Schlagwort-Archive: Insolvenz

Bildagentur Vario Images droht mit Abmahnung

Nachdem die Klage von Imagebroker gegen mich ent­schie­den wur­de, klopft nun der nächs­te Rechtsanwalt an.

Im Auftrag der Bildagentur Vario Images mel­det sich bei mir eine Berliner Kanzlei, um „die wei­te­re Verbreitung einer Meldung“ zu ver­hin­dern.

artikel-bild
Einige der Schlagzeilen von 2012

Sollte ich dem nicht Folge leis­ten, wer­de die Kanzlei emp­feh­len, „die Hilfe der Gerichte in Anspruch zu neh­men und dann alle aus der Verletzung resul­tie­ren­den Ansprüche“ gel­tend zu machen.

Was ist passiert?

Interessanterweise die Wahrheit. Im Juni 2012 hat­te ich hier im Blog den Gastartikel „Try Macrostock! Unterschiede zu Microstock aus der Sicht eines Bildagentur-Chefs“ ver­öf­fent­licht, in dem der Chef der Münchener Macrostock-Agentur Westend61 die Vorteile im Gegensatz zu Microstock-Agenturen erläu­ter­te.

In den Kommentaren hat­te der Leser Walter als ein Beispiel für die eher nicht so rosi­ge Lage des Bildermarkts auf den Antrag zur Planinsolvenz der Macrostock-Agentur Vario Images hin­ge­wie­sen.

Darüber haben viel aus­führ­li­cher auch ande­re Branchenmagazine im Netz berich­tet, wie zum Beispiel HORIZONT Online.

Was will Vario Images?

Die Anwältin von Vario Images wies mich nun dar­auf hin, dass das Insolvenzverfahren nach einem Rechtsreformwandel 2012 mitt­ler­wei­le abge­schlos­sen sei und der Betrieb regu­lär wei­ter lau­fe.

Damit die Leser des Blogs aktu­ell infor­miert sind, habe ich ger­ne bei den Kommentaren ein Update hin­zu­ge­fügt, wel­ches die obi­gen Informationen wie­der­spie­gelt.

Vario Images will jedoch, dass die – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung völ­lig kor­rek­ten Informationen –  nicht mehr ver­brei­tet wer­den, oder genau­er, um das Anwaltsschreiben zu zitie­ren:

Damit sind sol­che Meldungen, selbst wenn sie im Zeitpunkt ihres Erscheinens recht­mä­ßig gewe­sen sein soll­ten, zum jet­zi­gen Zeitpunkt rechts­wid­rig. Der Veröffentlichung
ste­hen die berech­tig­ten Interessen des Unternehmens und sei­ner Inhaberin ent­ge­gen.“

Als Argument wird auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs ver­wie­sen, kon­kret auf ein Urteil vom 13. Mai 2014 (EuGH, Urteil vom 13. Mai 2014 – C-131/12 – GRUR 20014, 895), wel­ches auch durch das Schlagwort „Recht auf Vergessen“ bekannt ist. Etwas les­ba­rer ist das Urteil in die­ser Pressemitteilung vom EU-Gerichtshof.

Wie reagiere ich?

Ich bin der Meinung, dass die Pressefreiheit eine gro­ße Errungenschaft ist, wel­che hoch­ge­hal­ten wer­den muss.

Das zitier­te Urteil rich­te­te sich gegen eine „natür­li­che Person“, nicht gegen eine Firma, sowie war eine Suchmaschine betrof­fen, kein Fachblog wie die­ser hier und die betrof­fe­ne Information war auch über 12 Jahre alt, nicht nur drei Jahre wie im vor­lie­gen­den Fall.

Deshalb bin ich der Auffassung, dass das Informationsbedürfnis mei­ner Leserinnen und Leser über­wiegt und möch­te die Information wei­ter­hin online las­sen.

Besonders wich­tig fin­de ich es, weil eini­ge der ein­gangs erwähn­ten Online-Medien eben­falls ein – ver­mut­li­ch iden­ti­sches – Anwaltsschreiben erhal­ten haben und die Artikel von ihren Seiten gelöscht haben. Screenshots lie­gen mir vor.

Wenn ich jeder Drohung nach­ge­ben wür­de, die mich von Agenturseite erreicht, wür­det ihr hier bald nur Jubelmeldungen von XX Millionen Bildern lesen, die eine Agentur jetzt im Bestand hat oder von XX Prozent Rabatt, wel­che eine ande­re Bildagentur gera­de gewährt.

Drückt mir die Daumen, falls es wie ange­droht zu einer Gerichtsverhandlung kom­men soll­te.

D.R.R. ist t.o.t. – Oder warum „Software as a service“ nicht immer eine gute Idee ist

Die nächs­te Pleite steht mor­gen an. Diesmal ist kei­ne Microstock-Agentur oder alt­ein­ge­ses­se­ne Bildagentur an der Reihe, son­dern die Firma „Digital Railroad“, eine Art Fotografen-Portal, wo Fotografen gegen eine monat­li­che Grundgebühr ihre Fotos prä­sen­tie­ren und ver­kau­fen konn­ten.

Ab Freitag, den 31.10.2008, 20 Uhr (MEZ) soll die Webseite wahr­schein­li­ch kom­plett geschlos­sen wer­den. Das bedeu­tet auch, dass Fotografen, die ihre Daten nicht gesi­chert haben und nur auf der DRR-Webseite anbie­ten, dana­ch das Nachsehen haben wer­den.

Dieser Fall beweist wie­der, dass das Geschäftsmodell „Software as a ser­vice“ zu unsi­cher ist, um sich lang­fris­tig dar­auf ver­las­sen zu kön­nen. „Software as a ser­vice“ bedeu­tet, dass die Software, in die­sem Fall ein Verkaufs- und Präsentationsprogramm mit Webseite für Fotografie, nicht gekauft, son­dern „gemie­tet“ wird.

Der gro­ße Nachteil ist jetzt ersicht­li­ch gewor­den: Wenn die Firma den Service nicht mehr anbie­tet, gehen im ungüns­tigs­ten Fall die Inhalte mit ver­lo­ren.

Auch Microsoft, Google und Konsorten ver­su­chen ja, in das „Software as a service“-Geschäft ein­zu­stei­gen, indem sie meist kos­ten­lo­se Office- oder Grafikprogramme im Internet anbie­ten statt die Computerprogramme zu ver­kau­fen. Wer die­se nut­zen will, soll­te sich also ver­ge­wis­sern, dass eine gute „Import/Export“-Funktion für sei­ne Daten vor­han­den ist.

Wieder eine Bildagentur pleite

Wie die Presse Informations AG PIAG eben mel­det, ist wie­der eine Bildagentur plei­te. Nach der Insolvenz der Bildagentur Bilderberg, der Microstock-Agentur Lucky Oliver sowie eini­gen ande­ren in den letz­ten Monaten ist nun die Bildagentur Archivberlin an der Reihe.

Archivberlin wur­de 1995 als „Familienbetrieb“ gegrün­det und hat­te sich auf Berlinfotos spe­zia­li­siert, bot aber auch vie­le ande­re Kollektionen von Getty Images, Corbis, Westend61 u.v.a. an.

Der archivberlin-Geschäftsführer Rainer Erdmann mel­de­te, dass seit dem 30.09.2008 das Geschäft ein­ge­stellt wur­de. Das Insolvenzverfahren beim Berliner Amtsgericht Charlottenburg (Az 36a IN 4267/08) läuft.

Die Fotos wer­den in nächs­ter Zeit von der Webseite und aus den Partneragenturen gelöscht, Dias wer­den zurück­ge­schickt oder zur Abholung bereit gelegt und die letz­ten offe­nen Honorare bis Ende Oktober abge­rech­net.

Erst vor weni­gen Monaten hat­te ich mit der Agentur wegen einer even­tu­el­len Zusammenarbeit tele­fo­niert. Jetzt schließt sie die Pforten. So schnell kann es gehen.

Wer wird als nächs­tes dran sein?