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Die 6 wichtigen Unterschiede zwischen dem Smartphone und einer DSLR-Kamera

Schon vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle eine Lanze für das professionelle Fotografieren mit dem Smartphone gebrochen.

Da ich trotzdem weiterhin mit meiner „richtigen“ digitalen Spiegelreflexkamera fotografiere, fallen mir die Unterschiede zwischen beiden Welten deutlich auf.

Wer diese Unterschiede kennt und zur richtigen Zeit einzusetzen weiß, kann seine Fotos deutlich verbessern.

Immer dabei

Der wohl wichtigste Punkt. Das Smartphone habe ich immer in der Hosentasche, die mindestens zwei Kilo schwere DSLR nicht. Motive wie diesen vollen Mülleimer* in einer öffentlichen Toilette hätte ich sonst nicht aufgenommen.

Gewicht und Größe

Die Smartphone-Kamera ist leichter und kleiner. Paradoxerweise führt eine leichtere und kleinere Kamera zu unschärferen Bildern durch mehr Verwackelungen, weil das Kameragewicht die Körperbewegungen nicht mehr ausgleichen kann. Das bedeutet: Beim Fotografieren das Smartphone bewusst ruhig halten.

Smartphones sind unauffällig

Das geringere Gewicht und die kompakte Bauweise der Smartphones bringt als Vorteil jedoch die Unauffälligkeit. Manchmal hätte ich mich einfach nicht getraut, meine riesige Kamera auszupacken, das dicke Objektiv anzuschrauben, um dann erst fünf Minuten mit Leuten diskutieren zu müssen, die meinen, mir das Fotografieren verbieten oder einfach fachsimpeln zu wollen.

Als ich mit einem Model unterwegs war, um testweise bewusst nur Smartphone-Fotos zu machen, war ich erstaunt, wie wenig wir beide wahrgenommen wurden, während die gleichen Situationen mit meiner DSLR oft eine kleine Menschentraube erzeugen würden.

Ungewöhnlichere Perspektiven möglich

Größe und Gewicht der Smartphones ermöglichen mir auch ungewöhnliche Perspektiven, die aus verschiedenen Gründen mit einer DSLR nicht oder nur schwer umsetzbar wären.

Beim Foto dieser Seerose* von oben habe ich meine Hand am Teichrand so weit ausgestreckt, dass mein Handy fast ein Meter in den Teich rein ragte, so hätte ich die DSLR nie halten können.

Seerose von obenBei der Aufnahme dieses Wollschweins* habe ich durch einen engmaschigen Zaun fotografieren müssen, das ging nur, weil die Linse der Smartphone-Kamera deutlich kleiner ist. Bei der DSLR hätte ich unscharf den Zaun mit auf dem Foto gehabt.

WollschweinÄhnlich schwierig wäre diese Aufnahme aus dem Flugzeugfenster* mit einer DSLR weil durch die größere Linse die Gefahr viel höher wäre, Kratzer oder Reflexionen des Fensters mit auf das Bild zu bekommen.

Über den Wolken von Texas, USA

Verstehe den kleinen Sensor

Der Bildsensor in einem iPhone 6 ist ca. 4,9 x 3,7 mm groß. Zum Vergleich: Meine Canon 5 D Mark III hat einen Bildsensor, der 36x 24 mm groß ist. Damit hat dieser eine mehr als 47x größere Fläche.

Mehr Fläche heißt oft auch: Der Sensor ist lichtempfindlicher, weil mehr Platz da ist, auf den das Licht fallen kann.

Im Umkehrschluss heißt es: Bei ungünstigen Lichtverhältnissen muss das Smartphone immer noch oft genug kapitulieren. Vor allem, wenn die Fotos verkauft werden sollen, weil die Bildagenturen streng gegen zu viel Bildrauschen sind. Will ich also abends auf einer Party fotografieren oder in einem Raum ohne Tageslicht, lasse ich das Smartphone stecken und bemühe doch die DSLR.

Der Vorteil des kleineren Sensors ist jedoch die deutlich geringere Naheinstellgrenze. Während das „Standardobjektiv“ 24-70mm f.2.8 von Canon erst ab 38 cm scharf stellen kann, sind es beim iPhone 6 nur 8 cm. Übersetzt: Ich kann fast fünf mal dichter an das Motiv rangehen. Das ist ideal für Makroaufnahmen.

Auch die Schärfentiefe ändert sich deutlich mit der Sensorgröße. Bei den Mini-Smartphone-Sensoren ist viel mehr vom Hintergrund scharf. Auch das kommt Makro-Fotografen entgegen. Ungünstig ist es hingegen für Portraits. Hier heißt es, besonders stark auf einen ruhigen Hintergrund* zu achten, der nicht vom Gesicht der fotografierten Person ablenkt.

Mobiler Workflow

Wenn ich von einem Fotoshooting mit meiner DSLR unterwegs nach Hause fahre, kann ich auf dem Weg höchstens schon mal einige Fotos löschen oder als besonders gut markieren, um sie später zu Hause am Computer weiter bearbeiten zu können.

Habe ich hingegen mit meinem Smartphone Fotos gemacht, bearbeite diese manchmal mit einigen Apps und lade ich das Foto oft schon Sekunden später über Apps wie Fotolia Instant oder EyeEm zum Verkauf hoch.

Fazit

Ich bin weit davon entfernt, meine DSLR einstauben zu lassen, nur weil ich immer mein Smartphone bei mir habe. Je nach Situation entscheide ich mich jedoch auch mal bewusst für das Handyfoto, wenn es, wie oben beschrieben, Vorteile mit sich bringt.

Welche Vorteile sieht ihr bei Smartphone-Fotos?

* Affiliate

Die Vor- und Nachteile von Klarnamen bei Bildagenturen

Vor paar Tagen hatte ich eine Email im Postfach mit einer interessanten Frage:
„Guten Abend,
ich habe ihren Fotoblog mit Interesse gelesen – bei weitem noch nicht alles 😉 . Ich hätte auch mal eine Frage, die mich interessiert bezüglich Stockagenturen. Was wäre Ihre Empfehlung bezüglich des Anmeldenamens bei Stockagenturen? Ich sehe, dass sehr viele einen Nickname verwenden und ich mir anfangs auch immer schwer tue, irgendwo meinen Realnamen zu veröffentlichen…warum auch immer, liegt wohl in meinem Sicherheitsdenken. Gibt es hier irgendwelche Pro’s und Con’s? 🙂
Herzlichen Dank für die Zeit und einen schönen Abend“
Damit sind wir gleich beim Thema: Was sind die Vor- und Nachteile von Klarnamen oder Pseudonymen bei Bildagenturen?

Im Grunde gibt es drei Optionen: Man verkauft die Fotos mit seinem eigenen Namen oder man wählt ein Pseudonym, welches entweder sofort als ein solches erkennbar ist wie z.B. „Detailblick“ oder „Picture-Factory“ oder man wählt einen Künstlernamen, der wie ein „echter“ Name wirkt, zum Beispiel „Yuri Arcurs“, der in Wirklichkeit Jacob Wackerhausen heißt.

Vorteile eines echten Namens:
Echte Namen erzeugen beim Bildkäufer Vertrauen, weil sie genau wissen, mit wem sie es zu tun haben. Außerdem lassen sich so eventuelle Synergieeffekte nutzen, wenn zum Beispiel Bildkäufer den Fotografen finden wollen, um ihn für ein Fotoshooting zu buchen oder der Fotograf Bücher schreibt.

Vorteile eines Pseudonym:
Einige Leute wollen gar nicht, dass andere mitkriegen, dass sie Fotos verkaufen. Dafür kann es verschiedene Gründe geben: Sei es, weil der Chef vom neuen Nebenverdienst nichts mitbekommen soll oder man sich als etablierter Fotograf mit hoher Tagesgage dafür schämt, andere Fotos gleichzeitig deutlich günstiger bei Bildagenturen zu vertreiben. Es können auch komische Situationen entstehen, wenn der Fotograf nebenbei fotografiert und im Hauptberuf mit Kunden oder Lieferanten zu tun hat, welche dann Fotos vom ihm bei Bildagenturen gekauft haben. Noch unangenehmer wird es, wenn diese die Bilder geklaut statt gekauft haben und abgemahnt werden sollen.

Wenn die eigene Firma irgendwann so groß wird, dass Angestellte und Mitarbeiter dazukommen, kann ein Pseudonym nützlich sein, weil ein Klarname eher mit einem Einzelunternehmen assoziiert wird. Auch die Auffindbarkeit in Suchmaschinen kann eine Rollen spielen, denn wer als Fotograf einen berühmten Namensvetter hat oder zum Beispiel „Hans Meier“ heißt, der wird im Internet schnell von nicht zu ihm gehörenden Treffern erschlagen und hat es schwer, sich dort durchzusetzen. Generell gilt: Wenn der eigene richtige Name sehr lang oder unaussprechlich ist oder man einen sehr verbreiteten Familiennamen wie Müller, Schmidt oder Meyer hat, bieten sich Pseudonyme an

Ein kleiner Nachteil von Pseudonymen ist, dass es – entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft – andere Leute geben könnte, welche den gleichen Namen nutzen wollen. Wer sich sein Pseudonym nicht schützen lassen hat, kann Probleme bekommen.

Künstlernamen bieten einen guten Kompromiss, weil sie wie echte Namen klingen, aber eben keine sind. Aber auch, wer als Fotograf seine verschiedenen Geschäftssparten voneinander trennen möchte, sollte über ein Künstlernamen für seine Stockfotos nachdenken, damit die Suchergebnisse nicht zum Beispiel die eigene Webseite für die Hochzeitsfotografie verdrängen.

Angesichts dieser vielen Vorteile von Pseudonymen liegt die Frage auf der Hand, warum ich dann meine Bilder trotzdem unter meinem richtigen Namen anbiete?

Am Anfang war ich noch Hobby-Fotos und mir nicht bewusst, dass der Bilderverkauf innerhalb weniger Jahre zu meiner Haupteinkommensquelle werden würde. Als ich mich nach drei Jahren Fotoverkäufen 2008 bei mehreren Microstock-Agenturen anmelden wollte, überlegte ich lange und wollte das Pseudonym „style-photographs“ wählen. Hier trat aber schon das Problem auf, dass einige Agenturen bei der Anmeldung keinen Bindestrich akzeptierten, andere nur weniger Zeichen als ich benötigt hätte und bei den bisherigen Agenturen war ich sowieso mit meinem richtigen Namen bekannt. So ließ ich es einfach bei meinem Klarnamen.

Vor allem, wenn man schon eine gewisse Bekanntheit erreicht hat, kann eine späte Änderung nachteilig sein, weil die Bildkäufer einen unter dem alten Namen nicht mehr finden.

Wie seht ihr das? Bietet ihr unter eurem echten Namen oder einem Pseudonym an? Und warum?

Sollte man alte Bilder aus seinem Agentur-Portfolio löschen?

Eine Frage, die Stockfotografen häufig diskutieren, ist, ob man seine alten, unverkauften Fotos aus seinem Bildbestand löschen sollte oder lieber nicht. In einer Facebook-Gruppe gab es neulich wieder eine lange Diskussion, deren Essenz ich heute zusammenfassen will.

Welche Vorteile gibt es, Fotos aus seinem Portfolio zu löschen?

Fangen wir mit den Vorteilen an: Wer sein Portfolio regelmäßig von alten Bildern befreit, welche sich in mehrere Jahre lang noch nie verkauft haben und die einem mittlerweile peinlich sind, weil man als Fotograf dazugelernt hat, erhält ein auf den ersten Blick beeindruckenderes Portfolio.

Sinnvoll kann das vor allem auch bei Serien sein. Wenn sich aus einer Serie abzeichnet,  dass bestimmte Motive gefragter sind als andere, hilft eine Löschung der „schlechteren“ Motive, die Verkäufe auf weniger Bilder zu vereinen, was die betreffenden Bilder im Ranking der Suchalgorithmen bevorzugt, was wiederum zu mehr Verkäufen führt.

Ein weiterer Vorteil ist der Anblick eines von „Dateileichen“ gereinigten Portfolios für den Bildkäufer, der so leichter die gut gehenden Bilder finden kann und deshalb vielleicht eher bereit ist, sich das Portfolio für einen Direktzugriff zu speichern.

Es wird gemutmaßt, dass es auch eine Art „Portfolio-Ranking“ geben könnte, welches bewirke, dass Bilder eines Portfolios, welches ein besseres Verhältnis von Ansichten zu Verkäufen (Views-Sales-Ratio) hat, prominenter in den Suchergebnissen der Bildagenturen angezeigt werden. Wer unverkaufte Bilder aus seinem Portfolio löscht, verbessert dieses Verhältnis automatisch. Ob es das ominöse Ranking jedoch gibt, konnte meines Wissens noch kein Stockfotograf nachweisen.

Einige Fotografen betonen auch die psychologische Wirkung einer „Aufräumaktion“, weil man sich danach befreiter fühlt und das Portfolio geordneter aussieht. Das ist jedoch ein Effekt, den ich aus wirtschaftlicher Sicht vernachlässigen würde.

Welche Nachteile hat das Löschen alter Bilder aus seinem Portfolio?

Der größte Nachteil einer Löschaktion liegt auf der Hand: Ein Bild, was nicht in der Bildagentur vorhanden ist, kann vom Kunden nicht gekauft werden. Da für den Fotografen weder Kosten für den Speicherplatz noch für die Serverwartung o.ä. anfallen, tendiere ich dazu, dem „Long-Tail“-Gedanken zu folgen, wonach man auch Geld verdienen kann, wenn man ganz viele Bilder hat, die nur sehr selten verkauft werden. Ich glaube, der passende altdeutsche Spruch dafür lautet: „Kleinvieh macht auch Mist“.

Ein weiterer logischer Nachteil ist die benötigte Zeit. In der Zeit, die ein Fotograf braucht, um 100 alte Bilder aus seinem Bildbestand zu löschen, hätte er einige komplett neue Bilder machen können, welche die Chance haben könnten, neue Bestseller zu werden.

Die meisten Käufer interessieren sich auch nicht dafür, wie das Portfolio eines Fotografen aussieht, denn sie brauchen in bestimmtes Motiv, welches sie mit Suchbegriffen über die Suchfunktion finden. Nur wenn sie Serien oder weitere Varianten eines Motivs brauchen, durchstöbern sie das Portfolio eines Fotografen, nutzen dann aber eher – je nach Agentur – die „Sortieren nach Datum“ oder „Mehr Bilder des gleichen Models“ oder „Mehr Bilder der Serie“-Funktion.

Im Gegensatz zum vermuteten Portfolio-Ranking gibt es vielleicht auch ein Portfoliogröße-Ranking, welches einfach Portfolios bevorzugt, wenn sie größer als andere sind. Das ist zwar auch nicht bestätigt, jedoch glaube ich daran mehr als an das andere Ranking.

Ausnahmen und meine Herangehensweise

Eine klare Ausnahme, die eindeutig für das Löschen bestimmter Bilder spricht, ist, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Bild rechtliche Probleme bereiten könnte, weil Logos, Markennamen oder andere geschützte Elemente abgebildet sind, die damals übersehen wurden. Manchmal ändert sich auch die Rechtslage und damals „rechtlich sichere“ Motive werden plötzlich unerwünscht.

Manchmal empfiehlt es sich auch, Bilder zu löschen, wenn sich herausstellt, dass wichtige Suchbegriffe bei einem Foto vergessen wurden und man bei der Bildagentur (zum Beispiel bei Fotolia) nachträglich keine neuen Keywords eintragen kann.

Ich selbst lösche – bis aus die genannten Ausnahmen – keine alten Fotos, hauptsächlich deshalb, weil es mich Zeit kosten würde und ich den erwähnten Long-Tail-Ansatz für plausibel halte.

Wie haltet ihr das? Löscht ihr alte Fotos oder nicht? Und warum?

Ringblitz-Adapter Roundflash und Ray Flash im Vergleich

Seit einigen Jahren benutze ich bei Außenaufnahmen regelmäßig einen Ringblitz-Adapter als Fülllicht, um einen weicheren, gleichmäßigeren Look auf meinen Fotos zu erzeugen. Aus mehreren Gründen kamen „richtige „Ringblitze für mich nicht in Frage: Zu teuer, zu schwer, zu empfindlich, vor allem, wenn man oft ohne Assistenten arbeitet.

Deshalb war ich froh, als ich vor knapp drei Jahren einen Plastik-Aufsatz für den Systemblitz fand, der sich „Ray Flash“ nannte. Er war transportabel, günstig (im Verhältnis zu einem richtigen Ringlicht) und konnte alleine bequem bedient werden. Darüber habe ich eine ausführliche Rezension mit vielen Beispielbildern im Blog geschrieben.


Da Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt, habe ich mich gefreut, dass es seit einigen Monaten eine ähnliche Alternative gibt. Diese nennt sich „Roundflash“ und kommt aus Polen. Der Erfinder Bartek Szumilak hat mir freundlicherweise eins der ersten verkaufsfertigen Exemplare zum Testen zur Verfügung gestellt und ich muss sagen: Ich bin beeindruckt.

Im Grunde hat der Roundflash die gleichen Vorzüge wie der Ray Flash, wenn beide Adapter mit richtigen Ringblitzen wie dem Elinchrom Eco* oder dem Linkstar Ringblitz* verglichen werden. Unabhängig vom Stromanschluss, keine Hilfe oder Stative beim Benutzen nötig und deutlich günstiger. Außen vor lassen wir mal Makro-Ringblitze, dir nur für Nahaufnahmen ausgelegt sind und abenteuerliche Eigenkonstruktionen, die meist bei Sicherheit, Lichtqualität und Design Minuspunkte bekommen. Wenn aber der Roundflash und der Ray Flash miteinander verglichen werden, sind jedoch viele – auch wichtige – Unterschiede erkennbar.

Den Ray Flash hatte ich ja in einem eigenen Artikel ausführlich beschrieben, deswegen erst eine Beschreibung des Roundflash:


Der Aufbau des Roundflash gleicht in weiten Teilen einer transportablen Softbox wie der Lastolite Ezybox*. Auf dem ersten Bild ist er in zusammengeklappter Form zu sehen. Wenn er aufgeklappt ist, wird der Rand mit sechs kleinen Carbonfaser-Stangen fixiert. Der Durchmesser des Roundflash beträgt aufgeklappt ca. 44 cm.


Der Blitz wird oben mit einem Klettband befestigt und das Objektiv der Kamera in der Mitte durch das Loch geschoben. Gummischnüre sorgen für den Halt. Das Loch ist für Objektive bis ca. 10 Zentimeter Durchmesser ausgelegt, also auch die eher dicke 85mm Festbrennweite* von Canon passt. Im Bild ist unter dem Blitz eine graue Lasche zu erkennen, die nach unten geklappt werden kann, und auch oben ist eine klappbare Lasche (im Bild unten zu erkennen), wodurch der Ringblitz-Adapter verschiedene Kamera-Blitz-Kombinationen unterstützen kann. Meine Canon 5D Mark II mit dem 580 EX II Speedlite* passte wie angegossen. Der Zoomring kann gut von hinten gedreht werden, wer manuell fokussieren will, hat es etwas schwerer, aber unmöglich ist es nicht.


Da der Roundflash nur ca. 230 Gramm ohne Hülle wiegt (mit Hülle 270g), habe ich keine Angst, dass der Blitz, der die Last trägt, zusammenbrechen würde. Außerdem stützt je nach Aufbauhöhe das Objektiv einen Teil der Last. Der Ray Flash hingegen ist mit ca. 400 Gramm schwerer und hier liegt die Last komplett auf dem Blitz, was schon an der Grenze des Zumutbaren ist.

Sowohl Ray Flash als auch der Roundflash unterstützen die TTL-Blitzmessung, was ein weiterer Vorteil gegenüber vielen anderen Ringblitzen ist. Das AF-Hilfslicht sowie der externe Blitzsensor funktionieren vermutlich nicht, weil da der Aufbau vor den Sensoren sitzt. Ebenfalls beide Ringblitz-Adapter schlucken ca. 1,5 Blenden Licht, weshalb man beim Blitzgerät manuell diese Blendenwerte hinzugeben sollte.

Der Ray Flash kostet ca. 150 Euro*, der Roundflash kostet zur Zeit ca. 140 Dollar (ca. 115 Euro) und ist damit etwas günstiger. Im Internet sind immer wieder Kommentare über den zu hohen Preis zu lesen, was ich ehrlich gesagt nicht verstehen kann, vergleiche ich die Leistung mit einem echten Ringblitz oder den selbstgebauten Varianten, wo ich viel Zeit investieren müsste. Mir ist dieses weiche Licht das Geld wert.

Doch genug von den technischen Daten. Wie sehen die Fotos aus? Ich habe mit dem Model Daniel einige Testfotos draußen gemacht:


Das Foto habe ich mit meinem Canon 24-70mm f2.8-Objektiv * gemacht bei 52mm, ISO 200 und 1/80 Sekunde und Blende 3,5.


Gleiches Objektiv, aber bei 62mm, ISO 100, Blende 3,5 und 1/160 Sekunde Belichtungszeit.

Durch die sehr gleichmäßige, schattenfreie Ausleuchtung ist der Roundflash wie geschaffen für Stockfotos. Was Fotografen immer wieder interessiert, ist der Lichtreflex in den Augen. Der sieht beim Ray Flash wegen der geringen Leuchtfläche meist etwas mickrig aus. Beim Roundflash hingegen ist er perfekt rund. Hier eine komplett unbearbeitete Aufnahme aus der Kamera in 100%-Ansicht:


Wer ganz genau hinschaut, erkennt, dass es links und rechts einen minimalen Helligkeitsabfall gibt, während die Lichtwirkung oben und erstaunlicherweise auch unten fast gleich stark ist. Das wird erreicht durch ein raffiniertes System mit reflektierendem Material im Inneren.

Roundflash und Ray Flash im Direktvergleich

Nachdem ich beide Blitzaufsätze getestet habe, sind mir einige Vor- und Nachteile der jeweiligen System aufgefallen.

Im Vergleich zum Ray Flash sind die Vorteile des Roundflash ganz klar die deutlich größere Leuchtfläche, die in einem noch weicheren Look als beim Ray Flash resultiert. Dadurch sieht auch der Lichtreflex in den Augen viel schöner aus.

Durch den etwas flexibleren Aufbau im Gegensatz zum starren Plastik des Ray Flash ist ein Blitz für mehr Kamera/Blitz-Kombinationen nutzbar. Ein weiterer Pluspunkt: Ganz knapp funktioniert bei mir sogar der Blitzaufbau mit einem MiniTT1*-Funkauslöser zwischen Kamera und Blitz, was vor allem die Strobisten unter Euch in helle Freude versetzen dürfte, denn so sind Blitzaufbauten mit dem Roundflash und weiteren entfesselten Blitzen möglich; kabellos und ohne Steckdose!

Allerdings gibt es auch einige Nachteile: Im Gegensatz zum Ray Flash, der nur aufgesteckt werden muss, fällt beim Roundflash eine kurze Aufbau- und Abbau-Zeit an. Vor allem draußen (Waldboden oder Sandstrand) können die kleinen Befestigungsstreben beim Umbau auch leicht verloren gehen, weshalb gleich eine zusätzliche Strebe mitgeliefert wird. Der Abbau ist etwas gewöhnungsbedürftig. Er funktioniert ähnlich wie bei vielen runden Reflektoren, die mehrfach in sich verdreht werden. Wer sich da nicht traut, mal beherzt zuzupacken, wird eine Weile rumfummeln. Wer vollkommen verzweifelt, findet hier Hilfe. Wenn er jedoch verstaut ist, ist er leichter und flexibler, während der Ray Flash durch das Plastik sperrig ist.

Durch den großen Durchmesser wird der Roundflash an windigen Tagen gut durchgeschüttelt und dann kostet es schon etwas Kraft, die Kamera zu halten. Aber allemal besser als darauf achten zu müssen, dass einem Blitzkopf und Stativ umfallen. Der aus meiner Sicht größte Nachteil besteht jedoch darin, dass die Kommunikation mit dem Model durch den Roundflash stark eingeschränkt ist. Wie ihr am Bild oben sehen könnt, muss das Model in eine große runde weiße Scheibe mit einem kleinen Objektiv in der Mitte schauen. Vor allem wenn sich Model und Fotograf noch nicht gut kennen, kann das blöd sein. Wer mit dem Roundflash hingegen Makroaufnahmen oder Stills fotografieren will, den sollte das nicht stören.

Sowohl Ray Flash als auch der Roundflash sind durch ihre ungewöhnliche Form bzw. Größe draußen ein echter Hingucker. Das kann man cool finden, weil einen die Leute als Fotograf ernst nehmen oder störend finden, wenn alle gaffen, wie man das Model fotografiert. Sucht es euch aus.

Von der Lichtqualität hat für mich der Roundflash auf jeden Fall die Nase vorn, beim Handling ist der Ray Flash hingegen schneller und bequemer.

Welche Lichtformer benutzt ihr am liebsten und welche Vor- und Nachteile haben sie für euch?

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Frag den Fotograf: Lieber ein großes oder mehrere kleine Portfolios bei Bildagenturen?

Letzte Woche hatte ich eine Email im Postfach von Ulrich aus Finnland. Er stellte mir eine Frage, die ich selbst regelmäßig mit Kollegen diskutiere und auf die ich noch keine Antwort gefunden habe. Heute werde ich versuchen, eine zu finden. Ulrich schreibt:

„Hallo Robert,
ich verfolge seid einiger Zeit deinen Blog und finde es sehr hilfreich und kompetent. Danke dafür. Auch deshalb möchte ich gerade Dich fragen, was mir Du in meiner Situation empfehlen würdest.

Ich habe bis jetzt in Microstock vor allem Florals angeboten. Habe versucht dort ein Portfolio aufzubauen, wo fast nur verschiedene isolierte Blüten vertreten würden. Meine Konto ist sehr klein, weil ich nicht viel Zeit investiere. Aber da ich mein Geld als Freelance-Fotograf zum grossen Teil mit Florals verdiene, sind die Ausgaben für Blumen etc. gedeckt und ein langsames Aufbauen von einem solchen Konto ziemlich sinnvoll.

Nebenbei: So einem auf Blumenbilder spezialisierten Konto stehen am meisten die Typen aus dem Selektionsteam im Wege. Ziemlich unverständlich nehmen sie meiner Erfahrung nach uninteressante Bilder an und lehnen gut verkaufbare ab. Als ein Beispiel für alle: eine Kollektion von Aster-Blumen (Foto siehe unten) wurde abgelehnt (auf meine Proteste mit automatischen Antworten reagiert), später habe ich sie nochmals ganz unverändert hochgeladen und jetzt hat sie innerhalb von einer relativ kurzer Zeit (der erster Klick hat fast 1 Monat gebraucht) 60 Downloads (jeder 3. Klick ist 1 Download). Durchschnittpreis per Download is dabei etwas über 1 €.

Nun aber möchte ich noch Portraits mit Model Release hochladen: Habe dazu Fotolia gefragt, ob es ok wäre, ein zweites Konto zu haben, und die Antwort war „no problem“. Meine Frage ist: was wird dem Gesamtumsatz meiner Bilder besser dienen: Ein Konto mit ganz verschiedenen Themen oder zwei Konten, die jeweils klarer thematisch abgegrenzt sind? Wie würdest Du die Sache angehen?

Für Deine Zeit – danke im Voraus,
Ulrich“


Die Frage in Kurzfassung: Lieber ein Portfolio für alle Bilder oder mehrere Portfolios für verschiedene Motive? Was spricht dafür und was dagegen?

Die meisten Microstock-Bildagenturen haben verschiedene Anreiz-Mechanismen, um Fotografen zu belohnen. Shutterstock beispielsweise zahlt Fotografen umso mehr, je mehr Gesamtumsatz zu erzielt haben. Fotolia erhöht ebenfalls das Fotografenhonorar, je mehr Bilder ein Fotograf verkauft hat, bei istockphoto ist es ähnlich, mit der Einschränkung, dass die Honorarerhöhung nur auf dem Umsatz des letzten Jahres basiert. Etwas aus der Reihe tanzt Dreamstime, bei der einzelne Bilder umso teurer werden, je öfter sie verkauft wurden. Die kleineren Microstock-Agenturen haben nur manchmal solche Belohnungssysteme. Darüber hinaus belohnen die Suchalgorithmen der Bildagenturen meist auch größere Portfolios und regelmäßiges Hochladen.

Mathematisch ist die Sache daher einfach: Für Fotografen lohnt es sich mehr, alle Bilder zusammen in ein Portfolio zu schmeißen, weil dann die höheren Honorare schneller erreichbar sind und unter dem Strich so schneller mehr Geld verdient werden kann.

Finanziell sinnvoll wäre ein getrenntes Portfolio nur dann, wenn die Agentur diese Ranking-Systeme nicht hat. Bei Dreamstime wäre es ebenfalls kein Problem, da es nicht um Gesamtumsätze geht, sondern um nur um das einzelne Bild.

Wir müssen jedoch den psychologischen Aspekt berücksichtigen: Für getrennte Portfolios spricht die Bequemlichkeit der Bildkäufer. Das Ziel eines Stockfotografen sollte immer auch sein, dass möglichst viele Bildkäufer das eigene Portfolio als Lesezeichen im Browser speichern oder den Fotografen zu den Favoriten hinzufügen, damit der Bildkäufer bei den nächsten Suchen direkt beim Fotografen nachschaut. Das ist für den Bildkäufer gut, weil er weiß, was ihn thematisch und qualitativ erwarten wird und für den Fotografen ist es gut, weil seine neuen Bilder betrachtet werden, ohne der Konkurrenz von zehn- oder hunderttausenden anderen neuen Bildern ausgesetzt zu sein.

Die erkennbare Thematik eine Portfolios ist ein wichtiger Grund, warum Bildkäufer ein Portfolio speichern. Wer nur isolierte Blumenblüten anbietet, kann sich sehr sicher sein, dass Bildkäufer sofort erkennen, wo der Schwerpunkt des Fotografen liegt und ihn schneller ins Herz schließen. Bei einem gemischten Portfolio denkt der Bildkäufer eher, dass die gefundenen Blumen „Zufallstreffer“ waren.

Trotzdem würde ich aus mehreren Gründen zu einem gebündelten Portfolio tendieren:

  1. ist die finanzielle Komponente nicht zu unterschätzen. Sprich: Ein größeres Portfolio bringt mehr Gewinn.
  2. gibt es wie oben erwähnt viele Kleinigkeiten, die größere Portfolios bevorzugen, vor allem die Reihenfolge in den Suchergebnissen ist da für den Fotografen wichtig.
  3. sind meiner Meinung nach zwei klar definierte Themen (Blumen, People) noch übersichtlich und für Bildkäufer erkennbar. Wenn noch Natur, Sport und Technik hinzukäme, sähe das vielleicht anders aus. Wenn der Fotograf darauf achtet, dass die beiden Themen ab und zu verschmelzen, zum Beispiel, indem öfters Menschen mit Blumensträußen oder Frauen mit Blüten im Haar abgebildet werden, bekommen die Themen auch eine übergeordnete Klammer, welche sie stärker zusammenhält.
  4. ist es mehr Aufwand, zwei Portfolios zu pflegen statt nur eins.

Ein Punkt, der bei der erwähnten hohen Ablehnungsquote jedoch weiterhin für getrennte Portfolios spricht, ist, dass die Ablehnungsquoten bei People-Portfolios geringer sind und das wiederum bei neuen Uploads die Bildredakteure gnädiger stimmt. Im Vergleich zu den vier genannten Vorteilen kann das jedoch vernachlässigt werden.

Die genannten Punkte sind jedoch nur für Microstock-Agenturen zutreffend. Bei Macrostock-Agenturen kann es öfter sinnvoll sein, seine Portfolios zu trennen, da hier die Agentur die Portfolios dann besser gezielt vermarkten kann und die Vorteile eines gebündelten Portfolios nicht greifen.

Oder was meint ihr? Welche Vor- und Nachteile haben thematisch getrennte Portfolios?