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Kriterien zur Auswahl von Imagebildern (Gastartikel)

Zwei Mal schon habe ich vom Buch „Grafik und Gestaltung“ des Grafikers Markus Wäger geschwärmt. Damit ihr euch selbst vom Inhalt überzugen könnt, hat mir Markus erlaubt, eine Leseprobe zu veröffentlichen und ich habe mir die Kapitel 5.3.5 und 5.3.6 rausgesucht, die meiner Meinung nach für uns Stockfotografen direkt hilfreich sind. Ich habe aber nicht alle Bilder übernommen, weil das zuviel gewesen wäre. Los geht’s, ab hier schreibt Markus:

Kriterien zur Auswahl von Imagebildern

Ich kann keine verbindlichen Rezepte für die Auswahl perfekt funktionierender Imagebilder liefern. Gerade wenn Menschen im Bild sind, sind die Emotionen, die sie auslösen, von Betrachter zu Betrachter verschieden. Genau wie jeder andere Mensch reagiere auch ich subjektiv auf die abgebildeten Personen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Sie hier Bilder von Personen finden, die ich als besonders ansprechend empfinde, die Ihnen unsympathisch sind. Ich kann aber ein paar Kriterien nennen, die ich zur Auswahl von Bildern heranziehe und die Sie als Basis für Ihre Bildbeurteilungen nutzen können. Wie so oft gilt : Schon die bewusste Auseinandersetzung mit einem Gestaltungsaspekt wird Sie zu besseren Resultaten führen.

Authentizität der Darsteller | Sind die Typen glaubwürdige Charaktere ? Nehmen Sie Ihnen ihre Rollen ab ? Kann sich Otto Normalverbraucher beziehungsweise die anvisierte Zielgruppe mit ihnen identifizieren? Auch wenn das Gesicht eines eingekauften Imagebildes für die Mitarbeiter des Unternehmens steht, sollte der Typ glaubwürdig sein und nicht zu sehr wie ein geschniegeltes Modell daher kommen. Nichts gegen gestylte Modelle, doch nicht jede Kommunikationsaufgabe lässt sich mit Ihnen authentisch illustrieren. Die Professionalität der Modelle hingegen ist Um und Auf. Nur Profis spielen ihre Rollen glaubwürdig ; mit Laien ist Authentizität schwer zu erreichen. Es geht vor allem darum, wie natürlich eine Szene inszeniert ist und das gelingt mit professionellen Modellen oft glaubwürdiger als mit echten Personen.

Abb. 5.98: Für die Betriebe meiner Region ein glaubwürdiges Imagebild (© Goodluz/Shutterstock)
Abb. 5.98: Für die Betriebe meiner Region ein glaubwürdiges Imagebild (© Goodluz/Shutterstock)

Passend zu Region und Branche | Als Bewohner einer etwas ländlicheren Region mit Auftraggebern aus kleinen und mittleren Betrieben gestaltet sich für mich die Suche nach passenden Imagebildern bei Agenturen oft schwierig. Es dominieren Business People mit Anzug und Krawatte. Für London, Mailand oder Frankfurt wohl passend, doch hier im Vorarlberger Rheintal tragen nur Banker Anzug und Krawatte beziehungsweise Leute die einen Termin bei der Bank haben. Ansonsten ist die Geschäftswelt hier hemdsärmeliger und die Leute sind meist leger gekleidet. 90 % der Businessbilder sind für meine Gestaltungsaufgaben deshalb unbrauchbar – ein Problem, das wohl die meisten Gestalter teilen, die abseits von Ballungszentren arbeiten oder aber auch städtische Kunden abseits vom Big Business betreuen.

Abb. 5.99: Weniger authentisch, wo ich lebe und arbeite (© michaeljung/Shutterstock)
Abb. 5.99: Weniger authentisch, wo ich lebe und arbeite (© michaeljung/Shutterstock)
Abb. 5.100: Blicken die Personen zur Kamera, ist Lächeln glaubhaft. ( (© Pressmaster/Shutterstock)
Abb. 5.100: Blicken die Personen zur Kamera, ist Lächeln glaubhaft. ( (© Pressmaster/Shutterstock)

Ausdruck | Ein zweites Problem neben omnipräsenten Business-Uniformen stellt das unvermeidlich breite Lächeln der -Modelle dar. Wirklich gute Models schaffen es zwar auf Kommando das natürlichste Lächeln der Welt ins Gesicht zu zaubern und bei Motiven die ganz offensichtlich im Stile eines Porträt- oder Gruppenfotos inszeniert sind (Abb. 5.100) geht das wohl auch in Ordnung. Doch wenn vier Personen vor einem iPad sitzen und grinsen (Abb. 5.101), dann sind sie nicht an der Arbeit, sondern schauen sich ein Filmchen auf Youtube oder die Urlaubsfotos des Mannes mit dem Tablett in der Hand an. Was würden Sie von Leuten denken, die mit Ihnen am Besprechungstisch sitzen und pausenlos grundlos vor sich hin grinsten ? Genau ! Deshalb suche ich in den Gesichtern der Modelle zur Situation passende Gesichtsausdrücke – freundlich : meistens ja ; breit grinsend : das muss zur Szene passen.

Abb. 5.101: Ist das eine authentische Projektbesprechung? (© Edyta Pawlowska/Shutterstock)
Abb. 5.101: Ist das eine authentische Projektbesprechung? (© Edyta Pawlowska/Shutterstock)
Abb. 5.102: Direkter Blick (inklusive eines Lächelns) (© Mila Atkovska/Shutterstock)
Abb. 5.102: Direkter Blick (inklusive eines Lächelns) (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Blickrichtung | Über die Wirkung direkten Blickkontakts und wie man von der Kamera abgewandte Blicke nutzen kann haben wir uns bereits unterhalten. Abbildung 5.102 zeigt dazu noch einmal ein starkes Motiv, nämlich ein niedliches Tierkind. Verstärkt wird die Bildwirkung durch den Eindruck der Hund lächle, was ihm menschliche Züge verleiht, ohne seine Niedlichkeit zu untergraben. Abbildung 5.103 zeigt wie viel Kraft das Bild einbüßt, wenn derselbe Hund nicht mehr in die Kamera blickt.

Abb. 5.103: Der Blick zur Seite schwächt die Wirkung (© Mila Atkovska/Shutterstock)
Abb. 5.103: Der Blick zur Seite schwächt die Wirkung (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Kindchenschema | Noch mehr Kraft als niedliche Tierkinder haben natürlich knuddlige Menschenkinder. Das Gesicht eines Babys ist ein Schlüsselreiz dem wir uns nicht entziehen können : Große Augen, Pausbäckchen, Stupsnase, kleines Kinn, großer Oberkopf. Vor allem Tiere die mehr oder weniger deutlich diesem Schema entsprechen empfinden wir als niedlich. Dem folgend sind auch Comic Figuren gezeichnet indem diese typischen Merkmale betont werden, jedenfalls so lange es um die guten Charaktere geht. Bei Bösewichten kann man das schon einmal umkehren.
Abbildung 5.105 und 5.106 demonstrieren ein weiteres mal den Unterschied der Bildwirkung ob das Subjekt – das Kleinkind – in die Kamera sieht und damit dem Betrachter in die Augen, oder ob der Blick zur Seite gerichtet ist.

Es gibt natürlich immer Gründe sich für Aufnahmen zu entscheiden, bei denen das Modell nicht zur Kamera blickt. Neben des Potenzials die Blickrichtung des Protagonisten zu nutzen, um Botschaften markant zu platzieren, vermitteln Bilder, auf denen der Blick und damit das Interesse nicht der Kamera gilt, eher den Eindruck, eine reale Szene zu beobachten und nicht eine gestellt – Aufnahmen können so also an Authentizität gewinnen. Blickt das Modell zu Kamera ist klar, dass es die Kamera gesehen hat und für das Foto posiert – wahrscheinlich sagte der Fotograf : »Hier ist das Vögelchen.« Und : »Say Cheese.«

Abb. 5.107: Visionärer Blick (© PT Images/Shutterstock)
Abb. 5.107: Visionärer Blick (© PT Images/Shutterstock)

Der in die Ferne gewandte Blick (Abb. 5.107) kann etwas Visionäres vermitteln – den Blick in die Zukunft oder Weisheit. Doch auch hier kommt es auf den Charakter des Blicks und der Aufnahme an. Bei Abbildung 5.108 scheint mir das Modell eher durch irgendetwas im Garten von der eigentlichen Aufnahme abgelenkt zu sein.

Abb. 5.108: Der Blick wirkt hier vor allem abgelenkt. (© Natalia Hirshfeld/Shutterstock)
Abb. 5.108: Der Blick wirkt hier vor allem abgelenkt. (© Natalia Hirshfeld/Shutterstock)

Üblicherweise sollte man die Leserichtung berücksichtigen, wenn der Blick in die Ferne den visionären Blick in die Zukunft vermitteln soll – Blickrichtung nach links wird eher rückwärtsgewandt empfunden (Abb. 5.109), während der Blick nach rechts nach vorne geht und somit als in die Zukunft gerichtet assoziiert wird (Abb. 5.10).

Bildstil | Neben diesen inhaltlichen Fragen zu Authentizität, Ausdruck und Blickrichtung ist auch der Bildstil relevant. Für mich eine weitere Hürde Aufnahmen zu finden, mit denen ich rundum glücklich bin. Die Masse der Aufnahmen sind sehr clean inszeniert, fotografisch umgesetzt und nachbearbeitet. Dafür gibt es natürlich gute Argumente, denn wie ich weiter vorne bereits bemerkte ist professionelle Fotografie notwendig wenn dem Betrachter eines Folders, Inserats oder Internetauftritts ein professionell arbeitendes Unternehmen näher gebracht werden soll. Das Ganze hat allerdings den Nachteil, dass die Aufnahmen dann auch in Bezug auf den fotografischen Charakter austauschbar wirken.
Bereits in den 1970er Jahren entwickelten Fotografen Teils sehr natürliche Aufnahmestile. Ein Trend, der in den 80er Jahren zurück ging und durch einen sehr klinischen Bildstil ersetzt wurde. Seit den 1990er Jahren gibt es einen zunehmenden Trend zurück zu natürlich wirkenden Aufnahmen.

Abb. 5.112: Nicht nur die Aufnahme durch das Glas lässt das Bild so spontan erscheinen - auch der geringe Kontrast und die kühle Farbtönung (© vita khorzhevska/Shutterstock)
Abb. 5.112: Nicht nur die Aufnahme durch das Glas lässt das Bild so spontan erscheinen – auch der geringe Kontrast und die kühle Farbtönung (© vita khorzhevska/Shutterstock)

Viele vor allem junge Fotografen arbeiten bewusst mit farblichen Verfremdungen und fotografischen sowie digitalen Effekten, die an sich nach den Regeln der Kunst Fehler wären. Doch genau diese scheinbaren Fehler und Abweichungen von fotografischer Perfektion machen die Aufnahmen authentischer, weil sie ein bisschen wirken, als hätte sie Otto Normalverbraucher mit seiner -Kamera geknippst. Trotzdem sieht man den Bildern die professionelle Hand an – sie wirken wie exzellente Glückstreffer eines Schnappschussfotografen und vermitteln so den Eindruck ganz nahe am eigenen Leben aufgenommen worden zu sein.

Neben diesen Stilmitteln die Bildern eine spontane und natürliche Wirkung verleihen, gibt es auch eine Tendenz Schattierungen durch überbetonte Dynamik herauszuarbeiten was zu einem eher unnatürlich anmutenden Bildcharakter führt (Abb. 5.113) und manchmal beinahe wie gemalt wirkt. Dieser Trend folgt einer neuen Technologie der digitalen Fotografie, die sich High Dynamic Range (HDR) nennt. Nach der ersten Euphorie über den neuen Bildstil und die damit verbundenen Möglichkeiten kehrte bei professionellen Fotografen bald Ernüchterung ein, was meiner Ansicht nach vor allem an Unmengen laienhafter HDR-Aufnahmen lag, die soziale Netzwerke und Bilder-Communitys überfluteten. Mittlerweile gewinnt der Stil auch in der professionellen Fotografie wieder an Fahrt und ich habe den Eindruck, dass wir gerade eine Veränderung unseres Empfindens wie Fotos auszusehen haben, erleben.

Abb. 5.113: Das Bild erinnert an den Charakter sogennanter HDR-Bilder - ein Stil, der sehr stark im Kommen ist. (© BestPhotosStudio/Shutterstock)
Abb. 5.113: Das Bild erinnert an den Charakter sogennanter HDR-Bilder – ein Stil, der sehr stark im Kommen ist. (© BestPhotosStudio/Shutterstock)

Sowohl der HDR- als auch der natürliche Bildstil findet sich im Moment jedoch vor allem bei bestimmten Themenbereichen. Gerade der betont natürliche Bildstil mit seinen Teils verschobenen, verblassten und verwaschenen Farben, mit Blendenflecken, über- und unterbelichteten Bildbereichen und Unschärfen auch da, wo sie an sich nicht sein sollten, findet sich vor allem im Bereich jugendlichen Lifestyles. In vielen Bereichen jedoch tut man sich schwer Bildstile abseits eines cleanen Norm-Looks zu finden.

Maßgeschneiderte Lösungen 
vom Auftragsfotografen

Klar im Vorteil ist wer sich nicht im Angebot von Bildagenturen nach Aufnahmen von der Stange umsehen muss, sondern einen Profifotografen beauftragen kann. Ihm können Sie Vorlagen zeigen, die den Charakter, das Aussehen und die Stimmung der Aufnahme die sie wünschen zeigen. Mit ihm können Sie Modelle aussuchen die Ihren Vorstellungen entsprechen und Sie können bei der Aufnahme dabei sein, um Regieanweisungen zu geben. Ihm können Sie auch sagen, wie weit er bei der Retusche gehen soll.

Schön wäre natürlich man könnte für jedes Bild einen Profi engagieren der das gewünschte Bild nach Maß schneidert. Die Realität liefert aber oft Situationen, in denen das nicht möglich ist, sei es aus Zeit- oder Budgetmangel. Ich habe für dieses Buch hunderte Bilder benötigt um die Erklärungen zu illustrieren und das Layout lebendig zu gestalten. Nicht jedes Foto sieht genau so aus, wie ich es mir wünschte. Doch jede Aufnahme mit Modellen und Fotografen gesondert zu inszenieren, wäre weder zeitlich noch wirtschaftlich realistisch. Aus diesem Grund schätze ich das Angebot von Shutterstock, Fotolia, iStockphoto & Co als wertvolle Bereicherung für den Gestaltungsalltag, auch wenn die Arbeit damit Kompromisse fordert – Kompromisse die man bei der Arbeit mit einem Fotografen nicht eingehen muss.

(Leseprobe aus dem Buch „Grafik und Gestaltung„*, 2. Auflage von Markus Wäger, Galileo Verlag, 2014)

* Affiliate

Frag den Fotograf: Für wie viele Credits sollte ich meine Bilder anbieten?

In letzter Zeit habe ich des öfteren Emails mit kurzen Fragen bekommen. Meist habe ich diese kurz beantwortet, bis ich gemerkt habe, dass sich einige Fragen doch wiederholen. Deswegen möchte ich die Fragen wieder vermehrt hier im Blog veröffentlichen, damit ich bei Bedarf auf die Antwort verlinken kann und ihr auch als Leser etwas davon habt.
Vor paar Tagen schrieb mir Thorsten:
„Hallo Robert,
ich habe gestern ausführlich deine Beiträge über Microstockagenturen studiert. Ich fand darin viele übereinstimmende und neue Informationen zu diesem Thema.
Ich selbst bin seit 2010 bei Fotolia und begann mit Fotos. Musste aber feststellen, dass ich mehr Talent in der Bildbearbeitung/Manipulierung, Illustrationen und Vektoren habe. Da ich das noch nebenbei mache, ist mein Portfolio bei weitem nicht so groß.  Aber ich scheine auf dem besten Weg zu sein, dass meine Grafiken immer mehr Zuspruch finden.
Aber weshalb wende ich mich an dich? Ich habe eine Frage: Welche Erfahrungen hast Du in puncto angebotene Credits? Ich sehe bei dir, dass du fast alle Bilder mit 1, max. 2 Credits anbietest. Ist es aus deiner Erfahrung sinnvoller, mit einem Credit die Bilder anfangs einzustellen? Oder welchen Tipp kannst du mir geben?  Ich wäre dir für eine kurze Antwort sehr dankbar.
Viele Grüße
Thorsten“
Wem der ganze Microstock-Bereich neu ist, der versteht vielleicht die Frage nicht, deshalb eine kurze Erklärung. Bei vielen Bildagenturen können die Bilder nur mit einer Kunstwährung namens „Credits“ bezahlt werden. Über den Daumen gepeilt ist ein Credit meist ca. ein Euro, aber wer viele Credits kauft, bekommt viel Rabatt.
Bei der Bildagentur Fotolia haben Fotografen in gewissen Grenzen die Möglichkeit, den Startpreis für ihre Bilder selbst festzulegen. Standard ist 1 Credit für die kleinste Größe und dann immer mehr Credits für die nächstgrößeren Auflösungen. In dieser Tabelle seht ihr, ab welcher Ranking-Stufe die (nichtexklusiven) Fotografen den Startpreis der Credits festlegen können. Exklusive Fotografen haben noch mehr Möglichkeiten.
Möglichkeiten der Preisgestaltung durch Credits

Wer ein Bild mit zwei oder drei Credits als Startpreis verkauft, der kann pro Verkauf das Doppelte oder Dreifache verdienen.

Deshalb ist die Frage von Thorsten legitim, was sinnvoller ist: Lieber Viele Verkäufe mit 1 Credits oder weniger Verkäufe mit 2-3 Credits?

Bei der Beantwortung gibt es vor hauptsächlich vier Punkte zu berücksichtigen: Angebot und Nachfrage, Ranking, Konkurrenz-Preise und die Rückstufung.

Angebot und Nachfrage

Es ist ein einfaches marktwirtschaftliches Prinzip: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Dieser wird durch die Credits gesteuert. Das heißt vereinfacht: Wer sehr generische Motive fotografiert, die viel Konkurrenz haben, zum Beispiel freigestellte junge Damen oder Obst oder niedliche Katzen, der sollte bei einem Credit bleiben. Wer aufwändigere Shootings macht, die nicht so leicht zu kopieren sind, kann auch zwei Credits ansetzen und wenn diese Motive dann noch stark nachgefragt werden, sogar drei Credits. Ich habe das mal in eine Kreuzmatrix gefasst:

Auch der eigene Verdienst sollte etwas berücksichtigt werden. Ich habe mal einen zweiteiligen Test gemacht (siehe hier und hier), der gezeigt hat, dass man trotz weniger Downloads mit höheren Credit-Preisen mehr verdient. Demnach würde es ja für jeden sinnvoll sein, die Preise so hoch wie möglich anzusetzen? Nein. Denn auch die folgenden Faktoren spielen eine Rolle.

Das Ranking

Bei Fotolia steigen die Fotografen umso höher im Ranking, je mehr Fotos sie verkauft haben. Mit jeder weiteren Ranking-Stufe erhalten sie mehr Prozent vom Verkaufspreis (erkennbar als „Lizenzgebühr“ in der ersten Grafik oben). Die Fotografen beginnen bei 20% und können bis 46% erhalten. Wer seine Fotos nicht mit dem Startpreis von 1 Credit, sondern mit 2 oder 3 anbieten will, sollte bedenken, dass diese Bilder dann seltener verkauft werden. Das ist unter dem Strich durch den doppelten Verkaufspreis zwar trotzdem lukrativ, aber zu bedenken ist, dass der Fotograf auch mit jeder höheren Ranking-Stufe zwischen zwei bis sechs Prozentpunkte mehr Umsatz erhält. Auch dadurch erhält der Fotograf mehr Geld.

Meine Empfehlung ist daher, dass mindestens bis zum Erreichen des Gold-Status die Preise bei 1 Credit belassen werden sollten. Danach kann man selbst entscheiden, ob es sinnvoll ist, zu versuchen, die nächsthöhere Stufe durch mehr Verkäufe erreichen zu wollen, oder lieber direkt mehr abkassiert. Nicht ganz so relevant, aber unter ungünstigen Bedingungen entscheidend sind zwei weitere Punkte.

Konkurrenz-Preise

Fotolia weist Anbieter ab dem Smaragd-Ranking auf eine „Anpassung der Preisgestaltung“ hin:

„Erhält Fotolia Kenntnis, dass ein nicht exklusiver Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking seine Bilder, Vektoren oder Videos (die „Werke“) über andere Stockagenturen oder Webseiten vertreibt (von denen mindestens einige Werke die selben sind wie die über Fotolia angebotenen), und sind die für diese Werke erhobenen Downloadpreise der anderen Stockagenturen oder Webseiten im Vergleich niedriger als die für das Level „Weiss“ im Fotolia Ranking geltenden Downloadpreise, dann behält sich Fotolia gemäß der anwendbaren Gesetze vor, die Preise nach eigenem Ermessen und entsprechend der Konditionen für Anbieter mit dem Level „Weiss“ im Fotolia Ranking anzupassen. Im Rahmen der anwendbaren Gesetze ist Fotolia berechtigt aber nicht verpflichtet, sich von Zeit zu Zeit zu erkundigen, ob einzelne Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking ihre Werke über andere Stockagenturen oder Webseiten vertreiben, wobei diese Anbieter verpflichtet sind, Fotolia unmittelbar auf Anfrage mit diesen Informationen zu versorgen.“

Wer also bei Fotolia das Smaragd-Ranking erreicht hat und seine Bilder für 2 oder 3 Credits anbietet, gleichzeitig aber Bildagenturen beliefert, die für die XXL-größe weniger als 10 Euro/Credits verlangen, könnte von Fotolia auf das Level „Weiß“ zurückgestuft werden. Preislich betrifft das zum Beispiel Agenturen wie 123rf, Canstock oder PhotoDune und nach der jüngsten Preissenkung sogar iStockphoto.

Es scheint von Fotolia jedoch nicht streng gehandhabt zu werden. In der Praxis ist nur bekannt, dass Yuri Arcurs damit gezwungen wurde, von 4 Credits Startpreis auf 3 zurückzuschrauben, bevor er sich endgültig zurückzog. Diese Option sollte man aber im Hinterkopf behalten. Etwas realer ist dagegen folgendes Szenario:

Rückstufung wegen geringer Verkäufe

Ende Juli führte Fotolia eine neue Änderung ein. Bilder, die sich seit sechs Monaten nicht mehr verkauft haben, werden preislich auf den normalen 1-Credit-Startpreis runtergestuft. Nach 24 Monaten ohne Verkäufe erfolgt eine nochmalige Preisreduzierung. Hier die Preise nach einer solchen Rückstufung:

Wenn sich so ein runtergestuftes Bild wieder drei Mal verkauft hat, werden die Preise wieder auf den normalen Standard von 1 Credit bis 10 bzw. 12 Credits (ab Gold-Ranking) gesetzt. Das heißt für die Entscheidung beim Setzen des Startpreises: Wer sein Bild zu teuer anbietet, riskiert, dass es sich seltener verkauft und dann noch billiger als ohnehin schon angeboten wird.

Wie mache ich es?

Ich lasse alle meine Fotos standardmäßig auf 1 Credit. Nur exklusive Bilder fangen mit 2 Credits an. Wenn sich ein Bild besonders gut verkauft hat, mindestens 100x, dann setze ich es je nach Motiv auf 2 Credits hoch. Den Startpreis von 3 Credits darf ich ja erst seit meinem Erreichen des Saphir-Rankings vor einigen Wochen festsetzen, deswegen habe ich damit noch keine Erfahrungen gemacht.

Mit diesen vier Faktoren im Hinterkopf sollte jetzt jeder in der Lage sein, selbst entscheiden zu können, welcher Startpreis für welche Bilder der richtige ist.

Wie macht ihr das? Nach welchen Kriterien legt ihr eure Startpreise fest?