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Es gibt keine geheimen Bildagenturen (oder doch?)

Ab und zu wer­de ich gefragt, wel­che Bildagenturen ich emp­feh­len kön­ne. Oder ob ich eine Bildagentur ken­nen wür­de, wel­che für die­ses oder jenes Thema beson­ders geeig­net sei.

Fotografin mit Kamera und ComputerIch kom­me mir da oft blöd vor bei mei­ner Antwort, denn: „Es gibt kei­ne gehei­men Bildagenturen!

Was meine ich damit?

Den Bildermarkt tei­len sich vor allem eine klei­ne Handvoll gro­ßer Bildagenturen, die jedoch in der Regel selbst den Anfängern schon bekannt sind. Oft belie­fern die Neulinge schon 5–6 Agenturen und ver­su­chen, durch die Belieferung wei­te­rer Agenturen noch mehr Geld zu ver­die­nen. Das führt jedoch sel­ten zum Erfolg, weil eben jene 5–6 Agenturen schon mit Abstand den Löwenanteil der Umsätze erwirt­schaf­ten, die rea­lis­ti­sch zu erwar­ten sind.

Im Microstock–Bereich sind das: Fotolia, Shutterstock, 123rf und iSto­ck. In zwei­ter Reihe fol­gen viel­leicht noch Dreamstime, Bigstock und eini­ge ande­re, die ich nicht aus­pro­biert habe oder emp­feh­len wür­de. Vollständiger ist die­se Umsatz-Übersicht.

Im Macrostock–Bereich gibt es Getty Images, viel­leicht noch Alamy und dann ganz lan­ge… nichts. Corbis, jah­re­lang größ­ter Rivale von Getty, exis­tiert prak­ti­sch nicht mehr und die vie­len klei­nen, inha­ber­ge­führ­ten Bildagenturen ver­die­nen mitt­ler­wei­le ihren größ­ten Umsatzanteil eben­falls über Getty Images und ggf. die Premium-Kollektionen der Microstock-Agenturen wie Offset (Shutterstock) oder Infinite (Fotolia). In die­sem Bereich ist es des­halb wich­tig, zu wis­sen, ob die­se Vertriebskanäle von der jewei­li­gen Agentur belie­fert wer­den oder nicht. Ich selbst habe zum Beispiel eini­ge Bilder bei Westend61 und Stockfood, ver­kauft wer­den sie vor allem von Getty oder Fotolia.

Die meis­ten Fotografen schei­nen es ähn­li­ch zu sehen: Kürzlich hat­te ich hier mei­ne Facebook-Follower gefragt, bei wel­chen Agenturen sie den meis­ten Umsatz machen wür­den und – mit ganz weni­gen Ausnahmen – wur­den aus­schließ­li­ch schon im Artikel genann­ten Agenturen erwähnt.

Die Ausnahmen wie Stocksy oder Pond5 erklä­ren sich so: Stocksy hat zwar durch eine eige­ne Bildsprache eine pro­fi­ta­ble Nische in der Branche gefun­den, durch die sehr restrik­ti­ve Fotografenselektion mit Aufnahmebeschränkung bringt es jedoch nichts, die­se ande­ren Fotografen zu emp­feh­len. Pond5 ist haupt­säch­li­ch für Leute pro­fi­ta­bel, wel­che Videos ver­kau­fen und hier soll es heu­te eher um Fotos gehen.

Auch Empfehlungen für „Spezialagenturen“ fal­len mir schwer. Das Thema hat ja zwei Seiten: Welche Agentur inter­es­siert sich für mei­ne Bilder und wel­che ver­kauft sie am bes­ten? Die Antwort ist lei­der nicht immer deckungs­gleich. Zwar gibt es für vie­le sehr spe­zi­el­le Themen Nischen-Bildagenturen, aber viel Umsatz machen dort noch weni­ger Fotografen als bei den „Universal-Agenturen“. Das liegt unter ande­rem auch dar­an, dass die gro­ßen Microstock-Agenturen wie Shutterstock oder Fotolia mit ihren mehr als 50 Millionen Bildern selbst zu den Nischenthemen mitt­ler­wei­le oft mehr Bilder im Angebot haben als die Nischenagentur selbst.

Kurzes Beispiel: Zum Suchbegriff „Salat“ lie­fert Fotolia über 900.000 Treffer, Shutterstock über eine Million und die Food-Bildagentur Stockfood nur knapp 35.000. Das heißt, die Universalagenturen haben mehr als 25x so vie­le Bilder im Angebot.

Hier kön­nen sich die Nischenagenturen nur mit einem extre­men Service und unglaub­li­chem Detailwissen über Wasser hal­ten, indem die Food-Agenturen bei­spiels­wei­se neben den Fotos auch die dazu pas­sen­den Rezepte lie­fern kön­nen oder Tier-Bildagenturen garan­tie­ren kön­nen, dass die Fotos der gezeig­ten Tiere auch in jedem Fall zu den latei­ni­schen Namen pas­sen.

Wie viele Agenturen sollte ich nun beliefern?

Ich bin der Meinung, dass die Belieferung von 6–7 Agenturen voll­kom­men aus­rei­chend ist. Vor fünf Jahren noch habe ich über 14 Agenturen belie­fert, im Laufe der letz­ten Jahre sind davon sind eini­ge wie Coverpicture oder Digitalstock auf­ge­kauft wor­den, ande­re wie Waldhäusl oder Polylooks wur­den geschlos­sen.

Wer nüch­tern betrach­tet den Zeitaufwand für das Hochladen der Bilder mit den erziel­ten Erträgen in Relation setzt, wird mer­ken, dass er bei der sieb­ten Agenturen schon meist drauf­zahlt, wenn er sei­nen Stundenlohn ver­nünf­tig ansetzt. Neben den 6–7 „klas­si­schen“ Agenturen belie­fe­re ich mitt­ler­wei­le nur noch eini­ge aus­ge­wähl­te Agenturen wie zum Beispiel Zoonar, weil ich deren 80% Fotografenkommission unter­stüt­zens­wert fin­de oder Agenturen wie Canva mit einem neu­en, erfolgs­ver­spre­chen­den Geschäftsmodell, deren Mitarbeiter ich per­sön­li­ch ken­ne.

Zwar ist der Zeitaufwand für das Hochladen mit­tels Tools wie Picworkflow o.ä. gerin­ger gewor­den, aber auch die­se Dienste ver­lan­gen meist Geld. Dazu kommt, dass mit der sehr brei­ten Streuung des eige­nen Portfolios auch ein Kontrollverlust ein­her­geht. Die brei­te Streuung macht es ungleich schwe­rer, Urheberrechtsverstöße zu kon­trol­lie­ren. Auch steigt so der Preisdruck, weil irgend­ei­ne Agentur die nied­rigs­ten Preise anbie­ten will und ande­re Agenturen dann mit­zie­hen wol­len oder müs­sen. Ähnliches gilt für die Kommissionen der Fotografen.

Andererseits bestärkt eine Limitierung auf die ohne­hin schon umsatz­stärks­ten Bildagenturen die Konzentration am Markt, was zur Bildung eines Oligopols füh­ren könn­te, bei dem die Anbieter eben­falls einen Nachteil haben. Für mich über­wie­gen jedoch die Vorteile der limi­tier­ten Streuung.

Wie seht ihr das?

Das Sterben der kleinen Bildagenturen wird weitergehen

Zum Jahresanfang habe ich mich hin­ge­setzt und mei­ne Zahlen etwas aus­führ­li­cher ana­ly­siert.

Diesmal ging es vor allem um die Performance der vie­len klei­nen Bildagenturen, die ich par­al­lel zu den „Big Playern“ im Microstock-Business belie­fe­re. Gibt es eine Veränderung bei den klei­nen Agenturen? Ins Positive oder Negative?

Dazu habe ich die umfang­rei­che Liste mei­ner eige­nen Umsatzzahlen zur Hilfe genom­men.

Meine Liste umfasst aktu­ell 37 Agenturen, die ich im Laufe der Jahre belie­fert habe. Dazu zäh­len auch zwei Agenturen, die ich dop­pelt mit unter­schied­li­chem Material zu ver­schie­de­nen Preispunkten (Micro/Macro) belie­fert habe bzw. hat­te sowie mein mitt­ler­wei­le auf­ge­ge­be­ner eige­ner Bildershop. Außerdem sind da noch eini­ge Agenturen ent­hal­ten, wel­che schon längst nicht mehr auf dem Markt sind, zum Beispiel StockXpert, Polylooks oder Fotocent.

Weggelassen habe ich außer­dem Agenturen, wel­che ich nur mit Videos belie­fe­re (z.B. Pond5, Revostock oder Clipcanvas) sowie Agenturen, wel­che ich erst seit weni­ger als fünf Jahren belie­fe­re (z.B. Canva, Mostphotos oder Alamy).

Übrig geblie­ben ist eine Liste mit 20 Agenturen. Ich habe lan­ge über­legt, ob ich kon­kre­te Namen oder Zahlen nen­ne, aber mich aus ver­schie­de­nen Gründen dage­gen ent­schie­den. Die Motivation, mei­ne Umsatzzahlen nicht mehr zu nen­nen, habe ich hier dar­ge­legt und da die Kurven eini­ger Agenturen nicht zu posi­tiv aus­se­hen, möch­te ich nicht noch mal einen Rechtsstreit vom Zaun bre­chen.

Ich fin­de jedoch, dass die Diagramme trotz­dem eine gewis­se Aussagekraft haben.

Wichtig war mir, lang­fris­ti­ge Trends zu erken­nen, ohne von sai­so­na­len Ausreißern wie dem Weihnachtsgeschäft oder der Sommerflaute abge­lenkt zu wer­den. Deswegen habe ich von jeder Agentur den Monatsumsatz als Jahresmittelwert genom­men, also wie viel Geld ich bei die­ser Agentur über das Jahr gerech­net (und durch zwölf geteilt) ein­ge­nom­men habe.

Insgesamt sieht das dann so aus:

jahresschnitt-alle-agenturenDas Pareto-Prinzip ist hier sofort erkenn­bar. Zwei der zwan­zig Agenturen lie­fern den größ­ten Teil mei­ner Umsätze. Da es ohne­hin kein gro­ßes Geheimnis ist, kann ich die bei­den Namen auch nen­nen: Fotolia* (grün) und Shutterstock* (lila). Leider ver­zer­ren die bei­den Ausreißer nach oben die Aussagekraft, wes­halb ich die bei­den Agenturen in der fol­gen­den Grafik weg­ge­las­sen habe:

jahresschnitt-ohne-ft-shsSchon bes­ser. Die rest­li­chen 18 Agenturen sind fast alle als Linie zu erken­nen. Die bei­den Ausreißer nach oben dies­mal sind Dreamstime* (tür­kis) und 123rf* (gelb).

Wenn wir die­se weg­las­sen, ver­tei­len sich die rest­li­chen 16 Agenturen so:

jahresschnitt-ohne-ft-shs-dt-123rf

Endlich kommt Licht in das, was auf der ers­ten Grafik noch wie ein dicker bun­ter Strang aus­sah. Gut zu erken­nen ist, dass fast alle der 16 Agenturen müh­sam vor sich hin vege­tie­ren oder ganz klar jedes Jahr weni­ger Umsatz für mich erwirt­schaf­ten. Es gibt nur zwei Ausnahmen: Die hell­graue Linie (wur­de vor eini­gen Jahren von einer gro­ßen Agentur auf­ge­kauft) sowie die oran­ge­ne Linie, die sich müh­sam auf den drit­ten (bzw. ins­ge­samt sieb­ten Platz) hoch­ge­ar­bei­tet hat. Auch die­se Agentur gehört einer ande­ren gro­ßen Agentur.

Fairerweise muss ich an die­ser Stelle ein­wer­fen, dass ich bei eini­gen die­ser Agenturen das Hochladen von Bildern schon eine Weile ein­ge­stellt habe, weil der zeit­li­che Aufwand grö­ßer war als der Umsatz auf die­ser Seite. Eine gleich­blei­ben­de Portfolio-Größe wird in der Microstock-Branche oft als Faktor für einen lang­fris­ti­gen Umsatzrückgang gewer­tet, weil die Bilder „ver­al­ten“ und irgend­wann weni­ger gekauft wer­den.

Wenn ich die­se neun Agenturen eben­falls ent­fer­ne, blei­ben sie­ben Agenturen übrig und das Diagramm sieht so aus:

jahresschnitt-ohne-ft-shs-dt-123rf-und-no-uploader

Egal wel­che der letz­ten bei­den Grafiken ich mir anse­he, sie sehen bei­de trau­rig aus. Vor allem, wenn man im Hinterkopf hat, dass sich bei jeder die­ser 7 Agenturen mein Bildbestand min­des­tens ver­dop­pelt, in eini­gen Fällen sogar mehr als ver­zehn­facht hat. Wer als Agentur mit einem zehn­fa­chen Bildbestand trotz­dem fünf Jahre lang umsatz­mä­ßig sta­gniert, wird auch in Zukunft kei­ne rosi­gen Zeiten erwar­ten kön­nen.

Eine der neun nicht mehr belie­fer­ten Agenturen, die öster­rei­chi­sche Agentur Waldhäusl, hat im April 2014 den Betrieb ein­stel­len müs­sen und eine ande­re Agentur die­ser neun wur­de eben­falls 2014 von einer ande­ren Bildagentur auf­ge­kauft und geschlos­sen. Vor weni­gen Wochen wur­de bekannt gege­ben, dass eine der rest­li­chen sie­ben Agenturen in den kom­men­den Monaten das glei­che Schicksal erei­len wird.

Was sagt mir das?

Für mich sind die Zeichen ein­deu­tig: Die klei­nen Bildagenturen ster­ben weg!

Die vier gro­ßen Agenturen haben alle über 30 Millionen Bilder im Portfolio, die wei­te­ren Agenturen mit einem posi­ti­ven Trend haben alle eine ande­re gro­ße Agentur im Rücken. Der Rest erwirt­schaf­tet nur nied­ri­ge drei- oder sogar nur zwei­stel­li­ge Beträge im Monat mit mei­nen teils über 10.000 Fotos. Da ich weiß, dass ich damit in der Regel zu den oberen 10% der Bildlieferanten gehö­re, kann ich über den Daumen gepeilt ver­mu­ten, dass die Gesamtumsätze der jewei­li­gen Bildagenturen beschei­den sind. Da wun­de­re ich mich manch­mal, wie die Agenturen teil­wei­se zwei Geschäftsführer oder Eigentümer bezah­len kön­nen.

Teilweise fin­de ich die mäßi­ge Performance scha­de, weil ich weiß, wie viel Herzblut die Agenturinhaber in ihre Agenturen ste­cken. Nüchtern betrach­tet erleich­tert es mir aber mei­ne Arbeit, mei­ne Bilder nicht mehr bei 15 oder 20 Agenturen zu streu­en, son­dern sich auf die zehn umsatz­stärks­ten zu kon­zen­trie­ren.

Ich ver­mu­te stark, dann in die­sem und dem nächs­ten Jahr noch eini­ge der Agenturen aus den letz­ten bei­den Grafiken den Betrieb ein­stel­len wer­den oder von ande­ren Agenturen über­nom­men wer­den. Erst ges­tern kam zum Beispiel die Info rein, dass Mauritius Images, vor­mals eine der gro­ßen deut­schen Agenturen, vom in der Szene eher unbe­kann­ten Stefan Ploghaus auf­ge­kauft wur­de.

Zwar habe ich in der Vergangenheit viel Zeit (und damit auch Geld) in den Aufbau mei­nes Portfolios bei klei­nen Agenturen gesteckt, aber mitt­ler­wei­le ist es mir lie­ber, wenn weni­ger Agenturen mei­ne Bilder ver­trei­ben, weil es neben der Zeitersparnis auch das Risiko von unse­riö­sen Partneragenturen oder undurch­sich­ti­gen Deals mit ande­ren Agenturen ver­rin­gert. Deshalb wer­de ich in den nächs­ten Monaten begin­nen, mei­ne Bilder aus eini­gen Agenturen abzu­zie­hen und die Accounts schlie­ßen zu las­sen.

Was sind eure Erfahrungen? Wie schätzt ihr die Entwicklung ein?

* Affiliate

Frag den Fotograf: Geld verdienen mit Fotos trotz Centpreisen?

Bei die­ser Frage per Email habe ich kurz über­legt, ob ich sie ein­fach löschen sol­le. Dann aber dach­te ich dar­an, dass ich mir noch vor fünf Jahren fast das Gleiche gedacht habe und des­halb will ich die Frage ernst­haft beant­wor­ten.

Hallo Robert,

ich beschäf­ti­ge mich erst seit kur­zem mit der Stockfotografie. Was ich mich die gan­ze Zeit fra­ge ist: Wie soll man denn einen Gewinn erzie­len, wenn man pro gekauf­ten Foto nur weni­ge Cent ver­dient, aber einem Model bei­spiels­wei­se 70€ bezahlt?

Hoffe Du kann­st mir hel­fen?

Beste Grüße,
Dominik“

Zunächst ein­mal: Die „weni­gen Cent“ sind oft eher ein Argument von Microstock-Hassern, wel­che selbst kaum Fotos anbie­ten. Ich habe hier mei­ne durch­schnitt­li­chen Umsätze pro Fotoverkauf auf­ge­lis­tet. Die fünf größ­ten Microstock-Agenturen zusam­men (Shutterstock, Fotolia, iStock­pho­to, Dreamstime, 123rf) brin­gen im Schnitt 0,81 Euro pro Bildverkauf. Das liegt zwar immer noch im Centbereich. aber „weni­ge Cent“ sind das für mich nicht.

Doch selbst wenn wir anneh­men, Dominik hät­te gefragt, wie man Gewinn erzielt, wenn man pro Fotoverkauf nur einen Euro bekommt, bleibt sei­ne Frage berech­tigt.

Kann man mit Stockfotos Geld ver­die­nen? Ja, das habe ich regel­mä­ßig gezeigt, auch wenn das eini­ge anzwei­feln.

Wenn man einem Model 70 Euro zahlt, hängt es natür­li­ch auch davon ab, wel­che Motive man mit die­sem Model umsetzt und wie vie­le Bilder man online stel­len kann. Wer aus einem Model-Shooting nur 10 Bilder hoch­la­den kann, braucht pro Bild 8–9 Verkäufe, nur um die Modelkosten zu decken. Wer aus dem Shooting jedoch 50 Bilder holen kann, braucht nur knapp 2 Verkäufe pro Bild.

Ich selbst neh­me aus einem Model-Shooting im Schnitt ca. 100 Bilder mit, die ich ver­kau­fen kann. Da brau­che ich dann weni­ger als einen Verkauf pro Bild, um die Modelkosten zu decken. Viel wahr­schein­li­cher ist jedoch, dass eines der 100 Bilder zu sei­nem Bestseller wird, der sich eini­ge hun­dert Mal ver­kauft. Diese Chance ist bei 100 hoch­ge­la­de­nen Bildern natür­li­ch höher als bei 10 Bildern aus dem Shooting.

Es geht aber auch anders­rum. Ich habe letz­ten Monat bei einer Makrostockagentur ein Foto von einem Bauern bei der Ernte an eine Fernsehzeitschrift ver­kauft. Dafür habe ich 307 Euro Honorar bekom­men. Dieser Verkauf allein hat die Modelkosten locker gedeckt. Und bei die­sem Shooting habe 40 Bilder im Verkauf.

Gerne neh­me ich bei sol­chen Fragen auch einen ande­ren Vergleich: Ein Kilo Zucker kos­tet im Handel ca. einen Euro. Daran ver­die­nen min­des­tens der Hersteller und der Händler. Ich selbst wäre bei wei­tem nicht in der Lage, für einen Euro Zuckerrüben anzu­pflan­zen, die­se zu gie­ßen, dün­gen, dann zu ern­ten, rei­ni­gen, zer­klei­nern, ver­damp­fen, kris­tal­li­sie­ren und raf­fi­nie­ren. Selbst ohne Verpackung und Transport wür­de mich all das deut­li­ch mehr als den einen Euro kos­ten.

Aber wie­so ver­die­nen dann zwei Firmen (Hersteller und Händler) trotz­dem dar­an. Die Masse macht’s. Durch Automatisierung und gro­ße Mengen wird selbst die Produktion von „Centartikeln“ lukra­tiv. Da unter­schei­det sich der Microstock-Markt kaum von ande­ren Massenmärkten. Der größ­te Unterschied ist viel­leicht, dass es bei Microstock-Agenturen ein­fach ist, auch als Anfänger weni­ge Fotos unter­zu­brin­gen. Solange aus den weni­gen Bildern aber kei­ne „Masse“ wird, kann der Fotograf durch sei­ne Fixkosten (Kamera, Computer, etc.) dar­an nichts ver­die­nen.

Was sagt ihr? Wie erklärt ihr jeman­den, dass sich auch der Verkauf zu Centbeträgen loh­nen kann?

Das Ende vom Microstock? Gründe für Yuris Ausstieg

Es war wie­der ganz schön was los: Vor paar Tagen hat sich der bekann­tes­te Microstock-Fotograf Yuri Arcurs der Welt in sei­nem Blog über die Hintergründe zu sei­ner kürz­li­ch bekannt gewor­de­nen „Exklusivität“ mit Getty Images geäu­ßert. Außerdem ver­riet er Details zu sei­ner eben­falls kürz­li­ch bekannt gewor­de­nen Millionen-Investition in eine Start-Up-Firma im Bereich der Smartphone-Fotografie.

Blogeintrag von Yuri Arcurs

Yuris Artikel wur­de – auch wegen sei­ner arro­gan­ten und zyni­schen Schreibweise – in der Microstock-Szene hef­tig dis­ku­tiert.

In den Diskussionen stand jedoch stark die Person Yuri im Vordergrund und zwei inhalt­li­che Themen gin­gen dabei etwas unter. Beide Themen will ich in zwei Artikeln näher beleuch­ten. Zum einen die Gründe, die zu sei­ner Abkehr von der Microstock-Branche geführt haben und zum ande­ren sei­ne Vermutungen über die Zukunft des Bildermarkts in Zeiten der Handy- und Smartphone-Kameras.

Der Anfang

Werfen wir – stark ver­kürzt – einen Blick in die Vergangenheit. Bis unge­fähr zur Jahrtausendwende war der Handel mit Bildrechten und Fotolizenzen fest in der Hand gro­ßer Bildagenturen, allen vor­an Getty Images, Corbis und Jupiter Images. Diese ver­kauf­ten die Bildechte übli­cher­wei­se für drei- bis vier­stel­li­ge Summen. Bei Interesse ist das hier aus­führ­li­cher nach­les­bar. Innerhalb von nur zehn Jahren gelang es einer klei­nen Gruppe von neu­en Bildagenturen, die­sen Markt kom­plett auf­zu­mi­schen und einen gro­ßen Marktanteil zu gewin­nen. Das geschah haupt­säch­li­ch über den Preis, hat­te aber auch ande­re Gründe.

Die bei­den Hauptfaktoren für den schnel­len Aufstieg der neu­en, „Microstock“ genann­ten, Agenturen waren die zuneh­men­de Verbreitung und Verbesserung des Internets und der Umstieg auf die Digitalfotografie.

Früher muss­ten die Fotografen der alten Agenturen, jetzt im Kontrast „Macrostock“ genannt, ihre Fotos rich­tig auf Filmmaterial belich­ten, dann wur­den Dias erstellt, Agenturen mach­ten teu­re Kopien die­se Dias, druck­ten dicke (eben­falls teu­re) Kataloge mit ihren Bildern, ver­schick­ten die­se gra­tis an ihre Kunden, lie­fer­ten bei Motivwünschen der Bildkäufer die Dia-Kopien per Postexpress, die Rechnung wur­de als Brief ver­sen­det und so wei­ter. kurz: Es war ein zeit­auf­wän­di­ges, arbeits­in­ten­si­ves, aber auch lukra­ti­ves Geschäft.

Als Fotograf war es nicht leicht, in die­se Bildagenturen auf­ge­nom­men zu wer­den. einer­seits war die not­wen­di­ge Kameraausrüstung vor eini­gen Jahren deut­li­ch teu­rer und sie erfor­der­te Auch mehr Fachwissen, weil Belichtungsfehler nicht nach­träg­li­ch digi­tal kor­ri­giert wer­den konn­ten. Für die Agenturen war auch de Betreuungsaufwand groß, wes­halb am liebs­ten Fotografen genom­men wur­den, die tech­ni­sch gute Bilder regel­mä­ßig lie­fern konn­te – nahe­zu ein K.O.-Kriterium für Hobbyfotografen.

Als Kunde mus­s­te man damals mit den hohen Preisen der Bildagenturen zurecht­kom­men. Es gab nur die Alternative, einen Auftrag an einen pro­fes­sio­nel­len Fotografen zu ver­ge­ben, was eben­falls schnell Kosten im vier­stel­li­gen Bereich oder sogar mehr ver­ur­sacht hät­te. Dadurch wur­den vor allem klei­ne Web-Designer und so wei­ter von der Nutzung der Agenturbilder aus­ge­schlos­sen.

Der Wandel

Die neu­en Microstock-Agenturen pro­fi­tier­ten von einem neu ent­ste­hen­den Dreiklang: Immer mehr Leute besa­ßen ers­tens Digitalkameras, die das Fotografieren deut­li­ch erleich­ter­ten. Immerhin sah man sofort auf dem Bildschirm, ob ein Foto gelun­gen war oder nicht und wei­te­re Versuche kos­te­ten auch kein Geld durch Filme und Filmentwicklung. Zweitens konn­ten die­se digi­ta­len Daten durch ein schnel­le­res Internet (DSL-Ausbau etc.) und Flatrates schnell und güns­tig um die Welt geschickt wer­den. Drittens waren auch vie­le Bildkäufer bereit, Abstriche bei der Bildqualität zu machen, um eini­ge hun­dert Euro beim Fotokauf spa­ren zu kön­nen.

Das Internet sorg­te ja nicht nur für den Vertrieb der Bilder, son­dern all die neu­en Blogs, Webseiten, Foren und so wei­ter brauch­ten ja auch Bilder, für die kaum jemand bereit war, drei­stel­li­ge Summen aus­zu­ge­ben, wenn die Fotos in Briefmarkengröße einen kurz­le­bi­gen Artikel illus­trie­ren sol­len. Damit hät­ten sogar vie­le Macrostock-Agenturen leben kön­nen. Womit Microstock den Bildermarkt in die Knie gezwun­gen hat, waren auch die (zu) bil­li­gen Print-Lizenzen für Druckgrößen. Das habe ich auch schon hier und hier vor über drei Jahren geschrie­ben.

Dazu kommt, dass die Microstock-Agenturen sich mehr als Technik-Dienstleister sahen denn als „Bildrechte-Verwerter“. Die jun­gen Agenturen ver­schlank­ten die Arbeitsabläufe sehr stark, indem zum Beispiel Geld im Voraus bezahlt wer­den mus­s­te (das erspar­te das Mahnwesen und ver­ein­fach­te die Rechnungsstellung). Auch vie­le ande­re Prozesse wie die Bildbeschriftung und Verschlagwortung wur­de den Fotografen auf­ge­bür­det, was wei­te­re Kosten spar­te. Auch der Kunden- und Fotografenkontakt wur­de haupt­säch­li­ch über Email, Foren und Blogs betrie­ben. Alle die­se Maßnahmen sorg­ten für eine deut­li­ch güns­ti­ge­re Betriebsführung, die es auch ermög­lich­te, trotz sehr nied­ri­ger Preise Profit zu erwirt­schaf­ten.

Anfangs hat­ten die Microstock-Agenturen nur Fotos mit schlech­te­rer Bildqualität, weil einer­seits die Digitalkameras gegen­über Analogkameras noch etwas auf­zu­ho­len hat­ten, aber die DSLR-Technik hol­te hier schnell auf. Schwieriger war die Motivauswahl und Bildsprache, weil anfangs die Profi-Fotografen bei den Macrostock-Agenturen unter Vertrag waren und nicht ein­sa­hen, war­um sie ihre Fotos für ein Hundertstel (oder weni­ger) des bis­he­ri­gen Preises ver­kau­fen soll­ten. Deshalb war­ben die Microstock-Agenturen stark um Amateurfotografen, die oft wenig Kenntnisse von den Wünschen der Bildkunden hat­ten.

Yuri kommt ins Spiel

2005 fing dann einer die­ser Amateurfotografen an, eben­falls bei den Microstock-Agenturen Bilder zu ver­kau­fen. Der Däne Jacob Wackerhausen, bes­ser bekannt als Yuri Arcurs, lud wäh­rend sei­nes Psychologie-Studiums die ers­ten Fotos hoch. Ende 2005 hat­te er ca. 500 Bilder von Freunden und sich selbst online und sein Budget pro Fotoshooting war ca. 50 US-Dollar. Er war also einer der vie­len Hobby-Fotografen, die jedoch schnell ihr Hobby zum Beruf mach­ten. Yuri lernt anhand der öffent­li­ch ein­seh­ba­ren Statistiken schnell, wel­che Motive sich bes­ser ver­kau­fen als ande­re, wel­che Models gefrag­ter sind und rich­tet sei­ne Shootings kon­se­quent dar­auf aus. Außerdem ver­bes­sert er sei­ne Technik. Von einer Canon EOS 350D mit 8 Megapixeln zu einer Canon EOS-1Ds Mark II mit 16,7 Megapixeln.

Yuri steigt (zu) hoch hin­aus

Innerhalb von nur acht Jahren steigt sein Portfolio bis 2013 auf knapp 100.000 Bilder an, sei­ne Firma beschäf­tigt über 100 Mitarbeiter und er ver­dient deut­li­ch mehr als drei Millionen im Jahr. Als Kamera arbei­tet er mit – gespon­sor­ten – H3D-II-39s von Hasselblad und Profoto-Licht. Jetzt fängt aber sein Problem an. Schon 2009 hat­te er ca. 10.000 US-Dollar Ausgaben pro Fotoshooting und 2010 gab er über 150.000 US-Dollar allein für Model-Honorare aus. Ein Shooting auf den Malediven kos­te­te ihn 2012 ca. 80.000 US-Dollar, bei dem er ca. 1500 ver­käuf­li­che Bilder erhielt. Das macht über 53 Dollar pro Bild. Mit die­ser Summe hat­te er anfangs ein gan­zes Fotoshooting bezahlt.

Microstock kann aber nur lukra­tiv sein, wenn man es schafft, Bilder güns­tig zu pro­du­zie­ren, weil sie eben auch bil­lig ver­kauft wer­den. Man kann gut Geld mit Microstock-Fotos ver­die­nen, wenn die Motive oft genug ver­kauft wer­den. Das ist aber zum Beispiel bei mei­nen 10.000 Bildern ein­fa­cher als mit Yuris 100.000 Fotos, weil man sich irgend­wann selbst Konkurrenz macht. Natürlich kau­fen die Kunden lie­ber Premium-Qualität zum Discount-Preis. Oder in Yuris Worten: „Sometimes it felt like having a miche­lin restau­rant insi­de a bur­ger joint and at the same time having to match the pri­ces. At some point the pro­fes­sio­nal gets tired of sel­ling 12 cour­se tes­ting menues at 0300AM at bur­ger pri­ces.

Das war die Zwickmühle: Amateure trie­ben die Preise nach unten. Profis muss­ten sich anpas­sen und mit­ma­chen, um über­le­ben zu kön­nen, was wie­der­um die Qualität der Microstock-Bilder schnell stei­ger­te. Die Amateurfotografen, die pfif­fig und gut genug waren, wur­den eben­falls schnell zu Profis und lie­fer­ten kon­stant gute Qualität. Das ging eine Weile gut und zeig­te, dass ein­fa­che Aufnahme wie frei­ge­stell­tes Obst bei­spiels­wei­se von den Macrostock-Aufnahmen „etwas über­teu­ert“ ange­bo­ten wur­de.

Die rich­tig auf­wän­di­gen Shootings, wie ein Business-Meeting, eine Mehr-Generationen-Familie beim Sonntagsessen oder Behinderten-Sportler beim Wettkampf, waren und sind teu­er in der Produktion. Solche Fotoshootings loh­nen sich im Microstock nur, wenn die Motive so oft nach­ge­fragt wer­den, dass auch bei den gerin­gen Preisen die hohen Investitionen wie­der rein­kom­men. Bei Shootings, die mehr als 10.000 Euro kos­ten, wird es irgend­wann jedoch im Microstock-Bereich schwie­rig, egal, wie gut und nach­ge­fragt die Motive sind.

Yuris Entscheidung

Yuri hat das in den letz­ten Jahren anschei­nend gemerkt. Er hät­te die Möglichkeit gehabt, wie­der güns­ti­ger zu pro­du­zie­ren, was bei sei­nen auf­ge­bläh­ten Fixkosten (gro­ße Studios, fest­an­ge­stell­te Mitarbeiter, etc.) schwie­rig ist. Selbst sei­ne Kameras behin­dern ihn da. Zwar darf er stolz dar­auf sein, dass er von der Firma Hasselblad die teu­ren Mittelformat-Kameras umson­st bekommt, aber der Workflow hin­ten­dran mit teu­re­ren Rechnern, mehr Speicherplatz, mehr Upload-Bandbreite etc. wird sicher nicht mit finan­ziert.

Yuri hat sich für die ande­re Variante ent­schie­den: Er geht exklu­siv zum Marktführer, in der Hoffnung, dass die­ser höhe­re Preise für sei­ne Bilder erzie­len kann. Die Chancen ste­hen nicht schlecht, denn die Bildqualität und Motive lie­fert er und Getty Images hat als Macrostock-Agentur Erfahrung mit hohen Verkaufspreisen. Im Grunde ist das der logi­sche Zirkelschluss: Wenn die Microstock-Fotografen so gut wer­den, dass sie Macrostock-Qualität und –Motive lie­fern, soll­ten sie zu einer Macrostock-Agentur gehen.

Yuris Entscheidung ist damit mit­nich­ten der Anfang vom Ende der Microstock-Fotografie, wie er selbst kokett andeu­tet. Es ist nur die Einsicht, dass das eige­ne Geschäftsmodell zu dem Vertriebsmodell pas­sen muss. Yuri hat in der Vergangenheit sei­ne Bilder an alle Agenturen gelie­fert, die bei drei nicht auf den Bäumen waren. Weil er auch vie­le neue, klei­ne Bildagenturen belie­fer­te, die selbst die bil­li­gen Microstock-Agenturen im Preis drü­cken woll­ten, trug er mit zum Preisverfall bei. Sein Ausstieg aus die­sem Hamsterrad bringt den ande­ren gro­ßen Produktionsfirmen wie WaveBreakMedia oder Monkey Business oder Pressmaster sicher eini­ge Monate Spielraum nach oben, aber auch die­se wer­den sich dann ent­schei­den müs­sen, ob sie lie­ber die Kosten nied­rig hal­ten oder die Qualität stei­gern wol­len.

Einige Parallelen

Etwas ängst­li­ch beob­ach­te ich bei mir eini­ge Parallelen. Meine ers­ten Shootings haben mich eben­falls jeweils ca. 50 Euro gekos­tet, aber in den letz­ten zwei Jahren habe ich mich auch ab und zu erwischt, wie ich eini­ge Male mehr als 1.000 Euro für ein Shooting aus­ge­ge­ben habe. Bisher haben sich die­se Ausgaben gelohnt, aber ich muss auf­pas­sen, dass sich die­se Spirale nicht wei­ter nach oben dreht. Auch mei­ne Technik ist bes­ser und teu­rer gewor­den, wobei mitt­ler­wei­le viel­leicht sogar mein Handy aus­rei­chen wür­de, um ver­käuf­li­che Microstock-Bilder zu schie­ßen.

Aber dazu kom­men wir im zwei­ten Teil des Artikels…

Was sagt ihr? Wohin geht die Reise?

Der typische Umsatz-Zyklus eines Microstock-Bildes

Zahlen sind eine wich­ti­ge Sache. Die meis­ten Stockfotografen, die ich ken­ne, foto­gra­fie­ren nicht für Bildagenturen, weil sie sich da künst­le­ri­sch beson­ders gut aus­drü­cken kön­nen, son­dern weil sie mit ihren Fotos Geld ver­die­nen wol­len. Umso wich­ti­ger ist es, eini­ge Kennzahlen zu ken­nen, mit denen der eige­ne Umsatz bes­ser ana­ly­siert und damit auch pro­gnos­ti­ziert wer­den kann.

Ein sehr hilf­rei­ches Tool in die­ser Hinsicht ist Stock Performer, ein Analysedienst, der mitt­ler­wei­le die Verkäufe, Umsätze und ande­re wich­ti­ge Kennzahlen eines Fotografen für fünf Microstock-Agenturen (Shutterstock, Fotolia, iStock­pho­to, Dreamstime und 123rf) aus­wer­tet und den ich hier aus­führ­li­ch getes­tet habe.

Luis Alvarez, einer der bei­den Köpfe hin­ter Stock Performer, hat vor weni­gen Wochen anhand sei­nes eige­nen Portfolios den typi­schen Lebenszyklus eines Microstock-Bildes vor­ge­stellt. Jedes Portfolio ist aber anders und da Luis zum Beispiel exklu­siv bei iStock­pho­to ist, wäh­rend ich die­se Agentur nicht mehr belie­fe­re, sehen mei­ne Zahlen viel­leicht ganz anders aus. Luis war so freund­li­ch, basie­rend auf den rea­len Verkäufen und mei­nen bis­he­ri­gen Umsätzen den typi­schen Umsatzzyklus mei­ner Microstock-Bilder zu berech­nen. Das Ergebnis sieht gra­fi­sch so aus:

In der Grafik sehr ihr, wie viel ich im Durchschnitt mit einem Microstock-Bild bei den vier Agenturen pro Monat ver­die­ne, gerech­net vom Zeitpunkt des Hochladens. Nach einem star­ken Einstieg im zwei­ten Monat errei­chen mei­ne Bilder ihre finan­zi­el­le Hochzeit vom 9. bis zum 16. Monat. Danach geht es kon­ti­nu­ier­li­ch berg­ab und das Bild pen­delt sich bei ca. einem hal­ben Euro pro Monat ein. Grundsätzlich ist die Kurve ver­gleich­bar mit der von Luis, auch wenn sei­ne höher ansteigt, aber auch schnel­ler abfällt. Im Grunde wer­den aber die meis­ten Microstock-Fotografen eine ähn­li­che Kurve bei ihren Bildern vor­fin­den, je nach Motiv höchs­tens unter­schied­li­ch hoch.

Der Lebenszyklus in Zahlen

Wer die Werte oben zusam­men­zählt, soll­te auf ins­ge­samt 61 US-Dollar kom­men, die ein Bild pro Jahr bei den vier genann­ten Agenturen zusam­men bringt. Im Schnitt macht das pro Bild und Monat 1,65 US-Dollar. Interessant ist auch das Absacken im drit­ten Jahr. Während der RPI (Revenue per Image/Umsatz pro Bild) pro Monat für die vier Agenturen bei ca. 2 US-Dollar liegt, hal­biert er sich im drit­ten Jahr auf einen US-Dollar. Die bran­chen­üb­li­ch ange­nom­me­ne Halbwertszeit von zwei Jahren für ein Microstock-Bild bestä­tigt sich hier.

Der durch­schnitt­li­che RPI von 1,65 USD ist bei mir jedoch sehr ungleich ver­teilt. Fast ein Dollar ent­fällt auf Fotolia, gefolgt von einem hal­ben Dollar von Shutterstock, elf US-Cent von Dreamstime und sechs Cent von 123rf. Ich habe iStock­pho­to nicht in mei­ne Analyse auf­ge­nom­men, weil ich dort ers­tens nur höchs­tens ein Fünftel mei­nes gesam­ten Portfolios habe und zwei­tens nichts mehr dort hoch­la­de. Hätte ich iStock­pho­to mit in den Grafiken drin gehabt, wäre der Gesamt-RPI um 10 Dollar höher und der Durchschnitt-RPI um 0,28 USD.

Warum haben Bilder einen Zyklus?

Aufstieg, Höhepunkt und Verfall: Warum durch­le­ben alle Stockfotos eine sol­che Kurve? Einerseits liegt es an den Motiven selbst. Die gezeig­te Technik wie Fernseher, Telefone oder Computer ver­än­dern sich, wer­den klei­ner, dün­ner, run­d­er, schi­cker oder glän­zen­der. Bei Fotos von Menschen ändern sich die Vorlieben beim Schnitt der Kleidung, den Farben und den Frisuren. Bei Reise- und Architekturfotos ändern sich die Gebäude, die Skyline, das Design der Autos und so wei­ter. Andererseits tra­gen auch die Algorithmen der Bildagenturen eben­so zum Abstieg der Fotokarriere bei. Neue Bilder wer­den in den Suchergebnissen bevor­zugt, weil sie die oben genann­ten aktu­el­len Trends inne­ha­ben, aber auch die Bestandskunden (vor allem im Abo-Bereich) immer fri­sches Material sehen wol­len. Als drit­ter Punkt kom­men die kon­kur­rie­ren­den Fotografen hin­zu, die eben­falls nicht ruhen und bestän­dig neue Bilder pro­du­zie­ren, die mit den eige­nen alten Fotos um Käufer kon­kur­rie­ren.

Was nützen mir diese Zahlen?

Es gibt meh­re­re Möglichkeiten, die genann­ten Zahlen für sich nutz­bar zu machen. Eine Möglichkeit ist, sie als Vergleichsbasis zu neh­men, um ande­re Portfolios zu bewer­ten. Die zwei­te Möglichkeit ist, Umsatzprognosen zu erstel­len. Wie viel wür­de ich ver­die­nen, wenn ich jeden Monat 10, 100 oder 500 Bilder hoch­la­de? Bei 100 Bildern wür­de mei­ne Kurve so aus­se­hen:

Zwei Jahre lang wür­den die Umsatz rela­tiv sta­bil anstei­gen, dann wür­de die Kurve aber fla­cher wer­den und ein Umsatzzuwachs lässt sich nur noch schwer erzie­len. Oder was wür­de pas­sie­ren, wenn ich nur ein Jahr lang jeden Monat 300 Bilder hoch­la­de und dana­ch kei­ne neu­en Bilder mehr lie­fe­re?

Im ers­ten Jahr wür­de die Kurve logi­scher­wei­se gleich­mä­ßig und stark anstei­gen, dann aber ca. ein Jahr lang sta­gnie­ren, ein Jahr lang flach abfallen und sich dann lang­sam auf dem Niveau das zwei­ten Monats ein­pen­deln.

Am liebs­ten nut­ze ich die Zahlen aber, um Entscheidungen für neue Shootings zu tref­fen. Mit Stock Performer kann ich mit sowohl den monat­li­chen als auch den Gesamt-RPI für jedes mei­ner Shootings ein­zeln anzei­gen und sor­tie­ren las­sen. So habe ich bei­spiels­wei­se 90 Shootings bei Shutterstock in der Liste, davon lie­gen „nur“ 36 Fotosessions über dem durch­schnitt­li­chen monat­li­chen RPI von 52 Cent, das bes­te Shooting liegt mehr als fünf Mal dar­über. Nun kann ich schau­en, ob die­se über­durch­schnitt­li­ch abschnei­den­den Shootings etwas gemein­sam haben und wei­te­re Shootings in die­ser Richtung pla­nen. Oder wenn mich ein Model fragt, ob ich noch mal mit ihr shoo­ten möch­te, schaue ich mir an, wie das letz­te Shooting im Vergleich zum Durchschnitt liegt und kann so basie­rend auf Fakten eine Zusage oder Absage machen.

Der Vergleich mit Macrostock-Zahlen

Nachdem Luis sei­nen Artikel im Blog der Microstockgroup ver­öf­fent­licht hat­te, ver­öf­fent­lich­te Gerald Staufer, Chef der Macrostock-Agentur Westend61, im Macrostock-Blog einen Artikel über den Lebenszyklus von Macrostock-Bildern. Den emp­feh­le ich sehr als Ergänzung zu Luis‘ und mei­nem Artikel und auch die Kommentare zu den Artikeln lie­fern noch vie­le span­nen­de Informationen. Aber mal grob gerech­net. Gerald zeigt die Umsätze von fünf guten People-Fotografen und Fotografen mit ande­ren Themenschwerpunkten.

Ich kon­zen­trie­re mich jetzt auf die People-Zahlen, weil sich die­se eher mit mei­nem People-Portfolio ver­glei­chen las­sen. Diese fünf Fotografen haben der Agentur in vier Jahren ca. einen Umsatz von ca. 138.000 Euro. Bei einem Fotografenanteil von 50% wären das ca. 69.000 Euro. Die fünf Fotografen haben zusam­men 1011 Bilder im Portfolio. Das macht einen Gesamt-RPI von 68 Euro. Verglichen mit mei­nem Gesamt-RPI von 45 Euro (bzw. 52 Euro inklu­si­ve iSto­ck) lie­ge ich ziem­li­ch gen­au 50% drun­ter.

Zwei wich­ti­ge Faktoren müs­sen jedoch eben­falls berück­sich­tigt wer­den. Die Annahmekriterien sind bei Macrostockagenturen meist stren­ger, sodass man in der Regel von ver­gleich­ba­ren Shootings weni­ger Bilder in die Agentur bekommt. Das zei­gen auch die rela­tiv nied­ri­gen Portfolio-Größen der aus­ge­wähl­ten Fotografen, die im Durchschnitt nur 202 Bilder bei der Agentur online haben. Wenn ich dort 50% weni­ger Bilder eines Shootings frei­ge­schal­tet bekom­me als bei den Microstock-Agenturen, wür­de das den RPI auf den glei­chen Wert heben. Auf der ande­ren Seite der Waage ist die Lebenszeit bei den Macrostock-Bildern län­ger, sodass sich nach den vier Jahren bestimmt noch eini­ge Umsätze ein­stel­len wer­den.

Welche Kennzahlen für euer Portfolio wer­tet ihr aus? Wie macht ihr das und was habt ihr davon?