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Warum Pinterest Fotografen eher schaden als helfen wird

In der bunten Welt der Bilder gibt es einen neuen Hype: Pinterest!

Für alle, die davon noch nichts gehört haben: Pinterest ist ein Web-Service, mit dem Leute beliebige Fotos aus dem Internet an ihre eigene Pinterest-Seite „pinnen“ können. Es ist also – wie der Name vermuten lässt – eine Art digitale Pinnwand, auf der Leute ihre Webfundstücke präsentieren können. Vor allem Fotografen kennen das sicher, dass sie gerne inspirierende Motive aus dem Netz in einem Ordner auf der Festplatte sammeln.

Das Besondere – und meines Erachtens auch das Riskante – an Pinterest ist nun, dass die gepinnten Bilder für alle sichtbar sind – nicht nur für Mitglieder, sondern alle Internet-Nutzer. Die „Pins“, also die markierten Fotos, können die Nutzer in „Boards“ anlegen, vergleichbar mit verschiedenen Ordnern, um die Motive zum Beispiel nach Themen, Farben oder anderen Kriterien zu sortieren. Das Ganze kann dann zum Beispiel so aussehen:

oder auch so:

 


Wird die Maus auf eins der Bilder gehalten, erscheint gleich ein kleines Pop-Up-Fenster, mit dem Pinterest-Nutzer das Bild sofort auf ihre eigene Pinnwand „re-pinnen“ können. Wird auf eins der Bilder geklickt, erscheinen Detailinformationen, Kommentare anderer Nutzer zum Bild, und ähnliche Bilder etc. Das sieht zum Beispiel so aus:

Klingt doch alles super? Vielleicht. Das Problem wird aber schnell sichtbar.  Das Foto des jungen Geschäftsmann oben ist beispielsweise ist ein Bild des Stockfotografen Yuri Arcurs und es wurde von der italienischen Fotolia-Webseite kopiert, ohne es zu kaufen – ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Aber gehen wir einen Schritt zurück und nähern uns dem Problem anders.

Einige Fotografen propagieren Pinterest als kreativen neuen Weg zum Selbst-Marketing. Durch das Pinnen eigener Bilder würden Fotografen einen großen Kundenstamm erreichen können, der sonst vielleicht nie von dem jeweiligen Fotografen gehört hätte oder sie erzeugen Traffic auf die eigene Webseite oder den Blog. Andere sehen das eher mit Einschränkungen so und wieder andere raten Fotografen strikt von der Pinterest-Nutzung ab. Ich tendiere eher zur letzteren Meinung und kann die Ablehnung auf drei Ebenen begründen.

1. Ebene: Das Pinterest-Problem der Quellenangaben

Nehmen wir an, dass ein Fotograf nur seine eigenen Fotos dort veröffentlicht. Die „Pinterest-Etikette“ besagt, dass die Originalquelle immer angegeben werden sollte. Das ist aber keine Pflicht. Wenn jemand ein Foto ohne Quellenangabe hochlädt und es von dort oft weiter gepinnt wird oder jemand das Fotografenfoto nimmt, aber die Quelle nicht mehr erwähnt, führt das schnell dazu, dass massenhaft Fotos des Fotografen im Netz herumschwirren, ohne dass der gewünschte Werbeeffekt eintreten kann. Von Pinterest schwappt es dann nach Tumblr, Weheartit oder Flickr und irgendwann gilt das Bild als „verwaistes Werk“ (orphan work), welches legal genutzt werden kann, ohne den Fotografen zu fragen, weil der Urheber nicht mehr zu ermitteln sei.

Deshalb gilt: Wer unbedingt eigene Bilder bei Pinterest einstellen will, sollte das immer nur mit sichtbaren Wasserzeichen und Urheberhinweis in den Metadaten machen.

Die Macher von Photoshelter haben in einem lesenswerten Blogbeitrag auch festgestellt, dass die Hauptnutzer von Pinterest junge Frauen mit wenig Geld sind, welche „Design“ oder „Handarbeit“ als ihr Hobby angeben. Das ist meist nicht die Zielgruppe, die Fotografen bucht. Und warum sollten diese Leute Fotos kaufen, wenn sie diese doch kostenlos bei Pinterest veröffentlichen können? Das führt langfristig zum Problem auf der dritten Ebene, aber zuerst kommt die zweite Ebene:

2. Ebene: Das Pinterest-Problem der Urheberrechte

Wer sich mit Medienrecht oder Fotografie etwas auskennt, wird beim Blick auf Pinterest innerhalb von Sekunden viele Urheberrechtsverstöße erkennen. Anders formuliert: Viele Bilder werden dort illegalerweise gezeigt. Im verklausulierten Kleingedruckten der Nutzungsbedingungen schreibt Pinterest, dass veröffentlichte Bilder frei von Rechten Dritter sein müssen:

„You agree not to do any of the following: Post, upload, publish, submit, provide access to or transmit any Content that: (i) infringes, misappropriates or violates a third party’s patent, copyright, trademark, trade secret, moral rights or other intellectual property rights, or rights of publicity or privacy“

Viele Nutzer halten sich jedoch nicht daran. So brauchte ich wieder nur Sekunden, um für jede der großen Bildagenturen hunderte von Fotos zu finden, die dort gezeigt werden, fast immer noch mit dem Wasserzeichen der Bildagentur, vermutlich oft ohne Erlaubnis des Fotografen: Hier von Fotolia, von Shutterstock,  von istockphoto oder Dreamstime, aber auch von Getty Images, Corbis oder Alamy.

Zusammen sind das schnell tausende illegale Bilder, gefunden innerhalb von weniger als paar Minuten.

Auf meine Email an Pinterest, was die Firma aktiv gegen solche massiven Urheberrechtsverstöße mache, kam nur die lapidare Antwort, dass ein Urheber erstens sein Werk nach dem DMCA-Gesetz gerne melden könne, wenn er es irgendwo auf Pinterest finde. Zweitens können Webseiten-Betreiber auf ihren Seiten diesen Meta-Tag einbinden, damit die Inhalte nicht auf Pinterest gepinnt werden können:

„<meta name=“pinterest“ content=“nopin“ />“

Ein Schweigen der Urheberrecht-Inhaber wird so als automatische Zustimmung gewertet. Außerdem hilft das Meta-Tag nicht, wenn Leute ein Foto erst von der gesperrten Webseite auf ihren Computer laden und von dort auf Pinterest veröffentlichen.

Besonders perfide klingt das angesichts der Tatsache, dass sich Pinterest auch das Recht herausnimmt, die veröffentlichten Bilder verkaufen zu dürfen:

„By making available any Member Content through the Site, Application or Services, you hereby grant to Cold Brew Labs a worldwide, irrevocable, perpetual, non-exclusive, transferable, royalty-free license, with the right to sublicense, to use, copy, adapt, modify, distribute, license, sell, transfer, publicly display, publicly perform, transmit, stream, broadcast, access, view, and otherwise exploit such Member Content only on, through or by means of the Site, Application or Services“ [Hervorhebung von mir]

Einige Leute argumentieren, dass Pinterest sich auf die „Fair Use“-Klausel berufen könne, nach der die urheberrechtlich geschützten Bilder bei Pinterest zu einem „neuen Werk“ transformiert werden, ähnlich wie es damals bei einer Klage gegen die Thumbnails von Google Images argumentiert wurde, aber der Rechtsanwalt Itai Maytal widerspricht dem jedoch, der deutsche Rechtsanwalt Christian Solmecke nennt Pinterest sogar „eine einzige Urheberrechtsverletzung“. Das alles führt uns zur dritten und langfristig gefährlichsten Ebenen für Fotografen.

3. Ebene: Das Fotografen-Problem des Gewöhnungseffekts

Es hilft nichts, wenn Fotografen sich jetzt nur hinstellen und auf ordentliche Quellenangaben pochen und notfalls ihren Anspruch mit teuren Abmahnungen einklagen. Angesichts der oben aufgezeigten tausenden Fälle bleibt das alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Schlimmer noch ist der Gewöhnungseffekt, der sich bei den Internet-Nutzern einstellt. Fotografen verdienen ihr Geld hauptsächlich damit, dass Leute sie für ihre Bilder bezahlen. Internetnutzer glauben jedoch sehr häufig, dass Bilder im Internet kostenlos sind. Dazu tragen Web-Services wie Pinterest, Tumblr und Weheartit, aber auch  Facebook und Konsorten stark bei.

Je mehr Privatpersonen diese Dienste nutzen, desto eher nutzen auch Firmen und andere kommerzielle Anbieter solche Seiten. Diese wiederum werben dann auch mit urheberrechtlich geschützten Fotos, ohne sie gekauft zu haben. Damit gehen Fotografen ganz konkret auch Einnahmen und Folgeaufträge verloren. Kleines Beispiel? Gefunden innerhalb einer Minute: Auf der Pinterest-Seite des Hotel München zeigt das Hotel ein Foto eines Fahrrads aus Gemüse. Der Bildqualität nach zu urteilen, wurde es nicht bei Fotolia gekauft, von wo es ursprünglich kommt, sondern einfach das Layoutbild verwendet:


Wenn Fotografen nicht aufpassen, kommt irgendwann der Moment, an dem die Macht der Gewohnheit so stark und die Menge der unwissenden Internet-Nutzer so groß ist, dass sich die Gesetze dem neuen „Lebensstil“ anpassen müssen und einfach geändert werden. Die Piratenpartei arbeitet schon darauf hin und da sie vor allem von jungen Leuten gewählt wird, steigen deren Chancen.

Eine Lösung habe ich nicht: Wie macht man Leuten klar, dass Bilder und Fotos kein kostenloses Treibgut im Internet sind, dass jeder aufsammeln und ausstellen kann? Am besten, ohne Privatpersonen verklagen zu müssen?

Was sagt ihr? Welche Chancen und Risiken seht ihr bei Pinterest?

Die Geschichte eines Internet-Fotos – Kopiert, geklaut, benutzt

Es war einmal ein Fotograf, der auf einem Konzert ein Foto machte. Das Konzert des Musikers Casper fand im November in Köln statt und der Fotograf machte die Bilder für ein Musikmagazin. Eins der Bilder war dieses, was er in seinem Blog und dem Musikmagazin zeigte:

Casper im Underground, Köln (1/400s, 24mm, f2.8, ISO 3200)

Das Bild bearbeitete er auch mit einem Retro-Filter in Photoshop und das Ergebnis sah so aus, was er ebenfalls in seinem Blog-Artikel zeigte.

Casper im Underground, Köln (Retro-Look)

Okay, ihr ahnt sicher, wer dieser Fotograf gewesen ist. Ich habe das Foto gemacht und will Euch erzählen, was seit der Veröffentlichung im Musikmagazin und meinem Blog geschehen ist.

Casper fand das Foto so cool, dass er es am 11. April 2011 hier auf seine Facebook-Seite packte. Leider schrieb er nur dazu: „wisst ihr noch letztes jahr? köln 2010? hammerbild. keine ahnung wer das gemacht hat, aber es ist ein wahnsinnig superes bild! und genau so wie das da drauf aussieht, so werden die festivals auch! ich freu mich!“

Noch am gleichen Tag wies mich der Fotograf und Blog-Leser Gerd Dörfler darauf hin, dass das Foto auf der Facebook-Seite zu sehen sei und er schrieb dort auch gleich als Kommentar: „Für alle die es interessiert: das bild stammt von robert kneschke aus köln. Er hat auch noch mehr fotos an dem abend gemacht. Mehr über ihn: www.alltageinesfotoproduzenten.de“ Das brachte immerhin etwas mehr Klicks für meinen Blog.

Nachdem ich freundlich bei dem Management von Casper angerufen hatte und darauf hinwies, dass ich das Bild gemacht hatte, baten sie um Entschuldigung für den ungestümen Künstler und Casper ergänzte seine Bildunterschrift um „(Foto wurde bereitgestellt von Robert Kneschke, besuche: www.robertkneschke.de)“. Das war auch okay für mich, immerhin hat der Musiker als Abgebildeter ja auch Rechte an dem Bild.

In der Folge bekam ich paar Emails, in denen mich Fans baten, ob ich ihnen das Bild in voller Auflösung schicken könne, damit sie es sich als Poster drucken könnten. Mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte des Musikers lehnte ich ab.

Bei Facebook bekam das Foto mittlerweile über 100 – durchweg positive – Kommentare und 862 Personen „gefällt das“. Das führte leider auch zu einer inflationären Verbreitung des Bildes.

Viele Bildfunde bei Google Images

Dank der neuen Google Images Bildersuche fand ich einige Webseiten, welche das Foto ohne meine Erlaubnis nutzten, geschweige denn einen Link oder eine Quelle angaben. Anfangs schrieb ich einige der Seiten an und bat um eine nachträgliche Verlinkung, was auch prompt umgesetzt wurde. Blöderweise gab es bei einigen Seiten kein Impressum und ich verschwendete viel Arbeitszeit, die Verantwortlichen rauszusuchen. Als ich dann auf eine Mail mit dem sinngemäßen Inhalt „Bitte entferne das Foto, da ich der Urheber bin und keine Nutzungserlaubnis erteilt habe, andernfalls muss ich mir weitere Schritte vorbehalten“ eine sehr pampige Antwort zurück kam à la: „Was willst du, du hättest auch höflich fragen können, ohne mir mit ‚weiteren Schritten‘ zu drohen, ich nehm das Bild mal runter, aber nur ausnahmweise„, wurde es mir zu blöd. Ich bin doch kein Bittsteller, dem andere einen Gefallen tun, sondern andersrum.

Deshalb ging ich zwei Wege. An alle Seiten, mit dem Bild, die nicht aus Deutschland waren und deswegen kein Impressum enthalten mussten, verschickte ich „DMCA Takedown Notices„. Das ist eine Möglichkeit nach dem us-amerikanischen Urheberrecht, als Urheber seine Werke schnell entfernen zu lassen. Betroffen waren meist Blogging-Hoster wie Tumblr.com, blogger.com oder andere Facebook-Seiten. Als Vorlage benutzte ich dieses Beispielschreiben, wo ich nur meinen Namen und die Linkadressen austauschen musste.

Auszug meiner Mail-Korrespondenz wegen des Casper-Bildes

Positiv war, dass auf die DMCA-Meldungen sehr schnell reagiert wurde und die betreffenden Blogeinträge mit meinem Foto gelöscht wurden. In einem Forum nutzte ein User mein Foto sogar als Signatur und bat im Forum auch darum, ob ihm jemand aus meinem Foto ein cooles Hintergrundbild für seinen Youtube-Kanal basteln könne. Jemand erfüllte ihm diesen Wunsch und ich musste feststellen, dass es bei YouTube nicht so leicht ist, Hintergrundbilder entfernen zu lassen. Videos, ja, kein Problem, aber Hintergründe scheinen schwieriger zu sein.

Während ich bisher bei privaten Webseiten beide Augen zugedrückt hatte, gab es auch einige Webseite wie Musikmagazine, welche das Foto unerlaubt nutzten. Hier übergebe ich die Fälle an meinen Anwalt, da Medien oder kommerzielle Nutzer die Grundzüge des Urheberrechts kennen sollten.

Vor paar Tagen war ich dann auf einem Konzert von Auletta in Köln, um wieder Fotos für das Musikmagazin zu machen. Ein Mädchen vor mir im Publikum holte kurz ihr Handy raus, um die Uhrzeit zu sehen und was sah ich da? Mein Casper-Foto als Hintergrundbild auf ihrem Handy! Ich habe mal ein „Beweisfoto“ gemacht:

Mein Casper-Foto auf einem Handy

Ich hab mich gefreut, ihr eine Visitenkarte in die Hand gedrückt und gesagt, dass das Foto von mir sei. Keine Ahnung, ob sie mir geglaubt hat, ich hatte immerhin eine dicke Kamera umhängen. Bei Google+, wo ich den Zwischenfall kurz gepostet hatte, meinte jemand: „Ich glaube, auch ein Profi sollte die Freude, die einstmals im Vordergrund stand, wenn ein eigenes Foto wertgeschätzt wurde, nicht darüber vergessen, daß es geklaut wurde.“ Stimmt schon. Aber hätte ich ihr eine Standpauke über das Urheberrecht halten sollen, während uns eine Rockband beschallt?

Wie reagiert ihr in solchen Fällen? Bestrafen oder sein lassen? Und was sind Eure schrägsten Erlebnisse mit Euren Fotos im Netz?

Die ultimativen Bildagentur-Top-10-Listen

Insgesamt 50 verschiedene Zeitschriften habe ich in den ersten zehn Folgen meiner Serie „Fotos von Bildagenturen in Zeitschriften“ analysiert. Es wird Zeit, die Ergebnisse geballt zu betrachten. Wer liegt vorne in der Gunst der Bildredaktionen?

Fangen wir mit den nackten Zahlen an.

– Insgesamt fand ich in den 50 Zeitschriften 3902 Fotos aus Bildagenturen (Ich verwende im folgenden ab und zu die Abkürzung BA). Das macht durchschnittlich 78 Bildagentur-Fotos pro Zeitschrift.
– Diese Fotos wurden von insgesamt 285 Bildagenturen geliefert. Das ergibt einen Durchschnitt von 5,7 beteiligten Bildagenturen pro Zeitschriftenausgabe.

Zehn Finger

Welche Bildagenturen lieferten insgesamt am meisten Fotos an die Zeitschriften?

Die Top 10 Bildagenturen mit den meisten Fotos in den Zeitschriften:

  1. Action Press (352 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 7,04)
  2. Getty Images (294 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 5,88)
  3. istockphoto (239 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 4,78)
  4. Corbis (194 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 3,88)
  5. dpa (136 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 2,72)
  6. Mauritius (120 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 2,4)
  7. fotolia (107 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 2,14)
  8. Stockfood (102 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 2,04)
  9. Bulls Press (92 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 1,84)
  10. Splash News (87 Fotos in 50 Zeitschriften, Durchschnitt: 1,74)

Erstaunlicherweise liegt hier nicht der Marktführer Getty Images vorne, sondern die News- und Paparrazi-Agentur Action Press. ALs einzige deutsche Agentur ist Mauritius Images vertreten. Ein Fünftel der Top 10 teilen sich die beiden Microstock-Agenturen istockphoto und Fotolia. Als einzige Spezialagentur ist Stockfood vertreten, was sicher dem Umstand zu verdanken ist, dass in fast jeder Zeitschrift einige Rezeptseiten vorhanden sind.

Der zweite Platz von Getty Images kann auch dem Umstand geschuldet sein, dass Getty auch der größte Vertriebspartner im Bildermarkt ist und einige Zeitschriften nur die letzte Bildagentur in der Lieferantenkette angeben, und dadurch einige kleiner Bildagenturen, die über Getty Images verkaufen ungenügend berücksichtigt werden.

Wie sieht die Liste aus, wenn ich nicht schaue, welche Agentur die meisten Fotos liefert, sondern welche Agenturen in den meisten Zeitschriften (egal, mit wie vielen Fotos) vertreten sind?

Die Top 10 Bildagenturen, die am häufigsten in Zeitschriften benutzt werden:

  1. Getty Images (in 46 von 50 Zeitschriften: 92%)
  2. Corbis (in 38 von 50 Zeitschriften: 76%)
  3. dpa (in 29 von 50 Zeitschriften: 58%)
  4. Mauritius (in 29 von 50 Zeitschriften: 58%)
  5. Action Press (in 27 von 50 Zeitschriften: 54%)
  6. Laif (in 24 von 50 Zeitschriften: 48%)
  7. Stockfood (in 21 von 50 Zeitschriften: 42%)
  8. Bulls Press (in 19 von 50 Zeitschriften: 38%)
  9. InterTopics (in 18 von 50 Zeitschriften: 36%)
  10. Imago (in 18 von 50 Zeitschriften: 36%)

Erstaunlicherweise sieht diese Liste schon ganz anders aus. Nur sechs der Agenturen sind wieder dabei. Getty Images liegt unangefochten an der Spitze. Man könnte sagen: In fast jeder Zeitschrift finde ich ein Foto von Getty Images. Aus der Reportage- und Reisebildagentur Laif ist in fast jeder zweiten Zeitschrift ein Bild mit dabei. Die anderen drei Plätze teilen sich die News/Celebrity-Agenturen Bulls Press, InterTopics und die Sportbildagentur Imago.

Wenn wir die Werte „Bilder einer Agentur in den Zeitschriften“ durch „Häufigkeit der BA-Nutzung in Zeitschriften“ teilen, wissen wir, wie viele Bilder eine Zeitschrift einer Bildagentur durchschnittlich abnimmt.

Die Top 10 Bildagenturen mit den meisten Fotoverkäufen pro Zeitschrift:

  1. Shutterstock (71 Fotos in 2 Zeitschriften: Durchschnitt 35,5)
  2. istockphoto (239 Fotos in 8 Zeitschriften: Durchschnitt 29,88)
  3. Splash News (87 Fotos in 6 Zeitschriften: Durchschnitt 14,5)
  4. Action Press (27 Fotos in 352 Zeitschriften: Durchschnitt 13,04)
  5. Brauer Photos (62 Fotos in 7 Zeitschriften: Durchschnitt 8,86)
  6. Trunkimages (16 Fotos in 2 Zeitschriften: Durchschnitt 8)
  7. Wirepress (16 Fotos in 2 Zeitschriften: Durchschnitt 8)
  8. fotolia (107 Fotos in 15 Zeitschriften: Durchschnitt 7,13)
  9. Stardustfashion.com (28 Fotos in 4 Zeitschriften: Durchschnitt 7)
  10. people picture (27 Fotos in 4 Zeitschriften: Durchschnitt 6,75)

Das bedeutet: Wer bei Shutterstock einkauft, kauft gleich 35,5 Fotos pro Ausgabe. Das ist logisch, da die Agentur durch ihr Abonnement-Modell Vielnutzer bevorzugt. Vermutlich bieten auch viele der anderen Agenturen in dieser Liste Abonnements oder zumindest Rabatte an. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass ich drei Agenturen aus der Liste entfernt habe, die zwar mit ihrem Durchschnittswert in den Top 10 dabei wären, diesen Wert aber nur durch Verkäufe an eine einzige Zeitschrift erreicht haben: Das wären Bloomberg (35 Fotos in einer Ausgabe), deco & style (12 Fotos in einer Ausgabe) und Eveandadam (8 Fotos in einer Ausgabe)

Das Spiel mit den Zahlen funktioniert auch anders herum. Welche Zeitschriften kaufen am meisten Bildagentur-Fotos?

Die Top 10 Zeitschriften mit den meisten BA-Fotos:

  1. BUNTE (258 Fotos)
  2. Fit for Fun (192 Fotos)
  3. Life & Style (190 Fotos)
  4. InStyle (175 Fotos)
  5. Gala (172 Fotos)
  6. FHM (165 Fotos)
  7. Freizeit Revue (155 Fotos)
  8. Celebrity (155 Fotos)
  9. Der Spiegel (141 Fotos)
  10. Joy (136 Fotos)

In dieser Kategorie liegen eindeutig die „Klatsch-Blätter“ vorne, die ihre News, Berichte und Gerüchte mit vielen kleinen Fotos spicken. Mit FHM und Fit For Fun haben es auch zwei eher Fitness-orientierte Magazine in die Top Ten geschafft. Da die bunten Blätter die meisten Bilder kaufen, ist es logisch, dass die Bildagenturen, welche die passenden Fotos (Celebrities, Paparazzi, News) im Angebot haben, in den oberen Top-Listen vorne liegen.

Die Top 10 Zeitschriften, welche die meisten Bildagenturen nutzen:

  1. BUNTE (59 Agenturen pro Heft)
  2. Der Spiegel (56 Agenturen pro Heft)
  3. Freizeit Revue (50 Agenturen pro Heft)
  4. Frau im Trend (46 Agenturen pro Heft)
  5. Gala (43 Agenturen pro Heft)
  6. InStyle (34 Agenturen pro Heft)
  7. Lisa (33 Agenturen pro Heft)
  8. Bild der Frau (33 Agenturen pro Heft)
  9. Joy (32 Agenturen pro Heft)
  10. Neue Welt (32 Agenturen pro Heft)

Hier wandelt sich das Bild wieder leicht und die Hälfte der Agenturen wechselt. Jetzt dominieren eindeutig die niedrigpreisigeren Frauenzeitschriften, während die Glamour-Hefte fast verschwunden sind.

Anmerkungen:
Ich habe im März 2008 mit meiner Zeitschriftenauswertung angefangen. Das war vor über zwei Jahren. In den letzten Monaten ist in den letzten Folgen deutlich geworden, dass die Nutzung von Microstock-Agenturen zugenommen hat. Es wäre ein interessantes Experiment, in einigen Monaten die gleichen Zeitschriften noch mal auszuwerten, die als erstes dran waren und dann zu vergleichen, wie sich die Agenturnutzung gewandelt hat. Vielleicht werde ich das auch machen.

Bevor jemand anfängt, diese Top-Listen als in Stein gemeißelt zu betrachten, ein Hinweis zur Statistik: Die Datenbasis ist oft dünn gewesen. Vor allem basieren die Zahlen nur auf einer Ausgabe der jeweiligen Zeitschrift. In der nächsten Ausgabe kann das Verhältnis der Bildagenturen ein ganz anderes gewesen sein. Die einzelnen Zaheln sind deshalb mit Vorsicht zu lesen. In der Summe spiegeln vor allem die ersten beiden Top-Listen jedoch recht zuverlässig wieder, welche Bildagenturen den deutschen Zeitschriftenmarkt dominieren.

Was sagen Euch diese Zahlen? Habt ihr weitere Ideen, was eine Untersuchung wert wäre?

Stockfotos kaufen – Erste Schritte leicht gemacht

Bisher habe ich im Blog viel über das Produzieren und Verkaufen von Stockfotos geschrieben. Aber die Bilder sollen ja auch gekauft werden. Deswegen heute mal eine Einführung, wie einfach Stockfotos gekauft werden können. Ich halte die Übersicht kurz und kompakt und werde in späteren Artikeln genauer auf Details eingehen.

Geld sparen beim Einkauf

Einleitung
Wer schnell ein Bild braucht, kann einen Fotografen anrufen. Je nach Bilderwunsch ist das in der Regel teuer. Üblicher ist es, fertige Fotos zu kaufen. Das ist dann keine Auftragsfotografie, sondern „Stockfotografie“ (von „to have in stock“ – auf Lager haben). Bildagenturen halten mittlerweile viele Millionen Bilder auf Abruf bereit und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das gewünschte Motiv schon dabei ist.

Wer Fotos von seinen eigenen Produkten oder sich selbst für die Werbung braucht, wird diese selbstverständlich nicht vorgefertigt finden. Fast alles andere gibt es jedoch schon.

Sehr günstige Bildagenturen sind heutzutage sogenannte „Microstock“-Agenturen. Die heißen so, weil dort die Preise für ein Bild bei ca. 1 Euro anfangen. Die größten Microstock-Agenturen sind z.B.:

Dort sind in der Regel „Allerweltsmotive“ zu finden, also Bilder, die eine breite Masse an Käufern anspricht.

Darüber hinaus gibt es ganz viele Bildagenturen, die sich auf wenige Themen wie Sport, Tiere, Landschaften oder Architektur spezialisiert haben. Dort sind dann auch seltenere Motive dieser Themen zu finden.

Für sehr aufwändige Bilder sind immer noch die großen – und auch teureren – Bildagenturen eine gute Anlaufstelle. Diese bieten oft auch persönlichen Service und bei Fragen gibt es kostenlose Hotlines. Einige der größten Bildagenturen sind:

Bei allen Bildagenturen muss sich kurz angemeldet werden, um dort Bilder kaufen zu können. Das geht ganz schnell. Um nur mal Fotos zu suchen oder zu stöbern, ist keine Anmeldung nötig.

1. Bilder aussuchen
Zuerst steht die Überlegung im Raum: Was für ein Bild brauche ich überhaupt? Grob stehen drei Arten zur Auswahl:

  • Fotos
  • Illustrationen (also gezeichnete Bilder)
  • Vektor-Grafiken (mit dem Computer erstellte Bilder)
  • zusätzlich gibt es mittlerweile auch Videos, Fonts (Schriftarten), Musik, Soundeffekte und mehr zu kaufen

Wenn das geklärt ist, sollte sich Gedanken über das Motiv gemacht werden. Soll es eine Stimmung vermitteln, einen Sachverhalt erklären oder nur zur Zierde dienen?

Die Antwort auf diese Frage liefert meist auch gute Suchbegriffe, welche bei den Bildagenturen eingegeben werden können. Grob lassen sich inhaltliche Suchbegriffe und konzeptionelle Suchbegriffe unterscheiden. Inhalte beschreiben das, was auf dem Bild zu sehen ist, z.B. „Frau“, „lachen“ oder „Frühstück“. Konzepte beschreiben, was das Bild aussagen soll. Übliche Suchbegriffe in dieser Richtung sind beispielsweise „Erfolg“, „Liebe“ oder „Umweltschutz“. Natürlich können auch mehrere Suchbegriffe kombiniert werden, wie z.B. „Mann, Erfolg, alt“

Es werden dann viele Bilder vorgeschlagen. Ist das gewünschte Motiv nicht dabei, können anderen Suchwörter probiert werden oder mit zusätzlichen Begriffen die Suche verfeinert werden. Ein Klick auf ein Motiv zeigt auch mehr Details, wie die verfügbare Größe oder den Preis.

2. Bilder bezahlen
Um ein Foto zu bekommen, muss es erst bezahlt werden. Bei den Microstock-Bildagenturen sind „Credit“-Systeme üblich. Das heißt, es wird vorher eine Anzahl von Credits gekauft, die dann gegen Bilder eingetauscht werden kann. Übliche Bezahlmethoden sind PayPal, Click&Buy oder Abbuchung von der Kreditkarte. Die größeren Bildagenturen erlauben – meist nach voriger Absprache – auch den Kauf auf Rechnung. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass das Bild in der richtigen Größe gekauft wird. Kleine Fotos sind zwar billiger, doch eignen sich meist nur für Webseiten, aber z.B. nicht für den Druck auf einem Flyer.

3. Bilder runterladen
Heutzutage können nach Anmeldung und Bezahlung bei einer Bildagentur die Fotos einfach per Knopfdruck runtergeladen werden. Es empfiehlt sich, einen eigenen Ordner für solche gekauften Bilder anzulegen und einige weitere Informationen zu speichern. Je nach Verwendungszweck verlangen Bildagenturen, dass der Name der Agentur und des Fotografen genannt werden. Dieser sollte entweder im Dateinamen oder in einer separaten Datei gespeichert werden, z.B. „Foto-Frau-mit-Handy_Robert-Kneschke_Bildagentur-XY.jpg“.

4. Bilder benutzen
Wenn das Bild auf der Festplatte liegt, kann es beliebig benutzt werden. Aber Achtung: Je nachdem, was für und wo ein Foto gekauft wurde, gibt es Einschränkungen. Grundsätzlich gilt: Es wird nicht das Foto selbst verkauft oder das Urheberrecht (bzw. Copyright) daran, sondern nur das Nutzungsrecht an einem Foto.

Der größte Unterschied liegt hier bei der Art des Nutzungsrechts. Es gibt vor allem zwei Lizenz-Arten:

  • lizenzpflichtig / rights managed (RM)
  • lizenzfrei /royalty free (RF)

Lizenzpflichtige Bilder werden unter der konkreten Angabe der geplanten Nutzung gekauft, z.B. „Abdruck auf einer 1/4-Seite im Innenteil einer Zeitung, die deutschlandweit erscheint“ oder „Abbildung auf der Startseite einer Webseite mit 400×600 Pixeln für 5 Jahre“. Danach berechnet sich der Preis und eine davon abweichende Nutzung ist verboten.

Lizenzfreie Bilder sind trotz dem irreführenden Namens nicht kostenlos. Lizenzfrei bedeutet bloß, dass beim Kauf nicht gesagt werden muss, für was genau das Foto benutzt werden soll. Der Preis richtet sich hier vor allem nach der Größe. Je nach Bildagentur gibt aber auch Auflagen, die nur den Druck einer gewissen Menge erlauben. Zusätzlich gilt für fast alle Bildagenturen, dass zwischen einer „normalen“ und einer „erweiterten“ Lizenz unterscheiden wird. Wer Fotos z.B. auf T-Shirts, Poster, Maus-Pads o.ä. drucken will, das Foto also selbst der Hauptgrund für den Kauf dieser Produkte ist, braucht die „erweiterte Lizenz“, die etwas mehr kostet.

So gut wie alle Bildagenturen verbieten auch die Nutzung der Fotos zu illegalen oder pornografischen Zwecken oder auf eine Weise, die das Model oder den Fotografen beleidigen oder deren Ruf schädigen würden. Auch eine konkrete Verknüpfung eines Bildes mit einem Produkt oder einer Dienstleistung ist oft untersagt. Das heißt, dass einem lachenden Model mit einem Apfel in der Hand nicht mit einer Sprechblase  der Satz „Dank Schlankheitspillen der Firma XY habe ich 20 Kilo abgenommen“ in den Mund gelegt werden darf. Im nächsten Teil gehe ich auf diese Einschränkungen genauer ein.

Bei der redaktionellen Nutzung in Zeitschrfiten oder auf Webseiten fordern viele Bildagenturen, dass der Name der Bildagentur und des Fotografen klein daneben geschrieben werden. Bei Bildern auf Webseiten reicht notfalls auch ein Hinweis im Impressum, z.B. „Foto  auf Seite 10: Robert Kneschke/Bildagentur XY“ oder im Internet „Bildnachweis: Foto von Robert Kneschke/Bildagentur XY“. Redaktionell bedeutet, dass das Foto nicht als Werbung genutzt wird, sondern zur Bebilderung von Texten o.ä. verwendet wird, die eine „Redaktion“ geschrieben hat oder betreut.

Aber keine Angst, alle Bildagenturen haben auf ihren Webseiten Hinweise, welche Nutzung erlaubt ist bzw. nicht, wie der Fotografen-Name erwähnt werden soll und oft einen FAQ-Bereich – häufig gestellte Fragen mit passenden Antworten.

Was habt ihr für Erfahrungen beim Bilderkauf gemacht? Welche Schritte sollte ich ausführlicher erklären?

Übrigens: Das obige Foto kann u.a. hier gekauft werden.