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Stockfotografie-News 2015-01-16

Willkommen zu den ersten Stockfotografie-News des neuen Jahres.

Die gesammelten Tipps und Infos sind oft schon aus dem letzten Jahr, aber wegen eines Rechtstreits bin ich in den letzten Wochen leider nicht dazu gekommen, diese schon früher für euch in eine lesbare Form aufzubereiten.

Wer schneller über solche Infos wie unten informiert sein will, kann meine Facebook-Seite abonnieren, wo ich viele dieser Infos zwischendurch veröffentliche.

Aber jetzt geht’s los:

  • Ganz frisch, erst gestern rein: Die Bildagentur Shutterstock hat gleich zwei Zukäufe getätigt: Die Agentur Premium Beat für 38 Mio USD, um besser im Musikbereich mitmischen zu können und Rex Features für 33 Mio USD, um mehr redaktionelle Bilder anbieten zu können. Der Markt bleibt sehr turbulent.
  • Wie gründe ich erfolgreich eine Bildagentur? Zu diesem Thema hat der Gründer der Bildagentur Adpic und Anbieter der Agentur-Software xmstore, Martin Baumann, eine sehr lesenswerte Artikelserie zusammengestellt, von der bisher 4 der 10 geplanten Teile online sind.
  • Wo wir beim Thema sind: Wer selbst direkt Bilder verkauft, zum Beispiel über einen Webshop, Symbiostock oder ein WordPress-Plugin, wird vermutlich von der neuen länderspezifischen Umsatzsteuer-Regelung der EU betroffen sein. Viel mehr Infos dazu findet ihr hier zusammengefasst.
  • Die Microstock-Agentur Dreamstime hat ein nettes neues Keyword-Feature eingeführt: Im Bereich, wo die Verkäufe angezeigt werden, wurden bisher ja schon teilweise die Suchbegriffe angezeigt, welche ein Käufer benutzt hat, um das Bild zu finden. Wenn das benutzte Wort noch nicht in den Suchbegriffen des Fotografen enthalten ist, kann dieser es jetzt mit einem Klick auf das schwarze „Plus“-Symbol hinzufügen. Das Ganze sieh so aus:
    dreamstime 15-01-2015 07-52-23
  • Mittlerweile hat die Bildagentur Depositphotos anscheinend Übung darin, die Bildpreise und Fotografenkommissionen nach unten zu drücken. Nach diesem und diesem Versuch hier, kommt nun hier der neue Vorstoß, um diesmal nur 3% Fotografen-Anteil bezahlen zu müssen.
  • Experimentiert ihr mit Luftaufnahmen mittels einer Drohne? Passt auf, dass ihr alle erforderlichen Genehmigungen für kommerzielle Fotografie einholt, sonst ergeht es euch vielleicht wie diesem Fotografen, der nach einem unerlaubten Drohnenflog eine vierstellige Strafzahlung leisten musste.
  • Wie erstellt und postet man am besten virale Bilder, die dann durchs die sozialen Netzwerke fegen? Calvin Hollywood gibt hier [Update: Das Video wurde bei Youtube anscheinend leider entfernt] einige Tipps.
  • Meine Vorhersage in den letzten News hat sich bewahrheitet: Die Konsolidierung der deutschen Bildagentur-Szene ist noch nicht abgeschlossen. Nachdem Panthermedia im Juli die Agentur Digitalstock gekauft hat, hat die Münchener Agentur jetzt im Januar auch die Berliner Agentur Coverpicture gekauft, welche vor allem im redaktionellen Bereich ihre Stärke hatte. Den Fotografen wird angeboten, ihre dort vorhandenen Bilder entweder zu Panthermedia zu übertragen oder zum 1. April 2015 löschen zu lassen. Ich habe mich für letzteres entschieden, weil meine Bilder sowieso schon bei Panthermedia sind.
  • Nachdem die Bildagenturen ihre Erfahrungen sammeln konnten, wie der hochpreisige Bildermarkt am besten durch Microstock-Preise ersetzt werden konnte, scheint diese Entwicklung im Video-Bereich deutlich schneller zu laufen. Shutterstock bietet jetzt über deren Tochteragentur Bigstock testweise Video-Pakete im Abo für bis zu 0,07 Euro-Cent pro Video an. Immerhin scheint von Anbieter-Seite ein aktiver „Opt-In“ erforderlich gewesen zu sein. An anderer Front drückt Videohive vom Agenturkonglomerat Envato die Preise für HD-Videos auf 6 US-Dollar. Ein winziger Lichtblick: Der Download eines HD-Videos bei Fotolia zählt jetzt wie 5 Downloads, womit vor allem Leute mit vielen Videos im Portfolio vielleicht etwas schneller im Ranking steigen können.
  • Autsch: Die Rating-Agentur Moodys senkt den Ausblick für Getty Images von „stabil“ auf „negativ“, die volle Begründung ist hier nachlesbar. Versucht beim Lesen einfach mal, das Wort „Midstock“ durch „iStock“ zu ersetzen.
  • Der Microstock-Fotograf Joshua Resnick wird aktuell von einem seiner Models verklagt, weil Bilder des Models in pornografischen Zusammenhängen aufgetaucht sind. Je nach Quelle reicht die Schadenssumme von einer fünfstelligen bis sechsstelligen Summe. So wie sich der Fall darstellt, halte ich den Fall für eher haltlos, aber wer des öfteren Dessousfotos mit Models macht, sollte ein Augenmerk darauf richten, wie der Prozess ausgehen wird. Die Klageschrift kann hier als PDF eingesehen werden, der verwendete Model-Vertrag hier.
  • Bei iStock gibt es einige wichtige finanzielle Änderungen: Ab 2015 muss jeder, welcher eine Doppelbesteuerung vermeiden will, ein Steuer-Interview ausfüllen, wie es auch schon von Shutterstock und Fotolia verlangt wurde. Außerdem wird der Verdienst monatlich ausgezahlt, wenn mindestens 100 USD verdient wurden. Alle Details hier.
  • Seit November schon werden alle Bilder, die bei Panthermedia im Abo vertrieben werden, automatisch auch bei Vertriebspartnern im Abo angeboten. Wer das nicht will, muss Abos komplett in der Rechteverwaltung deaktivieren.
  • Noch was für’s Auge: Sehr schöne Luftaufnahmen von New York City bei Nacht gibt es hier vom Fotografen Vincent Laforet.
  • Zum Schluss noch etwas Lehrreiches: Wie erstellt man „klassisches Rembrandtlicht„? So:

Habe ich etwas vergessen? Dann bitte in den Kommentaren nachtragen.

Frag den Fotograf: Die Angst vor dem Modelvertrag

Kurz nachdem ich mich entschieden hatte, mehr Leserfragen öffentlich im Blog zu beantworten, trudelten fast zeitgleich zwei Mails ein, die eine sehr ähnliche Frage enthielten. Deshalb möchte ich beide Emails heute zusammen beantworten.

Dagmar schrieb in ihrer Mail:

„…bevor ich loslege, grüße ich dich aus dem sehr sommerlichen Hilden bei Düsseldorf.

Dieses Jahr bin ich in die Stockfotografie eingestiegen, verfolge regelmäßig deinen Blog, lese gerade dein Buch und ziehe absolut den Hut davor, was du für dich auf die Beine gestellt hast. Du bist ein absolutes Vorbild für mich. Gratuliere von Herzen!

Jetzt hab ich als Anfängerin aber mal zwei Fragen an dich:

Buchst du immer deine Models und machst dann deine Fotos? Oder siehst du auch spontan eine Situation/ Motiv und sprichst die Personen an ob sie mit der Veröffentlichung und dem Verkauf von dem eben gemachten Foto einverstanden sind?

Letztens habe ich auf einem Damm mehrere Rentner nebeneinander auf einer Bank sitzen sehen. Vorne eine gepflegte grüne Wiese, dahinter Himmel. Das Bild wäre genial gewesen! Habe mich nicht getraut sie anzusprechen…

Wie um Himmels Willen machst du das dann? Hältst du denen den Vertrag unter die Nase und sagst so was wie

„Sind Sie einverstanden, dass ihr Bild veröffentlicht und verkauft wird? Ich kann Ihnen zwar nicht sagen mit welchen Überschriften und für was Sie dann Werbung machen – da hab ich keinen Einfluss drauf?“

Wenn ich mich in deren Lage versetze – ganz ehrlich – „mehr wie sonderbar“ – würde ich denken…!

Wenn sie spontan dann doch damit einverstanden wären, würden Sie von mir Geld bekommen? Wenn ja wieviel? Man weiß ja vorher gar nicht ob das Foto sich dann überhaupt verkauft.“

Lars schrieb mir folgendes aus einer anderen Ecke Deutschlands:

„Hallo Herr Kneschke,

ich habe ihren Blog schon sehr oft gelesen und mir auch ihr Buch (3.Auflage) gekauft. Leider konnte ich in den Informationsquellen keine Infos dazu finden, wie sie den „Models“ oder sagen wir einfach mal Bekannten oder Freunden sagen, dass sie die Bilder im Internet verkaufen wollen.

Ich denke wenn ich das meine Leute fragen werde, wird die Antwort sofort ein Nein sein, da es sich komisch anhört und man ja selber gar keine Kontrolle mehr über den weiteren Verlauf der Bilder hat.

Mich würde es riesig interessieren wie sie das ansprechen. Gibt es irgendwelche Tipps damit sich das ganze nicht so abschreckend anhört? Vor allem wirkt auch das Ausfüllen eines Vertrages ebenfalls abschreckend.

Ich wäre ihnen zu riesigem Dank verpflichtet und würde mich sehr über eine Antwort zu dem Thema freuen 🙂

Zu meiner Person: Ich heiße Lars, bin 24 Jahre alt und seit 2 Monaten alles am fotografieren was geht. Mir bereitet die Fotografie Unmengen Spaß und ich bin sehr interessiert an dem Thema. Damit jetzt auch noch Geld verdienen zu können, wäre ein riesen Traum von mir. Selbst wenn es nur 10€ im Monat sind, würde mir das eine große Freude machen. Leider traue ich mich nicht wirklich meine Freunde/Bekannten zu fragen ob ich sie fotografieren darf, um die Fotos im Internet zu verkaufen und das bremst mich erheblich aus.“

Die Hauptfrage beider Mails ist: Wie erkläre ich meinen Models, dass ich sie fotografieren will und was mit den Fotos geschieht? Auf die Nebenfragen will ich zwischendurch eingehen.

Zunächst einmal: Ich fotografiere so gut wie nicht spontan für Bildagenturen. Ich habe in meinen Anfängen die Erfahrung gemacht, dass eine sorgfältige Planung deutlich lukrativere Ergebnisse bringt als ein zufälliges „Drauflos“-Fotografieren. Außerdem lege ich eben Wert darauf, dass meine Models wissen, was sie zu erwarten haben und das ist etwas, was sich nicht zwischen Tür und Angel erklären lässt.

Deshalb lade ich die Leute, die von mir fotografiert werden wollen, meist zu einem Vorgespräch ein. Dort zeige ich ihnen Beispielbilder von mir, damit sie merken, welchen Bildstil ich haben will. Helle, bunte, optimistisch wirkende Fotos.

Außerdem habe ich eine dicke Mappe mit bisherigen Veröffentlichen von mir, wo Bilder für Zeitungsartikel, Flyer, Broschüren, Poster, Bücher oder Produkte benutzt wurden. Ich mache den Models klar, dass ich kaum Einfluss darauf habe, wo genau die Bilder eingesetzt werden und auch nur selten von einer konkreten Verwendung erfahre. Nur wenige, bestimmte Verwendungszwecke werden in den Nutzungsbedingungen ausgeschlossen.

Die potentiellen Models bekommen meinen Vertrag in deutsch und englisch ausgehändigt und haben genug Zeit, sich diesen in Ruhe durchzulesen. Außerdem sind beide Versionen jederzeit auf meiner Webseite nachlesbar.

Dazu mache ich paar Testfotos, um zu sehen, wie selbstsicher das Model vor der Kamera ist und ob es auf Kommando fotogen lachen kann.

Spätestens dann ist für beide Seiten klar, ob eine Zusammenarbeit in Frage kommt oder nicht. Wieviel die Models üblicherweise als Bezahlung erhalten, habe ich in einer Umfrage unter Stockfotografen ermittelt und die Ergebnisse in diesem kostenlosen Ebook bereitgestellt. Den Einwand, dass man nicht wisse, ob sich die Fotos auch verkaufen würden, lasse ich nicht gelten. Das Honorar ist – wie hier beschrieben – als Investition zu sehen. Das ist auch ein weiterer Grund gegen Spontan-Shootings: Je besser der Fotograf vorbereitet ist, desto leichter amortisieren sich die Ausgaben für das Model.

In beiden Mails schimmert aber etwas anderes durch: Angst. Die Angst, Menschen anzusprechen. Das is für einen People-Fotografen eine ernstzunehmende Hürde. Ein People-Fotograf muss ja nicht nur fotografieren, er ist auch Entertainer, Motivator, Seelentröster, Stilberater, Pausenfüller, Moderator, Regisseur und so weiter. Wer nur stumm fotografieren will, sollte sich lieber auf Food oder Landschaften spezialisieren.

Ich muss gestehen, dass ich auch eher schüchtern bin und es mir schwer fällt, ungezwungen mit fremden Menschen umzugehen. Aber mit etwas Übung klappt das schon. Anfangs habe ich ja keine Fremden gefragt, ob sie für mich modeln wollen, sondern Freunde. Da sagt man einfach: „Hey, du siehst doch gut aus, wollen wir nicht mal paar Fotos zusammen machen?“ Menschen fühlen sich ja in der Regel geschmeichelt, wenn sie für ihr Äußeres gelobt werden.

Der Vertrag und die Bezahlung zeugt dann von Professionalität. In Model-Foren lese ich immer wieder von windigen Fotografen, die Bilder nicht rausrücken oder die Fotos auf nicht abgesprochene Weise nutzen. Die Standard-Antwort ist dann immer: „Habt ihr denn keinen Vertrag abgeschlossen?“ Bei mir würden deshalb eher die Alarmglocken läuten, wenn ein Fotograf partout ohne Vertrag arbeiten will.

Wer sich nicht sicher ist, ob Leute auf den Modelvertrag eingehen würden, füllt den Vertrag einfach selbst aus und macht einige Selbstportraits, die dann den Bildagenturen angeboten werden. Wenn der Fotograf keine Probleme damit hat, seine Bilder einzustellen, warum sollte das Model welche haben?

Stockfotografie ist ja weder anrüchig noch illegal, sondern höchstens unbekannt. Deshalb helfen Offenheit und Geduld mein Erklären des Geschäftsmodells. Wer als Fotograf jedoch rumdruckst und selbst kein Vertrauen in sein Geschäftsmodell hat, kann das nicht von seinen Models erwarten. Über die hilfreichen Tugenden wie Vertrauen und Zuverlässigkeit habe ich aber in diesem Gastartikel für die fotocommunity mehr geschrieben.

Beantwortet das eure Fragen? Wie meistert ihr die Hürde, Menschen als Models zu gewinnen?

Frag den Fotograf: Was für Modelverträge nutzt du?

Heute will ich einige kurze Fragen zu Model-Verträgen beantworten, die mir ein Namensvatter kürzlich geschickt hatte. Er fragte:

„Hallo Robert,

ich habe einige Frage zu den Model-Verträgen. Nutzt du immer die Verträge der jeweiligen Seiten (also Fotolia, Dreamstime …) oder gibt es irgendwo eine allgemeine Vorlage? Einige wollen die Vorlage ja in deutsch, andere in englisch.

Ich will jetzt mein erstes Mal versuchen, auch Bilder mit Personen anzubieten. Aber wenn ich den Aufwand sehe, für jede Seite ein Formular auszufüllen, finde ich das nicht sehr effektiv.
Auf eingen Formularen wird ein ein „Bild“ vom Model verlangt. Was nimmt man denn dort? Ein Bild von Perso/Führerschein oder kann es auch ein Bild aus dem Shooting sein?

Vielen Dank und ein tolles Wochenende,
Robert“

Ich nutze seit Jahren meine eigene Version des Modelvertrags. Dieser basierte ursprünglich auf dem Muster-Vertrag von Yuri Arcurs, welcher wiederum auf dem Vertrag von Getty Images beruht. Mittlerweile habe ich ihn aber mehrmals abgeändert, um ihn meinen Erfordernissen und den neusten rechtlichen Anforderungen anzupassen.

Mein Mustervertrag kann hier kostenlos runtergeladen und ebenfalls genutzt werden. Ich habe damit mehr als 20 Agenturen beliefert und alle haben den Vertrag problemlos akzeptiert.

Der Vertrag ist englisch, weil das die Geschäftssprache in der Microstockwelt ist. Meine deutsche Übersetzung gibt es hier. Wer meinen Model Release für Kinder oder eine Eigentumsfreigabe sucht, findet diese in deutsch und in englich im Anhang meines Buchs „Stockfotografie„*.

Nach dem Ende des Shootings mache ich von jedem Model ein Foto, auf dem die Person ihren Personalausweis (oder Führerschein) zusammen mit dem ausgefüllten Vertrag in die Kamera hält. So habe ich einerseits die Gewissheit, dass die persönlichen Angaben auf dem Modelvertrag der Wahrheit entsprechen und andererseits den Nachweis, dass das Model den Vertrag wirklich gesehen und unterschrieben hat.

In dem „Bild“-Feld des Modelvertrags füge ich nur ein Porträtfoto des Shootings ein, andere Fotografen kopieren dort aber auch den Personalausweis rein.

Wenn es in der Praxis Probleme mit den Verträgen gibt, sind das meist Kleinigkeiten. Beispielsweise sollten alle Unterschriften vom selben Tag sein, idealerweise vom Shootingtag, aber auch nicht vorher. Bei der „Shooting-Beschreibung“ sollte es erwähnt werden, wenn neben Fotos auch Videos gemacht wurden, weil sonst zum Beispiel bei Shutterstock die Videos des Shootings nicht akzeptiert werden. Einige akzeptierte Beschreibungen sind beispielsweise „Photos/videos Lifestyle-Shooting“ oder „Outdoor-Business-Shooting„.

Datumsangaben auf dem Vertrag sollten immer mit vollem Datum erfolgen, also z.B. 05.09.2013″, aber nicht „5.9.“ oder „05.09.13“. Idealerweise sollte auch für jedes Shooting ein eigener Vertrag geschlossen werden, weil einige Agenturen Sammelverträge wie „für alle Fotos des Models von 2013“ nicht akzeptieren.

Bei meinem Vertrag solltet ihr darauf achten, dass unten sowohl Datum und Unterschrift des Models vorhanden sind, weil durch das Layout Models eins der beiden gerne übersehen.

Welchen Model-Vertrag nehmt ihr und was für Tipps habt ihr dazu?

* Affiliate

Frag den Fotograf: Modelvertrag bei Kinderfotos für Bildagenturen

In meinem Postfach landete wieder eine Mail mit einer Frage, die ich in ähnlicher Form schon mehrmals gestellt bekam. Deswegen möchte ich mich ihr heute widmen.

Hier die Mail:

„Hallo Robert,

gerne verfolge ich deine Blog und besitze auch dein Buch.

Ich habe dennoch mal eine Frage an dich. Und zwar soll ich demnächst ein Baby fotografieren und würde die Bilder natürlich auch gerne bei Bildagenturen nutzen, dafür brauche ich ja den Model Release (MR). Wie gehst du bei Eltern vor, um den zu bekommen? Wie machst du denen das schmackhaft? Ich traue mich da ja schon gar nicht zu fragen, weil das so ein heikles Thema ist. „Äh, kann ich die Bilder eures Kindes verwenden, um sie weiter zu verkaufen, im Internet?“. Da wird doch jeder stutzig. Ich traue mich einfach nicht an das Thema heran, würde mich auch nicht trauen, so was zu fragen, da würde ich mich schämen.

Wie kann ich diese Scham abwerfen bzw. wie kann ich Eltern nahebringen, dass es nichts Schlimmes ist, wenn Bilder von den Kindern verkauft werden? Mir ist klar, dass jeder mit „nein“ antworten würde oder sogar von einem Fotoshooting absehen würde, wenn ich mit so einem MR daher komme.

Vielleicht kannst du mal erklären, wie du das so machst. In deinem Buch steht zwar, wie und wo man die Models findet, aber nicht genau, wie man denen den MR näherbringt bzw. ausfüllen lässt.

So, jetzt bin ich gespannt auf deine Antwort und danke dir schon im Voraus für die Mühe und die Zeit die du dir dafür nimmst.

Viele Grüße,
Rita“


Beim Leser der Email habe ich gemerkt, dass ich etwas betriebsblind geworden bin. Ich habe bisher fast 20 Kinder fotografiert und diese Scham habe ich kaum gespürt. Das hat mehrere Gründe. Zum einen lege ich großen Wert auf Transparenz, das heißt, ich möchte sicherstellen, dass alle Models verstehen, was für Fotos ich mache, wie Stockfotografie grundsätzlich funktioniert und wo die Bilder erscheinen könnten bzw. welche Nutzungen verboten sind. Das unterscheidet sich bei Kindern nicht von Erwachsenen, außer das ich es meist nicht (nur) dem Model, sondern auch den beiden Eltern erkläre.

Natürlich ist es schon vorgekommen, dass ich einige Kinder nicht fotografieren durfte, weil die Eltern damit nicht einverstanden waren. In der Praxis hatte ich manchmal den Fall, dass bei getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern das Persönlichkeitsrecht des Kindes benutzt wurde, um dem Elternteil, welches gerne Fotos von sich mit dem Kind haben wollte, nachträglich „eins auszuwischen“. Deshalb lege ich auch viel Wert darauf, dass beide Eltern den Modelvertrag für das Kind unterschreiben. Wenn ein Elternteil aus Sorge um das Kind abgelehnt hat, lag das oft auch daran, dass ich wegen der getrennt lebenden Eltern nicht mit der Person sprechen konnte, um die Nutzung genauer zu erklären. Aber in jedem Fall respektiere ich dann den Wunsch und verzichte auf ein Fotoshooting.

Im Hinterkopf behalten sollte man vor allem zwei Dinge: Die Angst der Eltern und die Vorteile eines Fotoshootings.

Bei Eltern kursiert manchmal der Gedanke im Kopf, dass Fotos der eigenen Kinder im Internet „böse“ seien. Weil sich dort „Irre“ und „Perverse“ rumtreiben könnten. Ein befreundeter Fotograf hatte kürzlich dagegen argumentiert: „Die Irren fahren ja auch Auto, deswegen verzichte ich trotzdem nicht darauf…“

Ich denke auch, dass es viel gefährlicher ist, Fotos der eigenen Kinder bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, wo diese Bilder noch mit persönlichen Angaben wie Alter, Wohnort, Schule oder ähnliches verknüpft werden könnten. Dann wäre eventuell wirklich die Gefahr gegeben, jemand könne auf den Gedanken kommen, das Kind zu entführen oder Schlimmeres. Bei den Kinderfotos in Bildagenturen jedoch bleibt das Kind für die Betrachter und Käufer anonym. Einige Agenturen verbieten sogar, Kinderfotos mit potenziell gefährlichen Begriffen wie „nackt, sexy, etc.“ zu verschlagworten.

Wenn der Fotograf ängstlich und schüchtern bei den Eltern einen Vertrag ansprechen will, spüren diese schnell, dass dem Fotografen dabei unwohl ist und malen sich die Gründe dafür in den düstersten Farben aus.

Deshalb empfehle ich generell jedem Stockfotografen, mit gutem Beispiel voranzugehen und selbst einige Fotos der eigenen Kinder anzubieten oder – falls keine vorhanden sind – einfach Selbstportraits zu machen. In wenigen Jahren sehen die Kinder sowieso ganz anders aus und sind kaum wiederzuerkennen. Ich habe auch einige Selbstportraits in den Agenturen und es zeigt meinen Models, dass ich keine Angst habe, mein Gesicht auf diese Art zur Schau zu stellen.

Der zweite Punkt ist, dass die Eltern und das Kind Vorteile von einem Fotoshooting haben. Die Eltern sparen das Geld für einen Portraitfotografen, was bei 10-20 Bildern schnell mehrere hundert Euro kosten kann. Bei mir bekommen die Eltern oft sogar deutlich mehr Fotos kostenlos. Manchmal bezahle ich die Kindermodels auch zusätzlich, je nachdem, wer wen gefragt hat.

Hier sind wir bei einem weiteren Punkt. Die meisten Kinder habe ich auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern fotografiert. Das heißt, diese wussten, dass ich Fotograf bin, kannten meist auch meine Bilder und haben gefragt, ob ich auch Kinderfotos oder Familienfotos machen könne. Meist habe ich das bejaht unter der Bedingung, dass ich diese Fotos wie mein anderen Fotos auch bei den Bildagenturen verkaufen darf. Mein Vertrag ist auch öffentlich auf meiner Webseite einsehbar; die Eltern haben also im Voraus genug Zeit, sich damit vertraut zu machen.

Nach diesen Überlegungen habe ich Rita gefragt, wie denn bei ihr der Kontakt zustande gekommen ist und was sie sich vorgestellt hat:

„Hallo Robert,

ich wollte schon so 30 Euro für die Bilder haben, weil ich die auf CD brenne und die Bilder bearbeiten muss. Es sind dann aber auch wirklich viele Bilder die ich meistens mache und der Bearbeitungsaufwand ist groß.

Ich wüsste ja gar nicht, ob die Bilder sich bei den Bildagenturen verkaufen lassen oder nicht. Ich weiß nur, dass Menschenbilder eben gern genommen werden. Wohin die gehen, wenn sie verkauft werden oder was für einen Nutzen das Model davon hat, damit hab ich mich noch nie auseinandergesetzt.

Eine Mami hat mich einfach gebeten, ein paar Bilder von ihrer acht Monate alten Tochter zu machen und ich hab zugesagt, es zu tun. Dabei dachte ich, ich könnte auch gleich fragen ob sie mir den MR ausfüllen. Ich will halt meinen Bildbestand mal aufstocken und das geht nicht nur mit Blümchen und Bienchen…weißt du ja auch. Ich brauche bestimmte Dinge, die keiner sonst hat.

Ich hab einfach Hemmungen, die Eltern danach zu fragen, weiß auch nicht, wieso und wie man diese Hemmungen loswerden kann. Die Mama der Kleinen hat mit mir mal einen VHS-Fotokurs mitgemacht und weiß sicherlich, was solche Fotoshootings mit Kindern kosten. Da sind 30 Euro ein Spott dagegen.

Machst du nur noch Fotos mit MR, damit du die Bilder alle verwenden kannst und wenn ja, wie hast du die Überwindung hinter dich gebracht, danach zu fragen, bzw. den Leuten Stift und Zettel in die Hand zu drücken und alles zu erklären?

Ich würde ja auch meine eigenen Kinder nehmen (bisher nur Hände und Füße), aber mein Ex-Mann hat leider was dagegen, die Kinder so öffentlich zu zeigen. Deswegen denke ich immer, andere Eltern würden auch so verklemmt denken und so vorsichtig sein. Einerseits könnt ich die Eltern auch verstehen, wenn sie „nein“ sagen.

Schönen Abend noch und viele Grüße,
Rita“

Die Ursache der Angst, nach einem Vertrag zu fragen, lässt sich am Ex-Mann schnell festmachen.

Wichtiger scheint mir noch ein anderer Punkt: Auch wenn Bildagenturen gerne Hobbyfotografen aufnehmen, bleibt die Stockfotografie trotzdem ein Geschäftsmodell. Dazu gehört für die teilnehmenden Fotografen auch, betriebswirtschaftlich denken zu müssen, um langfristig erfolgreich zu sein. Dazu gehört, sich das Verständnis zu erarbeiten, was mit den Bildern geschehen kann und die Bereitschaft, Investitionen zu tätigen.

Ich würde zum Beispiel kein Geld für die Fotos nehmen, zumal 30 Euro eh nicht den Stundenlohn wert wären. Stattdessen würde ich sagen: „Hör zu, ich mache dir die Bilder kostenlos, aber dafür darf ich die bei Bildagenturen verkaufen. Dazu wird dieser Vertrag hier abgeschlossen…“ Ob sich die Bilder verkaufen, ist allein das Risiko des Fotografen und es sollte ihn motivieren, möglichst gut zu arbeiten. Im Falle eines Misserfolges sollte analysiert werden, was beim nächsten Mal anders laufen muss, damit sich die Fotos verkaufen.

Fotografen, die sich jedoch eher auf Portraits und Auftragsarbeiten spezialisiert haben, machen es manchmal so, dass sie für die Unterschrift zu einem Modelvertrag einen Rabatt auf den normalen Preis geben. Zum Beispiel könnte ein Kinder-Portrait-Shooting mit 20-30 Bildern statt 300 Euro nur noch 200 Euro kosten.

Wenn sich die professionelle Einstellung auch so auf die eigene Webseite etc. auswirkt, dass Personen sofort erkennen, dass der Fotograf mit seiner Arbeit Geld verdienen will, dann muss man sich auch nicht mehr schämen, Geld zu verlangen bzw. stattdessen Veröffentlichungsrechte.

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Kinderfotografie gemacht? Was für Tipps würdet ihr Rita geben?

Die perfekte Bildagentur – Teil 3: Model Releases und Property Releases verwalten

Auf der Suche nach der „perfekten Bildagentur„will ich Schritt für Schritt analysieren, was dazu gehört, um für Fotografen und Bildkäufer attraktiv zu sein. In der letzten Folge ging es um das Hochladen der Bilder. Das geht per FTP meist relativ einfach. Schwieriger wird es dann, wenn der Fotograf die zu den Bildern gehörenden Modelverträge und Eigentumsfreigaben hochladen und hinzufügen soll. Im Sprachgebrauch wird das Wort Modelvertrag mit MR (für „model release“) abgekürzt und die Eigentumsfreigabe mit PR (für „property release“).

Wer schon mal Gruppenfotos mit jeweils unterschiedlichen Personen hochgeladen hat, weiß, wie viel verschiedene Systeme es gibt, die alle unterschiedlich komfortabel sind.

Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Methoden bei Bildagenturen, Model Releases und Property Releases zu verwalten.

  1. Auf den Fotografen verlassen
    Viele Macrostock-Agenturen verlassen sich darauf, dass der Fotograf im Besitz aller notwendigen Rechte ist, um ein Bild lizenzfrei zu verkaufen. Dieses Vertrauen nimmt aber mittlerweile ab, weil durch die weltweite Verteilung von Fotos eine Vertrauensbasis als Geschäftsgrundlage nicht ausreicht und Partneragenturen irgendwann vielleicht doch die zum Foto gehörenden Verträge sehen wollen.
  2. Agenturen verlangen Minimalangaben
    Mit Minimalangaben meine ich entweder, dass der Fotograf zu jedem Foto nur ein Häkchen beim Feld „Alle notwendigen Model- und Property-Verträge vorhanden“ setzen muss. So machen es zum Beispiel Adpic, Pitopia, Clipcanvas oder die Bildmaschine.

    MR/PR-Verwaltung bei Adpic
    MR/PR-Verwaltung bei Adpic
    MR/PR-Verwaltung bei Bildmaschine
    MR/PR-Verwaltung bei Bildmaschine
    MR/PR-Verwaltung bei Pitopia
    MR/PR-Verwaltung bei Pitopia

    Üblicher ist mittlerweile aber eine gestaffelte Angabe, wie sie beispielsweise ImagePoint oder Zoonar verlangen. Da stehen die folgenden Optionen zur Auswahl: „keine Angabe“ (meist standardmäßig aktiviert), „Model-Release vorhanden“, „Model-Release nicht vorhanden“ oder „Model-Release nicht benötigt“. Das gleiche muss auch für das Feld „Property Release“ ausgewählt werden.

    MR/PR-Verwaltung bei ImagePoint
    MR/PR-Verwaltung bei ImagePoint

    MR/PR-Verwaltung bei Zoonar
    MR/PR-Verwaltung bei Zoonar
  3. Agenturen verlangen Upload der Verträge
    Vor allem im Microstock-Bereich hat sich durchgesetzt, dass die Fotografen die kompletten Model- und Property-Releases zusammen mit den betreffenden Fotos hochladen und per Hand zuordnen müssen. Hier gibt es am meisten Varianten, wie das zu bewerkstelligen ist, aber fast alle sind – gelinde gesagt – ein Krampf. Doch dazu später mehr. Agenturen, welche dieses Modell nutzen, sind zum Beispiel Fotolia, istockphoto, Clipdealer, Bildunion, Bigstock, 123rf, Revostock, Pond5 und Digitalstock.

    MR/PR-Verwaltung von Fotolia
    MR/PR-Verwaltung bei Fotolia
    MR/PR-Verwaltung bei Bildunion
    MR/PR-Verwaltung bei Bildunion

    MR/PR-Verwaltung bei Digitalstock
    MR/PR-Verwaltung bei Digitalstock
  4. Agenturen verlangen Upload der Verträge und Zusatzangaben
    Einige Bildagenturen verlangen zusätzlich zum Hochladen der Verträge – nur manchmal freiwillig – zusätzliche Angaben zu Alter, Ethnie und Geschlecht des Models. Diesen Weg gehen beispielsweise Dreamstime, Shutterstock, Panthermedia, Veer, Shotshop.

    MR/PR-Verwaltung bei Shutterstock
    MR/PR-Verwaltung bei Shutterstock
    MR/PR-Verwaltung bei Dreamstime
    MR/PR-Verwaltung bei Dreamstime
    MR/PR-Verwaltung bei Shotshop
    MR/PR-Verwaltung bei Shotshop

    MR/PR-Verwaltung bei Veer
    MR/PR-Verwaltung bei Veer

Wie ihr schon an der Größe der Screenshots erkennen könnt, wird es umso komplizierter, je mehr Informationen eine Agentur verlangt. Die ersten beiden Varianten sind relativ schnell vom Fotografen ausgefüllt, meist wird auch eine gute Batch-Funktion angeboten. Das Hochladen der Verträge ist für Bildagenturen zwar sicherer, aber hier fängt der Ärger an.

Formate und Sprachen der Modelverträge

Damit die Verträge weltweit gültig sind, bevorzugen Bildagenturen Verträge in englisch. Deutsche Bildagenturen akzeptieren zwar auch deutsche Verträge, aber ich rate davon ab, weil nur englische Verträge langfristig die nötige Substanz haben. Darüber hinaus jetzt jede Bildagentur ihre Eigenheiten, was im Vertrag stehen muss. Einige verlangen die Unterschrift eines Zeugen, andere wollen keinen Gerichtsstand im Vertrag sehen oder fordern eine Beschreibung der fotografierten Motive. Mein Model-Vertrag in englisch erfüllt alle diese Anforderungen und wird von allen Bildagenturen akzeptiert. In meinem Buch „Stockfotografie„* findet ihr auch meine englische Eigentumsfreigabe sowie einen Modelvertrag für Minderjährige (beides in englisch) sowie die deutschen Übersetzungen.

Als Format hat sich ein Scan der Verträge als JPG durchgesetzt, einige wenige Agenturen akzeptieren auch PDF als Dateiformat. Die Verträge sollen einzeln für jedes Model hochgeladen werden. Einzige nervige Ausnahme ist wieder istockphoto, die verlangen, dass nur eine Modeldatei pro Foto hochgeladen wird. Das heißt in der Praxis, dass ich bei einem Gruppenfoto mit fünf Personen fünf JPGs aneinander kopieren müsste, damit istock ein Foto akzeptiert. Und das für jede neue Personenzusammensetzung von neuem. Glücklicherweise gibt es als Upload-Hilfe das kostenlose Programm DeepMeta, welche diese unsinnige Arbeit übernimmt.

Die Zwickmühle bei zusätzlichen Model-Angaben

Ganz schwierig wird es bei der letzten Variante. Der Vorteil für die Agenturen ist, dass mit Angabe des Geschlechts, des Alters und der Ethnie der Models sehr vielfältige Such- und Filterfunktionen möglich sind, welche Bildkäufern ganz gezielte Suchen ermöglichen und damit hoffentlich zu mehr Käufen führen. Nachteilig ist es für die Fotografen zum einen, weil die Bearbeitung länger dauert. Außerdem nutzen viele Bildagenturen den Modelvertrag als Kriterium für die Funktion „Mehr Bilder vom gleichen Model„. Fotografen sind deshalb bestrebt, möglichst nur einen Modelvertrag pro Model zu nutzen, auch wenn die Bilder aus verschiedenen Shootings stammen. Spätestens, wenn das Model – auch auf den Fotos – älter wird und es nicht mehr in die starren Alterskategorien passt, müsste der Fotograf einen neuen aktuellen Vertrag hochladen, um das Altersfilter richtig auszufüllen. Vor allem bei Kindermodels kann das schnell vorkommen, wenn das Schema der Agentur als Auswahlmöglichkeit z.B. „1 Jahr, 2 Jahre, 3-5 Jahre, 6-10 Jahre vorsieht“. Das führt jedoch dazu, dass die neuen Bilder nicht mehr in der Serie „Mehr Bilder des gleichen Models“ erscheinen und Bildkäufer, die darin stöbern, diese vielleicht übersehen. Eine unlösbare Zwickmühle. Einzig Panthermedia hat dafür eine Notlösung, bei der das Alter bei einigen Fotos per Hand nachgetragen werden kann. Nicht bequem, aber immerhin möglich.

Die Trennung von MR und PR

Es gibt technisch gesehen keinen Grund, warum ein Modelvertrag anders behandelt werden sollte als eine Eigentumsfreigabe. Deswegen trennen einige Agenturen wie Fotolia, Bildunion oder Digitalstock auch nicht. Das kann jedoch zu einem Problem werden, wenn der Fotograf nicht mitdenkt und die Dateien beim Hochladen unzureichend kennzeichnet. Dann verschwinden die Verträge schnell in der Masse der vielen Modelverträge (die meisten Fotografen haben deutlich mehr MRs als PRs) und sind beim Zuordnen schwer zu finden. Sinnvoller ist es deswegen meist, MR und PR zu trennen. Der Nachteil für Fotografen ist, dass er bei der Auswahl vieler Verträge (zum Beispiel für ein Gruppenfoto im Büro) nur die Personen gesammelt auswählen kann und danach noch zusätzlich den PR markieren muss. Das klingt erst mal nach paar Sekunden Mehraufwand, die sich jedoch bei einer Bilderserie mit 100 Bildern schnell zu vielen Minuten addieren können.

Filter- und Sortierfunktionen für MR und PR sind notwendig

An den Screenshots oben seht ihr, dass ich hunderte Verträge bei den verschiedenen Agenturen im System habe. Dann macht sich bemerkbar, welche Agenturen mitgedacht haben und dem Fotografen die Auswahl der zum Bild gehörenden Verträge erleichtern. Erstaunlich, aber wahr: Es denken nur wenige Agenturen mit. Sehr lobenswert ist das System von Shutterstock, bei dem ich im Vorfeld markieren kann, welche Verträge sichtbar sein sollen und welche ich gerade nicht brauche. Eine ähnliche Filterfunktion hat auch Panthermedia in ihrem neuen Upload-System auf meinen Vorschlag hin eingebaut. Ganz nett bei Veer ist immerhin, dass die zuletzt hochgeladenen Verträge in einem eigenen Tab angezeigt werden, was für Fotos mit bisher nicht fotografierten Models eine Zeitersparnis ist.

Die meisten Bildagenturen sortieren die Verträge standardmäßig entweder nach Upload-Datum oder nach Dateinamen. Nur ganz wenige erlauben eine Veränderung der Sortierung. Dazu gehört Dreamstime. Blöd nur, dass diese Sortierung nicht dauerhauft gespeichert werden kann und bei jedem neuen Upload wieder in die Ausgangsstellung springt. Der Vorteil einer Sortierung nach Datum: Gruppenfotos des gleichen Shootings können schneller zugeordnet werden. Der Nachteil ist jedoch, wenn die gleichen Models oder Gruppen (denken wir an Familien) über einen längeren Zeitraum mehrmals fotografiert werden. Hier hilft die Sortierung nach Modelname. Bei Familien aber auch nur dann, wenn nach Nachname sortiert wird. Deswegen vergebe ich die Release-Namen etwas freier und stelle bei Gruppenshootings ein Kürzel vorne an wie: „Labor Hans Mueller“, „Labor Meike Schmidt“, „Labor Fritz Schultze“. Bei einer alphabetischen Sortierung würden die drei Verträge dann untereinander erscheinen.

Wer als Bildagentur eine bequeme Vertragsverwaltung für Fotografen umsetzen will, sollte deshalb mindestens die Sortierung nach Datum, Dateinamen und Modelnamen erlauben und diese Sortierung muss dauerhaft gespeichert werden können. Außerdem ist eine Filterfunktion sehr praktisch, mit der Fotografen sich nur bestimmte Verträge, die gerade benötigt werden, anzeigen lassen können. Wer mehr als eine Handvoll Verträge hat und auf der Suche nach einem bestimmten bei Bigstock ist, verzweifelt schnell. Die Agentur zeigt nur fünf Verträge pro Seite an und erlaubt es nicht, etwa 20 oder 50 Verträge auf einmal pro Seite anzeigen zu lassen. Nervig!

Zur Überprüfung der korrekten Vertragszuordnung ist es sehr hilfreich, wenn der Fotograf sich zu jedem Vertrag anzeigen lassen kann, welche Fotos mit ihm verknüpft sind und andersrum die Anzeige zu jedem Foto, welche Verträge dazugehören. Auf der Hand liegt eigentlich auch, dass der Fotograf sich bequem den jeweiligen Vertrag anzeigen lassen kann, um zu sehen, was genau drin steht.

Bitte, Agenturen, gebt uns Batch-Funktionen!

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Shutterstock, Bigstock, 123rf, Veer, Panthermedia, Zoonar, Bildmaschine, Adpic und Pitopia. Das sind die einzigen Bildagenturen (die ich beliefere), die eine ordentliche Batch-Funktion anbieten, mit der ich mehreren Bildern gleichzeitig mehrere Verträge bzw. den richtigen Vertragsstatus (siehe Methode 2) zuweisen kann. Dreamstime erlaubt immerhin, die Verträge von zuletzt bearbeiteten Bildern einem neuen Foto zuzuweisen.

Schaut euch jedoch mal den Screenshot von Fotolia an, da muss ich bei jedem einzelnen Bild jede Person einzeln anklicken. Ein Alptraum bei den lukrativen Gruppenfotos. Immerhin gibt es hier eine externe Lösung von Picniche namens ImageDeck (leider nur als nicht mehr unterstützte Beta), welche die Arbeit etwas erleichtert.

Aber es geht noch schlimmer. Um den Preis für die nervigste MR/PR-Verwaltung streiten sich Digitalstock und Shotshop. Bei Digitalstock ist es doch tatsächlich nicht möglich, im Rahmen der üblichen Eingaben wie Kategorie, Suchbegriffe etc. auch gleich die Model-Verträge mit auswählen zu können. Nein, das ist erst danach möglich und in einem separaten Fenster, was ich für jedes einzelne Bild öffnen muss. Shotshop hingegen trennt nicht nur die PRs von den MRs, sondern auch züchtig die Männer von den Frauen. Bei einem Gruppenfoto eines gemischten Teams im Büro muss ich demnach erst alle Frauen in einer Liste anklicken, dann auf „übernehmen“ klicken, dann auf die Liste der Männer klicken, dort die entsprechenden Personen markieren, wieder auf „übernehmen“ drücken, danach die PR-Liste auswählen, den passenden PR markieren und nochmals auf „übernehmen“. Das macht bei fünf Personen elf Klicks, wo anderen Agenturen zwei reichen. Pro Bild!

Die Zukunft: Weiterdenken

Ihr merkt, dass die Vertragsverwaltung ein nervenaufreibender Prozess ist. Dabei gibt es heute schon die technischen Voraussetzungen für Lösungen ohne diesen Ärger. Bild hochladen und die Zuordnung erfolgt automatisch. Ja. Im neuen PLUS Metadaten-Standard ist es vorgesehen, dass Fotografen auch die Vertragsverwaltung als Metadaten schreiben können. Heute schon können Fotografen mit Photoshop CS5, Adobe Bridge oder Lightroom 3 für jedes Foto angeben, welche Modelverträge dazugehören. Das sieht dann so aus:

MR/PR-Zuordnung nach dem PLUS-Standard mit Adobe Photoshop
MR/PR-Zuordnung nach dem PLUS-Standard mit Adobe Photoshop CS5

Leider gibt es bis jetzt keine einzige Bildagentur, die diese Information auslesen kann. Ich wette, wenn Fotolia, istock oder Shutterstock das unterstützen würden, gäbe es genug Fotografen, die das mit Freuden in ihren Workflow integrieren würden. Ich wäre einer von ihnen.

Ein anderer interessanter Ansatz wäre das Gruppieren von Verträgen, die dann mit einem Klick einer Fotoserie zugeordnet werden könnten. Ebenfalls ideal für Gruppenfotos, bei denen die Vertragsverwaltung besonders umständlich ist. Fotolia erlaubt ja schon jetzt die Sortierung von Verträgen in Unterordner, ist aber noch nicht darauf gekommen, diese Ordner im Drop-Down-Menü bei der Release-Zuordnung anzuzeigen.

Mit der Weiterentwicklung der automatischen Gesichtserkennung, die Facebook schon teilweise nutzt, könnten auch Bildagenturen in Zukunft mir gleich die passenden Verträge für jedes Foto vorschlagen. Aber ach, jetzt träume ich…

Fassen wir kurz die Punkte zusammen, die eine perfekte Bildagentur erfüllen sollte:

  • möglichst einfach Zuordnung von MR und PR
  • permanente Sortiermöglichkeiten für MR/PR nach Datum, Dateiname, Modelname
  • Filterfunktion, die nur tatsächlich benötigte Verträge anzeigt
  • Anzeige der mit einem Vertrag verknüpften Fotos
  • Anzeige der mit einem Foto verknüpften Verträge
  • Einfach Anzeige der Verträge selbst für den Fotografen
  • Möglichkeit, mehrere Fotos gleichzeitig mit mehreren Verträgen zu verknüpfen
  • Bonus: Automatisches Auslesen von MR/PR-Informationen aus den Bild-Metadaten

Bei welchen Agenturen könnt ihr am bequemsten MR und PR zuweisen? Welche Funktionen findet ihr am praktischsten und welche vermisst ihr am meisten?

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