekannt, aber bisher war sie sehr gut in den Tiefen eines Untermenüs versteckt.

Hierarchisch geordnet sehen die angebotenen Filtermöglichkeiten so aus:

  • nicht nach Lizenz gefiltert
  • zur Wiederverwendung gekennzeichnet
  • zur kommerziellen Wiederverwendung gekennzeichnet
  • zur Wiederverwendung mit Veränderung gekennzeichnet
  • zur kommerziellen Wiederverwendung mit Veränderung gekennzeichnet

Jetzt können diese Optionen relativ sichtbar unter dem Suchfeld bei „Suchoptionen/Nutzungsrechte“ eingeblendet werden.

Im Hinblick auf diese Neuerung werden aktuell hauptsächlich zwei Aspekte diskutiert. Die Genauigkeit dieser Filter sowie die langfristige Änderung von Suchgewohnheiten.

Wie genau die Nutzungsrechte gefiltert werden…

Aktuell speisen sich die meisten Bilder, welche überhaupt gefiltert werden, aus dem Pool von Flickr, Wikipedia, Deviantart, Fotocommunity und einigen anderen „Crowd Sourcing“-Bilderseiten.

Kritiker werfen unter anderem ein, dass die angezeigten Filter einerseits nicht genau genug sind, andererseits nicht dem üblichen „Branchenslang“ entsprechen (was angesichts der Verwirrung um Begriffe wie „lizenzfrei“ vielleicht sogar besser ist) und Google natürlich auch keine Haftung übernimmt, ob die Lizenzen korrekt vergeben wurden.

So behauptet Google gerne, dass ein Creative-Commons-Bild, welches unter die „CC BY-SA 2.0„-Lizenz gestellt wurde (Namensnennung und Wiedergabe unter gleichen Bedingungen), „zur kommerziellen Wiederverwendung gekennzeichnet“ wäre. Das ist zwar insofern korrekt, dass solche Bilder ausdrücklich kommerziell genutzt werden dürfen, aber eben nur, wenn der Urheber genannt wird und das Endprodukt (zum Beispiel die Werbeanzeige oder das Computerspiel mit dem Bild im Einsatz) ebenfalls mit der „CC BY-SA“-Lizenz veröffentlicht wird. Das sind praktisch so gravierende Einschränkungen, dass der (unabsichtliche) Missbrauch von CC-Lizenzen damit eher zunehmen als abnehmen wird.

Außerdem wissen die meisten Leute eben nicht, dass die Nutzungsrechte nur ein rechtlicher Aspekt bei der legalen Bildnutzung sind. Sind Personen auf dem Bild, müssen zusätzlich auch die Persönlichkeitsrechte der Person beachtet werden, es gibt noch den Patentschutz, Markenschutz, Designschutz und so weiter.

Tatsächlich halte ich das Problem aber für beherrschbar, weil Google durch seine ausgefeilten Algorithmen die Bilderkennung mittlerweile sehr gut beherrscht und sicher immer noch besser darin werden wird. So wäre es bestimmt technisch leicht lösbar, bei identischen Bildern an mehreren Stellen im Netz automatisch immer die strengstmögliche Nutzungskennzeichnung anzunehmen. Wenn also eine Bildagentur ein Bild mit Wasserzeichen veröffentlicht und jemand das Bild illegal bei Flickr als „Public Domain“-Bild einstellen würde, könnte Google – technisch gesehen – bestimmt schnell erkennen, dass es eigentlich urhebergeschützt ist. Wenn sie es nicht jetzt schon so machen.

Beunruhigender finde ich den zweiten Aspekt:

Wie sich die Suchgewohnheiten ändern können…

Wir leben – nicht nur digital – in einer Filterblase und nehmen die Umwelt um uns herum nach bestimmten Kriterien wahr. Jemand, der in der Bilderbranche arbeitet, sieht überall Stockfotos und erkennt seine Models wieder, während Menschen mit anderen Berufen die meisten Motive spätestens nach paar Sekunden wieder vergessen haben. Deshalb denken wir Stockfotografen auch, dass viele Leute ja Bildagenturen kennen müssten, wo sie Fotos günstig einkaufen können. Unter dem Strich wissen jedoch mehr Menschen nicht, dass Bildagenturen existieren und was diese verkaufen als andersrum. Wer auf der Suche nach Bildern ist, geht viel häufiger zu Google und schaut sich dort die Ergebnisse an.

Deswegen geben Bildagenturen auch sehr viel Geld aus, um entweder direkt bei Google Werbung zu schalten oder indirekt, um mittels ausgefeilter SEO-Maßnahmen die eigenen Bilder in die obersten Reihen der Google-Bildersuche zu drücken. Das funktionierte lange sehr gut, bis Google, wie erwähnt, das Layout umstellte. Jetzt geht Google noch einen Schritt weiter. Sobald der Bildsucher auch nur nach irgendeiner Lizenz sucht, fallen praktisch alle Agenturbilder, egal ob Microstock oder Macrostock, aus dem Raster. Übrig bleiben Amateurbilder.

Das kann einerseits dazu führen, dass auch professionelle Bildkäufer sich vermehrt bei den kostenlosen Bildern bedienen. Das wiederum schwächt die Profis, wenn sie nicht in der Lage sind, sich durch Motivwahl, Qualität oder andere Unterschiede von den Hobbyfotos abzugrenzen.

Andererseits lernen vielleicht weniger Menschen, die noch keine Bildkäufer sind, überhaupt Bildagenturen kennen und gewöhnen sich daran, dort bequem und rechtssicher Fotos lizenzieren zu können. Denn wie die meisten Bildagenturen bestätigen werden, ist eine der größten Trafficquellen jeder Agentur die Google Bildersuche. Gewesen, müsste ich in Zukunft vielleicht schreiben müssen.

Was ebenfalls passieren könnte…

Es könnte sein, dass Google mit dem Nutzungsrechte-Filter die Bildsucher auch dafür sensibilisieren will, dass nicht jedes Bild einfach beliebig genutzt werden darf. Wenn das klar ist, erscheint logischer, dass für eine Nutzung was gezahlt werden müsste. Wenn jetzt Google Rechteinhabern anbieten würde, ihre Bilder ebenfalls unter „für kommerzielle Weiterwendung gekennzeichnet“ anzuzeigen und ein kleines Warenkorb-Symbol unter das Foto packt, damit klar ist, dass für diese Fotos eine kleine Gebühr bezahlt werden muss, wäre das für die Bilderbranche eine Revolution.

Abwegig wäre es keinesfalls. Google verkauft über den Playstore schon eine Weile digitale Inhalte, hat das Vertriebsnetz und die Bezahlmöglichkeiten also praktisch getestet. Google hätte von allen Bildagenturen von Anhang an die größte Nutzerbasis. Google hat das technische Know-How, um doppelte Bilder wegzufiltern, ähnliche Bilder anzubieten, Keyword-Vorschläge zu machen und so weiter. Selbst für die Rechteinhaber, also die Fotografen oder Grafikdesigner, wäre ein Angebot von Google verlockend: Immerhin nimmt Google Play nur 30% Kommission von den Anbietern, während es bei iStock bis zu 85% sind.

Die Leidtragenden wären die bisherigen Bildagenturen. Der Markt bleibt also sehr spannend.

Was sagt ihr? Wie könnte Google den Bildermarkt umkrempeln?

Stockfotos kaufen: Verbotene Nutzungen

Ursprünglich sollte der Titel dieses Artikels „Schutz von Models in Bildagenturen“ lauten. Denn bei Fotos mit Models gibt es in der Praxis die häufigsten Probleme, wenn ein gekauftes Bild falsch eingesetzt wird. Oder wie es mir gegenüber ein Rechtsanwalt treffend formulierte: „Eine Banane verklagt nicht wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten“.

Deswegen will ich in diesem Text kurz zusammenfassen, welche Nutzungsarten üblicherweise verboten sind. Dabei konzentriere ich mich die Bereiche, die auch für Models interessant sind, den ich bekomme häufig von Models zu hören, dass sie nicht wollen, dass ihre Fotos für „unseriöse“ Zwecke genutzt werden. Die Auflistung hat nur einen Hinweis-Charakter, rechtlich verbindlich sind immer die Lizenzbedingungen der jeweiligen Bildagentur, von der ein Bild gekauft wurde. Unten habe ich diese Lizenzverträge auch verlinkt und einen Teil der wichtigen Passagen zitiert.

Türsteher verweigert Zutritt

Wer bis zum Ende durchgehalten hat, mag den Eindruck bekommen, dass kaum eine Nutzung mit Stockfotos möglich sei. Das stimmt natürlich nicht und ich werde bald einen Artikel mit den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Stockfotos veröffentlichen. Doch erst mal die Einschränkungen.

Verbotene Nutzung:

  • Nutzung in illegaler Weise
    Dazu zählt jede Nutzung, bei der das Foto im Zusammenhang mit illegalen Dingen gebracht wird. Üblicherweise sind das Rassismus, Sexismus, religiöse Intoleranz und all die anderen Dinge, die das Grundgesetz verbietet. Verboten wäre beispielsweise die Nutzung eines Fotos in einem volksverhetzenden Flyer einer rechtsextremen Partei.
  • Nutzung in erotischer/pornografischer Weise
    Dazu zählt beispielsweise, aber nicht ausschließlich, die Nutzung von Fotos auf dem Cover von Porno-Filmen oder Portraits von Models für Escort-Webseiten. Da die Grenzen zwischen Erotik und Pornografie fließend sind, sollte im Zweifel eher anhand einer konservativen Sicht entschieden werden oder besser direkt die Bildagentur nach dem konkreten Nutzungswunsch gefragt werden.
  • Nutzung in diffamierender Weise
  • Wer den Kopf eines Models auf einem Stockfoto ausschneidet und auf ein häßliches Tier montiert, beleidigt das Model. Oft ergibt sich eine Diffamierung aber nur aus dem Zusammenspiel von Bild und Text. Wen neben einem Model der Text „Sie sieht geil aus, aber ist strohdoof“ steht, ist das eine Beleidigung. Das gilt übrigens auch, wenn nicht das Model, sondern der Fotograf beleidigt wird, z.B. mit dem Kommentar: „Das Foto hat der Spanner heimlich im Bad aufgenommen“. Auch die Nutzung eines Fotos von einer glücklichen Familie am Frühstückstisch mit dem Text „Dank diesen Schlankheitspillen haben wir in einem Monat 20 Kilo abgenommen“ ist grenzwertig, denn es impliziert, dass die Models vorher 20 Kilo dicker wären. Außerdem berührt es die folgende verbotene Nutzung:
  • Nutzung als Meinungsaussage
    Wenn das Foto (meist in Verbindung mit Text) so genutzt wird, dass das Model angeblich eine Meinung äußert, ist das verboten. Klassische Fälle sind Aussagen wie „Ich wähl die Partei XY“, „Ich bin gegen Abtreibung“ oder „Ich esse nur das leckere Brot von Bäcker XY“. Besonders empfindlich sind Meinungsaussagen im Bereich Politik, Religion, Gesundheit und Moral.
  • Nutzung in verfälschender Weise
    Oft gibt es in Frauenzeitschriften Seiten mit Leserbriefen und Antworten der Redaktion, wo z.B: steht „Hilfe, mein Mann betrügt mich“, „Mein Sohn streitet immer mit mir“ oder „Mein Nachbar bedroht mich“. Zur Illustration werden gerne Stockfotos gekauft. Das ist nur zulässig, wenn dem Leser klar wird, dass die Personen auf dem Foto nicht identisch mit den Personen des Textes sind. Dazu stehen entweder neben dem Foto oder im Text „Szene nachgestellt“, „nur zur Illustration“ oder ähnliche Hinweise.
  • Nutzung in unmoralischer Weise
    Hier wird es schwammig. Viele Bildagenturen haben ihren Sitz in den USA, wo zumindest im Gesetzbuch strengere Sitten herrschen. Das schlägt sich in den Nutzungsbedingungen wieder. Häufig wird die Verwendung von Fotos im Zusammenhang mit Tabakwaren, Gesundheitsfürsorge (z.B. Monatshygiene, Nahrungsergänzung, Verdauungshilfsmittel, Hygieneprodukte, Geburtenkontrollen) oder Drogenmißbrauch (auch Alkohol). Je nach Bildagentur wird das mehr oder weniger ausführlich aufgelistet.

Die Faustregel für verbotene Nutzungen ist: Wenn sich die Nutzung eines Bildes für das Model, den Fotografen oder die Bildagentur irgendwie negativ auswirken könnte (Rufschädigung, Umsatzeinbruch, o.ä.), sollte vorher die Bildagentur gefragt werden und im Zweifel das Bild nicht genutzt werden.

Zusätzlich zu diesen „moralischen“ Verboten gibt es noch andere Kategorien.

Mehr verbotene Nutzungen:

  • In der Regel darf ein Stockfoto nicht als Teil eines Logos, einer Geschäftsmarke oder Dienstmarke genutzt werden. Der Grund ist, dass z.B. ein Logo selbst schutzwürdig ist. Da der Bildkäufer aber nicht die erforderlichen Rechte am Foto besitzt, um diesen Schutz in Anspruch nehmen zu können, gäbe es einen Interessenkonflikt.
  • Stockfotos dürfen vom Bildkäufer weder kostenlos und gegen Bezahlung zum Download angeboten werden. Es gab Fälle, wo Bildkäufer die gekauften Bildern selbst bei Bildagenturen hochgeladen haben, um damit Geld verdienen zu wollen. Das ist verboten!
  • Nutzungsrechte übertragen: Beim Kauf eines Stockfotos erwirbt der Käufer nicht das Foto selbst, sondern Nutzungsrechte, die je nach Bildagentur genauer definiert werden. Üblicherweise ist verboten, dieses Nutzungsrecht anderen zu übertragen. So darf beispielsweise eine Werbeagentur das Foto für einen Kunden kaufen (sozusagen in dessen Auftrag), aber nicht das gleiche Foto für einen anderen Werbekunden nutzen, es sei denn, es wird noch mal gekauft. Auch das Einsenden von Fotos zu Fotowettbewerben oder ähnliches ist damit nicht möglich.

Einschränkungen bei „Einfacher“ vs. „Erweiterter“ Lizenz

Viele Bildagenturen bieten Fotos in allen möglichen Größen an und zusätzlich in je zwei verschiedenen Lizenzarten: Die günstige „einfache Lizenz“ (oder Standardlizenz, Basic License, etc.) und die teurere „Erweiterte Lizenz“ (oder Merchandisinglizenz, Extended Licence, etc.). Grob gesprochen: Wer etwas mit einem Foto als Hauptbestandteil des Produkts (Poster, Postkarten, T-Shirts, Kalender, …) weiterverkaufen, braucht eine Erweiterte Lizenz. Dazu gibt es hier bald einen ausführlicheren Artikel.

Wer ein Gefühl dafür bekommen will, welche Nutzungen verboten sind, kann sich nun entweder zu den – meist sehr langatmigen – Lizenzverträgen im Original durchklicken, oder in den von mir zusammengesuchten gekürzten Zitaten stöbern.

Getty Images: Vollständiger Lizenzvertrag (RF) für Bildnutzer.

Darin steht u.a.:

3. Einschränkungen
[…]
3.5    Bei Verwendung von Lizenzmaterial, auf dem ein Fotomodel oder Objekt in Verbindung mit einem Thema erscheint, das auf den gewöhnlichen Betrachter verletzend oder unangemessen kontrovers wirkt, muss der Lizenznehmer bei jeder derartigen Verwendung eine Erklärung hinzufügen, aus welcher hervorgeht, (i) dass das Lizenzmaterial lediglich zu Illustrationszwecken eingesetzt wird und (ii) es sich bei der ggf. abgebildeten Person um ein Fotomodell handelt.
3.6    Das Lizenzmaterial darf nicht in pornografischer, diffamierender oder anderweitig rechtswidriger Weise verwendet werden, weder direkt noch implizit oder in Kombination mit anderen Materialien oder Inhalten. Außerdem ist der Lizenznehmer zur Einhaltung aller geltenden rechtlichen Vorschriften und/oder brancheninternen Regelungen verpflichtet.“

Corbis: Vollständiger Lizenzvertrag für Bildnutzer (PDF).

Darin steht u.a.:

11. Unauthorized Uses:

Without limitation, Content may not be used as a trademark, or for any pornographic use, unlawful purpose or use, or to defame any person, or to
violate any person’s right of privacy, publicity or moral rights, or to infringe upon any copyright, trade name or trademark of any person or entity.“

Mauritius Images: Vollständiger Lizenzvertrag für Bildnutzer.

Darin steht u.a.:

III. Verwendungseinschränkungen
[…]
6. Es ist nicht gestattet, die Bilder auf beleidigende, ehrrührige, pornographische, betrügerische, verletzende oder quälende Weise zu verwenden oder in einen solchen Zusammenhang zu bringen. Berührt der geplante Einsatz dieser Bilder solche Bereiche oder kann auf einen der vorgenannten Begriffe ein Zusammenhang geschlossen werden, ist eine vorherige schriftliche Genehmigung einzuholen. Dieser Begriff gilt einschließlich, aber nicht nur beschränkt, auf Drogenmissbrauch, körperliche oder seelische Grausamkeiten, Alkohol, Tabak, Aids, Krebs oder andere schwere körperliche oder geistige Gebrechen sowie die Verunglimpfung einer Person oder Sache.“

Istockphoto: Vollständiger Lizenzvertrag für Bildnutzer.

Darin steht u.a.:

4. Standardlizenzbeschränkungen

(a) Untersagte Nutzungen. Sie dürfen den Content lediglich dazu verwenden, was in vorstehendem Abschnitt oder durch eine Erweiterte Lizenz zulässig ist. Zur weiteren Erläuterung stellen folgende Handlungen „Untersagte Nutzungen“ dar und sind Ihrerseits zu unterlassen:
[…]
6. Nutzung des Contents auf eine Art und Weise, die durch iStockphoto (berechtigterweise handelnd) oder gemäß dem anwendbaren Recht ihrer Natur nach als pornografisch, obszön, unmoralisch, verletzend, diffamierend oder verleumderisch angesehen werden, bzw. die hinreichend wahrscheinlich jedwede in dem Content dargestellte Person oder Objekt in Misskredit bringen würden;
7. Nutzung oder Darstellung eines jedweden Contents, der ein Modell oder eine Person auf eine Art und Weise darstellt, die
(i) eine vernünftige Person dazu bringen würden, anzunehmen, dass diese Person jedwede Geschäftstätigkeit, Produkt, Dienstleistung, Grund, Verbindung oder sonstige Bemühung nutzt oder persönlich billigt; oder
(ii) die diese Person in einer möglicherweise sensiblen Situation darstellt, einschließlich, aber ohne Beschränkung auf mentale und physische Gesundheits- und Sozialverhalten, bei einer sexuellen oder angedeuteten sexuellen Handlung oder Vorlieben, Drogenmissbrauch, Verbrechen, physischem oder mentalem Missbrauch oder Leiden, bzw. jedweder sonstigen Situation, die berechtigterweise wahrscheinlich für jedwede in dem Content dargestellte Person anstoßend oder unschmeichelhaft wäre“

Fotolia: Vollständiger Lizenzvertrag für Bildnutzer.

Darin steht u.a.:

3. Einschränkungen

Unbeschadet jeglicher anders lautender und in diesem Vertrag enthaltener Bedingungen anerkennt, akzeptiert und garantiert das Nicht-exklusiv Downloadende Mitglied ohne Beschränkung gegenüber irgendwelchen vorgenannten Einschränkungen, dass es nicht zu Folgendem berechtigt ist:
[…]
(j) Jedwede Handlungen in Verbindung mit dem Werk, die gegen Gesetze, Bestimmungen oder Rechtsvorschriften in einer geltenden Gerichtsbarkeit verstoßen;
[…]
(m) Jegliche Handlungen in Verbindung mit dem Werk, die es selbst, den Urheber des Werks oder in dem Werk erscheinende Menschen oder Eigentum (falls vorhanden) mit jedweden politischen, religiösen, wirtschaftlichen oder anderen Bewegungen oder Parteien auf Meinungsbasis in Zusammenhang bringen.
(n) der Gebrauch des Werkes in einer Art und Weise, die die angebildete Person oder den Urheber in einem negativen Zusammenhang darstellen, u.a.:
(1) Pornografie
(2) Zigaretten und Tabakprodukte
(3) Herrenclubs, Nacktbars und Escort-Services
(4) Extreme politische Parteien und Meinungsförderung im politischen Sinne
(5) Pharmazeutische Produkte oder den Bereichen Monatshygiene und Geburtenverhütung
(6) Diffamierende, unrechtliche, beleidigende oder unmoralische Verwendungsarten“

Shutterstock: Vollständiger Lizenzvertrag für Bildnutzer.

Darin steht u.a.:

Teil 2 Einschränkungen

Sie dürfen nicht:
[…]
8. ein Bild in Zusammenhang mit pornografischem, verleumderischem, oder sonstwie illegalem oder sittenwidrigem Inhalt oder auf eine Art und Weise verwenden, dass ein Markenzeichen oder geistiges Eigentum verletzt wird.
9. ein Bild auf eine Art und Weise benutzen, dass eine Person auf dem Foto negativ dargestellt wird oder die Person so darstellt wird, dass sie daran Anstoß nehmen könnte. Das schließt folgende Beispiele ein (ist aber nicht auf solche Beispiele beschränkt):
a) die Verwendung von Bildern in Pornografie, erotischen Videos, oder dergleichen,
b) in Tabak Reklamen,
c) in Reklamen für Nachtclubs o.ä., oder für Dating, Begleitung, oder ähnliche Dienstleistungen,
d) in Zusammenhang mit politischen Befürwortungen,
e) in Reklame oder Promotion-Material für pharmazeutische Produkte oder Gesundheitsfürsorge, einschließlich (aber nicht beschränkt auf) Nahrungsergänzung, Verdauungshilfsmittel, Phytopharmaka, hygienische Produkte oder Produkte für Geburtenkontrolle
f) Verwendungen, die verleumderisch sind, oder die illegalen, anstößigen, oder unmoralischen Inhalt haben.
Sie dürfen kein Bild, auf dem die Abbildung einer Person zu sehen ist, benutzen, wenn die Benutzung andeutet, dass das Model sich an unsittlichen oder illegalen Taten beteiligt fühlt oder an körperlichen oder geistigen Krankheiten, Gebrechen oder Unpässlichkeiten leidet.“

123rf: Vollständiger Lizenzvertrag fü Bildnutzer.

Darin steht u.a.:

4. You may NOT
[…]
(f) under any circumstances use Content in connection with any pornographic, obscene, immoral, defamatory or illegal materials; endorsement of product(s); sensitive mental/health/other similar aspect of contexts or subjects.“

StockXpert: Vollständiger Lizenzvertrag für Bildnutzer.

Darin steht u.a.:

B: Prohibited uses

You may not use the Image in the following ways, unless they are expressly permitted by one of our Extended licenses that You have obtained from Us in writing for the Image:
[…]
* For pornographic, unlawful or other immoral purposes, for spreading hate or discrimination, or to defame or victimize other people, societies, cultures.
* In a way that would make people assume that the person(s) depicted on the Image is/are endorsing a certain product or a service.
* In a way that could give a bad name to either Stockxpert or the person(s) depicted on the Image, including illustrating sensitive social subjects such as health issues, crime, sexual preferences, drug abuse or similar issues.“

PantherMedia: Vollständiger Lizenzvertrag für Bildnutzer.

Darin steht u.a.:

4. Unerlaubte Nutzung

Die Inhalte dürfen nicht eingesetzt werden
(a) für pornografische, sexistische, diffamierende, verleumderische, rassistische, Minderheiten oder religiös verletzende Darstellungen
(b) in einer dem Urheber oder die abgebildete Person/en herabwürdigenden Art und Weise bzw. wenn davon ausgegangen werden kann, dass der Urheber oder die abgebildete Person mit der Veröffentlichung (trotz Vorliegen eines sogenannten Model Releases = Freigabeerklärung) nicht einverstanden sein könnte. Zur Verdeutlichung: Dies betrifft alle Abbildungen, die diese Person in einer möglicherweise persönlichkeitsverletzenden Situation darstellt, einschließlich sexuellen oder angedeuteten sexuellen Handlungen oder Vorlieben, Drogenge- oder -missbrauch, Verbrechen, physischem oder mentalem Missbrauch oder Leiden, bzw. jedweder sonstigen Situation, die berechtigterweise wahrscheinlich für jedwede in dem Inhalt dargestellte Person anstoßend wäre (z.B. Dating-Seiten, Escort Services, Erotikangebote, pornografische Angebote, jugendgefährdende Seiten). In diesem Fall ist ein ausdrückliches schriftliches Einverständnis der betroffenen Person über PantherMedia einzuholen (gegen eine pauschale Gebühr).
[…]
(f) für sonstige unerlaubte Handlungen“

Zoonar: Vollständiger Lizenzvertrag für Bildnutzer (PDF).

Darin steht u.a.:

IV. Urheberrechte, Verwertungs- und Nutzungsrechte

[…]
4. Tendenzfremde Verwendung und Verfälschung in Bild und Wort sowie
Verwendungen, die zur Herabwürdigung abgebildeter Personen führen können, sind
unzulässig und machen den Kunden bzw. Verwender schadenersatzpflichtig.“

Was sind Eure Erfahrungen mit den Einschränkungen bei der Nutzung von Stockfotos?

Tipps für den ersten Fotoverkauf

Der Hobby-Fotograf Steffen Göthling hat hier in seinem Blog „Lens-Flare“ ein gutes Praxisbeispiel geschrieben, wie Amateure sich verhalten sollten, wenn die erste Anfrage kommt, dass jemand ein Bild nutzen möchte. Viele Fotografen hätten einfach „Ja“ und Amen gesagt und sich gefreut, dass ihre Aufnahmen beliebt sind.

Steffen jedoch hat jetzt 350 Euro mehr im Sparschwein (dafür gibt es schon nette Objektive), weil er behutsam gefragt hat, wofür das Foto genutzt werden soll (Buchcover!) und sich daraufhin mit diesem hilfreichen Fotohonorar-Rechner nach branchenüblichen Preisen erkundigt hat. Hut ab für diese umsichtige Vorgehensweise.

Wie habt ihr Euer erstes Fotos verkauft?