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Creative Commons Lizenzen (CC) richtig nutzen – Wie gebe ich den Urheber korrekt an?

Leute, welche Fotos aus dem Internet nutzen, stolpern immer wieder mal über Bilder unter einer sogenannten „Creative Commons“-Lizenz (CC-Lizenz). Eins der größten Probleme dabei: Wie gebe ich den Urheber richtig an, damit meine Nutzung von der Lizenzvereinbarung korrekt abgedeckt wird?

Eine Untersuchung des Deutschen Bundesarchivs zusammen mit Wikimedia ergab, dass ca. 95% aller Bildnutzungen aus dem Bundesarchiv unter einer CC-Lizenz nicht den Nutzungsbedingungen entsprechen und damit – salopp gesagt – illegal sind.

Oder anders formuliert: Wer ein Bild mit einer CC-Lizenz nutzt, muss sicherstellen, alle Regeln korrekt einzuhalten, sonst könnte er trotzdem kostenpflichtig abgemahnt werden.

Doch zuerst: Was ist überhaupt eine Creative Commons Lizenz?

Creative Commons“ ist eine gemeinnützige  Organisation, welche sechs verschiedene Lizenzverträge formuliert hat, die im Gegensatz zu den meist üblichen Paragraphen-Wüsten sehr einfach formuliert sind und den Nutzern meist auch mehr Freiheiten erlauben als es normalerweise das Urheberrecht erlauben würde.

Diese sechs Lizenzen sind durch kleine Symbole gekennzeichnet, wie sie Fotografen sicher schon bei Flickr, Wikipedia oder anderen Webseiten gesehen haben:


Die sechs Lizenzen setzen sich in einer Art Baukastensystem aus vier Elementen zusammen: „Namensnennung“ (BY), „Keine Bearbeitung“ (ND), „Nicht Kommerziell“ (NC) und „Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ (SA). Die Buchstabenkürzel in Klammern kürzen die englischen Bezeichnungen ab und zusammen mit dem CC-Zusatz heißen die Lizenzen in Kurzform beispielsweise CC-BY, CC-NC-ND oder CC-SA.

Laut einer Statistik von Creative Commons sind die drei häufigsten benutzten Lizenzformen CC-BY-NC-SA (Namensnennung, nichtkommerziell, gleiche Weitergabe) mit ca. 30%, CC-BY-NC-ND (Namensnennung, nichtkommerziell, keine Bearbeitung) mit ca. 18% und CC-BY-NC (Namensnennung, nichtkommerziell) mit ebenfalls knapp 18%.

Keine Bearbeitung“ heißt, dass Nutzer das Bild nicht für Fotomontagen oder ähnliches verwenden dürfen. Strittig ist hingegen, ob schon Bearbeitungen wie Beschnitt oder Umwandlung in Schwarz/Weiß ebenfalls verboten sind.

Nicht Kommerziell“ bedeutet, dass mit Werken mit diesem Lizenz-Merkmal kein Geld verdient werden darf. Genau definiert der Lizenzvertrag das so: Das Werk darf „nur für Handlungen, die nicht vorrangig auf einen geschäftlichen Vorteil oder eine geldwerte Vergütung gerichtet sind“, benutzt werden.

Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ heißt, dass Werke, welche mit Hilfe dieses Lizenz-Merkmals erstellt wurden, ebenfalls unter der gleichen Creative Commons Lizenz angeboten werden müssen. Wenn ich beispielsweise einen Bildband mit solchen Fotos erstelle, muss ich den Bildband ebenfalls unter diese CC-Lizenz stellen.

Namensnennung“ In der aktuellen Version 3 der Creative Commons Lizenzen wird jede Lizenz nur zusammen mit dem „Namensnennung“-Element angeboten. Das heißt, das der Urheber des Werkes „in der von ihm festgelegten Weise“ genannt werden muss. Aber: Im Kleingedruckten verstecken sich weitere Bedingungen.

Wie gebe die den Namen bei einer Creative Commons Lizenz richtig an?

Als erstes muss der Name des Urhebers und der Titel des Werkes genannt werden. Falls der Urheber das Werk Dritten zugeschrieben hat, z.B. einer Zeitung oder Stiftung, muss diese ebenfalls genannt werden. Es sollte ein Link zum Werk bzw. zu den Rechteinformationen oder der Lizenzvereinbarung des Werkes angegeben werden, auch in gedruckten Werken. Alternativ muss als Minimalforderung die Art der Lizenz angegeben werden, unter der das Werk lizenziert wurde.

Falls das Werk bearbeitet wurde, muss gekennzeichnet werden, dass eine Bearbeitung erfolgt ist.

Die Webseite für Creative Commons-Musik CCMixter bietet als Service zu jedem Werk praktischerweise die Angaben zur korrekten Namensnennung als „Copy&Paste“-Schnipsel an. Das sieht dann beispielsweise so aus:

„Hornet“ by George_Ellinas
http://ccmixter.org/files/George_Ellinas/15924
is licensed under a Creative Commons license:
http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

Name, Titel, Link und Art der Lizenz: Alles drin.

Worauf muss ich bei der Nutzung eines Bildes mit Creative Commons Lizenz noch achten?

Creative Commons bietet nur Lizenzverträge an, welche Rechte regeln, die durch das Urheberrecht entstehen. Bei vielen Werken, zum Beispiels Fotos kommen jedoch noch viele andere Rechte hinzu, welche nicht berücksichtigt sind. Das heißt konkret: Nur weil ein Foto unter einer CC-Lizenz steht, die kommerzielle Nutzung erlaubt, heißt das noch lange nicht, dass das Foto ohne Probleme kommerziell genutzt werden darf!

Einige dieser anderen Rechte betreffen beispielsweise das „Recht am eigenen Bild“ (Persönlichkeitsrechte von fotografierten Personen), das Markenrecht, Geschmacksmusterschutz, Patentrecht, das Urheberpersönlichkeitsrecht und weitere. Zum Beispiel hatte ich bei Wikipedia das Foto eines Rappers gefunden, was unter einer CC-BY-Lizenz stand, das heißt, ich hätte es kommerziell nutzen dürfen. Auf Anfrage an das Management erhielt ich jedoch die Antwort, dass das vom Künstler nicht gewünscht wäre. Das ist trotz der Lizenz sein gutes Recht, nämlich sein Persönlichkeitsrecht.

Jeder, der Werke unter einer Creative Commons-Lizenz nutzen will, ist deswegen in der Pflicht, vor der Nutzung zu prüfen, ob mit der geplanten Nutzung die Rechte anderer Personen oder Firmen verletzt werden.

Kleiner Hinweis zu Rechtsthemen: Alle Angaben in diesem Artikel ohne Gewähr. Vor einer konkreten Nutzung sollte sich jeder Nutzer selbst informieren, alle notwendigen Rechte zu besitzen.

Was für Erfahrungen habt ihr mit Creative Commons-Lizenzen gemacht? Nutzt ihr die? Bietet ihr Eure Fotos als CC an?

Stockfotos kaufen: Erweiterte Lizenz

Weiter geht es mit der Machete durch den Stockfotografie-Dschungel, um Licht ins Dunkel der Lizenztücken zu bringen.

In dieser Folge geht es um die Unterschiede zwischen einer „einfachen“ und einer „erweiterten“ Lizenz.

Geschenke vergleichen

Einschränkungen bei „Einfacher“ vs. „Erweiterter“ Lizenz

Viele Bildagenturen bieten Fotos in allen möglichen Größen an und zusätzlich in je zwei verschiedenen Lizenzarten: Die günstige „einfache Lizenz“ (oder Standardlizenz, Basic License, etc.) und die teurere „Erweiterte Lizenz“ (oder Merchandising-Lizenz, Extended Licence, etc.). Grob gesprochen: Wer etwas mit einem Foto als Hauptbestandteil des Produkts (Poster, Postkarten, T-Shirts, Kalender, …) weiterverkaufen will, braucht eine Erweiterte Lizenz.

Wenn das Foto selbst Teil eines Produkts wird, was verkauft wird, reicht nicht mehr die einfache Lizenz aus. Wer etwas verkaufen will, was vor allem durch das Bild zur Ware wird, braucht die Erweiterte Lizenz. Übliche Produkte sind da Kalender, T-Shirts, Poster, Mouse-Pads, Tassen, Postkarten (auch E-Cards), Leinwände, Webseiten-Templates, Bildbände und so weiter.

Die Nutzung zur Verkaufsförderung selbst ist meist durch die einfache Lizenz gedeckt. Wenn eine Firma beispielsweise Stockfotos für einen Werbekalender kauft, den sie an gute Kunden verschenkt, ist das okay. Soll der Kalender verkauft werden, wird die Erweiterte Lizenz benötigt.

Anderes Beispiel: Wer ein Foto kauft, um es als Werbeplakat für ein Produkt aufhängen zu lassen, dem reicht meist die einfache Lizenz – vorausgesetzt, er hält die Auflagenbeschränkungen der Bildagenturen ein. Wer ein Foto jedoch als Poster drucken und verkaufen will, sei es auf Kunstmärkten oder über Online-Poster-Shops, benötigt die erweiterte Lizenz.

Da sich diese Lizenzbedingungen je nach Agentur etwas unterscheiden, hilft auch hier im Zweifel ein Blick in den Lizenzvertrag der Bildagentur.  Einige Bildagenturen begrenzen bei der einfachen Lizenz auch die Auflagenhöhe, mit der ein Foto gedruckt werden darf. Bei istockphoto liegt die Grenze zum Beispiel bei 500.000 Stück, ab der eine Erweitere Lizenz nötig wird. Ein Buch oder eine CD oder DVD mit einem Stockfoto auf dem Cover darf mit der einfachen Lizenz also bis 500.000 gedruckt werden, darüber hinaus wäre die Erweiterte Lizenz fällig.

Auch wer die Erweiterte Lizenz kauft, darf das Foto selbst trotzdem nicht weiterverkaufen, z.B. digital über Bildagenturen. Auch die üblichen Einschränkungen gelten sowohl für die einfache als auch die erweiterte Lizenz.

Übrigens: Das obige Foto kann hier exklusiv lizensiert werden.

Schöne Statistik: Getty Images, istockphoto und der FOCUS

Da werte ich monatelang die Bildcredits von zig Zeitschriften aus, um einen Überblick über den Bildermarkt zu bekommen und nun merke ich, dass die Zeitschriften es nicht so genau nehmen.

Genauer gesagt: In der Ausgabe Nr. 2/2009 des Nachrichtenmagazins FOCUS habe ich ein Bild des Microstock-Anbieters istockphoto gefunden. Bei den Fotocredits steht jedoch: „Foto: Getty Images„. Formal mag das korrekt sein, weil Getty Images die Firma istockphoto 2006 gekauft hatte. Aber ein Anruf bei Getty Images ergab, dass Bilder der Microstock-Tochter nicht direkt über Getty Images gekauft werden können, weil die Lizenzbedingungen ganz andere sein und die Buchhaltung in den USA sitze.

Ein Anruf bei der Bildredaktion des FOCUS ergab auch nicht viel mehr. Auf meine Frage, warum bei einem istock-Foto „Getty“ als Credit stehe, kam von der Dame am Apparat die Gegenfrage: „Warum wollen sie das denn wissen?„. Ich antworte ehrlich, dass mich das für die Statistik in meinem Blog interessiert, aber die Dame blieb wortkarg: „Dazu kann ich Ihnen keine Auskunft geben„. Hm. Wenn das die Bildredaktion nicht weiß, wer dann?

Aber ich verstehe ja, dass es lässiger wirkt, sich mit dem Namen einer Firma zu schmücken, die Fotos für hunderte von Euro verkauft, statt den Namen einer Firma zu zeigen, die Fotos für wenige Euro verscherbelt. Wobei die FOCUS-Tochter FOCUS Money da keine Probleme hat. Die Microstock-Agenturen Dreamstime und Fotolia werden dort gleichberechtigt als Bildcredit angegeben.

Doch was bedeutet das für die Auswertung der „Fotos von Bildagenturen in Zeitschriften?
Falls nur der FOCUS diese Art der „Aufhübschung“ betreibt, heißt das nur, dass der FOCUS vielleicht weniger Geld für Fotos ausgibt als vermutet. Falls andere Zeitschriften diesem Beispiel folgen, ist die unangefochtene Stellung von Getty Images in der Statistik mit Vorsicht zu genießen. Es würde bedeuten, dass zwar weiterhin die meisten Fotos über Getty Images (bzw. der Tochter istockphoto) gekauft werden, aber dabei weniger Gewinn gemacht wird als die Statistik vermuten lässt.

Ebenfalls bedeutsam kann auch die Klausel im Lizenzvertrag von istockfoto werden:

„4. Standard License Prohibitions.
(a) Prohibited Uses. You may not do anything with the Content that is not expressly permitted in the preceding section or permitted by an Extended License. For greater certainty, the following are “Prohibited Uses” and you may not: […]
14. use the Content for editorial purposes without including the following credit adjacent to the Content: “©iStockphoto.com/Artist’s Member Name]“

Grob übersetzt bedeutet das, dass es verboten ist, Fotos von istockphoto für editoriale Zwecke (was Zeitschriften in der Regel einschließt) zu nutzen, ohne als Quelle „istockphoto/Fotograf“ anzugeben. Mal sehen, was istockphoto dazu sagt.

Habt ihr auch in anderen Zeitschriften istock-Fotos mit „Getty-Credit“ gefunden?