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Darf man Stockfotos für Erotikseiten oder Sexshops benutzen?

Vor paar Tagen habe ich wieder eine interessante Frage per Email bekommen, die ich gerne öffentlich beantworten will, weil ich manchmal ähnliche Probleme in der Praxis hatte.

„Hallo Herr Kneschke,

ab und zu sehe ich auf Ihrem Blog mal vorbei. Fand es bisher immer sehr lehrreich.

Jetzt habe ich eine Frage. Für einen Erotikshop, Kleidung bis Sexspielzeug, werden neue Bilder benötigt. Ist es erlaubt, dafür z. B. ein Microstock-Bild zu kaufen? Es geht einfach um eine lächelnde, attraktive Frau, weder in erotischer Pose noch ähnlichem. Ist eine solche Verwendung problematisch?

Viele Grüße,
[Name entfernt]“

Die kurze Antwort: Ja, eine solche Verwendung ist problematisch, denn es ist meist nicht erlaubt.

Ich habe hier in meinem Blog einen Überblick über die erlaubten und verbotenen Verwendungen veröffentlicht. Vor allem die amerikanischen Agenturen sind da sehr streng.

Fotos für einen Erotikshop zu nutzen, ist von den Agenturen meist untersagt, weil die Nutzung entweder als „pornografisch„, „diffamierend“ oder als „unmoralisch“ ausgelegt werden könnte. Ob die Fotos in neutraler Pose oder eher sexy und lasziv sind, spielt da eine untergeordnete Rolle. Die „Compliance and Enforcement“-Abteilung von iStockphoto argumentierte in der Vergangenheit zwar manchmal bei erotischen Fotos, dass den Models klar sein müsse, in welchem Umfeld solche Fotos benutzt werden, aber eins der betroffenen Models hatte die Sache selbst juristisch verfolgt und sowohl eine Entfernung als auch Entschädigung erwirkt.

Ein weiterer Punkt, an den selten gedacht wird, ist, dass Geschäftsbetreiber zur Einhaltung geltender Gesetze verpflichtet sind und da der Bildkäufer beispielsweise nicht weiß, ob ein abgebildetes Model möglicherweise minderjährig ist, könnte es neben den oben genannten Punkten auch zu Problemen wegen des Alters (Stichwort Jugendschutzgesetz) kommen.

Ich hatte beispielsweise ein Foto von einer feiernden Mädchengruppe gemacht, von denen mindestens eins der Models unter 18 Jahren war. Das lizenzierte Foto wurde von einem der abgebildeten Models auf einer Webseite gefunden,  die für „Dildo-Partys“ geworben hatte. Das Model war nicht erfreut und der Shop-Betreiber hat das Foto auch schleunigst entfernt.

Ich kenne auch weitere Fälle, in denen Models und/oder Fotografen allergisch auf solche Nutzungen reagieren und diese meist erfolgreich kostenpflichtig abgemahnt haben.

Ich empfehle daher, entweder vor einer Nutzung über die Bildagentur den Fotografen und die Models mit einer Skizze oder einem Webseiten-Layout zu fragen, ob alle mit einer Nutzung einverstanden sind oder direkt einen Fotografen zu beauftragen, der das gewünschte Foto umsetzt. Auch da sollten sowohl Fotograf als auch die Models im Vorfeld auf die geplante Verwendung hingewiesen werden. Eine weitere Möglichkeit wäre, Material von Bildagenturen zu nutzen, welche sich auf den „Adult-Bereich“ spezialisiert haben.

Welche Erfahrung habt ihr mit der Nutzung von Stockfotos im erotischen Kontext gemacht?

Honorarprobleme bei Hamburger Bildagentur?

Solche Geschichten höre selbst ich nicht alle Tage.

Der Fotograf Andreas P. (voller Name bekannt), seines Zeichens hauptberuflich Bildjournalist, verfolgt regelmäßig meinen Blog. Nach meinem Bericht über Browser-Plugins zum Finden der eigenen Bilder probierte er diese aus und bekam viele Treffer angezeigt. Was ihn wunderte: Einige davon wurden anscheinend von einer tschechischen Bildagentur namens Profimedia an Bildnutzer verkauft. Das Kuriose daran: Der Fotograf hat keine Geschäftsbeziehung mit dieser Agentur.

Nach etwas Recherche fand der Fotograf heraus, dass diese Bilder von der deutschen Agentur Face To Face kommen, mit der Andreas P. einen Autorenvertrag abgeschlossen hatte, um ca. 200 seiner Fotos zu vertreiben. In seinem Vertrag stand jedoch nirgends, dass eine Sub-Lizenzierung erlaubt sei. Dem deutschen Urheberrechtsgesetz nach (§35 UrhG) kann jedoch auch der Inhaber von ausschließlichen Nutzungsrechten „weitere Nutzungsrechte nur mit Zustimmung des Urhebers einräumen„.

Der Fotograf bat um eine Erklärung und eine Überweisung des ihm zustehenden Honorars. Immerhin liegen die Fälle teilweise schon über drei Jahre zurück.

Eines der betreffenden Fotos, was seit 2008 genutzt wird.

Der Geschäftsführer von Face To Face erklärte daraufhin dem verdutzten Fotografen, dass die Agentur für die Bildnutzung von der Partneragentur 0,58 Euro erhalten habe, was beim vereinbarten Honorarsplit von 50:50 einem Fotografenanteil von 29 Cent beträgt (Nachweis liegt vor). Ja, richtig gelesen: 29 Cent! Wohlgemerkt, es geht hier nicht Abo-Modelle einer Microstock-Agentur, sondern um ein RF-Bild bei einer angesehenen Macrostock-Agentur. Mindestens fünf Bilder waren betroffen, was zu einer Summe von 1,45 Euro führt.

Und es kommt noch besser: Der Betrag wurde nicht überwiesen, da die Bankgebühren den Betrag wieder auffressen würden (Nachweis liegt ebenfalls vor).

Auf jeden Fall – ich formuliere es mal vorsichtig – sehr unorthodox ist auch die Methode, den Fotografen über die erzielten Erlöse erstens nicht zu informieren und diese zweitens nicht nach dem Verkauf mit ihm zur Auszahlung zu bringen, obwohl vertraglich eine monatliche Auszahlung vereinbart ist (Nachweis liegt vor).

Der Fotograf hat ca. 200 Bilder bei der Agentur online und bei der ersten Stichprobe 12 Nutzungen von 10 Bildern gefunden, für die er bis heute kein Honorar überwiesen bekommenhat. Ob weitere Bilder betroffen sind, weiß er nicht. Raum für wilde Spekulationen ist daher vorhanden.

Unklar ist weiterhin auch, wie bei einer Macrostock-Bildagentur Honorare im Cent-Bereich anfallen konnten. Darauf hat der Fotograf noch keine Antwort erhalten.

Als ich den Geschäftsführer der Agentur um eine Stellungnahme bat, verbot dieser mir, ihn zu zitieren oder namentlich zu nennen, andernfalls müsse er den Rechtsweg wählen.

Insgesamt zeichnen sich diese Vorfälle durch ein Geschäftsgebaren aus, was mehr als geeignet ist, das Vertrauen von Fotografen in eine Agentur nachhaltig zu zerstören. Wer weiß schon, wie viele Bilder da draußen kursieren, die zwar verkauft und vom Bildkäufer ordentlich bezahlt wurden, aber im undurchsichtigen Netz der Partneragenturen und Vertriebskanäle versickert sind, sodaß die Fotografen kein Honorar dafür sehen?

Erst wenige Monate ist es her, dass Fotografen dank der neuen Bildersuche von Google Images systematischer nach der Verwendung von ihren Fotos fahnden können. Die Anzahl der Abmahnungen ist dadurch deutlich gestiegen, das merke ich bei mir selbst und auch von einigen Bildagenturen habe ich das gehört. Wie sieht es wohl bei den Büchern aus, die der Fotograf nicht so einfach durchsuchen lassen kann? Transparenz ist hier endlich mal nötig.

Wie seht ihr das? Was für Erfahrungen habt ihr mit Euren Honorarabrechnungen gemacht?

Update 13.12.2011: Die Bildagentur Face To Face wies den Fotografen jetzt auf einen „Royalty Free Zusatzvertrag“ hin, in dem steht, dass die Distribution über Partneragenturen erlaubt sei und Auszahlungen erst gesammelt ab einer Summe von 100 Euro ausgezahlt würden.

Stockfotografie-News 2011-05-13

Uhh, Freitag, der 13. Schlechte Nachrichten? Teilweise ja, leider. Die wohl dreisteste zuerst:

  • Die Firma TwitPic hat jetzt einen Vertrag mit der Bildagentur WENN geschlossen, welcher der Bildagentur erlaubt, Nutzerbilder kommerziell zu verwerten. Oder kurz formuliert: TwitPic verkauft jetzt die Fotos ihrer Nutzer, ohne sie vorher zu fragen. Und das Fotografenhonorar? Davon kein Wort. TwitPic ist ein Dienst, der es Twitter-Nutzern erleichtert, auch Fotos über Twitter zu versenden. Ich empfehle jedem, der TwitPic nutzt, in seinem Account nachzuschauen, ob er dort „wertvolle“ Fotos drin hat und diese zu löschen.
  • Interessant ist auch das Krisenmanagement von TwitPic. Vor paar Tagen veröffentlichte TwitPic in ihrem Blog eine Reaktion auf den Sturm der Entrüstung mit dem – frei übersetztem – Titel „Deine Inhalte – Dein Copyright„. Darin schreiben sie, dass das alles ein Missverständnis sei und das Copyright selbstverständlich beim Nutzer bleibe. Dabei geht es in der Diskussion gar nicht um das Copyright bzw. die Urheberrechte. Es geht um die Nutzungsrechte, die TwitPic verkauft und das ist etwas vollkommen anderes. Das steht jedoch nicht in deren Blog.
  • Aber es gibt auch gute Nachrichten: Die Bildagentur Panthermedia erhöht die Preise für ihre Bilder-Abonnements. So kostet beispielsweise das Jahresabo mit 100 Webbildern pro Monat 99 Euro statt 39 Euro. Das bedeutet für Fotografen, dass sie anteilig ebenfalls mehr Honorar bekommen. Grund für die Preiserhöhung ist, dass die Einführungsphase des Abo-Angebots abgelaufen sei und jetzt die „üblicheren Marktpreise“ gelten würden. Da es in der Vergangenheit auch Probleme mit den Partner-Agenturen gab, welche das Abo vertrieben, werden jetzte härtere Regeln eingeführt. Außerdem erhalten Fotografen eine Mindestbeteiligung pro Download im Partner-Abo von 30 Cent.
  • istockphoto führt eine neue Kollektion namens Photo+ ein. Das ist eine Sammlung besonderer Bilder nichtexklusiver Künstler, die dann zum gleichen – sprich: höheren – Preis angeboten werden wie Kollektion Exklusive+. Der Fotografenanteil bleibt aber weiterhin gleich, also ab 15%. Immer noch zu niedrig, finde ich. Im Forum sind auch vermehrt Meinungen zu lesen, dass noch eine weitere Kollektion (insgesamt gibt es jetzt mindestens 7, wenn ich richtig gezählt habe) die Käufer eher verwirren würde.
  • Noch mal istock: Dieser sehr lesenwerte Artikel von Cnet enthält viele weitere wichtige Fakten und Ankündigungen. So wird erwähnt, dass Videos mittlerweile für über 10% des Umsatzes bei istockphoto verantwortlich sind. Deshalb wird unter anderem eine höherpreisge Vetta Video-Kollektion geplant und auch der Vertrieb von hochauflösenden 2K- und 4K-Videos (zum Vergleich: FullHD hat ca. 2MP pro Standbild, 4K-Videos haben 12,5 MP pro Standbild.) Außerdem wird die Aufnahme von PNG-Fotos geplant, welche den Vorteil hätte, zusätzlich zum Motiv einen Alphakanal abzuspeichern, welcher Bildkäufern das Freistellen von Motiven erleichtert.
  • Die Bildagentur Zoonar hat jetzt auch die bekannte deutsche Bildagentur Mauritius Images als Partner gewonnen. Damit wird Imagebroker mit seinen strengen Vorschriften und kaum kontrollierbaren Bilderfluss als Distributionskanal immer uninteressanter.
  • Die Bildmaschine hat ihre Webseite geändert. Leider ist es im Fotografen-Bereich bei kosmetischen Änderungen geblieben, grundlegende Verbesserungen gibt es leider kaum.

Was waren für Euch die wichtigsten Foto-News der letzten Wochen? Ergänzungen bitte wie immer in den Kommentaren.