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Frage von Photography Q & A – Selbstvermarktung für Fotografen

Vor über zwei Jahren habe ich hier im Blog das Buch „Photography Q&A“ von Zach Arias vor­ge­stellt und mei­ne Leser auf­ge­for­dert, mir eben­falls Fragen in den Kommentaren zu stel­len. Zwei die­ser Fragen woll­te ich dann im Blog beant­wor­ten.

Die ers­te Frage, wel­che Blitze ich benut­ze, habe ich vor lan­ger Zeit hier beant­wor­tet.

Kompass-V04-wide-selbstvermarktung_kleinHeute ist nun die zwei­te Frage an der Reihe, die sich rund um das Thema „Selbstvermarktung“ dreht. Genau genom­men haben meh­re­re Leser ähn­li­che Fragen gestellt, wel­che das Thema „Selbstvermarktung“ mit unter­schied­li­chen Schwerpunkten auf­grei­fen.

Hier die Fragen:

Vorweg erst­mal: inter­es­san­ter Blog, ich bin gera­de “drü­ber­ge­stol­pert”.
Daraus ergibt sich auch mei­ne Frage:
Wie wich­tig sind die­se Standbeine für Fotografen? Ich ken­ne kaum einen Fotografen, der “nur” Bilder anbie­tet. Es wer­den Blogs betrie­ben, Workshops oder Coachings ange­bo­ten, Bücher geschrie­ben. Alles sehr zeit­auf­wän­di­ge Tätigkeiten. Sind die­se Aspekte über­le­bens­wich­tig gewor­den als Fotograf? Oder stel­len die­se Bereiche ein­fach einen net­ten Nebenverdienst dar, der auch noch Spaß macht? Gruß, Johannes“

Meine Frage: Wie wich­tig ist Facebook-Marketing für dich und akqui­rier­st du auch grö­ße­re Kunden über dei­ne Facebookseite? Vielen Dank! Justus“

Womit lässt sich dei­ner Meinung nach besser/eher Geld ver­die­nen? Mit einem erfolg­rei­chen Blog oder mit Stockfotos?“

Hallo Robert,
mei­ne Frage bezieht sich auf das eige­ne “Branding”, also wie stellt man es an, sei­ne eige­ne “Marke” als Fotograf bekann­ter zu machen. Und wel­che Methoden/Mittel bie­ten sich an? Als Einzelkämpfer (ohne Angestellte) ist das ein Faktor, der neben der eigent­li­chen Arbeit oft zu kurz kommt. Wie machst du dir einen Namen bzw. wir hast du es geschafft, den “Robert Kneschke” bekannt zu machen? Spielt in der Stockfotografie bei­spiels­wei­se die Menge der Fotos, die man in Agenturen plat­ziert hat, eine ent­schei­den­de Rolle? Sprich: ab wann sucht jemand in der Agentur oder einer Suchmaschine gezielt nach dei­nem Namen, um Fotos von dir ange­zeigt zu bekom­men? Und einen eige­nen “Bildstil” zu ent­wi­ckeln, um sich von der Masse abzu­he­ben, wird nach mei­ner Einschätzung immer schwie­ri­ger. Ist es vor allem und zuer­st ein Blog, das Aufmerksamkeit erregt? Ist es das Kommentieren bei ande­ren, sind es Facebook & Co? Viele Grüße, Nora“

Damit ihr mei­ne Antwort rich­tig ein­ord­nen könn­te, möch­te ich beto­nen, dass ich nur von der Stockfotografie lebe und kei­ne Aufträge anneh­me. Das heißt, vie­le der Marketing-Maßnahmen, die ich für unnö­tig hal­te, mögen für einen Auftragsfotografen über­le­bens­wich­tig sein und anders­rum.

Im Gegensatz zu eini­gen mei­ner Fotografie-Kollegen sind mei­ne Aktivitäten neben der Kamera eher gering. Ich betrei­be zwar seit ca. acht Jahren ger­ne die­sen Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“ und im Laufe der Jahre sind mei­ne bei­den Sachbücher „Stockfotografie“* und „Die Arbeit mit Models“* hin­zu­ge­kom­men. Vorträge und Seminare gebe ich jedoch nur sel­ten, viel­leicht zwei bis vier Mal im Jahr (das nächs­te Mal übri­gens wie­der auf der Photokina 2016).

Aber ganz nüch­tern betrach­tet: Ich könn­te locker auf die weni­gen Einnahmen der Bücher, vom Blog und den Vorträgen ver­zich­ten und damit viel­leicht sogar mehr ver­die­nen, weil ich in der frei­en Zeit mehr Stockfotos pro­du­zie­ren wür­de.

Andere Kollegen haben hin­ge­gen ber­ge­wei­se Workshops, DVDs und Seminare im Angebot, ver­öf­fent­li­chen deut­li­ch mehr Artikel in ihren Blogs und ihren Social-Media-Kanälen und so wei­ter. Der Unterschied ist jedoch: Diese Leute leben eben haupt­säch­li­ch davon, die­se Produkte sind ein wich­ti­ger, wenn nicht der größ­te, Teil ihrer Einnahmequellen. Vielleicht könn­te man die­se Leute kor­rek­ter als „Foto-Trainer“ statt als „Fotografen“ bezeich­nen. Das mag sei­ne Berechtigung haben, ist aber als Unterscheidung wich­tig, weil die Zielgruppe eine ande­re ist. Wer sich als Fotograf selbst ver­mark­ten will, muss „Kunden“ für Aufträge errei­chen. Wer als „Foto-Trainer“ unter­wegs sein will, sucht ande­re Fotografen als Kunden. Ein gutes Beispiel ist Calvin Hollywood, der sich öffent­li­ch immer öfter als Foto-Coach statt als Bildbearbeiter dar­stellt.

In die­se „Falle“ bin ich selbst anfangs getappt: Die ursprüng­li­che Idee zu mei­nem Blog war, mich bei mehr Bildkäufern bekannt zu machen. Da ich aber von Foto-Themen mehr Ahnung habe als vom Verkauf, inter­es­sie­ren sich vor allem ande­re Fotografen, aber nicht so sehr Bildkäufer für die­se Themen im Blog.

Damit ist mein Blog nicht so sehr ein Marketing-Instrument, wel­ches mehr Bildkäufe bringt, son­dern ein Hilfsmittel, um mich bei Kollegen und Agenturmitarbeitern bekann­ter zu machen, wel­che dann mit mir Informationen und ähn­li­ches aus­tau­schen. Das ist nütz­li­ch, aber schwer in „mehr „Umsatz“ zu mes­sen.

Ein Blog von einem Fotografen, den ich ger­ne ver­fol­ge, und der sich kon­se­quent an poten­ti­el­le Kunden rich­tet, ist der vom Kollegen Till Erdmenger.

Ähnliches gilt für die Facebook–Präsenz: Während Kollegen wie Matthias Schwaighofer min­des­tens meh­re­re Postings täg­li­ch abset­zen, sind es bei mir alle paar Tage einer. Auch hier gilt wie­der: Ich muss kei­ne Aufträge an Land zie­hen, weil ich das sowie­so nicht anbie­te. Natürlich kann es pas­sie­ren, dass ein Fotograf, der mei­nem Blog oder mei­ner Facebook-Seite folgt, eben­falls Grafikdesign für ande­re Kunden macht und dabei mal eini­ge mei­ner Stockfotos kauft, weil er mich durch mei­ne Veröffentlichungen immer im Hinterkopf hat. Ich ver­mu­te jedoch dass die­ser Effekt zu ver­nach­läs­si­gen ist. Die meis­ten Kunden bei Bildagenturen brau­chen ein bestimm­tes Motiv und suchen die­ses, indem sie Suchbegriffe bei den Agenturen ein­tip­pen.

Je spe­zi­el­ler jedoch die Nische, die ein Fotograf bedient, desto eher kön­nen sich Social-Media-Kanäle oder Blogs loh­nen, um sich als Experte für die­ses Gebiet pro­fi­lie­ren zu kön­nen.

Natürlich ist es mög­li­ch, mit einem Blog mehr Geld zu ver­die­nen als mi Stockfotos, sei es durch Werbung, Ebooks, Affiliate-Marketing oder ande­re Methoden, aber das erfor­dert grund­sätz­li­ch ande­re Fähigkeiten als wel­che, die nötig sind, um mit Stockfotos erfolg­reich zu sein.

Ein „Branding“ ist im Bereich der Stockfotografie deut­li­ch weni­ger nötig als in ande­ren Bereichen. Ich weiß, dass eini­ge Branchengrößen sehr erfolg­reich bei Bildagenturen sind, über die in der Öffentlichkeit fast nichts bekannt ist. „Africa Studio“*, „Ioannis Kounadeas“* oder „Gina Sanders“* sind nur eini­ge Beispiele. Während Auftragsfotografen ger­ne wegen ihres „eige­nen Stils“ gebucht wer­den, sind Stockfotografen Lieferanten für Mainstream-Looks, die sich natur­ge­mäß weni­ger stark von­ein­an­der abhe­ben oder teil­wei­se sogar kopie­ren.

Viele Tipps für erfolg­rei­ches Fotografen-Marketing bie­tet übri­gens mein Kollege Michael Omori Kirchner an.

Wie wich­tig ist das Selbstmarketing für euch?
Was funk­tio­niert am bes­ten für euren Bereich?

* Affiliate

Microstock-Einnahmen und Kommissionen – Wohin geht das Geld?

Im Juli ver­öf­fent­lich­te Steve Gibson in sei­nem „Microstock Insider“-Blog einen lesens­wer­ten Artikel, in dem er – jetzt gut fest­hal­ten – eine Lanze für nied­ri­ge Fotografenhonorare bricht. Mit sei­ner Erlaubnis habe ich die­sen Artikel über­setzt und ich bin gespannt, ob ihr sei­ne Ausführungen unter­strei­chen wür­det. Los geht’s, Steve:

Wie wird das Geld, was ein Bildkäufer aus­gibt, zwi­schen Fotografen, der Bildagentur und eini­gen Mittelsmännern auf­ge­teilt?

Die Antwort ist rela­tiv ein­fach: Manchmal ist es ein­fach nicht klar.

Als ers­tes eine Begriffsklärung:

  • Honorar (Royalty) – Die Bezahlung, die ein Fotograf oder Illustrator erhält, wenn eins sei­ner Werke ver­kauft wur­de.
  • Kommission – Das Geld, das eine Bildagentur vom Verkauf erhält für die Ausführung der Transaktion und um Kosten abzu­de­cken. Kommissionen wer­den auch an Wiederverkäufer (Verteiler) und Vermittler, die Käufer brin­gen, aus­ge­schüt­tet. (Traditionelle Bildagenturen bzw. Macrostock-Agenturen nen­nen oft ihre Kommissionsrate, also den Betrag, den sie ein­be­hal­ten, im Gegensatz zur Honorarrate.

Oft wird auch das Wort „royal­ty“ für Kommissionen benutzt. Ich bin nicht sicher, wie das zustan­de kam, denn es sorgt auf jeden Fall für Konfusionen und ein kur­zer Blick auf die gro­ßen Microstock-Seiten zeigt, dass vor allem Begriffe wie „Einnahmen“ oder „Auszahlungsbetrag“ ver­wen­det wer­den, um die Situation zu klä­ren. Es ist nicht hilf­reich, dass wir in einer Industrie arbei­ten, deren Geschäftsmodell auf Amateurfotografen gegrün­det wur­de und in die uns „royal­ties“ aus­zahlt für unse­re „royalty-free“-Fotos (natür­li­ch sind die­se nur royalty-free für den Käufer).

Der Unterschied zwi­schen Kommissionen und Honorar kann auch wich­ti­ge Steuerunterschiede brin­gen, denn als Fotograf, der an einem Affiliate-Programm teil­nimmt, ver­dient man sowohl Kommissionen für emp­foh­le­ne Käufer als auch Honorar für die ver­kauf­ten Bilder.

Wie wird der Honorar-Kuchen auf­ge­teilt?

Es gibt drei Hauptausgaben zu berück­sich­ti­gen, wenn die Dienste betrach­tet wer­den, die digi­ta­le Downloads anbie­ten und bei der Aufteilung der Honorare:

  • Geld zum Betrieb des Dienstes und für die Finanztransaktionen
  • Marketing- und Werbungskosten
  • Honorare für die Urheber

Jeder die­ser Ausgaben ent­hält Kosten und eine Gewinnspanne. Zum Beispiel könn­te es einen Dollar kos­ten, ein Foto zu machen, aber um im Geschäft zu blei­ben, mus­st Du zwei Dollar beim Verkauf dafür berech­nen, wenn Du auch die nächs­te Kamera, das Dach über dem Kopf und Deinen Gewinn bezah­len will­st.

Wiederverkäufe (Syndikation) & Affiliate-Verkäufe

Diese Verkäufe haben unter­schied­li­che Kosten für eine Bildagentur, denn eine drit­te Partei fand den Käufer, womit die direk­ten Marketingkosten null sind (das Branding aus­ge­nom­men) und im Falle eines Wiederverkäufers muss die Agentur nicht des­sen Webseite betrei­ben oder Kundenservice anbie­ten. Andererseits gene­rie­ren sol­che Verkäufe zusätz­li­che Kosten durch die Affiliate- oder Wiederveräufer-Kommissionen.

Beim Thema „Wiederverkauf“ machen wir ein ganz ande­res Fass aus: Einige Agenturen zah­len einen höhe­ren Preis für Wiederverkäufer-Verkäufe (obwohl man nicht wirk­li­ch mehr pro Verkauf erhält), da die Agentur selbst weni­ger pro Verkauf ver­dient – der Wiederverkäufer behält sei­nen Teil der Kommission. Wiederverkäufer-Verkäufe sind etwas ande­res als Affiliate-Verkäufe, da die Agentur bei letz­te­ren trotz­dem Kundendienst, Zahlungsabrechnung, Seitenzugriff für den Download und so wei­ter anbie­ten muss. Bei den Wiederkäufern sor­gen die­se selbst dafür.

Grob gespro­chen gibt es drei ver­schie­de­ne Typen von Microstock-Käufern, die den Agenturen unter­schied­li­che Einnahmen brin­gen und unter­schied­li­che Ausgaben erfor­dern:

Ausgaben Käufertyp Direktverkauf  Affiliate-Kauf  Wiederverkäufer
Such-API Ja Ja Ja
Hosting und Bandbreite Ja Ja Ja
Fotografenverwaltung Ja Ja Ja
Bildredaktion Ja Ja Ja
Fotografenhonorar Ja Ja Ja
Webseiten-Frontend Ja Ja Nein
Kundenservice Ja Ja Nein
Zahlungsabwicklung Ja Ja Nein
Marketing und PR Ja Nein Nein
Kommissionen an Dritte Nein Ja Ja

Darüber hin­aus haben alle Agenturen zusätz­li­che Kosten wie sie ande­re Firmen auch haben, zum Beispiel Buchhaltung, Personalkosten, Management und so wei­ter.

Wie viel Geld wird nun dafür aus­ge­ge­ben?

Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage. Mit Ausnahme der Honorarsätze und Kommissionen hal­ten die Agenturen die­se Informationen sehr geheim. Shutterstock jedoch hat eini­ge die­ser Informationen im Rahmen des geplan­ten Börsengangs ver­öf­fent­licht. Dadurch bekom­men wir eine unge­fäh­re Vorstellung, wie die Top-Microstockagenturen ihre Einnahmen aus­ge­ben:

Zu den Betriebskosten zäh­len die Fotografenhonorare, Kreditkartengebühren, Bildredaktion, Kundendienstkosten, Infrastrukturkosten für das Betreiben der Webseite und den dazu­ge­hö­ri­gen Angestellten, Raummieten und ande­re Kosten. Im oben ver­link­ten IPO wer­den die gezeig­ten Segmente noch genau­er defi­niert.

Wie steht Microstock im Vergleich zu ande­ren Industrien da?

Im Microstock-Bereich bleibt das meis­te Geld bei den Agenturen. Es gibt ver­schie­de­ne Gründe dafür, unter ande­rem den Fakt, dass bei nied­ri­gen Verkaufspreisen die Kosten des Verkaufs ver­hält­nis­mä­ßig hoch sind. Wie du sicher weißt, muss man vie­le bil­li­ge Fotos ver­kau­fen, um die Kosten für deren Erstellung wie­der ein­zu­spie­len.

Was ist mit ande­ren vir­tu­el­len Gütern wie iTu­nes und Apps?

Microstock scheint dem Vergleich ganz gut stand­zu­hal­ten. Bei iTu­nes ver­dient ein Musiker ca. 9 Cent bei einem Verkaufspreis von 1,29 USD. Das ist der Betrag, der übrig bleibt, nach­dem die Plattenfirma ihren (gro­ßen) Anteil an den ca. 70 Cent genom­men hat, die Apple ihnen gibt (Zahlen gel­ten nur für die USA).

Unabhängige Musiker kön­nen die gesam­ten 70 Cent behal­ten, wer­den aber oft für das Hosting, Setup-Kosten und jähr­li­che Gebühren etc. zur Kasse gebe­ten. Du siehst, wel­cher gro­ße Teil durch die Betriebskosten (Apple) und das Marketing (Plattenfirma) anfällt. Ich habe gele­sen, dass die Musiker bis zu 50% des Plattenfirma-Anteils ver­die­nen kön­nen, wenn die Kosten der Plattenfirma ein­ge­spielt wur­den. Diese Teilung der Einnahmen ist nichts Neues, auch vor den digi­ta­len Downloads beka­men Musiker nur einen klei­nen Prozentsatz vom Preis der Platte ab.

Für den „Apps Store“ nimmt Apple eine Kommission von 30%, damit ver­blei­ben 70% bei den Entwicklern der Software. Diese müs­sen für den Zugriff auf die Entwicklungssoftware bezah­len (ca. 99 – 299 USD pro Jahr). Diese Verteilung ist ähn­li­ch wie bei iTu­nes, nur ohne den Marketing-Anteil der Plattenfirma. Der Entwickler bekommt die vol­len 70%, muss jedoch das kom­plet­te Marketing über­neh­men und sich um die Kundenbetreuung küm­mern. Wie wir am Beispiel von Shutterstock gese­hen haben, waren das dort fast 30% der Einnahmen. Der Android-Marktplatz hat eben­falls den 70%-Anteil für sei­ne Entwickler.

Aber Alamy kann 60% (40% Kommission) bei Fotos aus­zah­len?

Sie machen das bei ihren Bildern mit Standardpreisen, aber sie haben eine 50–50 Verteilung für ihre „Novel Use“-Bilder, was mei­nes Erachtens ein bes­se­rer Vergleich mit Microstock ist. 60% Kommission nimmt Alamy auch für Vertriebs(partner)-Verkäufe.

Bis jetzt war es nicht Alamys Hauptgeschäftsfeld, ein Marktplatz im Microstock-Stil zu sein. Außerdem hat Alamy eine Geschichte von Änderungen an der Kommissionsstruktur, wenn sich die Geschäfte ändern und ich den­ke, das soll­te jede Firma tun – es sind nicht nur die Microstock-Agenturen, die gezwun­gen sind, ihre Kommissionen zu ändern. Ich den­ke auch nicht, dass es fair ist, Alamy direkt mit Microstock-Agenturen zu ver­glei­chen.

Ich ken­ne nicht die inter­nen Details von Microstock- oder Macrostock-Agenturen, aber ich den­ke, es ist nach­voll­zieh­bar zu sagen, dass Alamy nur eine Handvoll Verkäufe braucht, um eine Zeitschriftenwerbung in Auftrag geben zu kön­nen, wäh­rend eine Microstock-Agentur ver­mut­li­ch über 1000 Bilder ver­kau­fen muss, um sich die glei­che Anzeige leis­ten zu kön­nen. Die Kosten, um 1000 Kunden zu gewin­nen, sind deut­li­ch höher als nur einen Kunden zu gewin­nen (Ich habe den Fakt igno­riert, dass durch nied­ri­ge­re Bildpreise es ein­fa­cher sein kann, meh­re­re Verkäufe zu gene­rie­ren wie auch den Fakt, dass es wahr­schein­li­ch teu­rer ist, einen Macrostock-Kunden zu gewin­nen als einen Microstock-Kunden).

Gib 5 Dollar über Paypal oder eine Kreditkarte aus und ca. 10% des Geldes wer­den von den Transaktionskosten auf­ge­fres­sen. Gib eini­ge hun­dert Dollar aus und die Kosten sin­ken auf eini­ge Cent. Das ist der Grund, war­um Agenturen Rabatte auf gro­ße Credit-Verkäufe geben. Auf einer Microstock-Seite kön­nen die Kosten, die ent­ste­hen, wenn jemand fünf Minuten auf eine Email ant­wor­tet oder der IT-Mitarbeiter eini­ge Minuten an einem Serverproblem arbei­tet, schnell den Gewinn eines Bildverkaufs ver­nich­ten.

Beweise der Geschichte

Clustershot war ein gutes Beispiel einer Bildagentur, die den Markt betrat, um Umsätze zu erzie­len, aber nicht die Arbeit der Fotografen bewor­ben hat. Deren Kommission vor nur 12%, was 88% für die Fotografen bedeu­te­te (die auch die Paypal-Bearbeitungsgebühren zah­len muss­ten), lasst uns also 15% Kommission sagen. Mit die­sem Level konn­ten sie ihre Kosten decken und damit mei­ne ich, sie gin­gen bank­rott. „Kosten decken“ heißt, kein Geld, kei­ne Zeit oder sons­ti­ge Anreize zu haben, in den Service zu inves­tie­ren. Es sieht so aus als wären 15% nicht genug Geld, um Downloads und Zahlungen zu bear­bei­ten.

Alamy been­de­te ihr „Alamy Red“-Kommissionssystem, bei dem sie nur 20% Kommission nah­men, aber eine Annahmegebühr von 2 Dollar ver­lang­ten und eine monat­li­che Hosting-Gebühr.

50% Honorar mag als attrak­tiv gel­ten, aber ich glau­be, es gibt genug Beweise, dass Microstock-Agenturen, die 50% Honorar bie­ten, gene­rell sta­gnie­ren, ich ver­mu­te, weil die Agenturen nicht genü­gend Ressourcen haben, um ins Wachstum zu inves­tie­ren. Schaut man sich die Honorare bei den Top-Agenturen an (und ich mir die Agenturen mit den höchs­ten Umsätzen), fällt auf, dass alle deut­li­ch weni­ger als 50% Honorar zah­len. Die ver­link­te Tabelle ist grob sor­tiert nach Einnahmen und meist stimmt das mit der Sortierung des Honoraranteils über­ein – in ande­ren Worten: Ein hoher Honoraranteil ist für Fotografen nichts wert, du bist bes­ser dran, über eine Agentur mit einem nied­ri­ge­ren Honoraranteil zu ver­kau­fen, die in der Lage sind, deut­li­ch mehr zu ver­kau­fen (und das eben auch machen!).

Es ist übli­ch für neue Start-Up-Agenturen, einen hohen Honoraranteil zu ver­spre­chen, um Fotografen anzu­lo­cken, egal, ob das ein wei­ses Geschäftsmodell ist oder nicht. Es ist defi­ni­tiv kein Signal, was als „wenn die das kön­nen, könn­ten es die ande­ren auch machen“ gele­sen wer­den soll­te. Als abso­lu­tes Minimum muss eine Agentur nach­hal­tig wirt­schaf­ten, aber sie brau­chen mehr als das, sie müs­sen pro­fi­ta­bel sein, um wei­ter inves­tie­ren zu kön­nen, um wach­sen zu kön­nen oder Risikokapital anzu­lo­cken.

Es scheint als wären ca. 30% Kommission ein übli­cher Standard, den man neh­men soll­te für das Hosting, die Downloadverwaltung und die Zahlungsabwicklung für irgend­ei­ne Transaktion vir­tu­el­ler Güter. Man könn­te noch ergän­zen, dass beim Bilderverkauf noch eini­ge wei­te­re Kosten anfal­len, da zum Beispiel die Suche deut­li­ch kom­ple­x­er ist.

Subventionierung höhe­rer Honorare

Einige Agenturen bie­ten mehr Honorar für exklu­si­ve Bilder (die zum glei­chen Preis ver­kauft wer­den) und/oder höhe­re Honorare für umsatz­star­ke Fotografen. Während die­se Fotografen qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Bilder haben, die zu redu­zier­ten Kosten in der Bildredaktion füh­ren, ist es mit Blick auf die Honorartabellen sehr offen­sicht­li­ch, dass die Agenturen mit gestaf­fel­ten Honoraren den umsatz­schwa­chen Fotografen deut­li­ch nied­ri­ge­re Honorare zah­len im Vergleich zu den Agenturen, die ein Honorar für alle anbie­ten. Während gestaf­fel­te Honorare einen Anreiz schaf­fen, qua­li­ta­tiv bes­se­re Bilder hoch­zu­la­den und mehr Verkäufe zu gene­rie­ren, wer­den gleich­zei­tig die umsatz­schwa­chen Fotografen bestraft, indem sie die höhe­ren Honorare der Top-Fotografen sub­ven­tio­nie­ren.

Doppeldeutige Worte: Worauf man beim Vergleich von Honoraranteilen ach­ten soll­te

Man könn­te leicht anneh­men, dass, wenn eine Agentur 25% Honoraranteil zahlt, man bei einem Bildverkauf für 5 Dollar 1,25 Dollar abbe­kom­men wür­de. Das kann aber fal­sch sein. Wer die Vertragsbedingungen gen­au durch­liest, merkt, dass er meist nur Anspruch auf 25% der „tat­säch­li­chen Umsätze“, der „Nettoerlöse“ o.ä. hat. Einige Agenturen bie­ten einen fes­ten Betrag pro Verkauf oder gekauf­ter Bildgröße, ande­re Agenturen bie­ten eine Prozentzahl, bei der es wich­tig ist, dass das Verkaufssystem gen­au ver­stan­den wird. Bietet die Agenturen zum Beispiel Rabatte bei Großeinkäufen an und wer­den die­se Rabatte an den Fotografen wei­ter­ge­ge­ben?

Schlussfolgerung

Vor fünf Jahren lag der typi­sche Microstock-Honoraranteil bei 30–50% und wur­de seit­dem nied­ri­ger und nied­ri­ger, weil die Agenturen immer mehr der Einnahmen für sich behal­ten.

Wo geht das gan­ze Geld hin? Das meis­te Geld wird für das Marketing aus­ge­ge­ben, aber ich ver­mu­te, dass gro­ße Teile auch in die Bilanz wan­dern, um sich als Agentur attrak­ti­ver für Investoren zu machen. iStock­pho­to gab hin­ter vorhge­al­te­ner Hand auch zu, dass sie nicht genug Profit mit ihrem Unternehmen machen wür­den, als sie zuletzt ihre Honorarstruktur änder­ten.

Es scheint eine gute Idee zu sein, als Fotografen „mit unse­ren Füßen abzu­stim­men“ und nur dort unse­re Bilder hoch­zu­la­den, wo die Agenturen sich mit nied­ri­gen Kommissionen zufrie­den geben, aber die (viel­leicht trau­ri­ge) Wahrheit ist: Die Agenturen, die erfolg­reich sind, wie die Plattenfirmen im Beispiel, sind die, wel­che den Großteil der Einnahmen wie­der in Promotion und Marketing ste­cken. 50% von weni­gen oder kei­nen Verkäufen ist weit weni­ger wün­schens­wert als 17% von etli­chen Verkäufen.

Warum ich meine Referal-Links zu Dreamstime entfernt habe

Vor paar Tagen hat­te ich einen Skype-Chat mit Lee Torrens vom Blog microstockdiaries.com über einen neu­en Kommissionsrechner, den er vor­ge­stellt hat.

Dabei kam raus, dass die Microstock-Agentur Dreamstime einen sehr gewag­ten Schritt gegan­gen ist. Seit kur­zer Zeit wer­den die Honorare für Affiliate-Links, die zu Dreamstime füh­ren nicht aus dem Marketing-Budget von Dreamstime bezahlt, son­dern gehen aus­schließ­li­ch zu Lasten der Fotografen.

Doch kurz einen Schritt zurück:

Was sind über­haupt Affiliate-Links?

Affiliate-Links sind Empfehlungslinks, bei denen der­je­ni­ge, der den Link gesetzt hat, eine Provision bekommt, wenn der­je­ni­ge, der den Link klickt, dort etwas kauft oder – je nach Affiliate-Programm – etwas ähn­li­ches macht.

Bei Dreamstime war das so: Wenn sich ein neu­er Fotograf oder ein neu­er Bildkäufer über einen Affiliate-Link bei Dreamstime regis­triert hat, bekam der Verlinkende von den neu­en Fotografenumsätzen oder den Bildverkäufen eini­ge Prozente ab. Das ist immer noch so.

Was aber seit kur­zem anders ist: Während Dreamstime die­se Prozente bis­her – wie alle ande­ren Bildagenturen auch – aus eige­ner Tasche bezahlt hat, wer­den die­se jetzt den Fotografen abge­zo­gen, denn seit eini­gen Tagen steht auf die­ser Dreamstime-Seite:

For each tran­sac­tion, the pho­to­gra­pher recei­ves a 25–50 per­cent Revenue Share, which is cal­cu­la­ted based on the net sales amount for the tran­sac­tion, after refer­ral fees have been paid“ [Hervorhebung von mir]

Das heißt: Wer sich als Fotograf über einen Affiliate-Link bei Dreamstime regis­triert, bekommt die ers­ten drei Jahre weni­ger Geld, weil die Prozente für den „Empfehlenden“ vom neu­en Fotografen abge­zo­gen wer­den. Anders for­mu­liert: Wer sich als neu­er Fotograf über einen sol­chen Link regis­triert, ver­dient weni­ger Geld als wenn er sich direkt bei Dreamstime anmel­den wür­de.

Wenn sich ein Bildkäufer über einen Affiliate-Link bei Dreamstime regis­triert und ein Bild kauft, wer­den die Prozente für die­sen Bildkauf bei dem Fotografen abge­zo­gen, der das Bild anbie­tet.

Während vor­her Affiliate-Links zu Dreamstime eine coo­le Sache waren, weil alle Seiten etwas davon hat­ten, hat sich das jetzt geän­dert.

Deswegen hat sich Lee Torrens ent­schie­den, alle sei­ne Affiliate-Links zu Dreamstime zu ent­fer­nen.

Ich habe mich eben­falls dazu ent­schie­den und habe ges­tern die weni­gen Affiliate-Links zu Dreamstime von mei­nem Blog ent­fernt, weil ich nicht möch­te, dass die Leser, die auf mei­ne Links kli­cken, in irgend­ei­ner Form benach­tei­ligt wer­den.

Ich emp­feh­le auch, eben­falls die Affiliate-Links auf euren Blogs und Webseiten zu ent­fer­nen. Auch wer das Facebook-Promotion-Tool von Dreamstime benutzt, soll­te sich bewußt sein, dass er weni­ger für Verkäufe auf die­sem Weg bekommt als wenn er Verkäufer zu ande­ren Bildagenturen weist mit fai­ren Affiliate-Links.

 Was meint ihr? Welche Bildagentur hat das bes­te Affiliate-Programm?

Update 14.07.2012: Nur eine kur­ze Klarstellung: Bisher hat­te Dreamstime den Affiliate-Anteil aus eige­ner Tasche bezahlt, jetzt wird die­ser Anteil zwi­schen Dreamstime und den Fotografen geteilt, nicht kom­plett auf den Fotografen abge­wälzt. Das heißt, die Änderung ist trotz­dem zu Ungunsten der Fotografen, wes­halb ich bei der Entfernung der Links blei­be.

Update 17.07.2012: Der Dreamstime-Gründer und CEO Serban Enache hat in den Kommentaren zu Lees Artikel kri­ti­siert, dass die Informationen nicht ganz kor­rekt sei­en, aber zuge­ge­ben, dass die neue Formulierung auf der Webseite nicht ganz „klar“ sei­en. Bisher fand jedoch kei­ne Umformulierung auf deren Webseite statt.

Update 18.07.2012: Dreamstime hat jetzt offi­zi­ell bekannt gege­ben, dass die Änderung rück­gän­gig gemacht wird und alle Affiliate-Kosten wie­der kom­plett von Dreamstime getra­gen wer­den.

Die Microstock-Industrie im Jahr 2011 – Teil 3: Die Agentur-Seite

Vor eini­gen Wochen ver­öf­fent­lich­te mein geschätz­ter Microstock-Kollege Kzenon in sei­nem emp­feh­lens­wer­ten Blog eine Artikel-Serie über die Lage der Microstock-Industrie auf eng­li­sch. Mit sei­ner freund­li­chen Genehmigung ver­öf­fent­li­che ich in mei­nem Blog sei­ne Serie von mir ins Deutsche über­setzt. Letztes Mal gab es den zwei­ten Teil, davor den ers­ten und heu­te folgt der drit­te Teil:

Im zwei­ten Teil der Serie schau­ten wir uns an, wel­chen Herausforderungen die Fotografen in der Microstock-Industrie heu­te gegen­über­ste­hen. Lasst uns nun im drit­ten Teil über die Agenturen reden.

Was zuer­st auf­fällt, wenn man sich die Agenturen betrach­tet: Es gibt vie­le davon. Nicht so vie­le wie Fotografen natür­li­ch, aber nichts­des­to­trotz brau­chen sie einen USP (Unique Selling Point; Alleinstellungsmerkmal). Der war zwar schon immer nötig, aber in einem schnell wach­sen­den Markt konn­te das Fehlen einer guten Strategie oder eines Unterscheidungsmerkmals gut ver­bor­gen wer­den. Trotzdem schei­ter­ten vie­le Bildagenturen und der Druck, her­aus­zu­ra­gen wird noch schlim­mer wer­den.


Eine Antwort auf die­se Herausforderung war und ist es viel­leicht immer noch, die Agentur mit dem nied­rigs­ten Preis zu sein. Aber lang­fris­tig kann man nicht nur über den Preis kon­kur­rie­ren (und tat­säch­li­ch ver­lang­samt sich der Lauf nach dem nied­rigs­ten Preis), weil kein Geschäft über­le­ben kann, wenn der Preis sei­ner Produkte gegen Null ten­diert. Außerdem wer­den die Fotografen pro­fes­sio­nel­ler und bau­en sich eige­ne Alleinstellungsmerkmale auf, wes­halb Microstock auf der (zuge­ge­be­ner­ma­ßen klei­nen) guten Seite weni­ger eine Massenware sein wird als es frü­her war. Es wird einen Kampf um gute Talente geben und die­ser kann nicht ohne eine fai­re Bezahlung gewon­nen wer­den.

Deshalb müs­sen ande­re Wege als Preissenkungen und das Zurückfahren von Fotografenanteilen gefun­den wer­den. Wie immer sind die­se Wege grob gesagt Inhalts- und Kundenmanagement.

  1. Ein offen­sicht­li­ches Beispiel ist der Weg der exklu­si­ven Inhalte. Das wird für eine Weile funk­tio­nie­ren. Die Gefahr ist nur bei einer immer stei­gen­den Anzahl Bilder, dass es immer mög­li­ch ist, gute Fotos auch woan­ders zu fin­den. Das Konzept mag trotz­dem funk­tio­nie­ren (wenn auch nicht so gut wie vor­her), weil es mit nur einer exklu­si­ven Quelle, um ein Bild run­ter­zu­la­den, für Kunden ein­fa­cher zu kon­trol­lie­ren ist, wie oft ein Bild schon her­un­ter­ge­la­den und even­tu­ell genutzt wur­de – viel­leicht auch von der Konkurrenz. Eine Bildagentur, die es schafft, vie­le exklu­si­ve Inhalte zu einem guten Preis zu ver­kau­fen, kann viel­leicht auch talen­tier­te Fotografen anlo­cken, die nach einem Weg suchen, sich von der Last der Bilderverwaltung zu befrei­en und sich stär­ker auf das Fotografieren und Bildbearbeiten kon­zen­trie­ren wol­len. Deshalb erwar­te noch här­te­re Versuche von Agenturen, ihren Fotografenstamm zu zemen­tie­ren.
  2. Agenturen wer­den wei­ter nach mehr Inhalten und ande­ren Arten von Inhalten suchen. Nichtsdestotrotz wird eine Zeit kom­men, in der die schie­re Masse an Inhalten ihren Reiz ver­liert. Mit 15 oder 20 Millionen Bildern auf Lager sehen wei­te­re 500.000 Bilder für die gro­ßen Agenturen nicht so erstre­bens­wert aus wie es noch vor drei Jahren der Fall war. Deshalb wird es in Zukunft eine stär­ke­re Segmentierung bei der Art der Inhalte geben. Einige Agenturen füh­ren die Herde an mit einem vol­len Set an Medieninhalten wie redak­tio­nel­len und kom­mer­zi­el­len Fotos, Illustrationen, Musik, Videos, Programmcode-Schnipseln und so wei­ter. Diesen Agenturen wird gefolgt wer­den. Jede Agentur, die es aus dem Stand schafft, sol­ch ein vol­les Set an Medientypen anzu­bie­ten, zeigt immer auch, dass sie in der Lage ist, ein kom­ple­xes IT-System am Laufen zu hal­ten, was dafür not­wen­dig ist. Das nen­ne ich Vertrauen auf­bau­en.
  3. Ein ande­rer viel­ver­spre­chen­der Weg, viel­leicht der Königsweg, ist es, sei­ne Bilder den Kunden zugäng­li­cher zu machen. Das bedeu­tet, die bes­te Unterteilung zu haben, die bes­ten Ranking-Algorithmen, die bes­te Muster- und Farberkennung und die best­mög­li­che Kontrolle über Bildbeschreibungen und die Suchbegriffe. Agenturen gehen schon die­sen Weg. Die bes­ten Bildagenturen haben schon jetzt Ranking-Algorithmen, die sen­si­bel auf Suchbegriffe reagie­ren – was ein gro­ßer Schritt nach vor­ne ist – und erlau­ben eine gro­ße Auswahl an Möglichkeiten, die Suchergebnisse zu fil­tern und zu sor­tie­ren. Trotzdem haben nur sehr weni­ge Agenturen eine rich­ti­ge gute Begriffsklärung bei mehr­deu­ti­gen Suchwörtern oder ein halb­wegs zuver­läs­si­ges Übersetzungssystem. Weiterhin gibt es noch bes­se­re Wege, um zwi­schen Haupt-Suchbegriffen und weni­ger wich­ti­gen Suchwörtern zu unter­schei­den. Zu die­sem wich­ti­gen Thema kann noch viel geschrie­ben wer­den und es ist sicher eine nähe­re Betrachtung in einem spä­te­ren Blog-Artikel wert.
  4. Wo wir bei Segmentierung und Differenzierung sind: Einige Agenturen begin­nen zu ver­ste­hen, dass es tat­säch­li­ch ver­schie­de­ne Werte für ver­schie­de­ne Inhalte gibt. Einige Premium-Fotos soll­ten ein­fach nicht zu tra­di­tio­nel­len Microstock-Preisen ver­kauft wer­den, obwohl sie per­fekt als lizenz­freie Bilder ver­kauft wer­den kön­nen. Deshalb wer­den Premium-Kollektionen in Zukunft zuneh­men.
  5. Aktive Inhalte-Entwicklung als Gegensatz zur Methode „Einfach war­ten und gucken, was uns die Fotografen anbie­ten“, wird eine grö­ße­re Rolle spie­len. Lokale Bilder müs­sen ange­lockt wer­den und da soll­te man nicht nur „China, Korea und Brasilien“ den­ken, son­dern zum Beispiel auch „Oktoberfest“. Ich bin davon über­zeugt, dass mit­tel­fris­tig „Inhalte-Entwicklung“ auch „Inhalte-Überwachung“ bedeu­tet, oder weni­ger euphe­mis­ti­sch for­mu­liert: Die pein­li­chen Bilder der Anfangszeit müs­sen end­li­ch aus­sor­tiert wer­den. Und davon gibt es eine gan­ze Menge.
  6. Agenturen müs­sen zukünf­tig wei­ter ver­su­chen, neue Märkte zu erschlie­ßen. Es gibt unglaub­li­ch vie­le Märkte da drau­ßen, die kaum ange­fasst wur­den und nur dar­auf war­ten, beackert zu wer­den.
  7. Bildagenturen schei­nen die Idee nicht zu mögen, ihre Bildlieferanten als Geschäftspartner zu sehen. Langfristig lässt sich das jedoch nicht ver­mei­den, sie als sol­che zu behan­deln, wenn die Agenturen gute Talente hal­ten wol­len. Dafür müs­sen sie den Fotografen auch viel bes­se­re Mitgliedsbereiche geben. Ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Richtung wäre ein zwei­ge­teil­ter Mitgliedsbereich, einer für das Editieren von Inhalten, einer für die finan­zi­el­len Belange. So wäre es mög­li­ch, dass ein Fotograf sei­ne Bildbearbeitung oder Verschlagwortung aus­la­gert und trotz­dem die Kontrolle über sei­ne Finanzen behält. Es ist eine Schande, dass das heut­zu­ta­ge bei den meis­ten Agenturen nicht mög­li­ch ist. Dazu kommt, dass die Werkzeuge, wel­che die Bildagenturen den Fotografen bie­ten, um ihre Verkäufe zu ana­ly­sie­ren, gelin­de gesagt ein Witz sind.
  8. Es gibt noch vie­le ande­re Dinge zu tun oder zu berück­sich­ti­gen. Ach, am Ende des Tages müs­sen auch Agenturen ihre Marketing–Gelder sinn­voll ein­set­zen. Das mag nach einer Banalität klin­gen, aber es ist trotz­dem wahr: Sei cool und erzäh­le den ande­ren davon auf eine Art und Weise, die glaub­haft ist.

Rezension: Die neuen Marketing- und PR-Regeln im Web 2.0 von David Scott Meerman

Klappern gehört zum Handwerk. Auch für Fotografen gilt, dass nicht unbe­dingt die tech­ni­sch bes­ten am bes­ten von ihrem Beruf leben kön­nen, son­dern die, wel­che sich am bes­ten zu ver­mark­ten wis­sen. Deswegen ver­wun­dert es nicht, dass ich auch ab und zu Marketing-Bücher lese und vor­stel­le.

Wer sich fragt, nach wel­chen Regeln ich mei­ne Präsenz im Internet ver­fol­ge, fin­det die­se gut for­mu­liert im Buch „Die neu­en Marketing- und PR-Regeln im Web 2.0″* mit dem Untertitel „Wie sie im Social Web News Releases, Blogs, Podcasting und vira­les Marketing nut­zen, um ihre Kunden zu errei­chen“ von David Meerman Scott. Nach dem Erfolg der ers­ten Auflage ist jetzt die 2. aktua­li­sier­te Auflage im mitp-Verlag für 24,95 Euro erhält­li­ch.


Vor allem für Fotografen, wel­che sich ihr Geschäft neu auf­bau­en oder bis­her im Internet nur pas­siv als Leser unter­wegs waren, fasst das Buch als ers­tes zusam­men, wie sich die klas­si­sche Marketing-Methoden tat­säch­li­ch von denen im Internet unter­schei­den. Einige der wich­tigs­ten Unterschiede sind zum Beispiel, dass die Zielgruppenansprache im Web viel genau­er gesche­hen kann und auch muss, dass die Adressaten viel bes­ser aktiv ein­ge­bun­den wer­den kön­nen und dass eine Fixierung auf Mainstream-Medien nicht mehr nötig, ja, manch­mal sogar kon­tra­pro­duk­tiv sein kann, wenn dadurch Ressourcen an ande­rer Stelle feh­len.

Konkret für Fotografen könn­te das bedeu­ten, dass bei­spiels­wei­se ein Hochzeitsfotograf oft mehr davon hat, sich aktiv in Hochzeitsforen zu betei­li­gen und sei­ne Webseite für regio­na­le Suchmachinen zu opti­mie­ren als von einem Interview mit ihm ein einer bun­des­wei­ten Tageszeitung.

Der Autor erklärt, wie man im Netz für Kunden schreibt, wel­che Marketing-Möglichkeiten Foren, Blogs, Wikis, Podcasts, Pressemitteilungen und Suchmaschinen bie­ten und rei­chert das mit vie­len Beispielen an. Er sagt auch, dass nicht für jeden jede Möglichkeiten gleich pas­send ist. Beispielsweise habe ich kei­nen Podcast und höre auch fast kei­ne, weil Fotografie für mich ein visu­el­les Medium ist, was sich schwer in eine rei­ne Audioform gie­ßen lässt.

Um kein Missverständnis auf­kom­men zu las­sen: Da ich eine jour­na­lis­ti­sche Vorgeschichte habe, hat­te ich die Vorgehensweisen, die im Buch gut beschrie­ben wer­den, schon vor­her ver­in­ner­licht. Die meis­ten Inhalte des Buchs waren nicht neu für mich, trotz­dem wür­de ich ihnen zustim­men. Da ich mit mei­nem Blog auch von Interesse für Marketing-Verantwortliche bin und neben­bei für eine Musikseite schrei­be, an die vie­le Musik-Promoter ihre Wünsche rich­ten, weiß ich, dass heu­te noch vie­le Leute, die etwas bewer­ben wol­len, im Internet die glei­chen Fehler machen. Im Buch steht, wie gen­au die­se Fehler ver­mie­den wer­den kön­nen.

Wer sich schon etwas inten­si­ver mit Internet-Marketing beschäf­tigt hat oder sich gut mit Social-Media-Dynamik aus­kennt, wird im Buch kaum Neues fin­den. Es rich­tet sich vor allem an Einsteiger. Wer aber bis­her kei­ne Strategie hat, wie er als Fotograf sei­ne Kunden im Internet fin­den und umwer­ben kann, dem wird die­ses Buch gut wei­ter­hel­fen. Da Stockfotografen nur begrenzt Kontakt mit den Käufern ihrer Bilder haben, ist für die­se das Buch nicht ganz so hilf­reich, wie es für Fotografen ist, die wirk­li­ch selbst Kundenaquise betrei­ben.

Disclaimer: Mein Buch „Stockfotografie“* erschien eben­falls im mitp-Verlag.

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