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Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 02

Ob ich denn nicht mal…? Ab und zu fragen mich andere Fotografen, ob ich Ihnen nicht einige Tipps zur Stockfotografie geben könne.

Klar, mache ich gerne. Aber damit auch andere Fotografen etwas lernen können, möchte ich konkrete Tipps zu konkreten Stockfotos in der Artikelserie „Pimp My Stock“ geben. In der zweiten Folge fragt mich der Wiener Fotograf Elia, wie sich einige seiner Fotos in Bildagenturen machen würden. Bisher macht er vor allem Reportagefotos und Auftragsarbeiten, möchte aber stärker in die Stockfotografie einsteigen. Er fotografiert meist mit der Canon EOS 30D.

Wer ebenfalls von mir kostenlos Tipps haben will, ob seine Fotos „stocktauglich“ sind, kann gerne ebenfalls mitmachen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kurze Mail, in der ihr Euch vorstellt, z. B. wie lange ihr Fotos macht, mit welcher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos verkauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-Branche vorhabt.
– Wenn ich ausreichend Zeit habe für Bildbesprechungen, bitte ich Euch, mir 5-10 Bilder in kleiner Auflösung zu schicken.
– Diese werde ich dann in einem Blogbeitrag wie diesem veröffentlichen (auf Wunsch auch anonym) und meine Kommentare abgeben aus Business-Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, sondern wie verkäuflich das Foto sein könnte oder wie es verkäuflicher gemacht werden könnte.
Kritisch, ehrlich, subjektiv.

Nun, aber die Fotos:

Makeup (© Elia Zilberberg)

Das erste Foto ist ein pastellfarbenes Stilleben von Make-Up-Zubehör. Das Motiv ist bei Bildagenturen gern gesehen und die leichte Schräge ist auch Teil der modernen Bildsprache.
Das Weiß läuft vielleicht etwas zu stark aus und könnte bei einigen Bildagenturen zur Ablehnung wegen „technischer Mängel“ führen, auch wenn ich finde, dass es das Helle und Schöne, was dem Beauty- und Wellness-Bereich gerne zugeschrieben wird, betont.
Die Farbtöpfchen im Vordergrund könnten in der Stockfotografie etwas sauberer sein, vor allem im Bereich der Werbung. Bei einer redaktionellen Verwendung ist das weniger ein Problem.

Fuss (© Elia Zilberberg)

Eine ungewöhnliche Perspektive zeichnet dieses Foto aus. Die Betonung auf den vorderen Fuß lässt einen gleich daran denken, wie es sich anfühlen würde, im Wasser zu planschen und zu schweben. Der Ring am Zeh wirkt meines Erachtens etwas störend, weil er die Aufmerksamkeit zu stark beansprucht.
Auch unter dem Fuß hätte mehr Platz sein können. Die dunklen Stellen oben links brechen die helle Wellness-Atmosphäre auch etwas unpassend, können aber mit Photoshop schnell entfernt werden. Insgesamt aber ein Foto, was sich gut verkaufen könnte.

Blasen (© Elia Zilberberg)

Ich kann nicht genau erkennen, was das Foto abbildet, vermute aber, es sind Wassertropfen. Ein Foto, was nicht jeder Fotograf nachmachen könnte und deshalb auch weniger Konkurrenz bei den Bildagenturen haben wird. Zusammen mit den passenden konzeptionellen Suchbegriffen sollte das Foto gut verkäuflich sein. Höchstens ein blauer Hintergrund könnte die Assoziation mit Wasser verstärken und für noch mehr Verkäufe sorgen. Warum also nicht in Photoshop die Farbe ändern und den Agenturen beide Versionen anbieten?

Gericht (© Elia Zilberberg)

Dieses Foto eines reichhaltig gedeckten Tisches lebt von der ungewöhnlichen und nur aufwändig zu erreichenden Perspektive. Zusammen mit dem weichen, aber dennoch modelierenden Licht von links ergibt das ein Foto, um das sich Bildagenturen prügeln würden. Bevorzugen wäre eine Bildagentur, die sich auf Food-Fotos spezialisiert hat, wie z.B. Stockfood oder Delipix.
Verbesserungeswürdig wäre noch die Ausrichtung des Fotos: Alle Tischkanten sollten parallel zum Bildrand laufen. Mit etwas Photoshop-Arbeit lässt sich das aber noch richten.

Enten (© Elia Zilberberg)

Ein herrliches Motiv: Eine Entenfamilie mit niedlichen kleinen Kücken. Einsam, aber dicht gedrängt, geht sie auf der Straße und die Eltern scheinen sich etwas zu erzählen oder Zuneigung zu signalisieren. Das Foto ist hervorragend geeignet, um Konzepte wie „Familie, Vertrauen, Sicherheit, Geborgenheit oder Kindheit“ zu verkörpern. Zwei kleine Nachteile nur: Die meisten Bildagenturen bevorzugen Farbfotos mit der Begründung, dass der Kunde schneller aus einem Farbbild ein S/W-Foto erzeugen kann als andersrum. Auch wirkt es auf mich, als läge die Schärfe nicht genau auf den Köpfen der erwachsenen Enten, aber das kann ich bei der Bildgröße nicht richtig beurteilen.

Weg (© Elia Zilberberg)

Eine generische Landschaft. Ein Weg. Viel Himmel. Von diesen Motiven gibt es unzählige und deshalb wird es so ein Foto schwer haben, von Bildagenturen genommen zu werden. Da solche Motive von Kunden trotzdem häufig gefragt werden, würde sich der Aufwand lohnen, es etwas zu verbessern. Das Blau des Himmels sollte abgedunkelt und gesättigt werden, auch das Grün der Wiese kann hervorgehoben werden. Die einzelnen Zweige und dazugehörigen Schatten unten rechts lassen sich noch entfernen. Dazu noch die passenden Suchbegriffe wie „Weg, Himmel, blau, Natur, Landschaft, Ziel, Reise, Urlaub, etc.“ und die Verkäufe können kommen.

Feld (© Elia Zilberberg)

Bei der Bewerbung für die Bildbesprechungen hat mit Elia ca. 50 Fotos geschickt, von denen viele Fotomotive mit Menschen waren, beim Sport oder beim Feiern und die sich sehr gut verkauft hätten. Es ist mir rechtlich jedoch zu unsicher, diese hier zu zeigen, weil für die Fotos kein schriftlicher Modelvertrag vorliegt. Genau das ist auch der Grund, warum diese Fotos es bei Bildagenturen schwer haben würden.

Als Kompromiss hier ein Foto, bei der eine Frau nur unscharf im Hintergrund zu sehen ist. Mir gefällt das Foto, weil die Haltung der Frau eine nachdenkliche, betrübte Stimmung symbolisiert. Die scharfgestellten filigranen, feinen Blüten im Vordergrund unterstreichen die Sensibilität des Augenblicks noch. Insgesamt ein gelungenes Stockfoto.

Futter (© Elia Zilberberg)

Katzenfotos gibt es zuhauf in der Stockfotografie. Dieses Foto hebt sich davon durch die strenge Linienführung ab und hat neben niedlichen Katzen auch mehrere Themen zu bieten: „Ernährung, Futterneid, Teilen, …“
So ist es in der Stockfotografie gut aufgehoben. Entfernt werden könnte noch das Graffito unten links, auch wenn die Buchstaben „ATE“ das englische Wort für „gegessen“ (bzw. aß) bilden und somit thematisch sogar passen würden.

Operation (© Elia Zilberberg)

Das ist nichts für schwache Nerven. Blut dominiert das Foto, zusammen mit einer offenen Wunde und drei Händen, die mit spitzen Werkzeugen daran werkeln. Die Magenverträglichkeit des Fotos ist diskutabel, nicht aber die gelungene Komposition, bei der alle Werkzeuge die Blicke auf die Wunde lenken und die Reduzierung auf di beiden Grundfarben Blau und vor allem das Rot.
Die Konkurrenz bei diesem Motiv ist in Bildagenturen gering und somit dem Verkauf sehr zuträglich.
Nur das Auge oben rechts irritiert und sollte am Computer ebenfalls wegoperiert werden.

Katzen (© Elia Zilberberg)

Nach dem Blutschock etwas Niedliches zur Versöhnung. Katzenbabies! Wie beim vorigen Katzenfoto schon geschrieben, gibt es diese Tiere bei Bildagenturen zuhauf und deshalb steht die Hauskatze bei vielen Bildagenturen mittlerweile auf der Liste der „unerwünschten Motive“. Diesem Foto rechne ich trotzdem gute Verkaufschancen aus, weil Katzenbabies, vor allem als Gruppe, so süß sind, dass sich immer genug Käufer finden werden. Voraussetzung: Die obere Katze muss scharf sein, was beim kleinen Vorschaubild nicht genau erkennbar ist.

So, nun seid ihr dran. Decken sich meine Einschätzungen mit Euren Erfahrungen oder würdet ihr einigen Motiven mehr oder weniger Verkaufschancen einräumen als ich?