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Die besten Bildagenturen 2016 (Auswertung meiner Umfrage)

Vor paar Tagen habe ich hier auf mei­ner Facebook-Seite mei­ne Leserinnen und Leser gefragt, bei wel­chen Bildagenturen sie im Jahr 2016 die meis­ten Umsätze erzielt hat­ten.

Die Ergebnisse soll­ten sie nach Umsatz abstei­gend sor­tiert als Kommentar hin­ter­las­sen. Insgesamt haben sich über 35 Leute betei­ligt, wes­halb ich heu­te ger­ne die Ergebnisse aus­wer­ten möch­te.

Die besten Bildagenturen 2016

  1. Fotolia* (301)
  2. Shutterstock* (270)
  3. iSto­ck (175)
  4. 123rf* (141)
  5. Dreamstime* (115)
  6. Pond5* (56)
  7. Depositphotos (51)
  8. Westend61 (48)
  9. Bigstock (37)
  10. Eyeem (35)
  11. Photocase (29)
  12. Stocksy (25)
  13. Zoonar* (24)
  14. Canva (19)
  15. Canstock (17)

Meine Vorgehensweise:
Ich habe in einer Excel-Tabelle eine Liste gemacht und in die ers­te Spalte jede Agentur ein­ge­tra­gen, die genannt wur­de. In den nächs­ten Spalten habe ich dann für jeden Teilnehmer und jede Agentur Punkte ver­ge­ben, basie­rend auf der Sortierung der genann­ten Agenturen. Die ers­te Agentur, also die mit dem meis­ten Umsatz bekam 10 Punkte, die als zwei­tes genann­te Agentur bekam 9 Punkte und so wei­ter.
Die Werte habe ich pro Agentur sum­miert und die Liste dann nach den Punkten sor­tiert. Das Ergebnis sehr ihr oben, die Zahl in Klammern ist also die Gesamtpunktzahl der jewei­li­gen Agentur.
Insgesamt wur­den 28 ver­schie­de­ne Agenturen benannt, ich habe die Liste jedoch auf die ers­ten 15 Agenturen beschränkt, weil das sta­tis­ti­sche Rauschen zum Ende hin mit meist nur einer Nennung sehr viel grö­ßer.

Hinweise:
Bei der Auswertung haben drei Leute ange­ge­ben, dass sie Fotolia exklu­siv belie­fern. Würde man die­se 30 Punkte raus­rech­nen, wäre Fotolia immer noch an ers­ter Stelle.
Außerdem wur­de bei der Umfrage nicht unter­schie­den, ob die Leute Videos oder Fotos oder bei­des ver­kau­fen, wie vie­le Dateien sie online haben oder seit wann sie dort hoch­la­den. Die hohe Platzierung von Pond5 ergibt sich zum Beispiel aus deren Videoverkäufen, jedoch ver­mut­li­ch nicht aus deren Fotoverkäufen.

Meine bes­ten Agenturen 2016
Wer die obi­ge Liste nach­rech­nen oder anders aus­wer­ten will, kann das eben­falls machen, mei­ne Datenbasis ist ja frei ein­seh­bar. (Hier könnt ihr auch direkt mei­ne Excel-Tabelle run­ter­la­den). Was jedoch noch fehlt, sind die Agenturen, bei denen ich selbst 2016 am meis­ten Umsatz erzielt habe und die ich eben­falls in obi­ge Rechnung habe ein­flie­ßen las­sen:

  1. Fotolia
  2. Shutterstock
  3. 123rf
  4. Dreamstime
  5. Bigstock
  6. Canva
  7. Pond5
  8. Westend61
  9. Eyeem
  10. Alamy

Was sagt uns diese Auswertung?

Letztes Jahr hat­te ich einen Artikel mit dem Titel „Es gibt kei­ne gehei­men Bildagenturen (oder doch?)“ geschrie­ben. Diese Aussage wird durch die Umfrage noch mal erhär­tet.

Ganz oben ran­geln sich Fotolia und Shutterstock um die Spitzenposition, gefolgt von 3 Agenturen (iSto­ck, 123rf, Dreamstime) im Mittelfeld und dann geht es schon steil berg­ab.

Wer als Einsteiger in die Stockfotografie wis­sen will, wel­che Agenturen er belie­fern soll­te, kann im Grunde die obi­ge Liste von oben nach unten durch­ar­bei­ten, wobei der zu erwar­ten­de Umsatz nach der den ers­ten bei­den Agenturen und dann noch mal nach der fünf­ten Agentur stark abnimmt.

Das letz­te Drittel ist vor allem noch für Leute inter­es­sant, die auf eine ande­re Bildsprache set­zen, zum Beispiel Westend61 als Macrostock-Agentur, Stocksy, Eyeem und Photocase als Agenturen für Fotos, die eben nicht nach „typi­schen“ Microstock-Fotos aus­se­hen oder Pond5 für Videos.

Überrascht euch die Liste? Oder hät­tet ihr ähn­li­ches erwar­tet?

P.S.:
Eine viel aus­führ­li­che­re Umfrage wird jedes Jahr von der MicrostockGroup ver­an­stal­tet, da könnt ihr hier noch teil­neh­men.

* Affiliate-Link

Warum gute Stockfotos immer auch Klischees sind

Es ist so leicht, sich über Stockfotos lus­tig zu machen: Der Handschlag zwi­schen zwei dyna­mi­schen Geschäftsleuten, die glück­li­chen Eltern mit ihren bei­den lachen­den Kindern auf dem Rücken oder der klei­ne Goldfisch, der aus dem einen run­den Aquarium in das ande­re springt.

2014_tanja_ralf_business_054_0175_kleinJeder kennt die­se Bilder, bun­te Farben, weich belich­tet, schö­ne Models, kei­ne Sorgen. Die Frage, die sich vie­len anschei­nend unwei­ger­li­ch stellt, ist, war­um es immer gen­au die­se Fotos sein müs­sen, um wirk­li­ch alles Mögliche zu bebil­dern?

Könnten die Fotografen nicht etwas krea­ti­ver sein und sich ande­re Konzepte, Zeichen und Symbole aus­den­ken, damit dana­ch auch die Grafiker und Werber abwechs­lungs­rei­che­res Bildmaterial zur Auswahl haben? Stattdessen gibt es den immer glei­chen Einheitsbrei aus gebleich­ten Zähnen, rei­ner Haut und Wohlfühlwelten.

Dabei ist die Frage ganz fal­sch gestellt. Zumindest aus Sicht eines erfolg­rei­chen Stockfotografen.

Machen wir uns doch nichts vor: Bei über 100 Millionen bil­li­gen Stockfotos zur Auswahl gibt es genug Motive abseits des Mainstream, mit denen Grafiker auch abge­fah­re­ne­re Ideen illus­trie­ren könn­ten.

Ich behaup­te: Die meis­ten sind nur zu faul zum Suchen. Oder zu gei­zig. Denn neben den bil­li­gen Microstockagenturen gibt es ja immer noch die Macrostockagenturen mit ganz ande­ren Bildsprachen und deut­li­ch weni­ger häu­fig ver­wen­de­ten Bildern. Selbst die Microstock-Agenturen haben mit Kollektionen wie Offset oder Adobe Premium vie­le Edel-Bilder mit einem ganz ande­ren Look im Angebot. Nur kos­ten die­se eben auch mehr.

Das Geld ist hier der sprin­gen­de Punkt. Für Fotografen loh­nen sich Stockfotos umso mehr, je häu­fi­ger sich die Bilder eines Shootings ver­kau­fen. Damit die Voraussetzungen dafür gege­ben sind, ver­su­chen sie, die Bilder so uni­ver­sell wie mög­li­ch zu hal­ten, damit sie unab­hän­gig von Sprachbarrieren, Ländergrenzen oder Kulturen funk­tio­nie­ren.

Die Stockfotografie-Klischees, über die sich Leute ger­ne lus­tig machen, funk­tio­nie­ren eben nur, weil die Stockfotografen ihre Arbeit gut gemacht haben. Nur uni­ver­sel­le Verwendungsmöglichkeiten brin­gen höchst­mög­li­che Verkäufe, die wie­der­um als Nebeneffekt eine gewis­se Sättigung ein­tre­ten las­sen, sodass Designer irgend­wann genervt sind, das nächs­te „Frau mit Headset im Callcenter“, Rebecca Ariane  Givens oder „Frau isst Salat“-Motiv zu sehen.

Das glei­che gilt übri­gens für das Argument der „Langeweile“. Erfolgreiche Stockfotos sind oft lang­wei­lig, weil „auf­re­gend“ oder „span­nend“ pola­ri­sie­ren kann, was wie­der­um bedeu­tet: Kunden abschre­cken kann.

Das eine geht nicht ohne das ande­re. Wenn ein Motiv oder eine bestimm­te Bildsprache so über­zeugt, dass sich ganz vie­le Kunden dar­auf stür­zen, wird die­ses Motiv oder die­ser Look irgend­wann zum Klischee wer­den. Bis dahin wird sich das Motiv blen­dend ver­kau­fen und die Stockfotografen von ihrer Arbeit leben kön­nen.

Wenn ein Grafiker par­tout etwas „ganz Anderes“ oder im wört­li­chen Sinne „noch nie Dagewesenes“ ver­wen­den will, muss er eben in den sau­ren Apfel bei­ßen und etwas mehr Geld aus­ge­ben, zum Beispiel, indem er einen krea­ti­ven Fotografen beauf­tragt.

Über zehn Jahre Microstock haben bei Designern die Erwartungshaltung geweckt, dass sich tech­ni­sch per­fek­te Motive mit tol­len Models und pas­sen­den Requisiten schnell für weni­ge Euro fin­den las­sen. Dieses System funk­tio­niert aber nur, wenn die Designer gleich­zei­tig ver­ste­hen, dass der Preis für die­se Schnäppchen eben eine wei­te­re Verbreitung der immer glei­chen kli­schee­haf­ten Motive ist. Denn es liegt auf der Hand: Ein auf­wän­di­ges Shooting kos­tet deut­li­ch mehr als die 2–3 Euro, die ein Bild in Webauflösung kos­tet. Da müs­sen schon vie­le Verkäufe zusam­men­kom­men, um die Kosten wie­der rein­zu­ho­len.

Ich habe kein Problem, dass ich mei­ne Bilder unter dem Herstellungspreis ver­kau­fe, solan­ge sich genug Verkäufe sum­mie­ren. Dann soll­ten sich Designer jedoch mit Spot über die häu­fi­ge Verbreitung der Bestseller-Motive zurück­hal­ten. Oder ein­fach mehr bezah­len.

Was meint ihr?

Details zum neuen Adobe Stock Contributor Portal

Gestern war nicht nur der ers­te Tag der Photokina 2016, son­dern in der Creative Cloud von Adobe gab es zwei Updates für Lightroom sowie Adobe Bridge.

Der Grund ist das neue Contributor Portal von Adobe Stock, mit dem Fotografen nun direkt zu Adobe Stock hoch­la­den kön­nen, mit eini­gen coo­len Features! Offiziell ist die Seite noch im Beta-Stadium, kann aber schon rich­tig genutzt wer­den.

Upload-Ansicht im neuen Adobe Stock Contributor Portal
Upload-Ansicht im neu­en Adobe Stock Contributor Portal

Ich habe mir die Details direkt vom ver­ant­wort­li­chen Produktmanager Morgan De Lossy erklä­ren las­sen (sie­he mein miss­lun­ge­nes ers­tes Facebook Live-Video ges­tern).

Ganz wich­tig:
Wer sich das ers­te Mal bei der neu­en URL (https://contributor.stock.adobe.com) für das Contributor Portal ein­loggt, wird gefragt, ob er schon einen Fotolia-Account hat.
Hier ist es sehr wich­tig, dass ihr kor­rekt vor­geht, damit ihr euren Fotolia-Account mit dem neu­en Adobe Stock Account syn­chro­ni­sie­ren könnt. Dafür müsst ihr die­sel­be Email-Adresse wie bei eurem Fotolia-Account* ange­ben. Wer das nicht macht, kann es nicht nach­träg­li­ch ändern!

Wer zwei sepa­ra­te Accounts erstellt, also Fotolia- und Adobe Stock-Account nicht zusam­men­führt, pro­fi­tiert zum Beispiel nicht von den Ranking-Vorteilen der Adobe Stock-Verkäufe und auch exis­tie­ren­de Model Releases, Steuerformulare usw. wür­den nicht beim Adobe Stock Contributor Portal ange­zeigt und so wei­ter.

Was ist neu?
Wie anfangs erwähnt, gab es ein Update für Adobe Bridge und Lightroom. Aus bei­den Programmen kann nun direkt zu Adobe Stock hoch­ge­la­den wer­den.

Für Einsteiger ist auch inter­es­sant, dass bei nicht ver­schlag­wor­te­ten Bildern nun eine Bilderkennung greift und auto­ma­ti­sch die fünf pas­sends­ten Suchbegriffe vor­schlägt. So ler­nen auch Leute schnell, wel­che Stock-Keywords am rele­van­tes­ten sind. Auch kön­nen im Gegensatz zu bis­her Keywords bear­bei­tet, gelöscht oder hin­zu­ge­fügt wer­den.

Endlich gibt es auch eine Suchfunktion für Model- und Property-Releases und der Upload grö­ße­re Bilder (bis zu 68 Megapixel) ist mög­li­ch.

Ebenfalls schon lan­ge gewünscht sind genaue­re Ablehnungsgründe. Die aktu­el­le Liste mög­li­cher Ablehnungsgründe fin­det ihr hier.

Kann Fotolia wei­ter­hin genutzt wer­den?
Ja, auch wer wie emp­foh­len sei­nen Fotolia-Account mit dem Adobe Stock-Account syn­chro­ni­siert, kann wei­ter­hin wie gewohnt über Fotolia dar­auf zugrei­fen. Auch eine Kombination ist mög­li­ch: Zum Beispiel das Hochladen über das neue Contributor Portal, aber die Ansicht der Statistiken über Fotolia.

Wie ist das mit den Kommissionen?
Für etwas Verwirrung sorg­te ges­tern bei eini­gen Kontributoren der Punkt, dass für Verkäufe über Adobe Stock eine ande­re Vergütung als über Fotolia gezahlt wird. Dabei ist s jedoch egal, ob neue Dateien über Fotolia oder das neue Adobe Stock Contributor Portal hoch­ge­la­den wer­den, da die Bilder auf bei­den Wegen in der glei­chen Datenbank lan­den. Relevant für die Kommission ist nur, auf wel­cher Plattform die Bilder gekauft wer­den.

Was pas­siert in Zukunft?
Da das neue Contributor Portal noch im Beta-Stadium ist, wer­den noch eini­ge Bugs gefixt wer­den und aktu­ell sind noch eini­ge Funktionen wie das Bestimmen des Startpreises oder des EL-Preises nicht ver­füg­bar. Das soll aber bald kom­men und basie­rend auf den Wünschen der Nutzer sol­len wei­te­re Funktionen dazu­kom­men.

Es scheint klar, dass sich der Fokus immer mehr in Richtung Adobe Stock bewegt, wes­halb ich jedem emp­feh­le, sich mit den neu­en Möglichkeiten ver­traut zu machen und im Idealfall schon sei­nen Workflow dahin­ge­hend anzu­pas­sen.

Was sagt ihr zum neu­en Adobe Stock Contributor Portal?

* Affiliate

Es gibt keine geheimen Bildagenturen (oder doch?)

Ab und zu wer­de ich gefragt, wel­che Bildagenturen ich emp­feh­len kön­ne. Oder ob ich eine Bildagentur ken­nen wür­de, wel­che für die­ses oder jenes Thema beson­ders geeig­net sei.

Fotografin mit Kamera und ComputerIch kom­me mir da oft blöd vor bei mei­ner Antwort, denn: „Es gibt kei­ne gehei­men Bildagenturen!

Was meine ich damit?

Den Bildermarkt tei­len sich vor allem eine klei­ne Handvoll gro­ßer Bildagenturen, die jedoch in der Regel selbst den Anfängern schon bekannt sind. Oft belie­fern die Neulinge schon 5–6 Agenturen und ver­su­chen, durch die Belieferung wei­te­rer Agenturen noch mehr Geld zu ver­die­nen. Das führt jedoch sel­ten zum Erfolg, weil eben jene 5–6 Agenturen schon mit Abstand den Löwenanteil der Umsätze erwirt­schaf­ten, die rea­lis­ti­sch zu erwar­ten sind.

Im Microstock–Bereich sind das: Fotolia, Shutterstock, 123rf und iSto­ck. In zwei­ter Reihe fol­gen viel­leicht noch Dreamstime, Bigstock und eini­ge ande­re, die ich nicht aus­pro­biert habe oder emp­feh­len wür­de. Vollständiger ist die­se Umsatz-Übersicht.

Im Macrostock–Bereich gibt es Getty Images, viel­leicht noch Alamy und dann ganz lan­ge… nichts. Corbis, jah­re­lang größ­ter Rivale von Getty, exis­tiert prak­ti­sch nicht mehr und die vie­len klei­nen, inha­ber­ge­führ­ten Bildagenturen ver­die­nen mitt­ler­wei­le ihren größ­ten Umsatzanteil eben­falls über Getty Images und ggf. die Premium-Kollektionen der Microstock-Agenturen wie Offset (Shutterstock) oder Infinite (Fotolia). In die­sem Bereich ist es des­halb wich­tig, zu wis­sen, ob die­se Vertriebskanäle von der jewei­li­gen Agentur belie­fert wer­den oder nicht. Ich selbst habe zum Beispiel eini­ge Bilder bei Westend61 und Stockfood, ver­kauft wer­den sie vor allem von Getty oder Fotolia.

Die meis­ten Fotografen schei­nen es ähn­li­ch zu sehen: Kürzlich hat­te ich hier mei­ne Facebook-Follower gefragt, bei wel­chen Agenturen sie den meis­ten Umsatz machen wür­den und – mit ganz weni­gen Ausnahmen – wur­den aus­schließ­li­ch schon im Artikel genann­ten Agenturen erwähnt.

Die Ausnahmen wie Stocksy oder Pond5 erklä­ren sich so: Stocksy hat zwar durch eine eige­ne Bildsprache eine pro­fi­ta­ble Nische in der Branche gefun­den, durch die sehr restrik­ti­ve Fotografenselektion mit Aufnahmebeschränkung bringt es jedoch nichts, die­se ande­ren Fotografen zu emp­feh­len. Pond5 ist haupt­säch­li­ch für Leute pro­fi­ta­bel, wel­che Videos ver­kau­fen und hier soll es heu­te eher um Fotos gehen.

Auch Empfehlungen für „Spezialagenturen“ fal­len mir schwer. Das Thema hat ja zwei Seiten: Welche Agentur inter­es­siert sich für mei­ne Bilder und wel­che ver­kauft sie am bes­ten? Die Antwort ist lei­der nicht immer deckungs­gleich. Zwar gibt es für vie­le sehr spe­zi­el­le Themen Nischen-Bildagenturen, aber viel Umsatz machen dort noch weni­ger Fotografen als bei den „Universal-Agenturen“. Das liegt unter ande­rem auch dar­an, dass die gro­ßen Microstock-Agenturen wie Shutterstock oder Fotolia mit ihren mehr als 50 Millionen Bildern selbst zu den Nischenthemen mitt­ler­wei­le oft mehr Bilder im Angebot haben als die Nischenagentur selbst.

Kurzes Beispiel: Zum Suchbegriff „Salat“ lie­fert Fotolia über 900.000 Treffer, Shutterstock über eine Million und die Food-Bildagentur Stockfood nur knapp 35.000. Das heißt, die Universalagenturen haben mehr als 25x so vie­le Bilder im Angebot.

Hier kön­nen sich die Nischenagenturen nur mit einem extre­men Service und unglaub­li­chem Detailwissen über Wasser hal­ten, indem die Food-Agenturen bei­spiels­wei­se neben den Fotos auch die dazu pas­sen­den Rezepte lie­fern kön­nen oder Tier-Bildagenturen garan­tie­ren kön­nen, dass die Fotos der gezeig­ten Tiere auch in jedem Fall zu den latei­ni­schen Namen pas­sen.

Wie viele Agenturen sollte ich nun beliefern?

Ich bin der Meinung, dass die Belieferung von 6–7 Agenturen voll­kom­men aus­rei­chend ist. Vor fünf Jahren noch habe ich über 14 Agenturen belie­fert, im Laufe der letz­ten Jahre sind davon sind eini­ge wie Coverpicture oder Digitalstock auf­ge­kauft wor­den, ande­re wie Waldhäusl oder Polylooks wur­den geschlos­sen.

Wer nüch­tern betrach­tet den Zeitaufwand für das Hochladen der Bilder mit den erziel­ten Erträgen in Relation setzt, wird mer­ken, dass er bei der sieb­ten Agenturen schon meist drauf­zahlt, wenn er sei­nen Stundenlohn ver­nünf­tig ansetzt. Neben den 6–7 „klas­si­schen“ Agenturen belie­fe­re ich mitt­ler­wei­le nur noch eini­ge aus­ge­wähl­te Agenturen wie zum Beispiel Zoonar, weil ich deren 80% Fotografenkommission unter­stüt­zens­wert fin­de oder Agenturen wie Canva mit einem neu­en, erfolgs­ver­spre­chen­den Geschäftsmodell, deren Mitarbeiter ich per­sön­li­ch ken­ne.

Zwar ist der Zeitaufwand für das Hochladen mit­tels Tools wie Picworkflow o.ä. gerin­ger gewor­den, aber auch die­se Dienste ver­lan­gen meist Geld. Dazu kommt, dass mit der sehr brei­ten Streuung des eige­nen Portfolios auch ein Kontrollverlust ein­her­geht. Die brei­te Streuung macht es ungleich schwe­rer, Urheberrechtsverstöße zu kon­trol­lie­ren. Auch steigt so der Preisdruck, weil irgend­ei­ne Agentur die nied­rigs­ten Preise anbie­ten will und ande­re Agenturen dann mit­zie­hen wol­len oder müs­sen. Ähnliches gilt für die Kommissionen der Fotografen.

Andererseits bestärkt eine Limitierung auf die ohne­hin schon umsatz­stärks­ten Bildagenturen die Konzentration am Markt, was zur Bildung eines Oligopols füh­ren könn­te, bei dem die Anbieter eben­falls einen Nachteil haben. Für mich über­wie­gen jedoch die Vorteile der limi­tier­ten Streuung.

Wie seht ihr das?

Mein Weg zur Microstock-Fotografie (Gastartikel)

Mein Name ist Helmut Seisenberger, ich bin gelern­ter Mediengestalter für Bild und Ton. Ich betrei­be seit Ende 2014 den Blog microstock-infos.de. Dort schrei­be ich über mei­ne Erfahrungen im Microstock-Bereich.

Helmut Seisenberger
Helmut Seisenberger

Als ich dann Anfang die­ses Jahres eine Email von Robert Kneschke bekom­men hat­te, um einen Gastartikel auf all­tagei­nes­fo­to­pro­du­zen­ten zu ver­öf­fent­li­chen, hat mich das rie­sig gefreut.

Gerne tei­le ich mit Euch mei­ne Erfahrungen im Microstock-Bereich seit mei­nen Anfängen im Jahr 2014. Meinen ers­ten Kontakt mit der Microstock-Fotografie hat­te ich um das Jahr 2007 her­um. Zu die­sem Zeitpunkt bin ich von der ana­lo­gen auf die digi­ta­le Fotografie umge­stie­gen und hat­te mir eine Canon 5D gekauft, die ich auch heu­te noch neben mei­ner 5D Mark II für Microstock-Aufnahmen nut­ze.

Schon damals wur­de ich auf Fotolia auf­merk­sam und habe ein paar Architekturbilder hoch­ge­la­den. Die wur­den damals lei­der alle abge­lehnt und ich ver­lor das Interesse an der Sache und kon­zen­trier­te mich auf mei­ne Auftragsarbeiten in den Bereichen Event, Messe, Portrait und Hochzeitsfotografie.

Das Bild mit den Mini Wraps ist mein absoluter Bestseller bei Fotolia. Wie das gegangen ist, frage ich mich heute noch.
Das Bild mit den Mini Wraps ist mein abso­lu­ter Bestseller bei Fotolia. Wie das gegan­gen ist, fra­ge ich mich heu­te noch.

Die Jahre ver­gin­gen und beim Lesen der Seite t3n.de stieß ich auf einen Artikel von Robert Kneschke, in dem er über sei­ne Erfahrungen im Microstock-Bereich berich­te­te. Dabei waren es weni­ger die Umsätze, die mich in dem Bericht magi­sch anzo­gen, son­dern eher die Tatsache, dass die­ses Geschäftsmodell über­haupt funk­tio­nier­te. Ich hat­te es ja kom­plett aus den Augen ver­lo­ren.

Noch am sel­ben Tag mel­de­te ich mich bei Fotolia an und fing an, in mei­nen Augen geeig­ne­te Bilder hoch­zu­la­den. Das war rück­bli­ckend kein beson­ders klu­ger Schachzug, weil ich bei Fotolia bis heu­te eine Akzeptanzrate von 50% habe, weil von die­sen Bildern sehr vie­le abge­lehnt wur­den.

In den fol­gen­den Wochen und Monaten mel­de­te ich mich noch bei 123rf, Dreamstime, Zoonar, Veer, Istock, Pond5 und nach drei Anläufen auch bei Shutterstock an. Nach einem hal­ben Jahr dann auch Bigstock und Depositphotos.

Von den Bildern her mache ich über­wie­gend Sachen, die mir im Alltag begeg­nen. Das heißt: Landschaften, Essen, Haushalt und Verkehr. Gerne auch Video-Clips, die von den Agenturen sehr ger­ne genom­men wer­den.

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Die drei Bilder ste­hen ganz gut für mei­ne Art und Weise der Stockfotografie: Food, Alltägliches – mit Händen, Natur.

Fotolia zog gleich zu Beginn von den Downloads stark an, und auch 123rf, Istock und Shutterstock ver­buch­ten in regel­mä­ßi­gen Abständen Umsätze. Bei Dreamstime, Zoonar und Veer hat­te ich kein gro­ßes Verkaufsglück und ich habe inzwi­schen auf­ge­hört,
Bilder dort hoch­zu­la­den.

Nach mei­nem ers­ten kom­plet­ten Jahr 2015 im Microstock-Bereich habe ich nun die Agenturen gefun­den, von denen ich den Eindruck habe, dass sich eine län­ge­re Zusammenarbeit lohnt und man nicht nur ins Nirvana hoch­lädt.

Diese Agenturen sind für mich (Reihenfolge nach Umsatz): Shutterstock, Fotolia, Istock, 123rf, Bigstock, Pond5 und Depositphotos.

fotolia_84692512Man soll­te sich nicht davon abschre­cken las­sen, dass bereits Millionen von Bildern bei den Agenturen online sind. Gute Bilder set­zen sich über kurz oder lang sicher durch. Auch von dem durch­schnitt­li­chen Abo Vergütungen von 25–30 Cent soll­te man sich nicht abschre­cken las­sen – das sum­miert sich.

Wie ich die Bilder mache? Es ist wenig geplant. Wenn mir etwas ein­fällt oder auf­fällt, dann mache ich das Bild. Food meist mit Aufsteckblitz indi­rekt über die Decke. Manuell, etwas abge­blen­det auf ca. f6,3 für mehr Schärfe (bei mei­nem älte­ren Objektiv 24-105mm  f4), in RAW natür­li­ch. Bisher immer mit Bridge und Adobe Camera RAW. Seit die­sem Jahr auch mit Lightroom 6.
Verschlagwortung mache ich mit ca. zwölf Keywords in eng­li­sch.

Ich kann die Microstock-Fotografie jedem Selbstständigen nur emp­feh­len. Man soll­te sich die­se Möglichkeit eines Nebeneinkommens nicht ent­ge­hen las­sen.

Ich hof­fe, die­se Infos waren hilf­reich für Euch. Ich wün­sche Euch wei­ter­hin viel Spaß und viel Erfolg im Microstock Business.

Euer Helmut Seisenberger
microstock-infos.de
helmutseisenberger.de