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Stockfotografie-Quick-Tipp 3: Kleidung anpassen für Shootings

Wer häu­fig Menschen foto­gra­fiert, wird sich zwangs­läu­fig auch mit Kleidung befas­sen müs­sen, sofern er nicht nur Aktfotografie betreibt.

elektrikerin_16A8976  Meist las­se ich die Models eine pas­sen­de Auswahl an Kleidung für ein Shooting mit­brin­gen, aber oft genug muss ich auf eige­ne Kleidung zurück­grei­fen, um bestimm­te Shootingideen umset­zen zu kön­nen.

Damit mei­ne ich nicht, dass ich immer mei­nen eige­nen Kleiderschrank plün­de­re, um etwas Passendes für mei­ne Models zu fin­den.

Vielmehr kau­fe ich bestimm­te Kleidungsstücke als „Requisiten“ nur für Shootings, die ich dann für meh­re­re Models ver­wen­den kann.

Das Problem: Nicht jedes Model hat die glei­che Größe oder die glei­chen Maße.

Ein simp­ler Trick hat mir hier in der Vergangenheit jedoch schon oft gehol­fen. Ich kau­fe Kleidung im Zweifelsfall lie­ber etwas grö­ßer als klei­ner.making_of_klemmen_16A8975

Falls dem Model die Kleidung dann zu groß sein soll­te, kann ich sie hin­ter dem Rücken mit eini­gen wohl­plat­zier­ten „Foldback-Klammern“ enger ste­cken. Auch locke­re Ärmel oder Beine kann damit ver­engt wer­den (sie­he Fotos). Deshalb habe ich immer etli­che in Schwarz fast unsicht­bar im Studio am Rahmen mei­nes Lastolite-Hintergrunds klem­men.

Im häu­figs­ten ver­wen­de ich die­se hier mit 41mm Breite*. Bei ca. 35 Cent pro Stück gibt es kein Argument, nicht immer eini­ge in Reichweite parat legen zu haben. Zusätzlich habe ich eini­ge die­ser klei­ne­ren mit 19mm Breite* in Verwendung.making_of_klemmen_16A8974

Im Gegensatz zu die­sen häu­fig ver­wen­de­ten Fotoklammern* haben sie den Vorteil, dass sie kür­zer und leich­ter sind und somit bes­ser hal­ten, ohne den Stoff run­ter­zu­zie­hen und sich das Model auch mal etwas dre­hen kann, ohne dass der Griff sofort ins Bild ragt.

Was macht ihr, wenn euren Models Kleidung zu groß ist?

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Wie läuft ein Foto-Shooting ab? Mein Business-Team-Shooting als Beispiel

Wow, es ist schon ein drei­vier­tel Jahr her.

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist vor allem eins in Erinnerung geblie­ben bei mei­nem letz­ten gro­ßen Shooting: Die brü­ten­de Hitze in Köln, bei der ich die Models genö­tigt hat­te, trotz­dem lan­gär­me­li­ge Hemden zu tra­gen und in einem unkli­ma­ti­sier­ten Büro her­um­zu­sit­zen.

Diskussion in einem dynamischen Business Team mit Tablet Computer im Freien

Großes Shooting“ heißt für mich: Ein Shooting mit mehr als 6 Models, in die­sem 7 Models, mit dabei im Hintergrund mei­ne Kollegin Jasmin, wel­che vor allem Videos gemacht hat sowie ein Assistent.

Die Idee

Uns stan­den eini­ge Schulungsräume in Köln zur Verfügung, wel­che leer rela­tiv unspek­ta­ku­lär wir­ken. Gefüllt mit vie­len Models jedoch ergibt das eini­ge glaub­wür­di­ge Business-Situationen, die wir dar­stel­len woll­ten. Die Räume hat­ten den wei­te­ren Vorteil, dass sie eben­er­dig waren, wir konn­ten also nicht nur innen, son­dern auch drau­ßen vor der Tür foto­gra­fie­ren und somit die spie­geln­den Glasfassaden nut­zen.

Junge Business Frau surft mit ihrem Tablet PC im Internet und nutzt Apps

Die Models

Geplant waren acht Models, es gab lei­der eine kurz­fris­ti­ge Absage, was wir bei der Anzahl der gebuch­ten Models jedoch berück­sich­tigt hat­ten. Mit fast allen Models hat­te ich schon – oft mehr­mals – zusam­men­ge­ar­bei­tet, ich wuss­te also, dass ich mich auf sie ver­las­sen konn­te.

Business Team bei Planung der Finanzen mit Tablet PC am Tisch

Die Gruppe soll­te bunt gemischt sein, sowohl vom Alter, den Haarfarben und Geschlechtern. Das ist uns ganz gut gelun­gen, lei­der ist uns der mul­ti­kul­tu­rel­le Touch durch die Absage des afri­ka­nisch­stäm­mi­gen Models ver­lo­ren gegan­gen.

Den Models habe ich eini­ge Kleidungsvorschläge mit­ge­ge­ben, damit deren Kleidung wäh­rend des Shootings gut zusam­men­pas­sen wird.

Das Thema

Das Thema des Shootings war „Business-Team“ und wegen der Hitze haben wir auf die Jackets, Anzüge und Krawatten ver­zich­tet. Das war eine gute Entscheidung, fin­de ich, weil die Bilder dadurch trotz der Business-Atmosphäre locker und weni­ger for­mal wir­ken.

Die Requisiten

Zur Vorbereitung hat mei­ne flei­ßi­ge Assistentin unzäh­li­ge gene­ri­sche Balkendiagramme, Tortendiagramme, Tabellen, Kursverläufe und ande­re sta­tis­ti­sche Spielereien erstellt, die jedoch auf ech­ten Daten basie­ren, damit sie auch rea­lis­ti­sch aus­se­hen. Wer gen­au hin­schaut, sieht sogar mei­ne Modelverträge, wel­che die Models gleich vor lau­fen­der Kamera aus­fül­len konn­ten.

Tisch im Büro mit Händen und vielen Dokumenten von oben

Die Models wur­den gebe­ten, wenn vor­han­den, ihre Tablet Computer, Aktenmappen etc. mit­zu­brin­gen und wir haben selbst alle unse­re Tablets, Laptops und einen gro­ßen Packen neu­tra­li­sier­ter Kugelschreiber ein­ge­packt. Neutralisiert heißt, dass wir vor­her alle Logos, Markennamen etc. von den Geräten ent­fernt haben, damit die Bilder spä­ter leich­ter zu retu­schie­ren sind.

Die Technik

Zum Einsatz kam mei­ne bewähr­te Kombination aus Canon 5D Mark III*, als Objektiv das Arbeitstier 24–70 mm f2.8 II von Canon*, zwei exter­ne Speedlites* mit pas­sen­der Lastolite-Softbox* und diver­sem Zubehör. Die genaue Zusammenstellung für das ent­fes­sel­te Blitzen könnt ihr in die­sem Artikel nach­le­sen.

Foto: Tim E. Klein
Foto: Tim E. Klein

Um das Licht noch bes­ser len­ken zu kön­nen, war mein treu­er California Sunbounce in der Größe Mini* in der Silber/Weiß-Bespannung dabei und auch hilf­reich. Vor Ort konn­ten wir auch eine Leiter nut­zen für eini­ge Bilder:

Geschäftsleute stehen als dynamisches Team in einer Formation

Die Aufnahme-Daten

Am häu­figs­ten kam die Brennweite im Bereich 40-50mm zum Einsatz, gefolgt von den bei­den Extremen 24mm und 70mm. ISO-Wert war fast immer ISO 200, Belichtungszeit war meist 1/125 Sekunde. Als Blende habe ich meist Blende f/5.0 bis f/7.1 gewählt.

Entgegen mei­ner Predigt, dass sich Hoch- und Querformat-Bilder die Waage hal­ten soll­ten, habe ich dies­mal fast nur hori­zon­tal gear­bei­tet, was sicher auch dar­an liegt, dass sich die­ses Format bei Gruppen ein­fach anbie­tet, wenn ich die Leute nicht über­ein­an­der sta­peln will.

Voller Einsatz, hier mit einem Ringflash-Adapter (Foto: Tim E. Klein)
Voller Einsatz, hier mit einem Ringflash-Adapter (Foto: Tim E. Klein)

Vor dem Shooting

Einen Tag vor dem Shooting haben Jasmin und ich alle Bilder von den Wänden gehängt und die Tische und Stühle so ange­ord­net, wie wir sie brau­chen. Außerdem haben wir liter­wei­se Getränke im haus­ei­ge­nen Kühlschrank gela­gert, damit unse­re Models am nächs­ten Tag bei der Hitze nicht dehy­drie­ren.

Am Shootingtag habe ich die Models begrüßt, sie unter­ein­an­der vor­ge­stellt, falls sie sich noch nicht kann­ten und mir deren Kleidung zei­gen las­sen.

Jedes Model bekam eine Anweisung, wel­che Kleidung er oder sie anzie­hen sol­le sowie eine „Wechselkleidung“, wel­che sie ca. nach der Hälfte des Shootings auf mein Kommando wech­seln soll­ten.

Gruppe Geschäftsleute im Kreis stapelt die Hände zur Motivation

In der Zwischenzeit haben wir mit dem Assistenten das Licht ein­ge­rich­tet und die ers­te Szene mit Requisiten ein­ge­rich­tet.

Das Shooting beginnt

Zuerst soll­ten die Models sich an den Tisch set­zen und die Verträge unter­schrei­ben. Dabei habe ich das Licht mit den Models getes­tet und gleich eini­ge ver­käuf­li­che Fotos gemacht.

Danach habe ich vor allem Szenen vor­ge­ge­ben (Vertragsverhandlung, etc.) und die Models unter­ein­an­der agie­ren las­sen. Zwischendurch habe ich aber manch­mal auch ganz kon­kre­te Aufstellungen vor­ge­ben.

Wichtig ist es, immer die Augen offen zu hal­ten. So durf­te zum Beispiel ein Teil der Models zwi­schen­durch Pause machen und als die­se vor der Tür Smalltalk mach­ten, sah das so gut aus, dass wir das dana­ch gleich als nächs­te Szene über­nom­men haben.

Drei Geschäftsleute stehen im Gespräch miteinander in der Pause vor dem Büro

Zwischendurch habe ich auch eini­ge Videos pro­biert, aber das habe ich schnell wie­der Jasmin über­las­sen.

Mittags gab es eine hal­be Stunde Pause, in der wir Pizza für alle geor­dert haben (mer­ke: hung­ri­ge Models haben grim­mi­ge Gesichter). Danach kam der Kleidungswechsel und wei­ter ging’s.

An die­ser Stelle noch mal einen herz­li­chen Dank an alle Models und die ande­ren Beteiligten, die trotz über 35°C stand­haft bei der Sache waren und sich die Anstrengung nicht haben anmer­ken las­sen.

Nach dem Shooting

Jetzt beginnt der lang­wei­li­ge­re Teil. Die Räume wer­den wie­der her­ge­rich­tet, die lee­ren Flaschen abge­ge­ben und die Daten dop­pelt gesi­chert.

Am nächs­ten Tag mit einer Nacht Schlaf dazwi­schen wer­den die Bilder gesich­tet, sor­tiert und für die aus­ge­wähl­ten Bilder ent­wi­ckelt und von RAW ins TIFF-Format umge­wan­delt. Meinen Capture-One Workflow dazu fin­det ihr hier.

Dann folgt die übli­che Bildretusche, die Verschlagwortung und das Hochladen. Die Models erhal­ten alle eine DVD mit den fer­ti­gen Bildern sowie eini­ge Abzüge (wie hier beschrie­ben).

Mittlerweile fin­den sich die Bilder vom Shooting auf Webseiten und in Werbematerial von Anwälten, Versicherungen, Medien, Unternehmungsberatungen, Weiterbildungsinstituten und so wei­ter.

Die fertigen Bilder

Die Bilder könnt ihr zum Beispiel bei Fotolia* oder Shutterstock* kau­fen, die Videos auch. Zusätzlich habe ich ein ein­mi­nü­ti­ges Showreel mit den bes­ten Ergebnissen erstellt:

Was sagt ihr zu den Bildern?

* Affiliate-Link

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 36

Die heu­ti­ge Folge von „Pimp My Stock!“ ist etwas kür­zer.

Ich bekom­me auch seit lan­gem mehr Einsendungen als ich Folgen ver­öf­fent­li­che, was zu einem ordent­li­chen Stau führt. Deshalb wer­de ich die nächs­ten Wochen etwas öfter eine Folge ver­öf­fent­li­chen, um mei­nen Rückstand auf­zu­ho­len.

Tristan schrieb mir im Mai 2013 schon fol­gen­des:

Hallo Robert,

ich wür­de ger­ne an Deiner Pimp My Stock Reihe teil­neh­men.

Ich foto­gra­fie­re seit ca. 2003, habe das Hobby dann etwas schlei­fen las­sen und bin dann 2008 auf eine gebrauch­te Spiegelreflex umge­stie­gen. Vorher hat­te ich eine Fuji S602Zoom Bridge-Kamera.

Am Anfang habe ich mich auf fami­liä­re Motive beschränkt, aber nach eini­ger Arbeit mit der Kamera und den Objektiven, sowie Präsentationen im Internet habe ich mich über wei­te­re Techniken (Panorama, HDR, Strobist) wei­ter ent­wi­ckelt.

Und mit stei­gen­den Kosten für das Hobby bin ich dann auch auf Deine Seite gesto­ßen und hab mir zu Weihnachten dann Dein Buch gekauft.

Inzwischen habe ich bei drei Agenturen Bilder hoch­ge­la­den: Fotolia, Pitopia und 123rf.

Wie man aber aus mei­nem klei­nen Blogartikel her­aus lesen kann, klappts aber nicht so wirk­li­ch. Klar hab ich es etwas schlei­fen las­sen, nach­dem die Verkäufe nicht so wirk­li­ch gezo­gen haben. Auch die ers­ten Verkäufe haben mich nicht wei­ter moti­viert (qua­si geklau­ter Einkauf).

Ich woll­te mir nun noch ein­mal eine Chance geben und Dich fra­gen, ob ich viel­leicht den Sprung in die Peoplefotografie wagen soll­te. Ein paar Beispiele fin­dest Du hier.

Ich hab mich bei einer Modelagentur (www.stylished.de) ange­mel­det, um dort ein paar Modelle zu enga­gie­ren. Allerdings bin ich dort erst ein­mal abge­lehnt wor­den. Wie komm ich denn zu einem initia­len Portfolio für Modelshoots, die ich dann auch auf einer eige­nen Website prä­sen­tie­ren kann?

Ok, ich weiß, das zielt etwas an Pimp My Stock vor­bei, aber viel­leicht kriegt dadurch Deine Artikelreihe eine neue Richtung 😉

Vielen Dank für Deine Mühe.

Und hier noch ein paar Bilder, die noch nicht bei den Agenturen gelan­det sind…

Liebe Grüße aus Franken,
Tristan“

Schauen wir uns die Bilder an:

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Zur Paprika ein kla­res und kur­zes Nein. Das ist kein gutes Stockfoto. Die übli­che Regel bei Foodfotos lau­tet, dass das Essen appe­tit­li­ch aus­se­hen soll­te, wenn das Konzept nicht expli­zit was ande­res ver­langt. Foodfotografen ver­brin­gen des­halb manch­mal mehr Zeit mit der Auswahl der rich­ti­gen, sprich: gut aus­se­hen­den, Zutaten als dem Fotografieren. Hier wur­de ein­fach die erst­be­s­te Paprika hal­biert und vor einem wei­ßen Hintergrund foto­gra­fiert. Mitsamt der Kerne und komi­sch gewach­se­nem Innenleben. Das stößt eher ab als das es appe­tit­för­dernd wäre. Dass der Hintergrund dann nicht sau­ber frei­ge­stellt wur­de und die „Ratschen“ am Stiel der Paprika nicht retu­schiert wur­den, spielt dann schon kei­ne Rolle mehr. Der letz­te Punkt ist, an frei­ge­stell­ten roten Paprika in Bildagenturen wahr­li­ch kein Mangel herrscht.

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Dier ver­blüh­te Tulpenstrauß sieht schon bes­ser aus. Das Unperfekte ist hier Teil des Konzepts und damit erlaubt. Die Einsatzmöglichkeiten sind jedoch begrenzt und damit die Verkaufschancen gering. Gefühlsmäßig wür­de ich das Bild mehr als RM bei einer Macrostockagentur sehen als bei einer Microstockagentur.

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Ähnliches gilt für die ver­streu­ten Blüten. Hier fällt schon etwas mehr nega­tiv auf, dass der Hintergrund oben über­strahlt ist. Auch die Anordnung der Blüten wirkt lieb­los. Hier hät­te der Fotograf mehr Sorgfalt wal­ten las­sen müs­sen. Den Kundennutzen sehe ich noch weni­ger als beim gan­zen Blumenstrauß, wes­halb ich bei­de Fotos als Agentur ableh­nen wür­de.

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Bei die­sem Bild kann ich ehr­li­ch gesagt nicht erken­nen, was über­haupt zu sehen sein soll. Der Mond? Ein Blitzlicht? Spinnenweben? Unklar. Den Kunden wird es genauso gehen und sie wer­den das Bild des­halb nicht kau­fen.

Wenden wir uns des­halb der zwei­ten Frage der Mail zu.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich bei der Model-Kartei deut­li­ch mehr Models fin­den las­sen als bei Stylished. Wie man anfangs zu pas­sen­den People-Fotos zum Vorzeigen kommt, erklä­re ich aus­führ­li­ch in mei­nem Buch „Die Arbeit mit Models“*, des­halb hier nur kurz: Wer Probleme hat, Models zu fin­den, soll­te mit Selbstportraits anfan­gen, dann die Familie und Freunde fra­gen, bis frem­de Leute genug ansehn­li­ches Material sehen kön­nen, um sich eben­falls auf ein Fotoshooting ein­zu­las­sen.

Im Buch habe ich auch ein Kapitel über Seriosität und die damit ver­bun­de­ne Namenswahl. „foton­ben­gel“ erscheint mir hier sowohl von der Schreibweise als auch der impli­zier­ten Flapsigkeit unge­eig­net, um Vertrauen bei poten­ti­el­len Models zu wecken.

Wie habt ihr eure ers­ten Models von Fotos über­zeu­gen kön­nen?

* Affiliate

Frag den Fotograf: Die Angst vor dem Modelvertrag

Kurz nach­dem ich mich ent­schie­den hat­te, mehr Leserfragen öffent­li­ch im Blog zu beant­wor­ten, tru­del­ten fast zeit­gleich zwei Mails ein, die eine sehr ähn­li­che Frage ent­hiel­ten. Deshalb möch­te ich bei­de Emails heu­te zusam­men beant­wor­ten.

Dagmar schrieb in ihrer Mail:

…bevor ich los­le­ge, grü­ße ich dich aus dem sehr som­mer­li­chen Hilden bei Düsseldorf.

Dieses Jahr bin ich in die Stockfotografie ein­ge­stie­gen, ver­fol­ge regel­mä­ßig dei­nen Blog, lese gera­de dein Buch und zie­he abso­lut den Hut davor, was du für dich auf die Beine gestellt hast. Du bist ein abso­lu­tes Vorbild für mich. Gratuliere von Herzen!

Jetzt hab ich als Anfängerin aber mal zwei Fragen an dich:

Buchst du immer dei­ne Models und machst dann dei­ne Fotos? Oder siehst du auch spon­tan eine Situation/ Motiv und sprichst die Personen an ob sie mit der Veröffentlichung und dem Verkauf von dem eben gemach­ten Foto ein­ver­stan­den sind?

Letztens habe ich auf einem Damm meh­re­re Rentner neben­ein­an­der auf einer Bank sit­zen sehen. Vorne eine gepfleg­te grü­ne Wiese, dahin­ter Himmel. Das Bild wäre geni­al gewe­sen! Habe mich nicht getraut sie anzu­spre­chen…

Wie um Himmels Willen machst du das dann? Hältst du denen den Vertrag unter die Nase und sagst so was wie

Sind Sie ein­ver­stan­den, dass ihr Bild ver­öf­fent­licht und ver­kauft wird? Ich kann Ihnen zwar nicht sagen mit wel­chen Überschriften und für was Sie dann Werbung machen – da hab ich kei­nen Einfluss drauf?“

Wenn ich mich in deren Lage ver­set­ze – ganz ehr­li­ch – „mehr wie son­der­bar“ – wür­de ich den­ken…!

Wenn sie spon­tan dann doch damit ein­ver­stan­den wären, wür­den Sie von mir Geld bekom­men? Wenn ja wie­viel? Man weiß ja vor­her gar nicht ob das Foto sich dann über­haupt ver­kauft.“

Lars schrieb mir fol­gen­des aus einer ande­ren Ecke Deutschlands:

Hallo Herr Kneschke,

ich habe ihren Blog schon sehr oft gele­sen und mir auch ihr Buch (3.Auflage) gekauft. Leider konn­te ich in den Informationsquellen kei­ne Infos dazu fin­den, wie sie den „Models“ oder sagen wir ein­fach mal Bekannten oder Freunden sagen, dass sie die Bilder im Internet ver­kau­fen wol­len.

Ich den­ke wenn ich das mei­ne Leute fra­gen wer­de, wird die Antwort sofort ein Nein sein, da es sich komi­sch anhört und man ja sel­ber gar kei­ne Kontrolle mehr über den wei­te­ren Verlauf der Bilder hat.

Mich wür­de es rie­sig inter­es­sie­ren wie sie das anspre­chen. Gibt es irgend­wel­che Tipps damit sich das gan­ze nicht so abschre­ckend anhört? Vor allem wirkt auch das Ausfüllen eines Vertrages eben­falls abschre­ckend.

Ich wäre ihnen zu rie­si­gem Dank ver­pflich­tet und wür­de mich sehr über eine Antwort zu dem Thema freu­en 🙂

Zu mei­ner Person: Ich hei­ße Lars, bin 24 Jahre alt und seit 2 Monaten alles am foto­gra­fie­ren was geht. Mir berei­tet die Fotografie Unmengen Spaß und ich bin sehr inter­es­siert an dem Thema. Damit jetzt auch noch Geld ver­die­nen zu kön­nen, wäre ein rie­sen Traum von mir. Selbst wenn es nur 10€ im Monat sind, wür­de mir das eine gro­ße Freude machen. Leider traue ich mich nicht wirk­li­ch mei­ne Freunde/Bekannten zu fra­gen ob ich sie foto­gra­fie­ren darf, um die Fotos im Internet zu ver­kau­fen und das bremst mich erheb­li­ch aus.“

Die Hauptfrage bei­der Mails ist: Wie erklä­re ich mei­nen Models, dass ich sie foto­gra­fie­ren will und was mit den Fotos geschieht? Auf die Nebenfragen will ich zwi­schen­durch ein­ge­hen.

Zunächst ein­mal: Ich foto­gra­fie­re so gut wie nicht spon­tan für Bildagenturen. Ich habe in mei­nen Anfängen die Erfahrung gemacht, dass eine sorg­fäl­ti­ge Planung deut­li­ch lukra­ti­ve­re Ergebnisse bringt als ein zufäl­li­ges „Drauflos“-Fotografieren. Außerdem lege ich eben Wert dar­auf, dass mei­ne Models wis­sen, was sie zu erwar­ten haben und das ist etwas, was sich nicht zwi­schen Tür und Angel erklä­ren lässt.

Deshalb lade ich die Leute, die von mir foto­gra­fiert wer­den wol­len, meist zu einem Vorgespräch ein. Dort zei­ge ich ihnen Beispielbilder von mir, damit sie mer­ken, wel­chen Bildstil ich haben will. Helle, bun­te, opti­mis­ti­sch wir­ken­de Fotos.

Außerdem habe ich eine dicke Mappe mit bis­he­ri­gen Veröffentlichen von mir, wo Bilder für Zeitungsartikel, Flyer, Broschüren, Poster, Bücher oder Produkte benutzt wur­den. Ich mache den Models klar, dass ich kaum Einfluss dar­auf habe, wo gen­au die Bilder ein­ge­setzt wer­den und auch nur sel­ten von einer kon­kre­ten Verwendung erfah­re. Nur weni­ge, bestimm­te Verwendungszwecke wer­den in den Nutzungsbedingungen aus­ge­schlos­sen.

Die poten­ti­el­len Models bekom­men mei­nen Vertrag in deut­sch und eng­li­sch aus­ge­hän­digt und haben genug Zeit, sich die­sen in Ruhe durch­zu­le­sen. Außerdem sind bei­de Versionen jeder­zeit auf mei­ner Webseite nach­les­bar.

Dazu mache ich paar Testfotos, um zu sehen, wie selbst­si­cher das Model vor der Kamera ist und ob es auf Kommando foto­gen lachen kann.

Spätestens dann ist für bei­de Seiten klar, ob eine Zusammenarbeit in Frage kommt oder nicht. Wieviel die Models übli­cher­wei­se als Bezahlung erhal­ten, habe ich in einer Umfrage unter Stockfotografen ermit­telt und die Ergebnisse in die­sem kos­ten­lo­sen Ebook bereit­ge­stellt. Den Einwand, dass man nicht wis­se, ob sich die Fotos auch ver­kau­fen wür­den, las­se ich nicht gel­ten. Das Honorar ist – wie hier beschrie­ben – als Investition zu sehen. Das ist auch ein wei­te­rer Grund gegen Spontan-Shootings: Je bes­ser der Fotograf vor­be­rei­tet ist, desto leich­ter amor­ti­sie­ren sich die Ausgaben für das Model.

In bei­den Mails schim­mert aber etwas ande­res durch: Angst. Die Angst, Menschen anzu­spre­chen. Das is für einen People-Fotografen eine ernst­zu­neh­men­de Hürde. Ein People-Fotograf muss ja nicht nur foto­gra­fie­ren, er ist auch Entertainer, Motivator, Seelentröster, Stilberater, Pausenfüller, Moderator, Regisseur und so wei­ter. Wer nur stumm foto­gra­fie­ren will, soll­te sich lie­ber auf Food oder Landschaften spe­zia­li­sie­ren.

Ich muss geste­hen, dass ich auch eher schüch­tern bin und es mir schwer fällt, unge­zwun­gen mit frem­den Menschen umzu­ge­hen. Aber mit etwas Übung klappt das schon. Anfangs habe ich ja kei­ne Fremden gefragt, ob sie für mich modeln wol­len, son­dern Freunde. Da sagt man ein­fach: „Hey, du siehst doch gut aus, wol­len wir nicht mal paar Fotos zusam­men machen?“ Menschen füh­len sich ja in der Regel geschmei­chelt, wenn sie für ihr Äußeres gelobt wer­den.

Der Vertrag und die Bezahlung zeugt dann von Professionalität. In Model-Foren lese ich immer wie­der von win­di­gen Fotografen, die Bilder nicht raus­rü­cken oder die Fotos auf nicht abge­spro­che­ne Weise nut­zen. Die Standard-Antwort ist dann immer: „Habt ihr denn kei­nen Vertrag abge­schlos­sen?“ Bei mir wür­den des­halb eher die Alarmglocken läu­ten, wenn ein Fotograf par­tout ohne Vertrag arbei­ten will.

Wer sich nicht sicher ist, ob Leute auf den Modelvertrag ein­ge­hen wür­den, füllt den Vertrag ein­fach selbst aus und macht eini­ge Selbstportraits, die dann den Bildagenturen ange­bo­ten wer­den. Wenn der Fotograf kei­ne Probleme damit hat, sei­ne Bilder ein­zu­stel­len, war­um soll­te das Model wel­che haben?

Stockfotografie ist ja weder anrü­chig noch ille­gal, son­dern höchs­tens unbe­kannt. Deshalb hel­fen Offenheit und Geduld mein Erklären des Geschäftsmodells. Wer als Fotograf jedoch rum­druck­st und selbst kein Vertrauen in sein Geschäftsmodell hat, kann das nicht von sei­nen Models erwar­ten. Über die hilf­rei­chen Tugenden wie Vertrauen und Zuverlässigkeit habe ich aber in die­sem Gastartikel für die foto­com­mu­ni­ty mehr geschrie­ben.

Beantwortet das eure Fragen? Wie meis­tert ihr die Hürde, Menschen als Models zu gewin­nen?

Fotosession: Paarfotos im Herbstlaub

Mit den bei­den Models hat­te ich schon ein Shooting in einer Apotheke gehabt. Beide woll­ten als fri­sch ver­lieb­tes Paar ger­ne eini­ge Paarfotos haben und da noch Herbst war, bot es sich an, im bun­ten Herbstlaub eini­ge Bilder zu machen.

Da ich als Stockfotograf ger­ne immer noch ein zusätz­li­ches Thema abde­cken möch­te, ent­schie­den wir uns für „Tourismus“. Gewappnet mit Stadtplan, Reiseführer und Smartphone streif­ten wir durch Berlin.

Wichtig war aber auch, dass der kon­kre­te Ort nicht erkenn­bar sein soll­te, damit die Bilder in mög­lichst vie­len Regionen ein­ge­setzt wer­den könn­ten.

Romantisch, gell? Den in Wahrheit eher trist-trüben Himmel habe ich mit einem leich­ten Verlaufsfilter ein­ge­färbt, der mit den Herbstblättern unten farb­li­ch abge­stimmt ist. Insgesamt war die ver­wen­de­te Technik sehr ein­fach gehal­ten: Ich habe die Canon 5D Mark II mit der Festbrennweite 85mm f1.2* genutzt, aber da ich fast nur bei Blende 2–3 foto­gra­fiert habe, hät­te auch das güns­ti­ge­re Objektiv* mit Offenblende f1.8 gereicht. Das Licht war wegen des bewölk­ten Himmels rela­tiv kon­tras­t­arm, somit gab es kaum Lichtprobleme. Trotzdem habe ich den Roundflash* (mei­ne Rezension dazu hier) als Aufhelllicht von vor­ne benutzt, um vor allem unauf­fäl­lig etwas Zeichnung in den dunk­len Mantel zu bekom­men.

Eines der Bestseller ist die­ses Motiv, ver­mut­li­ch, weil es den Wandel von Touristen gut illus­triert, die nicht mehr mit der Kompaktkamera am Strand lie­gen, son­dern mit dem Smartphone auf Städtereisen gehen.

Einer der ande­ren Bestseller ist die­ses Motiv vom Paar beim Fahrradfahren. Es ist gar nicht so ein­fach, zwei Leute beim Radfahren in der Stadt scharf und foto­gen abzu­bil­den. Deshalb haben wir uns eines Tricks bedient. Beide Räder stan­den in einem sta­bi­len Fahrradständer für Leihfahrräder, was die Aufnahme deut­li­ch erleich­ter­te. Ein gutes Beispiel für eine spon­ta­ne Nutzung der Gegebenheiten, die nicht immer, aber doch manch­mal mit guten Verkäufen belohnt wird.