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Kann ich nicht-exklusiv gleich viel Geld verdienen wie ein exklusiver iStock-Fotograf? (Gastartikel)

Vor paar Wochen hat der Hobby-Fotograf Michael Zwahlen in seinem Blog diesen englischen Artikel über die Exklusivität bei iStock veröffentlicht. Auf meinen Wunsch war Michael so freundlich, den Text etwas auszubauen und ins Deutsche zu übersetzen. Los geht’s, ab jetzt schreibt Michael:

Ich habe vor 15 Monaten den für mich grossen Schritt gewagt, nach sechs Jahren meine Exklusivität bei iStockphoto zu kündigen. Da ich stets aktives Mitglied der Community bei iStock war, werde ich seitdem regelmäßig gefragt, welche Erfahrungen ich seitdem gemacht habe.

Michael Zwahlen - Selbstportrait zum Verkauf über Stocksy
Michael Zwahlen – Selbstportrait zum Verkauf über Stocksy

Eine der häufigsten Fragen ist natürlich: Kann ich als Nicht-Exklusiver ähnlich viel Geld verdienen wie als Exklusiver?

Meine einfache Antwort: Ja. Zumindest ist mir das sehr schnell gelungen. Die etwas kompliziertere Antwort: Es kommt darauf an.

Meine persönliche Vorgeschichte

Als ehemaliger Software-Entwickler und Projektleiter habe ich die Fotografie für mich Ende der 1990er Jahre eher aus dem Interesse an Kameras als „Gadgets“ entdeckt: Meine erste Digitalkamera war eine Olympus mit VGA-Auflösung, als 640×480 Pixel (0,3 Megapixel!). Die Bildqualität war im wahrsten Sinne be“rauschend“. Ende 2001 habe ich mir eine Sony F505V zugelegt, die mit einem fest eingebauten Zeiss-Objektiv und 2,6 Megapixel schon brauchbare Bilder produzierte.

Gleichzeitig entstanden die ersten Online-Dienste, über die „jedermann“ seine Fotos zur Lizenzierung anbieten konnte. Da ich damals in der Schweiz wohnte, las ich über die Gründung von ImagePoint, bewarb mich und wurde akzeptiert. Ich wusste jedoch wenig über Fotografie, bekam wenig Bilder akzeptiert, freute mich aber über zwei oder drei Verkäufe pro Jahr.

Der erste Bildverkauf 2002 von Michael Zwahlen bei ImagePoint
Der erste Bildverkauf 2002 von Michael Zwahlen bei ImagePoint

Bis Anfang 2007 wurde Fotografie dann zu meinem Lieblings-Hobby, und ich begann zu recherchieren, ob ich damit nicht zumindest genug Geld verdienen könnte, um ab und zu eine neue Kamera oder eine Reise zu finanzieren. Ich entdeckte Microstock, wurde bei iStockphoto im 2. Versuch akzeptiert und bei Shutterstock abgelehnt. Ich konzentrierte mich also zunächst auf iStock und lernte schnell und viel aus der damals sehr aktiven und unterstützenden Community.

Die nächsten sechs Jahre habe ich mich dann für die Exklusivität entschieden und halte die Entscheidung auch bis heute für richtig. Als Hobby-Fotograf habe ich dort mit relativ wenig Bildern und wenig administrativem Aufwand gutes Geld verdient. Bis im Herbst 2011. Damals hat iStock seine Suche umgestellt, als Ergebnis brachen die Umsätze meiner Bestseller und damit mein ganzer Umsatz innerhalb von drei Monaten um über 50% ein.

Ende 2012 habe ich mich zur Kündigung meiner Exklusivität entschieden. Damals habe ich noch mit einer Partnerin zusammen gearbeitet, und wir haben mein (kleineres) Portfolio als Testprojekt für die Nicht-Exklusivität genutzt. Seit Mitte 2013 arbeite ich Vollzeit daran, mein Portfolio auszubauen und von der Stock-Fotografie zu leben.

Die ersten Erfahrungen

Der Schritt in die Nicht-Exklusivität bedeutet zunächst, dass man sein gesamtes bestehendes Portfolio zunächst „wiederfinden“, zusammenstellen und eventuell überarbeiten muss. Als iStock-Exklusiver ist die Motivation nicht sehr groß, die Metadaten bereits in Lightroom oder Photoshop zu verwalten, da man anschließend sowieso die Arbeit erneut mit Hilfe des „Kontrollierten Vokabulars“ von iStock machen muss. Zwar hatte ich bereits in knapp der Hälfte meiner Bilder die Metadaten eingetragen, bei mehr als 500 Bildern musste ich das jedoch noch nachholen.

Zudem musste ich von teilweise vier oder fünf Jahre alten Bildern die Model Releases zusammensuchen. Zum Glück war ich in dieser Hinsicht auch gut genug organisiert, dass mir dies in kurzer Zeit gelang. Ich stellte jedoch fest, dass ich einen Teil meines Portofolios nicht anderweitig verwenden konnte: Bilder, die ich auf „Minilypses“ oder „iStockalypses“ geschossen habe, den von iStock organisierten und mitfinanzierten Gruppen-Shootings. Diese Bilder sind auch für Nicht-Exklusive vertraglich an iStock gebunden. Da ich diese Events gerne besuchte, habe ich nach wie vor einige hundert Fotos exklusiv bei iStock, erhalte jedoch die nicht-exklusive Bezahlung hierfür. Auch hatte ich für einige Shootings Model Releases mit dem deutschsprachigen Vordruck von iStock verwendet. Als iStock-Exklusiver natürlich kein Problem, aber so manche Agentur will einen nicht-englischen Vertrag mit einem fremden Firmenlogo einfach nicht akzeptieren.

Da man nach der Kündigung der Exklusivität noch 30 Tage warten muss, hatte ich jedoch ausreichend Zeit, um etwa 500 meiner 1.800 Bilder vorzubereiten und hatte diese praktisch sofort nach Auslaufen dieser Wartezeit bei Shutterstock, Fotolia, Depositphotos, 123RF, CanStockphotos und GL Stock online. Innerhalb von drei Monaten waren es dann über 1.000 Bilder bei neun Agenturen.

Wie sich die Einnahmen entwickelten

Wer die Exklusivität bei iStock aufgibt, sieht sich unmittelbar mit zwei Faktoren konfrontiert: Erstens sinkt der prozentuale Anteil an den Einnahmen, in meinem Fall von 30% auf 17%. Hinzu kommt jedoch auch, dass die Bilder günstiger angeboten werden. Ich hatte nur wenige Bilder in Vetta, aber meine Exklusive+ Bilder haben regelmäßig Erträge von $10 bis $20 erzielt. Als exklusiver iStock-Fotograf ist man eigentlich kein echter Microstocker mehr, denn viele Bilder werden eher zu Midstock-Preisen von $50 oder $200 angeboten.
Anfang 2013 hatte ich hier in der Regel nur noch halb so hohe Preise, inzwischen werden nach einer Preissenkung Mitte 2013 sogar für nur noch 1-7 Credits angeboten. Der Einbruch bei den Einnahmen bei iStock betrug insgesamt also etwa 75-80%.

Übliche Verkaufspreise bei iStock als exklusiver Fotograf...
Übliche Verkaufspreise bei iStock als exklusiver Fotograf…

Trotzdem hat es in meinem Fall nur wenige Monate gedauert, bis ich wieder ungefähr gleich hohe Einnahmen erzielte wie in meinem letzten Jahr als exklusiver iStocker: Shutterstock hat hier den größten Teil übernommen, aber auch bei Fotolia konnte ich schnell auf regelmäßige Einnahmen zählen. Überraschend schnell und gut sind auch meine Einnahmen aus dem Partner-Programm von iStock gestiegen. Als Exklusiver hatte ich noch die Option, den Großteil meines Portfolios aus dem Vertrieb über Thinkstock und photos.com auszuschliessen, als Nicht-Exklusiver kommen heute etwa die Hälfte meiner iStock-Einnahmen aus dem Partner-Programm.

...und hier danach als nichtexklusiver Fotograf.
…und hier danach als nichtexklusiver Fotograf.

Im April 2013 – also nach nur drei Monaten – konnte ich wieder ähnliche Einnahmen erzielen wie im Vorjahresmonat. Seit Juni 2013 habe ich bis auf eine Ausnahme jeden Monat im Jahresvergleich mehr Lizenzeinnahmen erzielt. Im Jahr 2014 habe ich bisher jeweils rund 50% mehr Umsatz erzielt als in meinem letzten Jahr als iStock-Exklusiver. Für mich persönlich ist die Entscheidung zur Unabhängigkeit also voll aufgegangen, und zwar schneller als erwartet.

Übliche Verkaufserlöse bei Shutterstock
Übliche Verkaufserlöse bei Shutterstock

Lassen sich diese Erfahrungen auf andere übertragen?

Hier kann man Zweifel anmelden: Zum einen bin ich kein überragender Fotograf. Ich habe keinerlei formale Ausbildung, keine anderen Erfahrungen im grafischen Bereich. Etablierte und erfahrene Fotografen haben möglicherweise eine deutlich höhere Qualität. Mir sind die geringeren Qualitätsanforderungen (vor allem in Bezug auf die Bildästhetik) der Microstock-Agenturen also entgegen gekommen. In Bezug auf Bildrauschen oder Artefakte zahlen sich die Erfahrungen mit den (früheren) harten Inspektionen bei iStock aus: Meine Akzeptanzquote liegt bei den meisten Agenturen bei deutlich über 90%.

Portfolio-Zuwachs bei den verschiedenen Bildagenturen
Portfolio-Zuwachs bei den verschiedenen Bildagenturen

Ich habe jedoch stets gesagt, dass meine Bilder sich vermutlich eher im billigen Bereich verkaufen. Mit den ständigen Preiserhöhungen bei iStockphoto wurde es zwar vielen professionellen Fotografen ermöglicht, aufwändigere Shootings zu finanzieren, meine Bilder konnten sich bei den höheren Preisen aber nicht gut behaupten. Ich war von wenigen Ausnahmebildern abhängig.

Zudem hatte ich nur wenige Bilder in den Top-Kollektionen Vetta und The Agency Collection, mit denen sich hohe Lizenzeinnahmen sowohl bei iStock selbst als auch über die Getty-Seite erzielen ließen. Meine Einnahmen aus der Partnerschaft mit Getty betrugen weniger als 5%, daher habe ich hier praktisch keine Verluste gehabt. Andere iStock-Fotografen erzielen teilweise bis zu 20% ihrer Lizenzeinnahmen über die Getty-Seite und weitere 20% aus den höherpreisigen Kollektionen. Diese Bilder werden bei einer Vermarktung über Shutterstock & Co ziemlich sicher keine ähnlichen Umsätze erzielen.

Auch hatte ich das Glück, als einer der Gründungs-Fotografen bei Stocksy United bereits von Anfang an auch eine Agentur zu haben, bei der ich „künstlerisch höherwertige“ Bilder platzieren konnte, die sich zahlenmäßig eher selten verkaufen, bei denen der Kunde aber zumeist auch kein Problem damit hat, $50 oder $100 für eine Lizenz zu bezahlen. Mit Westend61 habe ich außerdem eine Macrostock-Agentur gefunden, die einen Teil meiner Bilder über ihre Vertriebskanäle vermarktet. Schließlich habe ich einige Bilder über die (inzwischen nicht mehr existierende) Getty-Flickr-Kollektion vertrieben.

Natürlich gibt es einen weiteren Faktor: Das Arbeitsvolumen. Ich kann heute nicht ausschließen, dass ich mit vergleichbar viel Arbeit auch als iStock-Exklusiver wieder deutlich mehr verdienen würde als zuletzt in 2012. Hatte ich zum Ende meiner Exklusivität rund 1.800 Bilder in meinem Portfolio, sind es heute bereits deutlich über 3.000.

Meine persönlichen Schlussfolgerungen

Ich glaube, mit dem wachsenden Volumen an Bildern in Microstock wird es schwieriger, sich ausschließlich und mit allen Bildern in diesem Markt zu positionieren. Ausgewählte Bilder sollten zu höheren Preisen angeboten werden. Für 2014 erwarte ich, dass ich in diesem Bereich rund 10% meiner Lizenzeinnahmen erziele. Mittelfristig ist es mein Ziel, rund 20% meiner Bilder über höherpreisige Agenturen anzubieten und entsprechend hohe Einnahmen in diesem Bereich zu generieren.

All dies muss man sich jedoch erarbeiten, wenn man die Exklusivität bei iStockphoto aufgibt. Die Idee, alle Bilder einfach bei Shutterstock und Fotolia hochzuladen, halte ich für zu riskant. Hier gehen viele – auch gute – Bilder einfach in der Masse unter. Die Nicht-Exklusivität sollte ja gerade den Vorteil bieten, dass man für sich und seine Bilder alle Kanäle und alle Marktsegmente beliefern kann. Diesen Vorteil muss man nutzen.

Für mich der wesentliche Vorteil nach der Exklusvität war jedoch einerseits ein großer Motivationsschub und andererseits die unerwarteten Möglichkeiten: Als Exklusiver ist man den Änderungen bei einer einzigen Agentur ausgeliefert. Zwar kann man iStock und Getty nicht für alle Entwicklungen des Marktes verantwortlich machen, aber einige Probleme waren und sind hausgemacht. Das kann stark belasten, wenn man von den Einnahmen dort abhängig ist. Wie bei mir gesehen, kann eine Änderung im Suchalgorithmus sehr kurzfristig zu einem Einbruch der Einnahmen führen.

Verteilung der Einnahmen auf die verschiedenen Bildagenturen
Verteilung der Einnahmen auf die verschiedenen Bildagenturen

Zwar lese ich heute auch noch aufmerksam alle Änderungen bei den verschiedenen Agenturen. Aber ich bin nicht mehr abhängig davon, bei jeder Änderung auf der Seite der Gewinner zu sein. Falls eine Agentur heute ihre Suchergebnisse ändert, betrifft dies immer nur einen Teil meiner Einnahmen. Ich kann mich allgemeinen Markttrends zwar nicht entziehen, aber zumindest gleichen sich Schwankungen leichter aus.

Schließlich eröffnen sich teilweise Möglichkeiten, die man als iStock-Exklusiver nie auch nur in Erwägung gezogen hätte. Rund 20% meiner Einnahmen heute erziele ich ausserhalb der Stock-Fotografie. Das hätte ich zwar auch als iStock-Exklusiver machen können, jedoch hat man dort verständlicherweise einen sehr eingeschränkten Blick.

Insgesamt bin ich mit meiner persönlichen Entwicklung sehr zufrieden, auch wenn ich insgesamt noch zu wenig Geld verdiene. Neben der finanziellen Situation hat sich vor allem auch meine Perspektive auf die Fotografie geändert: Wenn man ausschließlich für iStock produziert, schränkt man sich fotografisch oftmals stark ein – man macht einfach das, wovon man bereits weiß, dass es akzeptiert wird und sich verkauft. Heute kann ich viel mehr Risiken eingehen, auch mal ungewöhnliche Motive oder eine neue Bearbeitungstechnik auszuprobieren. Zwar erhalte ich dann auch öfter Ablehnungen bei einer Agentur, kann es dann aber auch bei einer zweiten oder dritten probieren.

Meine Zahlen deuten darauf hin, dass ich im Herbst an meine besten Monate aus den Jahren 2010 und 2011 anknüpfen kann. Und ich bin überzeugt, dass ich 2015 neue Rekordeinnahmen vermelden kann. Daher kann ich voller Überzeugung sagen, dass ich den Schritt in die Nicht-Exklusivität in den letzten 15 Monaten nicht ein einziges Mal bereut habe.

Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?

Stockfotografie-News 2013-07-18

Puh, ich gebe zu, die News habe ich paar Wochen schleifen lassen und auf einmal waren es so viele Pressemeldungen und Web-Fundstücke, dass ich mich vor der Aufarbeitung gescheut habe. Aber jetzt heißt es, Ärmel hochgekrempelt und Ordnung bewahren im chaotischen Bildermarkt. Da sich so viele Meldungen angesammelt haben, teile ich es diesmal auf. Hier kommt die erste Hälfte, morgen am Freitag der Rest.

  • Getty Images scheint einen fiesen Deal mit Cafe Press ausgehandelt zu haben, der wie so oft Fotografen benachteiligt.
  • Dreamstime hat ihrer Webseite stockfreeimages.com, die kostenlose Bilder verschenkt, ein Freemium-Abo-Modell hinzugefügt. (Nichtexklusive) Fotografen erhalten demnach pro Download im Abo-Modell 10 US-Cent.
  • Der wohl berühmteste Microstock-Fotograf Yuri Arcurs ist jetzt exklusiv bei Getty Images. Seine Bilder bei Shutterstock und Fotolia sind schon verschwunden, die anderen Agenturen werden sicher bald folgen.
  • Die afrikanische Volksgruppe der Maasai haben die Nase voll, ungefragt von Touristen fotografiert zu werden. Deshalb versuchen sie jetzt, den „Maasai“-Namen und bestimmte traditionelle Farbkombinationen markenrechtlich schützen zu lassen.
  • Vom Gründer der Bildagentur Adpic gibt es jetzt eine neue Mediendatenbank namens xmstore, mit der nicht nur Bilder, sondern auch andere Medienformate wie Videos, Audiodateien, Texte oder Produkte verkauft werden können.
  • 123rf hat jetzt eine iPhone-App namens „Mobile Stock“, mit der Handyfotos zur Bildagentur hochgeladen werden können. Das funktionierte einem ersten Test von mir nach ganz gut.
  • iStockphoto-News 1: Das Upload-Limit für Fotos wurde auf 999 Bilder pro Woche gesetzt und damit faktisch aufgehoben.
  • iStockphoto-News 2: Darauf bekam die Agentur eine Flut neuer Bilder und die neue inoffizielle Regel lautet: Egal, wie dein Bild aussieht, wenn es keine rechtlichen Fallstricke (fehlender Model-Release, verstecktes Logo o.ä.) gibt, wird das Bild anstandslos angenommen. Das führt mitunter zu schaurig-skurrilen Portfolios wie diesem hier. In einigen Fotografengruppen gibt es gerade den „Sport“, ihre schrecklichsten Fotos (verwackelt, unscharf, Bildfehler etc.) hochzuladen, um zu schauen, ob wirklich alles angenommen wird.
  • iStockphoto-News 3:Nachdem iStockphoto die Preisstruktur geändert hatte, haben sie jetzt auch die Credits massiv gesenkt, parallel dazu aber die Preise pro Credit deutlich erhöht. Klingt verwirrend? Ist Absicht. Sean Locke klärt in diesem Blogartikel auf, wie die Masche funktioniert.
  • Hier gibt es ein sehr lesenswertes Interview mit dem Gründer der neuen Fotografen Co-Op Stocksy, Bruce Livingstone, der ebenfalls schon iStockphoto gegründet und danach verkauft hatte. Darin erklärt er auch, dass die Preise bei Stocksy teilweise günstiger als bei iStockphoto seien. Ich würde Getty Images, dem neuen Eigentümer von iStock glatt zutrauen, dass sie deswegen die oben genannten Preise geändert haben.
  • Fotolia hat jetzt eine schwedische Webseite eröffnet und ist damit jetzt in 23 Ländern und mit 14 Sprachen aktiv.

Morgen geht es hier mit mindestens genau so viel Meldungen weiter…

Top-Microstock-Fotograf Yuri Arcurs wird exklusiver Getty Images-Fotograf

Ein Gerücht machte Samstagmorgen die Runde: Der berühmteste Microstock-Fotograf der Welt, Yuri Arcurs, wird exklusiver Fotograf bei iStockphoto. Auslöser war die kleine goldene Krone, welche auf seiner Profilseite zu sehen ist und das Symbol für Exklusivität ist. Dazu kommt, dass alle seine Bilder bei Shutterstock verschwunden sind.

Nachdem in der Microstockgroup danach die Spekulationen anfingen, bestätigte Yuri Arcurs die Tatsache mit diesen Worten:

„Hi Guys.
We have found a good distribution partner (Getty Images) for the kind of content we produce. We will be removing all images from microstock doing the next few weeks. Microstock, especially subscription sites, are not suited for the kind of high production cost images we produce.
Best Yuri“

Die Reaktionen auf diese Ankündigung fallen sehr gemischt aus: Einige rufen das Ende von Microstock aus, andere vermuten finanzielle Motive hinter der Entscheidung und der Fotograf David Clark verglich diese Aktion mit „dem Buchen eines Erste-Klasse-Tickets auf der bereits sinkenden Titanic„.

Zur Zeit gibt es nur das obige Zitat als Aussage, aber einige Dinge lassen sich aus Erfahrung vermuten:

Die eigene Verkaufseite peopleimages.com von Yuri Arcurs, die seit ziemlich genau einem Jahr online ist, hatte nach fünf Monaten zwar nach Aussagen Yuris fünfstellige Umsätze, aber erzielte bei weitem noch keinen Gewinn. Außerdem hatte Yuri ebenfalls nach eigenen Aussagen geplant, weitere Fotografen über seine Webseite verkaufen zu lassen, also quasi eine eigene Bildagentur zu gründen. Das wäre für iStockphoto und Getty Images sicher gefährlich gewesen, weil Yuri Arcus bestimmt in der Lage gewesen wäre, viele talentierte Fotografen auf seine Seite zu ziehen, vielleicht sogar mehr, als es Stocksy jetzt schon mit Sean Locke, Rob Sylvan und vielen anderen geschafft hat. Vielleicht wollte Getty Images das wortwörtlich um jeden Preis verhindern.

Das zweite Thema, was sich in der Diskussion zur Ankündung herauskristallisiert hat, sind die „zu hohen Produktionskosten„, von denen Yuri spricht. Das ist vielleicht ein Fehler, dem Yuri (und andere große Bildfabriken wie CandyBox, Monkeybusiness oder Africa Studio) aufgesessen sind. Man braucht keine Hasselblad und Profoto Equipment, um für Microstock-Agenturen zu produzieren. Ein großes Team hilft, große Mengen in kurzer Zeit zu produzieren, aber oft kannibalisiert man sich damit eher selbst als andere, weil man zwangsläufig mehr Bilder hat, die durch die schiere Menge in den Suchalgorithmen der Bildagenturen hinten runter fallen. Durch eine eigene Bildagentur (Serverkosten, Service-Personal), ein großes Studio und viele Mitarbeiter gibt es hohe Deckungskosten, die ein einzelner Fotograf nicht hat. Konkret hat Yuri anscheinend über 100 Mitarbeiter und er braucht ca. 30 Monate, bis sich eines seiner Shootings durchschnittlich wieder rentiert. Das ist (zu?) viel.

Der dritte Punkt ist, die Sache als ein spannendes Live-Experiment zu sehen: Wird es Yuri Arcurs tatsächlich gelingen, seine Bilder aus den garantiert über 50 (vermutlich eher über 200) Bildagenturen weltweit zu löschen? Ich bezweifle das, aber das führt zum vierten Punkt:

Sind einige Exklusivfotografen gleicher als gleich? Normalerweise bedeutet „Exklusivität“ bei iStockphoto Fotografenexklusivität. Der Fotograf darf also keine anderen Bilder bei anderen RF-Agenturen verkaufen. Blend Images ist aber zum Beispiel eine Bildagentur, die es geschafft hat, diesen „Exklusivstatus“ bei iStockphoto zu erhalten und trotzdem unter eigenem Namen Bilder bei Fotolia, Shutterstock und so weiter verkaufen darf. Es wird vermutet, dass auch Yuri Arcurs eine nach ihm benannte „Getty-Kollektion“ beliefern könnte und damit das enge Exklusivität-Korsett lockert. Warum sollte er auch seine millionenteure Verkaufsseite nach einem Jahr wieder dichtmachen? Dass Yuri im obigen Zitat von Getty statt von iStockphoto spricht, deutet in diese Richtung.

Generell halte ich es für jemanden, der ausschließlich von dem Verkauf seiner Bilder lebt, weiterhin für sehr riskant, seine Bilder nur exklusiv anzubieten. Aber Yuri Arcurs ist kein träumender Künstler, sondern ein Geschäftsmann, der hart kalkulieren und verhandeln kann und vermutlich aus seiner Sicht gute Gründe für diesen Schritt hat. Deswegen wird es interessant sein zu beobachten, wie sich diese Sache entwickelt.

Wie sieht ihr das? Was könnten Gründe für seine Entscheidung sein?

iStockphoto ändert Preisstruktur

Vor paar Tagen hat die Microstock-Bildagentur iStockphoto angekündigt, ihre Preisstruktur komplett neu zu überarbeiten.

Bisher gab es viele verschiedene Kollektionen (grob aufsteigend sortiert nach Preis):

  • „Value Collection“ (ehemals „Dollar Bin“), Bilder, die sich lange nicht verkauft haben und für nur einen sehr geringen Preis angeboten werden
  • „Main Collection“, in der die „normalen“, nichtexklusiven Bilder waren
  • „Exklusiv“, also exklusive Fotos, die teurer als normale Bilder waren
  • „Photo+“, das waren Bilder nichtexklusiver Fotografen mit vielen Verkäufen, die ebenfalls etwas teurer verkauft wurden
  • „E+“, bei der exklusive Fotografen einen Teil ihrer Bilder einreichen konnten zu einem noch etwas höheren Preispunkt
  • „Vetta“, Bilder mit einer besonderen Bildsprache und außergewöhnlicheren Motiven zu einem noch höheren Preis
  • „The Agency Collection“ mit Bildern anderer (Macrostock-)Bildagenturen, fast zu Macrostock-Preisen

Das führte einerseits oft zu Verwirrung der Bildkäufer, weil diese nicht auf Anhieb erkennen konnten, wie teuer ein Bild war und auch die Bildqualität entsprach oft nicht immer dem genannten Preis (vor allem bei E+ und The Agency Collection). Außerdem beschwerten sich manchmal die exklusiven Fotografen, weil iStockphoto einen Preisfilter hatte, bei dem in den unteren Preisstufen logischerweise keinen exklusiven Fotos angezeigt wurden, weil diese durch die Bank weg teurer waren.

Deshalb hat iStockphoto nun entschieden, diese Preisstruktur zu vereinfachen. Im Grunde ist das ein begrüßenswerter Ansatz. Die geplante Struktur sieht so aus:

  • „Main“, die normalen nichtexklusiven Bilder sowie exklusive Fotos ohne Downloads
  • „Signature“, die normalen exklusiven Dateien sowie gut laufende nichtexklusive Bilder und E+-Dateien ohne Downloads
  • „Signature+“, besondere exklusive Files (E+) sowie sich sehr gut verkaufende nichtexklusive Bilder und Vetta-Bilder ohne Downloads
  • „Vetta“, die bisherigen Bilder aus der Vetta- und der Agency-Kollektion und aus E+, wenn letztere sehr viele Verkäufe und eine passende Bildsprache haben
  • „Value Collection“, wird nicht mehr aktiv beworben, scheint vorerst aber erhalten zu bleiben

Was bedeutet das?

Die größte Änderung ist, dass die Preisgrenze zwischen exklusiven und nichtexklusiven Bildern aufgehoben wird. Damit können nichtexklusive Bilder im Einzelfall teurer werden, aber vermutlich öfter exklusive Dateien billiger werden, wenn sie nicht oft genug verkauft werden. Angesichts der Aufhebung des Upload-Limits bei iStockphoto und der damit einher gehenden Flut neuer Bilder eine realistische Option. Außerdem können exklusive Fotografen keine Bilder mehr für E+ einreichen.

Neben der Vereinfachung der Preisstruktur ist das Ziel von iStockphoto, die Preise stärker an die Bildqualität zu binden. Beide Ziele halte ich mit diesen Mitteln nur teilweise für umsetzbar. Fangen wir mit der Vereinfachung an. 5 statt 7? Selbst wenn wir die auslaufende Value Collection ignorieren, haben wir 4 Preispunkte, genau so viel wie Fotolia übrigens. Viel wichtiger ist aber der Zusammenhang zwischen Preis und Qualität. Exklusive Bilder mit identischen Downloadzahlen bleiben im Vergleich zu nichtexklusiven Bildern trotzdem teurer. Das hat für mich eine Berechtigung eben wegen der Exklusivität, aber mit Bildqualität hat das nichts zu tun, denn exklusive Fotografen machen nicht automatisch bessere Bilder.

Noch krasser fällt der Unterschied bei Fotos aus der Agency Collection aus. Salopp gesprochen benutzen einige (nicht alle) Macrostock-Agenturen das als „Abfalleimer“ für ihre alten Bilder, die sie selbst nicht mehr verkauft bekommen und die nun ohne Qualitäts- oder Keyword-Filter zu iStockphoto kommen. Damit verstopfen sie die Suchergebnisse mit hohen Preisen, aber ebenfalls deutlich schwankender Qualität und teilweise einem hohen Bildalter, was bei People-Bildern ebenfalls einen Qualitätsunterschied durch einen veralteten Look (Kleidung, Frisur, Requisiten) bedeutet. Ich weiß, solche Vergleiche sind immer billig, aber trotzdem: Rechtfertigt die Bildqualität dieser beiden Fotos hier und hier einen 15fachen Preisaufschlag? Auch die Zusammenführung von der Agency-Kollektion mit Vetta führt zur Verwässerung, weil die letztere eine streng kuratierte Kollektion war und sie erste nicht.

Ebenfalls vergleichbar ist es, wenn wir an Motive denken, die im Überfluss vorhanden sind: Nehmen wir den berüchtigten „Apfel auf weißem Hintergrund„. Ein Foto dieses Apfel startet ganz unten in der Preiskette. Nach einigen Verkäufen wird das Bild hochgestuft und damit teurer. Die Kunden kaufen dann eben eins der fast identisch aussehenden, billigeren Apfel-Bilder. Damit fällt nach einer Weile wieder das teurere Apfel-Bild im Preis, das andere steigt auf und so weiter. Mit Qualität hat dieser Mechanismus wenig zu tun, eher mit (Über)-Angebot und Nachfrage. Andererseits ist es eben auch sinnvoll, weil ein grüner Apfel nicht besser wird, nur weil er exklusiv angeboten wird und damit allein deshalb in der Vergangenheit teurer war.

Außerdem wird es für Fotografen schwerer, welche sehr künstlerische Fotos mit außergewöhnlichen Motiven machen, die zwar optisch sehr ansehnlich sind, aber wegen ihrer Extravaganz oder Seltenheit keine Mainstream-Ware sind und nur wenige Verkäufe erzielen. Wenn jetzt Verkäufe der einzige Faktor für die Preiseinstufung sind, lohnen sich solche Motive noch weniger bei iStockphoto.

Was bedeutet das für exklusive iStock-Fotografen?

Wie viele andere Fotografen vermutet auch Michael Jay in seinem Blogartikel über die Änderung, dass hauptsächlich exklusive Fotografen die Risiken zu tragen haben werden. Im Grunde bleiben nach dieser Änderung nur zwei Vorteile für Exklusivfotografen: Die höheren Prozentanteile und die Möglichkeit, den Vertrieb über das Partnerprogramm (Thinkstock, Photos.com etc.) zu untersagen. Ich bin mir nicht sicher, ob das Anreiz genug ist.

Früher dachte ich immer, dass exklusive Bilder sehr wichtig für eine Agentur wären, weil sie sich damit von anderen abheben kann, aber es scheint, als bevorzuge iStockphoto stattdessen die Strategie, lieber den Fotografen möglichst wenig auszubezahlen. Da haben nichtexklusive Fotografen mit ihren höchstens 20% den Vorteil gegenüber Exklusivfotografen, die 25-45% bekommen Doch dazu bald mehr in einem anderen Blog-Artikel.

Was meint ihr? Was sind die Vor- und Nachteile der neuen Preisstruktur bei iStockphoto?

Der Fluch des Sean – Oder: Microstock-Hass und Häme

Von einigen Lesern wurde ich gefragt, warum ich bisher nichts über die Kündigung von Sean Locke geschrieben habe. Ganz ehrlich? Es ist schwer, meine Ansichten dazu in Worte zu fassen.

Sean Locke ist exklusiver Fotograf bei iStockphoto mit aktuell ca. 12.700 Bildern online und fast einer Million Verkäufen seit seiner Anmeldung Ende 2004. Das ergibt durchschnittlich ca. 10.000 Verkäufe pro Monat und damit gehörte er zu den Top-5-Fotografen bei der Bildagentur iStockphoto. Und das ohne ein großes Team, wie es einige andere Fotografen in diesen Sphären haben.

Screenshot des Profils von Sean Locke bei iStockphoto

Mitte Februar schrieb Sean Locke in seinem Blog, dass er von iStockphoto die Mitteilung erhalten habe, dass sein Benutzerkonto nach 30 Tagen geschlossen werde. Der konkrete Anlass ist unklar, aber die Vermutung liegt nahe, dass iStockphoto sowie deren Mutteragentur Getty Images einerseits unglücklich darüber waren, dass Sean Locke den „Google Drive“-Skandal öffentlich gemacht hatte und andererseits es mit seinem Greasemonkey-Skript erleichtert hatte, dass Leute ihre Bilder deaktivieren können. Als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, half Sean im Hintergrund mit, eine neue Bildagentur zu testen, die jedoch noch nicht online ist. Es wird vermutet, dass diese Agentur, welche er auch in seinem Blogbeitrag andeutet, die Agentur „Stocksy“ ist, welche der iStock-Gründer Bruce Livingstone in wenigen Wochen starten will.

Aber reicht das aus, um einen seiner Top-Fotografen zu feuern? Für iStock schon.

Was sagt uns das? Fotografen sind nichts mehr wert.

Selbst die großen Fotografen mit riesigen Portfolios und tollen Bildern werden in der Summe von den vielen restlichen Fotografen ersetzt werden können. Auch der Verlust der monatlichen Einnahmen (eine realistische Schätzung ist eine mittlere fünfstellige Summe für iStock monatlich) scheint die Agentur finanziell zu verkraften. Ein Gast hatte kürzlich im Blog kommentiert, dass die Bildagenturen ohne unsere Fotos „nichts“ wären. Das mag logisch klingen, bringt den Fotografen aber konkret nichts, denn auch sie brauchen die Agenturen, um tausende Lizenzen im Monat verkaufen zu können.

Solche Reaktionen sind für mich der Grund, warum ich keinem Fotografen eine exklusive Bindung an eine Bildagentur empfehle, wenn er von seiner Arbeit leben will. Ich bin mir sicher, dass Sean mit seinem Können und seiner Erfahrung auch in anderen Bildagenturen erfolgreich sein wird und wer weiß, vielleicht verdient er dann unter dem Strich sogar mehr als bisher. Ich wünsche ihm dafür viel Erfolg.

Was mich aber fast noch mehr schockiert hat als der Rauswurf von Sean Locke, waren die Reaktionen auf die Meldung bei Webseiten, welche nicht unbedingt bekannt dafür sind, microstock-freundlich eingestellt zu sein. So schrieb der Blog PetaPixel eine neutral gehaltene Meldung, welche im Kommentarteil jedoch fast in einer virtuellen Geißelung endete.

So schrieb Felipe Carlos:

„no pity here for photographer he deserves for he gets, by choosing to work with microstock. Hopefully Getty cause him as much trouble as possible, every photographer who contributes to microstock should be punished. It they who ruined this market.“

Der Fotograf Adam Gasson schrieb:

„Have to say I agree with Mike – Microstock photographers have done more than anyone else over the last decade to commodify photography and now are realising that they are just commodities themselves. The stampede to the bottom has dropped prices and quality to such a level that it is almost impossible for professional photographers to survive, so we have an industry based upon amateurs and moonlighters. Then these people wonder why the agencies no longer see the need to treat them, or value them as professionals. You have created the beast – against the advice of many people who have worked in the industry for years – now you complain that it has bitten you and expect us all to sympathise?“

Ein anonymer Kommentator schrieb:

„As a professional photographer, it’s hard to think of anyone as another “pro” who has 12,000 photo’s on file and one million licenses; he’s a factory worker manning a photographic drill press, not the next Avedon. All those on here that say he’s part of the problem, not part of the solution is right on the beam. It’s going to be hard to raise any kind of sympathy for someone who’s been involved in wrecking the business and is now trying to motivate people to back his level of “wrecking” vs. the new level of “wrecking”.“

Beim Lesen der Kommentare scheint es, als wäre Sean Locke persönlich verantwortlich für den Untergang des Macrostock-Geschäftsmodells. Dabei ist die Geschichte doch etwas anders: Es waren keineswegs professionelle Fotografen, die beschlossen haben, ihre Fotos plötzlich für ein Hundertstel des ursprünglichen Preises zu verkaufen.

Im Gegenteil: Es waren doch Grafikdesigner wie Bruce Livingston, die es im Jahr 2000 satt hatten, die hohen Bildpreise zu bezahlen und beschlossen, lieber ihre eigenen – als Notlösung selbgemachten – Fotos untereinander auf iStockphoto zu tauschen statt bei den zu teuren Bildagenturen zu kaufen. In den ersten zwei Monaten gab es nach eigenen Angaben schon mehr als 3500 Nutzer und mehr als zwei Millionen Downloads. Je mehr Designer und irgendwann auch Hobbyfotografen mitmachten, desto stärker wurde die Konkurrenz zu Macrostock. Profi-Fotografen mussten zusehen, wie ihre Einnahmen sanken und konnten entweder im Internet lauthals jammern oder sich dem geänderten Markt anpassen, indem sie ihre Bilder ebenfalls billig verkauften.

Wer will, kann sogar noch vorher ansetzen und der Erfindung der Digitalkameras die Schuld geben, welche das Fotografieren stark vereinfachte oder der Erfindung des Internets, mit dem der digitale Datenaustausch auf einmal schnell und billig funktionierte. Ohne diese beiden Voraussetzungen hätte sich Microstock nie oder nicht so schnell entwickelt.

Eine ganz andere Vorgeschichte wird ebenfalls gerne übersehen: Anfang der 1990er Jahre wurden sowohl Getty Images als auch Corbis von reichen Unternehmern gegründet, welche im Gegensatz zu den traditionellen kleinen inhabergeführten Bildagenturen keinen Bezug zur Fotografie hatten, sondern Fotos nur als eine Ware sahen, mit der Geld verdient werden konnte. Diese beiden Agenturen kaufen in den nächsten zehn Jahren so viele kleine Bildagenturen auf, dass sich der Bildermarkt praktisch innerhalb von einem Jahrzehnt einem Duopol aus Getty und Corbis gegenüber sah, welches so übermächtig war, dass es Preise, Lizenz- und Nutzungsbedingungen diktieren konnte. Weil das eben auch Bildnutzern sauer aufstieg, suchten diese nach Alternativen und… siehe oben.

Worauf ich hinaus will:
Es ist nicht leicht, weder als Macrostock- noch als Microstock-Fotograf. Evolution gehört auf jeden Fall zu einem erfolgreichen Unternehmer. Auch Sean Locke weiß das und wird sicher bald zu neuen Ufern aufbrechen.