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Wie läuft ein Foto-Shooting ab? Mein Business-Team-Shooting als Beispiel

Wow, es ist schon ein dreiviertel Jahr her.

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist vor allem eins in Erinnerung geblieben bei meinem letzten großen Shooting: Die brütende Hitze in Köln, bei der ich die Models genötigt hatte, trotzdem langärmelige Hemden zu tragen und in einem unklimatisierten Büro herumzusitzen.

Diskussion in einem dynamischen Business Team mit Tablet Computer im Freien

„Großes Shooting“ heißt für mich: Ein Shooting mit mehr als 6 Models, in diesem 7 Models, mit dabei im Hintergrund meine Kollegin Jasmin, welche vor allem Videos gemacht hat sowie ein Assistent.

Die Idee

Uns standen einige Schulungsräume in Köln zur Verfügung, welche leer relativ unspektakulär wirken. Gefüllt mit vielen Models jedoch ergibt das einige glaubwürdige Business-Situationen, die wir darstellen wollten. Die Räume hatten den weiteren Vorteil, dass sie ebenerdig waren, wir konnten also nicht nur innen, sondern auch draußen vor der Tür fotografieren und somit die spiegelnden Glasfassaden nutzen.

Junge Business Frau surft mit ihrem Tablet PC im Internet und nutzt Apps

Die Models

Geplant waren acht Models, es gab leider eine kurzfristige Absage, was wir bei der Anzahl der gebuchten Models jedoch berücksichtigt hatten. Mit fast allen Models hatte ich schon – oft mehrmals – zusammengearbeitet, ich wusste also, dass ich mich auf sie verlassen konnte.

Business Team bei Planung der Finanzen mit Tablet PC am Tisch

Die Gruppe sollte bunt gemischt sein, sowohl vom Alter, den Haarfarben und Geschlechtern. Das ist uns ganz gut gelungen, leider ist uns der multikulturelle Touch durch die Absage des afrikanischstämmigen Models verloren gegangen.

Den Models habe ich einige Kleidungsvorschläge mitgegeben, damit deren Kleidung während des Shootings gut zusammenpassen wird.

Das Thema

Das Thema des Shootings war „Business-Team“ und wegen der Hitze haben wir auf die Jackets, Anzüge und Krawatten verzichtet. Das war eine gute Entscheidung, finde ich, weil die Bilder dadurch trotz der Business-Atmosphäre locker und weniger formal wirken.

Die Requisiten

Zur Vorbereitung hat meine fleißige Assistentin unzählige generische Balkendiagramme, Tortendiagramme, Tabellen, Kursverläufe und andere statistische Spielereien erstellt, die jedoch auf echten Daten basieren, damit sie auch realistisch aussehen. Wer genau hinschaut, sieht sogar meine Modelverträge, welche die Models gleich vor laufender Kamera ausfüllen konnten.

Tisch im Büro mit Händen und vielen Dokumenten von oben

Die Models wurden gebeten, wenn vorhanden, ihre Tablet Computer, Aktenmappen etc. mitzubringen und wir haben selbst alle unsere Tablets, Laptops und einen großen Packen neutralisierter Kugelschreiber eingepackt. Neutralisiert heißt, dass wir vorher alle Logos, Markennamen etc. von den Geräten entfernt haben, damit die Bilder später leichter zu retuschieren sind.

Die Technik

Zum Einsatz kam meine bewährte Kombination aus Canon 5D Mark III*, als Objektiv das Arbeitstier 24-70 mm f2.8 II von Canon*, zwei externe Speedlites* mit passender Lastolite-Softbox* und diversem Zubehör. Die genaue Zusammenstellung für das entfesselte Blitzen könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Foto: Tim E. Klein
Foto: Tim E. Klein

Um das Licht noch besser lenken zu können, war mein treuer California Sunbounce in der Größe Mini* in der Silber/Weiß-Bespannung dabei und auch hilfreich. Vor Ort konnten wir auch eine Leiter nutzen für einige Bilder:

Geschäftsleute stehen als dynamisches Team in einer Formation

Die Aufnahme-Daten

Am häufigsten kam die Brennweite im Bereich 40-50mm zum Einsatz, gefolgt von den beiden Extremen 24mm und 70mm. ISO-Wert war fast immer ISO 200, Belichtungszeit war meist 1/125 Sekunde. Als Blende habe ich meist Blende f/5.0 bis f/7.1 gewählt.

Entgegen meiner Predigt, dass sich Hoch- und Querformat-Bilder die Waage halten sollten, habe ich diesmal fast nur horizontal gearbeitet, was sicher auch daran liegt, dass sich dieses Format bei Gruppen einfach anbietet, wenn ich die Leute nicht übereinander stapeln will.

Voller Einsatz, hier mit einem Ringflash-Adapter (Foto: Tim E. Klein)
Voller Einsatz, hier mit einem Ringflash-Adapter (Foto: Tim E. Klein)

Vor dem Shooting

Einen Tag vor dem Shooting haben Jasmin und ich alle Bilder von den Wänden gehängt und die Tische und Stühle so angeordnet, wie wir sie brauchen. Außerdem haben wir literweise Getränke im hauseigenen Kühlschrank gelagert, damit unsere Models am nächsten Tag bei der Hitze nicht dehydrieren.

Am Shootingtag habe ich die Models begrüßt, sie untereinander vorgestellt, falls sie sich noch nicht kannten und mir deren Kleidung zeigen lassen.

Jedes Model bekam eine Anweisung, welche Kleidung er oder sie anziehen solle sowie eine „Wechselkleidung“, welche sie ca. nach der Hälfte des Shootings auf mein Kommando wechseln sollten.

Gruppe Geschäftsleute im Kreis stapelt die Hände zur Motivation

In der Zwischenzeit haben wir mit dem Assistenten das Licht eingerichtet und die erste Szene mit Requisiten eingerichtet.

Das Shooting beginnt

Zuerst sollten die Models sich an den Tisch setzen und die Verträge unterschreiben. Dabei habe ich das Licht mit den Models getestet und gleich einige verkäufliche Fotos gemacht.

Danach habe ich vor allem Szenen vorgegeben (Vertragsverhandlung, etc.) und die Models untereinander agieren lassen. Zwischendurch habe ich aber manchmal auch ganz konkrete Aufstellungen vorgeben.

Wichtig ist es, immer die Augen offen zu halten. So durfte zum Beispiel ein Teil der Models zwischendurch Pause machen und als diese vor der Tür Smalltalk machten, sah das so gut aus, dass wir das danach gleich als nächste Szene übernommen haben.

Drei Geschäftsleute stehen im Gespräch miteinander in der Pause vor dem Büro

Zwischendurch habe ich auch einige Videos probiert, aber das habe ich schnell wieder Jasmin überlassen.

Mittags gab es eine halbe Stunde Pause, in der wir Pizza für alle geordert haben (merke: hungrige Models haben grimmige Gesichter). Danach kam der Kleidungswechsel und weiter ging’s.

An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank an alle Models und die anderen Beteiligten, die trotz über 35°C standhaft bei der Sache waren und sich die Anstrengung nicht haben anmerken lassen.

Nach dem Shooting

Jetzt beginnt der langweiligere Teil. Die Räume werden wieder hergerichtet, die leeren Flaschen abgegeben und die Daten doppelt gesichert.

Am nächsten Tag mit einer Nacht Schlaf dazwischen werden die Bilder gesichtet, sortiert und für die ausgewählten Bilder entwickelt und von RAW ins TIFF-Format umgewandelt. Meinen Capture-One Workflow dazu findet ihr hier.

Dann folgt die übliche Bildretusche, die Verschlagwortung und das Hochladen. Die Models erhalten alle eine DVD mit den fertigen Bildern sowie einige Abzüge (wie hier beschrieben).

Mittlerweile finden sich die Bilder vom Shooting auf Webseiten und in Werbematerial von Anwälten, Versicherungen, Medien, Unternehmungsberatungen, Weiterbildungsinstituten und so weiter.

Die fertigen Bilder

Die Bilder könnt ihr zum Beispiel bei Fotolia* oder Shutterstock* kaufen, die Videos auch. Zusätzlich habe ich ein einminütiges Showreel mit den besten Ergebnissen erstellt:

Was sagt ihr zu den Bildern?

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Making-Of: Supermarkt-Stockfoto-Shooting aus der Sicht eines Fotoassistenten

Meine Erfahrungsberichte von Shootings scheinen recht beliebt zu sein. Heute gibt es aber mal einen Erfahrungsbericht der anderen Art, da ich den Fotoassistent meines letzten Shootings gefragt habe, ob er nicht mal ein Shooting aus seiner Schild schildern will. Los geht’s:

Mein Name ist Markus Mainka und ich wohne in der Nähe von Stuttgart. Ich bin gelernter Verkehrsplaner und eines meiner Hobbys ist schon seit vielen Jahren Planespotting bzw. die Flugzeugfotografie. Meine Bilder kann man unter anderem hier betrachten. In den letzten Monaten habe ich auch vermehrt Fotos bei Microstock-Agenturen (vor allem Reise- und Food-Bilder) hochgeladen. Da die Anforderungen dort sich jedoch erheblich von der Flugzeugfotografie unterscheiden und ich mich auch an die People-Fotografie wagen will, habe ich Robert gefragt, ob ich ihm bei einem seiner Shootings assistieren darf, um einen Einblick in seine Arbeitsweise zu erhalten. Vor einigen Wochen war seine Assistentin verhindert und so sprang ich kurzfristig ein.

Die Location

Thema des Shootings war „Supermarkt“ und der Treffpunkt war um 6:30 Uhr vor einer bekannten Kölner Supermarktkette und zwar an einem Wochentag, so dass normaler Kundenverkehr herrschen würde und wir den Supermarkt somit nicht für uns alleine hatten, was aber erstaunlicherweise nur wenige Probleme mit sich brachte. Der frühe Beginn war wichtig, da unter der Woche morgens noch kein großer Andrang herrschte. Vor allem am späten Vormittag wurde es jedoch spürbar lebhafter.

Obwohl der Supermarkt sehr zentral liegt, ist er recht großzügig angelegt, mit Treppen, die ins untere Geschoss führen, so dass sich die Kunden einigermaßen verteilt haben. Vor allem der Eingangsbereich mit der Obst- und Gemüseabteilung bot sehr viel Platz zwischen den Regalen. So konnte man die Ausrüstung aufstellen und die Kunden konnten dennoch problemlos an uns vorbeikommen. Zudem gab es eine Drogerieabteilung, die auch in anderen Märkten normalerweise eher weniger frequentiert wird. Hier konnte man Bilder vor hohen Regalen schießen.

Die Teilnehmer

Am Shooting nahmen insgesamt vier Models teil, wobei Robert mit zwei von ihnen bereits zusammengearbeitet hat und ich sie von seinen früheren Bildern kannte. Mehr waren nicht nötig und bei den meisten Einstellungen kamen ohnehin nur jeweils zwei Models zum Einsatz. Lediglich bei den Bildern an der Kasse (Warteschlange) sind alle vier gleichzeitig zu sehen. Zudem war ein Art Director anwesend. Die Filialleitung erlaubte uns, den Mitarbeiterraum mitzubenutzen, so dass wir das nicht benötigte Equipment dort lassen konnten. Außerdem konnten sich die Models dort umziehen. Bevor es losging, wurde die von den Models mitgebrachte Kleidung für das Shooting ausgewählt und der Körperschmuck abgelegt.

Was mir sofort auffiel, war die Professionalität der Models, obwohl für alle das Modeln nur ein Hobby ist und sie hauptberuflich einer anderen Beschäftigung nachgehen bzw. studieren. So war es für sie kein Problem, auf Ansage zu lächeln oder eine andere Anweisung von Robert zu befolgen. Dadurch verlief das Shooting recht zügig und der Spaß kam dennoch nicht zu kurz.

Der Ablauf

Nach dem Aufbau der Ausrüstung und dem Umziehen der Models ging es direkt in den Verkaufsraum, wo wir nach dem Einstellen des Lichts und des Weißabgleichs sofort loslegten. Da – wie erwähnt – die Räumlichkeiten recht großzügig waren, gab es kaum Probleme mit dem normalen Kundenbetrieb. Und wenn ein Kunde doch mal genau dahin musste, wo wir gerade standen, war es auch kein Problem, das Shooting für ein paar Sekunden zu unterbrechen: der Supermarktkunde hat natürlich immer Vorrang vor unserem Shooting!

Ich hätte erwartet, dass uns mehr Einkäufer ansprechen würden, was wir da tun würden oder uns von weitem beobachten würden. Doch die meisten haben uns kaum beachtet, was sicherlich daran lag, dass sie lediglich schnell ihre Einkäufe erledigen wollten oder weil in der Medienstadt Köln Film- und Fotoaufnahmen keine Seltenheit sind. Ich bin mir sicher, dass dies in Stuttgart anders sein würde.

Als der Kundenstrom es zuließ, haben wir einige Szenen an der Kasse geschossen. Auch wenn es bei Stockbildern immer sehr schwierig ist, es vorher einzuschätzen, so meine ich, dass diese Fotos sich am besten vom ganzen Shooting verkaufen werden (zusammen mit dem Foto, das einen Marktleiter symbolisieren soll). Lustigerweise dachten einige Kunden, dass diese Kasse tatsächlich geöffnet war und stellten sich hinten an, obwohl eigentlich offensichtlich war, dass wir dort unsere Fotos schießen. Manche ließen sich selbst nach einem Hinweis nicht davon abbringen, weiter in der künstlichen Schlange zu stehen.

Ohne Pause haben wir eine Szene nach der anderen bis kurz vor 13 Uhr umgesetzt. Anschließend wurde der Papierkram (Model- und Property-Releases) erledigt und die Models bekamen ihr Honorar.

Die Requisiten

Es gab nur wenige Requisiten, die speziell für dieses Shooting besorgt wurden. Im Prinzip waren es lediglich die roten Kittel, die zum Einsatz kamen und eine Schiefertafel. Alle anderen hatten wir sowieso zur Hand, wie zum Beispiel Smartphones oder Geldscheine und EC-Karten.

Die Ausrüstung

Es kam wieder die bewährte mobile Ausrüstung von Robert zum Einsatz, die er zum Beispiel im Beitrag zum Universität-Shooting beschrieb. Abweichend davon wurden die Fotos jedoch mit der neuen Canon 5D Mark III* geschossen. Zudem wurde für manche Bilder das 50mm f1.8 Festbrennweiten-Objektiv* benutzt.

Der Einsatz des Canon Speedlite 580 EX II-Blitzes* an der großen Lastolite Ezybox* sorgte für einen minimalen Platzbedarf und ersparte uns die Suche nach einer Steckdose bei einem Locationwechsel. Hätten wir Studioblitze mit Netzanschluss benutzt, so bestünde zudem die Gefahr, dass Kunden über die Kabel stolpern. Von der anderen Seite wurden die Models mit dem Mini-Reflektor* von California Sunbounce aufgehellt. Zudem war selbstverständlich die Deckenbeleuchtung des Supermarktes eingeschaltet.

Die gerade geschossenen Bilder wurden an ein iPad* gesendet. So konnte man in Sekundenschnelle das Foto in großer Auflösung betrachten, die Schärfe kontrollieren und mögliche Fehler erkennen bzw. Verbesserungspotentiale sofort umsetzen.

Die Nachbereitung

Den größten Zeitaufwand wird wohl die Retusche der Markennamen und geschützten Logos in Anspruch nehmen – weniger in der Gemüseabteilung, dafür mehr bei den Drogeriefotos, auch wenn sich Robert durch die stark geöffnete Blende viel Retuschearbeit erspart hat. Im Bereich der Kasse gab es viel großformatige Werbung mit dem Logo des Marktes.

Das Fazit

Insgesamt hat Robert 800 bis 900 Fotos geschossen, von denen wohl so um die 100 in die verschiedenen Agenturen hochgeladen werden. Ich war erstaunt, wie man mit letztendlich einfachen Mitteln erstaunliche Ergebnisse abliefern kann. Doch in meinen Augen ist eigentlich nicht nur das Technische oder das Shooting-Thema hauptsächlich für den Erfolg verantwortlich, sondern es sind auch die Models. Wenn man Roberts Fotos von vor ein paar Jahren mit den heutigen vergleicht, so kann man – meine ich – auch eine deutliche Entwicklung bei der Auswahl der Models feststellen und dieser Eindruck hat sich vor Ort bestätigt. Bei der großen Auswahl an ähnlichen Motiven in den Datenbanken der Agenturen entscheidet wohl oft die Ausstrahlung eines Models darüber, warum sich ein Kunde für ein bestimmtes Foto entscheidet.

[Kleine Ergänzung von Robert: Die fertigen Bilder gibt es entweder einzeln über Westend61 zu kaufen oder gebündelt auf der VCD „At The Supermarket„.]

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Wie bereitet ihr euch auf große Shooting vor?

Making-Of eines Stock-Fotoshootings in Universität

Wie genau entstehen Stockfotos? Heute will ich euch wieder einen Einblick geben in die Arbeit, die hinter der Produktion einer Bildstrecke steht.


Die Idee

Um als Stockfotograf erfolgreich zu sein, gehört eine genaue Analyse des Marktes. Welche Motive verkaufen sich gut, welche Bilder verkaufe ich am meisten? Da mein Shooting in einer Uni-Bibliothek vor ca. drei Jahren sehr gut lief, entschied ich mich, ein ähnliches Shooting anzugehen, diesmal jedoch nicht in der Bibliothek, sondern in den Unterrichtsräumen einer Uni.


Die Location

Okay, eine Uni oder etwas vergleichbares sollte es sein. Ich suchte mir im Internet raus, welche Institutionen im Großraum Köln dafür in Frage kämen. Diese kontaktierte ich telefonisch und stellte meine Idee kurz vor. Einige lehnten direkt ab, mit anderen traf ich mich zu einem direkten Gespräch. Die Uni, mit der ich mich letztendlich einig wurde, hatte Häuser an verschiedenen Standorten, die ich bei einem zweiten Termin zusammen mit einem Uni-Mitarbeiter besuchte, um zu entscheiden, welche Räume für das Shooting am besten geeignet wären. Ich entschied mich für einen Raum im obersten Stockwerk in einer ehemaligen Altbau-Schule. Dieser hatte den Vorteil, dass die Räume und Fenster einerseits hoch und dadurch der Raum schön hell war, andererseits gab es einen sehr fotogenen Flur mit breiter Treppe, den ich ebenfalls für Fotos nutzen konnte.


Die Models

Mir war klar, dass ich für ein Uni-Shooting viele Leute bräuchte. Sonst sähe der Raum schnell zu leer aus und die Fotos würden nicht glaubhaft wirken. Außerdem wollte ich versuchen, nicht nur europäische Models auszuwählen, sondern einen multikulturellen Look zu bekommen. Ich entschied mich dafür, zehn Models zu buchen. Neun Studierende und eine ältere Person, die den Lehrer oder Dozenten mimen sollte. Das gestaltete sich sogar viel schwieriger als die jungen Personen zu finden. Fünf der eingeladenen Models waren Leute, mit denen ich schon ein Shooting gemacht hatte. Das sollte das Risiko minimieren, dass zu viele Models kurzfristig abspringen. Letztendlich hat nur ein Model krankheitsbedingt abgesagt, was aber bei der Menge der Models mit einkalkuliert war.

Die Requisiten

Für die Auswahl der Requisiten habe ich mir vorher viele andere Uni-Fotos angeschaut, um zu sehen, was benötigt wird. Hauptsächlich waren das Hefte, Hefter, Stifte, Laptops und Handys. Die Schreibwaren kaufte ich vorher ein, entfernte etwaige Logos und Text, die Stifte nahm ich aus meinem Requisitenschrank und für die Laptops und Handys bat ich die Models, ihre Geräte mitzubringen, wenn vorhanden. Außerdem war die Universität so freundlich, mir einige hippe Apple-Geräte aus dem Rechenzentrum auszuleihen, die ich in den Hintergrund stellen konnte. Das war übrigsens der anstrengendste Teil des gesamten Shootings: Die Transportkisten mit drei Rechnern drei Stockwerke hoch in unseren Raum zu schleppen.


Die Technik

Für das Shooting kam eine sehr mobile Variante meines Equipments zum Einsatz. Als Kamera wie immer die Canon 5D Mark II, dazu zur Hälfte das 24-70mm f2.8 Objektiv* und zur anderen Hälfte die 85mm f1.2 Festbrennweite. Neben dem Tageslicht von draußen sorgte ein Canon Speedlite 580 EX II-Blitz* an der großen Lastolite Ezybox* für Aufhellung, manchmal auch oder stattdessen der California Sunbounce Mini*-Reflektor. Der Blitz wurde drahtlos mit den PocketWizard MiniTT1-Funkauslösern* gezündet und um die Gefahr von Verwacklungen zu reduzieren, kam mein Manfrotto Monopod* zum Tragen.


Das Shooting

Das Shooting selbst wurde für 10 Uhr angesetzt, ich war schon ab 9 Uhr vor Ort, um zusammen mit meiner Assistentin des Tages, der hilfreichen Gabi WehZet (die in ihrem Blog sicher auch bald was über das Shooting schreiben wird), das Licht aufzubauen und die Geräte nach oben zu wuchten. Gabi war übrigens auch so nett, einige Making-of-Fotos zu machen, die hier im Artikel eingestreut sind. Kurz vor zehn Uhr trudelten die ersten Models ein, die einen eigenen Raum für ihre Sachen und zum Umziehen bekamen. Ich ließ mir die mitgebrachte Kleidung jeweils kurz zeigen und suchte mir etwas aus, damit die Farben insgesamt gut zusammen passten.


Ca. 10:15 Uhr begann ich mit den ersten Models zu fotografieren, während die letzten nach am Umziehen waren. Am zeitaufwändigsten waren die Anweisungen an die Models. Wenn fünf oder mehr Leute im Bild sind, musste ich den Personen nacheinander ihre Kommandos geben oder Rollen zuweisen (wie „flüstere bitte mal mit Deinem Banknachbarn“) und gleichzeitig darauf achten, dass am Schluss das erste Model ebenfalls immer noch richtig posierte. Außerdem setzte ich die Models ständig um, damit ich möglichst viele Varianten auf den Bildern haben konnte.


Der Dozent kam auf den Fotos weniger zum Einsatz als ursprünglich geplant, aber ich hatte Glück, denn er muss in seinem Hauptberuf viele Präsentationen halten und deshalb konnte er, auch wenn er mal nicht im Bild war, mit seinem Vortrag die Blicke der Studenten auf sich lenken, damit die Bilder natürlicher wirkten. Alle jungen Models, die nicht im Vordergrund waren, wurden auf Plätze im Hintergrund verteilt, damit der Raum voller wirkt.


Mittags gab es eine Pizza-Pause mit Cola und fünf Pizzen vom Lieferdienst, danach sollten die meisten Models einen Kleidungswechsel machen und weiter ging es mit Fotos im Treppenhaus. Das war jedoch dunkler als gedacht, weshalb wir dann ca. 14:30 Uhr das Shooting beendeten und mit dem Abbauen begannen.


Die Nachbearbeitung

Am Ende des Tages hatte ich 350 Fotos auf meiner Speicherkarte, von denen ich ca. 115 für die Bildagenturen auswählte. Bearbeitet wurden die Bilder nur minimal, der Hauptteil bestand aus einer Anpassung von Sättigung, Helligkeit und Kontrast, der Rest war Retusche von den Logos und Markennamen auf den Computern.


Das Ergebnis

Das Shooting ist seit einem guten halben Jahr bei den Bildagenturen zum Verkauf und hat insgesamt schon über 6000 Downloads erzielt. Die Verkäufe setzten vor allem nach ca. zwei Monaten ein, vorher dachte ich fast, die Bilder würde niemand haben wollen. Aber es brauchte seine Zeit, bis sich die Bestseller herauskristallisierten, die jetzt mehrere hundert Downloads haben.

Was sagt ihr zu den Fotos? Wie würdet ihr so ein Shooting umsetzen?

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Tutorial: Fotos von rauchenden Glühbirnen machen

Der letzte Gastbeitrag von Daniel über die Entstehung beeindruckender Tropfenfotos kam sehr gut an. Deswegen freue ich mich, dass Daniel bereit war, auch zu diesen genialen Fotos von rauchenden Glühbirnen ein Making-Of zu schreiben. Das Foto hier ihr auch bei Fotolia und es ist von der Redaktion auf 500px.com ausgewählt worden und hat bereits über 12500 Klicks:

Mein Name ist Daniel Nimmervoll, einige kennen mich vielleicht schon durch das Tutorial von den Wassertropfen-Fotos.

Meine Glühbirnen-Aufnahmen sind jedoch wesentlich einfacher zu realisieren als die Wassertropfen-Aufnahmen. Alle diese Fotos habe ich im Mai 2009 gemacht, damals wollte ich meine neue Studioausrüstung testen. Meine Studioblitze kamen so zum ersten Mal zum Einsatz.

Der Aufbau:

Das Schwierigste ist, das im Glas keine störenden Reflexionen sichtbar sind. Deshalb habe ich hier ein Lichtzelt genommen und links und rechts davon je einen Studioblitz mit einer kleinen Softbox gestellt. Die Glühbirne habe ich in eine Baustellenfassung eingeschraubt, die mittels Dimmer in der Helligkeit geregelt werden kann.


Die Vorbereitung:

Zuerst einmal: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, das gewisse Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden müssen! Eine Schutzbrille sowie schnittfeste Kleidung und Handschuhe sind Pflicht.

Wie bekommt man Risse in das Glas, sodass der Wolframdraht frei liegt?

Ich habe dazu die Glühbirne mit einer Zange an der Fassung genommen, dann mit einem Lötbrenner* die Glühbirne so lange angeheizt, bis das Glas schmilzt und das Gas entweicht. (Vorsicht: Gibt eine Stichflamme!) Danach wird die Glühbirne schnell unter kaltes fließendes Wasser gehalten, was man am besten vorher schon aufgedreht hat. Dadurch zerspringt das Glas. Als nächstes habe ich mit einer kleinen Zange vorsichtig die einzelnen Glaselemente entfernt, um den Wolframdraht frei zu legen.


Auch das Foto ist über Fotolia erhältlich.

Das Shooting:

Die präparierte Glühbirne vorsichtig in die Fassung schrauben. Kamera, Licht, alle Einstellungen nochmal überprüfen. Den Dimmer auf ganz dunkel drehen. Dadurch glüht der Draht 1-2 Sekunden länger und nicht ganz so hell, sonst wäre er überbelichtet. Ohne das Gas, was normalerweise in den Glühbirnen drinnen ist, glüht die Birne nämlich weitaus heller.
Wenn alles kontrolliert wurde, einen Fernauslöser in die eine Hand und in die andere den Einschalter für die Glühbirne nehmen.

Glühbirne einschalten. Der Wolframdraht beginnt jetzt sofort zu glühen und zu rauchen. Nach ca. einer halben Sekunde das erste Foto machen und je nachdem, wie schnell die Blitze wieder einsatzbereit sind, kann man eventuell noch ein zweites Foto machen. Nach max. zwei Sekunden ist der Wolfgramdraht verglüht. Am längsten brennen die 100-Watt-Birnen.

Als Objektiv kam ein 50mm-Objektiv (wirkt bedingt durch Crop-Faktor der Kamera wie ein 75mm-Objektiv) zum Einsatz bei ISO 100 und Blende 9 und einer Verschlusszeit von 1/125 Sekunde.


Danach habe ich noch ein Foto von der Fassung gemacht. Wichtig ist, dass das Foto an gleicher Stelle mit dem selben Licht aufgenommen wird, damit es danach bei der Fotomontage von der Perspektive und Beleuchtung her passt und echt wirkt.

Zusätzlich habe ich noch einige Farbexperimenten probiert. Bisschen kreativ darf man da schon sein. So habe ich bei dem Foto mit dem roten Rauch vor die Blitze eine rote Farbfolie gehangen. Das Foto mit dem blauen Rauch ist komplett in Photoshop entstanden.


Mehr Bilder und Infos findet ihr auf meiner Webseite www.nimmervoll.org. Falls Ihr Fragen habt, dann immer her damit in den Kommentaren. Ich werde versuchen, diese zu beantworten. [Update:] Außerdem gibt es von mir jetzt das Buch „Highspeed Fotografie„* mit viel mehr Tipps zum Thema.

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Tutorial: Drei einfache Licht-Setups mit 2-3 Blitzen im Studio

Wie schon erwähnt habe ich auf der ersten Microstock Expo 2011 in Berlin einige Artikel-Ideen bekommen.

Der Stockfotograf Luis Alvarez hatte bei der MEXPO auch ein Beauty-Shooting organisiert. Einige Blog-Leser kennen ihn vielleicht schon von seinem Gastbeitrag „Tutorial für Blitzaufbau bei Portraits im Hip Hop Look“ oder von seinem Statistik-Service Stock Performer. Luis hat mir erlaubt, die drei Licht-Setups vom Shooting vorstellen zu dürfen.

Das erste Set mit der langhaarigen Aljona ist ziemlich einfach und der Aufbau wird so ähnlich gerne in den Hochglanz-Modemagazinen verwendet, weil er mit minimalen Mitteln einen coolen Look erzeugt. Hier seht ihr zuerst eins der fertigen Fotos. Mehr Fotos könnt ihr hier sehen und auch kaufen*.


Das Model steht auf einer dunkelgrauen Hintergrundrolle, die mit einem Normalreflektor angeblitzt wird. Dieser Blitz erzeugt den weißen Kreis im Hintergrund. Die Stärke des Blitzes regelt logischerweise die Helligkeit des weißen Kreises. Als Hauptlicht dient ein sehr hoch stehender Blitz mit Beauty Dish, der ganz leicht nach links versetzt ist. Die Höhe des Blitzes ist wichtig, damit die Haare oben auch etwas Licht abbekommen.

Den genauen Aufbau und die tatsächliche Höhe des Beauty Dish seht ihr auf dem Setup-Foto unten hinten.


Im Vordergrund seht ihr den Set-Aufbau für das zweite Model, die bezaubernde Yolanda. Hier wieder eins der fertigen Fotos, mehr davon sind hier erhältlich*.

Obwohl bei diesem Blitzaufbau drei Blitze benutzt werden, ist das Setup noch einfach als das erste, denn alle Blitze sind nur mit Normalreflektoren ausgestattet.  Der Hauptblitz steht direkt auf der Sichtachse des Models hinter und über dem Fotografen. Für die Lichtkanten (auch „rim light“ genannt) an den Armen und im Gesicht des Models sorgen zwei weitere Blitze, die ca. im 30°-Winkel hinter dem Model stehen, aber tiefer montiert sind als das Hauptlicht. Das Setup-Foto oben sollte da keine Fragen offen lassen. Eine wichtige Rolle spielt auch der farblich auf das Model abgestimmte Hintergrundkarton, damit die Fotos stimmig wirken.

Das dritte und letzte Setup wurde für die blonde Valerie eingerichtet. Hier eins der fertigen Fotos, mehr davon gibt es wieder hier zu sehen*.


Der Aufbau ist fast identisch mit meinem normalen Lichtaufbau, den ich im Studio nutze. Im Unterschied zu meinem Aufbau setzt Luis jedoch auf einen grauen Hintergrund. Als Hauptlicht dient eine große Octobox von schräg rechts. Direkt auf der anderen Seite des Models sorgt ein Blitz mit einer vertikalen Softbox (ein sogenanntes „Strip-Light„) wieder für die Lichtkante am Arm und Haar des Models, wobei ich die Lichtstärke nachträglich gesehen etwas runtergeregelt hätte.

Unten im Bild seht ihr noch mal die genaue Aufstellung der Blitze und als Bonus den Profi-Microstocker Andres Rodriguez bei der Arbeit.


Wer noch mehr Material sehen will, findet im Blog von Gerhard Seybert weitere Fotos und ein „Behind The Scenes“-Video und auch bei den offiziellen Videos* ist etwas vom Shooting zu sehen.

Ich finde, dass diese drei Setup-Beispiele gut zeigen, wie mit relativ einfachen Mitteln und meist nur durch eine Änderung der Blitzposition und der Hintergrundfarbe ein ganz anderer Stil auf den Fotos erzeugt werden kann. Um alle Sets nachzubauen, braucht man nur drei Blitzköpfe, ein Hintergrundsystem mit drei Hintergrundkartons, ein Beauty Dish, eine Octobox und ein Strip-Light. Notfalls kann für den Anfang auch auf die Lichtformer und den dritten Blitz und die verschiedenen Hintergründe verzichtet werden.

Jetzt seid ihr dran: Welcher der drei Looks gefällt euch am besten? Warum?

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