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Tutorial: Fotos von rauchenden Glühbirnen machen

Der letzte Gastbeitrag von Daniel über die Entstehung beeindruckender Tropfenfotos kam sehr gut an. Deswegen freue ich mich, dass Daniel bereit war, auch zu diesen genialen Fotos von rauchenden Glühbirnen ein Making-Of zu schreiben. Das Foto hier ihr auch bei Fotolia und es ist von der Redaktion auf 500px.com ausgewählt worden und hat bereits über 12500 Klicks:

Mein Name ist Daniel Nimmervoll, einige kennen mich vielleicht schon durch das Tutorial von den Wassertropfen-Fotos.

Meine Glühbirnen-Aufnahmen sind jedoch wesentlich einfacher zu realisieren als die Wassertropfen-Aufnahmen. Alle diese Fotos habe ich im Mai 2009 gemacht, damals wollte ich meine neue Studioausrüstung testen. Meine Studioblitze kamen so zum ersten Mal zum Einsatz.

Der Aufbau:

Das Schwierigste ist, das im Glas keine störenden Reflexionen sichtbar sind. Deshalb habe ich hier ein Lichtzelt genommen und links und rechts davon je einen Studioblitz mit einer kleinen Softbox gestellt. Die Glühbirne habe ich in eine Baustellenfassung eingeschraubt, die mittels Dimmer in der Helligkeit geregelt werden kann.


Die Vorbereitung:

Zuerst einmal: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, das gewisse Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden müssen! Eine Schutzbrille sowie schnittfeste Kleidung und Handschuhe sind Pflicht.

Wie bekommt man Risse in das Glas, sodass der Wolframdraht frei liegt?

Ich habe dazu die Glühbirne mit einer Zange an der Fassung genommen, dann mit einem Lötbrenner* die Glühbirne so lange angeheizt, bis das Glas schmilzt und das Gas entweicht. (Vorsicht: Gibt eine Stichflamme!) Danach wird die Glühbirne schnell unter kaltes fließendes Wasser gehalten, was man am besten vorher schon aufgedreht hat. Dadurch zerspringt das Glas. Als nächstes habe ich mit einer kleinen Zange vorsichtig die einzelnen Glaselemente entfernt, um den Wolframdraht frei zu legen.


Auch das Foto ist über Fotolia erhältlich.

Das Shooting:

Die präparierte Glühbirne vorsichtig in die Fassung schrauben. Kamera, Licht, alle Einstellungen nochmal überprüfen. Den Dimmer auf ganz dunkel drehen. Dadurch glüht der Draht 1-2 Sekunden länger und nicht ganz so hell, sonst wäre er überbelichtet. Ohne das Gas, was normalerweise in den Glühbirnen drinnen ist, glüht die Birne nämlich weitaus heller.
Wenn alles kontrolliert wurde, einen Fernauslöser in die eine Hand und in die andere den Einschalter für die Glühbirne nehmen.

Glühbirne einschalten. Der Wolframdraht beginnt jetzt sofort zu glühen und zu rauchen. Nach ca. einer halben Sekunde das erste Foto machen und je nachdem, wie schnell die Blitze wieder einsatzbereit sind, kann man eventuell noch ein zweites Foto machen. Nach max. zwei Sekunden ist der Wolfgramdraht verglüht. Am längsten brennen die 100-Watt-Birnen.

Als Objektiv kam ein 50mm-Objektiv (wirkt bedingt durch Crop-Faktor der Kamera wie ein 75mm-Objektiv) zum Einsatz bei ISO 100 und Blende 9 und einer Verschlusszeit von 1/125 Sekunde.


Danach habe ich noch ein Foto von der Fassung gemacht. Wichtig ist, dass das Foto an gleicher Stelle mit dem selben Licht aufgenommen wird, damit es danach bei der Fotomontage von der Perspektive und Beleuchtung her passt und echt wirkt.

Zusätzlich habe ich noch einige Farbexperimenten probiert. Bisschen kreativ darf man da schon sein. So habe ich bei dem Foto mit dem roten Rauch vor die Blitze eine rote Farbfolie gehangen. Das Foto mit dem blauen Rauch ist komplett in Photoshop entstanden.


Mehr Bilder und Infos findet ihr auf meiner Webseite www.nimmervoll.org. Falls Ihr Fragen habt, dann immer her damit in den Kommentaren. Ich werde versuchen, diese zu beantworten. [Update:] Außerdem gibt es von mir jetzt das Buch „Highspeed Fotografie„* mit viel mehr Tipps zum Thema.

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LED-Taschenlampen als Dauerlicht für Videoaufnahmen im Praxistest

Bisher habe ich mit Videos leider nicht viel Geld verdient. Nach meinem Artikel über meine bisherigen Video-Einnahmen im Blog bekam ich einige hilfreiche Anregungen von Profis, wie ich die Umsätze steigern könnte. Das motivierte mich, das Thema stärker zu verfolgen. Ich kann schon vorab verraten, dass durch meine Anstrengungen die Einnahmen innerhalb eines halben Jahres die der beiden Jahre zuvor deutlich übertroffen haben.

Doch das ist heute nicht das Thema.

Bei der Überlegung, mehr und bessere Videos zu machen, stellte sich mir das Problem: Wie beleuchte ich draußen ohne Zugang zu einer Steckdose am besten eine Szene?

Es gibt einige Systeme wie „Litepanels MicroPro„* oder „Dedolight Ledzilla„*, die beide auf LED-Technik basieren, aber mit ca. 300-400 Euro recht teuer sind. Auch für mein großes „Litepanels 1×1″-Dauerlicht gibt es einen Akku, der jedoch knapp 700 Euro kostet. Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung von Reflektoren, die jedoch oft einen Assistenten erfordert.

Deshalb hatte ich die Idee, auszuprobieren, ob diese neuen LED-Taschenlampen nicht ebenfalls nützlich sein könnten. Führend auf dem Gebiet ist unter anderem die Firma Zweibrüder aus Solingen, die mir freundlicherweise einige ihrer besten LED-Taschenlampen aus der Reihe „LED Lenser“ testweise zur Verfügung gestellt hat.

Wie sollte der Test ablaufen? Statt pseudowissenschaftlich zu versuchen, Farbtemperaturen und Lichtstärke zu messen, habe ich mir ein Model geschnappt, bin ans Rheinufer gefahren und habe Videos gemacht.

Damit ihr sehen könnt, was wir dabei gelernt haben, waren Ralf Maaßen und Gabriele Niepenberg von Dreamteam-Media so freundlich, ein Making-Of des Tests zu machen. Vorhang auf:

Ab Minute 3:24 seht ihr auch einige Ausschnitte der fertigen Clips, die ich an die Videoagenturen geliefert habe.

Am Ende der Videoproduktion haben wir noch ein kurzes Interview gedreht, in dem ich einige Erkenntnisse zusammengefasst habe:

Wem das nicht reicht an Infos, kann sich hier ein kurzes Video mit dem direkten Licht-Vergleich ansehen.

Die Lektionen in Kürze:

Grundsätzlich taugt die Idee was. Es wäre vermessen zu glauben, dass die Lampen gegen die pralle Mittagssonne konkurrieren können, aber abends oder zum Aufhellen in Schattenbereichen ist der Effekt schon sichtbar. Auch als Haarlicht von hinten, um dem Model mehr Tiefe zu geben, sind die Lampen praktisch, weil sie so klein sind, dass man sie gut verstecken kann. Preislich liegen die Lampen mit ca. 50-100 Euro auch deutlich unter den oben genannten Alternativen. Nur das Flaggschiff LED Lenser X21* kostet mit ca. 200 Euro mehr, ist aber auch noch günstiger. Positiv waren auch die langen Akkulaufzeiten von so vielen Stunden, dass dieses Kriterium praktisch nicht relevant ist und die Möglichkeit, das Licht zu fokussieren. Als Batterien kommen meist AA- oder D-Batterien zum Einsatz, die überall erhältlich sind.

Nachteilig waren die Möglichkeiten für Halter und Adapter. Da musste ich „McGuyver“ spielen und mich mit Gummibändern, Mikrofonhaltern, SuperClamps, Klettverschlüssen, Rohrschellen und anderen Dingen behelfen. Hier einige Konstruktionsmöglichkeiten, die ich im Studio ausprobiert hatte:

Wie ihr im Video bei Minute 0:23 auch erkennt, hatte ich die Möglichkeit, den neuen Magnesium-Kugelkopf MH054M0* von Manfrotto auszuprobieren. Das ist zwar nicht für Video-Aufnahmen konzipiert, funktioniert aber trotzdem sehr gut dafür, wenn man keine Schwenks machen will.Ich finde den so praktisch, dass ich mittlerweile diesen Kopf zusammen mit dem Manfrotto Stativ Mini Compact AC* nutze, wenn ich bei Fotoaufnahmen unterwegs bin, mir aber die Möglichkeit offenhalten will, kurz paar Videos zu machen. Mit etwas Übung bekomme ich kurze Schwenks sogar hin. Da die Schnellwechselplatte die Gleiche ist wie für meinen Videoneiger, geht auch der Wechsel schnell. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Für richtige Videoaufnahmen ist ein stabileres Stativ mit einem Videoneiger die bessere Wahl. Wer aber hauptsächlich Fotos macht und ohne viel Gepäck auf Nummer sicher gehen will, bekommt mit der anderen Kombination auch brauchbares Footage hin. Dieses Video* ist beispielsweise so entstanden.

Welche Beleuchtung nutzt ihr draußen für Videoaufnahmen?

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Konzertfotos von Auletta in Köln

Am 15.8.2011 spielte die Mainzer Band „Auletta“ in Köln im Luxor und ich war dabei, um für das Musikmagazin bloom.de diese Konzertreview zu schreiben. Da die Fotos dort leider etwas kurz kommen, gibt es hier noch mal einen Überblick über die schönsten Aufnahmen. Wer Auletta nicht kennt, kann hier einen kurzen Ausschnitt des Konzerts sehen und wer genau hinschaut, entdeckt mich bei ca. Minute 1:17 auch links am Bühnenrand:

Obwohl gute Voraussetzungen herrschten, um Konzertfotos zu machen, war es trotzdem eine ziemliche Herausforderung. Zu den guten Voraussetzungen gehörte ein intimer Club, der zwar gefüllt, aber nicht voll war. Außerdem war die Bühne nah am Publikum, sodaß die Band auch mit dem Publikum zusammen auf dem Bild sein konnte und der Tourmanager gab mir die Erlaubnis, auch seitlich auf die Bühne zu gehen, um einige Fotos zu machen.

Deutlich schwieriger war es jedoch, gute Einstellungen für die Kamera zu finden, weil es zum einen richtig dunkel war und kaum Lichttechnik benutzt wurde. Im Grunde wurde die Band ständig von paar roten Scheinwerfern beleuchtet und nur manchmal gingen auch paar gelbe Spotlights an. Wer es schon mal probiert hat, weiß, dass rotes Licht bei Konzertfotos sehr grausam sein kann, da es erstens die digitale Belichtungstechnik durcheinander bringt und zweitens Details in der Haut etc. stark verschwinden lässt. Das ist in Clubs oft Absicht, weil die Leute dann schöner aussehen (denke an verschwindende Pickel), aber auf Fotos sieht es oft katastrophal aus.


Deswegen habe ich meist dann brauchbare Bilder erhalten können, wenn zusätzlich ein, zwei gelbe Scheinwerfer von vorne angingen.


Trotzdem musste ich insgesamt meist mit ISO 6400 und Blende 2.8 fotografieren,  um halbwegs akzeptable Belichtungszeiten von 1/40 bis 1/100 Sekunden erhalten zu können. Als Kamera kam wieder die Canon 5D Mark II zum Einsatz, als Objektiv das 24-70mm f2.8 IS USM L, weil ich das Luxor kannte und wußte, dass es zu den kleineren Bühnen gehört. Alle Fotos wie immer ohne Blitz.


Ich kann es dem Sänger Alexander Zwick nicht verübeln, dass er bei diesem überwiegend jungen, weiblichen Publikum nur Augen für seine Fans hatte, aber da habe ich als Fotograf gemerkt, dass erfahrenere Musiker auffällig öfter in die Kamera schauen und für diese regelrecht posieren, da es eben auch in ihrem Interesse ist, spannende Fotos zu erhalten. Genau genommen hat der Sänger nur ein Mal bewußt in Richtung der – nicht zu übersehenden – Kamera geschaut und ich war glücklicherweise geistesgegenwärtig genug, schnell abzudrücken.


Ein Foto, was das Verhältnis von Sänger und Band ganz gut beschreibt.


Die Begleitmusiker neben dem Sänger werden meist vernachlässigt und auch für mich war es schwierig, Fotos vom neuen Bandmitglied, dem Keyboarder Chris Stiller zu machen, weil er eingekeilt zwischen Rhythmusgitarrist und Schlagzeuger in einer Ecke stand. Immerhin, ein vorzeugbares Foto von ihm hier.


Noch ein Profi-Tipp: Konzertfotografen stehen oft ganz dicht an der Bühne, meist eher am Rand, also genau da, wo die großen Boxentürme stehen. Das ist weder kurz- nach langfristig gut für die Ohren. Deswegen habe ich meist spezielle Ohrstöpsel von Alpine* dabei, welche die Frequenzen unterschiedlich stark filtern, sodaß die Lautstärke gedämmt wird, aber die Musikverständlichkeit gut erhalten bleibt.

Was sagt ihr zu den Fotos? Was ist euer Favorit?

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Rezension: „Die chinesische Sonne scheint immer von unten“ von Achim Dunker

Was, ist das hier jetzt ein Blog für asiatische Lebensart geworden? Mir ging es beim Lesen des Titels „Die chinesische Sonne scheint immer von unten„* genauso.

Der Autor Achim Dunker schrieb mir über Xing und meinte, das Buch sei vielleicht hilfreich für mich. „Warum sollte mich so ein esoterischer New-Age-Titel interessieren?“ dachte ich mir und starrte auf das Cover, was mich mit dem Sonnenuntergang an religiöse Broschüren von Freikirchen erinnerte. Aber der Untertitel „Licht- und Schattengestaltung im Film“ und der Zusatz „5., überarbeitete Auflage“ machte mich neugierig und ich beschloss, das Buch zu lesen.

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Ich bereue es nicht und möchte es empfehlen. Das Buch ist eine Art Standardwerk für die Filmbeleuchtung. Wer als (Stock)Fotograf mit dem Gedanken spielt, auch Videoaufnahmen zu machen und nicht weiß, wo er lichttechnisch anfangen soll zu lernen, wird mit diesem Buch richtig liegen. Das Buch beginnt mit einem Theorieteil, darüber, wie unsere Augen Licht wahrnehmen, wie Licht und Schatten für Stimmung und Konturen im Bild sorgen und so weiter. Für Fotografen spannend, aber für viele nichts Neues.

Dann jedoch geht es Schlag auf Schlag. Im Kapitel „Die Scheinwerfer“ werden 19 verschiedene Lampenarten vorgestellt, die im Film zur Beleuchtung genutzt werden, mitsamt ihren Vor- und Nachteilen und einer Abbildung. Genau das ist einer der Punkte, die ich in vielen „So machen sie gute Videos“-Büchern vermisst habe. Und sowas Spaciges wie ein Ballon-Licht kannte ich auch noch nicht.

Im Kapitel „Lichtsetzen in der Praxis“ erklärt der Autor die Funktionen verschiedener Lichtquellen wie Hauptlicht, Aufhelllicht, Spitzlicht und Hintergrundlicht. Das ist zwar für Fotografen auch nicht neu, aber so nachvollziehbar beschrieben, dass es selbst einem Anfänger gleich gelingen sollte, eine ansprechende Portraitausleuchtung zu erzeugen.

Dem folgt ein Kapitel über Hilfsmittel wie Lichtformer, Farbfolien, Diffusoren und Reflektoren. Viel Bildmaterial wird hier von der Firma California Sunbounce gestellt, ist aber insofern nicht verwunderlich, da diese sich auf passive Beleuchtung spezialisiert hat, was im Film noch viel hilfreicher als bei der Fotografie ist.

Die folgenden Kapitel beschäftigen sich mit problematischen Fällen wie der Farbtemperatur, Mischlicht, Aufnahmen in Innenräumen, Nachtaufnahmen, Außenaufnahmen und so weiter. Für mich neu und erkenntnisreich war auch die Formel auf Seite 87, mit der berechnet werden kann, wie viel Leistung die elektrischen Sicherungen verkraften, ohne durchzubrennen. Ein Punkt, über den ich mir bisher kaum Gedanken gemacht habe, der aber bei der Arbeit mit mehreren 500-Watt-Scheinwerfern schnell relevant wird.

Den Abschluss bilden vier ausführliche Interviews mit Kameramännern und einem Oberbeleuchter, die sich nicht mit Smalltalk aufhalten, sondern detailliert praktische Lichtprobleme diskutieren und ebenfalls lehrreich sind.

Ich will nicht verhehlen, dass das Buch sich primär an Leute richtet, die richtige, lange Filme drehen wollen. Wer als Stockfotograf kurze 30-Sekunden-Clips filmen möchte, wird oft mit einem Bruchteil der beschriebenen Technik auskommen. Aber es schadet nicht, zu wissen, wie das Ganze größer aufgezogen werden könnte. Und allein für die Wahl der richtigen Lampe und Lichtsetzung auch bei einer Lichtquelle ist das Buch hilfreicher als alle anderen gewesen, die ich gelesen habe.

Hier hatte ich am Ende echt das Gefühl: „Wow, ich habe viel gelernt!

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Frag den Fotograf: Wie fotografiere ich wie Yuri Arcurs?

Manchmal hinke ich etwas hinterher. Jan D. hatte mir schon im September folgende Mail mit einer Frage geschickt:

„Sehr geehrter Herr Kneschke/Lieber Robert,

zu allererst möchte ich Dir zu deinem absolut gelungenen Blog gratulieren.
Ich bin regelmäßig einer der stillen Besucher und Leser deiner vielen Artikel
und ebenso regelmäßig von den immer neuen Themen rund um das Thema
Fotografie/Stockfotografie begeistert. Ich selbst bin eher ambitionierter denn
professioneller Hobbyfotograf aber stetig auf der Suche nach Tips die
Optik der eigenen Werke zu verbessern.

Besonders angetan hat es mir der herrliche, helle Bildstil von Yuri Arcurs.
Ähnliches schwebt mir ebenfalls bei meinen Bildern (im Privaten, ich
verkaufe nicht) vor. Bisher bekomme ich, obwohl ich mich als sicher &
gut im Umgang mit Photoshop bezeichnen würde, nicht diesen besagten
hellen Stil mit den trotzdem schönen Hauttönen hin. Daher habe ich auch
mit Spannug deinen Bericht des fotolia Workshops mit Yuri A. verfolgt, bis
auf kleine  Andeutungen zum Verwirklichen des Stils gab es jedoch leider
keinerlei Hinweise.

Langer Rede kurzer Sinn. Da du ja vor Ort ein wenig über die Schulter gucken
konntest,  weißt du wie dieser Stil per Photoshop (entsprechendes
Ausgangsmaterial natürlich vorrausgesetzt) erreicht wurde?! Über ein
paar Tips und HInweise würde ich mich sehr freuen.“

Ich habe lange überlegt. Darf ich so einen Post schreiben? Kann ich mich erdreisten, zu behaupten, ich wüsste, wie Yuri Arcurs seine superprofessionellen Bilder hinbekommt? Nein, das nicht. Deswegen kurz die Klarstellung: Ich sage Euch jetzt, wie ihr Bilder im Yuri Arcurs-Stil hinbekommt. Aber das heißt nicht, dass Yuri genau so arbeiten muss.

Außerdem klammert euch lieber nicht an die Vorstellung, dass ihr nur gut mit Photoshop umgehen müsstest, um den Yuri-Look hinzubekommen oder dass es gar einen Filter oder einen Plugin gäbe, der das für Euch erledigt. Das Wichtigste ist die Arbeit vor der Retusche!

Vier Faktoren machen ein gutes Yuri Arcurs-Bild aus:

  1. Gute Schärfe
  2. Geringe Tiefenschärfe
  3. Glückliche Models
  4. Viel (weiches) Licht

Schauen wir uns die Punkte genauer an. Wie Yuri seine Fotos gut scharf bekommt, habe ich schon in meinem Artikel „Scharfe Fotos mit Yuri Arcurs“ erklärt. Teuer wird der zweite Punkt. Die meisten seiner Fotos fotografiert er mit geringen Blendenwerten, vor allem 2,8. Das setzt entsprechende lichtstarke Objektive voraus, idealerweise welche, deren Offenblende noch weiter geht ist, zum Beispiel bis 1,8 oder 1,2. Gut sind leichte, lichtstarke Tele-Objektive, da sie schneller eine schöne geringe Tiefenschärfe erzeugen.

Der Punkt Models sollte nicht vernachlässigt werden. Nur wessen Models so im Gesicht strahlen als würden sie eine Dauer-Hochzeit feiern und dabei gleichzeitig im Lotto gewinnen, sind für solche Fotos geeignet. In diesem Video zeigt Yuri, wie er seine Models aussucht und mit seiner Hand die Kopfbewegung einfach beeinflußen kann. Außerdem sehr ihr gleich seinen idealtypischen Lichtaufbau.

Im zweiten Teil des Videos zeigt er, wie er dieses natürliche Lachen auf die Model-Gesichter zaubert.


Und das Wichtigste: Der Lichtaufbau. Es wird viel Licht benötigt, nicht unbedingt aus vielen Lichtquellen, aber hell muss es schon sein. In diesen eins, zwei, drei YouTube-Videos vom Fotolia-Workshop beschreibt Yuri einige seiner typischen Lichtaufbauten ganz gut, von einfach bis komplex. In meinem Artikel „Ein Tag mit Microstock-Fotograf Yuri Arcurs“ ist auf den Fotos noch eine andere Beleuchtungssituation zu sehen: Die indirekte Beleuchtung. Wer mal einen Blick in sein umwerfendes Studio geworfen hat (übrigens ein umgebautes Industrie-Gewächshaus), kann sehen, dass er das sehr clever mit Tageslicht löst, indem die Studiodecken aus leicht milchigem Glas sind, welche wie eine riesige Softbox von oben wirken. Ein unbezahlbarer Effekt. Bezahlbar ist die Variante mit Blitzen, indem einfach weiche Blitze (z.B. Softboxen) noch mal an Wände und vor allem Decken gerichtet werden.

Ich will nicht behaupten, dass ich wie Yuri fotografieren kann, aber dieses Foto kommt seinem Stil schon nah, meint ihr nicht auch?

Kiefer modellieren

Da ich das fotografiert habe, kann ich sagen, dass es ein verhältnismäßig simpler Aufbau ist. Fotografiert habe ich mit meiner 50mm-Festbrennweite* bei Blende 2.8 und 1/100 Sekunde Belichtungszeit (ISO 200). Als Licht diente mir ein Canon 580EX II Speedlite* auf einem Stativ mit einer Lastolite EzyBox-Softbox*, welches ich manuell mit Funkauslöser an die weiße Decke geschickt habe. Damit kann ich das Licht auf dem Gesicht bestimmen, während ich mit der Blende/Verschlusszeit-Kombination die Helligkeit des Hintergrunds beeinflußen kann. Als Kamera kam meine Canon 5D Mark II* zum Einsatz, aber es hätte genauso gut eine Canon EOS 450D* oder eine Nikon D3000* sein können. Als Alternative zum Fensterlicht zur Regulierung der Hintergrundhelligkeit kann auch ein zweiter Blitz genutzt werden, der auf eine hintere Wand o.ä. gerichtet wird.

In diesem Video zeigt Yuri, wie selbst Available Light-Bilder einen ähnlichen Look erreichen können. Etwas Überbelichtung und die Models an einem sonnigen Tag im Schatten oder unter dem Himmel bei bewölktem Wetter ergeben schattenfreie Aufnahmen.

Das letzte fertige Foto, was zum Schluß gezeigt wird, ist auch mit den kompletten EXIF-Daten in Yuri’s Flickr-Stream zu finden. Ohne Blitz werden dann Werte wie 1/40 Sekunde bei Blende 4 (ISO 400) mit einem 70mm-Objektiv erreicht.

Damit sind wir in der Lage, helle, freundliche Bilder zu machen. Trotzdem bleibt etwas Nachbearbeitung nicht aus. Dazu gehört neben dem korrekten Weißabgleich und einer leichten Überbelichtung auch das Anheben der Kontraste und der Sättigung. Zum Schluss werden die Bilder von störenden Elementen befreit. In diesem Artikel zeigt Yuri unter Punkt 2 ein Vorher/Nachher-Bild, was die Unterschiede gut sichtbar macht. Und das war es auch schon. Ist dich nicht so schwer, oder? Was meint ihr?

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