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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 48

Willkommen bei der nächs­ten Folge von „Pimp My Stock“, wo ich ein­ge­reich­te Bilder auf ihre „Stock-Tauglichkeit“ beur­tei­le. Es geht also weni­ger dar­um, ob die Bilder schön sind, son­dern ob sie sich ver­kau­fen las­sen könn­ten.

Heute ist Uwe an der Reihe, wel­cher mit vor weni­gen Tagen schrieb:

Hallo Robert,

ich ver­fol­ge Dein Blog schon eine gan­ze Weile. An der Stelle möch­te ich erst mal Danke sagen für die vie­len lesens­wer­ten Artikel.

Vor eini­ger Zeit habe ich beschlos­sen die bei mir schlum­mern­den Bildbestände mal zu sich­ten und zu schau­en ob man damit evtl. im Stock-Bereich etwas errei­chen kann, um da ggfs. zukünf­tig mehr Zeit in die­ses Thema zu inves­tie­ren.

Ich knip­se seit mei­ner Jugend, ernst­haft ein­ge­stie­gen in das Thema Fotografie bin ich um die Jahrtausendwende her­um, seit 2004 wei­test­ge­hend digi­tal, eigent­li­ch immer mit Spiegelreflex-Technik. Diverse Kompakte sind zwar immer mal im Hause, aber mehr so als Immerdabei-Knipse. So rich­tig anfreun­den kann ich mich mit den klei­nen Dingern irgend­wie nicht.…

Ich nut­ze aktu­ell eine 5D III. Dazu (wahr­schein­li­ch viel zu vie­le) Linsen von Canon (meis­tens Ls) von 16 bis 400mm plus dem übli­chen Geraffel wie Blitze, Filter, Stative, etc. Die Bildbearbeitung erfolgt zu 99% in Lightroom, ggfs. noch Nacharbeiten in Photoshop. Die im Stockbereich ein­ge­reich­ten Bilder kamen bis­her fast immer kom­plett aus Lightroom.

Da mei­ne Bilder ja nicht pri­mär für den Stock-Markt gedacht waren und es auch nicht unbe­dingt die Motive sind, die sich wie geschnit­ten Brot ver­kau­fen, hat­te ich da schon mit einer hohen Ablehnungsquote gerech­net. Und die ist bei Fotolia auch rela­tiv hoch, aller­dings wer­den die meis­ten Bilder wegen tech­ni­scher Probleme abge­lehnt, nicht wegen Ähnlichkeit, etc. Fotolia ist dabei lei­der nicht son­der­li­ch hilf­reich, wenn es um den genau­en Ablehnungsgrund geht. Es gibt nur die übli­chen eMails mit der Aufzählung der tech­ni­schen Ablehnungsgründe ohne einen davon kon­kret zu benen­nen.

Es wür­de mich freu­en wenn Du Dir die Zeit neh­men wür­dest um mei­ne Bilder mit Deiner pro­fes­sio­nel­len Sicht zu beur­tei­len. Da mich nicht nur inter­es­siert was ich fal­sch mache son­dern auch was ich rich­tig mache habe ich in die Bilder ein paar Aufnahmen mit dazu gepackt, die ange­nom­men wur­den und auch gut lau­fen. Welche das sind wür­de ich gern erst hin­ter­her ver­ra­ten.

Falls Du Dir eini­ge tech­ni­sche Details wie Schärfe, etc. genau­er anse­hen möch­test, dann sag bit­te kurz Bescheid und ich packe Dir dann die Bilder noch in 1:1-Auflösung ins Netz.

Ich dan­ke Dir vor­ab für Deine Zeit und Deine Mühen. Viel Spaß beim Draufhauen!

Gruss Uwe“

Schauen wir uns zuer­st mal sei­ne Bilder an.

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Zuerst ist der Lilienstein im Elbtal mit der Friedrichsburg zu sehen. Mir gefällt die span­nen­de Komposition, die zwar die den Horizont klas­si­sch drit­telt, aber das Hauptmotiv scharf rechts anord­net und durch den Flussverlauf und die Berge im Hintergrund eine beacht­li­che Tiefenwirkung erzielt. Der Sonnenuntergang mit dem Lensflare direkt neben dem Hauptmotiv ist ein gelun­ge­nes i-Tüpfelchen und die sat­ten, viel­fäl­ti­gen Farben tra­gen eben­falls zum tol­len Bild bei. Dieses Bild lässt sich pri­ma für Hessen-Werbung oder gene­rell für deut­sche Reiseführer ver­wen­den oder auch für Poster, Hintergründe, Wander-Werbung und so wei­ter. Kann man kaum bes­ser machen.

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Hier sieht es etwas anders aus. Der Surfer auf dem Wasser fällt kaum auf und ohne ihn wäre das Bild nur ein Matsch aus ver­schie­de­nen Blautönen. Der Himmel ist wol­ken­ver­han­gen und müss­te ein­deu­tig blau­er mit wei­ßen Schäfchenwolken sein, um die Verkaufschancen zu erhö­hen. Da es die­se „Meer mit Himmel“-Bilder aber zuhauf gibt, wäre eine Fokussierung auf den Surfer lukra­ti­ver gewe­sen. Dafür ist er hier aber zu weit weg und das hät­te ggf. auch einen Model Release erfor­dert.

Uwe war so freund­li­ch, mir für eine noch genaue­re Kritik die Bilder in Originalauflösung (21,7 MP) bereit­zu­stel­len. Da sieht man – hier ein 100%-Ausschnitt – noch zwei wei­te­re Probleme:

abzug_full_glanz_5diii_img_009140_Stockfoto_ausschnitt

Zum einen ist das Logo auf dem Surfsegel deut­li­ch zwei Mal erkenn­bar, müss­te also noch retu­schiert wer­den und das Bild weist schon zu star­ke Artefakte auf, sieht aus wie eine Mischung aus star­ker Rauschreduzierung mit zu star­ker Nachschärfung.

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Dieses Bild fin­de ich eben­falls toll. Zum einen ist „über den Wolken“ natür­li­ch eine unge­wöhn­li­che Perspektive, ande­rer­seits aber auch ein klas­si­sches, und gut ver­käuf­li­ches Symbol für Freiheit, Abenteuer, Reinheit und so wei­ter.

Im Gegensatz zum Surfer-Bild passt hier die mono­chro­me Farbpalette und die Bergspitze ver­leiht dem Bild etwas Mystisches und Geheimnisvolles, weil man sich fast unwei­ger­li­ch fragt, was sich unter den Wolken noch ver­birgt.

Leider ist in der 100%-Ansicht ein ähn­li­cher Pixelmatsch wie beim Surferbild erkenn­bar, wes­halb ich die Ablehnung trotz­dem gut nach­voll­zie­hen kann. Hier wür­de ich noch mal dezent mit einem Rauschreduzierungstool ran­ge­hen und/oder die Pixelzahl von 22,1 MP auf 16 Megapixel ver­rin­gern. Beides in Kombination soll­te die stö­ren­den Bildfehler sicht­bar ver­bes­sern.

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Eine wei­te­re Bergaufnahme, bei der mir die Lichtstimmung sehr gut gefällt. Durch den klei­nen Bergsteiger links unten bekommt das Bild auch die nöti­ge Größenproportion, um sich das gewal­ti­ge Bergmassiv bes­ser vor­stel­len zu kön­nen.

Auch wenn das Licht foto­gen ist, ist es der Berg in die­ser Ansicht nicht ganz so sehr wie – sagen wir mal – das Matterhorn oder der Fuji. In der 100%-Ansicht offen­bart sich auch eine Art „Glow“ an den Rändern des Bergs, viel­leicht zu stark nach­ge­schärft oder ein­fach zu kon­trast­reich für die Kamera bei dem Gegenlicht.

100%-Ausschnitt aus dem obigen Bild
100%-Ausschnitt aus dem obi­gen Bild

Auch hier könn­te eine Verkleinerung des Bildes noch etwas ret­ten.

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Das nächs­te Bild zeigt die Schrammsteine in der Sächsischen Schweiz mit einem Elbdampfer. Ich fin­de das Bild ehr­li­ch gesagt etwas lang­wei­lig vom Bildaufbau und den Farben, aber es wur­de von Fotolia ange­nom­men, viel­leicht auch, weil es ein sehr klas­si­sches Postkartenmotiv ist.

Das Schiff auf dem Bild erhöht noch mal die Verkäuflichkeit, weil es so nicht nur die Natur bewer­ben kann, son­dern auch Dampferfahrten und Urlaub sowie Tourismus gene­rell.

Die beim vori­gen Bild erwähn­ten leuch­ten­den Rändern an den Berggipfeln tre­ten hier jedoch sogar noch stär­ker auf, was ver­mu­ten lässt, das der Bildredakteur beim vori­gen Bild viel­leicht nur einen schlech­ten Tag gehabt hat. Oder bei die­sem Motiv wur­de nicht gen­au hin­ge­schaut.

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Diese Bergsilhouette wie­der­um wur­de abge­lehnt, was eben­falls streit­bar ist. Auch hier ist der Berg rechts nicht so „typi­sch“ in sei­ner Gestalt, was ein Ablehnungsgrund gewe­sen sein könn­te. In der 100%-Ansicht konn­te ich nichts fin­den, was ein defi­ni­ti­ver Ausschlussgrund gewe­sen sein könn­te. Zwar sind bei eini­gen der Baumumrisse rote Ränder zu sehen, was licht­tech­ni­sch bei so einer Gegenlichtaufnahme kaum zu ver­mei­den ist.

Ich hät­te mich hier eher auf den Bereich links im Bild kon­zen­triert, weil die­se Art der Sonnenuntergangslandschaft deut­li­ch kli­schee­haf­ter und damit auch ver­käuf­li­ch ist.

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Das Foto zeigt die Bastei mit der Basteibrücke. Traumhafte Farben, traum­haf­tes Licht, per­fek­tes Wetter, pas­sen­de Jahreszeit. Hier stimmt wie­der alles. Genau so sehen die Fotos in den Hotelbroschüren aus.

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Hier sehen wir Windräder im Sonnenuntergang. Die Farben des Hintergrunds sind fan­tas­ti­sch, aber was mir beim ers­ten Blick auf das Bild sofort in den Kopf schoss, war die Frage: „Warum sind die Windräder nicht fron­tal abge­bil­det?“ Klar, ich ken­ne die Antwort, ver­mut­li­ch war es vor Ort ein­fach nicht anders mög­li­ch. Dennoch illus­triert sie das Problem. Das Konzept ist des­halb kaum erkenn­bar. Erstens sind die Windräder zu klein, zwei­tens als seit­li­che Kontur kaum erkenn­bar und drit­tens noch mit Bewegungsunschärfe in den Rotorblättern.

Eine mög­li­che Lösung wäre, die Windräder ein­fach weg­zu­re­tu­schie­ren und das Bild als abs­trak­ten Hintergrund anzu­bie­ten. Wahlweise könn­ten die Windräder auch als Silhouette fron­tal rein­re­tu­schiert wer­den, indem eini­ge Windrad-Vektoren erstellt wer­den. Ein kos­ten­lo­ses Tutorial dafür gibt es hier.

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Kommen wir zum Sonnenaufgang über dem Thüringer Becken. Ich lie­be sol­che Bilder, wo sich die Landschaft in vie­len ver­schie­de­nen Ebenen bis zum Horizont erstreckt. Die Farben sind schön ver­teilt, vom Gelb und Orange des Himmels über die Blau- und Lila-Töne in der Mitte bis hin zum Grün im Vordergrund.

Das Motiv hat Verkaufspotential und auch tech­ni­sch gibt es kei­nen zwin­gen­den Grund, das Foto abzu­leh­nen. Hinderlich könn­te nur sein, dass es mit einer Canon 40D auf­ge­nom­men wur­de und bei 100% leicht „mat­schig“ wirkt. Da Uwe mitt­ler­wei­le aber mit einer 5D Mark III arbei­tet, soll­ten die neue­ren Bilder weni­ger sol­cher Probleme haben.

Während ich die­sen Artikel schrei­be, kam gera­de eine wei­te­re Mail von Uwe:

Hallo Robert,

noch eine klei­ne Ergänzung zu dem Thema: Ich habe Ende letz­ter Woche wie­der mal ein paar Bilder bei Fotolia ein­ge­reicht. Darunter auch absicht­li­ch eini­ge, wo ich fest mit einer Ablehnung gerech­net hat­te (iden­ti­sche Motive, tech­ni­sche Qualität). Zu mei­ner Überraschung wur­de alles durch­ge­wun­ken und akzep­tiert. Ich hän­ge die Bilder mal in klei­ner Auflösung ran. Das 5diii_img_006794 und ggfs. img_25556 durch­ge­hen hät­te ich ja noch ver­stan­den. 5diii_img_008268 ist auch ok, aber doch sicher ein aus­ge­lutsch­tes Thema. Aber der Rest? Die ande­ren Drei habe ich ja selbst schon eher für die digi­ta­le Tonne vor­ge­se­hen.…

Wahrscheinlich gehe ich aber nur mit den fal­schen Gesichtspunkten an die Bewertung ran.

Mit ver­wirr­ten Grüßen, Uwe“

Da sei­ne Fotos sehr schön sind, kön­nen wir aus­nahms­wei­se mehr als zehn Bilder zei­gen.

stock_samples_5diii_img_006794Dieses Foto ist eins der Bilder, bei dem sich Uwe sicher war. Wieder eine schö­ne Farbstimmung, die Skischneise erzeigt eine Tiefenwirkung und hat den Wintersport als kla­res Konzept für die Verkäuflichkeit. Interessant ist, dass es in war­men Farbtönen gehal­ten ist, obwohl Winterbild meist auf das kal­te Blau getrimmt wer­den. Vielleicht ist das hier ein Teil des Reizes.

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Hier das zwei­te Bild, was es durch die Selektion geschafft hat. Eine Winterlandschaft, dies­mal in den erwart­bar mono­chro­men Blautönen. Die Bildaufteilung ist klas­si­sch, das Motiv uni­ver­sell ein­setz­bar und das Warnschild deu­tet die Größenverhältnisse an und sorgt für einen gel­ben Farbklecks als Akzent.

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Bei die­sem drit­ten Bild war Uwe sich nicht sicher, ob es nicht zu „aus­ge­lutscht“ sei. Doch, klar, aber abge­se­hen davon ist die­se Blaumohnwiese tech­ni­sch sau­ber umge­setzt und schnör­kel­los foto­gra­fiert. Da kann man sogar Blumen eine Chance geben.

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Kommen wir zu drei Bildern, die fast im digi­ta­len Papierkorb gelan­det wären. Was der eine fast weg­schmeißt, wäre für einen ande­ren eine Ehre. Das Foto des Waldes im Winter ist zwar schlicht, hat aber durch die „Wölbung“ der Landschaft aus­rei­chend Dynamik. Sehr viel­sei­tig ein­setz­bar mit dem Textfreiraum oben und ört­li­ch kaum fest­zu­ma­chen, also auch welt­weit ein­setz­bar.

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Auch die­se Bäume im Winter sind sehr sim­pel foto­gra­fiert, es sieht fast „drauf­ge­hal­ten“ aus, aber die­se Reduktion erzeugt euch eine Friedlichkeit und Ruhe, die vom Winter fast erwar­tet wird. Fast alle Töne sind aus dem Bild ver­bannt, es ist fast eine „Weiß in weiß“-Aufnahme. Das Bild könn­te ich mir auch gut als Panorama vor­stel­len, dann wür­de jedoch wie­der der Textfreiraum feh­len.

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Okay, von den heu­te gezeig­ten Fotos wür­de ich das Bild des Skilifts als das am wenigs­ten schö­ne Bild bezeich­nen, „häss­li­ch“ passt noch nicht mal. Dem Bild fehlt die Postkartenidylle der vor­her­ge­gan­ge­nen Fotos, aber dafür zeigt es die Logistik der Wintersportindustrie: Weniger Schönheit, mehr Aussage.

Uwe hat auf jeden Fall ein Auge für ruhi­ge, aus­ge­wo­ge­ne Bildkompositionen und anspre­chen­de Landschaften. Sein far­ben­fro­her Bearbeitungsstil passt per­fekt zum gesät­tig­ten Microstock-Look, macht die Bilder aber auch für Kalender, Poster oder Postkarten sehr attrak­tiv. Ich den­ke da in Richtung „Fine-Art-Print“-Anbieter und ähn­li­ches.

Wenn er sich jetzt noch beim Thema Verschlagwortung ver­bes­sert sowie beharr­li­ch und kon­ti­nu­ier­li­ch wei­ter in die­ser Qualität hoch­lädt, sehe ich viel Potential.

Wer mehr Bilder von Uwe sehen will, fin­det die­se ent­we­der hier auf sei­ner Webseite oder in sei­nem Fotolia-Portfolio.

Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen und mir sei­ne Bilder zur Besprechung schi­cken will, fin­det hier alle not­wen­di­gen Informationen.

Was sagt ihr zu den Fotos von Uwe?

Wie plane ich ein Outdoor-Shooting? Ein Praxisbeispiel

Mein ers­ter Artikel dar­über, wie gen­au ich ein Shooting pla­ne, in dem Fall in einer Bibliothek, kam ganz gut an.

Deshalb heu­te eine Art Making-Of eini­ger Frühlingsbilder im Freien, von denen ich eins hier schon kurz vor­ge­stellt hat­te.

Frau schüttelt Kirschbaum

1. Das Model

Mit dem Model, einer jun­gen blon­den Frau, habe ich vor eini­gen Wochen schon ein Shooting gehabt, was über eine Anfrage von mir über die Model-Kartei zustan­de kam. Wir kann­ten uns des­halb beim zwei­ten Shooting schon. Die meis­ten Bilder waren als Studio-Aufnahmen geplant, aber da das Wetter herr­li­ch war, woll­ten wir es uns nicht neh­men las­sen, zusätz­li­ch eini­ge Fotos im Freien zu machen.

2. Die Vorbereitung

Ich könn­te jetzt behaup­ten, dass ich akri­bi­sch den Wetterbericht und den Stand der Kirschblüten ver­folgt hät­te, um den rich­ti­gen Termin zu fin­den. Ist aber Quatsch. Die Outdoor-Fotos waren nur „Bonus“, des­halb reich­te ein Blick aus dem Fenster und die Erinnerung an mei­nen Spaziergang einen Tag vor­her im glei­chen Park.

Ich ließ das Model ein wei­ßes Oberteil anzie­hen, weil das neu­tral, zeit­los und fri­sch wirkt. Im Studio nut­ze ich wei­ße Kleidung nicht so gern, da wei­ßes Shirt auf wei­ßem Hintergrund oft kon­tur­los wirkt und schwie­rig aus­zu­leuch­ten ist. Hier pass­te es jedoch.

Um Bewegung ins Bild zu brin­gen, hielt das Model die lin­ke Hand am Ast des Kirschbaums, rüt­tel­te paar Mal und dann drück­te ich auf den Auslöser.

3. Die Ausrüstung

Fotografiert habe ich mit mei­ner Canon EOS 5D Mark II* und dem Canon 85mm IS USM L 1.2-Objektiv*. Neben dem vor­han­de­nen Licht nutz­te ich einen Speedlite 580EX II*-Blitz mit einem drauf­ge­steck­ten Rayflash-Ringblitz-Adapter*. Ich hat­te noch mein 50mm-1.8-Objektiv mit, was aber nicht zum Einsatz kam.

4. Die Technik

Das obi­ge Bild wur­de bei ISO 100 mit Blende 2.8 und 1/500 Sekunde Belichtungszeit auf­ge­nom­men. Die Tiefenschärfe soll­te mög­lichst gering sein, um mehr räum­li­che Tiefe ins Bild zu brin­gen. Ich hät­te zwar bis Blende 1.2 gehen kön­nen, aber das hät­te mir einen Bereich von ca. 4 mm gege­ben, der scharf geblie­ben wäre, das ist bei so einem beweg­ten Motiv (Model und Fotograf bewe­gen sich mini­mal vor und zurück) zuwe­nig. Mit Blende 2.8 hat­te ich mit ca 9 mm über das Doppelte an Schärfe.

Weil die Blitzsynchronzeit nur bis 1/200 reicht, mus­s­te ich den High-Speed-Modus akti­vie­ren. Das kos­tet Strom, des­halb hat­te ich meh­re­re Packen Ersatz-Batterien bei, von denen ich auch zwei ein­wech­seln mus­s­te. Der Ringblitz-Adapter vor dem Blitz sorgt dafür, dass das Licht auch auf der Kamera nicht flach wirkt, son­dern die natür­li­ch vor­han­de­nen Schatten sanft und gleich­mä­ßig redu­ziert. Da der Adapter etwas Licht schluckt, habe ich die Blitzleistung auf +1 erhöht, was eben­falls mehr Batteriepower frisst.

Entspannung durch Blütenduft

5. Die Variationen

Während das ers­te Foto fast eine Art Wimmelbild ist, soll­te das zwei­te gezeig­te Bild einen schlich­ten, medi­ta­ti­ven, rei­nen Charakter haben. Deshalb habe ich die gerin­ge­re Blende 2 risikiert und die Belichtung manu­ell um eine 1/3 Blende erhöht, um das Bild ganz leicht über­zu­be­lich­ten. Auch sind viel weni­ger Details im Bild, fast nur der Kopf und die Blüten.

Insgesamt habe ich von den Kirschblüten 13 ver­schie­de­ne Fotos aus­ge­sucht, die ich über die Bildagenturen anbie­te. Mit dabei sind Varianten mit blau­em Himmel, mit sprin­gen­dem Model, hori­zon­tal, ver­ti­kal, gekipp­ter Horizont, Draufsicht, leich­te Froschperspektive, Blick in die Kamera, Blick weg von der Kamera und so wei­ter.

6. Die Fehler

Ja, ich mache immer noch wel­che. In die­sem Fall war es Bequemlichkeit. Obwohl ich mein 50mm-Objektiv dabei hat­te, woll­te ich nicht stän­dig die Objektive wech­seln, was dazu führ­te, dass die Ausschnitte rela­tiv ähn­li­ch sind und wie beim unte­ren Bild etwas zu oft die Arme ange­schnit­ten sind. Außerdem habe ich anfangs erst spät gemerkt, dass die Batterien schlapp machen, wes­halb ich eini­ge schö­ne Motive habe, auf denen der Aufhellblitz fehlt und dadurch die Schatten zu stark sind.

Kein rich­ti­ger Fehler, aber nicht opti­mal war der Blütezeitraum der Kirschen. Ein oder zwei Tage frü­her hät­ten die Kirschbäume noch roman­ti­scher aus­ge­se­hen.

Frau wirft Blütenblätter

7. Die Nachbearbeitung

Bei die­sen Outdoor-Bildern habe ich deut­li­ch die Farbsättigung nach oben gedreht, den Kontrast und die Helligkeit leicht ange­ho­ben, die chro­ma­ti­sche Abberation raus­rech­nen las­sen und die rosa/lila-Töne etwas abge­dun­kelt, damit auch die­se Farben sat­ter wir­ken. Beim Model gab es kaum etwas zu retu­schie­ren. Nur auf eini­gen Bildern blitz­ten schwar­ze BH-Träger unter dem Oberteil her­vor, was unpas­send aus­sah und ich ent­fer­nen mus­s­te.

8. Die Verschlagwortung

Das obi­ge Bild habe ich dann mit fol­gen­den Suchbegriffen ver­se­hen:

Frau; Frühling; Spaß; Kirschbaum; rosa; flie­gen; Bewegung; Frische; Blüte; lachen; Kirschblüte; Natur; fri­sch; Baum; wer­fen; Blütenblätter; Heiterkeit; blü­hen; Park; schüt­teln; Zweig; Ast; Japanische Blütenkirsche; Portrait; Blütenblatt; Umwelt; Freude; Freiheit; Kirschblüten; glück­li­ch; grün; Freizeit; Garten; Landschaft; Lebensfreude; Schönheit; schön; lächeln; jung; Mensch; Kopf; Gesicht; blond; 20–30; Jahre; Europäer; Außenaufnahme; drau­ßen; Tag“

Das zwei­te Foto ent­hält die Keywords:

Frau; Blüte; Baum; Frühling; Duft; rie­chen; Kirschblüte; Garten; Kirsche; Natur; Gesicht; glück­li­ch; Genuss; Entspannung; Schönheit; Park; fri­sch; Zweig; Portrait; rosa; duf­ten; Kirschblüten; Blüten; Ast; Geruch; grün; Reinheit; Harmonie; Sommer; Romantik; Umwelt; Wellness; schön; Saison; attrak­tiv; jung; weib­li­ch; Mensch; Person; Kopf; blond; 20–30; Jahre; Europäer; Außenaufnahme; son­nig; im Freien; drau­ßen; Tag“

Bei der Baumsorte habe ich im Internet recher­chiert, wel­che Sorte wahr­schein­li­ch die rich­ti­ge ist (Japanische Blütenkirsche). Ganz sicher bin ich mir jedoch immer noch nicht. Da fehlt halt das Botanik-Studium. Es sind jeweils ca. 50 Begriffe, je nach Bildagentur lösche ich jedoch auch die Hälfte. Jetzt nur noch hoch­la­den und die Bilder ver­kau­fen.

Mehr Informationen für gelun­ge­ne Stockfotos fin­det ihr übri­gens in mei­nem Buch „Stockfotografie. Geld ver­die­nen mit eige­nen Fotos“*.

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Mehr Männer und Versuche

Das letz­te Shooting habe ich wie­der mit einem net­ten männ­li­chen Model gehabt. Besonders über­zeugt hat er mich durch sei­ne aus­druck­star­ke Mimik, die immer leicht frech und ver­schmitzt wirkt. Zusammen mit den blon­den Haaren ergibt das sicher gefrag­te Fotos.

Aber um nichts dem Zufall zu über­las­sen, sind auch aktu­el­le Themen dabei, wie Fernsehen zur Fußball-EM oder der öko­lo­gi­sche Geschäftsmann in der Natur.

Ja, rich­tig gele­sen, ich habe mich wie­der raus getraut, aber dabei den klas­si­schen „Anfängerfehler“ gemacht. Pralles Sonnenlicht zur Mittagszeit, da half auf der Wiese auch der Aufhellblitz wenig. Immerhin konn­te ich die RAW-Daten halb­wegs ret­ten, JPG-Dateien wären ver­lo­ren gewe­sen.