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Stockfotografie-News 2009-10-23

Hat es jemand gemerkt? Die News sind letzte Woche komplett ausgefallen. Nun wird es aber höchste Zeit, weil sich die Neuigkeiten aus der Stockfotografie-Branche schon stapeln.

  • Die Bildagentur Zoonar bietet nun die Möglichkeit, ausgewählte Fotos in das APIS-Netzwerk einzuspeisen, ein Distributionskanal vor allem für große Verlage.
  • Canon kündigt für Ende des Jahres die Canon EOS 1D Mark IV an, die hier schon vorbestellt* werden kann. Die Kamera wird 16 MP, zwei DIGIC 4-Prozessoren, 45 AF-Messfelder, einen ISO-Bereich bis 102.400 und eine FullHD-Videofunktion haben und bis zu 10 Bildern pro Sekunde aufnehmen können. Im Foto-Modus wohlgemerkt… 😉
  • Canon kündigt auch gleich ein neues Firmware-Update für die 5D Mark II an, welches Videoaufnahmen wahlweise mit 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde ermöglichen soll. Leider ist die Veröffentlichung erst Mitte 2010 geplant.
  • Die Bildagentur Mauritius Images kooperiert mit der Firma pixolution, um deren Bildersuchsystem ImageSorter zu nutzen. Das zeigt Fotos als nach Farben sortierten Clustern an und eignet sich damit vor allem für Bildkäufer, bei denen die Farbauswahl eine entscheidene Rolle spielt.
  • Nach istockphoto bietet nun auch Shutterstock eine verbindliche Rechte-Garantie für gekaufte Fotos und Videos an.
  • Auch Fotolia hat zwei spannende Neuigkeiten: Zum einen veröffentlicht es mit „Fotolia Ribbon„* ein Microsoft Word und ein Powerpoint-Plugin, mit dem Fotolia-Fotos direkt aus diesen Programmen eingefügt und gekauft werden können.
  • Die zweite Neuigkeit ist „Operation Level Ground„*. Damit bietet Fotolia neuen Fotografen die Möglichkeit, gleich mit einem höheren Ranking einzusteigen, wenn sie mindestens 1.000 Bilder und einen Mindestgesamtumsatz mitbringen, den sie bisher bei anderen Bildagenturen erzielt haben. Somit können Profi-Fotografen gleich vom Start mehr verdienen als sie es könnten, wenn sie auf der Rangliste ganz unten anfangen.
  • Im Blog der Firma LookStat gab es gleich drei lesenswerte Artikel. Zum einen eine Ideen-Liste mit den beliebtesten Suchbegriffen für Weihnachten, ein Suchbegriff-Vergleich zwischen „Hund“ und „Katze“ und die Meldung, dass im Statistik-Bereich nun Fotos nach Serien sortiert werden können. Das ist hilfreich, um zum Beispiel leicht zu erkennen, wie viel die Fotos einer Fotosession zusammen über mehrere Bildagenturen hinweg eingebracht haben oder welche Models wie viel Umsatz gebracht haben.
  • Markus Wäger stellt in seinem Blog eine Erfindung von Tao Chen vor, mit der man nur ein Motiv ungefähr skizzieren muss, damit das Programm entsprechende Fotos raussucht. Wer das System in eine Bildagentur integriert, könnte damit die Bildersuche revolutionieren und unabhängiger von Suchbegriffen machen.
  • Die Bildproduktionsfirma Image Source ändert ihren Namen in tabato und konzentriert sich auf die Motivbereiche Healthcare und Finance.
  • Die Footage-Agentur Pond5 verkauft jetzt auch Audio-Clips.
  • Auch die Bildagentur PantherMedia rührt kräftig an ihren Verkaufsmethoden. Erst eröffnen sie eine Zweigstelle in Polen, jetzt streichen sie die Anzahl ihrer Bildgrößen von 9 auf 6 zusammen und verändern die Preise. Beim Credit-Kauf eines DinA4-Fotos werden nun zwischen 9,60 Euro bis 16,68 Euro fällig, statt wie bisher 49,90 Euro beim Kauf auf Rechnung. Das entspricht einer Preissenkung von 80%. Ich bin noch nicht sicher, ob ich das gut finden soll.
  • Die Bildagentur Getty Images entlässt wieder Mitarbeiter und schließt ihre Abteilung für Auftragsproduktionen. Diese sogenannten „wholly owned shoots“ sind Fotoserien, die von einer Bildagentur in Auftrag gegeben und bezahlt werden. Der Fotograf verdient dann nur an dem einen Auftrag, die Verkaufsprovisionen fließen dann meist ausschließlich (oder zu einem viel größeren Teil) an die Bildagentur. Ich muss zugeben, dass ich diesem Modell nie besonders euphorisch gegenüber stand, da es langfristig die die Machtposition zu Lasten der Fotografen in Richtung Bildagentur verlagert. Deswegen stimmt mich diese Meldung nicht so traurig. Aber auch anders könnte ein Schuh draus werden: Getty will das Risiko, ob sich eine Fotostrecke gut verkauft oder nicht, an die Fotografen auslagern. Oder wie seht ihr das alles?

* Affiliate-Link (ich erhalte Provision beim Kauf, ihr zahlt nicht mehr)

3 Kriterien für eine erfolgreiche Bildagentur

Wer als Fotograf mit einer Bildagentur zusammenarbeiten will, möchte eine Bildagentur, die langfristig am Markt Erfolg hat. Das ist dann der Fall, wenn die Kunden mit der Agentur zufrieden sind.

Von der Kundenseite aus gibt es drei Kriterien, die dafür sorgen, dass eine Bildagentur über lange Zeit hinweg viel verdient und damit auch den Lieferanten Einnahmen verschafft.

Drei Finger
1. Die Inhalte
Die schönste Webseite nützt nichts, wenn nicht das passende Bild oder Video vorhanden ist, was der Kunde haben möchte. Um im Bildermarkt erfolgreich zu sein, werden mehrere zigtausend Fotos benötigt, bevor überhaupt auf Kundensuche gegangen werden kann. Das ist mittlerweile die größte Einstiegshürde in den Markt, da es für die Fotografen genug andere  – auch erfolgreiche – Agenturen gibt, die deren Fotos gerne nehmen. Neue Bildagenturen können deshalb nur genügend Inhalte generieren, wenn das Angebot an die Fotografen lukrativ genug ist.

Die Bildagentur Zoonar beispielsweise bietet den Fotografen bis zu 80% Umsatzbeteiligung. Oder kurz nachdem Fotolia ihre Lieferanten um Einsendung von Stock-Videos gebeten hat, erhöhte der Konkurrent istockphoto das Upload-Limit für Videos, mit dem sie sonst versuchen, die Anzahl der gelieferten Videos zu begrenzen.

Wer sehen möchte, wie eine Bildagentur bestückt ist, sollte sich angewöhnen, bei jeder Agentur nach den gleichen Suchbegriffen zu suchen. Einmal eine Kombination, die in der Regel viele Treffer verspricht, wie z.B. „Frau Freude“ oder „Weihnachten“ und einmal ein Suchwort, welches seltener zu Treffern führt, wie z.B. „Planierraupe“ oder „Sauerstoffflasche“. Wer das regelmäßig macht, wird anhand der Suchergebnisse schnell ein Gefühl dafür bekommen, ob es sich lohnt, mit dieser Agentur zusammenzuarbeiten.

Neben der puren Menge an Inhalten ist auch die Qualität und die Exklusivität wichtig. Wenn das Motiv passt, aber das Bild nicht groß genug gedruckt werden kann, wenden sich Kunden enttäuscht ab. Wenn bei Agentur XY nur Fotos zu finden sind, die der Kunde schon von Agentur Z kennt, wird er dort nicht länger suchen.

2. Die Suche
Die Inhalte bringen einer Agentur nichts, wenn die Kunden diese nicht finden. Da viele Agenturen mittlerweile Fotos im Millionenbereich horten, wird es immer wichtiger, zu entscheiden, nach welcher Methode die Bilder angezeigt werden. Sollen die neusten nach vorne? Die meistverkauften? Eine Kombination aus beidem? Da es für Bildkäufer genauso frustrierend ist, zu wenig Auswahl zu haben wie sich durch hunderte nicht relevanter Fotos klicken zu müssen, ist die richtige Balance entscheidend.

Spitzenreiter auf diesem Gebiet ist momentan Getty Images mit ihrem „kontrollierten Vokabular„. Bildkäufer können dort in der Regel mit höchstens 2-3 Suchbegriffen ein Foto finden, was sehr genau ihren Vorstellungen entspricht. Die einzigen beiden Nachteil dieser Methode sind, dass die Kunden erstens die Benutzung etwas „trainieren“ müssen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Darum bietet Getty Images eine fast 20seitige PDF mit Suchtipps. Zweitens ist das kontrollierte Vokabular auch einengend, vor allem, wenn es um sehr präzise Unterscheidungen geht, z.B. zwischen einem Traktor mit Ackerwalze bzw. Glattwalze.

In naher Zukunft könnte die Bildsuche jedoch durch Systeme revolutioniert werden, welche Fotos aufgrund der Ähnlichkeit mit anderen Fotos gruppieren. In dieser Richtung wird fleißig geforscht. Erste Ergebnisse sind der ImageSorter (sortiert große Bildmengen nach Farbe), Retrievr (sucht Flickr-Bilder, die der eigenen Skizze oder dem eigenen Foto ähneln)  oder ImageSearch von IBM (erkennt Gesichter in Fotos). Eine Einleitung in die verschiedenen Methoden der Bildersuche gibt es hier.

3. Die Preise
Die gefunden Fotos bringen einem Kunden nichts, wenn er sie sich nicht leisten kann. Der Preis von Bildern einer Agentur ist demnach ebenfalls einer der drei wichtigen Kriterien für den Erfolg einer Bildagentur. Dass „billig“ sich gut verkauft, hat vor allem der Erfolg der Microstock-Bildagenturen in den letzten Jahren gezeigt. Als Reaktion darauf haben viele etablierte Anbieter ebenfalls ihre Preise gesenkt, wenn manchmal auch nur für die „Web-Auflösung“.

Doch nicht nur die Höhe des Preises ist entscheidend für den Erfolg einer Bildagentur, sondern auch, wie einfach oder kompliziert das Preismodell ist. Urprünglich war die Einführung von „royalty free“-Lizenzen eine Reaktion auf die komplizierte Lizenzierung von „rights managed“-Bildern. 1x zahlen, immer nutzen, egal für was, war die Devise. Später kamen aber immer mehr Einschränkungen hinzu. So muss sich heute z.B. ein Käufer bei Fotolia zwischen 40 verschiedenen Preispunkten entscheiden, je nachdem, welches Foto und welche Dateigröße er sucht und ob er eine „erweiterte Lizenz“ braucht.

Die Mischung macht’s
Wie bei vielen anderen Theorien auch ist der Zusammenhang zwischen Erfolg und einem der Kriterien nicht monokausal. Wer Erfolg haben will, braucht ein gelungenes Zusammenspiel der drei Kriterien Inhalte, Suche und Preise. Wer beispielsweise eine sehr gelungene Suchfunktion hat, braucht weniger Bilder im Archiv. Zusätzlich gibt es auch noch andere Faktoren, die zum Erfolg von Bildagenturen beitragen können. Dazu gehört beispielsweise der Service, angebotene Zahlungsmethoden und die Bekanntheit, welche durch Werbung und Marketing erreicht wird.

Nun zu Euch: Worauf achtet ihr, wenn ihr bei einer Bildagentur einkauft?