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Mögliche Fehler in der Modelfreigabe (Model Release)

Schon lan­ge bie­te ich hier im Blog mei­nen Model Release zum Download an. In mei­nem Buch „Stockfotografie“* ist zusätz­li­ch auch mein Property Release sowie ein Modelvertrag für Minderjährige abge­druckt.

shs-model-release-16-11-_2016_11-59-39Diesen Release nut­ze ich seit Jahren und bis­her wur­de er von jeder Agentur als gül­tig akzep­tiert.

Nun errei­chen mich immer wie­der Mails von Fotografen, denen die­ser aus­ge­füll­te Vertrag trotz­dem von einer Bildagentur abge­lehnt wur­de.

Auch bei mir wird manch­mal ein Modelvertrag abge­lehnt, aber das liegt eigent­li­ch nie am Vertrag selbst, son­dern immer nur dar­an, wie er aus­ge­füllt wur­de. Oder anders for­mu­liert: Wenn der Modelvertrag abge­lehnt wird, ist er nicht kor­rekt aus­ge­füllt. Das sind meist nur Kleinigkeiten, die in der Eile vom Fotografen oder vom Model über­se­hen wur­den.

Die Agenturen schrei­ben als Begründung lei­der meist nur „Probleme mit dem Model Release“ oder „ein voll­stän­di­ger Modelvertrag wird benö­tigt“, was im Detail wenig hilft.

Hier des­halb eine Auflistung der häu­figs­ten Ablehnungsgründe, war­um ein Model Release zurück­ge­wie­sen wird von einer Bildagentur zurück­ge­wie­sen wer­den kann.

Probleme mit den Zahlen:
Das häu­figs­te Problem ist, wenn Jahreszahlen zwei­stel­lig statt vier­stel­lig geschrie­ben wer­den, zum Beispiel 07.11.16 (statt 07.11.2016).
Auch unle­ser­li­ch geschrie­be­ne Zahlen kön­nen zu Problemen füh­ren, zum Beispiel weil eine 7 wie eine 9 aus­sieht oder eine 1 wie eine 7. Das ist rele­vant, weil die Unterschrift des Zeugen am glei­chen Tag wie die des Models erfol­gen soll­te. Generell ist es auch sehr emp­feh­lens­wert, dass alle Datumsangaben iden­ti­sch sind, also die Unterschrift von Fotograf, Model, Zeuge iden­ti­sch mit dem Shootingdatum sind.

Fehlende Daten:
Auf mei­nem Modelvertrag über­se­hen vie­le Models oft, dass beim Feld für ihre Unterschrift auch noch­mal das aktu­el­le Datum ste­hen muss. Manche tra­gen aber das Datum ein und ver­ges­sen dann ihre Unterschrift.

Auch alle Namen müs­sen voll­stän­dig im Vertrag ste­hen. Nur der Nachname (ohne Vorname) reicht nicht und auch Abkürzungen, vor allem vom Vornamen füh­ren regel­mä­ßig zu Ablehnungen (zum Beispiel H.-J. Schmidt oder V. Meier).

Langsam soll­te es sich her­um­ge­spro­chen haben, aber ich erwäh­ne es trotz­dem noch mal: Ein Zeuge soll­te eben­falls immer im Modelvertrag ste­hen, selbst wenn nach deut­schem Recht ein Vertrag ohne Zeuge gül­tig wäre.

Falscher Vertrag:
Es kann manch­mal vor­kom­men, dass ein fal­scher Vertrag ver­wen­det wird. Zum Beispiel, weil das Model „bald“ 18 Jahre alt wird, aber trotz­dem schon ein Model Release für Erwachsene ver­wen­det wird. Umgekehrt gilt das Gleiche.

Für Haustiere o.ä. hin­ge­gen wird eine Eigentumsfreigabe (Property Release) ver­langt, kein Model Release.

Unzureichende Daten:
Das Feld „Shootingbeschreibung“ ist eben­falls ein heik­les Feld. Wird dort das Thema des Shooting zu all­ge­mein gehal­ten (z.B. ein­fach „Shooting“ ein­ge­tra­gen oder „Photos“) kann der Vertrag abge­lehnt wer­den. Wird das Feld jedoch zu spe­zi­ell aus­ge­füllt („body­buil­ding images in gym“) und man macht noch am Rande eini­ge ande­re Fotos, kann es eben­falls Probleme geben. Bewährt hat sich bei mir „Lifestyle por­traits w/ props“, ggf. etwas spe­zi­el­ler „Business shoot“ oder „Fitness shoot“ o.ä. Ich ver­mei­de dort das Wort „images“, falls ggf. auch Videos beim Shooting gemacht wer­den.

Meist meckert eine Agentur auch, wenn die Models aus Bequemlichkeit das Land (sei es „Country“ oder „Shooting Country“) abkürzt, also z.B. „D“ statt Deutschland schreibt, wobei die offi­zi­el­len Country-Codes (also z.B. „GER“ für Deutschland) meist durch­ge­hen. Wer auf Nummer sicher gehen will, schreibt natür­li­ch „Germany“.

Daten schlecht les­bar:
Manchmal sind alle Daten kor­rekt aus­ge­füllt, aber Model, Zeuge oder Fotograf haben eine so unle­ser­li­che Handschrift, dass der Bildredakteur etwas ande­res liest als dort steht, was dann als einer der obi­gen Fehler inter­pre­tiert wird.

Falscher Zeuge:
Im Feld „Zeuge“ dür­fen weder der Fotograf selbst, das Model selbst oder die Eltern des Models unter­schrei­ben. Mögliche Zeugen wären bei­spiels­wei­se eine Visagistin, ein Assistent oder ande­re Models.

Andere Fotografen:
Generell akzep­tie­ren Agenturen nur Modelverträge, bei denen der Fotograf den glei­chen Namen trägt wie der hin­ter­leg­te Accountname bei der Agentur. Wer jedoch auch ande­re Fotografen für sich arbei­ten lässt und deren Modelverträge hoch­la­den will, muss bei eini­gen Agenturen zusätz­li­ch nach­wei­sen, dass er im Besitz aller erfor­der­li­chen Rechte ist (z.B. mit­tels eines Buy-Out-Vertrags), um eine Ausnahmegenehmigung zu erhal­ten.

Spezialfälle:
Bei Selbstportraits muss der Fotograf sowohl als Fotograf als auch als Model unter­schrei­ben. Zeuge muss jemand ande­res sein, sie­he oben.
Wenn das Model auf den Bildern schon ver­stor­ben ist, muss der Modelvertrag von einem der Erben aus­ge­füllt wer­den.
Bei Models für Aktaufnahmen muss in der Regel nach­ge­wie­sen wer­den, dass das Model zum Zeitpunkt der Aufnahmen über 21 Jahre alt war, zum Beispiel durch ein Ausweisdokument mit Foto und Geburtsdatum im Bild-Feld des Model-Vertrags.

Korrekte Modelverträge erhal­ten
Ihr seht, dass eini­ge Hürden zu umschif­fen sind, um kor­rekt aus­ge­füll­te Verträge zu erhal­ten. Deswegen lege ich gro­ßen Wert auf Gründlichkeit beim Ausfüllen der Modelverträge. Meine Assistentin füllt meist vor­her schon in aller Ruhe alle Felder aus, die fest­ste­hen (Shooting Country, Datum, ihre Daten als Zeugin usw.). Wenn die Models ihren Vertrag unter­schrei­ben sol­len, beto­ne ich als ers­tes, dass sie wirk­li­ch deut­li­ch schrei­ben, die Jahreszahlen aus­schrei­ben und nichts abkür­zen sol­len.

Wenn der Vertrag aus­ge­füllt ist, kon­trol­liert mei­ne Assistentin jeden Vertrag noch mal auf die oben genann­ten häu­fi­gen Fehlerquellen, damit wir not­falls noch etwas kor­ri­gie­ren kön­nen, bevor das Model nach Hause geht.

Digitale Verträge über Apps wie zum Beispiel „Easy Release“ eli­mi­nie­ren auch eini­ge Fehlerquellen wie Unleserlichkeit oder ver­ges­se­ne Daten.

Aus wel­chen Gründen wur­den euch schon Modelverträge abge­lehnt?

Frag den Anwalt – Folge 01: Redaktionelle Bilder ohne Model Release?

Danke für eure zahl­rei­chen Fragen an den Anwalt Sebastian Deubelli, die uns auf ver­schie­de­nen Wegen erreicht haben.

Aus den ver­schie­de­nen Einsendungen haben wir die­se ers­te Frage von Andreas aus der Mailbox gepickt:

Foto: Alexey Testov
Foto: Alexey Testov

Ich bie­te mei­ne Fotos u.a. bei Alamy an. Ich fra­ge mich wie­weit deren Rechtsauffassung sich mit deut­schem Recht deckt. Man kann Bilder mit Personen ohne MR ein­stel­len, die­se Bilder wer­den dann von Alamy für „edi­to­ri­al use“ ange­bo­ten. Kann man das so machen auch wenn die Personen das Hauptmotiv auf dem Bild sind, z.B. ein Ruder-Achter auf dem Fluss, Leute klar erkenn­bar?

Wäre das in Deutschland legal oder frag­wür­dig ? Deutschen Agenturen wür­de ich die Bilder so nicht anbie­ten, da ach­te ich dar­auf, dass Personen nicht erkenn­bar bzw. in grös­se­rer Zahl auf dem Bild sind, Beiwerk.“

Die Antwort:
Der Vertrieb von Bildern ohne Model Release (MR) mit dem Hinweis, dass die Bilder nur für redak­tio­nel­le Zwecke ver­wen­det wer­den dür­fen, ist auch bei deut­schen Bildagenturen durch­aus ver­brei­tet. Die Ursache hier­für fin­den wir aus­nahms­wei­se auch wirk­li­ch mal im Gesetz, kon­kret im § 23 KunstUrhG.

Dort lesen wir:

(1) Ohne die nach § 22 erfor­der­li­che Einwilligung dür­fen ver­brei­tet und zur Schau gestellt wer­den:
1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sons­ti­gen Örtlichkeit erschei­nen;
3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähn­li­chen Vorgängen, an denen die dar­ge­stell­ten Personen teil­ge­nom­men haben;
4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung ange­fer­tigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höhe­ren Interesse der Kunst dient.“

Die Alternative, die Deine Frage beant­wor­tet, ist die Ziffer 1, die es gestat­tet, Persönlichkeiten der Zeitgeschichte ohne die ansons­ten erfor­der­li­che Einwilligung – also auch ohne MR – abzu­bil­den.

Hier wird oft miss­ver­stan­den, dass es irgend­wie um pro­mi­nen­te Persönlichkeiten gehen müss­te, damit Bilder ohne die dazu­ge­hö­ri­ge Einwilligung ver­wen­den kön­nen. Das ist aller­dings nicht erfor­der­li­ch.

So hat etwa der BGH 2014 ent­schie­den (wer es ganz gen­au wis­sen will, hier das Urteil), dass auch ein klei­nes Mieterfest ein aus­rei­chend „pro­mi­nen­tes“ Ereignis dar­stellt und Fotos von Teilnehmern auch ohne deren Einwilligung zum Zweck der Berichterstattung über die Veranstaltung ver­wen­det wer­den dür­fen. Auf die­se zweck­ge­bun­de­ne Verwendung der Bilder zur Berichterstattung über ein kon­kre­tes Ereignis stel­len die meis­ten Klauseln der Bildagenturen ab, wenn von „edi­to­ri­al“ oder „redak­tio­nel­ler Verwendung“ die Rede ist.

Doch selbst wenn die Agentur Deine Bilder ohne MR anbie­tet und sich nicht inner­halb der Alternative der Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte bewegt, ist das unpro­blem­tisch, solan­ge sie dem Käufer nicht vor­gau­kelt, die Klärung der Persönlichkeitsrechte sei erfolgt. Genau das schließt etwa Alamy in den Nutzungsbedingungen aus, in denen es hier zur Freigabe heißt:

Informationen zu Freigaben

Alamy gibt kei­ner­lei Zusicherungen oder Gewährleistungen dafür, dass Freigaben für das Bild-/Videomaterial ein­ge­holt wur­den.

(…) Sie müs­sen sich selbst ver­ge­wis­sern, dass jeg­li­che erfor­der­li­chen Freigaben für die Nutzung des Bild-/Videomaterials erteilt wur­den. Sie tra­gen die allei­ni­ge Verantwortung für die Einholung die­ser Freigaben, und die Nutzungslizenz setzt in jedem Fall die Einholung vor­aus. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Freigaben für die Nutzung des Bild-/Videomaterials erfor­der­li­ch sind, obliegt es Ihnen, bei den zustän­di­gen Parteien nach­zu­fra­gen. Sie dür­fen sich nicht auf eine von Angestellten oder Vertretern von Alamy gemach­te Zusicherung oder Gewährleistung ver­las­sen, soweit sie nicht in die­ser Vereinbarung fest­ge­hal­ten sind.“

Alamy erklärt die Bedeutung der Releases übri­gens auch recht aus­führ­li­ch sei­nen Bildlieferanten/Fotografen auf die­ser eigens dafür ein­ge­rich­te­ten Unterseite zum MR und PR.

Was natür­li­ch immer funk­tio­niert, ist die Verwendung von Bildern, auf denen die Person nicht erkenn­bar ist. Dann brau­che ich schon die nach § 22 KunstUrhG erfor­der­li­che Einwilligung nicht und muss mich nicht mit Ausnahmevorschriften hier­zu her­um­schla­gen. Für die Frage der Erkennbarkeit stellt man als eine Art Faustformel übri­gens dar­auf ab, ob ein erwei­ter­ter Bekanntenkreis – also etwa Arbeitskollegen – die abge­bil­de­te Person erken­nen wür­den.

Ein weit ver­brei­te­ter Irrtum ist, dass ich grö­ße­re Gruppen stets ohne Einwilligung der Abgebildeten foto­gra­fie­ren darf. Hier funk­tio­niert vor allem die weit ver­brei­te­te star­re Faustformel („ab 5, 7, 11 Leuten brau­che ich kein MR“) nicht. Die Rechtsprechung nimmt an der Stelle viel­mehr eine Einzelfallbetrachtung vor, die sich eben nicht an sol­chen abso­lu­ten Zahlen fest­ma­chen lässt, sodass auch bei grö­ße­ren Gruppen eher ein MR ein­ge­holt wer­den soll­te als sich auf die­ses weit ver­brei­te­te Gerücht zu ver­las­sen.

Müsste ich die Ausgangsfrage in einem Satz beant­wor­ten, wür­de die­ser lau­ten:
Solange die Agentur dem Kunden kein MR ver­kauft, wo kei­nes ist, sehe ich auch nach deut­schem Recht kein Problem dar­in, Bilder ohne MR in die Hände die­ser Agentur zu geben.

Über den Autor:
Sebastian Deubelli ist Anwalt spe­zia­li­siert auf Medien- und Urheberrecht in der Nähe von München.

Hast Du eben­falls eine Frage an den Anwalt?
Hier fin­dest Du mehr Infos.

Frag den Fotograf: Die Angst vor dem Modelvertrag

Kurz nach­dem ich mich ent­schie­den hat­te, mehr Leserfragen öffent­li­ch im Blog zu beant­wor­ten, tru­del­ten fast zeit­gleich zwei Mails ein, die eine sehr ähn­li­che Frage ent­hiel­ten. Deshalb möch­te ich bei­de Emails heu­te zusam­men beant­wor­ten.

Dagmar schrieb in ihrer Mail:

…bevor ich los­le­ge, grü­ße ich dich aus dem sehr som­mer­li­chen Hilden bei Düsseldorf.

Dieses Jahr bin ich in die Stockfotografie ein­ge­stie­gen, ver­fol­ge regel­mä­ßig dei­nen Blog, lese gera­de dein Buch und zie­he abso­lut den Hut davor, was du für dich auf die Beine gestellt hast. Du bist ein abso­lu­tes Vorbild für mich. Gratuliere von Herzen!

Jetzt hab ich als Anfängerin aber mal zwei Fragen an dich:

Buchst du immer dei­ne Models und machst dann dei­ne Fotos? Oder siehst du auch spon­tan eine Situation/ Motiv und sprichst die Personen an ob sie mit der Veröffentlichung und dem Verkauf von dem eben gemach­ten Foto ein­ver­stan­den sind?

Letztens habe ich auf einem Damm meh­re­re Rentner neben­ein­an­der auf einer Bank sit­zen sehen. Vorne eine gepfleg­te grü­ne Wiese, dahin­ter Himmel. Das Bild wäre geni­al gewe­sen! Habe mich nicht getraut sie anzu­spre­chen…

Wie um Himmels Willen machst du das dann? Hältst du denen den Vertrag unter die Nase und sagst so was wie

Sind Sie ein­ver­stan­den, dass ihr Bild ver­öf­fent­licht und ver­kauft wird? Ich kann Ihnen zwar nicht sagen mit wel­chen Überschriften und für was Sie dann Werbung machen – da hab ich kei­nen Einfluss drauf?“

Wenn ich mich in deren Lage ver­set­ze – ganz ehr­li­ch – „mehr wie son­der­bar“ – wür­de ich den­ken…!

Wenn sie spon­tan dann doch damit ein­ver­stan­den wären, wür­den Sie von mir Geld bekom­men? Wenn ja wie­viel? Man weiß ja vor­her gar nicht ob das Foto sich dann über­haupt ver­kauft.“

Lars schrieb mir fol­gen­des aus einer ande­ren Ecke Deutschlands:

Hallo Herr Kneschke,

ich habe ihren Blog schon sehr oft gele­sen und mir auch ihr Buch (3.Auflage) gekauft. Leider konn­te ich in den Informationsquellen kei­ne Infos dazu fin­den, wie sie den „Models“ oder sagen wir ein­fach mal Bekannten oder Freunden sagen, dass sie die Bilder im Internet ver­kau­fen wol­len.

Ich den­ke wenn ich das mei­ne Leute fra­gen wer­de, wird die Antwort sofort ein Nein sein, da es sich komi­sch anhört und man ja sel­ber gar kei­ne Kontrolle mehr über den wei­te­ren Verlauf der Bilder hat.

Mich wür­de es rie­sig inter­es­sie­ren wie sie das anspre­chen. Gibt es irgend­wel­che Tipps damit sich das gan­ze nicht so abschre­ckend anhört? Vor allem wirkt auch das Ausfüllen eines Vertrages eben­falls abschre­ckend.

Ich wäre ihnen zu rie­si­gem Dank ver­pflich­tet und wür­de mich sehr über eine Antwort zu dem Thema freu­en 🙂

Zu mei­ner Person: Ich hei­ße Lars, bin 24 Jahre alt und seit 2 Monaten alles am foto­gra­fie­ren was geht. Mir berei­tet die Fotografie Unmengen Spaß und ich bin sehr inter­es­siert an dem Thema. Damit jetzt auch noch Geld ver­die­nen zu kön­nen, wäre ein rie­sen Traum von mir. Selbst wenn es nur 10€ im Monat sind, wür­de mir das eine gro­ße Freude machen. Leider traue ich mich nicht wirk­li­ch mei­ne Freunde/Bekannten zu fra­gen ob ich sie foto­gra­fie­ren darf, um die Fotos im Internet zu ver­kau­fen und das bremst mich erheb­li­ch aus.“

Die Hauptfrage bei­der Mails ist: Wie erklä­re ich mei­nen Models, dass ich sie foto­gra­fie­ren will und was mit den Fotos geschieht? Auf die Nebenfragen will ich zwi­schen­durch ein­ge­hen.

Zunächst ein­mal: Ich foto­gra­fie­re so gut wie nicht spon­tan für Bildagenturen. Ich habe in mei­nen Anfängen die Erfahrung gemacht, dass eine sorg­fäl­ti­ge Planung deut­li­ch lukra­ti­ve­re Ergebnisse bringt als ein zufäl­li­ges „Drauflos“-Fotografieren. Außerdem lege ich eben Wert dar­auf, dass mei­ne Models wis­sen, was sie zu erwar­ten haben und das ist etwas, was sich nicht zwi­schen Tür und Angel erklä­ren lässt.

Deshalb lade ich die Leute, die von mir foto­gra­fiert wer­den wol­len, meist zu einem Vorgespräch ein. Dort zei­ge ich ihnen Beispielbilder von mir, damit sie mer­ken, wel­chen Bildstil ich haben will. Helle, bun­te, opti­mis­ti­sch wir­ken­de Fotos.

Außerdem habe ich eine dicke Mappe mit bis­he­ri­gen Veröffentlichen von mir, wo Bilder für Zeitungsartikel, Flyer, Broschüren, Poster, Bücher oder Produkte benutzt wur­den. Ich mache den Models klar, dass ich kaum Einfluss dar­auf habe, wo gen­au die Bilder ein­ge­setzt wer­den und auch nur sel­ten von einer kon­kre­ten Verwendung erfah­re. Nur weni­ge, bestimm­te Verwendungszwecke wer­den in den Nutzungsbedingungen aus­ge­schlos­sen.

Die poten­ti­el­len Models bekom­men mei­nen Vertrag in deut­sch und eng­li­sch aus­ge­hän­digt und haben genug Zeit, sich die­sen in Ruhe durch­zu­le­sen. Außerdem sind bei­de Versionen jeder­zeit auf mei­ner Webseite nach­les­bar.

Dazu mache ich paar Testfotos, um zu sehen, wie selbst­si­cher das Model vor der Kamera ist und ob es auf Kommando foto­gen lachen kann.

Spätestens dann ist für bei­de Seiten klar, ob eine Zusammenarbeit in Frage kommt oder nicht. Wieviel die Models übli­cher­wei­se als Bezahlung erhal­ten, habe ich in einer Umfrage unter Stockfotografen ermit­telt und die Ergebnisse in die­sem kos­ten­lo­sen Ebook bereit­ge­stellt. Den Einwand, dass man nicht wis­se, ob sich die Fotos auch ver­kau­fen wür­den, las­se ich nicht gel­ten. Das Honorar ist – wie hier beschrie­ben – als Investition zu sehen. Das ist auch ein wei­te­rer Grund gegen Spontan-Shootings: Je bes­ser der Fotograf vor­be­rei­tet ist, desto leich­ter amor­ti­sie­ren sich die Ausgaben für das Model.

In bei­den Mails schim­mert aber etwas ande­res durch: Angst. Die Angst, Menschen anzu­spre­chen. Das is für einen People-Fotografen eine ernst­zu­neh­men­de Hürde. Ein People-Fotograf muss ja nicht nur foto­gra­fie­ren, er ist auch Entertainer, Motivator, Seelentröster, Stilberater, Pausenfüller, Moderator, Regisseur und so wei­ter. Wer nur stumm foto­gra­fie­ren will, soll­te sich lie­ber auf Food oder Landschaften spe­zia­li­sie­ren.

Ich muss geste­hen, dass ich auch eher schüch­tern bin und es mir schwer fällt, unge­zwun­gen mit frem­den Menschen umzu­ge­hen. Aber mit etwas Übung klappt das schon. Anfangs habe ich ja kei­ne Fremden gefragt, ob sie für mich modeln wol­len, son­dern Freunde. Da sagt man ein­fach: „Hey, du siehst doch gut aus, wol­len wir nicht mal paar Fotos zusam­men machen?“ Menschen füh­len sich ja in der Regel geschmei­chelt, wenn sie für ihr Äußeres gelobt wer­den.

Der Vertrag und die Bezahlung zeugt dann von Professionalität. In Model-Foren lese ich immer wie­der von win­di­gen Fotografen, die Bilder nicht raus­rü­cken oder die Fotos auf nicht abge­spro­che­ne Weise nut­zen. Die Standard-Antwort ist dann immer: „Habt ihr denn kei­nen Vertrag abge­schlos­sen?“ Bei mir wür­den des­halb eher die Alarmglocken läu­ten, wenn ein Fotograf par­tout ohne Vertrag arbei­ten will.

Wer sich nicht sicher ist, ob Leute auf den Modelvertrag ein­ge­hen wür­den, füllt den Vertrag ein­fach selbst aus und macht eini­ge Selbstportraits, die dann den Bildagenturen ange­bo­ten wer­den. Wenn der Fotograf kei­ne Probleme damit hat, sei­ne Bilder ein­zu­stel­len, war­um soll­te das Model wel­che haben?

Stockfotografie ist ja weder anrü­chig noch ille­gal, son­dern höchs­tens unbe­kannt. Deshalb hel­fen Offenheit und Geduld mein Erklären des Geschäftsmodells. Wer als Fotograf jedoch rum­druck­st und selbst kein Vertrauen in sein Geschäftsmodell hat, kann das nicht von sei­nen Models erwar­ten. Über die hilf­rei­chen Tugenden wie Vertrauen und Zuverlässigkeit habe ich aber in die­sem Gastartikel für die foto­com­mu­ni­ty mehr geschrie­ben.

Beantwortet das eure Fragen? Wie meis­tert ihr die Hürde, Menschen als Models zu gewin­nen?

Frag den Fotograf: Was für Modelverträge nutzt du?

Heute will ich eini­ge kur­ze Fragen zu Model-Verträgen beant­wor­ten, die mir ein Namensvatter kürz­li­ch geschickt hat­te. Er frag­te:

Hallo Robert,

ich habe eini­ge Frage zu den Model-Verträgen. Nutzt du immer die Verträge der jewei­li­gen Seiten (also Fotolia, Dreamstime …) oder gibt es irgend­wo eine all­ge­mei­ne Vorlage? Einige wol­len die Vorlage ja in deut­sch, ande­re in eng­li­sch.

Ich will jetzt mein ers­tes Mal ver­su­chen, auch Bilder mit Personen anzu­bie­ten. Aber wenn ich den Aufwand sehe, für jede Seite ein Formular aus­zu­fül­len, fin­de ich das nicht sehr effek­tiv.
Auf ein­gen Formularen wird ein ein „Bild“ vom Model ver­langt. Was nimmt man denn dort? Ein Bild von Perso/Führerschein oder kann es auch ein Bild aus dem Shooting sein?

Vielen Dank und ein tol­les Wochenende,
Robert“

Ich nut­ze seit Jahren mei­ne eige­ne Version des Modelvertrags. Dieser basier­te ursprüng­li­ch auf dem Muster-Vertrag von Yuri Arcurs, wel­cher wie­der­um auf dem Vertrag von Getty Images beruht. Mittlerweile habe ich ihn aber mehr­mals abge­än­dert, um ihn mei­nen Erfordernissen und den neus­ten recht­li­chen Anforderungen anzu­pas­sen.

Mein Mustervertrag kann hier kos­ten­los run­ter­ge­la­den und eben­falls genutzt wer­den. Ich habe damit mehr als 20 Agenturen belie­fert und alle haben den Vertrag pro­blem­los akzep­tiert.

Der Vertrag ist eng­li­sch, weil das die Geschäftssprache in der Microstockwelt ist. Meine deut­sche Übersetzung gibt es hier. Wer mei­nen Model Release für Kinder oder eine Eigentumsfreigabe sucht, fin­det die­se in deut­sch und in eng­li­ch im Anhang mei­nes Buchs „Stockfotografie“*.

Nach dem Ende des Shootings mache ich von jedem Model ein Foto, auf dem die Person ihren Personalausweis (oder Führerschein) zusam­men mit dem aus­ge­füll­ten Vertrag in die Kamera hält. So habe ich einer­seits die Gewissheit, dass die per­sön­li­chen Angaben auf dem Modelvertrag der Wahrheit ent­spre­chen und ande­rer­seits den Nachweis, dass das Model den Vertrag wirk­li­ch gese­hen und unter­schrie­ben hat.

In dem „Bild“-Feld des Modelvertrags füge ich nur ein Porträtfoto des Shootings ein, ande­re Fotografen kopie­ren dort aber auch den Personalausweis rein.

Wenn es in der Praxis Probleme mit den Verträgen gibt, sind das meist Kleinigkeiten. Beispielsweise soll­ten alle Unterschriften vom sel­ben Tag sein, idea­ler­wei­se vom Shootingtag, aber auch nicht vor­her. Bei der „Shooting-Beschreibung“ soll­te es erwähnt wer­den, wenn neben Fotos auch Videos gemacht wur­den, weil son­st zum Beispiel bei Shutterstock die Videos des Shootings nicht akzep­tiert wer­den. Einige akzep­tier­te Beschreibungen sind bei­spiels­wei­se „Photos/videos Lifestyle-Shooting“ oder „Outdoor-Business-Shooting“.

Datumsangaben auf dem Vertrag soll­ten immer mit vol­lem Datum erfol­gen, also z.B. 05.09.2013“, aber nicht „5.9.“ oder „05.09.13“. Idealerweise soll­te auch für jedes Shooting ein eige­ner Vertrag geschlos­sen wer­den, weil eini­ge Agenturen Sammelverträge wie „für alle Fotos des Models von 2013“ nicht akzep­tie­ren.

Bei mei­nem Vertrag soll­tet ihr dar­auf ach­ten, dass unten sowohl Datum und Unterschrift des Models vor­han­den sind, weil durch das Layout Models eins der bei­den ger­ne über­se­hen.

Welchen Model-Vertrag nehmt ihr und was für Tipps habt ihr dazu?

* Affiliate

Die perfekte Bildagentur – Teil 3: Model Releases und Property Releases verwalten

Auf der Suche nach der „per­fek­ten Bildagentur„will ich Schritt für Schritt ana­ly­sie­ren, was dazu gehört, um für Fotografen und Bildkäufer attrak­tiv zu sein. In der letz­ten Folge ging es um das Hochladen der Bilder. Das geht per FTP meist rela­tiv ein­fach. Schwieriger wird es dann, wenn der Fotograf die zu den Bildern gehö­ren­den Modelverträge und Eigentumsfreigaben hoch­la­den und hin­zu­fü­gen soll. Im Sprachgebrauch wird das Wort Modelvertrag mit MR (für „model release“) abge­kürzt und die Eigentumsfreigabe mit PR (für „pro­per­ty release“).

Wer schon mal Gruppenfotos mit jeweils unter­schied­li­chen Personen hoch­ge­la­den hat, weiß, wie viel ver­schie­de­ne Systeme es gibt, die alle unter­schied­li­ch kom­for­ta­bel sind.

Grundsätzlich gibt es vier ver­schie­de­ne Methoden bei Bildagenturen, Model Releases und Property Releases zu ver­wal­ten.

  1. Auf den Fotografen ver­las­sen
    Viele Macrostock-Agenturen ver­las­sen sich dar­auf, dass der Fotograf im Besitz aller not­wen­di­gen Rechte ist, um ein Bild lizenz­frei zu ver­kau­fen. Dieses Vertrauen nimmt aber mitt­ler­wei­le ab, weil durch die welt­wei­te Verteilung von Fotos eine Vertrauensbasis als Geschäftsgrundlage nicht aus­reicht und Partneragenturen irgend­wann viel­leicht doch die zum Foto gehö­ren­den Verträge sehen wol­len.
  2. Agenturen ver­lan­gen Minimalangaben
    Mit Minimalangaben mei­ne ich ent­we­der, dass der Fotograf zu jedem Foto nur ein Häkchen beim Feld „Alle not­wen­di­gen Model- und Property-Verträge vor­han­den“ set­zen muss. So machen es zum Beispiel Adpic, Pitopia, Clipcanvas oder die Bildmaschine.
    MR/PR-Verwaltung bei Adpic
    MR/PR-Verwaltung bei Adpic
    MR/PR-Verwaltung bei Bildmaschine
    MR/PR-Verwaltung bei Bildmaschine
    MR/PR-Verwaltung bei Pitopia
    MR/PR-Verwaltung bei Pitopia

    Üblicher ist mitt­ler­wei­le aber eine gestaf­fel­te Angabe, wie sie bei­spiels­wei­se ImagePoint oder Zoonar ver­lan­gen. Da ste­hen die fol­gen­den Optionen zur Auswahl: „kei­ne Angabe“ (meist stan­dard­mä­ßig akti­viert), „Model-Release vor­han­den“, „Model-Release nicht vor­han­den“ oder „Model-Release nicht benö­tigt“. Das glei­che muss auch für das Feld „Property Release“ aus­ge­wählt wer­den.

    MR/PR-Verwaltung bei ImagePoint
    MR/PR-Verwaltung bei ImagePoint

    MR/PR-Verwaltung bei Zoonar
    MR/PR-Verwaltung bei Zoonar
  3. Agenturen ver­lan­gen Upload der Verträge
    Vor allem im Microstock-Bereich hat sich durch­ge­setzt, dass die Fotografen die kom­plet­ten Model- und Property-Releases zusam­men mit den betref­fen­den Fotos hoch­la­den und per Hand zuord­nen müs­sen. Hier gibt es am meis­ten Varianten, wie das zu bewerk­stel­li­gen ist, aber fast alle sind – gelin­de gesagt – ein Krampf. Doch dazu spä­ter mehr. Agenturen, wel­che die­ses Modell nut­zen, sind zum Beispiel Fotolia, istock­pho­to, Clipdealer, Bildunion, Bigstock, 123rf, Revostock, Pond5 und Digitalstock.
    MR/PR-Verwaltung von Fotolia
    MR/PR-Verwaltung bei Fotolia
    MR/PR-Verwaltung bei Bildunion
    MR/PR-Verwaltung bei Bildunion

    MR/PR-Verwaltung bei Digitalstock
    MR/PR-Verwaltung bei Digitalstock
  4. Agenturen ver­lan­gen Upload der Verträge und Zusatzangaben
    Einige Bildagenturen ver­lan­gen zusätz­li­ch zum Hochladen der Verträge – nur manch­mal frei­wil­lig – zusätz­li­che Angaben zu Alter, Ethnie und Geschlecht des Models. Diesen Weg gehen bei­spiels­wei­se Dreamstime, Shutterstock, Panthermedia, Veer, Shotshop.
    MR/PR-Verwaltung bei Shutterstock
    MR/PR-Verwaltung bei Shutterstock
    MR/PR-Verwaltung bei Dreamstime
    MR/PR-Verwaltung bei Dreamstime
    MR/PR-Verwaltung bei Shotshop
    MR/PR-Verwaltung bei Shotshop

    MR/PR-Verwaltung bei Veer
    MR/PR-Verwaltung bei Veer

Wie ihr schon an der Größe der Screenshots erken­nen könnt, wird es umso kom­pli­zier­ter, je mehr Informationen eine Agentur ver­langt. Die ers­ten bei­den Varianten sind rela­tiv schnell vom Fotografen aus­ge­füllt, meist wird auch eine gute Batch-Funktion ange­bo­ten. Das Hochladen der Verträge ist für Bildagenturen zwar siche­rer, aber hier fängt der Ärger an.

Formate und Sprachen der Modelverträge

Damit die Verträge welt­weit gül­tig sind, bevor­zu­gen Bildagenturen Verträge in eng­li­sch. Deutsche Bildagenturen akzep­tie­ren zwar auch deut­sche Verträge, aber ich rate davon ab, weil nur eng­li­sche Verträge lang­fris­tig die nöti­ge Substanz haben. Darüber hin­aus jetzt jede Bildagentur ihre Eigenheiten, was im Vertrag ste­hen muss. Einige ver­lan­gen die Unterschrift eines Zeugen, ande­re wol­len kei­nen Gerichtsstand im Vertrag sehen oder for­dern eine Beschreibung der foto­gra­fier­ten Motive. Mein Model-Vertrag in eng­li­sch erfüllt alle die­se Anforderungen und wird von allen Bildagenturen akzep­tiert. In mei­nem Buch „Stockfotografie“* fin­det ihr auch mei­ne eng­li­sche Eigentumsfreigabe sowie einen Modelvertrag für Minderjährige (bei­des in eng­li­sch) sowie die deut­schen Übersetzungen.

Als Format hat sich ein Scan der Verträge als JPG durch­ge­setzt, eini­ge weni­ge Agenturen akzep­tie­ren auch PDF als Dateiformat. Die Verträge sol­len ein­zeln für jedes Model hoch­ge­la­den wer­den. Einzige ner­vi­ge Ausnahme ist wie­der istock­pho­to, die ver­lan­gen, dass nur eine Modeldatei pro Foto hoch­ge­la­den wird. Das heißt in der Praxis, dass ich bei einem Gruppenfoto mit fünf Personen fünf JPGs anein­an­der kopie­ren müss­te, damit isto­ck ein Foto akzep­tiert. Und das für jede neue Personenzusammensetzung von neu­em. Glücklicherweise gibt es als Upload-Hilfe das kos­ten­lo­se Programm DeepMeta, wel­che die­se unsin­ni­ge Arbeit über­nimmt.

Die Zwickmühle bei zusätz­li­chen Model-Angaben

Ganz schwie­rig wird es bei der letz­ten Variante. Der Vorteil für die Agenturen ist, dass mit Angabe des Geschlechts, des Alters und der Ethnie der Models sehr viel­fäl­ti­ge Such- und Filterfunktionen mög­li­ch sind, wel­che Bildkäufern ganz geziel­te Suchen ermög­li­chen und damit hof­fent­li­ch zu mehr Käufen füh­ren. Nachteilig ist es für die Fotografen zum einen, weil die Bearbeitung län­ger dau­ert. Außerdem nut­zen vie­le Bildagenturen den Modelvertrag als Kriterium für die Funktion „Mehr Bilder vom glei­chen Model“. Fotografen sind des­halb bestrebt, mög­lichst nur einen Modelvertrag pro Model zu nut­zen, auch wenn die Bilder aus ver­schie­de­nen Shootings stam­men. Spätestens, wenn das Model – auch auf den Fotos – älter wird und es nicht mehr in die star­ren Alterskategorien passt, müss­te der Fotograf einen neu­en aktu­el­len Vertrag hoch­la­den, um das Altersfilter rich­tig aus­zu­fül­len. Vor allem bei Kindermodels kann das schnell vor­kom­men, wenn das Schema der Agentur als Auswahlmöglichkeit z.B. „1 Jahr, 2 Jahre, 3–5 Jahre, 6–10 Jahre vor­sieht“. Das führt jedoch dazu, dass die neu­en Bilder nicht mehr in der Serie „Mehr Bilder des glei­chen Models“ erschei­nen und Bildkäufer, die dar­in stö­bern, die­se viel­leicht über­se­hen. Eine unlös­ba­re Zwickmühle. Einzig Panthermedia hat dafür eine Notlösung, bei der das Alter bei eini­gen Fotos per Hand nach­ge­tra­gen wer­den kann. Nicht bequem, aber immer­hin mög­li­ch.

Die Trennung von MR und PR

Es gibt tech­ni­sch gese­hen kei­nen Grund, war­um ein Modelvertrag anders behan­delt wer­den soll­te als eine Eigentumsfreigabe. Deswegen tren­nen eini­ge Agenturen wie Fotolia, Bildunion oder Digitalstock auch nicht. Das kann jedoch zu einem Problem wer­den, wenn der Fotograf nicht mit­denkt und die Dateien beim Hochladen unzu­rei­chend kenn­zeich­net. Dann ver­schwin­den die Verträge schnell in der Masse der vie­len Modelverträge (die meis­ten Fotografen haben deut­li­ch mehr MRs als PRs) und sind beim Zuordnen schwer zu fin­den. Sinnvoller ist es des­we­gen meist, MR und PR zu tren­nen. Der Nachteil für Fotografen ist, dass er bei der Auswahl vie­ler Verträge (zum Beispiel für ein Gruppenfoto im Büro) nur die Personen gesam­melt aus­wäh­len kann und dana­ch noch zusätz­li­ch den PR mar­kie­ren muss. Das klingt erst mal nach paar Sekunden Mehraufwand, die sich jedoch bei einer Bilderserie mit 100 Bildern schnell zu vie­len Minuten addie­ren kön­nen.

Filter- und Sortierfunktionen für MR und PR sind not­wen­dig

An den Screenshots oben seht ihr, dass ich hun­der­te Verträge bei den ver­schie­de­nen Agenturen im System habe. Dann macht sich bemerk­bar, wel­che Agenturen mit­ge­dacht haben und dem Fotografen die Auswahl der zum Bild gehö­ren­den Verträge erleich­tern. Erstaunlich, aber wahr: Es den­ken nur weni­ge Agenturen mit. Sehr lobens­wert ist das System von Shutterstock, bei dem ich im Vorfeld mar­kie­ren kann, wel­che Verträge sicht­bar sein sol­len und wel­che ich gera­de nicht brau­che. Eine ähn­li­che Filterfunktion hat auch Panthermedia in ihrem neu­en Upload-System auf mei­nen Vorschlag hin ein­ge­baut. Ganz nett bei Veer ist immer­hin, dass die zuletzt hoch­ge­la­de­nen Verträge in einem eige­nen Tab ange­zeigt wer­den, was für Fotos mit bis­her nicht foto­gra­fier­ten Models eine Zeitersparnis ist.

Die meis­ten Bildagenturen sor­tie­ren die Verträge stan­dard­mä­ßig ent­we­der nach Upload-Datum oder nach Dateinamen. Nur ganz weni­ge erlau­ben eine Veränderung der Sortierung. Dazu gehört Dreamstime. Blöd nur, dass die­se Sortierung nicht dau­er­hauft gespei­chert wer­den kann und bei jedem neu­en Upload wie­der in die Ausgangsstellung springt. Der Vorteil einer Sortierung nach Datum: Gruppenfotos des glei­chen Shootings kön­nen schnel­ler zuge­ord­net wer­den. Der Nachteil ist jedoch, wenn die glei­chen Models oder Gruppen (den­ken wir an Familien) über einen län­ge­ren Zeitraum mehr­mals foto­gra­fiert wer­den. Hier hilft die Sortierung nach Modelname. Bei Familien aber auch nur dann, wenn nach Nachname sor­tiert wird. Deswegen ver­ge­be ich die Release-Namen etwas frei­er und stel­le bei Gruppenshootings ein Kürzel vor­ne an wie: „Labor Hans Mueller“, „Labor Meike Schmidt“, „Labor Fritz Schultze“. Bei einer alpha­be­ti­schen Sortierung wür­den die drei Verträge dann unter­ein­an­der erschei­nen.

Wer als Bildagentur eine beque­me Vertragsverwaltung für Fotografen umset­zen will, soll­te des­halb min­des­tens die Sortierung nach Datum, Dateinamen und Modelnamen erlau­ben und die­se Sortierung muss dau­er­haft gespei­chert wer­den kön­nen. Außerdem ist eine Filterfunktion sehr prak­ti­sch, mit der Fotografen sich nur bestimm­te Verträge, die gera­de benö­tigt wer­den, anzei­gen las­sen kön­nen. Wer mehr als eine Handvoll Verträge hat und auf der Suche nach einem bestimm­ten bei Bigstock ist, ver­zwei­felt schnell. Die Agentur zeigt nur fünf Verträge pro Seite an und erlaubt es nicht, etwa 20 oder 50 Verträge auf ein­mal pro Seite anzei­gen zu las­sen. Nervig!

Zur Überprüfung der kor­rek­ten Vertragszuordnung ist es sehr hilf­reich, wenn der Fotograf sich zu jedem Vertrag anzei­gen las­sen kann, wel­che Fotos mit ihm ver­knüpft sind und anders­rum die Anzeige zu jedem Foto, wel­che Verträge dazu­ge­hö­ren. Auf der Hand liegt eigent­li­ch auch, dass der Fotograf sich bequem den jewei­li­gen Vertrag anzei­gen las­sen kann, um zu sehen, was gen­au drin steht.

Bitte, Agenturen, gebt uns Batch-Funktionen!

An die­ser Stelle ein gro­ßes Dankeschön an Shutterstock, Bigstock, 123rf, Veer, Panthermedia, Zoonar, Bildmaschine, Adpic und Pitopia. Das sind die ein­zi­gen Bildagenturen (die ich belie­fe­re), die eine ordent­li­che Batch-Funktion anbie­ten, mit der ich meh­re­ren Bildern gleich­zei­tig meh­re­re Verträge bzw. den rich­ti­gen Vertragsstatus (sie­he Methode 2) zuwei­sen kann. Dreamstime erlaubt immer­hin, die Verträge von zuletzt bear­bei­te­ten Bildern einem neu­en Foto zuzu­wei­sen.

Schaut euch jedoch mal den Screenshot von Fotolia an, da muss ich bei jedem ein­zel­nen Bild jede Person ein­zeln ankli­cken. Ein Alptraum bei den lukra­ti­ven Gruppenfotos. Immerhin gibt es hier eine exter­ne Lösung von Picniche namens ImageDeck (lei­der nur als nicht mehr unter­stütz­te Beta), wel­che die Arbeit etwas erleich­tert.

Aber es geht noch schlim­mer. Um den Preis für die ner­vigs­te MR/PR-Verwaltung strei­ten sich Digitalstock und Shotshop. Bei Digitalstock ist es doch tat­säch­li­ch nicht mög­li­ch, im Rahmen der übli­chen Eingaben wie Kategorie, Suchbegriffe etc. auch gleich die Model-Verträge mit aus­wäh­len zu kön­nen. Nein, das ist erst dana­ch mög­li­ch und in einem sepa­ra­ten Fenster, was ich für jedes ein­zel­ne Bild öff­nen muss. Shotshop hin­ge­gen trennt nicht nur die PRs von den MRs, son­dern auch züch­tig die Männer von den Frauen. Bei einem Gruppenfoto eines gemisch­ten Teams im Büro muss ich dem­nach erst alle Frauen in einer Liste ankli­cken, dann auf „über­neh­men“ kli­cken, dann auf die Liste der Männer kli­cken, dort die ent­spre­chen­den Personen mar­kie­ren, wie­der auf „über­neh­men“ drü­cken, dana­ch die PR-Liste aus­wäh­len, den pas­sen­den PR mar­kie­ren und noch­mals auf „über­neh­men“. Das macht bei fünf Personen elf Klicks, wo ande­ren Agenturen zwei rei­chen. Pro Bild!

Die Zukunft: Weiterdenken

Ihr merkt, dass die Vertragsverwaltung ein ner­ven­auf­rei­ben­der Prozess ist. Dabei gibt es heu­te schon die tech­ni­schen Voraussetzungen für Lösungen ohne die­sen Ärger. Bild hoch­la­den und die Zuordnung erfolgt auto­ma­ti­sch. Ja. Im neu­en PLUS Metadaten-Standard ist es vor­ge­se­hen, dass Fotografen auch die Vertragsverwaltung als Metadaten schrei­ben kön­nen. Heute schon kön­nen Fotografen mit Photoshop CS5, Adobe Bridge oder Lightroom 3 für jedes Foto ange­ben, wel­che Modelverträge dazu­ge­hö­ren. Das sieht dann so aus:

MR/PR-Zuordnung nach dem PLUS-Standard mit Adobe Photoshop
MR/PR-Zuordnung nach dem PLUS-Standard mit Adobe Photoshop CS5

Leider gibt es bis jetzt kei­ne ein­zi­ge Bildagentur, die die­se Information aus­le­sen kann. Ich wet­te, wenn Fotolia, isto­ck oder Shutterstock das unter­stüt­zen wür­den, gäbe es genug Fotografen, die das mit Freuden in ihren Workflow inte­grie­ren wür­den. Ich wäre einer von ihnen.

Ein ande­rer inter­es­san­ter Ansatz wäre das Gruppieren von Verträgen, die dann mit einem Klick einer Fotoserie zuge­ord­net wer­den könn­ten. Ebenfalls ide­al für Gruppenfotos, bei denen die Vertragsverwaltung beson­ders umständ­li­ch ist. Fotolia erlaubt ja schon jetzt die Sortierung von Verträgen in Unterordner, ist aber noch nicht dar­auf gekom­men, die­se Ordner im Drop-Down-Menü bei der Release-Zuordnung anzu­zei­gen.

Mit der Weiterentwicklung der auto­ma­ti­schen Gesichtserkennung, die Facebook schon teil­wei­se nutzt, könn­ten auch Bildagenturen in Zukunft mir gleich die pas­sen­den Verträge für jedes Foto vor­schla­gen. Aber ach, jetzt träu­me ich…

Fassen wir kurz die Punkte zusam­men, die eine per­fek­te Bildagentur erfül­len soll­te:

  • mög­lichst ein­fach Zuordnung von MR und PR
  • per­ma­nen­te Sortiermöglichkeiten für MR/PR nach Datum, Dateiname, Modelname
  • Filterfunktion, die nur tat­säch­li­ch benö­tig­te Verträge anzeigt
  • Anzeige der mit einem Vertrag ver­knüpf­ten Fotos
  • Anzeige der mit einem Foto ver­knüpf­ten Verträge
  • Einfach Anzeige der Verträge selbst für den Fotografen
  • Möglichkeit, meh­re­re Fotos gleich­zei­tig mit meh­re­ren Verträgen zu ver­knüp­fen
  • Bonus: Automatisches Auslesen von MR/PR-Informationen aus den Bild-Metadaten

Bei wel­chen Agenturen könnt ihr am bequems­ten MR und PR zuwei­sen? Welche Funktionen fin­det ihr am prak­tischs­ten und wel­che ver­misst ihr am meis­ten?

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